von Großvich. Die Tiere stürmten meistens auf dem Felde bei der Arbeit und verendeten augenblicklich. Als Todesursache bezeichnet man Herz-, Lungen- oder Nierenschlag. — Durch den Verlust an Vieh wurde ein hiesiger Kleinbauer schwer betroffen. Innerhalb weniger Jahre verendeten demselben nämlich bereits 5 Kühe, sieben Rinder und drei Kälber. Für sämtliche cingegangencn Tiere sollen die Besitzer nicht versichert gewesen sein.
Preisausschreiben für Kartoffeltrocknurrgsmethodeu und Apparate. Tie reiche Kartoffelernte, welche im vergangenen Jahre in Deutschland stattgefunden hat, hat gezeigt, daß man auf dem Gebiet der Verarbeitung der Kartoffel zu Tauerfutter für Vieh noch sehr weit zurück ist. In Anbetracht dieser Thatsache geht die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft in Gemeinschaft mit dem Verein der Spiritus- und Stärkefabrikanten in Deutschland mit dem Gedanken um, ein Preisarcsschrciben für Kartoffeltrocknungs-Methoden und Apparate auszuschreiben.
Gerichtssaal.
fc Griesheim a. M., 31. März. Der Kaufmann Karl Düw el war s. Zt. angeklagt, in 6 Fällen mit Kindern unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen oorgenommcn zu haben. Die Strafkammer in Wiesbaden fand ihn nur in einem Falle schuldig und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von mehreren Monaten Auf die Revision der Staatsanivaltschaft hob das Reichsgericht das "Urteil, soweit 4 Fälle der Freisprechung in Betracht kommen, auf, und jetzt wurde Düwel zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr verurteilt.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
P Gießen, 2. Aprll. Viehmarktbericht. Auf dem gestrigen .Viehmarkt waren ca. 800 Stück Rindvieh aufgetrieben. Der Vorrat an Kälbern belief sich auf nicht ganz 100 Stück. Infolge der Feiertage war es nicht möglich, aus der Ferne Vieh zu unserem Markt zu schaffen, weil dessen Verladung für den Bahntransport vor Ostern hätte erfolgen müssen Der Auftrieb beschränkte sich -daher lediglich auf Ware aus der Provinz und den angrenzenden preuß. Gebietsteilen, und da die schwarzbunten sog. Holländer Kühe schon am Tage vor dem Markt oerfaiift wurden, so bestand der Vorrat am Markt nur aus oberhessifchen Landrasfen, soweit Milchvieh in Frage kam. Da der Markt von Käufern sehr gut besucht war, so wurden in Rücksicht auf den kleinen Vorrat hohe Preise erzielt. Fette Rinder und Kälber waren so stark begehrt, daß der vorhandene Vorrat den Bedarf nicht deckte;^ dabei waren die Preise für Schlachtkälber so Hoch, daß die auswärtigen Reflek- tcmten, die gewöhnt sind, auf den Gießener Märkten, Posten dieser Ware zu kaufen, diesmal davon absehen mußten und es vorzogen, diese Tiere den Gießener Metzgern zu überlassen. Es wurden gehandelt, Kühe frischmellend und tragend 1. Qualität 425—450, 2. Qualität 350—375 All., 3. Qualität 275—325 Alk. Aeltere Abmellkühe gingen trotz des sehr kleinen Vorrats sehr schlecht zu 100—150 Mk. ab; dagegen war nach 2jährigen tragenden Rindern, von denen einzelne wundervolle Exemplare Simmenthaler Rasse am Markt waren, große Nachfrage, so daß dafür bis 300 Mk. bezahlt wurden. Fette Rinder gingen pro Zenmer Schlachtgewicht mit 59—62 Mk. fort. Kälber wurden verkauft 1. Qualität (Tiere über 50 Pfund wiegend) 62—65 Mk., 2. Sorte (zwischen 40—50 Pfund wiegend) 56—59 Mk., 3. Sorte (unter 40 Pfund schwer)
50—54 Mk. pro Zentner Schlachtgewicht. Der Mmckt war bereits um 11 Uhr ausverkauft.
0 Bleicheubach, 1. April. Heute wurde nach vielleicht 50 Jahren zum ersten Male der Viehmarkt wieder abgehalten. Der Anfang ivar günstig; an 180 Stück Schweine waren auf- getrieben. Die Preise waren hoch. Für 6—8 Wochen alte Ferkel wurden 70—80 Alk., für Läufer und Einleger bis 140 Mk. pr. Paar bezahlt. Mit ganz geringen Ausnahmen fand das Vieh raschen Absatz. Riiidvieh war wohl aufgetrieben, infolge der Knappheit des Törrsuttcrs aber wenig begehrt. — Der Krämermarkt war unbedeutend. — Im Herbst wird ein zweiter Schweinemarkt abgehalten.
Allgemeiner Deutscher Bersichernngs-Bereiu A.-G. in Stuttgart. Im Monat yebntar 1902 wurden 1761 Schadenfälle reguliert. Davon entfielen auf die Haftpflichtversicherung 962 Fälle und zwar 504 wegen Körperverletzung und 458 wegen Sachbeschädigung ; auf die Unfallversicherung 737 Fälle, von benen 4 den sofortigen Tod uni) 10 eine gänzliche oder teilweise Invalidität der Verletzten zur Folge hatten. Von den Mitgliedern der Kapitalversicherung für den Todesfall sind 62 in diesem Monat aeftorben. Neu abgeschlossen wurden im Monat Februar 8351 Versicherungen. Von den vor dem 1. Dezember 1901 angemeldeten Schäden der Unfall-Versichermig (inkl. der Todes- und Invaliditäts-Fälle) sind mir 257 noch in Behandlung.
Submissionskalender.
9. April. D a r m st a d t, Main-Neckar-Bahn, Vergebung der Erd-, Maurer-, Steinhauer-, Zimmer-, und Tachdeckerarbeiten zur Erbauung eines Stations-Gebäudes. Bed. durch den Bau- Inspektor.
9. April. Kassel. Stadtbauamt, Verdingung der Arbeiten und Lieferungen für die Herstellung eines Zementrohr-Kanals in der Wilhelmstraße. Bed. für 1,50 Mk. durch Herrn Ingenieur Schröder, Konigsplatz 34.
9. Aprll. Mainz. Großh. Hochbauamt, Vergebung der Rohbauarbeiten und Lieferungen für den Neubau eines Dienst- gebäudes für die Großh. Bezirkskaffe in Worms. Bed. durch obengenannte Behörde, Rheinstraße 74.
15. April. Dar m st a d t, Großh. Provinzial - Direktion Starkenburg, Vergebung der sämtlichen Arbeiten zur Errichtung einer Provinzial-Pflegeanstalt, für Starkenburg bei Eberstadt. Bed. durch Architckt G. Scherer, Roßdörferstraße 11.
Auszug uns örn Hirchcubüchkru der Stabt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getaufte. Johannesgemeinde. Dem Kaufmann Adam Wettach ein Sohn, Otto Heinrich, geb. den 5. März.
Getraute. Lukas gern ein de. Den 22. März. Heinrich Weber, Landwirt zu Gießen und Auguste Margarethe Katharine Luise Hauser, Tochter des Wirts Konrad Häuser zu Gießen. Jakob Hoffmann, Gymnasialoberlehrer zu Eisenberg und Pauline Luise Meline Husinger, Tochter des Steuerrats i. P., Friedrich Hüsing er zu Gießen. Johannesgemeinde. Den 22. März. Franz Schild, Tabakspinner zu Gießen und Katharine Müller.
Beerdigte. Johannesgemeinde. Ten 24. März. Elisa- bethe Helene Fürst, geb. Strack, Witwe des Möbelhändlers Fritz Fürst, 59 Jahre alt, starb den 22. März.
Krieskasten der Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.
A. A. Die Worte „wegen", „ungeachtet" und „halt* sind stets mit dem zweiten Fall, dem Genitiv, nie mit dem dritten Fall, bem Dativ, zu verbinden. Es heißt also „wegen Diebstahls" unb nicht „wegen Diebstahl". Ebenso schwerer Mißbrauch wirb vielfach bei ber Verbinbung zweier felbftänbiacr Hauptsätze burch „unb" in ber Wortstellung getrieben. Dadurch können unter Umstänben bie thörichsten Mißverstänbniffe entstehen. Wollte man z. B., wie bas so oft im kaufmännischen unb Reporterstil geschieht, etwa so schreiben: „Tie Erwachsenen speisen um 4 Uhr zu Mittag und haben die Kinder bereits um 12 Uhr gegessen", so durste das logisch dahin zu verstehen sein, daß die Er- wachsenen, bevor sie zu Mittag speisteil, ihreKinder verzehrt hätten! Richtig lautet ber Satz: „Die Erwachsenen speisen um 4 Uhr zu Mittag, unb bie Kinder haben um 12 Uhr gegessen", wobei bie Worte „haben" unb „gegessen", weil überflüssig, besser ganz in Fortfall kommen. __
Meteorologische Beobachtungen
l der Station Gießen. _________
April
Barometer auf 0° reduziert
c
p
ber Luft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Winbrichttmg
Winbstärke
Wetter
1.
226
738,4
+ 13,3
6,8
60
W.
2
Beb. Himmel
1.
925
736,9
4- 10,8
8,0
83
SSW.
2
ii i
2.
7 25
739,1
+
8,0
6,7
83
NW.
2
■ •
Höchste Temperatur am 31. März bis 1. April 4- 13,7° C.
Niebrigste „ „ 31. „ „ 1. „ + 3,9° C.
&
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Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, baß bie Steuerzettel über Staatssteuer uud allgemeine Kirchensteuer in ben nächsten Tagen ben Steuerpflichtigen durch bie Schutzmannschaft zugestellt werden.
Diejenigen Einwohner, welche bis zum 15. April keinen Steuerzettel erhalten haben, ihren Verhältnissen nach aber annehmen müssen, daß sie steuerpflichtig sind, werden hiermit auf- geforbert, hiervon alsbald bei Meibung nacbteüiger Folgen auf dem Bürgermeisterei-Büreau, Zimmer Nr. 15, Anzeige zu erstatten.
Gießen, ben 1. April 1902. 2610
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Mecum.
AkMichme der schchWig« Wer
Montag den 7. April d. I., vormittags von 10 Vis 12 Uhr, findet in der hiesigen Volksschule, und zwar in der Stadtknabenschule im Zimmer Nr. 3, 1. Stock, in der Stadtmädchenschule Zimmer Nr. 10, 2. Stock, die Aufnahme der Kinder statt, welche bis 1. Mai d. I. das sechste Lebensjahr zurückgelegt haben.
Auch können am genannten Tage auf Wunsch der Eltern oder deren Stellvertreter solche leiblich und geistig nicht unreife -Kinder ausgenommen werden, welche bis zum 30. September d. I. das sechste Lebensjahr vollenden. Diejenigen dieser zur Anmeldung gebrachten Kinder aber, welche für den Schulbesuch nicht genug herangereist betrachtet werden können, kommen zur Zurückstellung für das nächste Schuljahr.
Bei der Anmeldung der Kinder ist der Impfschein vorzulegen und bei auswärts Geborenen der Geburtsschein mitzubringen. Außerdem haben diejenigen Eltern, welche von der Gewährung freier Lehrmittel für ihre zur Aufnahme gekommenen Kinder Gebrauch machen wollen, unter Vorzeigung des letzten Staatssteuerzettels bei dem betreffenden Oberlehrer Antrag zu stellen.
Gießen, den 20. März 1902. 2573
Für den Schulvorstand:
Mecum, Bürgermeister. Hahn, Oberlehrer.
I. V.: Schaaf.
Donnerstag den 3. April 1902, nachmittags 21/, Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die vor bem Namen ber a) Susanne. b) Theodore, c) Louise Weidig stehende Parzelle Flur 27/245 — 619 qm Grab
garten am alten Schlag unb bie vor bem Namen ber a) Susanne, b) Theobore Weibig .stehenben Parzellen
Flur 1/85,3 — 125 am Hofratte in ber Mühlgasse,
Flur 1/85,5 — 131 qm Hoftatte bafelbst,
Flur 1/86,3 — 19 qm Grabgarten daselbst,
Flur 1/86,5 — 12 qm Grabgatten daselbst,
öffentlich meistbietend erbverteil- ungshalber versteigert werden.
Anschließend an diese Versteigerung werden alsdann die zu bem Nachlaß ber Friedt. Müller Eheleute gehörigen Grundstücke in den Gemarkungen Gießen bezw. Wieseck öffentlich meistbietend erbverteilungshalber freiwillig versteigert.
Gemarkung Gießen.
Flur 2/74 — 525 qm Wiese, Laggärten am Krofdorferweg,
Flur 2/75 — 825 qm Wiese da- > selbst,
Flur 2/156 — 2781 qm Acker zwischen dem Gleiberget- unb Läufertsröderweg,
Flut 2/157 — 1369 qm" Acker baselbst,
Flur 2/158 — 1369 qm Acker baselbst,
Flur 5/21 — 1338 qm Wiese in ben Weiben,
Flur 5/27 — 1038 qm Wiese baselbst,
Flur 32 69 — 1962 qm Wiese am Heegstrauch bei ben Müllerwiesen,
Flur 44/199 — 1975 qm Acker in ber Lichtenau auf bie Wiesen,
Gemarkung Wieseck.
Flur 20/315 — 1837 qm Wiese hinter bem Wallborn.
Flur 24/27 — 2669 qm Wiese an ber Ursulum.
Es wirb bemerkt, baß nur noch biete eine Versteigerung stattsinbet unb bei annehmbarem Gebot ber Zuschlag alsbalb erteilt werben wirb.
Gießen, 24. März 1902.
Großh. Ortsgericht Gießen.
Gros. 2426
WW
WA
M W
Mktti.ElnmtntkWchrnWe
zu Gießen.
Das neue Schuljahr beginnt Montag den 7. April. Bei den Anmeldungen, die an diesem Tage von 10 Uhr ab im Schulhaufe in der Schillerstraße entgegen genommen werden, sind Gebnrts- und Impfschein vorzulegen. Kinder,- die aus einer anderen Schule kommen, haben außerdem ein Abgangszeugnis, und wenn sie über 12 Jahre alt sind, eine Bescheinigung der zweiten Impfung beizubringen.
Gießen, den 27. März 1902. 2518
Großh. Direktion der Höheren und Erweiterten Mädchenschule.
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Montag den 14. April l.J., vormittags 10 Uhr, beginnt im Schulhause in der Neustadt ein achtwöchentlichev Kursus der Haushaltungsschule.
Die Schülerinnen werden in weiblichen Handarbeiten,, besonders aber im Kochen und in der Führung eines ein-- fachen Haushaltes unterrichtet. Diejenigen, welche den Kursus besuchen wollen, können sich in der Stadtmädchenschule oder in der Wohnung des unterzeichneten Lehrers, Ludwigsplatz Nr. 3 melden.
Gießen, den 1. April 1902. 2597
Mecum, Bürgermeister. I. V.: Schaaf.
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