«Ala ar i en dahin geltend machen, daß dem Treiben bulgarischer Banden an der macedonischen Grenze durch das reguläre bulgarische Militär ein Ende gemacht wird. Gerade diese Banden verüben die ärgsten Greuelthaten.
Tabak aus Griechenland.
Man schreibt uns aus Berlin:
Die von einem Frankfurter Bankhaus unlängst zur Subskription gestellte griechische Anleihe scheint den erwarteten Erfolg nicht gehabt zu haben, was im Hinblick auf die trüben Erfahrungen, die die deutschen Kapitalisten mit griechischen Fonds machten, auf keiner Seite überraschen kann. Da auch andere Länder zur Kreditgewährung schwerlich geneigt sein werden, erscheint der chriechischcn Regierung jede Möglichkeit genommen, mit Hilfe fremden Geldes die wirtschaftliche Sanierung zu bewerkstelligen. Ob sie dies aus eigener Kraft zu Wege bringt — durch die internationale Finanzkontrolle ist in das zerrüttete Budgetwesen einigermaßen Ordnung gebracht worden —, wird sich an dem Schicksal der projektierten Tabakindustric- und Handels-Gesellschaft in Athen erkennen lassen. Der Gedanke, den Anbau und Vertrieb dieses Landesproduktes in. großem Maßstabe zu organisieren, verspricht besonders dann gute Aussichten, wenn es gelingt, eine Zigarettenindustrie nach ägyptischem Muster ins Leben zu rufen. Bei entsprechender Pflege eignet sich der griechische Tabak, nach dem Urteil von Fachmännern, für die Zigarettcnfabrikation ebensogut, wie das Gewächs Kleinasiens. Es kommt hinzu, daß der Zigarettenkonsum, wie das erst kürzlich in der Zolltarifkommission des Reichstags kon- katiert wurde, in Deutschland, und nicht hier allein, fortgesetzt sich steigert. Gelingt es also, die materielle Grundlage für das griechische Unternehmen zu schaffen, so wäre das für die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung Griechenlands von erheblicher Bedeutung. Geldgeber — es handelt sich uni ein Kapital von 5 Mill. Drachmen — soll die Bank von Athen sein, die aber ihrerseits einen Vertrag mit dem griechischen Finanzminister abgeschlossen hat, sodaß am Ende die Regierung Träger des Risikos ist. Man spricht bereits von einer späteren Monopo lisierung desTabaks durch den Staat. Die Gründung der Gesellschaft soll jedenfalls spätestens zum Juni erfolgen.
Gemeinnützige Bestrebungen der Znvaliden-Verficheruugsanstalten.
Ueber das Ergebnis der vom Reichsversicherungsamt angestellten Ermittelungen der Beträge, die seither hingegeben worden sind aus den Mitteln aller Jnvaliden- versicherungsanstalten und zugelassenen Kasseneinrichtungen zum Bau von Arbeiterwohnungen oder für ähnliche Veranstaltungen, welche ausschließlich oder überwiegend der Versicherungspflichtigen Bevölkerung zu gute kommen, sowie zur Befriedigung des landwirtschaftlichen Kreditbedürfnisses, wird demnächst eine ausführliche Veröffentlichung seitens des Reichsversicherungsamtes erfolgen. Der jetzt vorliegende Bericht für das Jahr 1901 stellt fest, daß bis zum Schlüsse des vorigen Jahres insgesamt die nachstehenden Beträge in der bezeichneten Art verwendet worden sind:
1. Durch darlehnsweise Hingabe: für den Bau von Arbeiterwohnungen seitens der Versicherungsanstalten, Mk. 81870 072, seitens der Kasseneinrichtungen 5 659 490 Mk., zusammen 87 529 567 Mk.; zur Befriedigung des landwirtschaftlichen Kreditbedüjrsnifses (Hypotheken für Kleinbahnen, Land- umd Wegeverbesserungen, Hebung der Viehzucht rc.), .seitens der Versicherungsanftalten 62 735 410 Mk., seitens der Kasseneinrichtungen 1853000 ME., zusammen 64 588 410 Mark; für den Bau von Kranken- und Genesungshäusern, Volksheilstätten, Gemeindepflegestationen, Herbergen zur Heimat, Arbeiterkolonieen, Volksbädern, Blindenheimen, Äleinkincc."ftfnlcn, Schlachthäusern, Geschäftsräumen für den Arbei^nachweis, für Krankenpflege-, Spar- und Konsumvereine und ähnliche Wohlfahrtseinrichtungen seitens der Versicherungsanstalten 107 571146,80 Mk., seitens der Kcrsseneinrichtungen 666 241 Mk., zusammen 108 237 387,80 Mark.
2. Durch eigene Veranstaltungen (Krankenhäuser, Heil- änstaltc.l, Lungenheilstätten, Erholungs- und Genesungsheime, Jnvalidenhäuser rc.) seitens der Versicherungsanstalten 16 274523,72 Mark, seitens der Kasseneinrichtungen 1304 715,40 Mark, zusammen 17 579 235,12 Mark.
Ter Gesamtbetrag der von den Versicherungsträgern Lis zum 31. Dezember 1901 für gemeinnützige Zwecke der gedachten Art aufgewendeten Mittel beläuft sich hiernach auf.277 934 603,92 Mark. Diese Summe zeigt, wie das Reichsversicherungsamt mit Recht betont, in erfreulicher Weise, wie beide Arten der Versicherungsträger fortgesetzt bestrebt sind, auch diesem Teile ihrer Aufgaben nach Mög- liHkeit gerecht zu werden.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 2. April 1902
L. U. Von der Universität. Der außerordentliche Professor der alten Geschichte Dr. Ernst Korne mann hat einen Ruf nach Tübingen erhalten, dem er voraussichtlich Folge leisten wird.
** Auszeichnungen. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr der Opelschen Fabrik zu Rüsselsheim Klingelhöfer und Hummel VIII. — Dem Forstwart der abnormalen Tomanialforstwartei Ernsthofen, Wedel zu Ernsthofen, wurde aus Anlaß seines am 1. April eintretenden 5chährigen Dienstjubiläums der Charakter als „Förster"' verliehen.
** Ernennungen. Durch Entschließung des Ministeriums des Innern wurden die Lehramtsaccessisten Flach in Dieburg, Glückert in Mainz, Hammann in Darmstadt, Klein in Gießen, Dr. Lahr in Langen, Roth- e r m e l in Groß-Umstadt, Schad in Darmstadt, Schönberger in Mainz und Wagner in Langen — zu Lehramtsassessoren ernannt. — Der Großherzog hat den Oberlandes gerichtsrat Dr. Werte in Darmstadt zum stellvertretenden richterlichen Mitgliede des Landesversicherungsamtes für die Dauer des von ihm bekleideten Hauptamtes' ernannt. — Ernannt wurde Simon Pfeiffer aus Kastel zum Schisfsmaschinisten mit Wirkung vom 1. April an.
** Postwertzeichen. Im Reichspostgebiet und in Württemberg werden jetzt nur noch Postwertzeichen mit der Inschrift „Deutsches Reicy" ausgegeben. Die bisherigen Reichspost- und württembergischen Postwertzeichen sind mit Ende März außer Kurs gesetzt worden; doch haben die Postanstalten Anweisung erhalten, Sendungen mit alten Postwertzeichen bis auf weiteres nicht in der Beförderung aufzuhalten und auch nicht mit Rachtaxe zu belegen. Immerhin liegt es im Interesse des Publikums, möglichst
die richtigen (neuen) Postwertzeichen zu verwenden. Die in den Händen des Publikums noch vorhandenen alten Postwertzeichen werden bis Ende Juni d. I. an den Post- schaltern und von den Landbriefträgern gegen neue Postwertzeichen um getauscht.
~ Großh. Hessische Landeslotterie. Am 9. April beginnt die erste Ziehung der Hessischen Landeslotterie. Sie wird nach einem neuen, wesentlich verbesserten Gewinnplan ausgespielt. Denn der vermöge der wachsenden Beliebtheit erforderlich gewesenen Vermehrung der Loszahl um 10 000 steht eine verhältnißmäßig große Vermehrung der Gewinne um 7000 gegenüber. Dabei ist an dem Prinzip, möglichst viel wirkliche Gewinne zu bieten, festgehalten worden. Durch Einführrmg von Prämien auch in den Vorklassen, die sämtlich gezogen werden müssen, kann man schon in den Vorklafsen leichter höhere Gewinne erzielen als bisher. In der Schlußklasse verteilen sich die beiden Prämien von 300 000 Mk. und 200 000 Mk. dann, wenn die Voraussetzungen ihres ungeteilten Anfalles nicht eintreten, nunmehr in eine Prämie von 100 000 Mk., 4 Prämien von 50 000 Mk. und 8 Prämien von 25 000 Mk., sodaß in diesem Falle, neben den planmäßigen festen Gewinnen, im ganzen noch auf 18 Losnummern hohe Prämien gewährt werden. Dieser neue Plan findet allgemein Anklang. Von der Direktion sind schon sämtliche Lose an die Kollekteure ausverkauft worden.
* * Ausflug. Die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung machten gestern einen Ausflug nach Marburg und besichtigten dort u. a. die Kanalisationsanlagen.
* * Radsport. Aus unserem Sportplatz an der Hardt werden in diesem Jahre zwei große Radrennen abgehalten werden. Geplant sind im Juni in Verbindung mit der Gau-Wanderfahrt des Gaues 9 d. D. R.-B., die nach Gießen geht, Radwettfahrten nur für Herrenfahrer, während später noch eine Veranstaltung vorgesehen ist, an der sich auch Berufsfahrer beteiligen werden.
* * Ruhestörung. Gestern Nachmittag verübte ein hiesiger stark angetrunkener Taglöhner auf dem Lindenplatz ruhestörenden Lärm. Er verursachte dadurch einen großen Menschcnauflauf und mußte schließlich verhaftet werden.
* * 9! ette P slän zch en. Zwei hiesige Schüler zertrümmerten gestern Nachmittag an einer Bauhütte in der Moltkestraße eine Fensterscheibe, stiegen durch diese ein und entwendeten den Arbeitern gehörende Kaffeetassen: Sie wurden ermittelt und zur Anzeige gebracht.
* * Geflügel-Ausstellung. Tie Verbands-Ausstellung oberhesftfcher Geflügelzüchtervereine ist für dieses Jahr vom Geflügelzuchtverein Büdingen übernommen worden und findet entweder in Büdingen oder in Nidda statt. Während die letzte oberhessische Verbandsausstellung, die im vorigen Jahre in Gießen abgehalten wurde, im Anschluß an die vierte allgemeine Geslügelausstellung des Gießener Vereins arrangiert war, wird bei der diesjährigen Ausstellung nur Federvieh vorgeführt werden, dessen Besitzer in der Provinz Oberhesjen einem Geflügelzüchterverein angehört.
* * Landwirtschaftliche Ausstellung. Ter Ausschuß des landwirtschaftlichen Provinzialvereins für Oberhessen hat beschlossen, im Jahre 1903 in Gießen eine große landwirtschaftliche Ausstellung abzuhalten.
* * Von den Br and st eu er n. Während infolge der allgemeinen Finanzlage alle Steuern des Landes eine für den Steuerzahler unangenehme Erhöhung erfahren werden, bieten die diesjährgen Brairdsteuern für die Hausbesitzer insofern eine Lichtseite, als dies die einzige Steuer ist, welche in diesem Jahre eine Herabsetzung erfahren wird. Auf eüne amtliche Anfrage bei der Großh. Brandversicherungskammer zu Darmstadt über die Höhe der Brandfteuer für das abgelausene Jahr, deren Aufschlag erst in diesem Jahre zur Erhebung kommt, wurde die Mitteilung gemacht, daß infolge der Verminderung der Brände im abgelaufenen Jahre voraussichtlich nur ein Betrag von 7 Pfg. von 100 Mark Um läge kapital gegen 8 Pfg. im vorigen Jahre zur Erhebung kommen werde. Es ist das immerhin ein ganz Erfreulich eS Zeichen.
ö Altenschlirf, 31. März. Der 24jährige Sohn eines hiesigen Wagnermeisters, der schon seit etwa 11 Wochen von hier verschwunden ist, hat sich in einem Teich in der Richtung auf Ilbeshausen zu in der Nähe des sog. Schafhofs ertränkt. Der Leichnam kam jetzt an die Oberfläche. Der Grund zu der unseligen That mag wohl in einer schweren Krankheit zu suchen sein, an der der Verstorbene litt.
) ( Vom Vogelsberg, 30. März. Hier herrschte in der vergangenen Woche ein furchtbarer Sturm, der überall, auch in den Waldungen, großen Schaden angerichtet hat. Viele Bäume wurden entwurzelt, Ziegeln von den Häusern herabgeschleudert. Auch der erst kürzlich für den neu gewählten Bürgermeister in Bermuthshain gesetzte Maien wurde in der letzten Nacht aus dem Boden gerissen und beschädigte im Fallen das Stallgebäude.
Offenbach, 1. April. In der letzten Stadtverordnetenversammlung brachte Stadtv. Feistmann die von Berlin aus durch die Presse verbreitete Nachricht über die 3i/2prozentige 6 M i l l i o n e n - A n l e i h e der Stadt Offenbach zur Sprache. Darin ist u. a. gesagt, daß die Berliner Aelteften dem Haudelsminister ein Gutachten dahin ab- gaben, daß sich die Veröffentlichung eines vollständigen Prospektes empfehle, insbesondere auch mit Rücksicht auf die ziemlich hohe Verschuldung der Stadt Offenbach. Da diese Meldung geeignet sei, dem Kredit und dem Ansehen der Stadt erheblichen Abbruch zu thun, so stelle er auf Grund der heutigen Finanzlage der Stadt öffentlich fest, daß ein Gesamtvermögen von 23 024 000 Mart vorhanden sei, dem eine Schuldenlast von 18 900 000 Mark gegenüber- stehe, sodaß ein Reinvermögen von 4 124 000 Mark verbleibe. Ter Oberbürgermeister versprach, die'Unrichtigkeiten in dem demnächst erscheinenden Prospekt richtig zu stellen.
- k- Mainz, 1. April. Tie neue Weingesetzgebung fängt allmählich an, ihre Wirkung zu zeigen. Nachdem in Rheinhessen schon zwei Keller wegen unlauteren Manipulationen gerichtlich geschlossen worden sind, hat jetzt dasselbe Schicksal zwei Meinhändler in Gernsheim (Prov. Starkenburg) getroffen. Bei der chemischen Untersuchung ergab sich, daß die Weine doppelt und dreifach „getauft" waren. Nach einer von der Kontrolle aufgestellten Berechnung soll sich die Flasche Wein, die für 1,20 Mark verkauft wurde, für den Lieferanten auf höchstens 15 Pfennig stellen.
Laudenbach, 1. April. Ueber den Rau bans all auf den Stationsvorsteher Meixner wird noch berichtet: Nach Abfertigung eines Zuges gegen r/zll Uhr abends und nachdem Herr Meixner wieder vor dem Schrcibpult des Stations
zimmers Platz genommen, wurde plötzlich die zum Perron führende Thüre geöffnet und ehe Meixner sich nach dem Ankömmling umdrehen könnte, erhielt derselbe einen Schuß, welcher ihm die linke Hand zerschmetterte. Meixner, welcher vorher auf einen sich den ganzen Tag um die Station herum- treibcnden Menschen aufmerksam gemacht worden war und deshalb aus seiner Wohnung einen Revolver geholt hatte, griff nach seiner neben ihm liegenden Waffe, um sich zu verteidigen, erhielt aber darauf abermals einen Schuß in die linke Halsseite und kurz darauf in das linke Schulterblatt. Trotz seiner schweren Verwundung drang M. auf den Angreifer, welcher fein Gesicht mit einem zum Durchsetzen durchlöcherten Taschentuche bedeckt hatte, ein, welcher darauf die Flucht ergriff und querfeldein nach Hüttenfeld zu entfloh. Der Telegraph spielte jedoch bald und gelang es schon gegen 5 Uhr morgens, den Attentäter, welcher Karl Rolschmann heißt und aus Heidenheim gebürtig ist, zu verhaften; er ist ein stellenloser Kaufmann. Stationsvorsteher Meixner wurde in ein Heidelberger Krankenhaus transportiert und befindet sich den Umständen nach wohl. Meixner wurde' in die Klinik nach Heidelberg verbracht, wo ihm die Kugeln, die sämtlich in den Körperteilen stecken blieben, entfernt werden sollen.
* * Kleine Mitteilungen aus Hesien und den Nachbarstaaten. Der prakt. Arzt Dr. H. in Egelsbach, der verdächtig ist, an zwei Mädchen von 12 und 13 Jahren ein Sittlichkeitsverbrechen verübt zu haben, ist verschwunden. Die Untersuchung ist eingeleitet. — Heinrich Keller und seine Frau Christine geb. Gerlach in Dorheim feierten in voller Rüstigkeit das Fest der Diamant-Hochzeit. — In der Arbeiterkolonie Neu-Ulrichstein befanden sich Ende Februar stellen- resp. arbeitslos 95 Mann. Seit Bestehen der Kolonie wurden aufgenommen 4286 und entlassen 419 Mann. Der Bestand am 1. März betrug 115, dazu kamen 24, während 44 weggingen. In Stellung durch die Kolonie gingen 2, durch eigenes Bemühen 1, in die Familie kehrte 1 zurück. Auf eigenen Wunsch wurden entlassen 34, wegen Arbeitsscheuheit 3, wegen schlechten Betragens 2, wegen Arbeitsunfähigkeit 1,
Vermischtes.
* Budapest, 31. März. Der 24jährige Hörer des hiesigen Polytechnikums Josef Berdy suchte vor einiger Zeit wegen eines schweren Augenübels das Spital der Poliklinik auf, wo ihm ein Auge entfernt werden mußte. In einem Augenblick der Verzweiflung wollte er sich das Leben nehmen, und nur der liebevollen Zusprache der Wärterin Josefine Stuklik verdankte er das Leben. Durch die zärtliche Fürsorge der jugendlichen Pflegerin gerührt, faßte der Student eine tiefe Neigung zu ihr, die auch erwidert wurde. Aus dem Spital entlassen, suchte Berdy eine Anstellung, was ihm aber nicht gelang, sodaß er auf die Unterstützung der Wärterin angewiesen war. Er nahm sich dies so zu Herzen, daß er abermals in den Tod zu geheu beschloß. Als ihm das Mädchen den einmal gefaßten Vorsatz nicht auszureden vermochte, beschloß sie, mit ihm gemeinsame Sache zu machen. Gestern Abend begaben sie sich in das Gasthaus „zum grünen Kranze", nahmen hier ein Zimmer, und hier richtete Berdy die Waffe erst gegen das Mädchen, dann erschoß er sich selbst. Als man das Paar vorfand, war Josefine Stuklik noch am Leben, starb aber während des Transportes in das Spital.
* Yokohama, 31. März. In der Stadt Tukui, wo sich bedeutende Seidenfabriken befinden, sind 400 Häuf er e'ingeäschert worden.
* Romantische Heirat. Im Jahre 1893 verließ der Forscher Jean Eugene Robuchon seine Heimat Fontenay- le-Comte und durchwanderte dann zu Fuß die meisten Staaten Südamerikas, wobei er ausschließlich von dem Ertrage seines Fischfanges und seiner Jagden lebte. In einer verlassenen Ortschaft Brasiliens wurde er schwer krank und wäre sicher zu Grunde gegangen, wenn ihn nicht ein hübsches, fünfzehn Jahre altes Indianermädchen mit wahrer Selbstverleugnung gepflegt hätte; das Mädchen wollte ihn auch nach seiner Genesung nicht verlassen und teilte alle Freuden und alle Gefahren seiner abenteuerlichen Wanderung mit ihm. Aus Dankbarkeit nahm bann der Forscher die kleine Indianerin — Maria Margharita Hortensia Guamiri heißt sie — nach Frankreich mit und hat sie vor einigen Tagen in Poitiers geheiratet; die kirchliche Trauung soll später stattfinden, da vorher noch einige Formalitäten zu erfüllen sind. In einem Jahre will das junge Paar nach Südamerika zurückkehren.
Universitäts-Nachrichten.
Dresden, 27. März. Während in Preußen jetzt auch die Abiturienten der Realgymnasien und Oberreal- schulen znm Studium oer Rechte an den Universitäten zugelassen werden, besteht in Sachsen nicht die Absicht, an den bisherigen Verhältnissen, d. h. an der Leipziger Jmmatri- kulationsorommg und cm der Promotionsordnung der Leipziger Juristenfakultät vom 21. November 1900 in dieser Richtung etwas zu ändern. Dagegen soll, um die akademische Freizügigkeit zu wahren, fortan auch denjenigen preußischen Studierenden, die ohne humanistisches Reifezeugnis die Rechte studieren, das Studium in Leipzig auf einige Semester gestattet werden. Ob und in welcher Weise freilich für diese Studierenden die Teilnahme an juristischen Vorlesungen und Hebungen noch von besonderen Voraussetzungen abhängig zu machen ist, bleibt noch der Entfchlleßung Vorbehalten, zumal es natürlich nicht die Absicht sein kann, den preußischen Studierenden in Leipzig eine weitergehende Berechtigung einzuräumen, als ihnen an den preußischen Universitäten gewährt wird. (Im Großh. Hesien ist eine Entscheidung darüber, ob Abiturienten der Realgymnasien und Oberrealschulen zum Studium der Rechte an der Landesuniversität als Immatrikulierte zugelassen werden, noch nicht getroffen worden. Doch schweben z. Zt. Verhandlungen über die Frage im Ministerium. D. Red. des „Gieß. Sing.") ______________
Kunst und Wissenschaft.
Madrid, 30. März. Die Gesellschaft der spanischen dramatischen Schriftsteller droht für den Fall, daß die Regierung keine Beihilfe für ein neues spanisches Opernt Heater leiste, die Aufführungen ihrer dramatischen und musikalischen Werke in allen Theatern Madrids zu untersagen.
Kaudwirtschast.
Seligenstadt, 31. Mär-z. In den letzten Tagen ereigneten sich hier und in Zellhausen mehrfache Fälle plötzlichen Verendens


