Nv. 205
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Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hefstschen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.
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Erstes Blatt. 152. Jahrgang
Dienstag 2. September 1802
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Ve-ngSpret-r monatlich7bPs., viertel^ jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bcstellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenprets: lokal I2Pf^ auswärts 20 Psg.
Verantwortlich: für den polit. u. allgem« Teil: P. Wittko; für „Stadt und £anbe und „6)erichtssaal": Eurt Plato; für den An- geigenteil: HanS Beck.
Gießen, den 16. August 1902.
Betr.: Die in der Provinz Oberhessen im Herbst 1902 statt findenden Truppenübungen; hier: Abschätzung der Flurschäden.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Unter Hinweis auf die Bestimmungen im Reichsgesetzblatt Rr. 32 aus 1898 S. 934 zu § 14 beauftragen wir Sie, die Grundbesitzer alsbald, nachdem die Hebungen innerhalb Ihrer Gemarkung beendet find, durch ortsübliche Bekanntmachung zur Anmeldung ihrer Flurschäden aufzufordern.
Zu der von Ihnen zu fertigenden Zusammenstellung der angemeldeten Schäden ist das vorgeschriebene Formular zu verwenden, welches als Beilage E zur Instruktion in dem vorgenannten Reichsgesetzblatt S. 969 ff. abgedruckt ist. Die daselbst gegebenen Anmerkungen sind genau zu beachten.
Das Formular wird Ihnen auf Austehen durch uns über- saudt werden. Sie wollen dasselbe, sobald Schadensanmeldungen bei Ihnen erfolgen, unter Angabe der ungefähren Zahl der beschädigten Grundstücke schleunigst von uns erbitten. In dem Formular sind die erfolgenden Anmeldungen nach Flur und Nummer geordnet durch Ausfüllen der Spalten 1—5 mit Tinte einzutragen, während die Spalten 6 und 7 mit Bleistift auszufüllen sind. Die Spalte 6a, Forderung des Beschädigten, ist, nur auszufüllen, und zwar mit Tinte, wenn der Beschädigte thatsächlich einen bestimmten Anspruch erhebt. Bei Ausfüllung der Spalte 7 empfiehlt sich Angabe des Verlustes von Körnern, Heu, Kartoffeln re. in Zentnern. Die Spalte 7 ist so auszufüllen, daß die Entschädigungsbeträge im Wege der Berechnung genau ermittelt werden können.
Unmittelbar nach eingetretener Beschädigung haben die Beteiligten Ihre Entscheihung darüber anzurufen, ob und inwieweit die Aberntung der beschädigten Felder einzutreten hat. Letztere ist von Ihnen anzuordnen, insoweit beim Verbleiben der Früchte auf dem Felde ein höherer, als der durch die Truppen verursachte Schaden entstehen würde, namentlich also bei Früchten, welche dem Verderben ausgesetzt sind. Wird die Aberntung demgemäß vor dem Eintreffen der Abschätzungskommission angeordnet, so haben Sie sofort unter Zuziehung zweier, der Abschätzungen dieser Art kundigen, unparteiischen und unbeteiligten, ortseingesessenen Personen den Stand der beschädigten und abzuerntenden Felder, das Quantum (Fuder u. s. w.) und die Qualität der übrig gebliebenen Früchte und deren etwaige weitere Verwendbarkeit (z. B. als Viehfutter) und den sich hiernach ergebenden Umfang des Schadens, nicht aber die Höhe der Entschädigungssumme, festzustellen. Es wird hierbei unter besonderem Hinweis auf unser Amtsblatt Rr. 7 vom 26. Juli 1899, dessen Vorschriften aufs genaueste zu beobachten sind, ausdrücklich bemerkt, daß diesen Bestimmungen nicht entsprechende Abschätzungen keine Berücksichtigung finden können, und daß von denselben (Anordnung der Aberntung der Felder nebst Feststellung des Schadensumfanges) nur in den Fällen Gebrauch zu machen ist, in welchen dies zur Verhütung eines höheren Schadens unbedingt nötig erscheint. Ueber den Befund ist ein kurzes Protokoll aufzunehmen, von Ihnen und den zugezogenen Ortseingesessenen zu unterschreiben und der Nachweisung beizuschließen, m welcher das Ergebnis der Abschätzung mit besonderer Erwähnung Ihrer Verfügung wegen des Aberntens in Spalte 10 einzutragen ist. Zur Abschätzung sind die Beschädigten zu laden.
Für ihre Thätigkeit in Flurschadenangelegenheiten beziehen die Großh. Bürgermeister keine Vergütung. Die Teilnahme bei der Abschätzung gehört zu ihren Pflichtgeschäften.
Indem wir noch auf unser Ausschreiben vom 24. März 1893 (Kreisblatt Nr. 73) verweisen, wonach die bei Ihnen zur Anmeldung kommenden Schäden in dem Formular einzutragen sind, ohne daß Sie die Feldgeschworeuen, wie früher, zur vorläufigen Abschäs^ing heranziehen, beauftragen wir Sie, die nach Maßgabe der vorstehenden Bestimmungen ausgc- füllten Nachweisungen thunlichst bald, und spätestens bis 7. September d. Js., an den von Großh. Ministerium des Innern zum Negierungskommissar für die Flurschädenabschätzung im Kreise Gießen bestellten Großh. Kreisamtmann Dr. Kranzbühler unter der Bezeichnung „Militaria" nut Beidruck des Dienstsiegels einzusenden.
Sollte bis dahin die Zusammenstellung noch nicht beendet sein, so ist uns jedenfalls anzuzeigen, daß Flurschäden zur Anmeldung gekommen sind.
Im Anschluß daran werden Sie darauf hingewiesen, daß zur Vermeidung von Weitläufigkeiten Wünsche, welche Manöverangelegenheiten betreffen, der Division nur durch Vermittelung der Kreisämter zur Kenntnis gebracht werden können und entsprechende Gesuche zur weiteren Veranlassung uns vorzulegen sind.
I. V.: Dr. Heinrichs.
^riuinutimidjiing.
Die Rotlaufseuche unter den Schweinen des Landwirtes H. Kapp zu Wolfs hausen ist erloschen.
Die Sperrmaßregeln sind aufgehoben.
Marburg, 29. Ang. 1902.
Der Königliche Landrat.
Auw Sedantage.
Der Sedantag ist in der Geschichte des deutschen Reiches der einzige Erinnerungstag, der sich zu einem Volksfeste eignet und auch seit mehr als einem Menschenalter als Volksfest angesehen wird. Aber seit einigen Jahren haben sich Stimmen erhoben, die dafür eintreten, von der Feier des Sedantages abzusehen. Tie Bedeutung des Sedantages als eines Volksfestes verdient umsomehr eine aufmerksame Prüfung, als über die Wichtigkeit von Volksfesten für das nationale Leben heute offenbar vielfach so unklare Vorstellungen herrschen. Wenn Goethe nach sauren Wochen frohe Feste empfiehlt, so hat dieses Rezept für ein Volk im ganzen nicht weniger Giltigkeit, wie für den Einzelnen. Volksfeste haben einen hohen sozialethischen Wert, weil an ihnen, wenn die Feste gesund und organisch gestaltet sind, die Gliederungen der Stände und Berufe überwunden werden bui * i), das Gemeingefüht der Volksgenossen. In froher Feier treten Hoch und Niedrig, Arm und Reich einander nahe, wetteifernd tragen sie zur Unterhaltung bei, und die sich sonst fern stehen, finden sich hier leicht bei Sck)erz und Tanz. Solche Tage haben mit den Zeiten höchster, gemeinsamer Not das gemein, daß die Volksgenossen an ihnen ihre enge Zusammengehörigkeit trotz aller Unterschiede empfinden lernen, und dadurch dienen sie dazu, den Horizont aller Teilnehmer am-Feste zu erweitern und ihren Blick über die engen Kreise und Au-sgaben des Tages auf höhere Probleme und weitere Aussichten zu lenken.
Aber obgleich die nationale und soziale Bedeutung der Volksfeste auf der Hand liegt, so hat doch unsere Zeit so wenig Verständnis dafür, daß sie ein Volksfest nach dem andern absterben läßt. Wir in Gießen feiern das schöne Jugendfest. Daß dabei auch manches anders sein könnte, ist mehrfach erörtert worden. Doch um von etwas Anderem zu reden: Man begrüßt nicht mehr am Maitag des Frühlings Ankunft, wenn auch hier und da einmal, z. B. in Thüringen, aus Veranlassung verständiger Bürgermeister Maifeste gefeiert werden, und man begeht in Teutschland nur noch in vereinzelten Gauen, wie hier und da in Ostpreußen und Sachsen, am Johannistage die hohe Zeit des Jahres. Ter lustige alte Karneval lebt auch nur noch in einzelnen Gegenden, und am Treikonigstage wird kein Bohnenkönig mehr gewählt. Leider bemüht man sich auch gar zu wenig, die spärlichen Reste uralter Voltsfestlich- teiten zu pflegen oder neu zu beleben. Wie ärmlich steht in dieser Hinsicht unsere Zeit neben jenem Mittelalter da, in dem gewisse Geschichtsschreiber eitel Barbarei sehen wollen! Im Mittelalter hatte der gesunde Instinkt des Volkes die Bedeutung der Volksfeste ganz richtig erkannt; das Leben war gleichsam durchwirkr mit solchen Tagen, und die Gelegenheit und Veranlassung, die Stände miteinander in Fühlung zu bringen, die Bürger in festlich-heiterem Thun zu vereinen und ihnen die Macht und die Schönheit ihres Gemeinwesens vor Augen zu führen, — diese Gelegenheit war zu den verschiedensten Aeußerungen und Bethä- tigungen des Volkslebens in Beziehung gefetzt. Eine große Mannigfaltigkeit herrschte in den Feiern, und billig fiel bald dieser, bald jener Klasse von Bürgern die Führung dabei zu. Ties Fest war vom ehrsamen Rate der Stadt gegeben, jenes von der Schrniebezunsr; an dem einen Tage siel den Frauen die Herrschaft zu (oder ward ihnen doch ausdrücklich zuerkannt; denn die Frauen des „dunklen" Mittelalters waren in diesem Punkte wohl ebenso „hell", wie irgend eine „Moderne"); an dem anderen waren den Schulkindern besondere Freiheiten verstattet, am dritten durften die Knechte und Mägde die Herren spielen. Ein Fest war vornehmlich für das gesetzte Älter, an einem anderen schwang die übermütige Jugend das Szepter. So schlang sich damals der Reigen der Volksfeste einem Rosenkränze gleich durch das Leben des Jahres. „Saure Wochen — frohe Feste!"
Tie Auflösung der kirchlichen Einheit, die Zertrümmerung her ständischen Gliederung und der Umschwung des wirtschaftlichen Lebens sind wohl die Hauptursachen, denen die schönen alten deutschen Volksfeste fast ganz zum Opfer sielen. Wir brauchten nun dem Untergegangenen gewiß keine Thränen nachzuweinen, da sich ja doch das Volksleben immer von neuem umbildet und mit unerschöpflicher Zeugungskraft neue, befriedigende Formen hervorbringt. Wenn wir aber wahrnehmen, daß frische Ansätze zu solchen Neubildungen, wie beim Sedanfeste, leichtherzig preisgegeben werden, dann müssen wir zu dem Schluffe gelangen, daß in unserem Verhältnisse zu Volksfesten überhaupt gegenwärtig irgend etwas Ungesundes und Fehlerhaftes liegen mutz. Ter Fehler ist, kurz gesagt, der, daß wir es verlernt haben, Volksfeste zu feiern, und daß wir diese Kunst, deren Verlust wir im wesentlichen dem für das Volksleben überhaupt so verhängnisvollen letzten halben Jahrhundert danken, uns erst wieder aneignen müssen. Wir können diesen Fehler vielleicht am leichtesten erkennen, wenn wir uns vergegenwärtigen, auf welche Weise denn das Volks-
das uns unsere große jüngste Geschichtsepoche gleichsam aU Geschenk in den Schoß geworfen hat, der Sedantag begangen zu werden pflegte.
Ta fällt uns denn zuerst und vor allem auf, wie gleichmäßig, ja wie mechanisch der Tag fast überall begangen wurde. Parade und Schulfeier, ein Küchengang, ein wenig Musik — das sind in der Hauptsache die fast immer wieder- kehrenden Bestandteile des Festes. Aber wie jeder Einzelne und jede Familie ihre Feste auf eine eigene Art eiert und wie gerade der besondere Charakter der Feier ihren Reiz und ihre Weihe bildet, so sollte auch jebes Gemeinwesen seine Feste entsprechend seinem besonderen Charakter und seinen besonderen Bedingungen begehen. Tie Bedingungen der Feier eines Volksfestes sind in Dors und Stadl durchaus verschieden, aber kaum minder verschieben sind, die Bedingungen, die
sich aus den individuellen Charakteren der einzelnen Städte ergeben. Gießen ist Industrie- und Gelebrtenstadt, Butzbach bis zu einem gewissen Grade Soldatenstadt, Bad Nau he i m eine Fremdenstadt, Friedberg Beamtenstadt und die anderen Städte Oberhessens zumeist Bauernstädte oder Hofstädte, wie Lich, Laubach, Büdingen. Auf solche durch die Verhältnisse gebildeten Charakterzüge ist bei der Gestaltung eines Volksfestes aufmerksam zu achten. Tie Feier des Sedantages ist nicht genug individualisiert worden.
Tie Sedanfeier in den Schulen pflegt aus einigen Gesängen und einer Festrede zu bestehen, und Paul Hagen hat gewiß viele Gesinnungsgenossen, wenn er in einem, dieser Tage in verschiedenen Blättern veröffentlichten Aufsätze erzählt, daß nach seiner Jugenderinnerung eine solche Art von Festlichkeit den Schülern immer nur als eine unangenehme und langweilige Schmälerung des Feiertages erschien und nie eine weihevolle patriotische Stimmung hervorrief. Hätte man doch, so fährt Hagen fort, die Worte durch das Leben selbst ersetzt! Führt man die Schüler an solchem Tage in die Berge ober an eine historisch geweihte Stätte ber Nachbarschaft, so erfüllt man sie mit bern freubigen unb stolzen Bewußtsein ber Schönheit unb ber Vergangenheit ihres Vaterlanbes. Versammelt man sie zu fröhlichen Sportspielen, so lehrt man sie, sich als die künftigen Verteidiger des Vaterlandes zu fühlen. Und will man sie unmittelbar an eine patriotische Bedeutung des Tages erinnern, so lasse man sie ein patriotisches Stück einftubieren unb aufsühren — ein Unternehmen, bas immer ber begeisterten Teilnahme ber Jugenb gewiß ist. Solche Veranstaltungen genügen schon, um ber ganzen Feier an einem Orte einen Mittelpunkt unb einen gewissen Charakter zu sichern: benn bas Interesse ber Angehörigen unb Fremibe ber Schüler sichert ihnen von vornherein bie Teilnahme weiter unb mannigfaltiger Volkskreise.
Goethe hat von bem römischen Karneval gesagt, es sei weniger ein Fest, bas bem Volke gegeben werbe, als eines, bas es sich selbst gebe. In biesen Worten sinb in ber That bie beiben Momente, bie für bie Gestaltung von Volksfesten enkscheidenb in Frage kommen, angebeutet. Jebes Volksfest muß organisiert werben, soll es nicht formlos unb uninteressant sein; aber es muß so organisiert werden, daß bie Initiative ber Festgenossen erweckt wird und sie selbst das Beste beim Feste thun — thun können. Am 14. Juli finben z. B- in ben volksreichen Stadtteilen unb Vorstädten von Paris auf ben Plätzen öffentliche Volksbälle statt. Man sagt nun wohl, zu beriet Dingen fei ber Deutsche zu schwerfällig; aber wenn unsere Vorfahren nicht zu schwerfällig waren, um ben Maibaum zu tanzen unb ben Reigen auf bem Anger zu führen, so ist nicht abzusehen, warum bie Nachkonimmen für öffentliche Belustigungen unfähig geworben sein sollten. Der rheinische Karneval in seiner mobernen Form hübet ein schönes Beispiel der Organisation eines Volksfestes, bas bie selbstänbige Teilnahme ber Festgenossen erweckt, ja herausforbert unb boch zugleich regelt.
Nie kann ber Sebantag ein Volksfest werben, bringt man ihn nicht bem Volke nahe. Das Festmahl, ber Festaktus, ben bie Universität abhält, bleiben bem Volke gleichgiltig, können ihm nicht Luft machen, sich an ber Feier zu beteiligen. Wer aber bazu beiträgt, unser Volk wieder nationale Feste feiern zu lehren, ber hat ein schönes Stück segensreicher Arbeit gethan, unb ben größten Erinnerungs- tag unserer neueren Geschichte, bie uns dazu bie beste Gelegenheit bietet, sollten wir nicht leichten Herzens preisgeben.
Aur Ileischteuerung
wird uns aus Gießen geschrieben:
In den letzten Nummern des „Gieß. Anz." finden sich, wie in vielen Zeitungen, Klagen über hohe Fleischpreise bezw. Fleischverteuerung. Obgleich es dem Unterzeichneten wie jedem Unbefangenen, einerlei ob er Landwirt, Metzger oder Konsument ist, klar ist und sein muß, worauf diese nun schon seit langer als einem Jahre anhaltenden abnorm hohen Viebpreise, hauptsächlich der Schweine zurückzuführen sind, hatte dersewe zu der Sache rein Wort geschrieben, wenn nicht am Samstag eine Art Herausforderung gekommen märe, als fänden sich in Gießen keine Männer, die aus Angst vor Rachsucht der Bauern nicht den Mut hätten, für städtische Interessen einzutreten.
Ich möchte deshalb zunächst dein Herrn Verfasser mitteilen, daß es mir an Muth, sei es städtischer, oder was wohl hier in den Vordergrund zu stellen ist, gewerbliche Interessen zu vertreten, nie gefehlt har. Wenn ich nicht die Ueberzeugung hätte, daß alle Schreibereien ohne jeden Erfolg bleiben, solange die hohe Reichsregierung auf dem nun einmal eingenommenen Standpunkte stehen bleibt, unter keinen Umständen die Grenzen für lebendes Schlachtvieh, wenn auch in ganz beschränktem Maße, zu öffnen. Hiermit ist auch schon wiederlegt, daß es nicht Habgier ober Rach- uch k der Bauern sein kann, da diese weder Gesetze machen, einführen, nach aufheben können; dieses ist Sache der Reichs re - g i e r u n g , für die anscheinend das Interesse der Landwirtschaft allen anderen Gewerben gegenüber weitaus in erster Linie steht.
Anschließend hieran sei gleich mitgeteilt, daß der deutsche Fleischer-Verband, insbesondere dessen Vorstand, sich seit Jahrenbemühl, die Regierung von der Unhaltbarkeit des Regierungs- standpunkles im Allgemeinen bezüglich der Fleischversorgung für das deutsche Volk zu überzeugen, jedoch ohne jeden Erfolg. Auf dem vorjährigeu Verbandslage in Rostock rvurde beschlofien, eine erneute Petition an die Retchsregierung abzusenden, mit allem erdenklichen statistischen Material über Viehbestände 2C., um diese zu überzeugen, daß erheblicher Viehmangel vorhanden sei, und gebeten die Grenzen unter beschränktem Maß, d. h. nach Schlachthöfen mit Geleisanschluß und sofortiger Abschlachtung zuzulassen. Auch diese Petition ist unternt 9. März abschläglich beschieden worden.
Niin noch etwas Anderes. Im vorigen Jahre sind im Juli bie Schweinepreise raplb auf 66, in späteren Monaten auf 68 Pfg. das Pfund Schiachtgeivicht m bie Höhe gegangen, während ein erheblicher Aufschlag der Verkaufspreise erst am 27. November v. I. eintrat. Dieses mag wohl der Grund zu dem ruhigen Hinnehmen
Auffchlags gewesen jein; war doch längst durch die Tages-


