Ausgabe 
1.9.1902 Erstes Blatt
 
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geben, daß sie ihre Fleischpreise um den Betra g des OktroiS herabsetzen würden.

Ferner nahm in Mainz eine von zirka 4000 Personen besuchte Volksversammlung, in der Dr. David referierte, eine Resolution an die Regierung an, den Reichskanzler um schleunigste Ceffnung der Reichsgrenzen zur Einfuhr lebenden Schlachtviehes zu ersuchen, damit der Fleischnot ge­steuert werde.

Beachtung verdienen ferner einige Preßstimmen aus dem Reiche. Während dieDisch.Tagesztg.", das führende Organ des Bundes der Landwirte, täglich von einem Fleischnot- Rummel" spricht, erklärt die freikonservativePost":Wer den Pegelstand der augenblicklichen Fleischpreise und deren unaufhörliches Wachstum ansieht, wird kaum bestreiten können, daß thatsächlich eine Fleischnot herrscht." DerBund der Landwirte für Pommern" gesteht, daßdie Schweinc- preise sich schon seit Jahresfrist auf einer für Deutschland seltenen Höhe befinden", und liefert eine Statistik, wonach die Schweinepreise seit zwei Jahren in Deutschland von allen europäischen Ländern am stärksten gestiegen sind, nämlich vom Juni 1900 bis Juli 1902 m Rotterdam um 16, in Paris um 14,2, in Wien um 14, in Budapest um 10,6, in Berlin Aim 25,8 v. H. DieKorrespondenz des Handelsvertrags­vereins" fügt hinzu:

Nein, wir haben leider Gottes eine sehr reelle Fleischnot, und zwar keine vorübergehende. Tie deutsche Landivirlschast kann wirklich anscheinend den Fleischbedarf be£ deutschen Volkes nicht decken. Seit zwei Jahren steigen die Schweinepreise, seit einem Jahre sind sie unsinnig hoch, und trotzdem haben die deutschen Landwirte die Schweineproduktion, die am raschesten ge­steigert werden kann, nicht auf die ausreichende Höhe zu bringen gewußt. Welche Wahrscheinlichkeit spricht dasür, daß sie es nun mit einem Male fertig bringen werden? Wir müssen damit rechnen, daß die Preise bleiben,^wie sie sind, ja noch steigen werden, wenn derStaatnicht ein­greift. Der Schäfereidirektor Johann Heyne kündigt am Schlüsse eines agrariersreundlicheii Artikels imLeipziger Tageblatt" den deutschen Jleischkonjumenten klipp und klar ihr Schicksal au:Für die deutsche Landwirtschaft haben diese Fleisch preise den Vorteil, daß sie eben nicht das Ergebnis bald vorübergehender Spckulationsaffären sind, sondern einen natürlichen Grund und demnach wohl auch längeren Bestand haben dürfen." Ja­wohl, sicherlich wenn nicht etwas geschieht. Aber was soll ge­schehen ? Herr v. Podbielski vertröstet die bedrängten Posener auf Die Zentrale für Viehverwertung. Als wenn die Fleischnot dadurch geuundert würde, daß von dein unzureichenden deutschen Vieh­bestände ein Teil nach Posen statt, wo andershin dirigiert wird. Man macht ein Loch auf, um ein anderes zuzuslopsen. Die lÄraßb. Post" rät der radikalen Presse, nicht soviel über Fleisch­not zu schreiben, weil dadurch selbst die zurückhaltenden Fleischer zur Preiserhöhungen veranlaßt würden. Mit solchen Mätzchen suchen agrarische oder agrarierfreundliche Blätter das Publikum über den Ernst der Situarion hinwegzutäuschen. Thalsächlich giebt es natürlich nur zwei Wege, um der Fleischnot zu steuern. Tie augenblickliche Not läßt sich durch Oeffnung der Grenzen mlldern. Vieh ist da, jenseits der russischen Grenze harrt es der deutschen Käufer. Dürfte es hinein, so wäre wenigstens die direkte Not be­seitigt. Dauernd freilich läßt sich nur dann etwas erhoffen, wenn nicht die maßlosen Zollsätze, die die Tarifkommission gerade für das Vieh beschlossen hat, Gesetz werden. Die Mindestzölle für Vieh, die unsere Reichstagsmehrheit will, bedeuten Fleischnot in Per­manenz. Was das zu besagen hätte, davon erhalten wir durch die jetzt gerade erst beginnende Fleischnot einen kleinen Vorgeschmack.

An den preuß. Staatsminister v. Podbielski richtet dieDeutsche Fleischerztg." folgendes offene Schreiben:

Ew. Exzellenz besuchten am 30. April d. I. die 28. Mastvieh-- ousftellung. Es war damals gelungen, insgesamt 640 Rinder, 212Schake, 280 Schweine für diese Ausstülung zusammen zu bringen, von denen Ew. Exzellenz vielleicht auch nur die Tiere gesehen haben, welche eben des Zeigens für wert befunden wurden, worunter allerdings vorzügliche Zucht- und Maslresultate vorhanden, neben­bei aber auch Tiere ausgestellt waren, welche bezeichnend für den Niedergang einer guten Zucht und Mast in Deutschland waren. Wir richten nun an Ew. Exzellenz die ebenso dringende wie er­gebene Bitte, nun doch auch einmal einen gewöhnlichen Berliner Schlachtviehmarkt besuchen zu wollen, um ein völlig ungeschminktes Bild zu erhalten, wie der größte Diehmarkt in Deutschland von der Landwirtschaft beschickt wird, um sich auch vor allem von den Leistungen der Viehverwertungsgenofsenschast persönlich zu über­zeugen. Wenn Ew. Exzellenz rechtzeitig eintreffen, so können Sie sehen, wie kurz vor 8 Uhr die Käufer vor der Schweinehalle stehen, um mit dem Glockenzeichen emzutreten, um so nur noch einige wirklich gute Schweine zu höchsten Preisen zu erlangen; denn die meisten der guten Schweine sind schon von den Treibern, welche so glücklich sind, die Verkausshalle vorher betreten zu dürfen, für gute Runbcnreserviert"; ähnlich ist es bei den anderen Vieh­gattungen. Jeder Mackttag auf dem hiesigen Viehmarkt giebt den unumstößlichen Beweis, daß die deutsche Landwirtschaft an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen ist und daß in abseh­barer Zett Fleisch kein Nahrungsmittel, sondern nur noch Genuß- mittel sein wird. Hoffentlich gestattet Ew. Exzellenz kostbare Zeit, sich hiervon recht bald durch den Augenschein zu überzeugen.

Politische Tagesschau.

Zur Petroleumfrage.

In einer Zuschrift an ein sächsisches Blatt wird das Vorgehen der sächsischen Behörden gegen die Errichtung von Petroleumtanks aus sächsischen Bahnhöfen durch die amerikanische Petroleumgesellschaft als anerkennenswert hingestellt. Dieselben haben, so heißt es, damit bewiesen, daß sie das Interesse der Grossisten, Faßhändter und vieler anderer wahren, denn wohlweislich spricht man nur von der russischen Konkurrenz, vermeidet jedoch, etwas über die amerikanische Konkurrenz zu erwähnen, ebenso wenig wie man der rumänischen und galizischen Konkurrenz Erwäh­nung thut, weM) letztere gerade jetzt sehr stark in Teutsch- land mit ihrer Ware Eingang findet. In Sachsen, wo die amerikanische Konkurrenz ebenso gut gerüstet ist wie die D. A. P. G., sindg.erofre in diesen Tagen die Preise um weitere 5 Pfg. ermäßigt worden, während dieses an allen anderen Stationen nicht der Falt war. Allerdings sind die Preise in Deutschland momentan niedriger als in anderen Ländern, wie beispielsweise in Frankreich, wo ein Monopol existiert, in Dänemark, wo ebenfalls die Standard Oil Co. das Feld allein beherrscht, und bislang waren auch in Eng­land die Preise sehr hoch, was durch das ztvischen der Roth­schild-Nobel-Gruppe und Rockefeller bestehende Abkommen ermöglicht wurde. Aus dem englischen Markt hat jedoch in neuerer Zeit durch das Erscheinen amerilÄnischer und russischer Konkurrenz eine Preisreduktion stattgefunden. So lange in Frankreich und Dänemark freie Konkurrenz herrschte, waren die Preise dort auch niedriger, und daß, nachdem die Konkurrenz beseitigt ist, in Teutschürnd die Preise rapid steigen werden, dürfte jedem, der freu Artikel Petroleum kennt, unzweifelhaft erscheinen. So lange mit­hin die Monopolgesellschasten sich der Regierung gegenüber nicht verpflichten, die Preise nicht zu erhöhen, sollte die Regierung niemals Förderer der Monopol­best rebuu gen werden.

sowie über die Festungswerke am Dnjepr vorgefunöen. Es ist gelungen, den Schlüssel zu der Geheimschrift, in welcher diese Aufzeichnungen slattgefunden haben, aufzufinden.

Deutsches gfUj.

Berlin, 31. Aug. Der Kaiser empfing gestern im hiesigen Schloß den Kronprinzen von Sachsen. Heute vormittag hatte der Kaiser nach der Abreise !>es önigs von Italien in der Fürstenhalle des Bahnt)^ssgebäudes eine Besprechung mit dem Reichs­kanzler Grafen v. Bülow und besuchte später den Gottesdienst in der Garnisonkirche zu Potsdam. Nach dem Gottesdienst sprach der Kaiser im Regimentshause des ersten Garde-Regiments zu Fuß vor und begab sich sodann ins Neue Palats. Zur Mittagstafel waren geladen der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Geh. Kabinettschef Lu- canus, Hofgartendirektor Geitner und Architett Bodo Eb- hard. Heute nachmittag nahm der Kaiser den Vortrag der beiden Letzteren im Beisein des Geh. Kabinettschefs von Lucanus entgegen.

Die Nachricht, daß sich der Posener Erz­bischof von Stab lewski während der K aiser tage auf seine Sommerresidenz begeben werde, ist unrichttg. Erzbischof v. Stablewski ist schwer herzleidend und wird während der Kaiserlage in Posen fein und auch an dem Diner der Zivilbehörden teilnehmen, sofern fein Gesund­heitszustand es irgendwie erlaubt.

Nach einer Meldung aus P o s e n berichtet das Blatt Wielkopolauiu", der Oberpräsident habe die Land- , rate der Provinz aufgesordert, über die poli­tische Thätigkeit einzelner polnischen katho­lischen Geistlichen, selbst wenn dieselbe 20 bis 30 Jahre zurückliege, Bericht zu erstatten und staats­feindliche Kundgebungen zu registrieren.

DerNeichsanz." veröffentlicht die Verordnung zur Ausführung des Gesetzes betreffend dieFreundschafts- Verträge mit Tonga und Samoa und den Freund- chafts-, Handels- und Schiffahrtsverkehr mit Sansibar.

Straßburg i. E-, 31. Aug. Der Statthalten Fürst zu Hohenlohe-Langenburg begeht heute jeinen 70jährigen Geburtstag. Aus diesem Anlaß bringen die elsaß-lothringischen Blätter aller Parteirich­tungen sehr warm gehaltene Glückwunschartikel, in denen ie der bisherigen Wirksamkeit des Fürsten volle Anerken­nung zollen und ihm einen segensreichen Lebensabend wünschen.

Dresden, 30. Aug. Der bisherige Kommandierende General des 12. Armeekorps, General der Infanterie Frei- v. Hausen, ist zum Staats- und Krie gsminister ernannt worden.

Heer und Flotte.

Wie man aus Gumbinnen meldet, ist auch der Ober­leutnant Hildebrand wegen der Vorgänge bei seiner Abreise von Gumbinnen verabschiedet worden.

Zur Verabschiedung des Kommandeurs des 1. Feldartillerieregiments Oberstleutnants Weiß und' des Abteilungskommandeurs Dyckerhoff in Gumbinnen wird noch gemeldet: Ihre Entlassungsgesuchesind bereite in Berlin eingegangen und ihre Genehmigung ist eine bloße Formsache, die in kürzester Zeit erledigt sein wird. Beide Offiziere hatten an den Kundgebungen für den Leutnant Hildebrandt sich nicht beteiligt, es wurde ihnen aber Mangel an Aufsicht und man­gelnde Fähigkeit, ein Offizierkorps zu er - ziehen und zu leiten zum Vorwurf gemacht.,"

Ausland.

London, 31. Aug. Tie Buren generale Botha, Dewet und Del ar eh sind heute vormittag hier einge- trosfen.

Birmingham, 30. Aug. In einer Rede anläßlich der Verleihung von Kriegsmedaillen wies Chamberlain auf den gegen die Regierung erhobenen Vorwurf, sie sei auf den Krieg nicht genügend txorberefitet ge­wesen, hin. Er sagte, nach seiner Meinung werde das Land niemals die Kosten auf sich nehmen, die erforderlich seien, um immer auf einen Krieg vo r - her eitet zu sein. Es' werde stets« notwendig sein, sich an die Vaterlandsliebe des Volkes zu wenden, um für die Mängel des ständigen Heeres einen Ersatz zu schaffen. Es sei hauptsächlich, wenn nicht gänzlich, dem Beistände der Freiwilligen zu verdanken, daß England er­folgreich aus dem letzten großen Feldzuge her vor gegangen sei.

Brüssel, 30. Aug.Petit bleu" meldet, Krügers VillaOranjelust" werde am 1. November ver­kauft. Krüger wird also Uttecht und vielleicht Holland verlassen.

Luxemburg, 31. Aug. diach einer Meldung aus Schloß Hohenburg hat der Erbgroßherzvg von Luxemburg gestern abend bei der Rückkehr von der Jagd das rechte Schienbein gebrochen. Tas All­gemeinbefinden «d'.es Erbgroßhe^ogs ist gut

Paris, 30. Aug. Eine Depesche des französischen Ge- ileralkommissars im Kongogebiet meldet, daß 1000 von Mo­hammed Barani befehligte Tuaregs am 1. Juni Biralabi am Tschadsee angriffen, unter Verlust von 1000 Mann aber zurückgeschlagen wurden; auf französischer Seite waren feine Verüiste zu verzeichnen. Tie Ruhe ist wieder her- gestellt.

Bourgoin, 31. Aug. Bei der heutigen Einweihung eines Denkmals zur Erinnerung an die für das Vaterland gefallenen Soldaten hielt der Kriegsminister Andrs eine Rede, in welcher er ausführte, zwischen der Armee und Frankreich könne keine MeinungÄrerschiedenheit be­stehen. Frankreich wolle eine starke Armee, denn es müsse künftig siegreich fein, und dazu sei erforderlich, daß alle gesunden Franzosen militärische Er­ziehung erhalten, welche das bewundernswerte Ofsizierkorps ihnen in zwei Jahren beizubringen bereit fei. Der Minister erklärte ferner, er sei für die Aufrecht­erhaltung der militärischen Reservcübungcn von 28 und 13 Tagen und schloß, eine starke und gut ausgebildete Armee fei unumgänglich erforderlich, um den territorialen Besitz zu sichern.

Madrid, 30. Aug. Tie mit der Angelegenheit der Zweigniederlassungen der Bank von Spa­nien beauftragte Kommission sprach sich m Betreff der Er­richtung einer Zweigniederlassung in Paris günstig aus. Weitere Niederlassungen sollen später in Berlin und London errichtet werden.

Lemberg, 31. Aug. Tie meisten polnischen Blätter befassen sich mit der bevorstehenden Reise des deut­schen Kaisers nach Posen und sprechen die B e f ü r ch - tu n g aus, daß Kaiser Wilhelm in einer neuerlichen Rede weitere Maßnahmen gegen die Polen an kündigen werde.

In Strzy wurde ein gewisser Zaslawski unter dem Verdachte der Spionage verhast-n. Bei demselben wur­den chiffrierte Llufzcichnungen über Erd und Flußmessungen

Aus Stadt und Sand.

Gießen, 1. September 1902.

Mitteilungen aus dem Publikum werden gern entgegen ge­nommen und augcmcffen honoriert.

** Hofnachrichten. Ter G r o ß h e r z o g ist gestern abend nach Düsseldorf zu einem kurzen Besuch der dortigen Ausstellung gereift und beabsichtigt von dort aus nach Essen zu reifen zur Besichtigung der Krupv- fcf)en Werke und Wohifahrtseinrichtungen. Die Rückkehr oll am Mittwoch morgen erfolgen. Die von einem Darnr- täbter Berichterstatter verbreitete Meldung, daß der Groß­herzog beabsichtige, demnächst dem Berliner Hofe einen Besuch abzustatten, entbehrt, wie dieN. H B." erfahren, jeder Begründung.

** Audienzen. Der Großherzog empfing den Oberlehrer Professor Maerz vom Seminar in Alzey, den Kreisrat Kammerherrn v. Bechtold von Friedberg, den Oberlehrer Professor Schaumann vom Gymnasium in Gießen und den Amtsrichter Muller von Vilbel.

** Personalien. Der Großherzog hat am 30. August den Oberrechnungs-Reoisor, Rechnungsrat Jakob Grimm auf sein Ansuchen unter Anerkennung feiner treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober 1902 in den Ruhestand versetzt.

Personalien. An Stelle des nach Glatz in Schle­ien versetzten Garn.-Verw.-Inspektor Scheibe! wurde Garn.- Verw.-Jnspektor Böttger von Frankfutt a. M. nach Butz- iach versetzt.

Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 5 9, ausgegeben am 28. Aug. d. I., enchält: Bekannt­machung, die Abänderung des Hausgesetzes für das Gräfliche Haus Solms-Laubach betreffend. Dom 20. Aug. 1902.

" 5. Hessische Landeslotterie. 6. Klaffe. Aus Darmstadt erhalten wir telegraphisch folgende Gewinn­liste: Es fielen Gewinne zu je

20 000 Mk. auf Nr.: 22973.

10000 Mk. auf Nr.: 4327.

3000 Mk. auf Nr.: 2909 17556 35111 40817.

2000 Mk. auf Nr.: 5814 26160 38161 38421 42021 46334 53583.

1000 Mk. auf Nr.: 1261 1771 2500 4018 4031 6756 7852 8237 11552 11902 14558 23858 25928 27196 28738 30573 30942 31258 31849 37057 40881 46518 47478 48926 49910. (Ohne Gewähr.)

** Prüfungsergebnifse. Das Institut von Dr. Kubel hier hatte auch im letzten Schuljahr wieder recht gute Ergebnisse bei Prüfungs-Kommissionen verschiedener Art; insbesondere bestanden auch sämtliche Schüler aus dem Institut, die sich jüngst den Prüfungen für ein- jährig Freiwillige unterzogen.

* Das Scharfs chieß en der Feldartillerie- Regimenter Nr. 25 und 61, das SamStag mittag bei Münzenberg stattfand, war in Gießen deutlich zu hören. Die Entfernung beträgt ungefähr 18 Kilometer.

)( Braun st einbergwerk Fernie. Ein schweren Unglücks fall hat sich hier am Samstcm 10 Uhr vor-« mittags zugetraaeu. Ter Bergmann Schab war auf ber Sohle einer 3 Meter tiefen Grube mit dem Brechen von Kalkstein (Dolomit) beschäftigt. Als er, gewarnt durch einen Kameraden, eilig die Grube, deren eine Wand ein­zustürzen drohte, verlassen wollte, wurde er von dem ab» stürzenden Gestein getroffen und zurückgeworfen. Dass niederstürzende Gestein tötete den Bergmann sofort. Die Gerichts- und Polizeibehörde erschien alsbald, ebenso der; Bergbaumeister, welcher telegraphisch ans Tarmstadt be­rufen worden war. Die Leiche wurde zur ärztlichen Unter-* suchung nach der Leichenhalle gebracht. Der Tote war 34 Jahre alt und hinterläßt eine kinderlose Witwe; gebürtig] ist er aus Hausen, wohnt jedoch feit seiner Verhei­ratung in Steinberg.

** Ein Schwindler. Ein hier am Bahnhof be- schäftigter italienischer Arbeiter, der zugleich das Amt eines Kochs für seine Mitarbeiter versah, pumpte bei einem; hiesigen Spezereihändler für ca. 67 Mark Ware und ver­schwand, nachdem er hierfür von seinen Kollegen das GeU> einkassiert, auf Nimmerwiedersehen. Anzeige ist erhoben.-

* Schlägereien. Gestern abend mußte eine Schlägerei'zwischen Arbeitern in der Kaplansgasse durch! hinzugerufene Schutzleute geschlichtet werden. Anzeige wurde gegen die Ruhestörer erhoben. Ein hiesiger Ar^ beiter mußte vergangene Nacht wegen fortgesetzter Ruhe-, störung verhaftet werden. Hierbei machte sich ein anderer- dadurch strafbar, daß er den Gefangenen aus den Händen; der Schutzleute zu befreien suchte.

t. Leihgestern, 31. August. Ein bedauerlicher Unglücksfall trug sich gestern hier zu. Das dreijährige Kind eines Bauerngutsbesitzers fiel so unglücklich von einem- Wagen, daß es sich schwer verletzte und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.

l Leihgestern, 30. Aug. Unser Ort hat nunmehr auch Telephonverbindung erhalten.

Bad-Nauheim, 31. August. Die Hauptsaison neigt sich ihrem Ende zu, aber, so schreibt man derFrkf. Ztg."^ die Terraffe zeigt jetzt in den Konzertstunden ein viel bunteres Bild, als vor einigen Wochen bei doppelt so starkem Besuch. Die Kurverwaltung verläßt sich auf diesefreiwillige Nettungsgesellschast" und strengt sich nicht übermäßig a n. Ein paar recht bescheidene Feuerwerke, Lampionbeleuch­tung nach der Schablone. Die Zeitschrift spendet bann dem Bade einiges Lob und fähtt bann fort: Aber all dies kann mich nicht abhalten, auf einige Mängel und Rückstärr^ bigf eiten hinzuweisen, deren.Abstellung Nauheim nur zum Vorteil gereichen kann. Ich erwähne zunächst die unge­nügenden Warteräume in den Babehäusern. Bei schlechtem Wetter sind während der Badezeit oft nicht ein­mal Sitzplätze genug vorhanden für die, zu stundenlangem Watten auf freiwerbende Badezellen gezwungenen Badegäste. Und wer zur Kur nach Nauheim kommt, ist meist kein Freund von langem Stehen! Hier könnte durch Errichtung einiger Vorhallen abgeholfen werben. Sonst fehlt es ja nicht an Si tzgelegen heiten; sie sind aber auch darnach! Die Stühle auf der Terraffe, dem Sammelpunkt von ganz Nau»^ heim (incl. Friedberg), rühren sicherlich vom Beginn der Eisenzeit her. Auf bayerischen Biettellern mögen solche Ge­stelle am Platze fein, aber m einem Badeort wie Nauheims ; Auch die Bänke in den Anlagen dürften gegen moderne, de ms . Körperbau angepaßte Konstruktionen ausgewechselt werdenG