Ausgabe 
2.9.1902 Erstes Blatt
 
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Aus Stadt und Land.

Gießen, 2. September 1902.

Mitteilungen aus dem Publikum werden gev» entgegen ge­nommen und angemessen honoriert.

Dir. Di e D e f i n i t 0 r ia l - P r ü sun g en für Schul- amts-Aspiranten und .Aspirantinnen beginnen für diesen Herbst am 13. Oktober in der Aula des Ludwig-O^eorgs- Gymnasinms. Reflektanten müssen bis spätestens 13. Sep­tember ihre Gesuche und Zeugnisse bei den betreffenden Kreisschulkommissionen einreichen.

* Wünsche der Gerichts Vollzieher. Tern Vernehmen nach beabsichtigen die Gerichtsvollzieher, vor­nehmlich die ländlichen, micbcrljolt bei Großh. Re­gierung und den Kammern um Verstaatlichung des Instituts zu petitionieren unb zwar hauptsächlich aus dem Grunde, weil namentlich den Gerichtsvollziehern auf dem Lande mit Inkrafttreten des neuen Sparkassegesetzes ein großer finanzieller Nachteil droht, zumal das Beitreibungsver- fahren jetzt nicht mehr durch die Gerichtsvollzieher, sondern durch besonders zu bestellende Vollzugsbeamte besorgt werden soll. Umsomehr wäre dem Gerichtsvollzieherstand zu wünschen, daß auch er endlich mit feinen berechtigten

Tie Kosten sind vorläufig auf 2225 000 Mark veranschlagt, wozu jedenfalls die Stadt einen namhaften Beitrag leisten wird. unteren Teil des Hauses gedenkt man eine Turnhalle für die städtischen Schulen einzurichten, während man im Obergeschoß die Lehrsäle für die Gewerbeschule herrichtet.

Offenbach, 31. Aug. Die hiesige Handelskammer hat sich für die Beseitigung der Gerichtsferien ausgesprochen und ihren Antrag auf deren Abschaffung damit begründet, daß diese ursprünglich lediglich aus Rück- sicht aus die landwirtschaftliche Bevölkerung geschaffene Einrichtung, nachdem die betreffenden Verhältnisse eine Wandlung von Grund auf erfahren l)ätlen, nicht mehr zeit­gemäß und mit erheblichen Schäden für den Geschäftsverkehr verbunden sei, auch das Ansehen der Rechtsprechung beein­trächtige. Für den Fall, daß es zunächst nur zu einer Vermehrung der Feriensachen kommen sollte, hat die Handelskammer die Erklärung aller Forderungsklagen zu Feriensachen befürwortet und die von der Handelskammer Breslau empfohlene Beschränkung dieser Maßregel aus Forderungsklagen aus Warenlieferungen von Kaufmann zu Kaufmann mit der Begründung abgelehnt, daß auch der Schein einer Bevorzugung des Kaufmannsstandes in dieser Sache vermieden werden müsse. Auf Grund des Ergeb­nisses einer Nachfrage bei den Beteiligten ist die Handels­kammer an maßgebender Stelle dahin vorstellig geworden, daß das Zuendebedienen der schon im Verkaufs­lokal anwesenden Kundschaft nach Eintritt des Ladenschlusses auch an Sonntagen gestattet wer­den möge. Sie empfiehlt zu dem Zwecke einen Zusatz zu § 41a Abs. 1 der R.-G.-Q.

Mainz, 29. Aug. An Vergif tun gsersch ei- nungen ist das Kind eines hiesigen Beamten erkrankt, das nach dem Genuß von Gurkensalat Wasser getrunken hatte. Tas Kind kam nach einiger Zeit bleich von der Straße in die elterliche Wohnung und klagte über Kopf­schmerz und Uebelkeit. Bald darnach verfiel es in heftige Zuckungen und ein gelblicher Schaum trat ihm vor beit Mund. Der rasch herbeigerufene Arzt konnte die Erschei­nungen rasch beheben.

Worms, 29. Aug. In verflossener Nacht wurden

kann.

ßGambach, 1. Sept. Auf dem Ma növergelände zwischen hier und Münzenberg begann heute in Anwesen­heit des Brigadekommandeurs Grafen v. Kanitz das große Exerzieren der aus den Regimentern Nr. 115, 116 und 168 bestehenden 49. 'Infanterie-Brigade, wozu sich zahlreiche Neu­gierige aus der Umgegend eingefunden hatten. Mitte dieser Woche wird auch der Tivisionstommandeur Freiherr von Gäll zur Besichtigung der Hebungen eintreffen.

e. Bad-Nauheim, 31. Aug. Die Schlußabrechnung über den 19. Hessischen Feuerwehr tag, gehalten vom 19.21. Juli d. I., hat ein sehr günstiges Resultat erzielt. In der gestrigen letzten Hauptausschußsitzung wurde mitge­teilt, daß der Baarüberschuß beim Feste 1986,52 Mk. betrage, außerdem sind für 220,50 Mk. Fahnen re. vorhan­den, sodaß mithin der Gesamtüberschuß 2206,92 Mk. beträgt. Im Voranschläge waren 4000 Mk. für Ausgaben und Ein­nahmen vorgesehen, es ergaben sich aber nur 3270 Mk. Ausgaben, dagegen aber 5256,52 Mk. Einnahmen. Bei den Ausgaben halte man für elektrische Beleuchtung des Fest­platzes 600 Mk. vorgesehen, man begnügte sich aber mit Oellampen, die nur einen Kostenaufwand von 88 Mk. er­forderten. Für Musik gab man dagegen statt 570 900 Mk. aus. An Eintrittsgeld ging die hohe Summe von 2767 Mk. ein. An dem Feste nahmen 92 Wehren mit 2700 Mitglie­dern teil. Gestern wurde von der Finanzkommission der löb­liche Antrag gestellt, von dem Baarüberschuß 1000 Mark für einen Unterstützungsfond der Feuerwehr festzu- legen. Von den Herren der freiwilligen Feuerwehr wurde das aber abgelehnt mit der Ansicht, bei Unglücksfällen habe die Stadt und der Staat zu unterstützen. Es wurde über­haupt dem Festausschuß das Recht abgesprochen, über den erzielten Gewinn zu verfügen, das sei Sache der Feuerwehr.

Bad Nauheim, 31. Aug. Unterhaltungen. Frühkonzert der Kurkapelle täglich von 78 Uhr norm, am Kurbrunnen. Mittwoch, 3. Sept., nachm. und abends auf der Terrasse Konzert der Kapelle des 2. Großh. Hess. Feld- Artillerie-Negiments Nr. 61 aus Darmstadt. Abends von 810 Uhr int Saale Tanz. Donnerstag, 4. Sept., nachm. und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: Ballet-Gastsviel der Solotünzerin Fr. Mila Reisinger und des Frl. Cigaria vom Opernhaus in Frankfurt a. M.. Sommerregen". Hierauf:Ballet". Zum Schluß:In Zivil". Freitag, 5. Sept., nachm. und abends auf der Ter­rasse Konzert der Kurkapelle. Abends Operetten-Konzert. Abends 8 Uhr Theatervorstellung:Ter Bibliothekar". Samstag, 6. Sept-, nachm. und abends auf^ der Terrasse Konzert der KurkapeUe. Abends 8 Uhr im Saale Konzert des Kölner Solo-Ouartetts. Sonntag, 7. Sept., Konzert der Kapelle des Hess. Infanterie-(Leib-Garde-)Regiments s)lr. 115 aus Darmstadt.

() Groß-Felda, 1. Sept- Nicht geringes Aufsehen erregt hier der Tod des Kaufmanns W., der vorgestern morgen seinem Leben durch Erhängen ein Ende bereitete. Ter im vollen Mannesalter Tahingeschiedene erfreute sich allgemeiner Sympathie. Sick)er ist die traurige Thal auf momentane Geistesstörung zurückzuführen.

K. Geilshausen, 30. Ang. Hier findet nächsten Sonntag eine Ve r trauen sm änncr-B er samm­ln ng des hessischen Bauernbundes statt. Tie diesjährige LanotagSwuhl im Wahlkreis Grünberg Lond darf a. d. Lumda wird auf der Tagesordnung stehen. Wie man von wohlunterrichteter s^cite hört, soll Redakteur Hirschel-Offenbach aufgestellt werden.

l S ch o t t e n , 31. Äug. Auch hier erstrebt man, ähnlich wie in Nidda, die Einrichtung einer Gewerbe­schule. Es ist dies im Hinblick auf die Entwickelung unseres Handwerkerstandes sehr zu begrüßen. Vorerst han­delt es sich um Erbauung des erforderlichen Schulhauses.

Leitungen verbreitet worden, daß die Einkaufspreise abnorm hoch stehen.

Im übrigen ist eS jedem aufrichtig denkenden Geschäftsmann klar, daß maßlos hohe Preise einen Rückgang des Konsums und damit auch des Verdienstes bewirken, während die Geschäftsunkosten stets dieselben sind. , , , . . ,r

Was die Hebung vonGerechtigkeit" anbelangt, so wird wohl kein Stand diese der Landwirtschaft mehr gönnen als das Metzger­gewerbe, stehen doch keine anderen Berufsklassen sich näher als bte beiden. Produzent und direkter Abnehmer sind stets auf einander angewiesen. Gern wird der Metzger dem Landwirt eine rentable Viehzucht wünschen und gönnen, diese bewegt sich aber am besten in normalen Mittelpreisen, niemals gut sind aber solche, wie sie gegenwärtig schon feit einem Jahre sind. Vor wie nach muß der Grundsatz bestehen bleiben, daß die deulscheViehzucht nicht gleichen Schritt hält mit her Volksvermehrung. Werfen wir nur einen Blick auf die deutsche Schweinezucht. Im vorigen Jahre hatten wir eine vorzügliche Kartoffelernte. Trotzdem losten heute Ferkel, Läufer und Einlegeschweine das Pfund Lebend­gewicht bis zu einer Mark. Der Grund dieser Theuerung liegt darin, daß die nötigen Zuchts auen nicht gehalten werden. Folglich muß die Gewißheit Platz greifen: Deutsch- land ift bis dato nicht in der Lage, den Bedarf an Fettoieh bei normalen Mittelpreisen ohne Be­schränkung d esK o n s u ms zu decken, mi t hin au f d as viehreichere Ausland angewi^es en. Wenn die Einfuhr auf die allernächsten Grenzorte mit öffentlichen Schlachthäusern, Geleisanschluß unter strengsten sanitären Vorsichtsmaßregeln und sofortiger Abschlachtung genehmigt wird, so ist dem größten Hebel- stand abgeholfen, und die Regierung hat es stets in Händen, |o bald ein unnatürliches Sinken der ^chlachtoiehpreise anzunehmen ist, diese Vergünstigung sofort aufzuhcben. Thatsache ist es, daß Viehseuchen größtenteils durch Zuchttiere verschleppt werden. Wenn hier die Regierung die größte Vorsicht braucht, um den heimischen Viehstand zu schützen, wird ihr jeder Rechtdenkende nur Tank zollen.

Ein Leser auf dem Lande sendet uns fernerzur Ant­wort auf den Kriegsruf" in unserer Sarnstag-Nurnrner einen Aufsatz der Zentralstelle der preußischen Landwirtschafts­kammern (Viehverwertungsstelle) dem wir folgendes ent­nehmen: , r

Wohl sind die Preise für Schweine seit Jahresfrist hoch, und neuerdings, aber erst seit wenigen Wochen, sind auch die Preise für Rindvieh und Schafe gestiegen. Wir haben es hier aber nicht mit einer Sondererscheinung in Deutschland zu thun, sondern in allen europäischen Staaten, vor allem aber in Amerika sind ähnliche oder noch größere Preissteigerungen für Vieh und Fleisch zu verzeichnen.

Wenn thatsächlich Mangel an Schlachtvieh herrschte, dann müßten die Märkte ftels rasch geräumt werden, weil jeder Schlächter suchen müßte, den größtmöglichen Anteil an dem noch vorhandenen Vieh sich zu sichern. In Wirk­lichkeit verlaufen die meisten Viärkte langsam, höchstens mittelmäßig, und es bleibt häufig noch ein Heberstand. Vom Berliner Markt am 16. August meldet dieAllgem. Fleischerztg.":Da für Ausfuhrzwecke wenig Bedarf war, wird der heutige Martt (in Rindern) nicht ganz geräumt werben"; unb vom Schweinemarkt:,Die Käufer zeigten aber wenig Kauflust und wichen daher auch hier die Preise durchweg um 1 Mark." Am 18. August aber verliefen die Märkte in Dresden, Leipzig, Ehemnitz, Zwickau, Plauen, Frankfurt a. M. und Mannheimmittelmäßig", zum Teil langsam, und auch die Märtte in Hannover, Hamburg, Dortmund, Köln und Elberfeld melden über den Rindvieh- hanbei: ruhig ober flau unb langsam, und nur bezüglich des Schweinemarktes: gut, lebhaft ober flott. Dabei ver­bleibt Heberstand in Rindvieh in Köln, Dresden, Leipzig, . Hamburg, Frankfurt a. M-, Mannheim; und in Schweinen: ' in Dresden, Leipzig und Ehemnitz. Ter Bedarf an Schlacht­vieh wird also noch immer trotz aller gegenteiligen Be­hauptungen gedeckt, allerdings müssen dieSchlüch- ter höhere Preise anlegen, als sie es aus den letzten Jahren gewöhnt sind.

Es ist niemals den Fleischern das Recht bestritten worden, daß sie die Marktpreise des Fleisches in Einklang halten mit den Einkaufspreisen des lebenden Viehes, daß sie also bei gestiegenen Viehpreisen auch die Fleischpreise so weit in die Höhe setzen, daß sie nicht nur ohne Verlust verkaufen können, sondern auch einen Nutzen haben. Wenn die bisherigen Verkaufspreise daher bei den gestiegenen Viehpreisen den Schlächtern Verlust bringen, so wird es ihnen niemand verdenken, wenn sie dieselben erhöhen. Auf das allerentschiedenste aber muß von Seiten der Landwirtschaft dagegen Protest erhoben werden, wenn die höheren Viehpreise als eine künstliche und wucherische Preissteigerung der Agrarier dargestellt werden, welche unter dem Deckmantel, ihren Viehbestand vor Verseuchung schützen zu müssen, aus Beibehaltung der Grenzsperren hin­wirkten, ohne daß hierfür ein genügender Grund vorhanden sei. Es muß demgegenüber immer wieder darauf hinge» wiesen werden, daß die Einfuhr von Rindvieh nach wie vor gestattet ist und in reichlichstem Maße ausgenützt wird, und daß bezüglich der Schweineeinfuhr zwar ein solches Verbot besteht, eine Aushebung dieses Verbots aber keine Veränderung in den Schweinepreisen herbeiführen würde, da die für die Einfuhr lebender Schweine allein in Be­tracht kommenden Länder gleichfalls hohe Schweinepreise haben, was außer durch die Schweinepreise in diesen Ländern auch dadurch nachgewiesen wird, daß die gestattete Einfuhr von geschlachteten Schweinen aus denselben zwar gewaltig gestiegen ist die Einfuhr an frischem Schweinefleisch ist im ersten Halbjahr 1902 von 39816 Doppelzentner au 99 814 Doppelzentner, also um 150 Prozent gestiegen der Preis desselben aber so hoch war, daß trotz dieser noch nicht dagewesenen Hohe der Einfuhr von frischem Schweine­fleisch dieselbe keinerlei preisdrückende Wirkung auf unsere Schweinepreise ausüben konnte.

Wünschen Berücksichtigung fände, was nicht minder auch im Interesse der Justiz läge. Tenn, gestehen wir es offen, finanziell schlecht gestellte Gerichtsvollzieher schädigen n E. nicht nur das Ansehen der Justiz, sondern bilden auch eine Gefahr für die gesamte Rechtspflege. Suum cuique.

** Das Verzeichnis der dem Verbände deutscher Touristenvereine angehörenden Verbandsvereine nach dem Stande vom 1. April 1902 ist erschienen. Wir nennen daraus: XaunuSTlub, Odenwaldklub, Freigerichter Bund, Spessart-Touristeuverein Hanau, Wiesbadener Rhein- und Taunusklub, Taunusklub Wetterau, Vogelsberger Höhenklub, Rhöntlub, Rheinischer Touristenklub, Frankfurter Touristen­vereinAltkingklub", Niederhessischer Touristenverein, Ober­hessischer Touristenverein, Verschonerungsverein für Offen­bach und Umgebung, TouristenvereinFrankofurtia", Tou- riftentlub ,Loreley".

[] Burkhardsfelden, 31. Aug. Anläßlich der Sedanfeier veranstalteten hiesige Lehrer mit ihren Schülern ein Kinderfest, welches in fröhlichster Stim­mung verlief. Tas Fest, das gegen 3 Uhr seinen Anfang nahm, eröffneten die Schüler mit dem LiedLobt froh den Herrn". Lehrer Buß hielt darauf eine Rede, die mitjünem Hoch auf Kaiser und Großherzog schloß. Es folgten Spiele, bei denen sich die Kinder prächtig amüsierten.

T. Treis-Horloff, 29. August. Unser seitheriger Beigeordneter Hofmann, der bereits zweimal gewählt wurde und fast 19 Jahre dieses Ehrenamt bekleidet, hat anläßlich der bevorstehenden Neuwahl seine Wieder­wahl abgelehnt und gebeten, einer jüngeren Kraft dieses Amt zu übertragen. Er schlägt hierzu einen hiesigen als sehr tüchtig bekannten Mann Namens Hublitz vor. Tie Anhänger des Herrn Hofmann suchen denselben jedoch zur Wiederannahme der Kandidatur zu bewegen.

)( Nieder-Ohmen, 1. Sept- Die hiesigen Feuer­wehren, voran die freiwillige, hatten zu einem Feuer­wehr t a g und Feuerwehr fest gerüstet. Tie frei­willigen Feuerwehren im Verein mit den Pflichtfeuerwehren der benachbarten Städtchen und Dörfer, wie Grünberg, Homberg a. O-, Flensungen, Windhausen u. a. waren er­schienen, ebenso nahmen die Spitzen der Kreisbehörde, Kreis­rat Tr. Melior, Kreisamtmann Langermann und Kreis­feuerwehrinspektor Loos Teil am Feuerwehrtage. Nach den Beratungen nachmittags schritten die hiesigen Feuerwehren zu den Hebungen, die allgemeine Anerkennung bei den zahlreichen Zuschauern fanden.

w. Ettingshause jn, 31. Aug. Hnsere Gemeinde plant bept Bau einer Wasserleitung. Die Vor­arbeiten sind soweit beendet, daß die Arbeiten unb Liefer­ungen noch im Herbst vergeben werden sollen. Tas Wasser ist vom Kreisgesundheitsamt als sehr gut befunden worden und genügt für drei Dörfer. Die Quellen führen durch Basalt-und Kohlenlager und befinden sich in der Gemarkung Queckb orn, wo auch die Quellen der Gießener Wasser­leitung liegen. Die Leitung wird jedem Bürger kostenlos bis ins Haus gelegt, da unsere Gemeinde jich das leisten

wiederum zwei Einbruchsdiebstähle verübt und zwar einer in einer Fabrik am Plattweg unweit der Mainzerstraße und der andere in einer Kantine beim Eisen­bahnbau in der 9!ähe der Kaserne. In dem ersteren Falle haben die Diebe den eisernen Aufsatz des Kassen- chrankes im Kontor heruntergeworfen und mit Pickeln zerschlagen; es scheint jedoch nicht, daß ihnen Geld in die Hände gefallen ist. Außerdem wurden noch sonstige Zachen zerstört. In der erwähnten Eisenbahn-Kantine haben Die Siebe Eßwaren, geistige Getränke und Zigarren gestohlen, deren Wert nicht bedeutend ist. Durch das Feldschuß­personal wurde in der verflossenen Nacht in einem Stroh- häufen ein angeblich er Lehxer aus Meiningen aufgefunden, welcher behauptet, aus seinem bis­herigen Wohnort flüchtig gegangen zu sein, weil er ein Sittlichkeitsverbrechen verübt habe. In seinem Besitze fand ich u. a. ein Strick, den er nach seiner Angabe in der Ab­sicht mitgeführt, um seinem Leben durch Erhängen ein Ende zu machen. Inwieweit die Selbstanschuldigung auf Wahr­heit beruht, muß erst festgestellt werden Der Mann wurde einstweilen festgenommen.

Frankfurt, 29. August. Der ungeratene Sohn einet angesehenen Familie in Köln a. Rh. war vor einiger Zeit einer hier ansässigen Großmutter zur .Erziehung" refp. Besserung übergeben worden. Diese Gelegenheit benützte der junge Mensch zu einem Einbruchsdieb st ahle bei der alten Dame, wobei ihm eine Barsumrne von 80 000 Mk. in die Hände fiel. Dieses Geld hat er innerhalb von acht Tagen bis auf einen Rest von 600 Mark in schlechter Gesellschaft vergeudet. Hierbei soll er in einzelnen Fällen Tausendmarkscheine als Trink, gelb gegeben haben. Der leichtsinnige junge Mensch wurde in Haft genommen (Dieser junge Mann war in der That leichtsinnig. Es giebt aber, abgesehen von fürstlichen oder ähnlichen Personen, die auf ihren Reisen wohl hin und wieder recht hohe Trinkgelder geben, doch Ge­legenheiten, wo gewöhnliche Sterbliche, die allerdings den Vorzug großen Reichtums genießen, ebenfalls Tausende als Trinkgeld" verabreichen. Auf einem der Dampfer des Norddeutschen Lloyds, der die vornehme Welt Europas und der Union von New-York nach London ober Bremen bring, passierte z. Zt. der Weltausstellung von Chicago folgender niedliche Vorfall: Beim Diner renommierte ein deutscher Kom­merzienrat mit der Summe, die er in wenigen Tagen in der weißen Stadt am schönen Lake Michigan« verbraucht habe. Ohne gefragt zu werden, bezifferte er dann die Summe auf über 1000 Dollars. Ein junger Amerikaner, der sich wahr­scheinlich über diese Prahlerei ärgerte, winkte beim Dessert einen Steward heran und gab ihm ohne Aussehen einige Bankscheine über 1000 Dollars. Der Steward war sprach­los. Erst als der Amerikaner ihm bedeutete, daß dieses Trinkgeld für ihn bestimmt sei, löste sich sein Staunen in warme Tankesworte, denen der Amerikaner allerdings ein schnelles Ende machte. Jener Renommist aber verschwand heimlich an Teck, da ihm der laute Beifall der anderen Passagiere wohl wenig zusagte. 'D. Md.)

Frankfurt a. M., 1. Sept. Bei den Motor» wagen-Rennen, die am Sonntagvormittag am Forst» Haus ftattfanben, ereignete sich bei den Vorläusen morgens ein Unglücksfall, der noch glimpflich ab ging. Ter 20 Jahre alte Monteur Alfred Beitot, der bei den Rüsselsheimer Opelwerken beschäftigt ist, fuhr mit einem Opel-Tarracqu» Wagen im Werte von 25 000 Mk. bei einer Kurve wider einen Baum an, sodaß fisch der Wagen überschlulg und in Trümmer ging. Ter junge Mann erlitt starke Verletzungen am Kopf unb wurde in bewußtlosem Zustand in das städtische Krankenhaus geschasst. Am Samstag wurde in Bocken heim der 4 Jahre alte V. Friedel von einem Lastwagen überfahren, am Sonntag starb der kleine Junge im Krankenhaus.

Homburg, 31. Aug. Die Sammlungen für das Kaiserin Friedrich-Denkmal haben einen bedeu­tend höheren Betrag als erforderlich, nämlich nahezu 33 000 Mark, ergeben. Davon wurden nahezu 25 000 Mk., also über drei Viertel, von deutschen Zeichnern aufgebracht (Homburger Einwohner und Villenbesitzer 1617 000, andre Deutsche etwas über 8000 Mk.) Auf ausländische Zeichner entfallen rund 8000 Mark, also knapp ein Viertel, davon auf englische allein rund 5500 Mk. oder etwa ein Sechstel. Es brachten also auf: Homburg die Hälfte, das übrige Deutschland ein Viertel, England ein Sechstel, das übrige Ausland den Rest. Veranlassung zu dieser Ausrechnung giebt die Behauptung des Homburger Berichterstatters (ob.e»