Einzelbild herunterladen

Berlin, 28. April. (DNB. Funkspruch.) Wie der OKW.-Bericht vom 9.4. meldete, wurden die von der englischen Regierung gecharterten norwegi­sch e n S ch i f f e , die in einem schwedischen Hasen gelegen hatten, im Skagerrak 'bei einem Durch- bruchsversuch durch deutsche Aufklärungsstreitkraste gestellt Die im Göteborger Hafen liegenden , nor­wegischen Schiffe waren durch die norwegische Eml- grantenregierung in London der britischen Regie­rung verchartert worden. Für den Ausbruch der Schiffe hatten englische diplomatische Vertreter, u. a. der zweite Handelsattache an der britischen Gesandtschaft in Stockholm, Sir George B i n n e y , unter widerrechtlicher Aus- nuhung des Jmmunitätsrechts, das ihnen als Diplo­maten nach dem Völkerrecht zusteht, Massen, Munition und Sprengstoff an Bord der Schiffe gebracht. Sicherheitshalber hatte Binney es für angebracht gehalten, sich nach Eng­land zu begehen, um nicht Gegenstand unerfreulicher (Erörterungen in Schweden zu werden. Aber die von ihm verführten und im Stich gelassenen angeheuer­ten Kapitäne der nach Göteborg zurückgefluchteten SchiffeDickto" undLionel" müssen sich dem Ge­richt stellen. Des weiteren hat die schwedische Re­gierung -in London Protest erhoben. Auch die schwedische Presse wendet sich gegen die rechts­widrige Bewaffnung der norwegischen Schiffe und

Englische Diplomaten als Waffenschmuggler.

hebt besonders das dem Völkerrecht wider­sprechende Verhalten des englischen Handelsattaches hervor, das ein großer Mißbrauch des Jmmuni- tätsrechts darstelle. Es sei klar, daß die Angelegen­heit nicht ohne Folgen für die beteiligten britischen Beamten bleiben könne. Schwedens Neutralität for­dere ein kategorisches Vorgehen. Es müsse festgestellt werden, wie die unter dem Schutz der diplomatischen Immunität an Bord der norwegischen Schiffe ge= schmuggelten Maschinengewehre eigentlich nach Schweden gekommen seien. Der englische Handelsattache, der wiederholt Reisen zwischen Stockholm und London unternommen habe, sei aus der englischen Hauptstadt stets mit großem Diplomatengepäck zurückgekehrt, das auf Grund des Diplomatenpasses ohne Unter­suchung nach Schweden gebracht werden konnte. Socialdemokraten" schreibt unter der Ueberschrift E i n gebrochenes Vertraue n", die Ange­legenheit habe einen peinlichen Charakter. Die Ver­letzung des den Diplomaten nach internationalem Recht entgegengebrachten Vertrauens durch die Eng­länder müsse Schweden aufs tiefste bedauern. Es sei selbstverständliche Pflicht Schwedens, der Ange­legenheit energisch nachzugehen, da man im vor­liegenden Falle von einem unanständigen S p i e l der Engländer sprechen müsse.

AeMdmmg des Kontingentierungs-Verfahrens.

In dem jetzigen Krieg geht es um Sem oder Nichtsein. Deutschland und seine Verbündeten wissen, daß, wenn sie den Krieg verlieren würden, sie für alle Zeiten vernichtet wären. Sie haben nur alles zu gewinnen, nichts zu verlieren. Mit dem Schick­sal des Volkes ist das Leben und die Zukunft jedes einzelnen Volksgenossen verbunden. Was ein Sieg des Bolschewismus für Deutschland, ja für Europa bedeuten müßte, das wissen am besten unsere Sol­daten, die dieses Paradies des Bolschewismus selbst sehen und es täglich noch empfinden. Dieser Krieg ist ein Volkskrieg in des Mortes weitgehendster Be­deutung, nicht nur der Soldat an der F^ont, son­dern jeder Volksgenosse in der Heimat ist in diesem Krieg eingespannt, ihm verpflichtet und deshalb ge­setzlich und sittlich gehalten, seine ganze Kraft, seinen ganzen Willen und seinen ganzen Glauben emzu- setzen, um den Sieg zu erringen.

Es ist im Laufe dieses Krieges und vor allem im Laufe des vergangenen Winters so oft von den außergewöhnlichen Anforderungen gesprochen und geschrieben worden, die an unsere Soldaten heran- getragen wurden. Der Führer hat in seiner letzten Reichstagsrede diese Berichte noch einmal mit stärk­sten Worten unterstrichen. Unsere Gegner haben gehofft, daß der russische Winter die deutschen Ar­meen genau so zerschlagen würde wie Napoleons Heere im Jahre 1812. Sie konnten diese Hoffnung um so mehr haben, als die Plötzlichkeit und die Härte des napoleonischen Winters diesmal weit übertroffen wurde. Der Führer sagte hierzu:.Sie werden es verstehen und sicher billigen, daß ich in dem einen oder anderen Fall rücksichtslos und hart zugegriffen habe, um unter Einsatz der grimmigsten Entschlossenheit einem Schicksal Herr zu werden, dem wir sonst vielleicht hätten erliegen müssen." Die Gegen mögen jetzt vielleicht ihren auf ein Mi­nimum gesunkenen Mut nachträglich zu steigern versuchen, indem sie erklären: Die Deutschen haben diesen Winter nur mit letzter Ueberwindung durch­stehen können. Jawohl, aber sie haben ihn durch­gestanden. Und haben Erfahrungen und Erkenntnisse gesammelt, die sie etwaigen neuen Naturgewalten entgegenstellen werden. Die Front hat die schwerste Prüfung, die je einer Wehrmacht auferlegt wurde, siegreich bestanden. So siegreich, daß heute unsere Gegner vor den kommenden Ereignissen zittern und zagen. Dem Sieg sind wir damit einen erheblichen Schritt nähergekommen. Mögen sie drohen und von Offensiven faseln. Sie beweisen uns damit nur, wie schwer sie durch den vergangenen Winter ge­schlagen wurden.

Wir geben uns nicht der ruhigen Sicherheit hin, daß die Zukunft von uns nicht noch Schweres for­dern wird. Im Gegenteil: Wir sind davon über­zeugt, daß je näher die Entscheidung heranrückt, u m so größere Anforderungen an uns gestellt werden müssen. An jeden einzelnen. Im Zu­sammenwirken'aller Waffen wird an der Front der Sieg erfochten. Im Zusammen st eh en aller Volkskreise, aller Berufe und aller Geschlech­ter in der Heimat werden der Front die Waffen ge­liefert und das Vertrauen gestärkt. Aus dieser Front der Heimat darf es ebenso wenig ein Ausbrechen geben wie an der Front unserer Soldaten. Deshalb ist es erforderlich, und der Führer hat ausdrücklich um diese Ermächtigung gebeten, daß ihm das deut­sche Volk das Recht und.die Macht gibt, rücksichtslos dort durchzugreifen, wo der Sieg durch Eigensucht oder durch volksschädliches Verhalten gefährdet wird. Gehorchen und Handeln ist der Grundbe­griff wahrer Volksgemeinschaft, ist Voraussetzung für den Sieg. Der deutsche Reichstag hat einstim­mig dem Führer die Ermächtigung erteilt. Hinter dem Reichstag steht das deutsche Volk, das gewillt ist, sich seiner'Soldaten würdig zu erweisen. Je ge­schlossener die Front, um so großer und um so schneller der Sieg. Und Deutschland wird siegen.

Schwere britische Verluste in Burma.

G e n f, 28. April. (DNB. Funkspruch.) Nach einem Bericht desDaily Expreß" aus Kalkutta mußten drei englische Eliteregimenter, und zwar dieCameronians", dieGloucesters" und das Porkshire Jnfanterie-Leibregiment des Königs" von der Front in Burma zurückgezogen wer­den, da sie schwerste Ausfälle erlitten hätten. Ihrer Wiederauffrischung stünden ernste Hindernisse im Weg, weil die Verbindung nach Indien und anderen Teilen des britischen Empires so gut wie abgeschnit­ten sei. Die Reste der drei Regimenter seien nun nach Nordburma gebracht worden. Die gleich­falls in Burma kämpfenden Tschungking-Truppen konnten sich noch auf die Hilfe der britischen Luft­waffe und derfliegenden Tiger" stützen. Diese sind allerdings freiwillige USA.-Flieger.

Klagenfurt, 25. April. (DNB.) Reichswirt­schaftsminister Funk eröffnete hier die neugeschaf-- fene Gauwirtschaftskammer Kärnten und gab die wichtigsten Grundsätze der Neuordnung und Ver­einfachung der Kontingentierungsverfahren und der Bewirtschaftung bekannt. 'Danach wird das gesamte Rohstoffkontingentierungs- und Bewirtschaftungs­system der Reichsstellen, Kriegsbeauftragten usw. in seiner ganzen Gesamtheit überprüft und unter Inne­haltung folgender Gesichtspunkte vereinfacht:

Es ist sicherguftellen, daß die durch die Haupt­ausschüsse und Hauptringe des RüstungsMinisters vorzunehmenden Jndustriebelegungen möglichst rei­bungslos mit den nötigen Rohstoffen versehen wer­den. Bei Festlegung des neuen Kontingentierungs­verfahrens ist darauf zu achten, daß sich der tech­nische Ablauf der Bewirtschaftung mit einem M i n- destrnaß von Schreibwerk vollzieht. Grund­satz muß sein, die Kontingentierungen so durchzufüh- ren, daß ein rascher Ablauf der Produktion gewähr­leistet wird. Die Kontrollvorgänge sind so einzurich­ten, daß ihr Ergebnis gleichztitig als statistisches Material seine Ansroertuna finden kann, um die Be­richte und statistischen Meldungen zu verringern. Alle Meldungen sind auf ihre unbedingte Notwen­digkeit zu prüfen. Es ist dafür zu sorgen, daß in­haltlich gleiche Meldungen nicht an eine Vielzahl von Stellen zu erstatten find. Weiter ist zu unter­suchen, ob die Rohstoffbewirtschaftung so umgestal- tet werden kann, daß jeder Betrieb mit möglichst wenigen Reichsstellen zu tun hat. Mit der Neuord­nung des Rohstoffkontingentierungs- und Bewirt­schaftungssystems ist Präsident K e h r l beauftragt.

Die Rationalisierungsaktion wird sowohl die Preisgestaltung als auch die Kriegsstnanzierung wesentlich beeinflussen, auch kann man erwarten,

In festlichem Rahmen hat der Kölner Män­nergesangverein sein lOOjähnges Bestehen gefeiert. Am Vorabend gab die Stadt Köln einen Empfang, auf dem Oberbürgermeister Dr. W i n kelnremper dem Jubilar ein kostbares Ehren­geschenk überreichte. Am Sonntag fand in der gro­ßen Messehalle zu Köln-Deutz ein Festakt statt, un­ter dessen Ehrengästen sich Hans Pfitzner und Paul Gra euer befanden. Generalintendant Dr. Drewes teilte mit, daß der Schirmherr der 100= Jahr-Feier, Reichsminister Dr. Goebbels, dem Ver­ein in Anerkennung der Verdienste um die Pflege des deutschen Liedes die Goldene Zelter- Plakette in einer besonderen künstlerischen Aus­fertigung verliehen hat. Dr. Drewes betonte, daß der nationalsozialistische Staat von dem Willen be­seelt fei, die Werte solcher bedeutenden volkskünst­lerischen Vereinigungen mit herzlicher Wärme zu

daß dadurch die Bestrebungen zu einer weiteren Erhöhung her Leistung in der Wirtschaft eine wesentliche Förderung erfahren werden, da die Wirtschaft nunmehr ungehemmt durch übermäßige behördliche Kontingentierungen ihre Energien v o l l e n t f a l t e n kann. Damit erhält die Wirtschaft allerdings auch eine bedeutend höhere Verantwor­tung. Aufgabe der Wirtschaft fei es, im Wege der Rationalisierung, der Gewinnbeschränkung und einer verfeinerten Lohngestaltung weitere Kosten- senkungen zu ermöglichen. Insbesondere werde man durch einen stärkeren lieber gang zum nor­malen Bankkredit und einer allmählichen Ablösung der Reichszuschüsse zu erheblichen Einsparun- gen im Rüstungsetat des Reiches ge­langen. Durch unsere Art der Kriegs'finanzierung wird den breitesten Schichten des schaffenden Volkes die einmalige Gelegenheit gegeben, sich die Zukunft auf weite Sicht materiell zu sichern. Das Vertrauen des Volkes in die Wertbeständigkeit feiner Spar­guthaben und der Reichsanleihen ist zu befestigen, indem diese Geldanlagen in jeder Weise bevorzugt werden. Nach siegreicher Beendigung des Krieges wird das Problem der Kriegsverschuldung sich, in kurzer Zeit lösen lassen, da wir mit billigen Arbeits­kräften und Rohstoffen für die deutsche Wirtschaft rechnen können. Der Preis der auf diese Weise er­zeugten Güter wird wesentlich unter dem Reichs- niveau liegen. Die Differenz wird zum Abbau un­serer Kriegsverschukdung und damit auch zur Unter­mauerung unseres Geldwertes dienen, der dann gütermäßig wieder voll belegt sein wird. Auf diese Weise wird der hohe Lebensstandard des deutschen Volkes gesichert werden, ebenso wie der Wert seines im Kriege ersparten Geldes.

fördern. Prinzip nationalsozialistischer Kunstgesin­nung und Kunstpflege sei das Dienen, wie es Ri­chard' Wagner formulierte:Deutsch sein, heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun." Schöpfer wie Interpreten seien Beauftragte der Volksseele und hätten sich von eitler Selbstbespiegelung fern zu hal­ten. Der Kölner Männergesangverein habe dank seiner ausgezeichneten Dirigenten die fruchtbare Li­nie zwischen Volkskunst und Künstlerkunst eingehal­ten und die dem Männerchor drohenden Gefahren der flachen Liedertafelei als einer falsch verstandenen Volkskunst wie der Atonalität als einer dekadenten Ausgeburt blutleerer Artistik vermieden. In diesem Sinne sei er den deutschen Chorvereinen ein Vor­bild zum Nacheifern.

Die dem Kölner Männergesangverein zu feinem 100jährigen Bestehen gewidmeten Chorwerke, die im 'Rahmen eines Festkonzertes uraufgeführt

Solche Soldaten können nur siegen.

Die Kämpfe im Osten haben feit etwa vierzehn Tagen ein anderes Gesicht. Die Winterlandschaft ist verschwunden. An ihre Stelle trat unter Den Auswirkungen der Schneeschmelze ein Schlamm- Inferno, wie wir es uns auch in unserer blühend­sten Phantasie nicht vorstellen können. Die Straßen befinden sich in einem Zustand, demgegenüber^ die Moraststraßen vom vergangenen Herbst fast öst­lichenRollbahnen" vergleichbarsind. Das erklärt, daß auch heute noch die Kampfoperationen im Osten von Naturgewalten beeinflußt werden, mit denen nur eine Truppe fertig wird, deren kämpferischer Geist allein den Sieg um jeden Preis kennt. Wir haben im letzten Herbft manchmal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wenn-w r in den Wochenschauen den Kampf unserer Soldaten mit dxn Schwierigkeiten des sowjetischen straßenlosen Schlamm-Paradieses sahen. Dieser Kampf ist nicht vergleichbar mit jenem, den unsere Soldaten durch vier bittere Wintermonate führen mußten. Jetzt, wo diese Naturkatastrophe vorüber ist und unsere Soldaten auch darin den Sieg daoongetragen haben, war es der F ü h r er, der am letzten Sonntag in seiner Reichstagsrede die plastischste und er­schütterndste Schilderung von dieser Winterkata­strophe gab, die unsere Soldaten mit verbissener Zähigkeit bestanden haben.

Wir in der Heimat haben, gemessen an unseren im Verhältnis kleinen winterlichen Sorgen und Leiden, uns wohl oft Gedanken gemacht, wie es wohl an der Ostfront aussehen möge und wie un­sere Soldaten wohl mit diesem grimmigsten aller Feinde fertig würden. Wir haben uns in der Regel mit den Feststellungen des deutschen Wehrmacht­berichtes beruhigt, daß unsere Soldaten bei Kälte­graden, oft unter 40 Grad, im schneidenden Eis- sturm und im stärksten Schneefall entweder den Feind abgewehrt oder in eigenen Unternehmungen in die feindlichen Stellungen eingedrungen sind. Aus dem Mund des Führers wissen wir, daß hinter diesem Kampf ein unvorstellbares Ringen des Lebens mit dem Tode sich verbarg. Der Führer hatte sehr bald nach dem plötzlichen Einbruch des Winters erkannt, daß der Truppe Schwerstes bevor­stand, daß Härtestes von ihr gefordert werden muhte. Er hat es als seine Ehrenpflicht angesehen, in diesem Augenblick seinen Namen mit dem Schick­sal der Armee zu verbinden". Er übernahm damals selbst die Führung dieses Kampfes zu einem Zeit­punkt, wo die Härte dieses Krieges den Höhepunkt erreichen muhte. Das . ist deutsches Soldatentum in vollendeter Form, nämlich dann die Verant­wortung zu übernehmen, wenn jede Entscheidung, die getroffen werden muhte, Leben oder Tod bedeu­ten kann. Zu dieser Verantwortung konnte sich nur eine Führernatur entscheiden, die aus eigener Er­fahrung weiß, wie der Soldat eine harte Entschei-

wurden, gestatteten einen Ueberblick über das deut­sche Chorichaffen der Gegenwart. Auf ausgesprochen romantischen Bahnen der Klangtechnik und der Stimmung bewegen sich die neuen Chorstücke von Pfitzner und Graener. Hans Pfitzner widmete dem Kölner Meisterchor zwei Kompositionen nach Texten von Hans Franck und Ludwig Uhland. Wäh­rend FrancksWir gehn dahin" ein ernstes, tief ver­sonnenes Chorstück ist, gibt sich UhlandsDas Schifflein" als ein Kabinettstück heiter-volkstümlicher Chorkunst. Ein im Klang außerordentlich schönes und feierlich hochgestimmtes Werk ist Oraeners felbstgedichteter ChorhymnusMusik, du heilige Kunst". Ausgesprochen romantische Chorkunst ist OthegravensSonntags am Rhein" nach dem Gedicht von Robert Reinick. In drei Choren nach Texten von Julius Ludwig, Heinz Steguweit und Jorg Ritzel huldigt Richard Trunk dem zeitnahen Bekenntnislied. Ganz auf dem Boden der Chor­ballade steht der im vergangenen Jahre verstorbene frühere Dirigent des K. MGV.s Heinrich Zöllner mit feinem ChorgemäldeDie alten Landsknechte" nach dem Gedicht von Borries von Münchhausen. Außer einem dem Verein bereits vor Jahren von Richard Strauß gewidmeten ChorTraumlicht" brachte das Festkonzert eine Motette nach Worten von Matthias Claudius, die der Chormeister Eugen Papst feinem Verein gewidmet hat: ein stark poly­phones, barocke Monumentalität und romantische Inbrunst vereinigendes Werk. Das Konzert, in dem noch einige ältere Chore erklangen, gab den neuen Werken eine der großen künstlerischen Tradition des Vereins durchaus würdige Wiedergabe.

Robert Greven.

100 Jahre Dienst am deutschen Lied.

Oie Jubiläumsfeier des Kölner Männergesangver^ns.

Laura.

Bon Anton Schnack.

Laura geht in meinen Gedanken von der ver­gangenen Zeit durch die Rue Vernet, die den Zu­gang zum mittelalterlichen Avignon bildet. Die Straße ist verbrämt von der Schwermut ver­brauchter Herrlichkeit. Die Paläste tragen verwit­terte Wappen und verwaschene Marmortafeln mit eingemeißelten Namen, die einen Klang aus proven- xalischen Balladen beschworen.

Sind das die Namen von Faunen, von ausge- ftorbenen Geschlechtern, von Troubadouren, von Rittern oder von schonen Frauen? Hotel de Tonduty de Malijac et lEscarebe, Hotel de Suares dAulan, Hotel Fortia de Montreal, Hotel dHono- rati de Jonquerettes.

Laura konnte in einen dieser Paläste ehemaliger Gesandter, Legaten und Barone gehen; denn man sieht ihr Stolz und Ruhm an. Klingen noch in ihren Uhren die verführerischen Worte eines geist­reichen, schönen und eleganten Liebhabers? Kommt sie von einem heimlichen Stelldichein oder huscht sie zu einem heimlichen Stelldichein? Wer wird ihre gedunkelte Haut berühren? Und wird der Kavalier die Empfindung haben, daß ein feiner Hauch von Lorbeer und Myrrhe der Mädchenhaut entströmt.

Auf die Art und Weise wie dem Dichter Petrarca Laura aus Avignon zum erstenmal begegnet ist, wird uns eine Laura kaum begegnen. Laura, die junge Frau des Hugo de Sade, begegnete dem jun­gen Dichter und Gelehrten, als sie zur Kirche ging. Petrarca stand wie immer mit anderen feinen Stutzern am Eingang der Kapelle, in welcher ein weltmännischer Kardinal die Messe zu lesen pflegte. Es war im päpstlichen Avignon Sitte, schonen Frauen beim Eintritt in die Kirche das Weihwasser zu reichen, womit die rosigen Fingerspitzen dann andeutungsweise die verschleierten Gesichter be­sprengten. Man reichte das geweihte Wasser aber nur der Dame, für die man schwärmte. Dieses Tun war eine beliebte Modegeste jener Zeit die Frömmigkeit wurde dadurch verweltlicht und das Liebesempfinden bekam einen Schimmer von Hei­ligung.

Laura dankte Patrarca, dessen schöner italienischer

Kopf von einer Fülle schwarzer und sorgfältig ge­pflegter Ringellocken umgeben war, mit einem leuch­tenden und verheißungsvollen Augenaufschlag. Der anmutig und geistvoll beredte Dichter hatte die (Empfindung, als neige die Göttin Venus sich ihm zu. Von diesem Augenblick an war er verzaubert und Laura verfallen, und ^einundzwanzig Jahre lang, bis über ihren frühen Tod hinaus, war sie der Mittelpunkt seiner Kunst.

Gab Laura dem Dichter sonst noch etwas? Zärtlichkeiten, Küsse, Umarmungen? Jedenfalls ließ sie sich die dichterischen Huldigungen gefallen und wurde dadurch ewig und verfiel nicht dem Staub der Vergessenheit.

' *

Seltsamer Eindruck, einer Bewunderung zu lau­schen, die vor vielen Jahrhunderten den Geist und das Herz eines großen Menschen und Mannes be­glückt und durchströmt hat!

Du bist die hohe Tugend,

Du bist der Inbegriff der Jugend,

Mein Herz, von Wahn und Eitelkeit gepeinigt. Hast du, o Königin, von Niedrigkeit gereinigt!"

War Laura eine von Launen bewegte Frau? Wechselnd in ihrem seelischen Zustand? Fast scheint cs so, denn Petrarca hat ihr Wesen überliefert:

Bald war sie demütig und geneigt, dann stolz und schroff, bann wieder schlicht und einfach. Bald war sie abweisend, bann in jähem Wechsel mieberum entgegenkommend. Bald zeigte sie ein sanftes Wesen. Bald war sie voll Geringschätzung. Dann schlug sie um zu wilder Leidenschaft. Bald sprach sie mich süß an und bestrickte mich. Auf dieses Kissen setzte sie sich voll Anmut nieder. Auf jenem Wege wandte sie sich um, um mich zu locken. Hier blieb sie stehen, um auf mich zu warten. Bald durchbohrte sie mit ihren schönen Samtaugen mein Herz und flüsterte vertraut zu mir. Dann lächelte sie ver­führerisch. und bann verfinsterte sich ihr Antlitz und strömte Kälte aus. Ach Amor, Gott ber Liebe und unser aller Herr, du zwingst mich, bei Tag unb Nacht an sie zu benten!"*

Im Dorf Vaucluse, nahe der Brücke über bie Sorgue unb unweit eines in den Felsen gebohrten

Tunnels aus römischer Zeit, wird, noch heute das kleine Haus gezeigt, das Petrarca gehörte. Hierher flüchtete nach dem Bericht des Florentiners Luigi Peruzzi der Dichter, wenn die schwefelige Hoch­sommersonne der Provence über Avignon zitterte. Um diese Zeit waren die Gassen unb Straßen der Stadt von einem peinigenden unb faulen Gestank der vielen Küchen unb Ausgüsse erfüllt. Das konnte Petrarca nicht vertragen. Aber in bem abgeschie­denen Dorf Vaucluse war es angenehm. Vom sanf­ten Fluß stieg die Kühle auf unb die nahen Fels­wände der Schlucht waren voll Schatten, und der Thymian duftete ringsum.

Einige Lorbeersträucher wachsen in dem Gärt­chen, welches das Haus umgibt. Hat Laura von bem gleichen Lorbeer bem Dichter einen Kranz ge­rn unb en unb seine schwarzen Locken bamit ge­schmückt? Hat sie an ber hohen Platane gelehnt, bie ben Giebel bes Hauses beschattet? Hat sie von den Früchten bes alten Feigenbaumes gegessen, der seinen großblätterigen Schatten an die Hauswand wirft?

Vielleicht wird manches Mädchen der Gegenwart, bas auf den Namen Laura getauft ist und die be­rühmte Dichterklause besucht hat, sich derartig nahe­liegende Gesten einbilden; denn die weißlich-graue Rinde der Platane unb ber Stein ber Hausmauern sind beschrieben, unb immer roieber kann man bie Namen Laura, ßaurette oder Saure lesen.

*

Laura, bie mir die Vision von der mittäg­lichen Sommeruhe des südlichen Meeres gibt, das mit kaum gewahrer Bewegung an ben Ufersteinen leckt. Weder von ben btenbenben Kalkrippen der Berge noch aus den regungslosen Kiefernwäldern am Stranbhügel weht ein Luftzug. Ein Sud ausge­kochter Blätterbitterkeit, knisternden Salzes unb honigfarbenen Baumharzes liegt über der stillen, antiken Erde. Es' sind zertrümmerte Säulen und verwitterte Ruinentrümmer in der Nähe. Eine metallisch schimmernde Smaragdeidechse formt sich regungslos auf dem Stein. Das Mädchen, das im Schatten eines runden Fensterbogens sitzt unb dem flimmernden Meere ins Antlitz sieht das ist Laura. Sie hat einen Rahmen zwischen den Hän­den ihrer braunen Arme, um irgendeine Blume ober einen Vogel in den Stoff zu sticken. Aber sie

fitzt bewegungslos, nur ihr innerster Herzgedanke, webt an einem Gespinst von Träumen unb Sehn« süchten. Wenn bie Dämmerung mit blauem Mantel unb Lavenbelgerüchen von den Bergen kommt, wird der dunkle junge Fischer im vorübergleitenden Boot fingen; denn immer fingen die Troubadoure unb Dichter einer Laura. Immer und ewig.

»Müller-Lieder" - nicht von Schubert.

Als Franz Schubert der Gedichthand mit dem umständlichen TitelGedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reifenden Waldhornisten" in bie Hand fiel, unb er sofort mit der Vertonung des ZyklusDie schone Müllerin" begann, hat­ten einige der Gedichte schon fünf Jahre früher ihrs Uraufführung in Liedform erlebt. Damals zog das kunstsinnige Heim des Staatsrats Friedrich August von Staegemann, eines vertrauten Mit­arbeiters Hardenbergs und vaterländisch begeister­ten Dichters, die künstlerisch begabte Jugend Per- lins nicht zuletzt wegen der Schönheit der Tochter des Hauses an. Ihr galten die Huldigungen in Wort und Ton, ihr auch das LiederspielDis schone Müllerin", dessen Texte aber nicht ausschließ­lich von Wilhelm Müller, sondern auch von an­deren Freunden des Hauses stammten. Komponiert wurden die Gedichte von Ludwig Berger, der in Berlin als Sohn eines Architekten geboren war und nach einer gründlichen musikalischen Ausbil­dung sich dem reisenden Klaviervirtuosen und Leh­rer Clementi anschloß. 1815 war Berger in seine Vaterstadt zurückgekehrt und wirkte hier bis zu seinem Tode als geachteter Lehrer. Mit G. Neichardt und L. Rellstad gründete er 1819 diejüngere" Lieb er täfel nach bem Vorbild ber Zelterschen.

Die zarte romantische Stimmung des Liederspiels van derSchönen Müllerin" fand in ihm den be^ rufenen Komponisten, der den Dichtungen in schlich­tem phonetischem Bau den musikalischen Ausdruck gab, wie er bei diesem Hauskonzert, das sogar eins szenische Darstellung fand, erreicht werden konnte. Ein Vorbote des kommenden genialen Lieder­sängers, ein geschmackvoller Gestalter aus dem Geist idyllischer Romantik. Das Berliner Schiller- Theater erinnerte in einer Morgenfeier an diese Uc« aufführung. Lothar Band,