Ausgabe 
1.11.1902 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Meldeamt) ein zureich en und müssen durch die Bürger­meisterei, bezw. bei Beamten durch die vorge­setzte Behörde beglaubigt sein, werden aber Kur im dringendsten Notfälle genehmigt.

Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vor­her wegzulegen.

Tie MUitarpapiere (Patz mit eiugeNebler Sriegsbeorderuug rnrd Führungszeugnis) mtifien zur Stelle fein.

Sämtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Kontrolltages bis einfchl. Mitter­nacht unter dem Militärgesetz.

Gießen, 20. Oktober 1902.

Großh. Bezirkskommando Gießen, von Mosch,

Oberstleutnant und Kommandeur deS Landwehrbezirks Gießen.

Gießen, 30. Oktober 1902.

Betr.: Versicherung deS Gemeindemobiliars gegen Feuer­schaden.

Das Groschcrzogliche Kreisamt Gießen die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des ÄreiseS.

Die gemeinschaftliche Versicherung deS Gemeindemobiliars, deS FaseloieheS und der Feuerlöschgeräte sämtlicher Gemeinden deS Kreises gegen Feuerschaden ist in Anregung gebracht worden.

Wir beabsichtigen, diese Angelegenheit bei der nächsten Bürgermeisterversammlung zur Beratung zu bringen.

Um hierfür die erforderlichen Grundlagen zu gewinnen, übersenden wir Ihnen mit nächster Post Fragebogen, welche Sie auSfüllen und an uns zurücksenden wollen. Begleit­bericht ist nicht notwendig.

Dr. Breidert.

Au den hessischen Wahlmannerwaljleu.

Die Situation ist jetzt genügend geklärt. Aus dem Wahlkreis Schotten liegen heute genauere Nachrichten vor. In Schotten selbst wurden, wie wir bereits mitteilten, nur Wahlmänner für Dr. Weber gewählt. Ferner wurden ab­gegeben für Oberförster Dr. Weber: in Eichelsdorf 1 Stimme, Einhartshausen 1, Eschenrod 1, Freienseen 1, Laubach 3, Seemen 2, Rainrod 1, Schotten 4, Wenings 1 15 St.; für Weidner: Betzenrod 1, Breungeshain 1, Burkhards 1, Eichelsachsen 1, Gedern 3, Gonterskirchen 1, Herchenhain 1, Sichenhausen-Kaulstoß 1, Lardenbach 1, Michelbach 1, Ru­dingshain 1, Ruppertsburg 1, Ulfa 2, Wetterfeld 1, Win­gershausen 1, Merkenfritz 1 19 Stimmen. Also Weid­ner istum vier Stimmen im Vorteil, doch hoffen die Anhänger Dr. Webers, daß sich unter den 19 Wahlmännern noch solche sinden, die doch vielleicht mit Weber sympathi­sieren. Aus Herchenhain schreibt man, daß sich der Bürger­meister Weidner mit verschiedenen Leuten, Gemeindebeamten, verfeindet habe. Dem Hungener Blatte wird mitgeteilt, daß seitens des Kreisamts Schotten eine zweitägige Untersuch­ung stattgefunden habe wegen allerlei Unregelmäßig­keiten. Bei der Wahlmännerwahl war Weidner nicht zu Hause, hatte sich aber wie man sagt, selbst als Wahlmann aufgestellt. Die Wahl wurde von einem Beamten des KreiS- amts Schotten ahgehalten. Als Wahlmann der Gegenvartei war Beigeordneter Adolph aufgestellt, aber es ergab sich, daß er garnicht in der Liste stand. Es sollen, wie das ge­nannte Blatt sich ausdrückt,allerlei schwierige Sachen* ge­macht worden sein.Die meisten Leute hatten furchtbaren Zorn darüber, besonders von Volkartshain, welcher Ort mit Harimannshain zum Wahlbezirk Herchenhain gehört", schreibt unser Berichterstatter.

Aus Ulrichstein meldet uns heute ein eigener Drahtbericht, daß dort der Bürgermeister Rühl als Wahlmann gewählt worden ist.

Im Wahlkreis Grünberg wird der AntisemitHirschel einen glatten Sieg erringen. Nach heißem Endkampfe haben seine Anhänger 21, Moll 10 Wahlmänner bekommen, zwei sind unbestimmt.

Entgegen früheren Meldungen wird jetzt dem ,D. Tägl. Anz." auS dem Odenwalde mitgeteilt, daß die Wiederwahl des (nat.-lib.) Abg. Heidenreich gesichert ist. In Wald-Michelbach sind 2 (nicht 3) Wahlmänner gegen den­selben.

In Groß-Umstadt ging die Liste des national­liberalen Kandidaten RealschuldirektorS Dr. Lahm durch; aber die Wahl deS ZentrumSkandldaten Uebel scheint trotzdem im Wahlkreise Dieburg-Groß-Umstadt gesichert.

In Birkenau ging die liberale Liste durch. Die ZentrumSkandldaten blieben um etwa die Hälfte der Stimmen zurück. Die Wahl ist jedoch, dem klerikalenMainzer Journ." zufolge, ungiltig, da viele Abslimmende zurückgewiescn wur­den, weil daS dritte Ziel der Kommunalsteuer nicht bezahlt war. Außerdem sollen auch andere wesentliche Fehler vor­gekommen sein. Ob es indes ratsam ist, die Wahl anzu­fechten, muß bei dem Umstande, daß bei einer Neuwahl kein anderes Resultat zu erzielen fern wird, sehr bezweifelt werden. In dem benachbarten Nieber-LieberSbach wurde der Zentrums­kandidat einstimmig gewählt.

Die Evangelische Landessynode.

IV.

R.B. Darmstadt, 31. Okt.

Unter Vorsitz des Präsidenten Prof. D. Stamm- Gießen begann die heutige und voraussichtlich letzte Sitzung nach dem Gebete des Abg. Pfarrer Lüdl mit Besprechung der Anfrage der Abgg. Fink und Wayl-Langen über die Erhöhung des Gehaltes der Organisten. Abg. Fink Zwingenberg legt die Gesichtspunkte seines Antrages näher dar und spricht die Hoffnung aus, daß das Großh. Ober­konsistorium ebenso, wie hohe Synode, die Berechtigung und Notwendigkeit einer Gehaltsaufbesserung der Organisten an­erkennen werden. Ter jetzige Mindestgehalt von 100 Mark sei entschieden zu gering, unb die Synode müsse vor allem darauf bestehen, daß sie die Gehaltsaufbesserung nur in der festen Voraussetzung befürwortete, daß die Zuschüsse nicht etwa von den Gemeinden wieder in Abzug gebracht werden.

Tas Oberkonsistorium erkennt in seinem schriftlichen Bescheid an, daß oer Gehalt der Organisten in den meisten Pfarreien einer Aufbesserung bedarf und hat bereits in einem Anschreiben vom 14. Februar d- I. eine Ermittelung der einschlägigen Verhältnisse angeordnet. Tiefe sind jetzt abgeschlossen und die Bearbeitung des Materials hat be­gonnen. Es stehe bereits jetzt so viel für das Lberkonsi- storium fest, daß die Gehaltserhöhungen grundsätzlich von oen betr. Kirchengemeinden zu tragen sind und daß der Zentrallirchenfonds nur aushilfsweise bei bedürftigen Ge­meinden einzutreten habe. Es bedürfe in erster Linie eines Kirchengesetzes, das jene Verpflichtung ausspricht. Um einen Ueberbltd über die Gesamthöhe der nötigen Beträge zu er­halten, müßten die Vermögensverhältnisse der einzelnen Gemeinden und ihre Lei,stungssähigkett festgestellt werden, dadurch könne sich aber eine Gehaltserhöhung bis zum 1. April 1904 verzögern, denn es handle sich um 600 Organistenstellen. Alan dürfe auch nicht allzugroße Hoff­nungen und Erwartungen hegen.

Abg. Pfarrer Schlosser- Gießen führt aus, er schätze die Bedeutung der Orgel und der kirchlichen Musik zu hoch, um nicht auch Opfer dafür zu bringen. Hätte man bei der Festsetzung der Kirchensteuer auch die Organisten berück­sichtigt, so würde eine Heine Erhöhung genügt haben, die wirklichen Bedürfnisse zu befriedigen. Eine gewisse Mb- neigung der Lehrer bestehe nur gegen den Zwang zum Organistendienst, man dürfe nicht darauf ausgehen, das bestehende geschichtliche Verhältnis zu lösen. Wenn der Zwang beseitigt und der Organistenoienst ein freiwilliger wäre, so würden gewiß noch mehr Lehrer bereit dazu fein.

Mg. Backes-Tarmstadt befürwortet ebenfalls die Ge- haltsaufbesserung. Daß der Gottesdienst ausgestaltet werde, sei lediglich Sache der Kirche, sie habe daher auch für die Ausbildung der Organisten zu sorgen.

Mg. Mickel-Gonterskirchen bemerkt, die Geistlichen erteilten gern den Religionsunterricht in der Schule, weil sie ein Herz für die Schule hätten; bezahlt würden sie nicht dafür, sie verlangten auch keine Bezahlung. Er wünsche, daß die Herren Lehrer auch solch ein gutes Herz für die Kirche haben und nicht nur des schnöden Geldes willen den Organistendienst versehen möchten. Er sei höchstens für eine ganz mäßige Erhöhung ter Organistengehälter.

An der weiteren Debatte beteiligten sich noch die Avgg.' Kreisschulinspektor Pfaff, Wahl-Langen u. a.

Lberkonfistorialpräsident T. Buchner erHärte, daß' auch das Oberkonsistorium der Frage der Gehaltsaufbesse­rung sympathisch gegenüberstehe und hoffe, zu einem an­genehmen Ergebnis zu kommen. Er hoffe und wünsche auch, daß in leistungsfähigen Gemeinden schon vom 1. April 1903 ab eine Gehaltserhöhung eintreten möchte. Nachdem sich noch mehrere Redner zu Gunsten der Gehaltserhöhung ausgesprochen, ist dieser Gegenstand der Tagesordnung er­ledigt.

Tarauf werden einige kleinere Vorlagen erledigt. Der Kirchenvorstand und die Gemeindevertretung von Nieder« Modau (Ernhofen) halte um eine Trennung des Kirch­spiels nachgesucht. Ta seitens der Kirchenbehörde jedoch eine Einigung in den 6eiben Kirchengemeinden nicht erzielt werden konnte, wird beschlossen, die Eingabe für erledigt zu ertiären. Tie Gemeinde Stockhausen beantragt die Genehmigung zur Errichtung eines kirchlichen Feiertages zur Erinnerung an den Brand vom 29. März 1899. TaS Oberkonsiftorium beschlag, die Genehmigung und auch die Synode erklärt sich bannt einverstanden.

Es trat darauf eine kurze Frühstückspause ein.

Den weitaus umfangreichsten Gegenstand der heutigen Beratung nahm die Vorlage des Grotzh. Lberkonsistoriums über die Richtlinien für die Mitwirkung der Kirche bei der Beerdigung von Selbstmördern ein. Tie Vorlage besagt: Als allgemeiner Grundsatz gilt, daß die Selbstmordfülle nach der geistigen und hieraus zu folgernden religiös-sittlichen Zurechnungsfähigkeit oder Unzurechnungsfähigkeit des Thäters zu unterscheiden sind. TaS gewissenhafte Ermessen des Geistlichen hat unter ge­eigneter Berücksichtigung des Urteils des Kirchenvorstandes, des Arztes, der Angehörigen rc. darüber letztlich zu ent­scheiden.

I. Bei vorhanden gewesener geistiger Unrurechnungs- fähigteit sind dem Selbstmörder auf Wunsch der Ange­hörigen die vollen kirchlichen Ehren der Beerdigungsseier, doch möglichst unter Ausschluß des äußeren Gepränges, wie Musik, Gesang, Reden dritter am Grabe, Fahnen rc., zu bewilligen. ES ist erwünscht, daß auch Ehrensalven unter­bleiben. Dagegen findet weder Entziehung noch Einschrän^ hing des üblichen Geläutes statt. Sollten die Angehörigen eine stillere Art der Beerdigung wünschen oder damit ein­verstanden sein, so ist dem zu entsprechen. Wo keine An­gehörigen vorhanden sind, treten in allen Fällen an deren Stelle die unter den vorliegenden Verhältnissen Nächst- stehenden.

II. Liegt der Fall der Zurechnungsfähigkeit vor, so zu unterscheiden, ob

1. Tie That der Selbstentleibuna der folgerichtige W- schluß eines offenkundigen Lasterlebens war oder unter besonders frevelhaften Umständen, z. B um sich den irdischen Folgen eines Verbrechens zu ent­ziehen, unternommen wurde, oder ob

2. die That zwar an sich religiös-sittlich zu mißbilligen ist, aber bei ihr mildernde Umstände in Frage kommen, welche uns eine gewisse Zurückhaltung im Urteil nahelegen.

In Fällen der ersteren Art findet eine Mitwirkung bet Kirche bei der Beerdigung überhaupt nicht statt. Bei Fallen der zweiten Gattung ist die kirchliche Beerdigungsfeier eine gedämpftes d. h. die kirchlichen Ehren werden in folgen­der Weise beschränkt: Der Geistliche erwartet die Leiche am Eingang des Friedhofes und begleitet fie von da an daS Grob. Im Leichenzuge geht da, wo es sonst üblich ist, die Schuljugend nicht mit. Alles Gepränge bleibt weg. Lieber die Bewilligung des Geläutes beschließt der Kirchen­vorstand entweder allgemein oder von Fall zu Fall. Jeden­falls aber ist das Geläute am Tage der Beerdigung ein bloß einmaliges.

Ter kirchliche Begräbnisakt, den der Geistliche im Ornat vollzieht, besteht in Ansprache, Gebet, Vater Unser, Segen an die Leidtragenden. Die sogenannte Einsegnung der in die Erde versenkten Leiche in der üblichen Form unterbleibt Ebenso unterbleiben Gesang und Reden Drttter. Die Be­teiligung des Geistlichen ist an diese Bedingung geknüpft Eine Letchenpr^igt in der Kirche findet nicht statt

Auf Wunsch der Angehörigen oder der unter den vor» liegenden Verhältnissen Nächststehenden, sowie auch bei ernsten Bedenken des Geistlichen kann die Ansprache unter­bleiben. Soll die Ansprache stattfinden, so ist den An­gehörigen jedesmal vorher zu eröffnen, daß die Ursache des Todesfalles, wenn auch in christlich angemessener und

umschließt sie einen riesigen Eisenbau. Tie Gänge, die Re­gale, die Treppen alles Eisen, sieben Etagen von je zweieinhalb Meter Höhe. Und in diesem kalten, gewalti­gen eisernen Gestell werden die Bücher gefangen gehalten, unsere lieben Bücher, von denen wir gewünscht hätten, daß fie in schönen, vielleicht gewölbten Räumen die Wände einnehmen möchten, um uns immer nah zu fein, um jenes unbefinirbare Etwas zu schassen, das so untrennbar mit einer Bibliothek verbunden fein soll. . . Nur in dem großen Lesesaal wird eine kleine .Handbibliothek Aus­stellung finden. Mer ein solcher Lesesaal ist alles andere, als ein stilles, ruhiges Studiergemach. Wo so viele Per­sonen arbeiten wollen, ist ein Sichverttefen in das Stu­dium, ein Aufgehen in demselben ausgeschlossen. ES möchte vielleicht mandier hier einwenden, zu einem solchen Killen Studium sei die Bibliothek nicht da usw. Es ist das die veraltete Anschauung, die auch in den oben erwähnten kahlen, öden Schulen und ähnlichen Bildungs- anftalten zu tage tritt. Wir möchten hier doch einmal an die katholischen Gotteshäuser erinnern, die gewöhnlich mit herrlichem künstlerischem Schmucke versehen sind. Und will man durch diesen Schmuck nicht auf den Geist des Men­schen wirken? Ihn empfänglich machen für die Lehren der Religion? Gilt das, was die katholische Kirche als not­wendig erkannt haj, nicht von ben, der W ss.nschast bienen­den Gebäuden? Doch ohne Zweifel, und man wird sich in einer schönen, und dem Zweck anaepaßten Umgebung öiel gehobener rind zum Studium geneigter fühlen, als in einer langweiligen ober gar abstoßenden. Ter architekto- nifche Schmuck, der für den Treppenaufgang und für den Sc|cfaal der neuen Bibliothek vorgesel^en ist, ist dafür kein ausreichender Ersatz. ES hätte ferner außer dem Lesesaal noch für Heinere Abteilungen Sorge getragen werben müssen, in beiten man ungeftört feinen Studien hätte obliegen können. Tie einzige Konzession, bie in dieser Beziehung un neuen Gebäude gemacht in, sind zwei Nischen, bie sich im Lesesaal befinden und die nur: dadurch bei gestellt wer

mäßig dünnen Wände an diesen Stellen nach außen hin ausgebuchtet wurden.

Sie Kosten für das riesige Gebäude, das nun ün Rotz.

bau beinahe fertiggestellt ist, betragen nur 600 000 Mark, wovon noch ein beträchtlicher Dell auf die innere Ein­richtung entfällt Billig genug ist das neue Gebäude also, und es entspricht in allen seinen Teilen den Anforder­ungen des modernen Geldmenschen. Es besitzt eine hübsche Architektur unb läßt auch äußerlich feinen Zweck erkennen, soweit bie große Bücherkiste in Frage kommt Tas ist alles, was ber moderne Gelbmensch von einer Bibliothek erwarten kann. Unb ber Baumeister hat ihm noch eine Extraüberraschung bereitet, indem er wahrscheinlich sogar Ersparnisse erzielen wird.

Es giebt auch heute noch ein winzig Häuflein von Sterblichen, denen das Geld eine Chimäre ist, und bie ihre Geisteskraft nach Möglichkeit anbereu Dingen widmen, als bem schnöben Mammon. Dieser Handvoll Menschen wird die neue Bibliothek nicht sonderlich gefallen; sie werden es im Anblick dieses Baues besonders bitter beklagen, daß als unserer Tage A unb O die Sparsamkeit gilt, daß sie als die oberste Tugend zu preisen man allenthalben für gut unb klug erachtet DieseSonderlings werden deshalb dort nie heimisch werben.

Das neue frankfurter Schauspielhaus

daS sich zwischen der Mainzer- unb GalluSstraße an ber Promenade stattlich erhebt, ist jetzt in 3 fahren von Baumeister Sehring vollenbet worben. ES wirb heute Abend in feierlicher Festoorftellung eröffnet werben, über bie wir unseren liefern am nächsten Montag werben be­richten können. Für heule eui Vorbenchl über dasHauS, den Anna Hill in benM. 9L 91/ gibt: Ganz fertig ist schon seit Monaten bie Bühne. Hier sind in ben letzten Wochen die neuen Tekorationen cingepaßl worben, unb ber Raum von ben rocltbebeutenben Brettern biS hinauf zum Schnürboden trägt bereits bie Prospekte, Knüffen, Sofuen und Versatzstücke. Nichts^leht hier dem Auigeheu deSVor- Hanges entgegen. Auch Heizung, Beleuchtung und Ventilation fünf« Monieren tadellos. Nur bie richtigen Beleuchtungskörper fehlen bis heute noch. Weniger gut sieht es in den Garderoben aus. Aicher den hohen, eingemauerten Spiegeln fehlt dort so ziemlich Alles, was die Künstler haben müssen, um sich behaglich zu fühlen. Etwas fertiger präsentiert sich der ufd)auerraum, in dem Professor Bo mess die künstlerijchc Ausführung geleitet hat. Er ist nicht allzu umlangreich, was für die Intimität des gesprochenen Wortes von AEtiüem Hoti eil ist, unb macht in seinen weis-rot-goldenen Farben

einen prächtigen unb zugleich äußerst behaglichen Eindruck. Blickt man von ber Balkon-Frembenloge bie Einteilung ber Range ist bem alten Haus fast gleich nach ber Buhne, so ist eS bie schöne, geschwungene Linie ber, von ben Proszeniums logen abge­grenzten, Bühnenöffnung, bie angenehm ausfällt Sie ist burch einen reich verzierten Baldachin gegen den Plafond hin abgefd^loffen. Ten Knauf des Baldachins flanfieren zwei Figuren, bie baS Drama uub bas Lustspiel verkörpern. Auch an ber Brüstung ist Figuren- schmuck angebracht, alles Ueberlabene babei aber sorgfältig oer- mieben. Von besonderer Schönheit verspricht der Plafond zu werden. Allerdings laßt sich heute durch das Fehlen deS großen Kronleuchter« auch darüber nichts Genaueres sagen, weil sich die Wirkung der Teckengemälde bei Beleuchtung noch nicht feststellen laßt. Am un­fertigsten sieht es noch im Foyer und Vestibül auS. Wie in einem Bienenkorb schwärmen bie Arbeiter bort herum unb baS Turcheinanber ist imbeschreiblich. Tie Wänbe sind mit Marmor ocrtleibei; ba schwarzer unb farbiger verwenbet wirb, so hebt sich bie vornehme Wirkung bes Eingangs aufs Vorteilhafteste. Schwarze Marmorstufen führen auS bem Vestibül zu ben Vorräumen bet Balkoiis, und aus biefem gehen rechts unb links Treppen zu ben Vorräumen ber Logen. Thüren unb Wanbbekleibungen sind hier aus Mahagoniholz. Tie Pfeiler haben hohe Spiegel und reichen Beleuchtungsschmuck, über dem sich bie kümmerlich gemalten Decken biS jetzt noch recht unfertig ausnehmen. Mehr läßt sich heute kaum über bas neue Haus sagen, weil ber innere Einblick durch die er­schreckende Unfertigkeit leidet Tie wundervollen Bllhhauerarbeiten am äußeren Hause, die mit Recht allgemeine Anerkennung finden, sind zum Teil von Profeffor Fritz Hausmann, während Varnesi die Jnnenfkulpttiren übernahm. Tie Preise der Plätze sind gegen die im alten Theater um eine Kleinigkeit erhöht worden.

Tas neue Haus ist, wie wir erinnern möchten, im Zeitraum von drei Fahren mit einem Koflenaufwände von etwa 2si, SDhIL Mark von Prof. Seeling-Berlm erbaut Am 28. August 1899, dein 150 irrigen Geburtslage Goelhe'S, wurde ber Grunbstein da­zu gelegt Reben dem Theater ist em kleiner Theater-Garten tm Entstehen begriffen, ber vom Foyer auS zu erreichen ist und auf der anderen Leite zum Theater-Eafee führt. Nach diefem gelangt man außerdem noch durch einen gedeckten Säulengang, foba| Schauspielhaus und Theater-Eafee cm gefchlossenes Ganzes bilden.

Tcr Dirckiorial-AuSschuß des deutschen Bühncu-VereirrS hält unter dein Vorsitze des Grafen Hochberg am 2. November eine Sitzung in Frankfurts» Ai. ab. Tie Einberufung hierzu kam ganz piotzlich: ben Anlaß gab Jnc Anwesenheit be5 Grasen Hoch» berg zur Eröffnung des neuen Schauspielhauses in Frankfurt a. W»