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„Vriiische Blockade gegenstandslos geworden."
Die Rohstoffbasis Der Oreierpattmächte gewaltig verstärkt.
,Oie totgeschwiegene Vernichtungsschlacht
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Sich stauende Erdölvorräte.
Größte Transportschwierigkeiten durch die Tankerverluste.
Digo, 29. Mai. (DNB.) Die USA.-Wochen- Ichrist „Time" weist darauf hin/ daß in den Vereinigten Staaten innerhalb eines Monats von den Tankwagen die Rekordmenge von rund 320 000 Zoö..^rdöl transportiert werden mußte, da die Ausfälle der Tankerschiffahrt immer größer geworden seien. Trotzdem beträgt diese Höchstleistung nur 20 v.H. des Bedarfs der Industriestaaten an der amerikanischen Ostküste. Diese Höchstleistung wird in ukunft schon deshalb nicht mehr erreicht werden tonnen, da mehrere tausend Tankwagen für ten Transport nach der Pazifikküste neu einge« etzt werden mußten, weil auch dort die Oelknapp- heit bedeutsame Formen angenommen hat. Sogar dre vernachlässigten nordamerikanischen Kanäle und Wasserstraßen sucht man jetzt für den Oeltrans- port nutzbar zu machen. Lastkähne bringen das Del bis zu bestimmten Umschlagplätzen möglichst nahe ^udusttieanlagen, um den Transport auf der Eisenbahn.zu verkürzen. Aber es fehlt hier an genügend Frachtkähnen und Schleppern. In Texas wachsen inzwischen die Lagervorräte, die nicht ab- ^n^portiert werden können, täglich um rund 30 000 Faß.
„Gchiffsneubauten bei weitem überflügelt".
Gen f, 30. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Das füh- rende Landoner Wirtfchastsblatt „Financial News" fchrecht am 26. Mai: „Die äußerst ferneren Hanüels. schlfssoerluste in den amerikanischen Kü- st enge wassern sind bereits seit geraumer Zeit oer Anlaß dapur, daß man in England befürchtet, daß eines Tages die Leb ensUnie der 23er« bundeten von den feindlichen U-Booten durch. I d) n 111 e n sein wird. Die in der Zwischenzeit von der USA.-Manne-L-itung ecj?riffen-n Segcnmaß. nahmen stabsn sich als unroirffam herausqestellt: 6,e Zahl der Ech:ffsvei1enkungen steia-rt sich nach von Tag zu Tag. Wie gewaltig auch die Bauan- strengungen in den amerikanischen Werften sind io wird doch allmählich klar, daß man mit Schiffsneubauten allein dieser bedrohlichen Lage nicht Herr werden kann, da während der letzten Monate die ^chisssversenkungen bei weitem die Neubauten über- 1 u?*I£n-JPl?n fragt sich nun voll Angst, wohin dies« Entwicklung, wenn ihr nicht Einhalt geboten wird, noch führen werde."
Ostmedaille vom Führer gestistet.
Der Führer hak eine Medaille „Winker- chlacht im Osten 1941 /42" (Osimedaille) ae. stiftet. Sie wird verliehen als Anerkennung für Ve- Währung im Kampf gegen den bolschewistischen Feind und den russischen Winter innerhalb des Zeit, raumes vom 15. November 1941 bis 15. April 1942. Der Führer hat den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht beauftragt, Durchführungsbestimmungen zu erlassen. /-------—— ------——
Gent, 29. Mai. (DNB.) Nicht mehr länger ist die Achsenfamilie eine arme Familie, stellt Noel Barber in der „Daily Mail" fest. Die großen Ge- dietsgewinne Deutschlands und Japans seit dessen Kriegseintritt hätten die Achsenmächte in ihrer Rohstoffversorgung in einer Weise gestärkt, daß sie heute m vielerlei Hinsicht besser dastünden als die Verbündeten. Ihre Rohstoffbilanz sei zu einem mächtigen Faktor geworden, den man nicht mehr länger unbeachtet lassen könne. Die Achsenländer hätten alle für die Kriegführung notwendi- aen Rohstoffe jetzt selbst, und damit sei dre britische Blockade gegen st andslos geworden, ja, noch viel schlimmer, während die Achsenmächte die Rohstoffe aus ihren eigenen oder den besetzten Ländern anOrtundStellever- arbeiten könnten, müsse England alles, was es brauche, auf langen und gefährlichen Seewegen heranholen. Im einzelnen wird dann nachgewiesen, was wir alles haben und die Engländer nicht, so Aluminium, ohne das kein Flugzeug gebaut werden kann, DuecffUber, ohne das feinere Kriegsinstrumente nicht hergestellt werden können, usw. Und auch Del hätten wir genug. Dazu hätten die Japaner im Dften die reichsten Rohstoffgebiete gewonnen, so beispielsweise 90 v. H. der Weltgummiproduktion.
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Mit diesen Feststellungen wird der Zusammenbruch der Erwartungen, unter denen England uns den Krieg erklärte, glatt zugegeben. Im Weltkrieg gewann England sein Spiel, weil es uns die Rohstoffe nicht nur aus Ueberfee, sondern auch aus den meisten europäischen Ländern abschneiden tonnte. England versuchte auch diesmal mit den gleichen Methoden zum Ziel zu kommen. Das bewiesen feine Aufwärmung der Hungerblockadepolitik am Tage der Kriegserkläruna und seine Versuche, auch durch das völkerrechtswidrige System der „Schwarzen Listen gegenüber neutralen Kaufleuten uns die Rohstoffzufuhren abzuschneiden. Wohlgefällig pflegte in den ersten Kriegsjahren der inzwischen abgesetzte
fuhrt von Hangtschau, der Hauptstadt Tschekiangs, m südwestlicher Richtung über Nantischang nach dem schon genannten Tschangtscha. Die japanischen Streitkräfte haben bereits die als Ausgangspunkt wichti- ger Straßen zwischen Oft- und West-Tschekiang stra. teglsch bedeutsame Stadt Kinhwa etwa 100" Kilo- Meter südlich von Hangtschvu und nach erbitterten Kämpfen auch Lanchi am Chientangkiang erobert. Nach den letzten Meldungen aus Tokio ist damit der Hauptmasse der hier sich verzweifelt zur Wehr fet- zenden Tschungking-Truppen der Rückzug abgeschnitten Wie Tschiangkaischek mit der Tschekiang-Eisen- bahn eine der letzten noch in seinem Machtbereich verkehrenden Bahnstrecken verliert, so wird auch durch das Dorrücken der Japaner der bisher immer noch durchsickernde Nachschub von Kriegsmaterial und Landesprodukten aus der sehr fruchtbaren und wirtschaftlich entwickelten Provinz Tschekiang, die übrigens die Heimat des Marschalls ist, abgeschnitten werden.
Strategisch bedeutsamer sind im Gesamtrahmen pes Krieges gegen Tschungking gesehen die Operationen, die die japanischen Truppen nach der Niederlage der Tschungking-Armeen in Nordburma über die burmanisch-chinesische Grenze nach der westchinesischen Provinz Yünnan hineintragen. Das Bündnis mit den anglo-amerikanischen Plutokraten ist Tschiangkaischek zum Verhängnis geworden. Statt ihm die Bewegungsfreiheit zu verschaffen, die er sich von einem anglo-amerikanischen Druck auf Japan erhofft hatte, waren die Bundesgenossen durch die Siege der japanischen Waffen in der Südsee bald selber m eine derart prekäre Sage geraten, daß sie Tschungkings Hilfe für die Verteidigung Indiens erbitten mußten. Tschiangkaischek ließ sich verleiten, ferne besten Armeen den Verbündeten in Nordburma zur Verfügung zu stellen. Aber sie konnten das Kriegsglück nicht wenden. Der japanischen Stra- regie gelang es, am Jrawadi Briten und Tschung- klng-Truppen zu trennen und beide vernichtend aufs Haupt zu schlagen. Ein in japanische Gefangenschaft geratener britischer Kommodore, der Derbindungs- offizier zwischen der britischen Armee und den Tschungking-Truppen in Nordburma gewesen war, beklagt sich bitter über den Mangel an Zusammen- arbeit zwischen beiden. Er sagte, die Tschungking- Armee habe anfänglich einen zuverlässigen Eindruck gemacht, obwohl die chinesischen Soldaten an Qua- ntät sehr zu wünschen übrig ließen und nur die Halste mit Gewehren ausgerüstet gewesen wären Aber mit dem Vorrücken der Japaner habe die Disziplinlosigkeit unter den chinesischen Iruppep tag-
Flugfeldern mit Hilfe der USA., zerstört wor- )en. Dies sei, nach der Abschneidung der Burma- traße «in besonders schwerer Schlag. Den Ereignissen in Tschekiang fei aus den vorliegenden Gründen große Bedeutung beizumessen.
Timoschenko hatte, bevor er diese Riefenschlacht, "die größte der Weltgeschichte", wie amerikanische Zeitungen zunächst triumphierend berichteten, verlor, seine Armeen mit einem gewaltigen Hochofen verglichen, in dem so viele Feinde wie möglich ein- geschmolzen werden müßten, damit für die gesamte Kriegslage ein Erfolg herauskäme. Heute steht fest, daß jedenfalls Timoschenko selbst mit seinen Armeen eingeschmolzen worden ist. „Der Feind befindet sich in regelrechter Flucht" meldete am 16. Mai die bolschewistische Lügen-Zentrale in Kuybischew, aber seit der deutschen Offensive wurden die Lügen immer kleiner, und zuletzt schwieg man sich über den Fortgang der Schlacht bei Charkow ganz aus. Aber es ist doch eine unglaubliche Frechheit, wenn man in Kuybischew jetzt einfach so tut, als seien die drei vernichteten Armeen Timoschenkos überhaupt nicht vorhanden gewesen,
Als auf der Halbinsel Kertsch die verbündeten Deutschen und Rumänen bereits längst den Durchbruch erzwungen hatten, fabelte der Bolschewismus noch von angeblichen Erfolgen, und als die Einkesselungsschlacht beendet war und wir die ganze Halbinsel in unseren Besitz gebracht hatten, logen die Moskauer Machthaber in die Welt hinaus, die Stadt Kertsch sei von den Bolschewisten „evakuiert" worden, in aller Ruhe seien Truppen und Material über die Meerenge in Sicherheit gebracht worden. Das deutsche OKW. hat daraufhin ausländische Kor. respondenten das Schlachtfeld besuchen lassen. Ihre Berichte geben das Bild ves furchtbaren Zusammenbruchs der Bolschewisten in voller Echtheit wieder. Ein schwedischer Augenzeuge hielt die Niederlage für weit „schlimmer als Dünkirchen". Man kann sich nach diesem Beispiel ausmalen, was jetzt in Charkow geschehen ist. Die Wahrheit kommt auch darüber an den Tag.
l'ch jugenommen und Gewalttätigkeiten seien an her Tagesordnung gewesen.
Man mag in dieser Krittk den üblichen Eselstritt sehen, den die Briten noch immer für ihre 23er- bundeten übrig gehabt haben, die in ihre Nieder- age hineingezogen wurden. Aber das britische Ur- teil bestätigt die Auffassung, daß die chinesischen Truppen beträchtlich an Kampfwert verlieren, sobald sie sich nicht die Weiträumigkeit des Geländes chrer Heimat zunutze machen können und nicht die Möglichkeit haben, unter die Bevölkerung des eige- "b.n Landes gemischt und von ihr kräftig unter- stutzt, irregulären Bandenkrieg zu führen. So wurden die Schlachtfelder am Jrawadi und am Salwin das Grad der Hoffnungen Tschiangkaischeks und die Burckastraße, mit deren Dau der Marschall einst auf die denkbar sicherste Weise den Anschluß an den Weltverkehr herzustellen gedacht hatte, ist nun zur Vorrnarschstraße der Japaner geworden, deren motorisierte Panzertruppen auf ihr gen Osten roUen. Wenn auch der Hochgebirgscharakter der Nrenzprovinz Yunnan dem japanischen Vormarsch ungeheure Schwierigkeiten bietet, so haben die Feldzüge in den Dschungeln Malayas und in der Ge- birgswelt Oberburmas bereits gezeigt, daß der japanische Soldat der Mann dazu ist, jedes Gelände zu meistern. Tschungking sieht sich also von den Japanern in die Zange genommen und es erscheint mehr als fraglich, ob Tschiangkaischek nach den schweren Verlusten an Menschen und Material auf Den Schlachtfeldern Nordburmas und nun ganz auf sich allein gestellt, einen Zweifrontenkrieg gegen einen Gegner Durchzustehen vermag, der entschlossen ist, diefen Konflikt mit allen Mitteln zu Ende zu fuhren. Dr. Fr. W.Lange.
Der Tschekiang-Feldzug.
. Nanking 29. Mai. (DNB.) Der Sprecher der japanischen Armee teilte mit, der japanische Vormarsch in Tschekiang binde 22Tschungking- Di Visionen, von denen der größte Teil durch die Kampfhandlungen der letzten Wochen bereits ? e l ‘ t e 1 Drei Befeftigungszonen seien durchbrochen worden, bevor das Hauptquartier der dritten Tschungking-Kriegszone in Kinhwa ge- nommen worden sei. Die jetzige Offensive beseitige die letzte Moglichkett einer Bedrohung des Yangtse- taies von Süden und die Ausnutzung der Tsche- hangfufte zur Unterstützung Tschungkings durch Waffen- und Warenschmuggel. Ebenfo sei die letzte Hoffnung Tschungkings» VieUntsrhaltungvon
Blockademinister D a l t o n, ein Labourparteiler, der im Zivilberuf Professor für Statistik an der Univer- fität London ist, von Zeit zu Zeit im Unterhaus zu erzählen, daß nach seinen Statistiken die Deutschen und Italiener nur noch für so und so viel Monate Oel, Erze, Brotgetreide, Fleisch hätten. England brauche nur abzuwarten, bis sich die Achsenmächte auf'Gnade oder Ungnade ergeben müßten.
Wir aber hatten einmal allzusehr die englische Krankheit verspürt, um nicht alles daran zu setzen, ihre Wiederkehr zu verhindern. Wir organisierten unter Adolf Hitler Industrie und Landwirtschaft, wir schufen Vorräte und nahmen in Friedenszeiten winzige Entbehrungen auf uns, um im Ernstfälle nicht aus den gleichen Gründen wie 1918 betteln ’3u müssen. Eiüe geniale Strategie warf die Eng- lander aus Europa hinaus und nahmen ihnen jede Möglichkeit, einzelne europäische Länder gegen die Achsenmächte auszuspielen. Die englische Wirt- chaftszeitschrift „Economist" gibt jetzt zu, daß unsere U-Boote eine Lebensgefahr für die USA. seien und daß die im Stalinparadies jetzt vorherrschende Eisen- und Stahlknappheit durch den Verlust der Ukraine sich jetzt auszuwirken beginne. Die „Daily Mail" aber sagt, daß die Hoffnungen von September 1939 gänzlich gescheitert seien und führt das aus das geopolitische Werden eines Neu-Europas und eines neuen Groß-Asiens zurück. Wenn das Blatt schließlich die Hoffnung ausspricht, daß die Briten nun eifrig in ihren Ueberfeegebieten Ersatz für verlorene Rohstoffgebiete ausfinden, möchten, so weiß es, daß es dafür auf Jahrzehnte hinaus keinen Ersatz gibt. Und so kommt der Aussatz zu dem Schluß: „Man wird noch lernen müssen, daß die Achsenmächte mehr haben, als sie eigentlich brauchen." Also eine vollständige Umkehrung Der Singe, wie sie bei Kriegsausbruch lagern „Die Agllsche Blockade ist zerbrochen", schreibt die „Daily Mail . Damit aber ist die Grundlage versunken, aus der England die Mächte des Dreierpaktes zu zwingen hoffte und ohne die es sicherlich niemals einen Krieg gegen uns begonnen haben würde.
Fontane als politischer Geher.
Die „Konische Zeitung" erinnert an den mehrfachen Aufenthalt Fontanes in England, an die Freundschaft des großen märkischen Erzählers mit Dem englischen Arzt James Morris, mit dem er bis in feine letzten Lebensjahre in regem Briefwechsel verbunden blieb. Mit dem Hell- und Tiefenblick, Der geistigen Menschen im Alter manchmal eigen ist, hat Fontane, besorgt über Die vielfältigen bedrohlichen Spannungen auf Der Weltbühne, wenn auch mit höflicher Vorsicht Dem englischen Freunds gegenüber Gedanken entwickelt, die den Ablauf Der Geschichte gewissermaßen ahnend ooraussehen. So schreibt er 1896: „Die Schicksale nehmen ihren Lauf, unD etwa am Sekulartage von Trafalgar (Der Seesieg von Trafalgar war am 21. Oktober 1805) ober nicht sehr viel später werden wir einen großen Krach haben. England wird dann noch einmal glänzend siegen, aber es wird sein Höhepunkt sein." Im August 1897 heißt es Dann: „Beinah noch bedrohlicher ist die nebenher laufende Frage: Wie lange werden die anderen Die Vexationen Englands oder richtiger Die immer bedrücklicher und immer kränkender werdenden Weltherrschaftsaspirationen Eng-, lands noch aushalten wollen? ... Ein furchtbares Gewitter zieht sich zusammen ... Weltherrschaften sind immer gefährdet, auch wenn sie sich (was selten zutrifft) eines philantropischen Charakters rühmen Dürfen. Die größte Gefahr scheint Rußland: ich glaube, die größte Gefahr ist Amerika." Wer hat damals schon solche Gedanken gedacht? Gedanken, die Jahrzehnte später bittere Wahrheit geworden sind. Ein andermal schreibt Fontane, am bedrohtesten sei England, weil es seine Flügel über die Erde hin am weitesten ausgebreitet habe, es glaubt zwar noch, daß die englische Flotte imstande sei, England vor einer Invasion zu bewahren und daß sie andere Flotten vernichten könne — „das scheint viel, aber in Wahrheit ist es gar nichts!" In einem Der letzten Briefe an Dr. Morris, im März 1898 faßt er noch einmal fein Urteil über England und Die Englische Politik dahin zusammen: „Die Wurzel alles Uebels und aller Anklage liegt einfach Darin, Daß man in England das Faktum einer ungeheuem politischen Veränderung, Die sich auf dem Kontinent vollzogen hat, entweder nicht sieht oder nicht sehen will." England wolle noch immer, wie es gewesen sei, Preußen und Oesterreich als Trabantenstaaten ansehen, sei es Rußlands, sei es Großbritanniens, den alten Zustand vor 1870, aber mit diesem Zustand sei gründlich aufgeräumt, „und statt fünfzig Millionen Deutscher, die sich untereinander auf- fraßen, sind jetzt fünfzig Millionen Deutsche Da, Dio Dieselben nationalen Ansprüche erheben, die man bet anderen Völkern als natürlich und selbstverständlich ansieht. Dies ist der ungeheure Umschwung, der sich vollzogen hat, und mir tun die Völker leid, die sich nicht entschließen können, mit diesem Umschwung zu rechnen." Das sind klarsichtige Worte, geschrieben von einem fast Achtzigjährigen noch vor der Jahrhundertwende. Blättert man in diesen Briefen weiter, dann findet man auch einige Sätze, die, in einem Sinne, wie Fontane wahrlich nicht ahnen konnte, von einer fast unheimlich berührenden Aktualität erscheinen: „Es schadet einem Volke nicht, weder in seiner Ehre, noch in feinem Glück, mal besiegt zu werden — oft trifft das Gegenteil zu. Das niedergeworfene Volk muß nur die Kraft haben, sich aus sich selbst wieder aufzurichten. Dann ist es hinterher glücklicher, reicher, mächtiger als zuvor."
fchen Ausbildung in Japan erhalten hat, hat noch im Sommer 1935, also zwei Jahre vor Ausbruch des Konflikts, in einem Erlaß an Die Kuomintang erklärt: „Ich lege die Regierungsmitglieder darauf fest, sich in Zukunft Darüber klar zu sein, daß Die wirtschaftliche und politische Annäherung an Japan des Außenministers Wangtschingwei nicht seine persönliche Politik darstellt, sondern die fest vorge- zeichnete der Gesamtregierung. Nach dem festen Willen der Regierung ist eine Politik Der Zusammenarbeit mit Japan unbedingt erforderlich." Der Marschall ist von dieser Linie abgewichen unter dem Einfluß der mächtigen Bankiersfamilie Sung, die ganz im Banne Des amerikanischen Fi- nanzkapitals stand und Durch Frau Tschiangkaischek, eine Schwester der Sungs, den Blick des Marschalls auf die sich für China aus den wachsenden weltpolitischen Spannungen im pazifischen Raum ergebenden Möglichkeiten lenkte. So übernahm Tschiang- kcuschek die Führung des Krieges gegen Japan im Vertrauen auf die ungeheure Wette des chinesischen Raumes, Der ihm vielleicht gestatten würde. Den Krieg so lange hinhaltend zu führen, bis sich die Spannungen zwischen Japan und Den anglo-ameri- tanischen Plutokratien zum offenen Konflikt verdichteten, in dem dann China seiner geographischen Lage und Volkskraft nach eine bedeutsame Rolle Zufällen mußte. Wenn Japan durch Den Krieg mit Den beiden anderen pazifischen Großmächten enga- gtett war, hoffte er, genügend Bewegungsfreiheit au erlangen, um die Japaner ins Meer zu treiben. Die Rechnung des Marschalls ist nicht aufge- gangen. Als stille Teilhaber des chinesischen Kriegs haben England und die Vereinigten Staaten zwar durch Materialsendungen Tschiangkaischek in den Stand gesetzt, immer wieder große Armeen auszu- rusten und Den Japanern entgegenzustellen, aber niemals war der Marschall stark genug, das Gesetz Des Handelns an sich zu bringen. Und als nun gar Die plutokratiscken Bundesgenossen nffen an die Seite TsAangkaischeks traten, und damit endlich für den Marschall die so lang ersehnte Stunde schlug, wandte sich das Kriegsglück endgültig von
\Leu,te' 0)0 seme besten Truppen, zusammen mit Den Briten in Nordburma von Den Japanern bis zur Vernichtung geschlagen, auf Der berühmten 23urma trafy» nach Jnnerchina zurückfluten und gleichzeitig Die Japaner in Den mittelchinesischen Provinzen neue Säuberungsaktionen einleiten, steht Der Marschall auf den Trümmern seiner Hoffnungen.
Der Krieg in China, her sich durch Die verfchie- Denartigffen Phasen der Kriegführung fast fünf Aahre hmdurch hmgefchleppt hat, ist nach Den siegreichen Feldzügen in Der SÜdsee auch für Japan tmeoer in Den Vordergrund des Interesses gerückt. „Wie Tschungking es fertigbringt, noch immer zu ß5T,eL€nr unt) Krieg zu führen, ist zwar rätselhaft, aber Tatsache." So scl)reibt die Der japanischen Armee nahestehende Zeitung ,Iokumin Shimbun" und stellt Dann fest: „Es gilt der Notwendigkeit Ins Auge 3U sehen, daß Tschungking bofiegt werden muß, wenn Japan feinen Großraum aufbauen will. Alle anderen Völker Südostasiens bilden fein Hindernis, ftnD vielmehr leicht zu beherrschen. .Solange aber Alnas Riesenvolk und die Millionen in allen Südländern lebenden und Dort eine bedeutende wirtschaftliche Stellung einnehmenden Chinesen gegen den von Japan geführten Großraum opponieren, ist eine harmonische Entwicklung nicht möglich. Darum setzt Der Aufbau Des Großraums die völlige Beseittaung des Widerstandes von Tschungking voraus. In den ersten Augusttagen des Jahres 1937 war Peking von Den Truppen Tschiangkaischeks kampflos geräumt worden. Im November und Dezember des gleichen Jahres waren Schanghai, Die große Handelsmetropole an der Vangtse-Mündung, und Nanking, Der Sitz Der chinesischen Zentralregierung, gefallen. Im Herbst 1938 eroberten die Japaner noch Kanton, Die bedeutendste Stadt Süd- chinas, und Hankau, den wirtschaftlichen Mittelpunkt des mittleren Jangtsebeckens. Aber im November des gleichen Jahres war die letzte große japanische Offensive an Den Ufern des Tungting- Sees etwa 200 Kilometer südwestlich von Hankau verebbt. Seitdem sind Die Fronten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, starr geblieben. Die Japaner beschränkten sich auf Die Taktik der „Zersprengungsangriffe", Die sie gegen größere chinesische Truppenkonzentrationen ansetzten, um sie auseinanderzutreiben, sich selbst jedoch Dann wieder rn ihre alten Stellungen zurückzuziehen. Im November 1939 landeten japanische Truppen südlich von Kanton in der Provinz Kwangtung und stießen von der HasenstM Pakhoi am Golf von Tonkin bis Nan- ning, Der Hauptstadt der Provinz Kwanqsi, vor, um Dtc Verbindungsstraße von Franzüstsch-Jndochina nach Tschungkina, Dem Sitz Der Regierung Tschlang- raifq)ef6 am mittleren Jangtsekiang, abzuschneiden. Mch Dem Abkommen mit Französisch-Jndochina über (Die Anlage japanischer Stützpunkte auf indochinesischem Gebiet wurden im Oktober 1940 beide Städte jedoch wieder geräumt. Inzwischen waren japanische Truppen von Hankau aus nach Westen den Jangtse aufwärts oorgeDrungen und hatten im Sunt 1940 Jtschang besetzt. Etwa 500 Kilometer vor Tschungking wurde Damit Der westlichste Punkt Des von den Japanern kontrollierten Gebietes erreicht. Schlichlich wurde im Frühjahr 1941 noch eine Reihe von Kustenplätzen in den Provinzen Tschekiang und Fukien besetzt, um Tschungking vom Meere her gänz. ttch abzuschneiden. Tschiangkaischek blieb im wesentlichen auf die Zufuhren über Rangun und die Burmastraße angewiesen.
Die Weiträumigkeit Des Landes machte eine völ- ime Besetzung durch japanische Truppen unmöglich. Sie mußten sich Darauf beschränken, die wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Zentren und die großen Verkehrslinien in ihren Machtbereich zu bringen, im übrigen aber die überall in Den besetzten Gebieten auftaurfjenDen Freischärler und kommuni- jttschen Banden niederzuhalten und größere feindliche Truppentonzenttattonen zu zersprengen, wie noch im vergangenen Herbst bei Tschangtscha, 100 Kilometer südlich des schon genannten Tungting- ^ecs. Die schwere Niederlage Der besten Armeen Tschiangkaischeks in Nordburma hat auch Dem Krieg in Mittelchina einen neuen Impuls gegeben. Nach rascher Säuberung 6er nordchinesischen Provinzen Schansi, Hopeh und Schantung von Den Ueberreften irregulärer chinesischer Truppen wurden die Nü° stungszentren Tschiangkaischeks in Den mittelchinesischen Provinzen Kweitschau, Hunan, Kiangsi, Furien und Tschekiang das Ziel Der japanischen Luftangriffe. Sie sollten auch die hier auf amerikanisches Drangen hin zahlreich angelegten Flugplätze zerstören, von Denen Die feindlichen Luftangriffe gegen Japan starteten. Seit Mitte Des Monats hat Dann General Hata, Der Oberbefehlshaber Der japanischen Truppen in China, im Ostteil Der mittelchinestschen Kustenprovinz Tschekiang unmittelbar südlich von Schanghai eine größere Operation begonnen, die schon beachtliche Erfolge erzielt hat. Das Rückgrat des japanischen Vormarsches ist die Tschekiang-Eisen. bahn, die von Der bekannten Kölner Firma Otto Wolfs gebaut und erst 1937 fertiggestellt wurde. Sie
In diesen Tagen — etwa Ende Mai oder Anfang Juni — wollte Timoschenko Die Kneifzange um Die östliche Ukraine geschlossen haben. Er wollte jetzt am Dnjepr stehen: von der Krim her über Perekop und von Charkow her über das schlachtenberichmte Poltawa. Das sollte der sowjetische Frühling fein. Nun, Da es so ganz anders gekommen ist, erklärt Moskau mit Der Frechheit, Die einem Bolschewisten so wohl ansteht, es hätte Dw Drei Offensivarmeen überhaupt nicht gegeben, deren Vernichtung der Wehrmachtbericht vom 28. Mai gemeldet hatte. Washington und London, die abgesehen von einigem Nachschub — und in diesen Nachschub haben deutsche Flieger und U-Boote mit Der Versenkung von jetzt insgesamt 114 000 BRT. grausam hineingeleuchtet — für die Sowjets nichts tun können, spielen Die Sekundanten bei dieser Lügenoffen- sioe, Die an die Stelle der Waffenoffenfive Timoschenkos getreten ist. In London sind — in jähem Umschlag der dortigen Nachrichtengebung — die wenigen Leute, die klar sahen und den Mut zu klarem Sprechen hatten, ausgeschaltet worben. Der englische Nachrichtendienst läßt sich dahin vernehmen, daß die Sowjets das Gelände von Charkow befestigen, die deutschen Gegenangriffe abgeschlagen und sogar an mehreren Abschnitten ihren Vormarsch wieder ausgenommen haben. Was sich im Vorjahr an Lügen um Smolensk, in diesem Jahr um Kertsch getan hat, wiederholt sich jetzt um Charkow. Der bolschewistische Seither funkt nur in Die Welt hinaus, Die sowjetischen Truppen hätten im Norden „erbitterte Angriffe her feindlichen Panzerkampfwagen und Jnfanterietruppen abgewehrt", sonst „habe sich an der ganzen Front nichts begeben." Immerhin ist es bezeichnend, daß er von feindlichen Angriffen spricht, während nach ihm bisher die Bolschewisten im Angriff waren.


