[tuen Distrikten am Montag, -r- Nach einem anderen Telegramm soll Delarey Kitchener mitgeteilt haben, daß drei Kommandos im westlichen Transvaal beschlossen hätten, unter den vorgelegten Bedingungen zu kapitulieren. Im Oranjestaate weigerte sich dagegen ein Kommando unter dem Kommandanten Holland, mit Steijn auch nur zusammenzutreffen.
Andere vom Kriegsschauplatz kommende Meldungen besagen indes im Gegenteil, daß angesichts der Haltung der englischen Regierung in der Amnestiefrage sich eine große Erregung der gesamten kämpfenden Komman- do s bemächtigt hat. Alle Meldungen, einzelne Truppenteile seien bereit, den englischen Forderungen zuzustimmen, seien als dreiste Erfindung zu bezeichnen. Gerade durch die feste Entschlossenheit der Buren, in der Amnestiefrage nicht nachzugeben, sei ein großer Zuwachs an Kaprebellen erfolgt. — Diese Nachricht wird, wenn auch in verschleierter und ab- geschwächter Form vom Reuterschen Bureau bestätigt, dem telegraphiert wird, daß die von Kitchener eingetroffenen Meldungen von einer solchen Uebergabe nichts erwähnen, und daß auch nichts auf eine solche hindeute. Es würden wahrscheinlich noch etwa vier Wochen vergehen) bevor bezüglich der Friedensaussichten eudgiltige Nachrichten eintresfen.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. April. Ter Kaiser ist heute nachmittag 1.10 Uhr von Eisenach wieder nach Berlin abgereist. Am Bahnhof war der kommandierende General von Wittich zur Verabschiedung anwesend. Der Großherzog von Sachsen begleitete den Kaiser bis Weimar und begab sich von dort aus sein Gut Heinrichsau.
— Ter Kaiser hat kürzlich bestimmt, daß in Zukunft bei Denkmälern für den alten Kaiser Wilhelm als Inschrift nicht „Kaiser Wilhelm I.", sondern „Kaiser Wilh elm der Gro ße" zu setzen ist. Nur beim Gebrauch dieser Bezeichnung wird fortan die kaiserliche Erlaubnis zur Errichtung solcher Denkmäler erteilt werden.
— Der Reichstagsabgeordnete Singer ist an Gesichtsrose erkrankt.
— Ter „Reichsanz." veröffentlicht die Verleihung der königl Krone zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub an den Vizeadmiral Sack, Vorstand der Waffenabteilung des Reichsmarincamts.
— Dem „Pos .Tagebl." zufolge steht die Einbringung einer Hundertmillionenvorlage, deren Wirksamkeit auf Posen und Westpreußen beschränkt werden soll, im preußischen Abgeordnetenhause bevor. Es sollen nicht nur bäuerliche Ansiedelungen in größerem Umfange als bisher geschaffen, sondern auch Domänen angekauft werden.
Ausland.
London, 30. April .Eine Meldung des Reuterschen Bureaus aus Curacao bestätigt die Nachricht von der Niederlage der venezolanischen Regierungstruppen im Bezirk Cumana und den Tod des G.ne.als C a st i l l o. Der zweite Kommarwierenoe, Escalante, ist mit dem Stabe von den Aufständischen gefangen, welche auch die gesamte Artillerie erbeuteten. General Brita Gon- z a l e r, Präsident des Staates Cumana, ist auch unter den Gefangenen. Cumanacoa ist im Besitze der Aufständischen, welche auf Cumana vorrücken. Die Regierung nimmt nach allen Richtungen hin Rekrutenaushebungen vor. In Cara- paru und Barcelona herrscht große Aufregung.
Paris, 30. April. In Puteaux wurde ein Wähler von einer Gruppe Gegner angegriffen und so schwer mißhandelt, daß er an den Folgen einer Gehirn-Erschütterung starb. Auch in Belfort sanden anläßlich der Bekanntgabe des Wahlresultates heftige Kundgebungen statt. Tie Anhänger der neuen Abgeordneten durchzogen lärmend die Straßen und schlugen die Fenster des Redaktionslokals eines Blattes ein, welches für den Gegner eingetreten war. Es kam zu einem Handgemenge zwischen Anhängern der verschiedenen Parteien, wobei ein Mann durch Messerstiche getötet wurde, einem anderen wurde durch einen Steinwurf ein Bein zerschmettert. In Evian les Bains versuchten die Anarchisten Straßen-Demonstrationen. Sie schlugen zahlreiche Fenster ein. Die Gendarmerie nahm zwei Verhaftungen vor.
Parma, 30. April. Gerüchtweise verlautet, es sei ein Anarchist verhaftet worden, bei welchem eine Photographie Kaiser Franz Josefs vorgefunden wurde, auf der die Worte standen: „Zum'Tode verurteilt".
SchloßLoo,30. April. Nach dem heute ausgegebenen Krankheitsberichte verbrachte die Königin wieder eine ruhige Nacht. Die fieberfreien Zeiträume kehren regelmäßig wiedersu nd halten immer länger an.
Löwen, 30. April. Eine Anzahl katholischer Studenten, die seit einigen Tagen Demonstrationen veranstalteten, drangen gestern in den Hof eines Privatgebäudes ein und bedrohten den Besitzer. Dieser holte ein Gewehr und gab einige Schreckschüsse ab, die von den Studenten mit Revolverschüssen erwidert wurden. Tie herbeigeeilten Polizisten zerstreuten die Studenten. Eine strenge Untersuchung über den Vorfall ist angeordnet worden. Tie herausfordernde Haltung der katholischen Jugend wird von der hiesigen Bevölkerung scharf verurteilt.
Bern ,30. April. Ter Berner Kantonsrat hat einen Antrag angenommen, welcher die Wahl der Regierung direkt Lurch das Volk, statt wie bisher durch den Kantonsrat bezweckt.
Barcelona, 30. April. Ter Stadtrat beschloß, die Stadt werde sich an keinerlei Festlichkeit aus Anlaß der Krönung des Königs beteiligen.
Rom, 30. April. Telegramme aus Newyork melden, daß dort die Verhaftung und Bestrafung ameri- kanischer Offiziere in Venedig böses Blut mache. Heute ging der hiesige amerikanische Gesandte in das Auswärtige Amt, um freundschaftlichst die Auslieferung der Gefangenen zu erbitten, damit sie auf dem Kriegsschiffe bestraft würden.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 1. Mai 1902.
* * Militärdienstnachricht Der Zahlmeister Urban vom 5. Großh. Hess. Jnf.-Regiment Nr. 168 wurde zum Militär- Intendantur-Sekretär ernannt.
* * Misfiouskouferenz. Am 12. bis 14. Mai wird in Auerbach a. d. B. die alle zwei Jahre zusammentretende Konferenz theologischer Berufsarbeit er der Inneren Mission tagen. Gäste können mit Erlaubnis der Versammlung an den Beratungen teilnehmen.
* * Wissenschaftlicher Fortbildungskursus lux Volksschullehrer. Die Vorlesungen beginnen am
Samstag, den 3. Mai, nachmittags 4 Uhr in der großen Aula des Universitätsgebäudes. Als Vorlesungstage find in Aussicht genommen: 3., 7., 14. und 28. Mai, 4., 11., 18. und 25. Juni. Die Vorlesungen finden in folgender Reihenfolge statt: 4 bis 5 Uhr „Physikalische Geographie des festen Landes" von Prof. Dr. Sievers, 5 bis 6 Uhr „Ueber das Seelenleben des Kindes" von Prof. Dr. Gr o o s, 6 bis 7 Uhr „Die deutsche Frage 1848—1871", Fortsetzung der vorjährigen Bismarckvorlesungen von Geh. Hofrat Prof. Dr. W- Oncken. Der ganze Kursus wird zehn Wochen dauern.
* * Walpurgisnacht. Die Mai- oder Walpurgis- Nacht ist im Volksglauben von dämonischen Spukaestalten durchzogen, und vor allem gilt der Brocken oder Blocksberg als ' das Rendezvous der auf Besen, Stöcken, Ofengabeln, Katzen, Hunden oder Böcken heranreitenden Hexen. Mit der Zauberformel „Oben aus und nirgend an" begrüßen sich die Unholdinnen, machen dem sie auf ihre Missethaten prüfenden Teufel ihre Reverenz und amüsieren sich dann in ausgelassenen Tänzen oder wüsten Prügeleien. In Mecklenburg erzählt man, daß die Blocksberghexen u. a. auch Wischtücher braten und essen. Wer ein schwarzes Huhn vor Sonnenaufgang schlachtet und das Ei von diesem Tiere behält, kann am Sonntag nach dem 1. SOlai in der Kirche einige, sonst unsichtbare Hexen erkennen; nur heißt cs, noch vor ihnen das Gotteshaus verlassen, sonst wird man von ihnen angeblasen, und die Augen fallen einem aus dem Kopfe. Ein Kreuzdornstock, in der Mainacht geschnitten und an der Hausschwelle befestigt, ist ein guter Schutz gegen Diebereien der Hexen. In Böhmen sichert man sich durch „Hexenfeuer"; man verbrennt eine weibliche Figur, und Jung und Alt tanzt dazu herum. Drei Kreuze über Haus- und Stallthür sollen an vielen Orten den Hexenzauber gründlichst bannen. Die Saat wird geschützt, indem man über die Felder schießt, — wohl eine Erinnerung an Thors Hammerzeichen. Am Rheine fühlt man sich sicher, wenn in der Walpurgisnacht geweihte Glocken läuten, und in Oberösterreich sind umgekehrt in die Erde gesteckte Gerätschaften, wie Besen, Schaufeln, Rechen usw. eine gute Waffe gegen die Hexengesellschaft. Sehr stark ist der Walpurgis-Abcrglaube noch in Böhmen vorhanden. Da werden schon am Abend vorher Wohnungen, Ställe, Scheunen, Getreideböden usw. mit Weihwasser besprengt; die Kreuzeszeichen an den Thüren werden mit geweihter Kreide vollzogen, und überdies wird beim Dunkelwerden mit Bock- und Ziegenhörnern ein fürchterlicher Lärm gemacht, um „die Hexen auszutreiben". Nach einer alten Sage fordert die Walpurgisnacht — ganz ähnlich dem Johannistage — ein Opfer, das irgendwo vom Wasser verschlungen wird. Es ist wahrscheinlich, daß die von Karl dem Großen zwangsweise zum Christentum bekehrten, innerlich aber noch lange an den alten Gottheiten zäh festhaltenden Sachsen geflissentlich die Spuk- und Hexengeschichten der christlichen Soldaten für die Mainacht bestätigten, um so in vermummter Gestalt ungestört an düsteren Orten zum heidnischen Kultus zusammenkommen zu können. Ter Brocken war sicherlich eine derartige, geheime Kultstätte, aber Sage und Aberglaube machten ihn zum Tummelplatz von Dämonen und Hexen. — Wie früher veranstalteten auch die Gießener Studenten wieder eine „Maifeier". Mit Lampions zogen sie um 12 Uhr nach dem Marktplatz, wo nach Absingen des Liedes „Der Mai ist gekommen" und dem üblichen Salamander, der Rückmarsch nach — den Kneipen angetreten wurden An der „Hexenvertreibung" beteiligten sich diesmal auch viele Nichtstudenten; in allen Stadteilen wurde geschossen, Feuerwerkskörper abgebrannt und sonstiger, an die Neu- jahrsnacht erinnernder Spuk getrieben.
* * Der katholische Lehrervereiu für Hessen wird seine 9. ordentliche Generalversammlung am 19. und 20. Mai in den Räumen „Zu den drei Schwertern" in Friedberg ab-, halten. Das gemeinsame Mahl wird im „Hotel Trapp" eingenommen. Das Lokalkomitee erläßt z. Z. Einladungen zur zahlreichen Beteiligung.
M. Beuern, 29. April. Zwei Bauern aus einem Nachbarort hatten gestern fette Schweine nach Gießen geliefert, wofür sie eine gute Einnahme erzieltest, weshalb sie auch hier in einer Wirtschaft sehr vergnügt waren. Auf dem Heimweg aber sollen sie Streit bekommen haben, in dessen Verlauf der Aeltere vom Wagen sprang und sich den Fuß verletzte. Er mußte im Wald übernachten und wurde heute nach Hause gebracht. — In dem in der Nähe unseres Ortes gelegenen, den Herren v. Rabenau gehörigen Struthwald brach heute auf noch unaufgeklärte Weise Feuer aus. Dank dem schnellen Eingreifen der hiesigen Pflichtfeuerwehr sowie einiger anderer Bürger konnte der Waldbrand gedampft werden, ehe er größeren Schaden anrichtete.
Schotten, 30. April. Der Vorstand des Gesammtvereins des Vogelsberger Höhenklubs bringt zu der an Himmelfahrt hier stattfindenden Generalversammlung die Programme an die einzelnen Zweigvereine zur Versendung. Dieselbe nimmt nm halb 12 Uhr vormittags ihren Anfang. Unter den Punkten der Tagesordnung sind bemerkenswert der Antrag des Zweigvereins Herchenhain, ebenso wie im vorigen Jahre den Betrag von 200 Mk. für Wiederrichtung eines Aussichtsgerüstes, dessen Bau noch im Jahre 1902 beginnen soll, zu bewilligen, der Antrag von Grebenhain um den Betrag von 50 Mk. für Anbringung von Orientierungstafeln und Wegmarkierungen; endlich der Antrag von Ulrichstein, Herstellung einer gedeckten Halle mit Ausbau der Küche auf dem Klubhause. Um halb 2 Uhr findet ein gemeinschaftliches Mittagessen im Gasthause „zur Post" statt, dem sich ein gemeinschaftlicher Spaziergang, sowie ein Konzert auf dem Posthäuschen anschließt.
8. Darmstadt, 30. April. Unter außerordentlicher Beteiligung des ganzen Mittelrheinturnkreises wurde heute der Kreisgeschäftsführer und Gauvertreter Hch. Thierolf, der, kaum 41 Jahre alt, am letzten Samstag auf dem 64. Turn- tag durch einen Gehirnschlag plötzlich verschied, zur letzten Ruhe bestattet. Es waren ca. 50 Vereine mit ihren Fahnen vertreten und beinahe ebensoviele Kränze wurden unter entsprechender Ansprache niedergelegt. — Gestern nachmittag gab sich auf dem Rhein bei Gimbsheim der Student Aug. Hermann aus Bad Homburg mit noch zwei Freunden dem Segelsport hin. Plötzlich kenterte das Boot und er versank in den Wellen, da er sich durch Schwimmen zu retten suchte. Seine Kameraden, die sich am Boot festhielten, wurden gerettet.
Offenbach, 30. April. In der Angelegenheit des Beigeordneten W o lf f ist gestern eine Entscheidung des Ministeriums eingetroffen, laut welcher dem Ersuchen der Stadtverordnetenversammlung ftattgegebe« imb der Beigeordnete Wolff vor
läufig seiner Funktionen enthoben worden ist. Das Disziplinarverfahren gegen ihn ist eingeleitet worden.
Frankfurt a. M., l.Mai. Auf das Huldigungstelegramm, das die Katholikenversammlung im Saalbau am Sonntag an den Papst abgesandt hatte, ist folgende Antwort ein» gelaufen:
Herrn Abgeordneten Georg Wellstein, Frankfurt. Die außerordentlich herzlichen, durch Deine'Vermittlung dargebrachten Wünsche der Kacholiken Frankfurts hat der hl. Vater mit größter Freude entgegengenommen. Er verleiht Dir und Allen, deren treue Anhänglichkeit und kindliche Tarbarkeit Tu zum Ausdruck gebracht hast, liebevoll seinen apostolischen Segen. M. Card. Rampolla.
• * Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. In Darmstadt starb Herr Wilhelm Preetorius sen., Großh. Kommerzienrat und Kgl. span. Konsul, im 78. Lebens- jahre.
Vermischtes.
* London, 30. April. In Leith landete heute früh der dänische Postdampfer „Vesta" 24 Seeleute von den bei Fartrufjord, östlich von Island, durch einen Zusammenstoß mit Eisbergen gesunkenen französischen Fischerbooten „Charmeuse" und „Perle". 9 Seuleute der „Charmeuse" und 4 Mann der „Perle" sind ertrunken.
* London, 30. April. Wie der „Zentral-News" aus New-Pork gemeldet wird, ist der bekannte Expreßzug der Santa Fs-Eisenbahn, der sogenannte „Kalifornia Limited" gestern auf einer scharfen Kurve bei Koekuk (Iowa) entgleist und umgestürzt. 5 Personen wurden getötet und 23 verletzt.
* Brüssel, 30. April. In Jnmet wurde heute die große Glasfabrik ein Raub der Flammen.
* Paris, 30. April. Eine 73jährige Rentnerin wurde in der Avenue Wagram erdrosselt aufgefunden. Da dies der dritte Mord ist, der in der letzten Zeit unter ähnlichen Umständen ftattgefunben hat, glaubt man es mit einer Bande zu thun zu haben, die es auf einzelstehende Personen abgesehen hat.
* Neapel, 30. April. Nachdem der Kegel des Vesuvs gegen Pompeji abzustürzen droht, wurde der Verkehr an dieser Seite behördlicherseits gesperrt.
* Venedig, 30. April. Hier wütet ein heftiger Organ. Die Lagunen sind unpassierbar; die Höhen des Cadore sind fußhoch mit Schnee bedeckt.
* Budapest, 30. April. In der Ortschaft Koste lau bei Ungarisch Kradisch wurden durch eine Feuersbrunst binnen zwei Stunden 68 Häuser sowie eine Anzahl Scheunen samt allen Vorräten vernichtet.
Kunst und Wissenschaft.
Marburg, 30. April. Professor v. B erring giebt in einem soeben erschienen Werke werwolle Aufschlüsse über die Natur des Tuberkulosegiftes und über die Beziehungen zwischen den vom Menschen und vom Tiere stammenden Tuberkelbazillen, welche ihrer Art gleich seien. Alle aus der Leibessubstanz der Tuberkelbazillen genommenen Gistpräparate haben einen gemeinsamen Giftkern, das sog. „Tuberkulosm". Ferner teilt Behring mit, daß es ihm gelungen sei, gemeinschaftlich mit zweien seiner Mit° arbeitet ein brauchbares Schützt mpfungsv er fahren gegen die Rindertuberkulose auszuarbeiten. Die bisher gewonnenen Erfahrungen sollen in großem Maßstabe für die Land- wirlschast verivertet werden.
Gerichtssaat.
8. Darmstadt, 30. April. (Strafkammer.) Eine raffinierte Schwindlerin, die im ganzen Großherzogtum Hessen sich Mietgeldschwindeleien zu Schulden kommen ließ, erhielt heute chre gerechte Strafe. Dienstmagd Marie Schort, 27 Jahre alt, aus Balsbach, vermietete sich besonders in den Landorten als Dienstmädchen, ließ sich darauf das sog. Mietgeld oder Vorschuß geben und verschwand dann unter Mitnahme von Geld, Kleidungsstücken usw., nachdem vorher alle möglichen Entschuldigungsgründe angegeben. — Soweit bekannt, hat sie nachstehende Bettugsfälle verübt und Dienstherrschaften geschädigt: Im Januar einen Landwirt in Friedberg (Oberhessen) um 25 Mark, im Januar einen Landwirt in Hahn um 48 Mark, im August v. Js. einen Landwirt in Läzenbach i. O. um 2 Mk., im Februar 1902 eine Witwe in O berramstadt in 2 Fällen um 10 Mark, im März 1902 einen Landwirt in Kl.-Winternheim um 20 Mark, im März 1902 einen Landwirt in Richen i. O. 100 Mark. Sie wird heute zu 3 Jahren Gefängnis und 4 Wochen Hast verurteilt, die Haft wird ihr auf die ©trafejmcterecfinet^
Arbeiterbewegung.
Fiume, 30. April. Die Arbeiter der hiesigen Torpedo- Fabrik verlangen eine Lohnaufbesserung; sie drohen mit einem Ausstand.
Handel und Uerbehr. Uslkswittschast
Das Neußer Eisenwerk teilt seinen Aktonären mit, daß die Aussichten auch im laufenden Jahre nichts weniger als günstig sind. Wenn es einigermaßen gut gehe, werde das laufende Jahr keinen weiteren Verlust bringen, man hoffe vielmehr den Verlustvortrag von 85 661 Mk. vielleicht ganz oder teilweise zu decken.
Vom New-Aorker Baumwollmartt wird eine große Hausse gemeldet, wobei nicht allein mit Ernteschätzungen manövriert, sondern auch darauf hingewiefen wurde, daß die Lage der Textilindustrie nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa eine wesentliche Besserung erfahren hat. Die höheren Preise für Rohbaumwolle werden im Allgemeinen bewilligt, da eine Steigerung der Garnpreise, wenn auch zunächst noch mit Hilfe von Produktionseinschränkungen durchgeführt werden konnte. Auch an den deutschen Garnmärkten ist die Tendenz sehr fest geworden.
Rheinisch-Westfälisches Kohlensyndikat. Daß die Zeche Neumühl bei Hamborn (Kohlenförderung 1901: 787 910 Tonnen) grundsätzlich bereit ist, dem Kohlensyndikat beuutreten, kann, wie man der „F. Z." telegraphiert, als ziemlich sicher gelten. Dagegen ist der Beitritt der Zeche „Deutscher Kaiser" (Kohlenförderung 1901: 1364 493 Tonnen) immer noch zweifelhaft. Von dem Beitritt der beiden Zechen hängt bekanntlich in erster Linie die Verlängerung des Kohlensyndikatsvertrags ab.
RcM-Nork, 30. April. Wie aus bester Quelle verlautet, erhält das Garantiekonsortium des D a m p f s ch i f f f a h r t s - Trusts neue 5proz. Bonds für 50 Millionen, neue Vorzugsaktien für 2V> Millionen und neue Stammaktien für 25 Millionen Dollars. Das Konsortium bleibt bis Januar 1904 in Thätigkeit, falls es nicht vorher von seinen Leitern aufgelöst wird.
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmcldungen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 1. Mai. Fast sämtliche Berliner Morgen- blätter besprechen das Urteil im Krosigkprozeß unb meinen, daß der Freispruch in den weitesten Kreisen mit Befriedigung ausgenommen werden wird. Man mag im Interesse der menschlichen Gerechtigkeit und der militärischen Disziplin noch so sehr bedauern, daß ein schändliches in der Armee unerhörtes Verbrechen vielleicht ungesühnt bleibt, aber nur das. eine Moment dürfe ausfchsbagFebend jein;


