Ausgabe 
1.4.1902 Zweites Blatt
 
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oer Holzsteg unwert de§ Emfluffes des Stadtgrabens, nicht in der Lage, chrem Vordringen Halt zu gebieten, bis sie in der Alicestraße infolge zu engen Flußbettes mit einigen Schwierigkeiten drehen und den Rückweg antreten mußten.

* Im Omnibus vom Pferdemarkt zum Bahnhof. In unserer Samstag-Nummer ist in der Notiz betr. die Einrichtung einer Omnibuslinie zwischen Pferdemarktplatz und Bahnhof rrrsofern ein Irrtum unterlaufen, als es nicht Mittwoch, sondern Donnerstag, den 3. April heißen muß.

* * Von der Garnison. Heute treten 15 Einjährig- Freiwillige beim hiesigen Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116 ein.

Wiener CaföGroßherzog". Der jetzige Pächter des Eafä Großherzog, Gustav Skalizky, hat den Pachtvertrag zum 1. Juli gekündigt und wird mit diesem Zeitpunkt ein neues Wiener Cafä hier eröffnen.

* * Jubiläum. 40 Jahre sind heute verflossen, seitdem der Obersteiger Johannes App el in ununterbrochener Thätig- keit in dem Gießener Braunstcinbergwcrke beschäftigt ist. Der 1834 in Dorheim bei Friedberg geborene Jubilar kam mit Ostern 1841 nach Gießen, wo sein Vater als erster Bergmann mit nur wenigen Kameraden zuerst auf Braun­stein schürfte. Im Ganzen hat der alte Appel, wie ihn die Knappschaft schon lange nannte, heute 50 Dienstjahre hinter sich. Trotz der 68 Jahre, die der Jubilar zählt und trotz des überaus ansttengenden Dienstes, erfreut er sich noch geistiger und körperlicher Rüstigkeit genug, um seinen Dienst weiter zu thun. Der frühere Besitzer der Gießener Braun- steinbergwcrke Fernie hat häufig im Laufe der Jahre Ver­anlassung genommen, seinem pflichtgetreuen und ehrlichen Obersteiger seine Anerkennung zu zeigen.

* * Ein volles Geständnis ihrer Schuld haben nun doch noch uachträglich die 4 aus Frankfurt a. M. gebürtigen jungen Leute abgelegt, welche am 8. März vom hiesigen Schwur­gericht wegen Meineids und Anstiftung dazu verurteilt wurden. Demnach haben Karl Fr über und Hermann Walther eingeräumt, nicht nur den Diebstahl in Okarben begangen zu haben, sondern sie haben in Uebcreinstimulung mit den verurteilten Carl und Adolf Schäfer gestanden, daß sie diese am Abend nach dem Diebstahl überredet haben, bei dem in Aussicht stehenden Strafverfahren sie heraus­zuschwären. Was den des Meineids freigesprochenen Wirt Henschel betrifft, erklären Fröber und Walther auf das Bestimmteste, daß eine Verabredung für eine Aussage vor Gericht nicht mtt ihm getroffen worden sei. Damit ist also von dem Wirt der Verdacht genommen als hätte er wissent­lich falsches Zeugnis abgelegt.

* * Vermögenssteuer in Hessen. Wir haben kürzlich einen imM. I." veröffentlichten Vergleich zwischen der Besteuerung eines Vermögens von 42 000Mk. inMcunzundin Wiesbaden wiedergegeben. Dem genannten Blatte ging nunmehr folgen­des von dem Finanzminister Dr. Gnauth unterzeichnetes Schreiben zu:

Irr Ihrer geschätzten Zeitung ist am 19. d§. Mts. unter der UeberschrMVermögenssteuer in Hessen" ein kurzer Aussatz er­schiene»,, der einer» interessanten Vergleich zwischen der Besteuerung eines Rentners iu Mainz und in Wiesbaden zieht und dabei zu den» allerdings unerfreulichen Schlüsse kommt, daß das gleiche Giu= kommen und Vermögen in Mainz mit 45 Mk. 76 Psg. Steuern mehr belastet ist als m Wiesbaden. Wir gestatten uns inöeß, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß von diesem Mehr nach der aus­gemachten Berechnung, selbst ivenn man die gesamte in Wiesbaden zu zahlende Kirchensteuer der dortigen Gerneindesteuer zuschlägt, nicht weniger als 39 Mk. 60 Pfg. aus die in Mainz zu zahlende Gemeindefterrer, aber nur 6 Mk. 16 Pfg. aus die hessische Staats­und allgemeine Kirchensteuer entfällt. Wir mären Ihnen dankbar, ivenn Sie von dieser für die Beurteilung der Ausführungen des Artikels immerhin wichtigen Thatsache auch Ihren liefern in der Ihnen geeignet scheinenden Form Kennmis geben wollten.

* * Haushaltungsschule. Wie man für die männliche aus der Schule entlassene Jugend Fortbildungsschulen er­richtet, um sie für den Kampf ums Dasein auch in geistiger Hinsicht geeignet zu machen, so hat man in der jüngsten Zeit auch für die weibliche Jugend Fortbildungs- und Haus­haltungsschulen gegründet, in denen sie für ihren künftigen Beruf, tüchtige Hausfrauen zu sein, vorbereitet werden sollen. Auch in Gießen ist eine solche Haushaltungsschule ins Leben getreten, die, wie aus dem Inseratenteil unserer heutigen Nummer ersichtlich ist, am 14. April ihren Frühjahrskursus eröffnen wird. Die Schule wird von einer dazu speziell vor­gebildeten Lehrerin geleitet und hat seither, wie von be­rufener Seite wiederholt anerkannt wurde, recht befriedigende Resultate erzielt. Es soll in ihr den aus der Schule ent­lassenen Mädchen Gelegenheit geboten werden, sich mit ge­ringen Kosten oder kostenlos in weiblichen Handarbeiten, Maschmennähen, Bügeln und ganz besonders im Kochen und in der Führung eines einfachen Haushaltes auszubilden. In der Haushaltungsschule soll gelehrt werden, wie man durch richtige Zubereitung mit bescheidenen Mitteln eine nahrhafte, wohlschmeckende Speise Herstellen kann; zugleich soll aber auch der Smn für Sparsamkeit, für Ordnung und Reinlich­keit in Küche und Haus geweckt und gepflegt werden. Wenn es keine Frage ist, daß das Wohl und Wehe des Familien­lebens vor allem von der Führung der Hauswirtschaft cib- hängt, so kann den Eltern nicht genug empfohlen werden, die hier gebotene günstige Gelegenheit zu benutzen und ihre Töchter zum Besuch der Haushaltungsschule anzumelden.

* * Ein neuer Oberpostdirrktor in Darmstadt? DerFrkf. Ztg " wurde dieser Tage aus Darmstadt gemeldet, daß der dortige Oberpostdirektor Holfeld nach Hatte versetzt würde und daß an seine Stelle der Direktor im Reichspostamt Kobelt, ein geborener Hesse, trete. Diese Nachricht muß irgend einen Jrrtum enthalten. Es ist ausgeschlossen, daß ein Direktor im Reichspostamt, der ein Jahresgehalt von 15 000 Mk. bezieht, die Stellung eines Oberpostdirektors er­halten sollte, dessen Gehalt nur 700010 000 Mk. beträgt. Kabelt ist zudem nicht Direktor im Reichspostamt, sondern vorttagender Rat in dieser Behörde, aber auch diese Räte erhalten ein etwas höheres Gehalt als die Oberpostdirektoren, nämlich 750011 000 Mk.

§ Stumpertenrod, 31. März. Bei der am Gründonnerstag gier stattgehabten Wahl eines Beigeordneten wurde Wilhelm Hahn II. mit 56 Stimmen gewählt; der von der Gegen­partei aufgestellte Kandidat Johannes Dörr brachte es auf 42 Stimmen. Beide Parteien waren sehr rührig. Gerade die unterlegene Partei glaubte vor der Wahl, ihres Sieges ssuher zu sein. Das neugewählte zweite Oberhaupt der Ge­

meinde ist ein offener und treuer Charakter. Der ihm zu Ehren gesetzte Fichtenbaum wurde in der darauf folgenden Nacht gestohlen. Hoffentlich gelingt es, die Thäter ausfindig zu machen.

§ Butzbach, 31. März. Durch die MUdthättgkeit zweier Familien, deren Namen unbekannt sind, erhielt die hiesige katholische Diaspora-Gemeinde zu Ostern sechs hübsche Leuchter für den Hochaltar und einen golddurchwirkten Chormantel für den Geistlichen zur Vervollständigung des Festornats desselben. Die geschenkten Sachen, die mindestens 200 Mk. wert sind, wurden Ostern zum ersten Male benutzt und tragen sehr zur würdigen Ausstattung der Kapelle bei.

Bad Stauheim, 30. März. Der Betrieb in den staatlichen Badehäusern beginnt am 1. April, Vormittags 8 Uhr. Es werden bis auf Weiteres abgegeben: Sool- und Thermal­bäder in den Badehäusern 3 und 4 (Nordflügel). Sprudel­bäder in dem Badehaus 7. Die gleichen Bäderarten werden auch während des Monats April im Badehaus des Konitzky- stifts verabfolgt. Bis zur Vollendung der Umbauarbeiten an den Quellen 7 und 12, welche voraussichtlich bis zum 15. April beendet sein werden, können Sprudelbäder von den genannten Quellen nicht verabfolgt werden.

Darmstadt, 31. März. Einer auswärtigen Blätter- ineldung zufolge mußte ein hiesiger Großindustrieller dieser Tage wegen Steuerdefraudntion an Nachzahlung und Strafe 340 000 Mk. an die Hauptstaatskasse zahlen.

8. Darmstadt, 31. März. Wegen Vermögens­schädigung zum Nachteil der Preußisch-Hessischen Staats­bahn in Höhe von ca. 10000 Mk. sind der Wiegmeister Theodor Mühl er aus Bertholsdorf, vorbestraft, und der Auffeher Paul Weitzenberg aus Auleben, wohnhaft in Goddelau, s. Z. verhaftet und angeklagt worden. Sie sind geständig, in den Jahren 1900 und 1901/02 in ungefähr 1000 Fällen beim Wiegen von Zuckerrüben-Wagen jedes­mal 2 Wiegekarten ausgefertigt, und zwar weiße und rote. Die weißen Karten behielt die Zuckerfabrik Gr.-Gerau, die roten erhielt die Bahn zur Verrechnung der Fracht. In ihnen wurde jedesmal das falsche geringere Gewicht angegeben, während die weißen Karten das richtige Gewicht enthielten. Auch der Agent Thomas Heyl aus Kl.-Umstadt hat im September 1900 die gleiche Manipulation ausgeführt. Sie wollen den Betrug aus eigener Veranlassung ausgeführt haben. Im Kaisersaal waren heute ca. 300 Delegierte aus Hessen, Nassau, der Pfalz, Baden :c. versammelt zur Vorbesprechung über den von dem Darmstädter MännerchorDoppelquartett" Pfingsten zu veranstaltenden GesangSwe ttstreit. Es sind ca. 58 Vereine von teilweise über 100 Sängern angemeldet, auch vom Badischen Sängerbund werden 6 Vereine erscheinen. 11. a. werden Mainz, Worms, Offenbach, Gießen, Wiesbaden, Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen vertreten sein. Die Verhandlungen nahmen den besten Verlauf. Alle vorgesehenen Bedingungen wurden angenommen.

Mainz, 29. März. Der Schulvorstand und der Schul- ausschiiß haben gegen die Stimme des Antragstellers den Antrag des Sozialdemokrateu T ief el auf unentgeltliche Lieferung der Lernmittel, abgelehnt. In den Ver­handlungen wiirde besonders vom Oberbürgermeister hervor­gehoben, daß Jedermann ohne Ausnahme für feine Kinder unentgeltliche Lernmittel ohne jede Beanstandung erhalte; man möge es aber nicht durch Bestimmung festlegen, daß alle Eltern gezwungen seien, die Lernmittel von der Stadt unentgeltlich anzunehmen. Die Statistik hat ergeben, daß jetzt schon 45 Prozent aller Schulkinder die Lernmittel unent­geltlich erhalten.

b Mainz, 31. März. In dem Bereich der hiesigen Eisenbahndirektion hören morgen alle Arbeitsbeschränklmgen auf, die im Anfang des Winters wegen Arbeitsmangel bei verschiedenen Arbeiterkategorien besonders dem Strecken­arbeiter- und Werkstättenpersonal Angeführt werden muß­ten. Für das mit dem 1. April beginnende neue Rech­nungsjahr wird von dem städtischen Finanzailsschuß hier m Vorschlag gebracht, 91,8 Prozent Zuschlag zur staatlichen Einkommensteuer und zum doppelten Betrage der Grund­zahlen für den Ausschlag der Grundsteuer, der Gewerbe­steuer und der Kapitalrentensteuer als städtische Umlage zu erheben.

Bingen, 30. März. Zu der Pulverexplosion, über die wir ausführlich berichteten, erläßt die dortige Staats­anwaltschaft ein Ausschreibeu, laut welchem für alle zweck­dienliche Angaben, welche zur Entdeckung der Verüber des zweifellos feststehenden verbrecherischen Anschlages beitragen könnten, eine Belohnung zugesichert wird. Inzwischen wurde der gesamte Pulvervorrat des zunächst der Explosionsstätte gelegenen zweiten Pulverhauses nach einem gesicherten Auf­bewahrungsort unweit Mainz gebracht.

Frankfurt a. M., 29. März. Der Thäter, der in Laudenbach den- Raub an fall verübte, von dem wir am Samstag berichteten, wurde gestern von Gendarmeii vor Heidelberg verhaftet. Nach anfänglichem Leugnen gestand er die That ein, nachdem er mit dem Hilfswärter konfrontiert worden war. Er ist ein Lehrerssohn und Kaufmann au5 dem Würtembergischen und nennt sich Reszmann oder Reschmann.

Vermischtes.

Unwetter haben die Ostertage ganz Mitteleuropa, gebracht. In der Kasseler Gegend Hai es geregnet, teil­weise auch gehagelt und geschneit. Trotz dieser unfreund­lichen Witterung sind dort die Störche und Schwalben ein- getrofsen. Auf der Nordsee herrscht ein schwerer Nord­west sturm, der eine Sturmflut brachte. Ein Finkenwärder Fischerkutter ist auf der Unterelbe bei Otterndorf ver­loren gegangen. Die gesamte Besatzung soll ertrunken sein. Zwei andere Finkenwärder Fischerkutter sind in der Weser­mündung gestrandet und gesunken. Die Besatzungen dieser beiden Fahrzeuge sind gerettet. Ein bei Cuxhaven ge­sunkenes Fahrzeug war oie TjalkElske" (Schiffer de Buhr), mit Cement von Schwarzeuhüttcn nach Barel bestimmt.

Bord befindliche Frau des Schiffers, sowie der Schiffer selbst sind ertrunken, nur der Knecht wurde gerettet. An der britanische n Küste ist das SchiffAnna Eugeuie" gestrandet. Zwei Matrosen ertranken. Ter Dampfer Ambatrielos^, mit Getreide beladen nach Jamburg unter­wegs, ist bei Mottos gesunken. Tas Schiff ist verloren. Die Mannschaft, sowie die Passagiere sind gerettet. In ganz U n t e r o c st e r r e i ch und Steiermark ist heftiger Schneefall bei einer Temperatur unter 'Nult eingetreten.

In Denesisee (Amerika) traten Heberschwennnungen ein, die großen Schaden anrichteten. Derselbe toirb' auf vier Millionen Dollars geschätzt. 22 Personen sind umgekommen. In Knorville fiel ein Teil des Kirchen dach es während des Gottesdienstes ein. 15 Personen wurden derart ver­letzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird.

* Cholera und Pest. In der letzten Woche sinÜ 1127 Todesfälle in Hedschas (Egypten) infolge Cholera vorgekommen. Das Gesundheitsamt trifft alle Vorsichtsmaßregeln, um der Einschleppung der Epidemie in Egypten durch zurückkehrende Pilger vorzubeugen. Vorn 25. bis 28. v. M. sind in Mekka 624 und in Djeddcrhf 24 Todesfälle an Cholera vorgekommen. In Pan ja. bi (Indien) wütet die Pest. Monatlich sterben durchschnittlichf 70 000 Personen. Es sind Maßregeln getroffen um die Verbreitung der Epidemie nach Simla zu verhindern.

* Feuer. Bei einem Feuer in der Hoffmann- schen Zigarrenfabrik in Oels (Schlesien) sind zwei Kinder verunglückt. Das eine, ein vierjähriger Knabe, starb sofort, während das zweite Kind schwerkrank bar» niederliegt. In Colombe (Frankreich) wurden neun Häuser durch eine Feuersbrunst zerstört. Bei den Auf­räumungsarbeiten fand man die Leiche einer 35 jährigen; Fran, welche in beiden Händen eine Geldbörse hielt.

Abgelehnte Duell-Begnadigung. Wegen eines im Dezember v. I. stattgehabten, unblutig ver­laufenen Pistolenduells waren, wie wir s. Zt. meldeten, zwei bei dem Landgericht bezw. bei der Staatsanwaltschaft in Cöslin i. P. beschäftigte Referendare vor der dor­tigen Strafkammer zu sechs resp. drei Monaten und ein dritter als Kartellträger zu drei Tagen Festungshaft ver­urteilt worden. Der am härtesten bestrafte Referendar Sch, welcher angeblich das Duell provoziert hatte, ist inzwischen aus dem Justizdienst entlassen worden. 9tachdem die Ver­urteilten vor einiger Zeit ein Gnadengesuch an den Kaiser gerichtet hatten, ist ihnen jetzt der Bescheid zugegangen, daß der Monarch keine Veranlassung genommen, dem Gesuche stattzugeben, die Bittsteller haben daher in den nächsten Tagen die über sie verhängten Strafen auf der Festung Weichselmünde anzutreten.

* Magdeburg, 31. März. Amtlich wird gemeldet: In dem Schnellzug 46 Berlin-Frankfurt a. M., welcher die Station Berlin, Schlesischer Bahnhof morgens 7.56 Uhr verläßt, entgleiste am 1. Osterfeiertag zwischen den Stationen Lindau i. Anh. und Güterglück infolge Bruchs einer Tenderachse die Vorspannmafchine und beschädigte den Lokomotiv-Tender und ein Achsenpaar des hinter dem Packwagen laufenden vierachsigen Personenwagens dritter Klasse. Der Zug wurde in kurzer Entfernung von der Unfallstelle zum Stehen gebracht und erlitt etwa 4y2 Stunden Verspätung. Verletzungen oder Tötungen von Passagieren oder Zugbeamten sind nicht zu bet tagen.

Lille, 31. März. Ein junger Ingenieur in der hiesigen chemischen Fabrik wurde vorgestern von einem Treibriemen erfaßt, kam in die Räder und wurde in zwei Teile zer-, schnitten.

* Havre, 29. März. An der britannischen Küste herrscht heftiger Sturm. Das SchiffAnna Eugenie" ist gestrandet, zwei Matrosen ertranken.

* Nancy, 29. März. Eine 45 jährige Witwe wurde von der Polizei erdrosselt in ihrer Wohnung aufgefunden. Es liegt Raubmord vor. Als mutmaßlicher Thäter wurde ein 23 jähriger Anstreicher verhaftet.

* Barcelona, 31. März. Das von zahlreichen Frauen und Kindern besuchte hiesige Kinematographen-Eta- blissement i st während der Vorstellung nieder gebrannt. Zahlreiche Personen wurden verletzt. Der Schaden ist be* deutend.

Kolonialpost.

Aus Kamerun. Im Herbste 1901 wurde die Ex­pedition nach Garua am Benne ausgeführt, die seit Jahren grundsätzlich beschlossen war. Aus naheliegenden Gründen wurde bald darauf an amtlicher Stelle der Beschluß gefaßt, zwischen dem Küstengebiet und dem Benue noch eine be­festigte Station in Banyo zu errichten, die als Stützpunkt für die Station in Garua dienen sollte. Auf dem Zuge dahin fand der Kommandeur der Schutztruppe Oberst­leutnant Pavel bei den Bafut und Bandung bewaff­neten Widerstand, nach dessen Niederwerfung er sich ent­schloß, nahe eine weitere feste Station zu Bafreng (etwa 60 Gr. 30 Min. nördl. Br. und 10 Gr. 20 Mim östl. Länge) anzulegen, um die unruhigen Stämme dauernd in Schach zu halten. So sind in kurzer Zeit drei Stationen mit Gar­nisonen entstanden; ob nicht auf dem weiteren Wege nach Garua noch mehr solche notwendig sein werden, läßt sich noch nicht übersehen. Sehr auffällig ist, daß Oberleutnant Dominik mit seiner kleinen Truppe unbehelligt bis zum Benne hat gelangen können. Vermutlich hat er aber bei feinem Durchzüge Mißtrauen und Unruhe unter den Eingeborenen erregt und infolgedessen wurden die nach­folgenden Expeditionen feindlich empfangen. Auch in dem eigentlichen Adamaua zeigen sich beunruhigende Symptome; Nganndera hat wegen Sklavenjagden erobert werden müssen und allem Anscheine nach wird dort der Bau von Stationen notwendig werden, wenn wir unsere Herrschaft wirklich be­festigen wollen. Tie Frage, was uns noch nördlich von Benne in unserer Interessensphäre bis zum Tschadsee bebor= steht, soll hier noch ganz aus dem Spiele geiassen werden.

UnwerMts-UllchrichtNl.

In Würzburg ist der Professor an der Universität, Dr. I. Stahl, gestorben.

Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater Schauspielhaus.

Mittwoch den 2. April*):Wallensteins Lager"; hierauf: Tie Piccolomini". Donnerstag den 3. April, abends halb 8 Uhr: Alt-Heidelberg". Freitag den 4. April:Wallensteins Tod." Samstag den 5. April:Das Glück". Sonntag den 6. April, nachmittags halb 4 Uhr:Mamsell Tourbillon". Abends 7 Uhr: Reu einslndiert:Alt-Frankfurt". Montag den 7. April: Zwillingsschwestcr.^

* ) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Arbeiterbewegung.

Kaffel, 31. März. Der heute hier abgehaltene Textrrar- beiter-K ongreß beschloß, daß die Unternehmer durch Gesetz ver­pflichtet werden sollen, für die Heimarbeiter Werkstätten zu er­richten. Im Uebrigen soll außerdem der Zehnstundentag ge­fordert werden, darüber hinaus für Samstag eine neunstündige Arbeitszeit.

Brüssel, 30. März. Der sozialdemokratische Kongreß nahm eine Resolution an, die der liberalen Partei vollständig entgegen- konnnt, und wonach die Sozialisten u.A. gegen das Frauen- wahlrecht ftünmen werden. Ter Kongreß besprach in geheimer Sitzung bte Mittel, auf gesetzlichem und revolutionärem Wege das allgemeine Wahlrecht zu erzwingen.

Bern, 31. März. Der Schiveizer Ar bei ter tag sprach sich