Ausgabe 
1.4.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 75

Erscheint tSgttch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Keffische» Landwirt die Gletzener Famillen- blätter viermal m der Woche beigelegt.

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Dienstag 1. April LNVA

ISS. Jahrgang

Zweites Matt.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis: monatlich 75 Pst, viertel-, jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen, monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.viertel jährst ausschl. Bestellg. Almahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pj* auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich: für den polist u. allgenu Teil: P. Witiko: für -Stadt und Land" und Gerichtssaal": R.Ditt- mann; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

heutige Dummer umfaßt 8 Setten.

Volltische Tagesschau.

Dr. Lieber f.

Am gestrigen zweiten Ostertage erhielten wir aus Tamberg im Taunus die Drahtnachricht, daß der Reichs- tagsabgeoronete Dr. Lieber dort gestern vormittag ge­storben ist.

Ernst Lieber wurde 1838 zu Camberg in Nassau als Sohn des nassauischen Legationsrates Moritz Lieber geboren. Nach dem Besuche der Gymnasien zu Aschaffenburg und Hadamar studierte er von 18581861 an den Universitäten zu Würzburg, München, Bonn und Heidelberg Philosophie und Rechtswissenschaft, erwarb in der letzteren die Doktor­würde und Lag sooann noch bis 1865 wissenschaftlichen Studien an den Bibliotheken zu Heidelberg und München ab. 1870 wurde Dr. Lieber als Vertreter des Unterwester­waldkreises in das preußische Ab geordneten haus und im Mrz 1871 als Vertreter des Wahlkreises St. Goarshausen- Montabaur in den Deutschen Reichstag gewählt. Beide Mandate hat er ohne Unterbrechung bis zu seinem Tode behauptet stets in den vordersten Reihen des Zentrums stehend, ein überzeugurrgstreuer, durch Opferwilligkeit aus­gezeichneter Sohn der katholischen Lttrche, die in ihm einen ihrer besten Vorkämpfer in Deutschland verliert.

Deutsches Keich.

Berlin, 31. Aiärz. Der Kaiser wird demnächst, bermuÄich gelegentlich seiner Reise nach Mors, den Schieß­platz von Meppen besuchen. Dem Vernehmen nach sollen bei dieser Gelegenheit oie Geschütze mit der neuen Rücklauf­vorrichtung probiert werden.

Wre mehreren Blättern gemeldet wird, hinterläßt Fürst Münster zahlreiche Memoiren über die Drey- sus-Angelegenheit, die demnächst veröfsentlicht werden.

Wie diePost" meldet, kommt bei dem Besuch des holländischen Ministerpräsidenten Dr. Kuh Pers, der in Deutschland Handels- und Gewerbeschulen demnächst be­such«: wird, namentlich ein Besuch der technischen Hochschule in Frage. Dr. Kuypers wird sofort nach seinem Eintreffen in Berlin mit Vertretern von Handel und Technik Fühlung -nehmen. Der Besuch verfolge keinerlei politischen Zweck.

Der neue Ministerialdirektor im preuß. Kultusmini­sterium, Förster, ist der erste katholische Ministerial­direktor im Kultusministerium seit Aushebung der katho­lischen Abteilung am 8. Juli 1871. Gleichzeitig wird der T. R." geschrieben:Förster ist auch Mitglied der Prüf­ungskommission für höhere Verwaltungsbeamte und als solcher bekannt und gefürchtet von oen evangeli­schen Regierungsreserendaren, von denen er u. a. verlangt, die Ehe auch für ihr Bekenntnis alsSakra­ment anzuerkennen."

Vom Kolonial- zum Konsistvrialdirek- t o r ! Das ist ein noch nie dagewesenesAvancement". Der frühere Kolonialdirektor v. Buchka, der am 1. Juli 1900 aus dem Reichsdienst ausgetreten war, ist jetzt in den mttklenburgischen Staatsdienst wieder ausgenommen wor­den. Er ist zum Direktor des Konsistoriums in Rostock und gleichzeitig zum Vicekanzler der Landesuniversität daselbst ernannt worden.

Von gut unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß die Reichsbehörden wegen einer internationalen Regelung des Verkehrs mittelst Funkentelegraphie verhandelt haben und sich mit dem Plan tragen, die übrigen Seemächte, in erster Linie England, Frankreich und die Vereinigten Staaten, zur Beschickung eines Kongresses einzuladen, dessen Aufgabe der Abschluß eines Ueberein kommens sein soll, durch das jedes MonopolderdrahtlvsenTele- graphie auf hoher See verhindert wird.

DieNordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Behauptung des soz. Abst. Herzfeld im Reichstage, wonach der deutsche Konsul Bremholt in Esbjerg (Dänemark) deutsche Heizer zu Geld- oder Gefängnisstrafen verurteilt und, als sie aus der Haft entlassen wurden, ihnen ihre Sachen und Papiere verweigert habe, als unrichtig. Im Januar d. I. ist in Esbjerg ein deutscher Heizer wegen Arbeitsverweigerung von dem zuständigen dänischen Seegericht bestraft worden. Der Konsul hat dem Verurteilten dessen Sachen und Papiere sofort herausgegeben, sabald die dazu erforderliche Einwillig­ung des beteiligten Schriftführers beschafft war.

Auf dem städtischen Zentralfriedhofe bei Friedrichs­felde fand gestern vormittag die Enthüllung des Lieb­knecht-Denkmals statt. An der Feier nähmen u. a teil Die Hinterbliebenen Liebknechts, Vertreter der sozial­demokratischen Reichstagsfraktion, der Vorstände der Ber­liner Reichstagswahlvereine, Vertreter der Parteigenossen aus dem Reiche und einige in Berlin weilende amerikanische Sozialisten. Nach einem die Feier einleitenden Gesänge sprach Abg. Ledebur, der in Liebknecht denunermüdlichen Vorkämpfer für Wahrheit, Freiheit und Recht" feierte, dessen Wirken im Herzen des Proletariats bis in die fernsten Zeiten fortleben werde. Eine Reihe von Kränzen wurde am Denkmal niedergelegt. Die Feier dauerte etwa drei­viertel Stunde. Vor dem Friedhof befanden sich zahlreiche Gendarmen, die keinen Anlaß zum Einschreiten sanden. Händler boten Postkarten mit der Abbildung des Denkmals feist__

Ausland.

London, 31 März. TieMorning Post" meldet aus Washington, daß Roosevelt den Chef des Tele­graphenwesens der Armee, General Greely, angewiesen

habe, die Vorschläge Deutschlands zur Verhinderung eines Monopols der drahtlosen Tele­grap hi erung auf See zu studieren, und über ihre Zweckmäßigkeit zu berichten.

Wie verlautet, ist China geneigt, Deutschland den Bau einer Eisenbahn von Tsinanfu nach Chingting zu gewähren.

Paris, 31 März. Die Deputiertenkammer nahm eine Vorlage an, durch welche Landwehrleuten, die vier Kinder haben, oie jährliche Hebung von 13 Tagen erlassen wird.

Gestern traf hier ein Extrazug über Deutschland und Belgien mit 7 Millionen Francs ein, welche die dänische Regierung gesandt hat. Dieses Geld be­fand sich in Holzkisten in einem besonders abgeschlossenen Wagen, der von zehn dänischen Beamten begleitet war. (Sollte diese Geldsendung mit der amerikanischen Be- stechungsafsaire zusammenhängen? D. Red.)

Nach Empfang der dtachvicht vom Tode des Fürsten Münster richtete Präsident Loubet an Die Tochter des Verstorbenen Frau v. Beneckendorft und v. Hinden­burg in Hannover ein Beileidstelegramm und beauftragte gleichzeitig Den Botschafter Marquis de Noailles chn bei der Trauerfeier zu vertreten.

TasJournal officiel" veröftentlicht ein Dekret, durch welches das französisch-deutsche Abkom­men vom 1. Oktober 1901 betreffend den Verkehr mit alkoholhaltigen Getränken und Spirituo­sen an Der Grenze genehmigt und bekanntgegeben wirb.

Tas BlattRappelt" berichtet aus Neapel: Der englischeBotschafter inRom, LorD Currie, wurde, als er durch die Straßen von Neapel fuhr, mit Steinen beworfen, welche jedoch fehl gingen.

Rom, 29. März. Heute ist eine ,En cy klika des Papstes erschienen. Die gleichsam sein Testament bildet. Ter Papst Dankt darin zunächst Gott, Daß er ihm so langes Leben geschenkt, wiederholt sodann nochmals seine Lehren für Die Katholiken und spricht sein Bedauern aus über Die Angriffe gegen die Kirche und Die neuen Irrlehren, unter Erwähnung Der Ehescheidung. Endlich giebt er ein Bild der jetzigen Gesellschaft, die dem Zu­stand Der Gesetzlosigkeit entgegengehe und fordert jeder­mann auf zur Rückkehr zu Christo und Dem römischen Bischof, worin allein Die Welt Heil und Frieden erhoffen könne.

Wien, 31. März, Wie in Hofkreisen verlautet, wird der Kaiser FranzJosef im Juli mit Kaiser Wil­helm in München eine Begegnung haben.

Konstantinopel, 31 Marz. Ter Thronfolger Prinz Reschad Esfendi, der zweite Bruder Des Sultans, ist angeblich verstorben. Er war schon seit einigen Wochen schwer erkrankt.

Ter Wildunger Brunn en arzt Geheimrat Marc wurde hierher berufen zur Konsultation mit dem Leib­arzt des Sultans über eine von Dem Leibarzt an seinem Patienten vorher glücklich vollzogene schwierige Steinoperation. Ter Sultan empfing Geheimrat Marc und verlieh ihm die golDene Verdienstmedaille.

Petersburg, 31. März. Nach Berichten aus Kowno haben die dortigen jüdischen Kaufleute an die Gemeinde­vertretung eine Eingabe gerichtet und darin die Auf­hebung der Sonntagsruhe gefordert, da sie ohne­dies an Sonnabenden ihre Geschäfte gesperrt halten. Wenn sie auch am Sonntag feiern müßten, so seien sie allzu- großen Verlusten ausgesetzt.

Peking, 30. März. In der südlichsten Präfektur von Tschili kam es zu Unruhen infolge von Versuchen Der Lokalbeamten, Cutschädigungsgelder für die von Den katholischen Missionaren erlittenen Verluste einzutreiben. Es heißt, Daß viele Leute getötet worDeu sind.

Bom Burenkrieg.

Aus Pretoria vom 30. März meldet Reuter: Die Be­mühungen Schalk Burghers, Verhandlungen mit Stei jn zu eröffnen, waren bisher erfolglos. Dewet und Steijn kreuzten die Hauptlinie nach Westen, begleitet von Van Niekert und Van der Merve. Ihre Spur wurde bis Parhs verfolgt.

Von bestunterrichteter Seite macht man Die Mitteilung, daß Schalk Burger wirklich zu einer kleinen Land- abtretung bereit ist, falls für Das klebrige unbe­schränkte SelbstänDigkeit zugestanden wird. Ueb- rigens ist Schalk Burger thatsächlich um die Unterredung ersucht worden.

Dr. Kuh per, Der hollänDische Ministerpräsident, er­klärte einem belgischen Journalisten, seine Reise nach Teutschland verfolge keinen politischen Zweck. In Der An­gelegenheit des Krieges müsse vorläufig ein weiterer gün­stiger Augenblick abgewartet werben, um aufs neue zu intervenieren.SobalD Dieser Augenblick Da ist, werde ich, so sagte Kuyper, nicht verfehlen, meine Pflicht zu thun." Man muß gestehen, dieser Mann läßt sich nicht so leicht ver­blüffen; er ist der Freundschaft der wetterharten Buren durchaus würdig.

Tas deutsche Auswärtige Amt hat Der deutschen Buren- zentrale in München Die Zustimmung zur Unterstützung der­jenigen bedürftigen Burensamilien gegeben, die zu Dauern­dem Aufenthalt nach Deutsch-Südwestafrika gefluchtet sinD. Tie Zentrale hat infolgedessen an Den Gouverneur iuTeutsch- SüDwestafrika sofort als erste Rate 10 000 Mk. überwiesen unD ersucht alle Buren freunde, die Diese gleichzeitige Unter­stützung notleiDenDer Buren uni) Der gering bevölkerten Kolonie (Durch beste Arbeitskräfte) fördern wollen, Gelder mit Dem Vermerkfür T.-S.-W.-Asrika" einzufchicken. Ter I Zustand Der Konzentrationslager an Der Küste verbessert

ich. Dagegen fehlt es besonders im Innern des Landes noch, ehr cm Kleidern und Wäsche.__________________________

Zu BiSmarcks Geburtstag. Anläßlich des Geburtstages des großen Mannes sei an em Wort eines Zeitgenossen des dreißg- jährigen Krieges erinnert, das wie eine Prophezeiung auf den kommenden Mann" klingt, Der Deutschland aus der Erniedrigung heben sollte. Moscherosch. der bekannte Satiriker und Vaterlands- reund, schrieb 1640 in seinem Zeitgemälde ».Philander von Sitten­wald:O Es gehöret mehr dazu alß Einbildung, wer eines Fürsten Rath sein will- Es muß da ein großer Eysfer und Fleiß seyn, Ein unverdrossenes Ernsthaftes gemuth, Ein Geschäfftiger, ertiger Mann, der Getreu und Verschwiegen seye, der Niemand orchte als Gott und der nechst Gott Niemand Liebe als einen Herrn. Er soll in seiner Jugend vil gelesen, wohl gereyset und sich auch im Kriegswesen versucht haben, in allen Geschichten, onderlich aber seines Herrn Land und Leute betreffenb, wohl er- ähren seyn." Es sei heute ferner an eine Episode aus der Zeit erinnert, in Der der Fürst als Erkanzler zum ersten Male Kissingerr besuchte. In dem fränkischen Bade wurde die Anwesenheit des Fürsten zu einem goldenen Regen für den Ort, insofern die Sonn­tagszüge bis 2000 Menschen und mehr brachten. Weder gab es ehr Unterkommen für diese, noch gab es genügend zu essen,, aber man war doch sehr gehoben, wenn man von dem großen Manne wenigstens Den Schlapphut gesehen batte. Grausam ablehnend ver­hielt sich der Fürst aller weiblichen Verehrung gegenüber. Insonder­heit am Vormittag, vor der Zeit, in der er sein Bad nahm, war er für keinerlei Huldigung zu haben. Trotzdem fand sich an einem strahlenden Sommertage eine Dame mit einem riesigen Bouquet ein, entschlossen, die Thür zum Badehause einfach zu besetzen. Un- ähig, ihre Begeisterung einzudämmen, stellte sie sich in den Schatten eines Baumes bart an dem Hauseingang. Man winkte der Dame sie blieb. Alan winkte deutlicher sie blieb. Ein Weiteres- wurde dadurch verhindert, daß der Wagen des Fürsten herangerollt kam. Langsam stieg Bismarck aus, sah sich die Dame an, und dann die Sachlage erfassend, schritt er direkt auf sie zu: ^Wenn Sie mitbaden wollen bitte!" Sprach's und überließ die Ver- bluffte Der Pein. __________

Ans Stadt und Kand.

Gießen, 1. April 1902

* * Das Regierungsblatt Na. 15 enthält das Gesetz, Di» Regentschaft betr.

* * Justiznachrichten. Durch Verfügung des Ministeriums! der Justiz wurden mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters beauftragt: bei Dem Amtsgericht Darm­stadt I der Gerichtsassessor Dr. Mahr in Offenbach, bei dem Amtsgericht Offenbach die Gerichtsassessoren Hamburger^ in Butzbach und Dr. Maurer in Darmstadt, bei dem Amts­gericht Gernsheim der Gerichtsassessor Neuroth in Offen­bach, bei dem Amtsgericht Butzbach der Gerichtsassessor Gläser in Gießen.

* Silberhochzeit. Morgen, am 2. April, feiern der Dienstmann Schuchardt und seine Eheftau das Fest der silbernen Hochzeit.

* * Jubiläum. Am 27. März beging Herr Georg Mootz den Tag seiner 20jährigen Thätigkeit im Hause Carl Em- melius hier. Herr Kommerzienrat Louis Emmelius über- reichte dem Jubilar mit einer warmen Ansprache eine goldene Nemontoiruhr als äußeres Zeichen seiner Anerkennung. Wir wünschen dem Jubilar, daß er noch viele Jahre mit derselben Lebens- uud Schaffensfreudigkeit wie bisher seinem Berus nachgehen möge.

* * CarlschulZ'Abend. Der erste der beiden angekündigten Carlschulz-Abende, der gestern imHotel Einhorn" ftattfanb, hatte sich eines recht guten Besuches zu erfreuen. Carlschulz, der von der Pianistin Fedora Petrowska in wirksamer Weise unterstützt wurde, ist den Gießenem ja kein Fremder mehr. Er bestätigte von neuem, daß er ein Meister in der humoristischen Vortragskunst ist. Dazu besitzt er vorzügliche stimmliche Mittel, durch die es ihm sofort gelang, sich in die Gunst seiner Zuhörer einzuschmeicheln. Das, was er vor­trug, war durchaus geschickt ausgewählt; und es braucht eigentlich kaum envähnt zu werden, daß das Publikum mit dem Beifall nicht kargte, der sich besonders bei manchen der oorgetragenen Humoresken immer wieder erneute. Fräulein Petrowska zeigte sich als eine ebenso sichere wie geschickte Begleiterin auf dem Klavier, und auch ihre Solovorträge wurden recht beifällig aufgenommsn. Herr Carlschulz ver­anstaltet heute Abend imHotel Einhorn" den zweiten humoristischen Abend, der gewiß wiederum recht zahlreich be­sucht sein wird.

* * Schlägereien. In der Nacht vom 1. zum 2. Feier­tag kam es im Neuenweg zu einer Schlägerei, bei Der einer Der Beteiligten am Kopfe verletzt wurde. Auch am Bahn­hof fand in derselben Nacht eine Schlägerei zwischen Studenten und einigen anderen Personen statt.

* * Diebstähle. Einem angetrunkenen Arbeiter wurde am Abend des ersten Feiertags, als er in einer hiesigen Wirt­schaft eingeschlafen war, Uhr und Kette entwendet. In der Schloßgasse stahl ein Geselle einem Schlafkollegen aus seinem Portemonnaie 5 Mark. In sämtlichen Fällen wurde Anzeige erhoben.

* * Verhaftung. In der vergangenen Nacht mußte ein hiesiger Dienstknecht, der trotz mehrmaliger Aufforderung, sich zu entfernen, nicht aufhörte, die Schutzleute zu belästigen, ver­haftet werden.

* * Ein seltenes Schauspiel, so teilt man uns heute mit, bot sich den Passanten der Frankfurter- und Bahnhofstraße. Drei kühnen Bootfahrern war es nämlich gelungen, nach Ueberwindung Der Schwierigkeiten, die ihnen Die stark über­schwemmte l.i in entgegenstellte, in das Bett der Wieseck einzudringen. Hier waren Die größten Hindernisse, wie z. B.