Der Übergang über die Don-Mündung
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land und Mitteleuro p a zu umgehen. Wie die tatsächliche Entwicklung dann zeigte, war es ein Versuch, der zum Fehlschlagen verurteilt war. Der falschen Zielsetzung und Politik folgte auch wirtschaftlich dann zwangsläufig der Zusammenbruch im Bolschewismus...
Nun stehen wir seit 1941 im Zeichen einer neuen „Aufsegelung" des Baltcnlandes durch das Nationalsozialistische Deutsche Reich, welches den Feind vertrieb, die Gefahren bannte und damit entscheidenden Einfluß auf den baltischen Raum gewonnen hat. Seine Gestaltung wird wie zur Zeit der ersten Aufsegelung — im Einklang mit den lebenswichtigen Interessen Deutschlands und Europas und damit auch mit den Interessen des Raumes selbst und seiner Bevölkerung, die zum europäischen Kulturkreis gehören, vor sich gehen. Wie auch die „baltische Wirtschaft" für die Dauer abge- grenzt werden sollte, ihre Führung wird der Gesetzmäßigkeit des Landes entsprechen, die.schon zu Zeiten der Hanse bestimmend zutage trat.
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für den Augenblick ins neue Mit der Dunkelheit beginr . ,
Schießen aus Häusern und Kellern. Wir igeln mit unseren Panzerfahrzeugen und riegeln gewonnene Stadtteile ab. Plündernde Zivilisten
5 Ge. satzlos. )e iro« teme I
zahlreiche deutsche Fachleute — wenn jetzt auch anderer Branchen — zum produktiven Aufbau des Ostens ein.
Die Abdrosselung des wirtschaftlichen Zusammenhanges mit Deutschland durch den Weltkrieg und die dadurch verursachten Veränderungen der baltischen Wirtschaft waren eine vorübergehende Erscheinung. Die unter intensivstem Einfluß von England und Frankreich als Position gegen Deutschland gegründeten selbständigen baltischen Rand- taaten waren anfangs bestrebt, gegen die wirt- chastliche Gesetzmäßigkeit des baltischen Ostraumes eine auch wirtschaftliche Interessengemeinschaft mit dem weiteren Westen auszubauen und Deutsch-
Deutsche Lt-Boote vor der amerikanischen Küste.
Von Oberleutnant <Ma) Schlauch.
Seit der ersten Sondermeldung über die Erfolgs der deutschen U-Boote vor der amerikanischen Ost- tüste ist ein h a l be s Jahr vergangen. Die seitdem erreichten Versenkungsziffern sprechen eine deutliche Sprache und zeigen die von uns selbst kaum geahnten und erwarteten Erfolge im Krieg gegen die USA., die meinten, in splendid Isolation weitab vom Schuß und ohne Irgendwelche Schädigung ihres Wirtschaftslebens den Krieg führen zu können.
Die Ueberraschung war für die Amerikaner voll- kündig. Sie hatten nicht damit gerechnet, daß so- ort nach Kriegsausbruch die Schläge unserer U-Boote derart empfindlich sein würden. Das Erfreuliche ist nun für uns bei der Betrachtung des Versenkungsergebnisses, daß nicht allein dis erste Ueberraschung uns diese Erfolge brachte, sondern daß die U-Boot-Erfolge gegen USA. anhielten, ja sogar gegen den Schluß der Berichtszeit beachtlich an stiegen. Ein Zeichen dafür, wie lange Zeit die Einrichtung einer gut eingespielten Abwehr erfordert und wie richtig der strategische Gedante war, die feindliche Schiff- fyhrt da zu treffen, wo sie am wenigsten auf Abwehr eingerichtet war, wo sie eine besonders wichtige Funktion versieht und wo sie am d i ch t e st e n auftritt. Gemessen an diesen Erfolgen konnten, nein mußten die weiten Anmarschwege über den Atlantik in Kauf genommen werden, trotz der großen Ansprüche, die sonst an unsere U-Boote gestellt waren im übrigen Atlantik, in der Barentsee und im Mittelmeer. Es braucht heute nicht mehr verschwiegen zu werden, daß man deutscherseits sich keine zu großen Hoffnungen gemacht hat auf das Anhalten dieser Erfolge über den März/April d. 2. hinaus, weil man mit stärkerer Abwehr und größerer Beanspruchung der Boote rechnen zu müssen glaubte: aber die beiden Faktoren traten nicht in Erscheinung. Das ausgezeichnete Material unserer Boote bewährte sich aufs neue und die Besatzungen übertrafen sich selbst in ihrer Einsatzfreudigkeit und Kampfesweise.
Jetzt erst wird deutlich, wie sehr die Amerikaner
Druck und Verlag: vrühlscheUniverfitätrdruckerelv. Lauge
Deutsche Tradition im Baltenland.
Oie ^Aufsegelung" Livlands — ein Grundstein der baltischen Wirtschaft.
Von unserem Dr. E. St.-Mitarbeiter.
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Oer Wehrmachtbericht vom Sonntag.
DNV. Aus demFührerhauptq variier, 26. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Südlich und ostwärts R o ft o w wurde in harten Kämpfen der Uebergang über den Don erzwungen. Die Versuche des Feindes, eine geordnete und zusammenhängende Abwehrfront am Südufer des Don aufzubauen, sind gescheitert. Ein sowjetisches Kanonenboot wurde von der Luftwaffe in der Donmündung versenkt. Auf der W o t g a warfen Kampfflugzeuge bei Tages- und Nachtangriffen zwei Tanker mit zusammen 6000 VRT. in Brand und versenkten drei mit Nachschubgütern beladene große Schleppkähne.
Im großen Donbogen stehen deutsche und rumänische Truppen im Kampf mit feindlichen Infanterie- und Panzerkräften und haben mit ihren Anfängen den Don erreicht.
Im Raum von Woronesch scheiterten auch gestern alte Angriffe der Sowjets an dem hervorragenden Kampfgeist unserer Truppen. Nordwestlich Woronesch wurden massierte Truppenbereitstellungen des Feinds durch zusammengefaßtes Feuer und Angriff von Infanterie-,' Panzer- und Luftwaffenverbände zerschlagen. Gegenangriffe des Feindes blieben erfolglos. Allein an finem Divisionsabschnitt wurden am gestrigen Tage 48 feindliche Panzer vernichtet.
An der übrigen Ostfront nur örtliche Kampfiätig- feit.
Auf Malta wurden neue Zerstörungen in den Anlagen der Flugplätze L u c a und h a l f a r erzielt und vor Port Said ein größeres Handelsschiff durch Bombenwurf beschädigt.
An der Ostküske Englands belegte die Luftwaffe in der vergangenen Nacht bei guter Erdsicht den Hafen von Middlerborough mit einer großen Zahl von Spreng- und Brandbomben. Nach heftigen Explosionen entstanden ausgedehnte Brände.
Nach planlosen Bombenwürfen einzelner britischer Flugzeuge am Tage im Rhein-Wain-Ge- b i e t griff die britische Luftwaffe in der letzten Nacht Westdeutschland und wieder vor allem Duisburg, Homberg und Moers an. Die Zivilbevolke- rung hatte Verluste; besonders in Wohnvierteln entstanden zum Teil erhebliche Gebäudeschäden.
Durch Nachtjäger und Flakartillerie wurden el der angreifenden Bomber zum Absturz gebracht.
Sowjetische Bombenflugzeuge unternahmen wirkungslose Störangriffe auf ostpreußisches Gebiet.
Die Sowjetluftwaffe verlor am 24. und 25. Juli 128 Flugzeuge, fünf eigene werden vermißt.
zeuge in Brand.
Der Nachschub verkehr des Feindes auf derWol- g a war Tag und Nacht das Ziel deutscher Luftangriffe.
Oer Wehrmachiberichi vom Gamstag.
DNB. AusdemFührerhauptguartier, 25. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Im Raum von Rostow wird das Kampfgelände von versprengten Gruppen des Feindes gesäubert. Ostwärts Rostow wurde im schweren Hauserkampf die Stadt N o w o s ch e r k a f s k im Sturm genommen. Der Kampf um den Donübergang ist bei und östlich Rostow auf breiter Front entbrannt. Im großen Donbogen westlich Stalingrad nähern sich die deutschen uvd verbündeten Truppen dem Stromlauf.
Nördlich und nordwestlich Woronesch setzte der Feind mit starken Infanterie- und Panzerkräften seine Versuche fort, unsere Front zu durchbrechen. Die Schlacht dauert an. Alle Anstrengungen des Feindes s ch e i t e r t e n in harten Kämpfen an dem zähen Widerstand der deutschen Truppen unter- hohen blutigen Verlusten für den Feind. 103 sowjetische Panzer wurden vernichtet.
Am Wolchow und vor Leningrad wurden mehrere örtliche Angriffe des Feindes abgewiesen.
In A e g y p t e n hat der Feind seine vergeblichen und verlustreichen Angriffe nicht mehr wiederholt.
Im Mittelmeerraum schossen deutsche Jäger 10 britische Flugzeuge ab. Auf Malta warfen Kampfflugzeuge Anlagen des Flugplatzes Luca in Brand.
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bewährt hatten, waren an diesen erfolgreichen Kämpen beteiligt.
Die Kampfhandlungen wurden durch Verbände der Luftwaffe wirkungsvoll unterstützt. In pausenlosen Angriffen bombardierten Kampf- und Sturzkampfflugzeuge südlich Rostow die zurückflutenden b p l s ch e w i st i s ch e n Kolonnen, sie belegten den Schiffsverkehr auf dem Don und der Don-Mündung wirkungsvoll mit Bomben. Außer einem Kanonenboot, das in eiliger Flucht dem Schwarzen Meer zustrebte, wurden mehrere Fahrboote mit flüchtenden Truppen in Brand geworfen. Am Unterlauf des Don ostwärts Rostow grif- . >n die deutschen Kampffliegeroerbände erfolgreich in die Erdkämpfe ein und brachten zahlreiche Bat- i terien zum Schweigen. Die stark befestigten Verteidigungsanlagen der Bolschewisten am Südufer des Don wurden wirkungsvoll bombardiert.
Im g r o ß e n D o n - B o g e n versuchte der Feind eine Verteidigungsfront w e ft l i ch des Don zu errichten. Mehrere mit starker Artillerieunterstützung vorgetragene feindliche Gegenangriffe wurden er- folgreich abgewehrt. Südwärts des Tfchir wurden Stellungen des Feindes d u r chb r o ch e n. Die Bolschewisten versuchten vergeblich, durch Heranführung von ' Verstärkungen das Vordringen der deutschen und, verbündeten Truppen aufzuhalten. Auch ein feindlicher Durchbruchsversuch scheiterte, nachdem schnelle deutsche Verbände durch e.nen Flankenstoß starke feindliche Kräftegruppen vernichtet hatten.
Der Schwerpunkt der deutschen Luftangriffe im Don-Bogen richtete sich auch am Samstag Mieder gegen feindliche P a n zerb ere i tste llu n° gen und Kolonnen. 40 bolschewistische Panzerkampfwagen wurden durch Bomben der Sturzkampfflugzeuge vernichtet. Schlacht- und Kampfflieger zerstörten zahlreiche Geschütze und warfen bei wiederholten Tiefangriffen mit Material beladene Fahr-
DNB . 26. Juli. (PK.) Von Westen, Norden und Osten her höben die Panzerverbände, Infanteriedivisionen und -^Einheiten sowie slowakische Verbände ihre jeden Widerstand brechenden Keüe bis vor die Stadt R o st o w getrieben, die besonders im Westen und im Norden von einem m langen Monaten gebauten zementgegossenen Fest u n q s q ü r t e l mit einem dichten, tiefgegliederten Bunkersystem und gigantischen Widerstandszentren umgeben ift. Mehrere Ringe breiter und t^er Darrzergräben verstärken die sowietischen Verteidigungsanlagen. Wenn man das Luftbild unserer AufNärungsflieger betrachtet, wäre man versucht, diese Stadt für uneinnehmbar zu halten. Welche
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huschen vorüber, verschwinden in Eingängen und Häfen, Mündungsfeuer blitzt auf. Der Feind hat sich in den Südteil der Stadt zurückgezogen. Eine ungeheuere Detonation übertönt die fiebe/nde, schrei^ ende,' stöhnende, verwundete Halbmillionenstadt am Don. Ein gewaltiger Häuserblock ist aus, einandergesprungen, von den Sowjets gesprengt.
Ein grandioses Bild ist diese Kriegsnacht. Gegen Morgen gewinnen unsere Panzer den Fluß. Unverzüglich wird von Pionieren ein Fährbetrieb or- ganisiert. In den frühen Morgenstunden setzen bereits die ersten Kompanien über ö e n Don. Der letzter feindliche Widerstand in der Stadt ist gebrochen.
Danktelegramm Tisos.
Preßburg, 27. Juli. (DNB. Funkspruch.) Staatspräsident Dr. T i so sandte anläßlich der Erfolge der slowakischen Einheiten in Rostow an den Kommandeur der Schnellen Division ein Telegramm, in dem er ihm und den slowakischen Einheiten seine höchste Anerkennung und ' den herzlichen Dank für die tapfere und heldenmütige Pflichterfüllung ausspricht,
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Stadt aber ist nach dem Fall von Sewastopol noch uneinnehmbar?
Während die von Norden kommenden Panzerverbände in einem gewaltigen, nach Osten ausholenden Kreis sich Rostow unaufhaltsam nähern, um ihre in wenigen Tagen durchgeführte kaum glaubliche Marsch- und Kampfleistung von mehr als 500 Kilometer mit der Eroberung der bedeutenden Donstadt zu krönen, haben die von Westen vorstoßenden Divisionen einen kürzeren Weg und stehen wenige Stunden früher vor dem ersten Panzergraben. Schweres feindliches Artilleriefeuer beweist, daß der Feind uns die Stadt nicht ohne Kampf überlassen will. Der erste breite Graben am über-
Berlin, 26. Juli. (DNB.) Zu den Kämpfen um die D o n ü b e r g ä n g e südlich und ostwärts von R o st ö w teilt 6a<5 OKW. ergänzend mit:
Der Feind versuchte vergeblich, teilweise in Bunkerstellungen, hartnäckigen Widerstand zu leisten. Die Ueberwindung der Don-Mündung war eine außerordentliche Leistung aller beteiligten Verbände, da das sieben Kilometer breite Delta mit seinen Inseln und Sümpfen die Verteidigung der Bolschewisten begünstigte. In zähen Kämpfen wurde der feindliche Widerstand gebrochen und der U ebergartg über den Don erzwu n g e n. Auch slowakische Truppen, die sich fchon im Kampf um Rostow durch ihren hervorragenden Kampfgeist
Go fiel Rostow.
Erbitterter Kampf um jedes Haus. - Zahlreiche Minensperren.
Von Kriegsberichter Ernst Moritz Arndt.
höhten Hang wird in erbittertem Nahkampf über» wunden. Während ihn die in die Gräben eindringenden Schützen nad) rechts und links aufrollen, sind die Pioniere bereits darüber hinaus, räuchern mit Handgranaten und Flammenwerfern die Bunker und MG.-Löcher aus, die mit einem tollen Feuerwirbel die Grabenstürmer zuzudecken versuchten. Schon werden Sprenglöcher ausgehoben. Explosiv- nen sind hörbar, Erde wirbelt hoch, die vordere Grabenwand ist aufgerisfen, Spaten hauen hinein. In der Gluthitze des Sommertages werfen schwitzende, staubbedeckte, braungebrannte Pioniere den Graben an einer Stelle zu. Eine halbe Stunde spä- / ter legen sich die Gleisketten darüber. Das erste schwere Hindernis ist genommen. Rostow rückt näher!
Sturzkampfflugzeuge, die Wegbereiter und Helfer der Infanteristen uyd Panzer, überspringen immer und immer wieder den Höhenzug und setzen zum Sturzflug an. Man kann das Ausklinken der Bomben erkennen. Unaufhörlich überfliegen Staffeln schwerer Kampfflugzeuge das Schlachtfeld, um den Feind in der Stadt selbst zu zerschlagen. Panzergraben um Panzergraben wird zäh verteidigt und noch zäher Zug um Zug' erobert. Der Ärtilleriekampf nimmt selten erreichte Formen an. Die Luft dröhnt, und der Boden zittert. An beiden Seiten des Durchbruchkeils arbeiten Minensuchtrupps der Pioniere. Stunde um Stunde vergeht.
Die Panzerdivision wälzt sich wie ein riesiger Heer^vurm erdrückend und umklammernd gegen Rostow vor. In der Nacht lodern die riesigen Brände der Stadt herüber. Flieger und Artillerie haben Oel- und Munitionslager getroffen. Das rötlich-fahle Brandlicht kommt den Pionieren, den Kradschützen gerade zurecht, um sich weiter hin- einzudrängen in den dichten Befestigungsgürtel. Es gibt keine Ruhe. Schüsse aus allen Kalibern peitschen durch die Nacht.
Im Morgengrauen wird der letzte der acht Panzergräben von Kradschützen und Pionieren überwunden. Die ersten Häuser sind erreicht. Sowjetische Panzer aus ver st eckten Stellungen, aus Höfen und Schuppen schießen. Zwei eigene Panzerspähwagen gehen in Flammen auf. Im Vorort von Rostow entwickelt sich ein erbitterter Straßenkampf, Panzer gegen Pan-
Sonntags und Feiertags
Beilogen:
Gießener Familienblätter Heimat imBild'DieScholle Bezugspreis:
Monatlich.....RM.1.80
Zustellgebühr... ,, -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Kernfvrechanfchluß 2251 Drahtanschrift:,Anzeiger" Postscheck 1168k Frankf./M.
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192. Jahrgang M.N4
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Die „Aufsegelung" des baltischen Raumes stellte ; einen Teil der mächtigen Ostseekolonisation dar, die i auf Heinrich den Löwen zurückgeht. Schon Wisby ! auf Gotland entstand bald nach der Neugründung Lübecks (1158) durch den Welfenherzog als Gründung westfälischer Kaufleute. Deutsche Kaufleute aus : Lübeck und Wisby schlugen dann den Weg in den weiteren Osten ein und kamen zur Mündung der Düna. Diese meist politisch gesehene Wanderungsbewegung hatte auch eine außerordentliche wirtschaftliche Bedeutung. Die Ostsee wurde au'f Jahrhunderte in einen germanischen, vorwiegend deutschen Lebens- und Wirtschaftsraum verwandelt, und der Wirtschaftsverkehr zwischen Deutschland und Skandinavien einerseits und dem gewaltigen, noch unerschlossenen slawisch-sarmatischen Ostraum andererseits hergestellt. Gerade in neuester Zeit hat die Forschung einen regen wirtschaftlichen Austausch B zwischen Ost und West schon um die Jahrtausend-' I wende nachgewiesen. Während aber die ältesten I Handelsfahrten in den Osten mehr vorübergehenden Raubzügen glichen, begann im' 12. Jahrhundert eine l dauernde Ansiedlung an den Ostküsten der Ostsee und weit hinein ins Land an den Flußläufen. Es ist bekannt, daß deutsche Kaufleute in Nowgorod || schon vor der „Aufsegelung" des Baltenlandes | eigene Höfe und eigene Selbstverwaltung besaßen. ■ Die über Wisby aufgenommenen Handelsbeziehun- i gen zu Nowgorod führten unmittelbar zur Au'ffe- qelung Livlands durch lübifche Kaufleute.
Während in verschiedenen Gebieten Süd- und Osteuropas deutsche kolonisatorische Bestrebungen zu keinem dauernden Erfolge führten und von Deutt scheu kolonisiertes und kulttviertes Land vielfach wieder aufgegeben werden mußte, hat der niederdeutsche Vorstoß nach Nordostey sich zu einem '«dauernden Erfolge entwickelt, — mehr noch volklich 'und wirtschaftlich als politisch.
Wirtschaftlich gesehen, hörten die im 12. Jahrhundert auf genommenen Beziehungen zum baltischen Wirtschaftsraum — ungeachtet kurzer Unterbrechim- aen —bis zur heutigen Ze«it njd)t mehr auf. Was heute unter „baltischer Wirtschaft" verstanden wi^d, ist in seinen Ursprüngen auf die erste „Aufsegelung des Landes an der Düna bis zur N a r o w a und dem P e i p u s zurückzuführen, welche erstmalig die Ee- gebenheiten und Möglichkeiten des Landes aufzelgte, und — als Folge — feine Zugehörigkeit zum kul- Itioiorten Teil Europas erwies.
Natürlich konnten sich die Handelsbeziehungen nur auf einer gleichzeitig ausgebauten politischen Grmid- lage als Sicherheitsfaktor erfolgreich entwickeln. Es besteht daher ein enger Zusammenhang zwischen Den jeweiligen politischen Gestaltungen im Lande, den wirtschaftlichen Wandlungen und dem Ausmaß der Zusammenhänge mit dem deutschen Mutterlande.
Die Geschichte zeigt jedoch daß insbesondere m der Zeit des deutschen Ordensstaates (IM bis 11561) wie in der Politik so auch auf wirtschaftlichem Gebiet sehr enge Wechselbeziehungen mit Deutschsland bestanden. Auch der Detttsche Orden hat — wie gerade neuere Forschungen ergaben — ^e rege wirtschaftliche Tätigkeit entfaltet, und die Geschichte der Städte ist zum großen Teil auch eine Geschichte des „Handels und Wandels , also der Wirtschaft. In der Zeit der Zwischen-Herrschaft im baltischen Raum unter schwedischer u"d polnischer Oberhoheit (1561 bis 1710) wurde der Wirtschaftsverkehr nur zum Teil in neue Bahnen gelenkt, 'M wesentlichen blieb die alte „hansische" Richtung'erhalten
So sehr dann die Einreibung des Baltenlandes unter russische Herrschaft (.1721) und die d^urch bedingte Trennung von Deutschland für ^n baltisch M-um po(itifd) |d)äbiRenb unb belastend wE. wirtschaftlich haben sie chm kaum Schaden erbracht. Mit der Auswartsentmicklung und Snten- swiernnq der Wirtschaft feit der Wende m l?
| .,um Ig'Jahrhunbert, die sich "n-icachtet wr-berh°I- ter Krisen und Rllck>chlage bis zum Weltkrieg fort- efeten, war auch ein sich entsprechend entwickelnder Wirtschaftsverkehr mit Deutschland verbunden.
[ Das gewaltige russische Hinterland mit feinen nahezu unerschöpflichen Rohstoffbasen und feinem steigenden Warenhunger war auch in dieser Phche wie zur Zeit der „Aufsegelung Avlands m der Produktion und im Handel, im Absatz und Bezug . auf den baltischen Raum und auf Deutschland angewiesen Seine vermittelnde wirtschaftliche Aufgabe
' im Osten konnte das Baltenland nur auf der Grundlage der deutschen Produktton und der Em- i' chhr äus Deutschland erfüllen. Die deutschen Wa- renimporte sowie die russischen Gegenexporte von
| Rohstoffen gingen in stärkstem Ausmaße über den baltischen Raum und wurden hier auch organisiert und abgewickelt. Besonders der gewaltige russische Rohstofferport, welcher zu mehr als emem Drittel die russische Finanz- und StaÄswlrtschaft ermöglichte, war ohne die baltischen Hafen mcht denkbar. Die nur wenige Monate des Jahres offemn Nord- Häfen und die Häfen des „geschlossenen Schwarzen Meeres genügten hierzu in keinem Falle.
Im baltischen Raum selbst war ber patzte Teil des 18. unb 19. Jahrhunderts eine Periode ruhiger und aufsteigender wirtschaftlicher Entwicklung. Die Bewohner des Landes könnten ihr eigenständiges Leben führen und die Wirtschaft nach ihrem Gutdünken gestalten. Die gesunden g r a r n ß r. hältnisse entsprachen den Erfordermssen des Landes und boten auch Kleinbauern und Landarbeitern eine sozial beftiedigende Position Es war alte hansische Traditton der Städte, für die Zufuhr von Erzeugnissen und Waren 3"-sorgen zu^st aus Deutschland —, die außer landwirtschaftlichen Produkten für ein zivilisiertes Leben erforderlich waren. Ein lebhafter überseeischer Großhandel mit von Jahrzehnt zu Jahrzehnt fteigender Tonnage bewältigte den im Transithandel sich abwickelnden W renurnschlag mit Rußland. Die feit Ausgang des 19. Jahrhunderts gewaltig unwachsenoe^ - d u ft r i e entstand überwiegend durch deutsche Initiative, und wieder, wie zur Hansezech wanderten
Metzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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