Ausgabe 
1.4.1902 Erstes Blatt
 
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Mandschurei unterstützen zu müssen. Diese Besorgnis scheint uns nicht ganz ungerechtfertigt, immerhin dürfte die un­geheure Verantwortung, welche diejenige Macht vor der Weltgeschichte zu tragen hätte, die einen Völkerbrand im Osten entfesselte, jede der paktierenden Mächte davor zurück­halten, Schritte zu thun, die vom Rivalen als casus belli angesehen werden könnten. Im übrigen hat sich im Aus­land das Ereignis der Karwoche auf dem Kriegsschau- Platzl i-n Südafrika abgespielt, und zwar in Gestalt der Reise einer Burendeputation unter englischem Schutze zu dell int Felde stehenden Burenführern. Die Depu­tation ist inzwischen in Kroonstad eingetvoffen und bat mit dem Präsidenten Steijn verhandelt, doch ist über die Ziele dieser Mission selbst Sicheres noch nicht bekannt. Auch die englische Negierung hüllt sich in Schweigen, aber es ist kein Zweifel, daß die Verhandlungen die Frage betreffen, ob und unter welchen Bedingungen ein baldiger Friedens­schluß möglich ist. Inzwischen mehren sich die Verluste der Briten. Die neueste Verlustliste giebt an, daß die Engländer bei dem Gefecht im Rhenosterthale bei Sutherland am 24. März 8 Tote, darunter einen Leutnant, verloren. 8 Mann wurden verwundet; ein Hauptmann und 28 Mann wurden gefangen genommen, aber sämtlich wieder freigelafsen. In dem Gefecyt in der Nähe von Taungs am 26. März wurden 6 Mann von der Kap-Polizei verwundet, von denen einer inzwischen gestorben ist. Bei' Meintjesnek am 27. März wurde ein Hauptmann der berittenen Infanterie schwer verwundet, drei Mann in demselben Regiment wurden ver­wundet. Auch diese Zahlen tragen, so unbedeutend sie an sich auch sind, zu den übrigen gerechnet, ihr Teil dazu bei, zu Gunsten eines baldigen Friedens zu reden.

Volitische Tagesschau.

DieWacht am Rhein" in einer Pariser Schule gesungen.

In der Nachtsitzung des Pariser Geineinderates kam es kurz vor Ostern wegen einerpatriotischen" Frage zwischen Nationalisten und Sozialisten zu heftigen Auseinandersetzungen. Der Adjutant Deroutödes, Galli, brachte eine Beschwerde gegen den Volksschulrektor Bödorez vor. Dieser soll nämlich bei einem Schulfeste dem Absingen derWacht am Rhein" in deutscher Sprache ruhig beigewohnt haben, die ein pflicht- und vaterlandsloser Lehrer seinen Zöglingen eingepaukt habe. Es sei ein unverzeihlicher Mangel an Takt, so führte Galli aus, wenn man Kinder Haßlieder gegen Frankreich lehre. Auf diese Anklage erwiderte Budorez in ruhiger und ge­messener Rede, daß im vorliegenden Falle nur ein Irrtum seitens des betreffenden Lehrers vorläge. Vor einigen Tagen sei den Zöglingen ein Aufsatzthema, das eine Parallele zieht Zwischen derWacht am Rhein" und derschönen" Antwort Mussets:Nous lavons eu votre Rhin allomand" zur Aus­arbeitung aufgegeben worden. (Der betreffende Lehrer hat da übrigens etuen groben Schnitzer begangen, den auch Bvdorez und der Pariser Stadtrat nicht bemerkten. Das Trotzlied Mussets ist nämlich nicht die Antwort auf die Wacht am Rhein", sondern auf BeckersSie sollen ihn :nid)t haben, den freien, deutschen Rhein". A. d. R.) Dieser .Umstand allein habe den Lehrer veranlaßt, das Lied von 'feinen Schülern singen zu lassen. An der patriotischen Ge­sinnung des Lehrers dürfe man eines solchen Vorkommnisses wegen durchaus nicht zweifeln. Der Volksschulrektor legte aber doch zum Schluffe das feierliche Versprechen ab, daß ein derartiger Vorfall sich nicht wieder ereignen würde. Als hierauf der Sozialist Landrin mutig erklärte, er halte das 'Lied Mussets für ein wildes und barbarisches Gereime, das an die napoleonische Schlächterei und ungerechte Bedrückung ^anderer Völker mit lächerlicher Ueberhebung erinnere, während dieWacht am Rhein" nur die Verteidigung des eigenen Landes feiere, brach der Skandal los. Die Nationalisten

lärmten wie die Tollen, aber die Sozialisten hielten chnen Stand. ______

Eine amerikanische Bestechuugsaffäre

Im Washingtoner Repräsentantenhaus teilte, wie wir bereits kurz meldeten, Richardson mit, er besitze die Abschrift eines geheimen Berichtes, der an die dänische Regierung von einem dänischen Staatsangehörigen mit Namen Christmas ge­sandt sei, der sich sowohl im Namen Dänemarks wie tm Namen der Verewigten Staaten an den Verhandlungen über den Verkauf von Dänisch - Westindien beteiligt habe. Aus dem Bericht gehe hervor, daß die dänische Regierung cingewilligt habe, dem Christmas 10 Prozent der Ver­kaufssumme zuzugestehen zur Bestechung von Kongreß­mitgliedern und zur Zahlung von Subsidiengeldern an Blätter u. s. w. Das Haus nahm einstimmig eine von Richardson beantragte Resolution an, nach der zur Unter­suchung der Angelegenheit ein Ausschuß eingesetzt werden soll.

Die Enquete über die Verwendung des Korruptionsfonds von 500 000 Dollars dürfte indeß resultatlos verlaufen. Das Staatsdepartement weiß, daß Dänemark in keinem Falle ge­willt ist, auch nur einen Centime der von Christmas ge­forderten Provision zu zahlen. Immerhin erregt die Affäre in Kopenhagen peinliches Aufsehen. Die konservativeNatio- naltidende" hebt in einem Leitartikel hervor, die Dänen als Nation seien für diese Skandalaffäre ebenso wenig wie die amerikanische Nation verantwortlich. Neben Christmas trage der Präsident des früheren konservativen Ministeriums Hörring hauptsächlich die Verantwortung dafür, weil er die Verbindung mit Christmas vollständig auf eigene Faust an­geknüpft habe, ohne mit dem Reichstag vorher in Beratung getreten zu sein.

Parlamentarisches aus Heffeu.

Eine neue Regierungsvorlage betrifft die Erweiter- ungsbautender Technischen Hochschule in Darm­stadt. Es wird, mit umfangreicher Begründung, von den Ministerien an die Landstände das Ansinnen gerichtet: 1. Zu genehmigen, daß zur Erweiterung der Hochschule eine Reihe von Bauten ausgeführt und Grundstückserwerbungen vor­genommen werden; 2. die Zustimmung zu erteilen, daß ein Gesamtbetrag von 2214 295 M k. aufgewendet und zur Deckung desselben auch der durch Beschluß der Stadt­verordnetenversammlung Darmstadts zur Verfügung ge­stellte Beitrag von 350 000 Mk. Verwendung finden darf; 3. zum Zweck der südlich der Hochschulstraße geplanten Er­weiterungsbauten einschließlich deren innerer Einrichtung und Bauleitungskosten für das Etatsjahr 1902/03 die erste Baurate im Betrag von 558 700 Mk. als Pauschsumme in Ausgabe zu verwilligen; 4. zu genehmigen, daß Erspar­nisse, welche an verwillrgten Geländeerwerbskosten für die Erweiterungsbauten nördlich der Hochschulstraße gemacht werden, zur Deckung etwaiger Mehrkosten Verwendung finden dürfen, welche bei dem Geländeerwerb für die Er­weiterungsbauten südlich der Hochschulstraße entstehen könnten; 5. die Zustimmung zu erteilen, daß das zum Familieneigentum des Großh. Hauses gehörige Gebäude und Gelände des Hoftheaterdekorations--Ma- gazins ia'n das Großh. Landeseigentum zum Bauplatz für die Erweiterung der Technischen Hoch­schulekäuflich abgetreten werde und daß der Groß­herzog ermächtigt ist, aus der Summe von 193.860 Mk. auf einen in dessen Benutzung stehenden Bauplatz ein neues Dekorationsmagazin zu erbauen, das an Stelle des abgetretenen Gebäudes und Geländes demselben zur Benutzung überlassen bleibt; 6. die Zustimmung zu erteilen, daß die zur Deckung der unter 3. genannten Summe er­forderlichen Mittel im Wege des Staatskredits flüssig gemacht werden und bei der Aufnahme und Tilgung der hierfür erforderlichen Anleihe nach Maßgabe des Art. 3

des Finanzgesetzes für das Etatsjahr 1902/03 verfahrert werde. '

Eine zweite Regierungsvorlage betrifft den Umbau des Großh. Hoftheaters in Darmstadt. Auch diese Vorlage wird genau begründet und geht dahin, daß von den Kammern den Vorschlägen des Finanzministeriums die Zu­stimmung erteilt, insbesondere der Regierung die Entnahnva eines Betrags von 403910 Mk. aus dem Domänenacqui- sitionsfonds zu Zwecken des Hoftheaterumbaues anheim­gestellt, dabei auch die Verrechnung des Erlöses an Ab­bruchmaterial und dergleichen zu Gunsten des BaufondÄ zugelassen und endlich die Vorlage in Anbetracht ihrerDrinA- lichkeit in alsbaldige Beratung genommen werde.

lieber die Gewährung von Darlehen aus der Landes- kreditkasse an Gemeinden zurUnterstützuugbeiSchul- Hausbauten liegt eine Regierungserklärung, gerichtet an den Vorsitzenden des Sonderausschusses für den Gesetz­entwurf über Errichtung einer Pfandbriefbank und die zugehörigen Gesetzentwürfe, vor. Da an eine wesent­liche Erhöhung der im Staatsbudget hierfür anzufordern­den Mittel vorerst nicht gedacht werden kann, so erachtet das Ministerium es für wünschenswert, daß der Staat in den Stand gesetzt werde, durch die Gewährung von Dar­lehen an ärmere Gemeinden auf eine raschere Durchführung für notwendig erkannter Schulhausbauten hinzuwirken. Dieser Zweck kann in der Weise erreicht werden, daß dis Mittel der Landeskreditkasse für die Erbauung von Schul­häusern in ärmeren Gemeinden zur Verfügung gestellt wer­den. Das Ministerium glaubt daher, bei dem Sonderaus­schüsse die Aufnahme einer bezüglichen Vorschrift in Art. 1 des Gesetzentwurfs über die Landeskreditkasse anregen zu sollen. Allerdings ist es zweifelhaft, ob bei einer derartigen Erweiterung des Geschäftskreises dieser Kasse das vorge­sehene Betriebskapital noch ausreichen würde. Es ist daher in Erwägung gezogen worden, ob nicht der neu zu gründen­den Pfandbriefbank diejenigen Aufgaben zugewiesen werden könnten, die aus Mangel an Mitteln von der Landeskredit­kasse nicht erfüllt werden können, lieber die Frage, wie dann beide Institute zusammenzuwirken hätten, hat sich das Finanzministerium dem Ministerium des Innern gegen­über erschöpfend geäußert. Danach kann die Erweiterung des Geschäftskreises der Landeskreditkasse nur dann ohne wesentliche Schädigung der übrigen auf die Kasse verwiesenen Zwecke erfolgen, wenn der Pfandbriesbank schon von Anfang an das Recht zur Ausgabe von Kommunalobligativnen ge­währt und von Aufnahme einer beschränkenden Bestimm­ung in das Gesetz über diese Bank abgestellt wird.

K ö h l e r - Langsdorf hat, wie uns schließlich mitgeteilt wird, die Einrichtung von landwirtschaftlichen Kursen für Lehrer von ländlich,en Fortbild­ungsschulen bei der Zweiten Kammer beantragt. Im Anschluß an seinen Antrag, Umgestaltung der länd­lichen Fortbildungsschulen zu Ackerbau-Vor­schulen betreffend, und mit besonderer Bezugnahme auf Anlage III zu diesem Antrag (enthaltend: Schilderung des landwirtschaftlichen Unterrichts an den Fortbildungsschulenin den Niederlanden) be­antragt Herr Köhler, die Zweite Kammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, 1. an der Ackerbauschule zu Fried­berg einen sommerlichen landwirtschaftlichen Kursus für Lehrer an ländlichen Fortbild­ungsschulen einzurichten, 2. diesen Kursus angemessen zu dotieren, sowie 3. einen Fonds zur Unterstütze ung der Kursisten zu begründen.

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Aus Stadt und Saud.

Gießen, den 1. April 1902.

** Nach dem Osterfeste. Verheißungsvoll war der Kar­freitag heraufgestiegen. Der heitere Himmel just um die Mittagszeit bei höherem Barometer versprach schönes Wetter für den Nachmittag wie für die ganze Festzeit. Mit Ver­gnügen schauten die Kausteute in den Hellen Tag. Hofften sie doch nach den kalten, regnerischen und unbeständigen

denen sich jedoch als Jahr des römischen Umbaues jenes uralten Gebäudes aus fernster Vorzeit das Jahr 98 n. Chr. ergibt. Außerdem konnte aus einer Inschrift festgestellt wer­ken, daß das Grundstück eine Zeit lang einem Privatmanne namens Gajus Marius Cellarius gehörte. Es ist eine außer­ordentlich auffällige Erscheinung, daß sowohl Corv inus wie Cellarius noch heute als Familiennamen in Gießen vor­kommen. Cellarius bedeutete im Lateinischen etwa so viel wie Kammerherr; es ist also anzunehmen, daß ein Bewohner und Eigentümer jenes Hauses kaiserl. röm. Kammerherr und vielleicht ein Angehöriger jener römischen Familie war, die den berühmten Feldherrn Gajtls Marius, den Besieger deutscher Volksstämme, der Gimbern und Teutonen, zu den Ihren zählte. Von dem Vater des großen römischen Gene-" rals weiß die Geschichte bekanntlich nur, daß erLandmann" war ....

Aus mehreren Funden von Bruchstücken schwarz-weiß gesprenkelten Granits, weißen krystallisierten Marmors re. geht hervor, daß das Haus eine prachtvolle innere Ausstatt­ung hatte. Ein hoch interessantes Fundstück ist der obere Teil des Fußes einer in dem Hause befindlichen 34füßigen Vronzesäule, die aber kaum aus derHallstätter Zeit" stammen dürfte. Denn auf dem Fundstück ist der erste Luft­schiffer Dädalos dargestellt, wie er sich und seinem Sohne Ikaros wächserne Flügel macht zu jenem Fluge über's Meer. Schade, daß gerade an diesem uralten Bronze­kunstwerke der Zahn der Zeit mit besonders zerstörender Kraft genagt hat.

Auffallend ist der Fund zweier Münzen außerhalb jener erwähnten münzenreichen Urne, die beide sehr gut erhalten sind. Sie wurden unter dem Caesar Valerius Diocleiian ge­schlagen. Die eine der beiden Münzen ist im Jahre 298 in einer Mainzer Offizin und die andere wahrscheinlich um das Jahr 300 in einer römischen Offizin hergestellt. Da die Münzen sogar den sehr dünnen Silberüberzug noch voll­ständig zeigen, können sie nur einige Jahre nach ihrer Präg­ung dort verloren sein.

Das .Wertvollste aber ist die Entdeckung einer prächtigen Büste Homers aus parischem Marmor, ein Zeichen dafür, daß die Besitzer der Villa Freunde der Kunst waren. Dieser Homer ist ein herrliches Werk, ähnlich, aber nicht ganz entsprechend jenem schonen berühmten Homer im Museo mazionale zu Neapel. Ter wundervolle Kopf eines Greises, kessen Stirn und Wangen von göttlichem geistigen Ringen Zeigen, und dabei doch der volle Ausdruck des Friedens, den »die Blinden genießen! An dieser Büste, die fast ganz un­

verstümmelt erhalten ist, ist jeder Meißelschlag Geist und wunderbares Leben. Diese neu entdeckte Homerbüste wird zweifellos in der Kunstgeschichte einen Namen erlangen.

Man fand ferner eine Anzahl Ziegel mit Stempeln, die jedoch noch nicht bestimmt gedeutet sind. Vielleicht sind dies Stempel der römischen Truppenteile, die, wie unsere Regi­menter, einfach nach Nummern bezeichnet wurden.

Spuren deuten daraus, daß zwischen diesem Landsitz und dem Schiffenberge eine rege Verbindung bestand. Auch auf dem Gipfel des Schisfenberges mag sich einst eine römische Villa erhoben haben, und der Punkt für einen Landsitz hätte nicht günstiger gewählt werden können. Aussicht auf eine prangende Landschaft wußten schon die reichen römischen Herren zu würdigen.

Jedenfalls bildet die Fundstätte ein großartiges Denk- mal für die Kulturarbeit der römischen, der wunderbarsten Kulturmacht, die bisher die Welt gekannt hat, und von der wir uns heute kaum einen richtigen Begriff machen können. Jenes große Volk hat auf unserem Grund und Boden eine kolossale Kulturarbeit vollbracht, aber jene Funde aus der Hallstattzeit" beweisen uns, daß doch schon lange vor der Römerzeit hier keineswegsWilde" gehaust haben, sondern ein, weit vorgeschrittenes Volk, auf dessen alten Kultur­resten sie dann weiterbauten. Ja, viele hundert Jahre schon vor derHallstattzeit" hat hier ein Volk gewohnt, das Bemerkenswertes auf dem Gebiete der Handfertigkeit leistete. Man fand nämlich etwa 18 Fuß unter der Erde in unmittelbarer Nähe dieser Gebäudereste drei Steinbeile aus neolithischer Zeit, sowie mehrere Feuersteinmesser und einige Tontöpfe. Eine starke Brandschicht im Boden macht es wahrscheinlich, daß man es auch hier mit einem Brand­grab zu thun hat. Diese gesondert gefundenen Gegenstände sind somit als Grabbeigaben anzusehen. Durch diese Sondergrabung ist die Besiedelung dieses Bodens in neo­lithischer Zeit, etwa 30002000 v. Chr., festgestellt! Das bedeutet einen gewaltigen Fortschritt der vorgeschichtlichen Forschung in Hessen.

Endlich hak man bei diesen Ausgrabungen auch ein riesiges Tierskelett ganz zufällig entdeckt, von dem man bisher noch nicht mit Bestimmtheit hat feststellen können, welcher Tiergattung es zuzurechnen ist. Doch besteht die Vermutung, daß man es mit einem sog. M y l o d o n zu thun hat, einem Riesenfaultier, von dessen Vorkommen in unserer Gegend man bisher bestimmte Kunde nicht hatte und das man nur in den diluvianischen AblagerungenAmerikas bisher gefunden hat.

Ein Mitarbeiter derSBerl. illustr. ZtA" hat in den Oftertagen photographische Ausnahmen an Ort und Stelle gemacht. Eine der nächsten Nummern des genannten Blattes

soll ausschließlich den Gießener Ausgrabungen gewidmet sein.

Mit Spannung wird namentlich in wissenschaftlichen Kreisen der Fortgang der Ausgrabungen verfolgt. Dabei kommt die Phantasie mit ins Spiel. Wie und wann hat diese Villa ihr Enoe gefunden? War es plötzlich? Alles! weist darauf hin. Wie geschah das? Nicht durch Feuer, das ist offenbar. Was für ein Drama hat sich da abjgio spielt? Ist eine plötzliche vulkanische Eruption denkbar? Daß wir auf einst vulkanischem Gebiete sitzen, war bisher völlig unbekannt. Dr. A,P. Rill neigt dieser Annahme zu, schon angesichts der Erderschütterungen, die namentlich im Vogelsberge auch heute noch vorkommen.

So drängen sich die Fragen, auf die es wohl niemals eine Antwort geben wird..... Dr. S. C. H er z.

Aus welchem Metall besteht der Zahn der Zeit? Diese Frage löst ein Mitarbeiter derHalleschen Ztg.", indem er aus Osendorf (im Saalkreise) über einen Urnenfund schreibt:Bei den Aufräumunasarbeiten in der hiesigen Kiesgrube wurde eine gut erhaltene Urne bloß­gelegt. Sie ging leider in .Scherben. Als Inhalt fand sich ein Reitersporn vor; der Zahn der Zeit hatte leider schon den Gegenstand arg mitgenommen und schien aus Bronze angefertigt zu fein. Die Reste befinden sich im Besitz des Herrn Ortsrichter Engel." DieHallescb? Ztg." bittet letztgenannten Herrn, die Reste des Zahnes der Zeit dem Vtuseum in Halle zu überliefern.

Litteraturgeschichtliche Entdeckung! In Münden, wo bekanntlich im Jahre 1727 der berühmte Arzt Dr. Eisenbart starb, ist durch einen Zufall das allerdings an einigen Stellen beschädigte Original des reizenden LiedesIch bin der Doktor Eisenbart" zum Vor­schein gekommen. Die Strophe:

Zu Wien kuriert ich einen Mann, Der hatte einen hohlen Zahn rc.

ist in der dritten Zeile unleserlich, da nur folgende Wörter bezw. Buchstaben erhalten blieben:

Ich s ... . ihn aus mit dem . . ol, welche seither bekanntlich auf barbarische Weise so ergänzt wurden:

Ich s,ch o ß ihn r aus mit dem Pi sto l, (!)

O Gott, wie war dem Mann so wohl!

Nun hat Professor Dr. Reklam in Berlin, bekanntlich auf litteraturgeschichtlichem Gebiet eine Celebrität, mit offenbar glücklicher Hand folgendermaßen interpoliert:

Ich spült' ihn aus mit dem Odol,

O Gott, wie id ar dem Mann s o wohl!

Zugleich ein Beweis, welchen Rufes sich dieses wxlt- berühmte Zahnmittel schon in alter Zeit erfreute!