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Lissabon, 27. Okt. (Europapreß.) In einer undfunkrede an das USA.-Dolk forderte Wendell illkie erneut die Errichtung einer „zweiten ront" in Europa, eine stärkere materielle Unter«
35. Fortsetzung. - (Nachdruck verboten.)
..Brackmann kam mit diesem Vorsatz nach Buena
„Darunter befanden sich auch einige Schußwaffen, nicht wahr?" < i
„Eine Mauserpistole — sonst nichts."
„Wissen Sie das genau?"
„Ganz genau — ich habe die Sachen selber ein paarmal der Termiten wegen aus- und eingeräumt."
Santacillck sprang ab: „Gestern in der Frühe entdeckten Sie dann, daß Brackmann das Haus verlassen hatte. Erzählen Sie uns bitte, was dann weiter geschah."
„Ich fuhr mit Doktor Forester nach Verakruz, und wir versuchten gemeinsam, Brackmann zu finden. Leider vergeblich ..." Sie zögerte wieder.
„Und weil Sie befürchteten, daß sich ein Unglück ereignen könnte ..fuhr Santacilla ergänzend und aufmunternd fort, „oder war es nicht so? Was für Gründe hatten Sie denn, Gonzales aufzusuchen?"
„Ich hielt es für meine Pflicht, Gonzales zu warnen."
Santacilla blickte auf. Er hob die Hand, die auf seinem kurzen, prallen Oberschenkel, lag und klappte sie flach zu, als finge er eine Fliege: „Also kurz und gut, Sie waren davon überzeugt, daß Brackmann seinen Anschlag ausführen würde."
Karen schwieg zum zweiten Male. Was sollte sie auch sagen?
Santacilla starrte sekundenlang in jein Nottzbuch, bevor er es mit einem Taschenspielertrick, scheinbar ohne die geringste Bewegung, aus den offenen Händen verschwinden ließ. Er blickte selbstgefällig und beifallheischend auf, leider war sein Kunsttrick völlig unbeachtet geblieben.
„Was ich hörte", sagte er mit, einem kleinen Seufzer der Enttäuschung, „bestätigt die Aussage von Madame Perano. Tenor Gonzales suchte sie gestern auf, nachdem Sie ihn verlassen hatten. Er wollte mit ihr beraten, welche Schritte sie zu ihrem Schutz unternehmen sollten. Gonzales war für Selbsthilfe, während Madame Perano es vorzog, den Schutz der Polizei in Anspruch zu nehmen.
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Sie blickte dabei in ihren Schoß, ihre Lippen ztt- irrten ein wenig. „Aber ob er mit diesem Vor atz auch nach Perakruz gegangen ist, kann ich wirklich
Ein Mann rechnet ab
Roman von Horst Biemath
Englands und der Vereinigten Staaten für uner= chöpflich zu halten. Er sprach von einem »„Reservoir des guten Willens, das bereits gefährliche Löcher" habe. Als eines der gefährlichsten Löcher betrachtet Willkie die geringen Mengen an Kriegsmaterial, die den Verbündeten geliefert würden. „Wenn wir es nicht fertigbringen", siuhr er fort, „unseren Bundesgenossen das zu geben, was sie von uns erwarten oder was wir ihnen versprachen, dann wird sich der gute Wille bald in Gr^ ll verwandeln. Wir schulden ihnen mehr als Großsprecherei und gebrochene. Versprechungen."
Zu dem Problem der U n a b h ä n g i g k e i t I n - diens meinte Willkie, daß die Vereinigten Staaten gerade durch ihr Schweigen in dieser Frage viel an Vertrauen in Ostasien verloren hätten. Wenn er sich auch nicht in Dinge des britischen Commonwealth einmischen wolle, so müsse er doch erklären, daß die britischen Kolonialbesitzungen ichts anderes seien als „Ueberbleibseldes Empire-Gedankens" und daß „Millionen von Männern und Frauen mnerhälb des Commonwealth selbstlos und mit kluger Ueberlegung dar- fhin arbeiten, diese Ueberbleibsel zu verkleinern die Commonwealth-^bee auf Kosten des kolonialen ystems auszuweiten". Die Vereinigten Staaten mußten dafür sorgen, daß die Unterscheidung zwischen Bundesgenossen erster und zweiter Klasse aus .den Köpfen der Alliierten verschwinde. Die Ver-
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erten, so meinte er, sei nicht dazu angetan, einen „tiefen Glauben an die Unfehlbarkeit der Milttär- und Marinesachvörständigen zu entzünden." Willkie warnte davor, den guten Willen der Verbündeten
Auch die türkische Zeitung „Son Posta" nennt die Operationen der Engländer in Nordafrika den neuesten Beweis der Verseh iedenartigke-it der sowjetischen und britischen Interessen. Die Sowjets hätten eine Hilfe auf dem Boden Europas erwartet, um von dem deutschen Druck, der seit anderthalb Jahren auf ihnen laste, Erleichterung zu erfahren. Die sowjetischen Verluste seien enorm, jeder andere Staat wäre längst zusammengebrochen. Demgegenüber denke England im Augenblick an nichts anderes als an die Aufrechterhaltung seines Prestiges in den arabischen Ländern.
nicht sagen ..." ..
Santacilla hüstelte, er machte -me ärgerte Sjanbbemegung, als wolle er sagen, «assen Sie bitte diese Ausflüchte, mit denen Sie mir schon einmal gekommen sind!
„Ich hatte in jener Nacht mit Brackmann eine längere Aussprache, in der ich ihn nut allen M eln zu überreden versuchte, seine .Bacheplane aufz geben und dafür jenen Prozeß, in dem er vor sechs Zähren schuldlos verurteilt wurde ...
Santacilla verzog das Gesicht.
noch einmal aufzurollen und die wahren Schuldigen zu überführen. Ich war am Schwtz unserer Aussprache fast davon "k^ugt, mann habe seine Pläne gegen Gonzales und Ci- quita Perano tatsächlich aufgegeben . • •
Karen schwieg. _ .
Santacilla fiel helfend ein: ,,3tod)' Verschwinden kamen Sie aber doch dU ^Pi/hatte zeugung, daß er Buena Esperanza verlassen hatte, uni feine Mordabsichten in die Tat umzusetzen, n ch
blem. Gelinge es den Vereinigten Staaten nicht, mit Wafsengewall den Filipinos die versprochene Unabhängigkeit zu verschaffen, werde die pazifische Welt der Verlierer fein. Zum Verhältnis der USA. zur Sowjetunion sagte Willkie bedauernd, daß man bisher in, Washington versäumt habe, einen Mann mit ausreichenden Vollmachten dahin zu schicken. Kein amerikanischer Vertreter mtt Kabinettsrang sei bisher in Moskau gewesen, weshalb Winston Churchill bei seinem Aufenthalt in Moskau auch für die USA. habe sprechen müssen.
Nordafrika kein Ersatz für die zweite Front.
Stockholm, 28. Okt. (DNB. Funkspruch.) In Kreisen, die der Londoner Sowjetbotschaft nahestehen, wird offen erklärt, daß die von einer Reihe englischer Zeitungen geäußerte Auffassung, England habe nunmehr in Noddafrika die von der Sowjetunion verlangte zweite Front eröffnet, von Moskau nicht geteilt werde. Der „Daily Wörter", das Blatt der englischen Kommunisten, erklärte, nach sowjetischer Anschauung stelle die Offensive in Aegypten keinen Ersatz für eine großangelegte Aktion gegen den europäischen Kontinent zur Entlastung der Sowjettruppen dar.
herigen amerikanischen Oberkommandierenden im Südpazifik, läßt sich die Londoner „Times" aus Neuyort berichten: Man glaube, daß die Mqrine- behörde Ghormley als „viel zu wenig agres- s i v" erachtete. Es sei ihm mit seinen Seestreitkräften nicht gelungen, die Japaner daran zu hindern, auf Guadalcanar Truppenverstärkungen zu landen und japanische Flottenkonzentrationen nördlich der Salomoninseln zu zersprengen. Die Japaner hätten mit ihren Anfang August unternommenen Angriffen, dem drei USA.- und ein australischer Kreuzer zum Opfer gefallen seien, die alliierten Streitkräfte völlig Überraschen können, obgleich Aufklärungsflugzeuge einige Stunden vorher gemeldet hatten, daß sich Kreuzer und Zerstörer im Marsch auf Guadalcanar befunden hätten.
Wer befehligt die LlGA.-Streitkräste im Südpazifik?
Lissabon, 28. Okt. (Europapreß.) Die „New Dork Times" aibt ohne Umschweife zu, daß heftige Meinungsverschiedenheiten und Kompetenzstreitigkeiten zwischen Göneral Mac Arthur und Admiral Niemitz bestehen, die die Operationen im Pazifik beträchtlich behinderten. Auch das australische Kriegskabinett mische sich immer wieder in militärische Angelegenheiten Mac Arthurs. Bezeichnend sei, daß das Operationsgebiet der Salomon-Inseln in zwei K o m m a n o o g e b i e t e unter g e- teilt sei. Selbst das Gebiet von Guadalcanar sei bis vor kurzem organisatorisch halbiert gewesen. Eine weitere Schwierigkeit sei die, daß die auftra» lische Arbeiterschaft nicht die geringste Neigung zeige, für die Kriegsarbeiten Opfer zu bringen.
Mit Bordwaffen und Bomben gegen die schutzsuchende Bevölkerung.
Mailand, 28. Dlt. (DNB. Funkspruch.) Bei den Luftangriffen auf Genua wurden auch die Konsulate von Schweden und Dänemark zerstört. In Mailand wurden in nur geringem Maße wirtschaftliche oder industrielle Ziele getroffen, wohl oder drei Krankenhäuser, verschiedene Kirchen, fünf Schulen, die Universität, verschiedene Universitäts-Institute sowie der große' Friedhof. Typisch für die gemeine Kampf weise der britischen Flieger ist der Angriff mit Bordwaffen auf schutzsuchende Einwohner. So feuerte ein tief- fliegendes viermotoriges Flugzeug auf die einem Luftschutzkeller zueilende Menge und tötete durch eine nachfolgende Bombe 18 Personen. Auch zahlreiche Zivilpersonen in den Straßen Mailands wurden unter Maschinengewehrfeuer genommen.
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MagaMe w» eini ten Staaten würden die wirklichen Verlierer getroffen,-5 wenn Japan Indien erobere. In gleicher stunden iP^; $eire feien -je P h i l i p p i n e n ein kritisches Pro- ajjen, und "■—?
wahr?" .
Karen antwortete nicht. Santicilla drang auch mcht darauf, eine klare Antworte »u Horen, wah icheinlich nahm er ihr Schweigen für e •
„Brackmann hatte seinerzeit einige Sachen 5bnen untergestellt, nicht wahr.
wetteren zwei «Stunben, als alle Hoffnung aufae- g^en war das Schiff retten zu können, versenkte ein USA.-Zerstörer die „Wasp" durch drei Tor- kpedos Der Flugzeugträger lief 1939 vom Stapel ??. ^l“93euge an Bord nehmen. Seme inSnn 9 ^ Seemeilen, die Besatzung „Wir waren gerade im Geschützgang beim Kaffee- tnnfen , so erzählt em Matrose der „Wasp" als ,emand ausrief: „Torpedo auf Steuerbord!" "Ich rannte auf Deck sah die Blasenbahn und stürzte au fernen Gefechtsstand. Der Luftdruck warf mich lach auf das Gefechtsdeck. Bevor wir die Besin- jnuna zuruckerhalten konnten, erfolgte die zweite to&fton. »le Luft war von Schrappnell- u!ck Granatsplittern erfüllt. Wir versuchten das Feuer zu bekampsen, doch war kein Druck auf den Löschrohren. Wir beschlossen, die Munition über Bord K merfeSh um eme Explosion zu verhindern. Ein chwerer Wasserdunst lag über dem Schiff, das un- er Deck m Hellen Flammen stand und sich schwer auf die Sette neigte. Der dritte Torpedotreffer 'ns Munitionsmagazin, gerade als das Schiff sich etwas, auszurichten begann. Wir ließen die Flugzeuge über Bord, da sie auf die Mannschaften zu rollen drohten. Als der Befehl kam, das Schiff zu verlassen, konnten am Bug keine Rettungsfloße herabgelassen werden, da dort das Jeuer wütete. Als uns ein Boot aufnahm, sahen Vir noch einmal das glühende Wrack der „Wasp" vor dem Untergang."
Knox weicht aus.
Lissabon, 27. Okt. (Europapreß.) Während >ie Meldung von dem neuen japanischen Sieg im Züdpazifik um die Welt eilt, erklärte der USA - Mannemmister Knox in Washington Pressever- retem lediglich, die Schlacht bet und auf den Sa- , omon-Jnseln sei in die entscheidende Phase getreten. Es sei noch nicht klar, wie das Ergebnis der Schlacht im Südpazifik ausfallen werde. Um aber schon auf die Hiobspost vorzube- reiten, erklärte er, die Japaner wären sehr' stark, der Kampf sei deshalb hart und'schwer. Der am Dienstag in den Vereinigten Staaten begangene §1 ott en tag wäre der bemerkenswerteste, weil die USA.-Marine in ihrer ganzen Geschichte noch pie einen schwereren Kampf zu führen gezwungen war als heute.
Oie Borwürfe
gegen Vizeadmiral Ghormley.
Genf, 28. Okt. (DNB. Funkspruch.) Zur Amts- nthebung von Vizeadmiral Ghormley, des bis-
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Aus der Giadi Gießen.
Vom Heizen.
Sachgemäßes Heizen bei gleichzeitig möglichst restloser Ausnützung der Brennstoffe verlangt nicht nur Nachdenken, sondern auch Erfahrung. Der Heizwert der Kohle hängt zunächst von ihrem Gasgehalt ab, und dieser wird von der Erdschicht bedingt, aus der die Kohle stammt, insofern, als die am tiefsten in der Erde liegenden Kohlen, also die ältesten, den geringsten Gasgehalt — nur etwa 5 bis 11 v. H. — aufweisen, während die oberste und jüngste Kohlenschicht bis zu 38 v. H. Gas enthält; doch eignen sich Kohlen mit so starkem Gasgehalt als Hausbrennmaterial weniger. Im Urahnen aller Kohlen, dem Anthrazit, der zu den sog. Magerkohlen gehört, ist dagegen nur wenig Gas, daneben aber bis zu 96 v. H. Kohlenstoff enthalten, weshalb Anthrazit die größte Heizkraft entwickelt. Als jüngste aller Kohlen besitzt die Braunkohle einen geringeren Gehalt an Kohlenstoff und damit auch eine geringere Heizkraft, durch ihre Verarbeitung zum Brikett wird sie jedoch zu einem Brennmaterial von hohem Wärmewert, das sich auch für Oefen mit schwächerem Zug eignet und als Brennstoff so gut wie ganz ausgenützt wird.
Wichtig ist bei der Brikettfeuerung, daß die Ofentüren gut schließen und nur zum Nachlegen geöffnet werden, weil jeder eindringende Luftzug die Brennkraft der Briketts beeinträchtigt. Dasselbe gilt für den Torf, der, wasserarm und lufttrocken, ein vorzügliches Brennmaterial ist, dessen Heizkraft fick ebenfalls nur dann voll auswirken kann, wenn er bei fest verschlossener Ofentür brennt, so daß ihn kein stärkerer Luftzug trifft Am besten brennt Torf In etwa faustgroßen Stücken, die man auf dem Rost gut in Brand kommen läßt, worauf dann erst die größeren Stücke aufgelegt werden. Heizt man dagegen mit Kohle, sollen beim Nachlegen immer nur kleinere Kohlenmengen aufgelegt werden, weil, sobald man zu viel Kohlen auseinander häuft, das Feuer durch die Entziehung der Luftzufuhr erstickt wird und die Kohlen infolgedessen zum Teil nur halb durchbrennen. Man legt also immer nur so nach, daß zwischen dem neuen Material das alte noch gut durchglühend sichtbar ist Manche Kohlen haben ferner die Eigenschaft, daß sie während der Erhitzung zu größeren Klumpen zusammenbacken, wodurch ihr Heizwert jedoch keineswegs beeinträch
tigt wird, zumal bann, wenn man die Klumpen Dort Zeit zu Zeit zerkleinert. Im übrigen ist es viel ratsamer, nicht viel im Feuer herumzustochern, sondern es ruhig sich selber zu überlassen.
Jedenfalls heißt fparfani feuern noch lange nicht schlecht feuern, nur gedankenlos und unverständig darf das Brennmaterial nicht verheizt werden. So soll Holz bei der Hausfeuerung nur in geringen Mengen zum Anfeuern gebraucht werden, um so mehr, als sein Wärmewert gewöhnlich start überschätzt wird. Läßt sich doch mit einem Zentner Briketts die gleiche Wärme erreichen, zu der man mit Holzfeuerung 2,5 Zentner Buchenholz gebrauchen würde. Zudem gibt es auch noch einen „zusätzlichen" Heizstoff, dessen Verwendung allerdings etwas Mühe kostet, der sich jedoch lohnt. Es steckt nämlich auch in den Schlacken der Kohlen noch ein gewisser Brennwert, da sie, wenn man sie in kleinen- Mengen auf hellbrennendes Feuer legt, noch einmal gut durchglühen. Nur eignet sich nicht jeder Ofen dafür, weshalb es sich empfiehlt, immer erst eine Probe zu machen. Wo der Versuch gelingt, soll man sich die Arbeit nicht verdrießen lassen und die Schlacken sowie auch alle unverbrannten Kohlenreste aus dem Aschenkasten des Ofens von der Asche absondern und noch einmal verwenden. Es kommt auf diese Weise im Laufe des Winters eine ganz hübsche Menge zusammen, mit der sich die Feuerung gut strecken läßt.
M. A. v. L.
Kür Tapferkeit vor öem Keinöe.
Mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet wurden der Leutnant Exnst Jung aus Gießen- Klein-Linden, Hügelstraße 20, der Unteroffizier Karl Gregorius aus Gießen, Steinstraße 66, der Unteroffizier Willi Wagner aus Gießen-Klein- Linden, Frankfurter Straße 119, und der Obergefreite Rudi Weigel aus Gießen-Klein-Linden, Lützellindener Straße 14.
Sprechstunde des Kreisleiters.
Die Sprechstunde des Kreisleiters findet am Donnerstag, 29. Oktober, nachmittags von 15 bis 17 Uhr in Gießen, Alicenstraße 10, statt.
Amt für das Landvolk.
Die Sprechstunde des Amtes für das Landvolk findet am Donnerstag, 29. Oktober, nachmittags von 15 bis 17 Uhr, in Gießen, Alicenstraße 10, statt.
Kriegsbedingte Steuerbegünstigungen.
Die Abgrenzung steuerfreier Zuweisungen von steuerpflichtigen Zuwendungen wurde im Frieden grundsätzlich dort getroffen, wo die Zuwendung nicht Entgelt für geleistete Arbeit, sondern mehr der Ausdruck betriebsgemeinschaftlicher Verbundenheit ist. Diese Verbundenheit hat im Kriege an Bedeutung noch gewonnen. Deshalb sind grundsätzlich alle sozialen Arbeitgeberleistungen dieser Art auch im Kriege steuerfrei aeblieben. Dazu sind einige kriegsbedingte steuerliche Begünstigungen getreten, über die zusammenfassend Oberregierungsrat Dr. Dejtering in der ,/Deutschen Steuer-Zeitung" berichtet. Sie sind besonders darauf gerichtet, die Gesundheit, die Leistungskraft und den Leistungswillen der Arbeitnehmer zu erhalten und zu stärken. Die sozialen Arbeitgeberleistungen sind dadurch ein Beitrag zu dem großen Ziel, den Krieg siegreich zu bestehen.
Im einzelnen zählt der Bericht auf die weitgehende steuerliche Begünstigung her Ausgaben für die Zukunftssicherung des Arbeitnehmers. Die Steuerbegünstigung von Notstandsbeihilfen wurde erweitert. Steuerfrei sind auch solche Notstandsbeihilfen, die der Arbeitgeber selbst nach Anhören des Vertrauensrats ober des Betriebsobmanns zahlt, und die 100 RM. im Kalenderjahr' nicht überfteigen. Bei Urlaubszuschüssen zu KdF.-Reisen ist die Steuerfreiheit bis auf 60 RM. ausgedehnt worden. Arbeitgeberleistungen anläßlich der Verschickung von Gefolgschaftsmitgliedern sind lobnsteuersrei, soweit sie 150 RM. im Einzelfall nicht übersteigen. Bei Gewährung von freien ober verbilligten Wohnungen in werkseigenen Gebäuben wirb Lohnsteuer nicht erhoben, wenn ber Unterschiedsbetrag zum ortsüblichen Mietpreis 20 RM. nicht übersteigt. Zinsersparnisse bei Arbeitgeberdarlehen sind lohnsteuer- frei, wenn der Arbeitnehmer der Sozialversicherungspflicht unterliegt und das Darlehen 1000 RM. im Jahr nicht übersteigt. Weitere Vergünstigungen gelten für Schulbeihilfen im öffentlichen Dienst sowie für Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, ferner für Sparprämien. Dazu kommen die Vergünstigungen für Schmutzzulagen, Berufskleidung und Werkzeug, die Vergünstigungen für Mehrarbeitszuschläge, für soziale Zulagen bei auswärtiger Beschäftigung, für die Aufbauzulage, die Protekto
ratszulage, den Verpflegungszuschuß und den Mietzuschuß in den eingegliederten Ostgebieten und im Protektorat. Einmalige Sterbegeld'beihilsen an die Hinterbliebenen gefallener Gefolgschaftsmitglieder sind lohnsteuerfrei, wenn sie im Einzelfall 1000 RM. nicht übersteigen. Gleiches gilt für Arbeitgeberbeihilfen aus Anlaß von Kriegssachschäden. Vergünstigungen gelten auch für die Entschädigungen im Luftschutzdienst sowie für Zuwendungen, die Arbeitgeber für besonderen Einsatz bei Luftangriffen gewähren. Schließlich sind auch die Unterstützungen zu erwähnen, die Arbeitgeber während ihrer Einberufuyg neben dem Familienunterhalt an die Angehörigem zahlen.
Erhöhung der Bezüge genehmigungspflichtig.
Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz hat besttmmt, daß jede Aenderung in den Bezügen dem Reichstveuhänder oder Sondertreu-' händer der Arbeit selbst dann vorher angezeigt werden muß, wenn sie dem einzelnen Gefolgschaftsmitglied wegen der Uebernahme einer Vertretung von zum Wehrdienst einberufenen Angestellten im Betrieb zugestanden werden soll. Diese Anzeige ist immer zu erstatten, gleichgültig, ob auf die Aenderung des Entgelts das' Gefoigschaftsrnitglied nach den geltenden Vereinbarungen oder Vorschriften einen Rechtsanspruch hat oder nicht. Die erhöhten Bezüge dürfen erst dann ausgezahlt werden, wenn der Reichstreuhänder ober Sondertreuhänder der Arbeit innerhalb von sechs Wochen nach der Anzeige keinen Widerspruch eingelegt hat. Die Reichstreuhänder der Arbeit sind gleichzeitig angewiesen worden, nur dort einer Erhöhung der Bezüge zuzustimmen, wo das Gefolgschaftsmitglied als Vertreter eine höherwertige Tätigkeit als bisher ausüben muß und die bisherigen Bezüge nicht bereits so hoch sind, daß sie auch die neue Tätigkeit angemessen abgelten. Im allgemeinen werden die Reichstreuhänder der Arbeit nur einmalige Anerkennungsprämien oder bestenfalls widerrufliche Zulagen zu den bisherigen Entgelten zulassen. Auf diese Weise wird sichergestellt, daß im Kriege nicht einige
Zufällig traf sie mich trotz der späten Stunde in der Präfektur noch persönlich an und erzählte mir den Fall. Ich gab ihr einen Beamten zum Schutz mit und hielt es, wenn auch von Gonzales dazu nicht aufgefordert, für ratsam, Gonzales bewachen zu lassen. Leider kam der Beamte zu spät, Gonzales war ungefähr eine halbe Stunde vor seinem Eintreffen ermordet worden.
Sergeant Tirso fand ihn in einer Lage, die darauf schließen läßt, daß Senor Gonzales den Wagen nach dem Oeffnen des Gartentors gerade in die Garage steuern wollte, als ihn der tödliche Schuß aus nächster Nähe in die Schläfe traf. Bereits fünf Stunden nach der Entdeckung konnten wir Brackmann verhaften."
Santacilla machte eine kleine Pause und hob den Kopf, als erwarte er nun den Beifall, der ihm vorhin mit dem Zauberkunststück entgangen war.
„Wo fanden Sie Brackmann, wenn die Frage gestattet ist?" fragte Forester nach einer kleinen Weile.
„In einem obskuren Hafenhotel. Er hatte sich dort unter dem Namen Jonas Eriksen einlogiert. Ich verrate Ihnen kein Geheimnis, wenn ich Ihnen sage, daß er die Tat sehr sorgfälttg vorbereitet und alle Anstalten getroffen Haie, seine Spur gründlich zu verwischen. Brackmann hatte nämlich die Absicht, nach Vollendung seiner Anschläge als Maschinist auf einem chilenischen Handelsbampfer Verakruz zu verlassen und in Chile unterzutauchen."
Mit einer höflichen Verbeugung gegen Karen fügte er hinzu: „Ich darf wohl sagen, daß Madame Perano ihr Leben zum Teil unserer raschen Arbeit, hauptsächlich aber wohl Ihrer Warnung zu verdanken hat. Es ist nur bedauerlich, Senorita Orgassa, daß Sie nicht sofort den richttgen Weg gingen — nämlich zu mir. Dann hätte sich auch ber Mord an Gonzales vermeiden lassen."
Forester sah, daß Karen erblaßte. Ciquiia Pera- nos Dank, und der Dank der Polizei ... Das hatte noch gefehlt. Santacilla schien nicht zu ahnen, daß
Karen seine Worte wie einen niederträchtigen Hohn empfinden mußte.
„Madame Perano scheint meine Unterredung mit Gonzales nur sehr ungenau wiedergegeben zu haben, Don Santacilla", sagte sie schneidend, „ober Gonzales hat ihr einen wichtigen Teil ber Unterredung unterschlagen."
Santacilla hob die Augenbrauen und bat Karen durch eine Geste, sich nicht unterbrechen zu lassen.
„Ick habe, als ich Gonzales aufforberte, Verakruz für einige Zeit zu verlassen, nicht die Absicht gehabt. Malte Brackmann an ihn zu verraten ober ourch ihn an die Polizei verraten zu lassen. Ich suchte Gonzales auf, um Brackmann unter allen Umständen daran zu verhindern, durch seine Tat die beiden einzigen Zeugen zu beseitigen, die bei der Wiederaufnahme seines Prozesses etwas über die wahren Urheber des Brandes auf Buena Esperanza hätten aussagen können. Das waren meine Worte.
Mögen Sie, Don Santacilla, davon halten, was Sie wollen. Mir lag nichts an Gonzales, und mir liegt nichts an Madame Perano, ich wollte sie nicht schlitzen, sondern für die große Abrechnung aufheben. Was ich tat, tat ich in Brackmanns Interesse."
„Oh —!" machte Santacilla einigermaßen bestürzt.
„Brackmann ist damals unschuldig verurteilt worden", fuhr Karen in steigender Erregung fort. „Wer die wahren Schuldigen waren, hoffte ich zu beweisen, um Brackmann von dem schändlichen Verdacht zu befreien. Er hatte leider kein Vertrauen, daß mir dieser Beweis gelingen würde.
Daß er Gonzales getötet hat, kann ich nach allem dem, was ihm angetan worden ist, nur zu gut begreifen. Wenn er für diese Tat verurteilt wird, dann werbe ich deshalb doch nicht das aufgeben, was ich mir fest vorgenommen habe, nämlich festzustellen, daß Brackmann an Gonzales ein Urteil vollzogen hat, das die Gerechtigkeit, die Sie vertreten, zu vollziehen schuldig geblieben ist!"
(Fortsetzung folgt.)


