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aus der Steppenniederung zwischen Kuma und Don der Manytsch zum Unterlauf des bei Asow in die Taganroger Bucht mündenden Don. Der Sal legt einen Weg von 731 km zurück, seine Wasser sind nicht schiffbar. Der Manytsch, der eine Gesamt­länge von 530 km erreicht, bildet im Sommer meist nur eine Reihe von Salzseen. In wasserreichen Jahren stellen sein westlicher, dem Don zuge­wandter, und sein östlicher, der Kuma zugewandter Lauf eine zusammenhängende Verbindung dar. Oeftlich des mittleren Manytsch liegt die Stadt Proletarskaja an der Bahnlinie Stalingrad TschorjezkKrasnodar, die hier von deutschen Trup­pen durchbrochen wurde.

Deutsche Infanterie und motorisierte Verbände haben die durch eine Dammsprengung überflutete Manytsch-Riederung überwunden und sind in das Kubangebiet eingedrungen. Damit ist das Kubängebiet in den Bereich der unmittelbaren militärischen Operationen gerückt. Es hat seinen Na­men nach dem Fluß Kuban, der aus den Gletschern des Elbrus, dem hohen Schneegipfel des Kaukasus, als wilder Gebirgsbach abfließt, aber bald die Ebene erreicht und bann als träger Fluß, der zu beiden Sekten von ausgedehnten Sümpfen begleitet ist, sei­ner Mündung entgegenschleicht. Er ist auf 175 Kilo­meter Länge schiffbar und teilt sich in zwei Mün­dungsarme, von denen der eine zum Schwarzen, der andere zum Asowschen Meer abfließt. Beide Mündungsarme schließen die Halbinsel Taman nach Osten ab. Die Halbinsel Taman liegt gegenüber der Halbinsel Kertsch, von der sie durch die gleichnamige Meerenge geschieden ist. Das Kubangebiet schließt im Norden an das Don-Gebiet von Rostow an und ist mit seinen 102 000 Quadratkilometer IV2 mal so groß wie Bayern und fast doppelt so groß wie Böh­men. Seine Erdstruktur ist sehr gegensätzlicher Art. Nördlich des Kuban ist das Gebiet Steppe, die an den tiefsten Stellen in Sümpfe und Seen übergeht. Südlich des Kuban gewinnt das Land bald die man­nigfachen Bergformen des Mittelgebirges, ist wald­reich und weist zahlreiche Heilquellen auf. In der Steppe wird vornehmlich Viehzucht getrieben. In ihr stehen die Schafe an der Spitze, daneben Pferde und Rinder. Auch Kamele treten schon auf. Beson­derheiten sind die sehr ergiebige Fischerei im Kuban, in den Seen und Haffs, sowie eine ausgesprochen starke, Bienenzucht.

Das Gebiet s ü d l i ch d e s D 0 n , das im Westen vom Asowschen und Schwarzen Meer, im Osten vom Kaspischen Meer begrenzt wird, ist sehr gegen­sätzlicher Art. Die schwarze Erde reicht als wert­vollster Fruchtboden weit über den Don hinaus. Entscheidend sind aber die Niederschläge bzw. die Möglichkeiten künstlicher Bewässerung. Der Westteil dieses Gebiets ist verhältnismäßig niederschlagsreich, der Ostteil dürr. Dieser elementare Unterschied prägt sich auch in der Bevölkerungsdichte aus. Das Gebiet um Krasnodar, das frühere Iekaterinodar am Kuban, heute eine Stadt von 200 000 Einwohnern, zählt fast 40 Menschen auf den Quadratkilometer, die kalmückische Sowjetrepublik am Kaspischen Meer und am Unterlauf der Wolga zählt dagegen nur drei Menschen auf einen Quadratkilo­meter, wobei noch zu beachten ist, daß die Großstadt A st r a ch a n mit mehr als einer Diertelmillion Einwohnern eigentlich noch in Abzug zu bringen wäre. Aehnlich wie in der Ukraine hat sich in dem für die Landwirtschaft stellenweise sehr geeigneten Kubangebiet der ausschließliche Anbau von Weizen und Mais wegen der Dürregefahr als risikoreich erwiesen. Um Das Risiko besser zu verteilen, auch um den gestiegenen Ansprüchen an Gemüse und Industriepslanzen zu genügen, ist der Anbau von Kartoffeln, Gemüse und Obst (besonders Melonen), Futterpflanzen, Zuckerrüben, Sonnenblumen, aber auch von Rhizinus. Soja, Hanf, Lein und Baum­wolle besonders südlich des Kuban stark entwickelt worden. Die Gesamtanbaufläche die­ser Pflanzen ist von 942 600 Hektar im Jahre 1913 auf 4 282 700 Hektar im Jahre 1938 ge­stiegen, wobei daran zu erinnern ist, daß die Faser­pflanzen Flachs, Baumwolle und Hanf zugleich auch. Oelpslanzen sind.

Die USA. müssen ihren Fleischeinkauf in Argentinien einschränken.

Buenos A i re s, 30. Juli. (Europapreß.) Der Neuyorker Vertreter des argentinischen Fleischpro- duzentenverbandes erklärt, daß die Fleischkäufe der Vereinigten Staaten in Argentinien durch die in­folge der Tätigkeit der Ü-Boote Hervorgerufene Tonnageknappheit ihre natürliche Begren­zung finden würden. Er erinnerte an den Aus­spruch des Präsidenten Roostvelt, daß das Fleisch in den USA. knapp werden müsse. Selbst bei Zu- nähme der argentinischen Fleischproduktion könnten die Käufe der USA., deren Fleischbedarf durch das Heer praktisch unbegrenzt sei, wegen der Schiffs-1

Aus dem Reich.

Em Jubiläum.

In dieser Woche läuft die 15 0. Deutsche Wochenschau. Sie feiert also ein Jubiläum, das mit stolzer Genugtuung von Front und Heimat be­achtet werden wird. Die Deutsche Wochenschau ist ein Bilddokument deutscher Wahrheitsberichterstat­tung deutschen Heldentums geworden, das weit über die deutschen Grenzen hinaus sich das Interesse und die Hochachtung der Welt erobert hat. Die Kriegs­geschichte ist durch sie um ein bleibendes Denkmal kämpferischen Geschehens' und filmischen Einsatzes bereichert worden. Die deutsche Krieasberichterstat- tung ist mit der militärischen Wochenschau erstmals diesen Weg gegangen, um aus dem unmittelbaren Kampfverlauf Kampfhandlungen selbst im lebenden Bild einzufangen. Die ersten Wochenschauen vom Polenfeldzug wurden die Weltsensation: an dieser Tatsache hat sich nichts geändert. Kein anderes Land war in der Lage, derart wahrheitsgetreu Kampf­handlungen mit der Linse einaufangen. Denn der deutsche Kriegsberichter, ist Soldat, der als solcher seinen Platz in der Kampffront genau wie jeder andere Soldat ausfüllt. Die Briten haben einmal den Versuch gemacht, der Deutschen Wochenschau Konkurrenz zu werden, als sie den Film drehten Der Löwe hat Flügel". Es war ein kitschiger Ate­lierfilm geworden, der nichts mit dem Kampfge­schehen zu tun hatte. Es blieb ein einmaliger Ver­such. Die Deutsche Wochenschau aber erlebt Woche für Woche eine Neuaufführung. Wir wollen ihres jetzigen Jubiläums und der tapferen todesmutigen Filmmänner in Dankbarkeit gedenken.

©er ©uce dankt dem Führer.

Berlin, 30. Juli. (DNB.) Der Duce hat dem Führer für die Geburtstagsglückwünsche mit folgen­dem Telegramm gedankt:Tausendfachen Dank, Führer, für Ihr Telegramm anläßlich meines Ge­burtstages. Ich möchte mit den freundschaftlichsten

Gefühlen die Dünsche erwidern, die Sie zum Aus­druck brachten. Schulter an Schulter werden wir fortfahren, gemeinsam zu kämpfen als treue und redliche Kameraden. Mussolini."

^-Obergruppenführer Scharfe gestorben.

Im Alter von.66 Jahren ist der ^-Obergruppen­führer und General der Waffen-^ Paul Scharfe, Chef des Hauptamtes ^-Gericht in Starnberg bei München gestorben. Seit 1933 hat sich ^-Obergrup­penführer Scharfe mit großem Erfolg den Rechts­fragen der Schutzstaffeln gewidmet. Es ist nicht zuletzt sein Verdienst, daß das Hauptamts- Gericht, das ursprünglich nur Disziplinär- und Beschwerdesachen sowie Ehrenschutz-Angelegenheiten für den Reichsführer-bearbeitete, zur Zentral­stelle und Ministerialinstanz für die Sonder- strafgerichtsbarkeit der ff und P 0 li° z e t ausgebaut werden konnte. Die Schutzstaffel ver­liert in ^-Obergruppenführer .Scharfe einen kom­promißlosen Nationalsozialisten und verständnis­vollen Kameraden.

SA.-Obergruppenführer (S) ©r. Brauneck gefallen.

Im kämpferischen Einsatz starb am 27. Juli 1942 der SA.-Obergruppenführer (S) Dr. Hermann Brauneck, Hauptamtschef in der Obersten SA.- Führung, den Soldatentod. 1894 geboren, nahm er als junger Seeoffizier am Weltkrieg teil und er­warb die beiden Eisernen Kreuze. Dann widmete er sich dem Studium der Medizin. 1931 trat er der NSDAP, und der SA. im Gau Weser-Ems bei. Im November 1937 wurde Brauneck unter Beför­derung zum Obergruppenführer (S) Chef des Ge­sundheitsamtes der Obersten SA.-Führung. Als Referent San.-Wefen" bei der Organisationslei­tung der Richsparteitage lag ihm die gesundheitliche Betreuung der Marschteilnehmer ob.

Ein Symptom.

1500 Demonstranten, Männer und Frauen, drangen in den Wandelaang des Unterhauses ein, um eine Aufhebung des Verbots der kommunistischen Zeitung Daily Wörter" zu erzwingen, die charakteristi­scherweise vom arbeiterparteilichen Innenmini­ster Morrison verfügt werden mußte. Am Sonntag fand auf dem Trafalgar Square, der von Nelsons Denkmal überragt ist, eine Kundgebung von 60 000 Menschen für die Errichtung der zweiten Front statt. Auf die Frage des kommunistischen Redners, ob England die zweite Front in Europa auf die Gefahr einer verstärkten Jnvasionsmöglichkeit Englands selbst riskieren sollte, antwortete ein begeisterter Chor mit stürmischen Ja-Rufen. Am Donnerstag» vormittag erschien, wie aus London gemeldet wird, eine Abordnung von Tausenden von Londoner Ar­beitern und Arbeiterinnen aus der Rüstungsindu- ftrie vor dem Amtssitz des britischen Ministerpräsi­denten in der Downing-Street Nr. 10 und forderte ebenfalls energische Schritte zur Errichtung einer zweiten Front.

An sich sind diese Symptome als solche nicht über­mäßig wichttg. Fanatiker machen genau so sehr Krach, wie leere Tonnen viel rasseln. Aber darauf kommt es gar nicht an! Die Chance des Fanatikers ist die Erschütterung des Selbstvertrauens, der Schwund derRuhe" bei den normalen Menschen. England hat während des ganzen Winters die Agi­tation zur Entschuldigung feiner so empfindlichen Fehlschläge in Ostasien, in Libyen und im U-Boot- krieg mit dem einzigen Argument bestritten, daß die Sowjetarmeen, verbündet mit dem General Winter, den Deutschen Heimleuchten werden. Aber den Deut­schen konnte nicht heimgeleuchtet werden. Die Deut­schen haben vielmehr die Engländer neuerdings in Libyen geschlagen; sie haben die sowjetische Süd- front zum Einsturz gebracht. Wichtig sind nicht die 15to Fanatiker im Unterhaus, auch nicht die 60 000 Kundgeber auf dem Trafalgar Square, sie sind aber symptomatisch für den Druckpunkt im Selbstver­trauen des englischen Volkes und der englischen Regierung.

raumknappheit nicht mehr erhöht werden. Der ar­gentinische Botschafter Espil hatte vor Anttitt einer Reise nach Buenos Aires eine Unterredung mit Unterstaatssekretär Sumner Welles. Gleich­zeitig erstattete der in Washington eingetroffene USA.-Botschafter in Argentinien, Norman Ar- m 0 u r, dem Präsidenten Roosevelt Bericht über das Verhältnis Argentinien-USA.

Oer Kampf in den Akeuten-Gewäffern.

Tokio, 30. Juli. (Europapreß.) Ein Offizier der japanischen Manne-Pressestelle auf derAleuteninsel Kiska zwischen Alaska und der östlkchsten Spitze Sibiriens erklärte, daß die nord amerikanische Marine in den Aleutengewässern ein nicht zu unterschätzender Gegner ist. Die -schlechten Kampfe ergebniffe der nordamerikanischen Marine in den Südgewässern seien aus der unzureichenden Zusam­menarbeit mit den alliierten Flotten- und Luftstütz- punkten zu erklären, doch in den nördlichen Gewäs­sern, in der Nähe der Heimatküste, erweise sich die nordamerikanische Marine als ein durchaus beachtlicher Gegner. D ie nord amerikanischen Marineflieger griffen trotz schwierigster Wetterlage -immer wieder an, auch nordamerikanische U-Boote näherten sich bei dichtem Nebel den Inseln und ver­suchten Torpedos anzubringen.

In nordamerikanischen Marinekreisen wird jetzt die Bedeutung der Besetzung der Aleuten-Inseln durch die Japaner vollauf anerkannt, der große Ge­winn für die Japaner sei, daß sie die amerikanische Wetterwarte nun in ihrem Besitz hätten. Diese Wetter­station sei insofern wichtig, als sich von ihr aus die voraussichtliche Wetterlage im Westen der USA. und der weiten Inselwelt des Pazifik ermitteln lasse. Für die Amerikaner sei sie deshalb wertvoll gewesen, weil sie von ihr aus die auf den japa­nischen Inseln herrschenden Wetterverhältnisse im voraus hatten feststellen können.

Japan wolle auch nicht die Filipinos im jetzigen Krieg im Kampf auf Japans Seite verwenden, da die Japaner selbst über genügend Macht verfügten.

©er Aufbau auf Celebes.

Tokio, 30. Juli. (Europapreß.) Die wirtschast- liche Entwicklung von Celebes nach den Plänen der fapanischen Besatzungsbehörden macht rasche Fort­schritte. Don Erzeugnissen der Insel nach Japan kommen für die Ausfuhr neben landwirtschaftlichen Produkten auch Erze in Frage. Für Baumwolle kann man in Nord-Celebes mit einer raschen Ver­größerung der Anbaufläche rechnen. Unter den Pro­dukten, die bereits in nächster Zeit in größerem Umfang von Celebes nach Japan ausgefuhrt wer­den sollen, werden Mais, Kopra und Oel- saatten genannt. Eine Reihe von japanischen Han­delsfirmen hat bereits Niederlassungc-n in Makassar eröffnet.

Verstärkter Kartoffelanbau in der Türkei

Ankara, 30.Juli. (Europapreß.) Ein umfang­reicher Anbau von Kartoffeln wird in der Türkei durchgeführt. Bisher zog man Brot und gewisse Mehlspeisen, besonders auch Reis, vor. Der aus Reis gebildete Pilcvv spielte fast überall die Rolle der Kartoffel. Der Boden der Türkei ist für den Kartoffelanbau vielfach durchaus geeignet, wenn auch bisher die Erfahrungen fehlten, den richtigen Boden für die verschiedenen Kartoffelsorten zu wäh­len. Auch der bisher sehr hohe Preis für Kartoffeln 1 kg kostete eine RM. wird sich senken müs­sen, um dtese Frucht für die Allgemeinheit ver­wendbar zu machen.

Kleine politische Nachrichten.

NSKK.-Korpsführer Kraus besichtigte die in ben besetzten Westgebieten eingefetzten Transport- verbände des NSKK., sowie die Baustellen der Or- ganifation Todt an der Atlantikküste.

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Oie Zukunft der Philippinen.

Manila, 30. Juli. (DNB.) Japan hat nicht die Absicht, die Philippinen zu einer Kolonie zu machen, sondern ihnen zu helfen, ein wertvolles Mitglied der gemeinsamen Wohlstandssphäre zu werden, er­klärte Generalleutnant Akira Nara» der Be­fehlshaber der japanischen Besatzungstruppen, auf einer Inspektionsreise. Japan wünsche die Wilip- pinen zu einem starken, fortschrittlichen und wohl- habenden Land der Filipinos zu machen.

Reichsgesundhettsführer Dr. Conti befichttgte das Oscar-Helene-Heim in Berlin-Dahlem, dem als Speziallazarett für Arm- und Hand versehrte jetzt besonders wichtige Ausgaben zuknllen. Leiter des Instituts ist Prof. Dr. Kreuz,' der neue Rektor der Berliner Universität.

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Auf Einladung des italienischen Botschafters sang Benjamino Gigli, der in Berlin weilt, auf einer Veranstaltung für Verwundete in der italienischen Botschaft in Anwesenheit der Reichsminister Dr. ---- ------TTTTTHOll II »II UM IBM BUm

Goebbels und Funk, des Staatssekretärs von Weiz. fader, des Reichsspottführers von Tfchammer und Osten und zahlreicher anderer Persönlichkeiten aus Politik und Kunst.

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Der Kommandeur eiij-es Panzergrenadierbataillons, Ritterkreuzträger Ma;or d. R. Gerhard Florin, ist am 20. Juli seiner schweren, im Kampf gegen den Bolschewismus erlittenen Verwundung erlegen. Florin war Gaswerksdirektor in Nordhausen am Harz.

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Der Führer hat dem Professor Dr. med. Hans Meyer in Bremen aus Anlaß der Vollendung sei­nes 65. Lebensjahres in Würdigung feiner Ver­dienste um die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiete der Röntgenologie und Radiologie die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Der kanadische Senat nahm den'Gesetzentwurf an, aufgrund dessen kanadische Soldaten auch außerhalb Amerikas eingesetzt werden dürfen. Die Neufassung dieses Militärdienstpflichtgesetzes bedarf nur noch der Gegenzeichnung durch den britischen General- goitoerneur, um in Kraft zu treten.

Aus aller Welt.

Ein THorb im Walde bei Siegburg.

Der seit Tagen vermißte Fabrikdirektor i. R. Hch. Beese wurde jetzt im Waldrevier Aulgasse bei Siegburg ermordet aufgefunden. Die Leiche wies einen Schnitt am Hals auf. Beese, der ferner Kleider und aller Habseligkeiten beraubt worden war, mar bekleidet mit einem schwarzen, einreihigen Anzug, braunen gestrickten Pulswärmern, schwar­zen Schnürstiefeln, blauer Schirmmütze, weißem Oberhemd mit meinroten Streifen, als er seine Wohnung verlassen hatte. Er führte eine Geldbörse mit 180 RM. Inhalt, eine Njckeltaschenuhr, Messer, zwei Brillen und Spazierstock mit Gummispitze bei sich. Als Täter kommen flüchtige Kriegs- gefangene in Frage.

Line Mutter von 22 Kindern.

In Rom brachte die 46jährige Frau eines Heizers ihr 22. Kind zur Welt. Das Neugeborene erhielt die Namen Italia Germana Vittoria. Die bisher als, kinderreichste Frau Italiens ermittelte Mutter hatte 21 Kinder zur Welt gebracht.

Ein dreijähriges Kind in der Dachrinne.

In Hadersleben (Schleswig) hörte ein $olidei- beamtet nachts ein Kind schreien und entdeckte auf

Michelangelos ,/Iüngstes Gericht".

Von Ernst v. Niebelschütz.

Seitdem Michelangelo im Aufttag des Pap­stes Julius II. die Gewölbedecke der Sixtinischen Kapelle mit den Bildern aus der Schöpfungs­geschichte, den Propheten und Sibyllen, denSkla­ven" und den Dorfahre/l Christi ausgemalt hatte, waren mehr als zwei Jahrzehnte vergangen, ohne oay es zu einer größeren malerischen Arbeit von ähnlichem Gewicht gekommen märe. Plastik und Architektur nahmen alle Gedanken und Kräfte des Meisters in Anspruch, vor allem das Julius, grab, das zur Tragödie feines ohnedies kummer- reichen Lebens rnerden sollte, insofern die Erben des verstorbenen Pontifex auf Erfüllung des Kon­taktes drangen, die regierenden Päpste aber den Dielbegehrten mit immer neuen Aufträgen über­häuften, die ohne vertragswidrige Reduktionen des Denkmalplanes nicht zu leisten waren. In diesem ständigen Gewissenskonflikt trat der 1534 zum Papst gewählte Kardinal Farnese, der sich Paul III. nannte, noch im gleichen Jahre mit dem Ansinnen an ihn heran, die beiden noch unbemalten Schmal- wände der langgeftrerften Sixtinischen Kapelle mit großen apokalyptischen Bildern zu schmücken, dem Sturz der abtrünnigen Engel und einer Darstellung ber letzten Dinge. Nach langem Sträuben nahm der säst Sechzigjährige den Auftrag an, doch ist es nur 3ur Ausmalung der Altarwand mit dem Iün g- ft en Gericht gekommen. Wie bei der Decke, hat sich Michelangelo trotz seines Alters keiner Gehilfen bedient, auch hören wir nichts von einer in solchen fällen selbstverständlichen theologischen Beratung. So wurde das Jüngste Gericht in jeder Hinsicht das Werk seiner persönlichen Erfindung. Nach fast acht­jähriger eigenhändiger Arbeit fiel 1541 das Gerüst; das lange Zeit größte Gemälde der christlichen Welt es mißt 15 mal 40 Meter mar vollendet.

An souveräner Gleichgültigkeit gegen alle tirch- ttche lieb erlief erung hat hier ein selbstherrlicher

Wille ein Werk geschaffen, das allem Gewohnten miderspricht. Der erste Eindruck ist der eines Wir­belsturms, in dem gegen 300 überlebensgroße inensch. liche Gestalten von einer unsichtbaren Macht, der sie widerstandslos ausgeliefert sind/ auf- und nieder- gerissen werden, ursprünglich alle nackt, alle in heftigster, durchgängig nur physisch motivierter Be- roegung, sämtlich wie von einem Blitzstrahl getrof­fen im freudigen oder bangenden Anblick des recht- sprechenden Gottes, der in der Mitte der oberen Hälfte des Bildes, umringt von den Heiligen und Blutzeugen seiner Kirche, das unwiderrufliche Ur­teil verkündet und feinen Engeln befiehlt, die Seligen zu sich emporzuziehen, die Verdammten in die Hölle zu schleudern. Erst allmählich entdeckte man die Ord­nung, die das Ganze durchmaltet, ein Ganzes frei­lich, .das den Betrachter überwiegend formal an­spricht, schon deshalb, weil göttlicher Zorn und menschliche Furcht, die beide in dieser übersinnlichen Vision durchaus vorherrschen, nicht ausreichen, das religiöse Gemüt zu erregen. Nichts von Gnade und Verzeihen auf der einen, von Hoffnung und Ver­trauen auf der anderen Seite. Michelangelos Dar­stellung der letzten Dinge ist das gnadenloseste Straf- gericht, das mir kennen.

Zett und Umstände haben dem gewaltigen Fresko unwiederbringlichen Schaden zugefügt. 'Nicht nur sind durch Staub, den Qualm der Altarkerzen und des Wechrauchs besonders die unteren Partien stark nachgedunkelt und teilweise fast unkenntlich gewor­den, auch willkürliche Eingriffe haben noch in den letzten Lebensjahren Michelangelos den Grundge­danken des Meisters, die durchgängige Nacktheit aller Figuren, um allen Sinn gebracht. Der gegen- reformatorischen Prüderie des finsteren Caraffa- Papstes Paul IV., der daran Anstoß nahm, fällt die Schuld an der mehrfach wiederholten Uebermalung der Blößen zu, die damit begründet wurde, daß es dem Künstler an andächtiger Scheu und Ehrfurcht vor dem großen Geheimnis der Auferstehung des Fleisches gefehlt habe. Nicht eine Figur unter den Dielen, die heute nicht mit einem lächerlichen und . körperliche Plastik heillos zerstörenden Gewand- zipfel bekleidet wäre. Aber wenn man auch zur Re­konstruktion des ursprünglichen Zustandes gute zeit­

genössische Kopien und Stiche heranziehen muß, bleibt doch die Kenntnis des Originals, obwohl es heute nicht viel mehr als eine Ruine ist, ganz un­erläßlich. Nllr vor ihm spürt man den mächtigen Atem des Genius und empfindet etwas von dem Glück, das ihn erfüllt haben muß, als er in abso­luter Freiheit seineDivina commedia von der letzten schrecklichen Stunde der Menschheit verewigen durfte.

Gebacken muß werden...

Von Max Jungnükel.

Es war in meinem Heimatdorf. Ost kam eine alte Bäuerin zu mir: die Mutter Geyweit. Lang­sam, schwer, im geschürzten, weiten Rock, den Tra'a- korb auf dem Rücken. Das bunte Kopftuch mar über der Stirn zu einem kteinen Spitzbogen ge­formt. Darunter das zerrissene, zerfaltete Antlitz mit den hellblauen Augen, Kinderaugen. Ein Ge- sicht, von innen heraus besttahlt.

Dorm Hause Zog sie sich die Lederpantoffeln aus und stand dann plötzlich in Strümpfen an meinem Tisch. Sie nahm den Korb vom Rücken und legte dann stumm und vorsichtig mit ihren faltigen, ver- schrumpften Händen Aepstl auf den Tisch und ein Ei, legte sie auf meine Gedichte, auf die angefan- gene Seite meiner Erzählung.

Immer, wenn ich ihr das Geld hinzählte, ver- neten ihre Augen plötzlich Angst. Ich mußte erst grob rnerden, weil sie das Geld zurückmies. Schließ­lich nahm sie es doch.

setzte sie sich aufs Sofa, erzählte von Men­schenschicksalen, alles so umständlich, von langen Pausen unterbrochen. Sie wärmte sich wohl an ihren Erinnerungen. Dann wieder scherzte sie mit leiser Wehmut, erzählte manchmal mit stöhlichem Spott, bann wieder blieb sie wie ein alter, grauer Falter in ihren Traumgespinsten hängen und mur­melte kopfschüttelnd vor sich hin. Wenn sie zu Ende war, ging sie wieder mit nachdenklicher Schweig­samkeit ihres Weges.

Dann aber war Mutter Geyweit schon vierzehn Tage nicht mehr bei mir. Ich erfuhr: sie sei plötz.

lich mitten in der Nacht zusammengesackt. Der Arzt habe deutlich erkannt, daß die Uhr ihrer Tage ab- geschnurrt sei. Ich ging hin zur Mutter Geyweit. Sie saß im Bett wie erloschen, bleich und grau. Nur ihre Augen lebten noch. Und diese Augen ruhten sorgfältig auf einem Berg Rosinen, der sich vor ihrer Brust ausbreitete. Neben dem Rosinenberg stand eine Schüssel. Mit fahrigen, aber genauen umgern suchte Mutter Geyweit die Rosikien aus. Die Guten kamen in die Schüssel, die Derschrumpf- ten ließ sie liegen. Und das alles tat sie emsig und so hingegeben. Sie hielt noch nicht einmal mit ihrer Arbeit an, als ich schon an ihrem Bette stand. Ich konnte meine Verwunderung nicht unterdrücken: ,.Nanu, Mutter Geyweit, wieder tüchtig bei der Arbeit? Es geht wohl wieder besser?"' Die Alte Ichüttelte den Kopf. In ihrer Stimme krächzte und zitterte eine stumme Gekränktheit mit:Nee, nee. Es geht wirklich nicht mehr. Aber so ist's nun mal bei uns, gebacken muß werden, wenn ich sterbe. So ist das immer gewesen. Und wenn ich sterbe, dann gibt's doch soviel zu tun im ganzen Hcuffe. 2a lefe ich weniastens schon die Rosinen zum Kuchen aus. Es soll doch Rosinenkuchen geben, menn ich sterbe." Bei den letzten Worten zttterte es um ihren Mund. Der Mund wurde em schmaler totrid) 2)ic Augen blickten voll trüber Fröhlichkeit. Nun schloß sie die Augen und sah nichts als chrs inneren Gesichte. Draußen mar Sturm. ?°b,^Haus der Mutter Geyweit knarrte und knirschte. Das alte Haus schien zu leben und sich zu bewegen. Einen Tag später war sie tot. Sie lag 'm Sarge wie ein altes Hind mit einem feinen, imchsichtigen Lächeln um den eingefallenen Mund.

Der Sarg wurde aus dem Hause getragen und auf den Ackerwagen gestellt, der mit Tannen ge- schmückt war. Der Sohn und der Enkel saßen mit Insten ruhigen Gesichtern auf dem Bock und fuh­ren selbst ihre Mutter zum Friedhof. Der Himmel war voller Gestalten, die die Totenfuhre begleiteten. Er ich merkte es dem Felde an, dem Walde und den ^Straßen, daß Mutter Geyweit noch da mar. {£5 kam mir vor, als ob sie in den Geist der Land- schast gesunken sei und von da aus immer noch Ml mir sprach und mich besuchte.