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möchte", ist derselbe wie heute! Nur Jonathan Swift lebt und ruft nicht mehr:Ich klage an!" An seine Stelle aber trat Deutschland, trat Eu­ropa, trat die gesamte anständige Welt der Gegen­wart und ruft:Wir klagen an!"

/ Ernst Wilhelm Balk.

Oer Wehrmachtberichi vom Gamstag.

DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 28. November. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Deutsche und rumänische Truppen wiesen im Westkaukasus Angriffe des Feindes im Gegen­angriff zurück. Auch ostwärts Alagir brachen stärkere Angriffe der Sowjets unter Verlust von 35 Panzerkampfwagen zusammen. Jagdflieger schossen hier sieben Sowjetflugzeuge ab. Motorisierte deutsche Truppen vernichteten bei einem Vorstoß in der Kalmücken st eppe wiederum eine feindliche Lrästegruppe. 600 Gefangene wurden ein­gebracht.

Zwischen Wolga und Don, im großen Donbogen und in Stalingrad scheiterten wiederum schwere Angriffe des Feindes in erbitterten Kämp­fen. Flakartillerie und Schlachtflieger griffen wirk­sam in die Erdkämpfe ein und vernichteten 34 Sow­jetpanzer. Nach bisherigen Meldungen verlor der Feind in der Zeit vom 20. bis 27. November zwi­schen Wolga und Don 319 Panzerkampfwagen. Außerdem wurden 26 Geschütze zerstört und über 2000 Gefangene eingebracht. An der Donfront vereitelten italienische Truppen einen Ueberseh- versuch.

Südwestlich Kalinin und im Raum um Toropez dauern die schweren Abwehrkämpfe an. Eigene Gegenangriffe schlugen den Feind an ver­schiedenen Abschnitten zurück, wobei erneut 95 Pan­zer abgeschossen wurden, davon 56 allein durch eine Panzerdivision. Kampffliegerverbände griffen bei Tag und Nacht, zum Teil bei Schneesturm, Marsch­kolonnen, Truppenbereitstellungen und die Dahn- anlagen von Toropez mit guter Wirkung au. Sturz­kampfflieger erzielten im Hohen Norden Bomben­treffer schweren Kalibers in Bahnhöfen der Mur- man-Strecke.

In N o r d a s r i k a nur örtlich beschränkte Kampf- tätigkelt. Zeltlager und Kolonnen zwischen Bengasi und Agedabia wurden mit Bomben und Bordwaf­fen bekämpft, weitere Luftangriffe richteten sich bei Tag und Nacht gegen Flugstützpunkte und moto­risierte feindliche Kräfte in Tunesien. Deutsche und italienische Jagdflieger schaffen im gesamten Kampf- raum 20 feindliche Flugzeuge ab.

Deutsche Jäger griffen bei einem Tagesvorsloh zur Südküste Englands Eisenbahnziele erfolgreich an.

Oer Wehrmachtbericht vom Sonntag.

DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 29.3100. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Am Terek-Abschnitt scheiterten mehrere feindliche Angriffe. Deutsche und rumänische Trup­pen haben auch gestern alle Angriffe zahlenmäßig überlegener feindlicher Kräfte zwischen Wolga und Von blutig abgewiesen. 35 Panzer wurden vernichtet. Im großen Don-Bogen warf ein eigner Gegenangriff die Sowjets über einen Fluh­abschnitt zurück. Starke Lustsireitkrafte, darunter rumänische Kampfflieger, unterstützten die Truppen des Heeres mit gutem Erfolg. Eine große Anzahl von Fahrzeugen wurde zerstört. Bahnstrecken an der unteren Wolga wurden bei Nacht erfolgreich bom­bardiert. Schnelle italienische Kampfflugzeuge grif­fen am mittleren Don motorisierte feindliche Ko­lonnen und Truppenunterkünfle an.

Im mittleren A b s ch n i t t der Ostfront ver­lor der Feind bei ständigen schweren Kämpfen wie­der 57 Panzerkampfwagen. Bei seinen wiederholten

Angriffen südostwärts des Ilmensees er­litt der Feind hohe Verluste an Menschen und Ma­terial. Deutsche und rumänische Jäger und Flak­artillerie schossen gestern im Süden der Ost-, front 39 Sowjetflugzeuge ab. Im gleichen Ab­schnitt gingen sechs eigene Flugzeuge verloren.

In der Eyrenaika Spähtrupptätigkeit. In Tunesien konnten deutsche und italienische Trup­pen eine zäh verteidigte Höhenstellung nehmen. Luffstreitkräfte griffen feindliche Kolonnen, Nach­schubverbindungen und Flugstützpunkte an. Zahl­reiche Kraftfahrzeuge wurden in Brand geworfen. In Luftkämpfen schossen deutsche Jäger 16 feind­liche Flugzeuge, darunter viermotorige Bomber, ab. Vier eigene Flugzeuge werden vermißt. Vor der französisch - nordafrikanischen Küste beschädigten Kampfflugzeuge zwei große Transporter schwer.

Bei Einflügen schwacher britischer Kräfte in die besetzten Westgebiete und bei nächtllchen Durch­

flügen über Frankreich verlor der Feind fünf Flug­zeuge.

Jagdflugzeuge bekämpften im Süden Englands Eisenbahnen und sonsttge kriegswichtige Ziele.

Der italienische Bericht.

Rom, 29. Nov. (DNB.) Wie der italienische Wehrmachtbericht oom Sonntag meldet, griffen in den algerischen Gewäffern Torpedoflugzeugverbande einen bedeutenden Geleitzug an. Trotz starken FKe- gergeleits wurde ein großer Dampfer getroffen und flog in die Luft, vier weitere Handelsdampfer wur­den derart schwer beschädigt, daß mit Sicherheit mit ihrem Untergang gerechnet werden kann. Vom Einsatz kehrten vier Flugzeuge nicht zuruck. Bri­tische Flugzeuge griffen in der vergangenen Nacht wiederum Turin an. Die Schäden sind besonders in der Stadtmitte sehr groß. Die Zahl der Opfer ist noch nicht festgestellt. Die Bevölkerung verhielt sich ruhig. Im Mittelmeer versenkte Kapitänleutnant d'Angelo ein gegnerisches Unterseeboot.

Fortdauer der harten Abwehrkämpfe an der Ostfront.

Berlin, 29. Nov. (DNB.) Zwischen Wolga und Don setzten die Bolschewisten auch am 28. 11. ihre mit starken Infanteriekräften vorgetragenen Angriffe fort Es kam zu erbitterten Nah- kämpfen. Sämlliche Versuche, die deutsch-rumä­nischen Stellungen aufzurollen, brachen unter blu- tiaen Verlusten für den Feind zusammen. Die Ver­wirrung in den stark gelichteten Reihen ausnutzend, traten unsere Grenadiere unverzüglich zum Gegen­stoß an und warfen die Sowjets zurück. Bei diesen Kämpfen verloren die Bolschewisten 35 Panzer­kampfwagen. Im großen Donbogen traf einer unserer Gegenstöße den Feind so schwer, daß er über einen Flußabschnitt zurückgeworfen wurde. Er flüchtete unter Zurücklassung von 300 Gefange­nen, 18 Geschützen und 20 Maschinengewehren. Alle diese Kampfhandlungen wurden von starken deut­schen und rumänischen Kampffliegerverbänden un­terstützt. Ueber 100 Kraft- und bespannte Fahr­zeuge wurden zerstört

Bei anhaltend schlechtem Wetter hielten unsere Truppen auch im Raum südwestlich Kali­nin und um Toropez weiterhin allen bolsche­wistischen Angrifffen in heldenhafter Abwehr stand. Im Schutz starker Panzerspitzen versuchten sich die Belschewisten immer wieder unseren Stellungen zu nähern. Neben unseren Panzerabwehrwaffen waren es besonders die Panzervernichtungs­trupps, die sich unter geschickter Ausnutzung des Geländes an die feindlichen Panzerkampfwagen her­anmachten und sie im blitzschnellen Zupacken mit Minen und geballten Ladungen erledigten. Dabei wurden allein in diesem Kanwfraum 57 Panzer­kampfwagen vernichtet. Ungeachtet widrigster Wet-

teroerhältnisse zerschlugen Luftwaffenverbände viel­fach schon die feindlichen Angriffsspitzen und brach- ten durch rollende^ Einsätze unseren Grenadieren und Panzern in ihren harten Abwehrkämpfen eine fühlbare Entlastung.

Oie Kämpfe in Nordafrika.

B e r l i,n, 29. Nov. (DNB.) Zu Beginn der Woche vom 28. bis 28.11. konnte die deutsch-italienische Panzerarmee rn der Eyrenaika ihr Albsetzen Dom Feind weiter planmäßig vollziehen. Gegen Stellungen, die sie im Gebiet von Ageda­bia bezog, führte der Feind Aufklärungskräfte heran, die erst gegen das Wochenende zu sich ver­stärkten. Bewegliche Mteilungen fügten ihnen Ver­luste zu. Die Luftwaffe wirkte bis tief ins Hinter­land gegen die Briten, deren Vormarsch äußerst vorsichtig vor sich ging und auch durch die Schwie­rigkeiten des Nachschubs beeinträchtigt wurde.

Auch in Tunesien kam es zu keinen größe­ren Kampfhandlungen. Auf beiden Seiten war der Aufmarsch noch tm Gange, so daß nur vorgeschobene bewegliche Abteilungen an der Nordküste Tunesiens und in den südlich davon liegenden Medjerda-Bergen aufeinanderstießen. Die Verluste, die die Gegner dort erlitten, vermehrten sich durch die Angriffe deutsch-italienischer Luftstreit­kräfte auf Truppen, Bahntransporte und Flug­häfen hn algerisch-tunesischen Küstengebiet und im tunesffchen Hochland. Die Absicht der Feinde, die Operationen in der Eyrenaika und in Tunesien miteinander zu verbinden, blieb somit weiterhin ein Wunschtraum.

Oie -ritte Seeschlacht -ei den Salomonen

Tokio, 29. Nov. (DNB.) Die japanische Preffe veröffentlichte am Sonntag weitere Einzelheiten zu den Kämpfen bei den Salomonen vom 12. bis 14. November. Danach fand der Kampf zwischen japanischerl und USA.-Schlachtschiffen in der Nacht zum 14. November östlich der Insel Sabo statt.Der Himmel war von schweren Wolken ver­hängt, die Sicht schlecht", so schreibt ein Berichter­statter.Plötzlich werden zwei feindliche Schlachtschiffe in kurzer Entfernung gemeldet. Unsere Kriegsschiffe eröffnen sofort das Feuer, und nach sechs Minuten ist die Kommandobrücke eines feindlichen Schlachtschiffes zerstört Einige Torpe­dos beenden das Werk. Das Schlachtschiff legt sich auf die Steuerbordseite, und sein Deck wird von den Wellen überspült. In diesem Augenblick erschei­nen zwei weitere USA. - Schlachtschiffe auf dem Kampfplatz. Eines von ihnen wird durch Torpedos getroffen und schert aus der Linie aus, aber auch eines unserer Schlachtschiffe ist getroffen unb muß zurückbleiben. Die übrigen Einheiten un­serer Flotte gehen jetzt zum erneuten Angriff über und verfolgen den nach Süden fliehenden Feind. Westlich von Guadalcanar wird das dritte USA. - Schlachtschiff von einem Torpedo Betroffen, aser es entkommt unserer Verfolgung.

etzt beginnt die Suche nach dem zweit en

getroffen, aber es entkommt unserer Verfolgung, südöstlich der Insel Sabo. Es kann nur langsam vorankommen. Es ist in ein Flammenmeer gehüllt, aus dem sich Kommandobrücke und Schornsteine von Zeit zu Zeit als Silhouette abzeichnen. Eine riesige Explosion fteendet das grausige Schauspiel."

Zwischen dem 7. August bis 14. November hat die japanische Kriegsflotte vor den Salomonen 119 feindliche Kriegsschiffe bzw. Transporter versenkt vder beschädigt und mehr als 870 feindliche Flug­zeuge abgeschossen oder am Boden zerstört. Im ein­zelnen wurden 3 amerikanische Schlachtschiffe versenkt, 3 weitere beschädigt, 4 Flugzeugträ­ger versenkt, 4 beschädigt. 30 Kreuzer versenkt, 5 beschädigt, 19 Zerstörer versenkt, 10 beschä­digt, 9 U-Boote versenkt, eines beschädigt, 1 Minen­räumboot versenkt, eines beschädigt, 17 Transpor­ter versenkt, 6 beschädigt. Japanische Marinekreise erklären, daß es in 100 Tagen der japanischen Ma­rine gelungen sei, in der ersten bis zur dritten See­schlacht bei den Salomonen die USA.Flotte in die­sem Gebiet zu vernichten. Die USA.-Flotte habe ihre Kreuzer und Zerstörer bei der ersten Schlacht bei den Salomoneu eingebüßt, ihre Flugzeugttäger bei der zweiten und ihre Schlachtschiffe bei der brü­ten. Den USA. sei es nicht länger möglich, eine wohlausgeglichene Flotte, die sich aus Schlachtschif­

fen, Flugzeugträgern, Kreuzern, Zerstörern und U-Booten zusammensetz, aufzustellen, ba die Schlachtschiffe bei dem Nachttampf am 14. Novem­ber fast ohne jede Eskorte von Hrlfsschiffev erschienen.

Britischer Ltebersatt auf Neunion.

Die Franzosen leisten Widerstand.

Vichy, 28. Nov. (Europapreß.) Samstag morgen 4.30 Uhr landeten britische Streitkräfte auf RL- union. Das Staatssekretariat für Kolonien gab be­kannt, daß die Angreifer, zu denen auch füöafrita- nische Truppen gehörten, sich der Stadt Saint Denis, die keine Verteidigungseinrichtungen be­sitzt, bemächtigten. Der Gaullistenführer Hauptmann Richard stellte dem Generalgouyerneur Aubert das Ulttmatum, bis Sonntag um 15 Uhr die Insel ohne weiteren Widerstand auszuliefern. General­gouverneur Aubert antwortete, daß er von keinem Hochverräter Befehle annehme. Die Insel Reunion wolle weiter nichts, als ftiedlich leben und betrachte den Angriff als' durchaus ungerechtferttgt. Er als Generalgouoerneur werde in loyaler Zusammen- arbeit mit dem Mutterland allein die Befehle P6- tains ausführen. Er sei daher entschlossen, den Widerstand bis zum Letzten fortzusetzen.

Die seit 1643 in französischem Besitz befindliche Insel Reunion ist die westlichste der im Indischen Ozean westlich von Madagaskar gelegenen Maska- renen. Sie hat ein Gebiet von 2500 qkm mit runb 200 000 Einwohnern, zum größten Teil Franzosen und Mischlinge. Die Insel ist stark vulkanisch. Der höchste Berg ist derPiton des Neiges", 3069 tn hoch. Das tropische, feuchte Klima ermöglicht den Anbau von Zuckerrohr, Reis, Vanille, Kaffee und Gewürzpflanzen. Die Hauptstadt von Röunion ist Saint Denis, ihr Haupthafen Pointe des Galets. Räunion war auch während der napoleonischen Kriege schon einmal fünf Jahre lang von den Eng­ländern besetzt worden.

Aus aller Wett.

Großfeuer in einem Bostoner Nachtklub.

In Boston (Massachusetts) brach in dem Nachtklub Cocoanut Grove" ein Brand aus, dem 463 Men­schenleben zum Opfer fielen. Mehr als 200 Per­sonen werden noch vermißt. Nur wenige der ge­borgenen Toten konnten identtfiziert werden. Da das Lokal durch zwei Stockwerke hindurch getäfelt und mit Holzschnitzereien verziert war, griff das Feuer mit rasender Schnelligkeit um sich. Als eine Frau mit brennenden Haaren im MendNeid in das Kabarett stürzte, wo etwa 700 Personen den Vor­führungen beiwohnten, brach eine Panik aus. Die Eingänge waren in wenigen Minuten von einer verzweifelten, kämpfenden und drängenden Men­schenmenge verstopft, so daß sich nur wenige Per­sonen retten konnten. Die Polizei gab bekannt, ein Filmstatist habe gestanden, ein brennendes Streich­holz auf die im Lokal besindlichell imitierten Pal­men geworfen zu haben, die man allgemein irr­tümlicherweise für feuerfest gehalten hatte.

Kunst und Wissenschaft.

Hochschulnachrichten.

Im Alter von 62 Jahren starb in Bonn der o. Pro, fessor der Mathematik Dr. Hans Beck. In Altzar- renborf (Pommern) geboren, ftubierte er in Greifs­wald und Bonn und promovierte 1905 in Bonn. 1917 wurde er dort Professor. Sein SpezialarbeitsgebieL war höhere Geometrie. Im Alter von 77 Jahren starb der emer. Professor für römisches Recht an der Universität Innsbruck Dr. Paul Kretschmar. In Leipzig geboren, habilitierte er sich 1898 in seiner Vaterstadt und kam 1909 über Gießen als Ordi­narius nach Innsbruck, wo er bis zu feiner Emeri­tierung 1933 wirkte. Der o. Professor für Zoologie an der Universität München Geh. Regierungsrat Dr. Reinhold 2) em o II vollendet am 3. Dezember fein 60. Lebensjahr. 1882 in Kenzingen in Baden ge­boren, studierte er in Freiburg Zoologie. 1908 habi­litierte er sich in G i eßen, 1914 wurde er als Nach­folger des nach München berufenen Professors Dr. Escherich als Zoologe an die T. H. Karlsruhe be­rufen. 1917 folgte er einem Ruf an die Universität München als Vorstand des Zoologischen Instituts der Tierärztlichen Fakultät, der Bayerischen Biologi­schen Versuchsanstalt und der Teichwirtschaftlichen Versuchsanstalt ,Hofer-Institut" in Wielenbach. Ec hat das Institut für Seenforschung und Seenbewirt-

Erster Freund der Kinderträume.

Von Alfred Hem.

MeinStruwwelpeter" ist im vorigen Jahr in den Besitz meiner jüngsten Nichte Überlegungen. Er lebt also nur noch in meiner Kindheitserinne- rung. Und mit Absicht habe ich mir das Bilderbuch nicht wieder besorgt, um zu prüfen, was und wieviel von ihm in meiner Seele wirklich geblieben ist. Und da muh ich eines gleich feststellen: Kein Buch der Welt steht mir so bildklar Blatt für Blatt vor Augen wie dieses, das ich am Weihnachtsabend nach meinem vierten Geburtstag im Jahre 1898 geschenkt erhielt.

Uns allen ist die Kindheit in der Rückerinnerung glückselige Märchenzeit, auch wenn sie im ödesten Stubenwinkel einer Hinterhauswohnung, auf Höfen mit Schutthaufen und in müden Grohstadtparken oerträumt wurde.

In solche Friedseligkeit tritt als erster ttutzigwilder Gast dieser Erde der Struwwelpeter. Mit struppigem Haar, ungewaschen und mit ungeschnittenen Nägeln. Sieh einmal, da steht er, pfui, der Struwwelpeter!" Nein, wenn man noch so ein toller Lausbub ge­wesen ist so verwildert sah man doch nicht aus. Und das gab schon Selbstgefühl. Nach bei ersten Begegnung mit dem Struwwelpeter aber wird man noch sauberer ja, man würde nicht mehr schreien beim Kämmen, Waschen und Nägelschneiden. Dann o die andern lebensemsten Geschichten: Die vom bitterbösen Friederich, .derseine Gretchen gar" peitscht und den der zu Unrecht geschlagene Hund schließlich ins Bein beißt. Der Herr Doktor kommt und bringtbittere Arzenei" (brrr!), während das brave Hündchen die Leckerbissen verschmausen darf.

Und Minz und Maunz, die Katzen, erheben ihre Tatzen, sie drohen mit den Pfoten, der Vater hat's verboten!

Miau! Mio! Miau! Mio!

Laß sein, sonst brennst du lichterloh!"

Aber Paulinchen in ihrem putzigen Krinolinen- kleidchen greift doch nach den Stteichhölzern und verbrennt.DerZappelphilipp" ist da noch eine gelindere Angelegenheit ja, sogar etwas laus-

bubenhaft lustig, wenn er mit dem Stuhl, auf dem er beim Esten stets wippt, umtippt und unter dem Tischtuch, Eßgeschirr, Braten und Wein begraben liegt, ohne gleich daran zu sterben, wie der etwas sehr hart gestrafte Suppenkaspar, der, weil er seine Suppe nicht ißt, bereits am fünften Tage fabenbünn aeroorben,nur ein halbes Lot wiegt" und am sechsten Tage im Grabe liegt, das als Grabstein eine Suppenschüssel mit Kasuars Namen ziert. Nein, nein, das glaubt man nicht ganz ... Aber beim Daumenlutschen

Bautz! Da geht die Türe auf, und herein im schnellen Lauf eilt der Schneider mit der Scher'! Und die Daumen schneidet er ab, als ob Papier es mär *

Man beachte die Wortkunst der letzten Zeile die schneidet ordentlich: Ab ob Pap! Schnipp! Schnapp! Ich weiß, daß ich oft meine Kinderhände betrachtet habe, wie sie ohne Daumen aussähen.

Seit der Frankfurter Arzt Dr. Heinrich Hoff­mann vor nun bald hundert Jahren den Struw- welpeter unter den Weihnachtsbaum seiner Kinder legte, ist fein zweites Bilderbuch erschienen, das eine ähnliche Reise um die Welt und durch Millionen von Kinderherzen gemacht hätte.

Kamerad Egmont.

Von Hans Chrobot.

In diesen Wochen wurde ich an Egmont erinnert. Ich sah ihn ganz deutlich vor mir, seine schmächtige Gestalt, sein junges, zartes Gesicht mit den guten Augen. Im Arbeitsdienst waren wir Kameraden gewesen. Ich hatte ihn näher kennengelernt, als er es einmal nicyt fertigbrachte, mit einem mächtigen Holzhammer einen Pfahl in die Erde zu rammen. .Zuerst krempelst dir die Aermel auf, Egmont, und bann den Hammer mit beiben Härchen angepackt. Verstehst du? Paß auf: soooo!"

Seitdem waren wir oft zusammen. Egmont war eigentlich ein Träumer, ein Einzelgänger, der gern seine eigenen Wege schritt, aber nie verstieß er gegen die Gebote der Kameradschaft.

Eines Abends, es war damals in Polen, eröffnete mir Egmont, daß er heute das erstemal Post von

seinem Mädchen bekommen habe. Vorsichtig zog er aus seiner Tasche einen Brief und gab ihn mir zu lesen.Nun, was meinst du dazu?^ fragte er, als ich geendigt hatte.Es scheint ein sehr liebes, nettes Mädchen zu fein, Egmont, das dir den Brief geschrieben hat. Da kann ich nur gratulieren."

Beim Munischleppen habe ich Egmont oft beob­achtet. Es kostete, ihn unmenschliche Ueberwindung. Er biß die Zähne auseinander, um durchzuhalten, da er einfach nicht so stark war, daß er die mächtigen Kartuschkisten und die Munitionskästen tragen konnte. Wenn er bann vom Unterfeldmeister ab- fielöst und zur Fahrradwache abkommandiert wurde, o fühlten wir, daß er sich uns gegenüber irgendwie schuldig vorkam. Nun müßt ihr meine Arbeit mit- machen, dachte er dann wohl.

Eines Abends fuhren wir todmüde in die Unter­kunft zurück. Inzwischen war Feldpost angekommen. Nach dem Verteilen stürzte Egmont auf mich zu. Du, sieh mal her!" Und wieder hielt ich einen kleinen Brief in der Hand, ich las die freundlichen Gedanken seines Mädchens. Und zum Schluß: Abends, wenn die Sonne untergeht, wenn alles ganz leis und still ist und die Welt ein schöner Atem zu durchwehen scheint, dann denke ich an Dich. Hier habe ich Dir ein Gedichtchen ausgeschrieben, lieber Egmont. Ich glaube, es wird Dir gut gefallen:

Der Mond ist aufgegangen, Die goldenes Sternlein prangen Am Himmel hell und klar.

Der Wald steht schwarz und schweiget Und aus den Wiesen steiget

Der weiße Nebel wunderbar."

Als ich zu Ende gelesen hatte, fragte Egmont so­gleich: ,Lst sie nicht herrlich? Sie schreibt sogar Ge­dichte."Wie meinst du das, Egmont?"Aber du hast doch selber gelesen." Und in seinen Augen glänzte die Freude dieser Ueberraschuna.Ach, richtia", sagte ich schnell,ja, ja, das Gedicht gefällt mir sehr gut. Du kannst stolz auf dein Mädchen fein."

So war er. Wir alle hatten ihn gern. Er war immer still und zurückhaltend, seine dienstlichen Ob­liegenheiten erledigte er mit ruhiger Selbstverständ­lichkeit. Die wahre Leistung wächst ja im Schatten des Verzichts. Egmont gehörte zu jenen, die be­dächtig und schweigsam ihrer Pflicht genügen, die

ihre Worte sorgsam abwägen, ehe sie sprechen, dis zielbewußt und immerfort an sich arbeiten.

Nach unserer Entlassung würde Egmont Flieger« Vor vier Wochen schrieb er, daß er bereits fünf Feindflüge hinter sich habe.

In diesen Vormarschwochen nun, es war tur# hinterm Don, sah ich in dicken Stauhnebeln ein Gesicht, bas mich an Egmont erinnerte. Ich sah es im Brachtest einer Sekunde, unser Wagen sausto weiter, aber das Erlebnis dieses' Gesichtes blieb« Ganz klar sah ich Egmont vor mir, wie er sich bei der Arbeit verhielt, wie er die Briefe seines Mäd­chens in Händen hielt, andächtig, feierlich, und bann entsann ich mich bes Gedichtes, bas ihn damals fa begeistert hatte. Inzwischen dürfte Egmont ja aus­gewachsen sein, seelisch wie menschlich, die Stunden vorm Feind werben ihn gefestigt haben. Vielleicht hat er inzwischen die kleine Täuschung von damals bemerkt, vielleicht auch nicht, und er hält dis be­rühmten Verse des Abendgedichtes von Matthias Claudius immer noch für die Arbeit seines Mäd­chens, der Egmont.

Zeitschriften.

Der 80. Geburtstag Gerhart Hauptmanns wurde derneuen linie" (Verlag Otto Beyer, Leipzig, Berlin) zum Anlaß, in ihrem schönen No- vemberhest einen Einblick in die Fülle der Gestal­ten zu geben, die Hauptmann im Laufe eines Lebens schuf. Narren und Weise, Könige und Bett­ler, Lasterhafte und Tugendhafte, Menschen jedes Charakters, jedes Schicksals und jeder sozialen: Stellung, sowie die Gestalten der Märchen und Sagen sind hier in großer Zahl angetreten unb sind doch nur ein kleiner Teil von Hauptmanns bunter, reicher Welt. Eine Reihe weiterer The­men in diesem Theaterheft sagt etwas über den heutigen Stil im Theater aus, sei es über bi« Wiedergeburt der jungen Oper, die Hand tn Hand geht mit einem neuen Aufführungsstil, ober fei es über die erstaunliche Vielfalt schöpferischer Bühnen­bilder, deren Atmosphäre durch die Farbphotographie besonders deutlich wird. Der Berliner Theater­bericht bringt mit seinenMärchen, Mythen und Tragödien" Rezensionen von den ersten Theater auffuhrungen dieser Spielzeit.

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