Loch für bett Fckrauzminister auch für den Fall der Ge- Lehmignny der oben genannten größeren Vorlagen mit aller Bestimmtheit der Besorgnis vor einer weiteren Steuererhöhung widersprochen und her- vorgehoben, wie seine Zustimmung und Mitwirkung bei Einbringung der gedachten Vorlagen nur unter dieser — auch anderwärts als unerläßlich bezeichneten — Voraussetzung für die Genehmigung jener Vorlagen erfolgt fei: die mit der rechtzeitigen Erhöhung der Vermögenssteuer bethätigte Schonung der Vermögensveste der HaupL- staatskasse verbunden mit der im Laufe der nächsten Jahre wieder zu erwartenden Steigerung des Ertrages einzelner Wichtiger Einnahmequellen wird nach den Erklärungen des Fincmzministers der durch jene Vorlagen in oen nächsten 3—4 Jahren eintretenden Ausgabevermehrung um jährlich je 80—100 000 Mark gewachsen bleiben, soserne nur im übrigen eine außerordentliche Steigerung der laufenden Ausgaben für die Verwaltung vermieden wird. Die in der Presse aufgestellte Behauptung, daß für die folgenden Jahre das Steuerbedürfnis noch stärker werde, oies „auch im Finanzministerium" feststehe, hat damit eine ebenso bestimmte, wie erfreuliche Widerlegung erfahren.
*• Militärdieustuachrichtcu. Voigt, Intendantur-Sekretär des 18. Armeekorps zum Gardekorps versetzt.
— Eine Zusammenkunft der in Baden, Hessen und der Pfalz bestehenden Militär- und Kriegervereine wird am Sonntag, 1L Mai, im Schellerschen Konzertsaale in Frankenthal stattfinden.
•* Die Hasfia-Kriegerkameradschaft beabsichtigt mit dem L Januar 1903 ein neues Verbandsorgan ins Leben zu rufen, da das seitherige, die „Parole", den gesteigerten Ansprüchen nicht genügt Das neue Blatt soll wöchentlich einmal erscheinen.
. ""Deutscher Jmkertag. Euren ganz eigenartigen Schmuck wird der Bienengarten auf der Ausstellung des L allgemeinen deutschen Jmkertages am 25. bis 29. Juli im Brauhof in Weimar erhalten, wie er bisher unseres Wissens nur einer einzigen derartigen Anstellung, nämlich in Böhmisch-Leipa, zu teil geworden ist; die ganze nicht mit Bienenstöcken besetzte Fläche der Gartens wird mit blühenden Bienennährpflanzen bestanden sein. Hofgärtner Sckell in Weimar hat die Ausführung dieser außerordentlich originellen Idee übernommen und steht bei der fachmännischen Kunstfertigkeit des Herrn Sckell sicher Kl erwarten, daß zur Zeit, wenn zur Ausstellung die Bienenvölker Einzug halten in den Bienengarten, auch die zarten Kinder Floras ihre duftigen Blütenkelche erschließen und die honiglechzenden Bienen einladen werden zu einem küßen Mahle, wo eine Götterspeise, Nektar und Ambrosia den Gästen vorgesetzt wird. Diese originelle Idee, den Llltsstellungsbienen ein „Tischlein deck dich" durch gärtnerische Kunst zu bieten, verdient gewiß allgemeine Beachtung. Aber der Bienengarten mit allen in Deutschland Und sonst vorkommenden Bienennährpflanzen dürfte für die Besucher der Ausstellung noch interessanter sein als für die honigsuchenden Bienen. Derselbe bildet nach Art der botanischen Gärten an Universitäten und Landwirtschaftsschulen ein vorzügliches Anschauungs- und Lehrmittel, an welchem beobachtet werden kann, wie die kleine Biene Honig und Blütenstaub sammelt, welche Blüten sie bevorzugt und dergleichen mehr. Wir machen schon jetzt die Besucher der Ausstellung auf diese seltene Zierde aufmerksam, ba. vielleicht sonst mancher gar nicht merkt, was die Blumen des Bienengartens zu bedeuten hoben.
w- Friedberg, 28. April. Die für die Landes- waisenkasse in den Waisenbüchsen der einzelnen Ge- meinden vom 1. April 1901 bis 1. April 1902 gesammelten Gaben belaufen sich auf 531,63 Mark. — Der Wetterauer Geflügelzuchtverein, dessen Präsident Kreisrat F e y ist, hat im Kreis 18 Zuchtstationen errichtet, ans denen Bruteier bezogen werden können, und zwar sind es 8 für rebhuhn- sarbrge Jtalienerhühner, 5 für schwarze, 4 für weiße Minolta und 1 für Peking-Enten.
ft Rüddingsh aus en, 28. April. Der Würfel ist gefallen. Rüddingsh aus en verschwindet vom Erdboden. Nun hat auch unsere hessische Behörde, das Kreisamt Gießen, vom Kriegsministerium die offizielle Nachricht vom Plane des Truppenübungsplatzes, der hier für das 18. und 11. Armeekorps errichtet werden soll, erhalten. Heute morgen sind Provinzialdirektor Geheimrat von Bechtoldt, Kreisrat Dr. M e l i o r - Alsfeld, Landtagsabgeordneter Brauer-Ober-Ofleiden, ein Herr von der Oberforstbehörde und einige Herren vom Generalstab-Berlin hier angekommen, um das Enteignungsverfahren einzubeiten. So ist es denn endlich zur Wahrheit geworden, was hier so mancher im stillen gehofft, so mancher befürchtet hat. Gewiß, es ist keine Kleinigkeit, wenn Leute, die hier geboren und ausgewachsen und alt geworden sind, und den heimatlichen Boden lieb gewonnen haben, nun auf einmal das alles verlassen sollen. Wird ihnen nicht zu viel zugemutet, wenn sie sehen müssen, wie alles, was sie mühsam errichtet, niedergerissen wird, wie Felder und Wiesen, die sie als friedliche Landwirte bebaut, von Pferde- hufen zerstampft, von Geschützen zerschossen wird? Rüd- oingshausen hat außer vielen Gemeindewiesen und Aeckern 600 Morgen Gemeindewald, und einige der Klügeren haben ausgerechnet, daß bei der Verteilung der Kaufsumme dafür jeder Ortsbürger 6—8000 Mark erhalten würde. Kein Wunder, wenn die jungen Leute in Rüddingshausen Anstrengungen machen, noch vor Thorschluß das Ortsbürger- redjt zu erhallen.
b. Merlau, 29. April. In der Nacht vom 28. auf den 29. wurde in zwei verschiedenen Häusern hier ein- gebrochen, und zwar im Pfarrhause und bei I. Schön- Hals. Am Pfarrhause haben die Diebe den Kitt einer Fensterscheibe losgestochen, diese herausgenommen und das Fenster von außen geöffnet. Darauf sind sie so geräuschlos in die Behausung gelangt. Außer einem Paar neuer Stiefel fielen den Dieben noch Eßwaren und mehrere Flaschen Wein in die Hände. Die Diebe müssen im Pfarrhause bekannt gewesen sein, was daraus hervorgehen dürfte, daß per im House vorhandene Hund nicht anschlug. Außerdem fatrd man noch die Thüren an Kleiderschränken und die Schubladen der Kommode geöffnet. Wahrscheinlich haben die Diebe hier nach Wertsachen, insbesondere nach Geld gesucht. — Bei I. Schönhals sollen ine Diebe den Einbruch mittelst einer Leiter bewerkstelligt haben. Hier sollen sie nach Eß- und Spezereiwaren gesucht haben; auch nahmen sie einige Kleidungsstücke, namentlich Hosen, mit. Die Leiter haben die Diebe am Hause des Schön hals stehen lassen.
Atzenhain, 30. April. Der hiesige Spar- und Vorschuß verein feiert am 8. Mai sein 25jähriges Jubiläum.
fc. Frankfurt a. M., 29. April. Der Generalagent Nölting, wohnhaft in Offenbach a. M. ist in New-York verhaftet worden. Die von ihm mitgenommenen 20 000 Mark sind Eigentum der Aachener-Münchener Feuerversiche-
rungSgesellschast, welche Nölting vertreten hat, sowie weitere 10000 Mark, die Kaurion darstellen. Außerdem soll der Flüchtling sich noch weitere Unregelmäßigkeiten zu Schulden habe kommen lasten. In Nöltings Begleitung befand sich eine Frau Dr. Freese, welche hier in der Rostertstraße gewohnt.
Vermischtes.
* Berlin, 28. April. Bei einer am Samstag statt- aehabten Probe zur Oper „Iiobert, der Teufel", streßen bei der Einübung eines Ballets am Schlüsse des dritten Aktes zwei Tänzerinnen derart mit den Köpfen zusammen, daß die eine eine Gehirnerschütterung davontrug, und nach dem Hedwigs-Krankenhause überführt werden mußte.
* Kö ln, 28. April. Die Polizei ver h a stete gestern nacht in Kalk zwei Personen, welche Anschläge auf Eis enbahnzüge verübt hatten. Die Thäter feuerten auf die Polizisten, wurden aber schließlich überwältigt. Beide Teile haben Verletzungen erlitten.
K a t l o w i tz, 30. April. Gestern entstand eine furchtbare Schlägerei in Schwientochlowitz. Sieben Personen wurden dabei durch Messerstiche schwer, einige lebensgefährlich verletzt. Zwei Arbeiter, die sich ihrer Verhaftung widersetzten, und die Polizeibeamten bedrohten, wurden durch einen Gendarmen erschossen.
* London, 28. April. Einer an Lloyds gelangten Depesche aus Port Said zufolge ist der der Anchor-Linie gehörige Dampfer „Australia" im dortigen Hafen mit dem nach Sydney bestimmten Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Oldenburg" zusam menge stoßen. Das erstere Schiff ist leicht beschädigt, das zwecke hat seine Reise fortgesetzt; ob es Schaden genommen hat, ist nicht bekannt.
Paris, 29. April. In Toulon wurde der konservative Kandidat Guillabert, als er das für ihn ungünstige Wahlergebnis erfuhr, vom Schlage getroffen. Sein Zustand ist hoffnungslos.
P a r i s, 29. Aprck. In der Nähe von Gensae wurde eine spanische Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Tochter, im Schlafe erstochen und beraubt. Von den Thätern fehlt noch jede Spur.
* Montignies, 29. April. Gestern fand in der Grube „Forte Taille" eine Explosion schlagender Wetter in einem neu angelegten Schachte statt. Zwei Arbeiter wurden auf der Stelle getötet, lvährend ein Aufseher sich nach mehreren Stunden aus der gefährlichen Lage befreien und um Hilfe rufen konnte. Die beiden Getöteten hinterlassen zwei Witwen und fünf Kinder.
* Wien, 2. April. Tie kalte Witterung mit den empfindlichen Nachtfrösten dauert fort. Aus verschiedenen Gegenden werden starke Schneefälle gemeldet. In Böhmen hat der Frost an Rüben- und Obstkulturen großen Schaden angerichtet .
Kunst und Wissenschaft.
New-Aork, 29. April. Professor Fessender vom Regierungswetterbureau hielt eine Probe mit seinem eigenen Junkentele- Araphie-System ab, welches 25 Worte per Minute beförderte. Messender erklärte, die Wortzahl werde 500 ver Minute erreichen und drahtlose Ferngespräche auf 200 Meilen sichern.
Ein neuer Komet, lieber einen neuen Kometen, mit der vorlausigen Bezeichnung ^Brooks 1902a," liegen folgende Mitteilungen von Beobachtungen in derselben Nacht durch die Astronomen Hartwig tn Bamberg (16. April um 3 Uhr 30 Minuten 12 Sekunden Ortszeit), Pechule in Kopenhagen (3 Uhr 8 Minuten 6 Sekunden) und A i t k e n in L i ck (3 Uhr 45 Minuten 36 Sekunden vor. Wären diese Beobachtungen an verschiedenen Tagen gemacht worden, dann hätte man den Weg, den der neue Komet am Sternenhimmel durchwandern wird, mit großer Genauigkeit ausrechnen können. Ta dies aber nicht der Fall ist und die Zeiten der Beobachtungen kaum um Minuten differieren, läßt sich daraus nur eine sehr ungenaue Bestimmung der Bahn ableiten, die nach jeder Seite hin viel Spielraum läßt und die Wiederauffindung nicht leicht macht. Hartwig in Bamberg schätzt die Helligkeit des Brooksschen Kometen auf 87,, d. h. seine Helligkeit - übertrifft diejenige emes Fixsternes neunter, steht aber derjenigen eines Fixsternes achter Grofze nach. Was die Gestalt des neuen Kometen an- lang t, so ist sie nach demselben Beobachter kreisförmig und bat einen scheinbaren Durchmesser vou 3 Bogenminuten, ist also in der gegenwärtigen Entfernung größer als der scheinbare Durchmesser des äußersten Planeten Neptun und gleicht etwa dem zehnten Teile des Monddurchmessers. Die Kömetenscheibe ist aber nicht überall gleich hell, da seine Materie nicht gleichmäßig verteilt ist, namentlich kann man nach Hartwig eine „centrale Verdichtung" wie bei vielen anderen Kometen genau wahrnehmen. Auch den Schweif bat Hartwig gemessen, dieser ist verhältnismäßig klein und seine Länge beträgt kaum einen halben Grad, also den sechsten oder siebenten Teil des Kometendurchmessers. An alle Freunde des Sternen- bimmels, welche durch eigene Beobachtungen den Fortschritt der Wissenschaft befördern helfen, und namentlich an alle Fachgenoffen wendet sich der Leiter der europäischen Eentralstelle für Kometo- graphie, Professor Dr. H. Kreuz in Kiel, mit der Bitte, ihm weitere und ausführliche Mitteilungen über ihre eventuellen Beobachtungen zukomnien zil lassen, welche für die Bahnberechnung dringend erwünscht waren.
Gerichtssaat.
Frankfurt a. M., 28. April. Oberkriegsgericht. Vor bem Lberkriegsgericht stand heute der hessische Gendarm Hieronymus Heinrich. Er hat seinen Sitz in Friedberg und wohnt dort zusammen mit dem Gendarmeriewachtmeister v. Landenberg. Zwischen den beiden kam es wiederholt zu häuslichen Reibereien, und diese führten um die Weihnachtszeit zu einem offenen Zerwürfnis, weil der Wachtmeister eine Anzeige des Gendarmen nicht an das Kreis- amt weiter gegeben hatte. Der Wachtmeister zeigte feinen Untergebenen wegen Achtungsverletzung und Gehorsamsverweigerung an imd das Kriegsgericht der 25. Division verurteilte den Heinrich zu 6 Wochen gelinden Arrests. Dieses Urteil wurde jedoch vom Oberkriegsgericht aufgehoben und nur auf 16 Tage gelinden Arrests er= kannt, weil eine Reihe von Strafmilderungsarunden vom Kriegsgericht nicht berücksichtigt worden fei. Der Wachtmeister habe doch den ersten Anlaß zu den ©treitigfeite» gegeben und fein Verhalten dem Untergebenen gegenüber habe die nötige Entschiedenheit vermissen taffen. Tazii komme, daß sich der Gendarm durch eigene Krankheit und Krankheiten feiner Kinder in aufgeregter Stimmung befand und sich sonst ganz vorzüglich geführt habe.
Handel und Uerkehr. Volkswirtschaft.
Mannheim, 30. April. In der heute stattgehabteu General- Versammlung der Mechanischen Baumwollspinnerei imd Weberei Ludwigshafen in Oggersheim, in der 787 Stamm- und 242 Prioritätsaktten vertreten waren, wurde, wie die „Neile Bad. Landesztg." meldet, das Angebot der Mechanischen Spinnerei in Linden mit allen gegen 104 Stimmen angenommen und damit die Auflösung der Gesellschaft beschlossen.
New-Aork, 30. April. Wie aus bester Quelle verlautet, erhält das Garantiekonfortium des Dampfs chiffsfahrts- t r u st e s neue 5proz. Bonds, neue Stammaktien für 25 Mill. Toll. Das Konsortium bleibt bis Januar 1904 in Thätigkeit, falls es nicht vorher von feinen Leitern aufgelöst wird.
— Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eifen- und St./» hl industrieller belief sich
die Roheisenproduktion beS Deutschen Reichs (einschl. Luxemburgs) im Monat Marz 1902 auf 661713 To.; darunter Piwdelroheifen und Spiegeleisen 103 386 To., Beffemerroheisen 29 445 To., Thomasroheisen 395 518 To., Gießereiroheisen 134364 To. Die Produktton im Februar 1902 betrug 597 334 To., im März 1901 672 595 To. Dom L Januar bis 31. März 1902 wurden produziert 1916 735 To. gegen 1992 015 To. im gleichen Zeitraum des Vorjahrs.
Pfälzische Bank in Ludwigshafen. Das langjährige Com- mandüverhälMis zwischen der Banksirma Herz, Elemm u. Eie. in Berlin und der Pfälzischen Bank ist gelöst; die Berliner Firma tritt in Liquidation. Der Eintritt der Herren Moritz Herz und Dr. Fritz Elemm in die Verwaltung der'Pfälzischen Bank ist vorgesehen.
Italienische Rente. Das Erscheinen der 31/, pCt. italienischen Netto-Rente und das zu erwartende Eonversionsanerbieten hat den Cours der italienischen Rente günstig beeinflußt. Auch Eisenbahn- prioritäten sind etwas gestiegen.
Landwirtschaft.
AuS dem Bogels-erg, 30. April. So billig wie in diesem Frühling waren die Kartoffeln seit langen Jahren nicht. Der Doppelcentner wird mit 3,50 und 3,00 All. verkauft. Im vorigen Jahre kostete er mehr als das doppelte. Unser Vogelsberger Landwirte haben dabei noch solche Vorräche von Kartoffeln, wie sich bei der gegenwärtigen Umlese zeigt, in den Kellern liegen, daß sie gar keines Ankaufes von Setzkartoffeln bedürfen. Dieser geschieht aber des lukrativen Wechsels wegen doch. Der außerordentlich billige Preis der Kartoffeln begünstigt diesen Wechsel und läßt unsere Landwirche gegen sonst namhafte Beträge sparen.
Neuelle Meldungen.
Originaldrahtmel-uugen -es Gießener Anzeigers.
Darmstadt, 30. April. Prinzessin Viktoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, ist mck den prinzlichen Kindern, von Malta kommend, gestern nachmittag auf Schloß Heiligenderg zu längerem Aufenthalt eingetroffen.
Berlin, 30. April. Die Budgetkommission des Reichstags beriet die Diätenvorlage unö lehnte den Antrag Barth, die Vorlage erst zu beraten, sobald der Bundesrat über feine Stellungnahme zu dem Reichs-- tagsbeschluß auf Gewährung allgemeiner Diäten sich ausgesprochen habe, als geschäftsordnungswidrig ab. Abg. Bebel beantragte, den vorliegenden Entwurf durch einen neuen zu ersetzen, durch den Paragraph 32 der Reichsvei> fassung, welcher die Enschädigtung der Reichstagsmckglieder untersagt, aufgehoben und an dessen Stelle Artikel 2 des vorliegenden Gesetzentwurfs treten soll. Abg. Richter beantragt, 20 Mart Tagegelder zu gewähren. Die meisten Redner bezeichneten das Pauschquantum von 2400 Mark als zu hoch. Nachdem auch Staatssekretär Graf Posa- dowsky mit der Herabsetzung sich einverstanden erklärt hat, wird das Pauschquantum auf 2000 Mark ermäßigt ander Präsident mck der Durchführung des Gesetzes beauftragt. Gleichzeitige Bezüge aus Landtagen werden abgerechnet.
D r e s de n, 30. Aprck. In der zwecken Kammer wurde heute bei der Beratung des Tckels Gehalt des Ministers des Innern von den Abgg. Str igel und Andrae das Verlangen an die Regierung gestellt, daß sie die Forderungen der Landwirte auf einen Mindestzo 1 l für Getreide von 7,50 Mk. im Bundesrat vertrete- Minister v. M e tz s ch erwiderte, die sächsische Regierung habe keine Veranlassung, von dem bisher vertretenen Standpunkte abzuweichen. Bei aller Rücksichtnahme auf die Landwirtschaft habe doch die Regierung sich auf einen höheren Standpunkt zu stellen. Die Regierung eines Staates wie des sächsischen, der auf industriellem Gebiete nicht in Deutschland allein, sondern auf dem Weltmärkte eine führende Rolle einnehme, müsse in gleicher Weise auf die Prosperität der Industrie Rücksicht nehmen, wie auf die Interessen der Landwirtschaft. Diesen Standpunkt verlasse die Regierung auch in Zukunft nicht.
N y b o r g (Fünen), 30. Aprck. Heute vormittag erfolgte im hiesigen Gaswerk bei Reinigungsarbecken eine Explosion. Der Direktor und 5 Arbeiter wurden getöte t
Aken, 1. Mai. Geheimpolizisten entdeckten eine große Menge gestohlenes Schiffsgnt, Kaffee, Zucker, Getreide und Baumwollballen. Zahlretche Schiffer wurden verhaftet.
Wien, 30. Aprck. Hof- und Ministerialrat Jette! v. E t t e n a ch wurde mit der Leitung des Ministeriums des Aeußern an Stelle des in den Ruhestand getretenen Freiherrn v. Doczt betraut
Aussig, 30. April. Auf dem zum Brüxer Kohlenbergbau gehörigen Doblhoffschacht bei Mariasheim fand heute früh beim Schichtwechsel eine Explosion schlagender Wetter statt. Mehrere Personen wurden getötet, 4 schwer und 4 leicht verletzt Der Schacht ist vollkommen fahrbar.
Aussig, 30. April. Die Zahl der bei der Explosion schlagender Wetter im Doblhoffschachte bei Mariasheim Verunglückten ist noch nicht genau festzustellen, weck der Steiger, welcher die Arbeckerliste führte, ebenfalls verunglückt und die Arbeiterliste noch nicht aufaefunden ist. Zn Tage gefördert sind 5 Tote, 6 Schwer- und 2 Leichtverletzte. Von den Schwerverletzten sind zwei gestorben. Es wurde noch ein 6. Toter aufgefunden. Die Bergungsarbeiten sind jetzt eingestelll worden, da an der Explosionsstelle ein Brand ausgebrochen ist. Man glaubt, daß nur noch drei Arbeiter sich in der Grube befinden.
Kapstadt, 1. Mai. Prinzessin Katharina Radziwill wurde wegen Wechselfalschung auf den Namen Cecil Rhodes zu zweiJahren Haft ohne Zwangsarbeck verurteilt.
Pretoria, 30. Aprck. Im Distrikt Pietersbupg fand eine Besprechung zwischen Reitz und dem Kommandanten Beyers statt.
Philadelphia, 1. Mai. Ja einer hiesigen Zigarren, sabrik, in der mehr als 600 Arbeiterinnen beschäftigt find, rannte ein Tanbstummer, der fich an der Hand verletzt hatte, gegen eine Gruppe von Arbeiterinnen, indem er seine Hand schüttelte. Die Mädchen erschrocken sehr und glaubten, es sei Feuer ausgebrochen. Sie stürzten nach der Treppe, wo ein Gedränge entstand, bei dem viele Verletzungen erlitten. Andere stürzten fich aus dem Fenster. 7 Arbeiterinnen find tot, 20 verletzt, darunter 3 tätlich.
Cap Haiti, 30. April. Die Erhebung gegen den Präsidenten der Dominikanischen Republik, Jimenez, greift schnell weiter um sich. Nach Puerto Plata sind Verstärkungen abgegangen. Auch Santo Domingo ist bedroht. Die Regierung von Hacki läßt Jiminez Waffen und Munition zukommen. Die Lage wird für sehr ernst angesehen.
Für die Redaktion verantworllich i V.: R. Dittman n.


