Einzelbild herunterladen

Der Wehrmachtbericht.

DRV. AusdemFührerhauptquartier, 26. März. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Auf der Halbinsel Kertsch wurden schwächere feindliche Angriffe abgeschlagen.

3m Donezgebiet scheiterten Angriffe des Feindes, die zum Teil von panzern unterstützt waren, in erbittertem Nahkampf an dem hart­näckigen Widerstand deutscher und rumänischer Truppen.

An verschiedenen Abschnitten der übrigen O st - front wurden bei fortdauerndem Tauwctter feind­liche Angriffe in teilweise harten Kämpfen ebenfalls obgewiesen. Oertllche Angriffsunternehmungen ver­tiefen erfolgreich.

Am 24. März warfen Kampfflugzeuge in einem Hafen an der Kaukasusküste ein Handels­schiff mittlerer Grütze in Brand.

Ein deutsches Unterseeboot versenkte ost­wärts Sotlum aus einem stark gesicherten bri­

tischen Geleitzug einen Zerstörer und einen Dampfer von 5000 BRT.

Deutsche Kampfflieger griffen den Hafen La va­le t t a auf M a l t a mit guter Wirkung an. Vor der Bucht Marsa Scirocco erhielt ein britisches Vorpostenboot einen Bombentreffer.

Nachtangriffe der Luftwaffe mit Bomben schwe­ren Kalibers auf das Hafengebiet von Dover und kriegswichtige Anlagen der Stadt verursachten grohr Schäden. Ein zur Aufklärung eingesetztes Kampf- flugzeug schotz am Tage über der Südostküfte Englands ein britisches Jagdflugzeug ab.

Der Feind warf in der vergangenen Nacht Spreng- und Brandbomben auf mehrere Orte in Westdeutschland. Die Zivilbevölkerung hotte Verluste an Toten und Verletzten. Störungsflüge einzelner feindlicher Flugzeuge führten in das südliche Reichs­gebiet. Nachtjäger und Flakartillerie schossen acht der angreifenden Bomber ab. hierbei er­zielte Oberleutnant Becker seinen 15. und 16. Nachhagdsieg.

Hauptmann Jhtefeld schotz am 24.März sei­nen 70. bis 74. Gegner im Luftkampf ab.

Erneute feindliche Angriffe im Donez-Gebiet in erbittertem Aahkamps gescheitert.

Verlagerung des Verkehrs hat die amerikanischen Eisenbahngesellschaften vor eine schwierige Frage ge­stellt, da das amerikanische Bahnnetz ohnehin schon überlastet ist. Der amerikanischen Regierung blieb aber keine andere Wahl, denn die amerikanischen Küstenschi-ffe müssen, so wenig sie auch für Hochsee­fahrten geeignet sein mögen, für überseeische Trans­porte eingesetzt werden, da die Produktion der Werf­ten nicht im entferntesten mit der Versenkungsziffer Schritt hält.

Der Katt von Singapur.

Die Korruption der britischen Verwaltung.

Stockholm, 26. März. (DNB.) Im Oberhaus verlangte Lor>d AMfon Einsetzung einer Untersu­chungskommission über die V e r t e i d i g u n g S i n- gapurs. Er erklärte:Wir müssen in den An­nalen unserer Geschichte Herumsuchen, um ein Er­eignis zu finden, welches ein derartiger Schock für die öffentliche Meinung war. Es war kein plötzlicher Verlust, sondern das Finale einer zweimonatigen Reihe von Ereignissen, die eins nach dem andern einen unverzeihlichen Mangel an Voraussicht, an richtiger Einschätzung der feindlichen Stärke, an hinreichendem Ausrüstungs­material sowie ungenügende Ausbildung der Trup­pen und das Versäumnis, mit der Eingeborenen- beoölkerung in richtige Beziehung zu kommen, er­kennen ließen." Lord Addison sagte weiter:Ich glaube, es ist Material genug vorhanden für eine Untersuchung, daß keine Landverteidi­gungswerke errichtet worden sind, daß die Was­serreservoire offen gelassen wurden und daß die Jv- Hur-Hügel unverteidigt blieben." Lord Addison rief mit' tiefster Empörung in den Saal: ,Fch hoffe, daß wir niemals wieder einen britischen General sehen werden, der den Union Jack mit einer weißen Fcchne zum Feind trägt!" Bezeichnenderweise hat Reuter gerade diesen Satz unterschlagen, denn gerade zu der Zeit, als Lord Addison feine Anklagerede hielt, mußte Reuter melden, daß abermals ein briti­scher Offizier mit der weißen Fahne diesmal auf den Andamanen die Kapitulation seiner Truppen notifizieren mußte.

Obgleich der Regierungsoertreter Lord Cranbourne so tat, als fei noch kein ausführlicher Bericht über den Fall Singapurs eingegangen, da verlas Lord Addison den Brief eines Obersten, der in Malaya gekämpft hat und schrieb, daß er von einem Gene­ral angefahren worden sei, weil er Prioatgummi- plantagen mit seinem Lastkraftwagen habe durchfah­ren müssen, wo keine andere Möglichkeit bestand. Die englischen Truppen seien sich der Gefahr der japanischen Truppen gar nicht bewußt gewesen, da sie sich samstags vom Dienst zu drücken versuchten und sonntags durchweg keinen Dienst machten.

Haiti willzu den USA.

Rom, 26. März. (Europapreß.) Der Präsident der Republik Haiti, Elia I e s c o t t, ist nach Washington gereist, um die Einzelheiten über die Form festzulegen, unter der Haiti in Abhängigkeit I von den USA. treten wird. Vor seiner Abreise von

nern ebenso zur Pflicht gemacht werden wird, wie die Einhaltung der unter amtlicher Aufsicht stehen­den dörflichen Waschtage.

Aus dem Reich.

Das Langemarck Studium.

Das Langemarck-Studium der Reichsstudenten­führung hat auch im dritten Kriegswinter seine Auslese- und Erziehungsarbeit in 13 Hochfchul- tädten fortgesetzt. In diesen Tagen haben sich in ieben Lehrgängen 250 Langemarck-Studenten einer Zeistungsprufung unterzogen. Sämtlichen Männern, die am Ende der dreisemestrigen Vorstudienausbil'- dung standen, konnte das Zeugnis der Reife aus- gehändigt werden, das zum Studium an allen Hochschulen berechtigt. Erstmals wurden Lehrgänge von Kriegsteilnehmern durchgeführt, in denen bewährte Frontsoldaten mit mindestens drei- jähriaer Dienstzeit Aufnahme fanden. Sie sind in­zwischen wieder zu ihren Truppenteilen zurückge­kehrt., Alle, die die Leistungsprüfung ablegten, haben sich freiwillig zur Wehrmacht oder Waffen-^ ge­meldet. Die Ausbildung des jüngsten, noch nicht wehrpflichtigen Jahrganges im Langemarck-Stu­dium geht planmäßig weiter.

Gauausstellung für Bildende Künste 1942.

NSG. In Erkenntnis der politischen Aufgaben der bildenden Künste als eine der seelischen Kraft­quellen der Nation, die gerade angesichts der gestei­gerten Anstrengungen des deutschen Volkes für dis Erringung des Endsieges ihre Berührung mit dem schaffenden Volk fordert und im Rahmen einer öf­fentlichen Ausstellung in besonders eindrucksvoller Weise gewährleistet erscheint, hat der Landesleiter Hessen-Nassau der Reichskammer der bildenden

Zentral-China innerhalb von fünf Jahren auf 0,8 Millionen Tonnen im Jahre steigern zu können. Die übrigen zur Deckung des ostasiatischen Bedarfes erforderlichen 0,3 Millionen Tonnen sollen von Jndochina, Tailand und den Philippinen hervorge- bracht werden. Wenn darüber hinaus ätwa noch Malaya und die Sunda-Jnseln in größerem Um­fange Baumwolle bauen sollten, würde der ost- asiatische Wirtschaftsraum später einen Teil der Ver­sorgung des befreundeten europäisch-afrikanisch- vorderasiatischen Wirtschaftsraumes übernehmen können. Die grundsätzliche Bereitschaft, sich mit den Verbündeten dieses Krieges und den befreundeten Ländern auszugleichen, ist soeben erst wieder von autoritativer ,apanischer Stelle bestätigt worden.

Auch der europäische Raum kann durch ent­sprechende Vorkehrungen von der angelsächsischen Baumwolldiktatur befreit werden. Von der gesam­ten jährlich auf den Weltmarkt gelangenden Baum­wollmenge nahmen die Länder des europäischen Fesllandes etwa 1,4 Millionen Tonnen in Anspruch. Wenn auch die Baumwollgewinnung in den süd­europäischen Ländern: Italien, den Donau- und Balkanländern und der Türkei in den letzten Jah­ren erfreuliche Fortschritte gemacht hat, so ist doch an eine kontinentaleuropäische Baumwoll-Autarkie selbst dann nicht zu denken, wenn die künstlichen Spinnstoffe ihren bisherigen Siegeszug unverändert fortsetzen und den Baumwollbedarf weiter em- schränken sollten.

Aber gegenüber der europäischen Südküste, aus dem anderen Ufer des Mittelmeeres, liegt ein Baumwolland, das nach den traurigen Erfahrungen mit dem Baumwollabsatz im Kriege dringend an stetigen und lohnenden Lieferungen an kaufkräftige Abnehmerländer interessiert ist: Aegypten mit dem Anglo-Aegyptischen Sudan. Diese beiden Ge­biete könnten rund ein Drittel des kontinentaleuro­päischen Baumwollbedarfs befriedigen. Rechnet man weiter mittel-, west - und o st afrikanische Gebiete hinzu, die für den Baumwollanbau her­vorragend geeignet sina (wie die französischen Kolo­nien Algier, Tunis, Marokko, das Senegal- und das Niger-Gebiet sowie Kenya-Uganda und Deutsch- Ostafrika) so ergibt sich nach einer Anlaufzeit von wenigen Jahren eine Deckung des kontinentaleuro­päischen Baumwollbedarfs aus raumeigenen und raumnahen Gebieten im Ausmaß von etwa 60 v. H. Wenn dann die vorder- und mittelasiati­schen Produktionsgebiete Irak, Iran und Indien in die europäische Bedarfsdeckung eingeglie- dert werden könnten, und wenn der ost asia­tische Raum über den Eigenbedarf hinaus Ueberschüsse erzielt, so würde sich die Versorgung Europas mit dem wichtigsten pflanzlichen Spinn­stoff ohne Rückgriff auf die Erzeugung der Neuen Welt ermöglichen lassen.

Man hat in den Vereinigten Staaten und auch in den südamerikanischen Baumwolländern von denen Brastlien vor dem Kriege für die deutsche Versorgung wachsende Bedeutung erlangte noch nicht begriffen, woher der Wind weht, und daß die dichtbesiedelten Wirtschaftsräume der Alten Welt, nämlich Kontinentaleuropa und Ostasien, im Be­griffe stehen, sich von den Baumwollzufuhren aus dem amerikanischen Doppelkontinent völlig unab­hängig zu machen. Die Pankees haben in Den 100 Tagen, die seit ihrer unmittelbaren Beteiligung am Kriege verflossen sind, schon manche Felle davon­schwimmen sehen. Man darf darauf rechnen, daß die beiden Völker merken, auf welchen gefährlichen Irr­weg sie von ihren Staatslenkern geführt worden sind, wenn das Verlustkonto genügend angeschwollen sein wird.

Folgen des Lt-Boot-Krieges.

Das Transportproblem der USA.

Lissabon, 27. März. (DNB.) Die wachsende Schiffsraumknappheit der Vereinigten Staaten, eine Folge der steigenden Versenkungsziffern der deut­schen U-Boote im Atlantik und vor der nordameri­kanischen Küste, hat die USA-Regierung veran­laßt, die Küstenschiffahrt zwischen Den Häfen der amerikanischen Atlantik- und der amerikanischen Pazifikküste einzustellen. Die einzige Ausnahme bil­det der Tankverkehr, so daß infolgedessen gerade die Verluste an Tankschiffen besonders anstiegen. Bisher haben 16 Reedereien mit rund 170 Schiffen den Verkehr zwischen den beiden amerikanischen Küsten durch den Panama-Kanal aufrechterhalten. In nor­malen Jahren wurden von diesen Schiffen rund sieben Millionen Tonnen Fracht befördert, darunter 1 500 000 Tonnen Holz, 1200 000 Tonnen Nahrungs­mittel und 1200 000 Tonnen Stahlerzeugnisse. Alle diese Frachten müssen jetzt auf dem Eisenbahnwege von Westen nach Osten befördert werden. Dazu sind 17 500 zusätzliche Eisenbahnwaggons erforderlich.

Diese durch die deutschen U-Boote erzwungene

gang kommandiert sind, über die politische Lage und gab ihnen Richtlinien für ihre zukünftige Arbeit. Ein Kameradschaftsabend vereinte die Kriegsberich­ter mit Offizieren des Oberkommandos der Wehr­macht und Männern der Presse.

*

Die, ersten Transporte junger Mädchen und Frauen aus Lettland sind im Reich eingetroffen. Sie haben Arbeitsvertrüge für ein Jahr abgeschlossen und kommen als Land- und Fabrikarbeiterinnen vorerst nach der Nordmark. Sie erhalten tarifmäßige Löhne, über die sie nach Ausgleich der Unkosten für Unterkunft und Verpflegung frei verfügen können.

Keine Kleckfiebergefahr!

Eine Klarstellung des Reichsgesundheitsführers.

Berlin, 26. März. (DNB.) Die Feindpropa­ganda beschäftigte sich in letzter Zeit mit Vorliebe mit der Erfindung von einer Fleckfiebergefahr, die ganz Europa drohen solle. Im Völkischen Beobachter nimmt Reichsgesundheitsführer Dr. Conti dazu Stellung. Er erklärt: Die Berührung mit der Un° , kultur der verlausten sowjetischen Horden und einer Bevölkerung, die in jahrzehntelangem Schmutz stän­diger Herd dieser und anderer Seuchen ift, brachte gerade für den hochstehenden deutschen Soldaten und damit auch für die deutsche Heimat Gefahren volksgesundheitlicher Art mit sich. Die Bedrohung durch das Fleckfieber ist jedoch gebannt. Um 70 v. H. sind die Neuerkrankungen im März 1942 ge­genüber den im Dezember 1941 zurückgegangen. Das Reich ist während der ganzen Wintermonate vom Fleckfieber weitgehend freigeblieben. Selbstverständ­lich hat es einzelne eingeschleppte Fälle gegeben, sie sind jedoch immer isolierte Einzelherde oder be­schränkte Gruppenerkrankungen geblieben. 1941 hab. ten wir im Ältreich 165 Fleckfiebererkrankungen bei deutschen Volksgenossen und 121 Erkrankungen bei Juden. In Danzig, Westpreußen und Posen wurden 34 Fälle bei Deutschen und 2750 Fälle bei Juden gezählt. Im Februar 1942 hatten wir im Altreich noch 53 neue Fleckfiebererkrankungen bei Deutschen und 56 bei Juden. In Berlin mit über 4Vs Millio­nen Menschen auf engem Raum hatten wir in der Zivilbevölkerung in der ersten Februarhälfte zwei Fälle und in der letzten Februarhälste wieder zwei Fälle von Fleckfiebererkrankungen. Für das deutsche Volk im Großdeutschen Reich besteht nun praktisch keine Fleckfiebergefahr mehr. Mit der Bannung dieser Gefahr aus dem Osten hat Deutschland wie­der eine europäische Ausgabe erfüllt.

In Lemberg wird von den Behringwer­ken in Marburg ein Flecks ieber-Jmpf- st o f f w e r k eingerichtet, das den Impfstoff in großem Maßstab Herstellen wird. In allen größeren Orten sollen Entlausungsanstalten entstehen lohne Laus kein Fleckfieber!), deren Besuch allen Einwoh-

Port-au-Prince hat der Präsident noch das Dekret über die allgemeine Mobilmachung der Män­ner von 18 bis 45 Jahren unterschrieben. Die nationalistische Partei von Haiti betreibt demgegen­über eine lebhafte, an diewahren Leute von Haiti" gerichtete Propaganda. Sie fordert auf, sich nicht in die Konttollisten eintragen zu lassen, um nicht zugunsten des USA.-Heeresdienst leisten zu müssen.

Zuspitzung der Lage in Iran.

I st a n b u l, 26. März. (DNB.) Nach Meldungen aus Teheran hat die Lage in Iran eine außerordent­liche Zuspitzung erfahren. Die Unruhen und die Verwirrung unter den verschiedenen Stämmen im Lande haben sich überall vermehrt, die Ernährungs­frage ist kritisch geworden, und die Verkehrswege durch Ueberfälle räuberischer Banden unsicher. In­folge des Kabinettswechsels, durch den in Teheran eine sowjetfreundliche Regierung ans Ruder kam, hat sich der Boden für die weitere bolschewistische Durchdringung des Landes noch günstiger gestaltet.

Kleme politische Nachrichten.

Die Wafd-Partei hat bei den ägyptischen Parla­mentswahlen von 264 Kammersitzen 216 errungen. Die Unabhängigen erhielten 13, die Liberalen 4, die Watan-Partei 2 und die Saad-Partei einen Sitz.

*

Japanische Streitkräfte haben eine Aktion gegen chinesisch-kommmüsttsche Truppen in den Bergen Oft-Schantungs in Gang gesetzt. Die Operationen haben etwa 15 Kilometer nordöstlich von Dsingtao begonnen. Die Streitkräfte der chinesischen Kommu­nisten werden auf etwa 30 000 Mann geschätzt.

*

Der von einer Expedition in die Antarktis zurück- gekehrte argentinische HilfskreuzerPasmerö di Mayo" hat im Namen der argentinischen Regierung von der Insel D e c e p t i o n auf den australischen Shetland-Inseln Besitz ergriffen und auf einer Insel der australischen Orkaden eine Wetterstation einge­richtet, die den ganzen Winter über arbeiten soll. Die Inselgruppe hat große Bedeutung für den Wal­fischfang.

*

Der Chef des italienischen Generalstabes, General Cavallero, ist in Budapest eingetroffen und vom ungarischen Honoedminister und Generalstabschef be­grüßt worden.

Aus Einladung des Chefs der. Heeresrüstung und Befehlshabers des Ekfatzheeres, Generaloberst Fromm, weilt der slowakische Verteidigungsminister General Catlos Mit seinem Stabschef, Oberst­leutnant T a t a r k o, zum Besuch von Truppentei­len in Berlin.

*

In Görlitz sprach Reichsorganisationsleiter Dr. Ley auf dem Appell der Führungskräfte der Rü­stungsindustrie des Gaues Niederschlesien.

Reichspressechef Dr. Dietrich sprach vor Kriegs­berichtern, die zu einem kurzen Ausbildungslehr-

Die Treppen Roms und ihre Königin.

Von unserem MP.-Korrespondenten.

Rom, im März.

Wenn eine Stadt, die wie Rom auf Hügeln ge­baut ist, auch öffentliche Treppen in größerer Zahl besitzt, so ist das kein Wunder. Was das Wunder der römischen Treppen ift, ist immer wieder die Schönheit der Erfindung, die Kühnheit der architek­tonischen Lösung, der Schwung, mit dem sie sich in das Bild der Stadt hineinschmiegen. Vor allem die Treppen, die den Pinciohügel erklimmen, wurden zu aller Zeit für wert befunden, auf ihren Bau be­sondere Liebe und Sorgfalt zu verwenden.

Die Königin der römischen Treppen ist nicht die gewaltige Treppe, die zu den beiden Riesengestalten der Dioskuren den Kapitolhügel hinaufführt, noch die neben ihr in beängstigender Steile ansteigende Treppe nach Araceli, sondern die spanische Treppe, jene Treppe, die von der Piazza di Spagna nach der TrinitL del Monte emporführt. Wie hier der steile Anstieg durch sich immer wieder kreuzende Schwünge der Ireppenftetgung überwun­den wird, wie die Bewegungen des Schwunges nach außen und innen sich überschneiden und ineininder- greifen, ist ein Schauspiel, das bei jedem Wetter und jeder Beleuchtung immer wieder neue Reize bietet.

Im Jahre 1660 hinterließ der edle Stefano Guef- fier das Geld zum Bau der Treppe. Nach mancherlei wechselnden Schicksalen wurde das Bauwerk im Jahre 1725, wie dies die lateinische Inschrift an der Treppe verkündet, fertiggefteüt. Wie so oft, entstand auch hier ein herrliches Zeugnis des Kunst­schaffens nicht aus dem Willen heraus, irgendwo ein Monument hinzustellen, sondern lediglich dazu, daß das Minoritenkloster auf der Höhe der Trinitä del Monte einen würdigen Zugang erhielt.

Daß die Treppe im allgemeinen und den Römern im besonderen teuer ift, verwundert keinen, der sie gesehen hat. Erst kürzlich hat Libero de Libero von ihr gesagt, die wichtigsten Treppen Roms zeigten dem Menschen drei Arten, wie er zum Himmel

kommen könne: die eine, die mittelalterliche, zeigte die Treppe nach Aracelij die zweite, die der Re­naissance, die Treppe zum Kapitol und die dritte, die des Barocks, die spanische Treppe. Sei die erste Treppe die Treppe der Demut, so sei die zweite heroisch, die dritte aber, die spanische Treppe, mu­sikalisch.

Das klingt ein bißchen nach dengroßen Worten", die der Nordländer für den Ausdruck feiner Ge­fühle nicht liebt, weil er meint, daß er mit ihnen zuviel davon verräte und sich irgendwie bloßstelle. Aber tatsächlich lernt man in Rom, daß man anders mit diesen Dingen einfach nicht fertig werden kann. Es braucht schon großer Worte, um der Größe dieser Dinge gerecht zu werden.

Denn selbst noch jene Treppen, die gewissermaßen bescheiden im Hintergrund ein stilles und zweck­mäßiges Dasein führen, habei darum doch den An­spruch auf Schönheit und Gestaltung nicht ver­gessen. Die Treppe, die von der Höhe des Pincio, von einem der herrlichsten Aussichtspunkte Roms über der Piazza Del Popolo wie ein Bergbach zwi­schen Mauern und Geländern nach dem Platz her­unterrieselt, ist sich ihres architektonischen Wertes vollauf bewußt. Und wenn man versteht, wie dieses natürliche Niedergleiten der Treppe von einem Berg­hang herab dem Wasser abgelauscht ist, dann sieht man plötzlich mit anderen Augen die Wasserkünste in den Parks italienischer Dillen, in den Villen der Aldobrandini und der Torlonia in Frascati, in der Villa d'Este in Tivoli, im Park des Farnese-Schlosses von Caprarola. Der Gedanke, Wasser und Treppe miteinander zu verbinden, das Wasser eine Treppe hinünterlaufen zu lassen, ja einem künstlichen Bäch­lein auch noch auf dem Treppengeländer einen plätschernden, vielfach unterbrochenen Weg zu wei­fen, wird dann plötzlich nicht mehr eine gewollte Künstlichkeit, sondern ein ganz organischer Hinweis darauf, welcher wohl einmal der Gedanke zur Treppe überhaupt gekommen sein mag. Und daß von diesem Anfang bis zu dem, was als vollkom­mene Kunstform die Hügel Roms auf und ab steigt, die Verbindung nicht abgerissen ist, sondern daß im Gegenteil immer wieder an diese Verbindung er­innert wird, vielleicht nicht bewußt und gewollt, aber

doch mit Notwendigkeit, weil das Gefühl es immer wieder sagte, das ist vielleicht der Grund dafür, daß keine dieser Treppen künstlich wirkt.

Sie sind natürlich, sie sind nützlich, auch wenn sie schön sind, die römischen Treppen. Menschen, die sie benutzen, stören nicht, sondern sind ihre selbstver­ständliche Ergänzung. Und die Stände der Blumen­händler, die unten am Fuß der Spanischen Treppe gegenüber dem Brunnen in Gestalt eines altrömi­schen Schiffes laut angestammter Ueberlieferung mit ihrer bunten, vergänglichen Ware aufgebaut sind, sind keine Majestätsbeleidigung für die Königin der Treppen, sondern nur ein Stückchen bunten Lebens, in dem sie steht, und für das sie gedacht ist.

Herzhafter Bayer.

Von Dr. Heinrich Diehl, Darmstadt.

Das Unsagbare war Überstanden. Wir waren aus der Sommeschlacht herausgezogen worden und hatten dann einige Wochen auf den Maashöhen bei St. Mihiel gelegen. Nun war es Dezember 1916, und wir waren wieder an der Somme, aber dies­mal weiter südlich, in der Gegend von Peronne. Wir lagen zwar nur 80 Meter vom Franzmann, aber es war ziemlich ruhig, die Sommefchlacht wckr vorüber.

Unsere Linie war recht dünn, es waren verbun­dene Granattrichter, es blieb auch einmal eine Lücke von 100 Metern, die überhaupt nicht besetzt war. Da kam Befehl, ich hätte mit zwei Maschinenge­wehren eine zweite Linie zu bilden, 400 Meter weiter rückwärts. Wir bezogen in dieser zweiten Linie einen ehemaligen Artillerieunterstand. Zwölf Mann eines hessischen Infanterieregiments waren wir: zwei Gewehrbedienungen zu je einem Unter­offizier und vier Mann, ich als Zugführer und mein Melder. Eigentlich waren wir dreizehn. Es war uns noch ein bayerischer Pionier beigegeben. Mit seinem langen Spaten und seinem großen Ge­schick half er uns bei unseren Erdarbeiten. Die mußten mir nachts ausführen. Wir bauten für un­sere beiden Gewehre Gewehrstände, für jedes drei oder vier. Wenn ein Gewehr Artilleriefeuer be­

kommt, muß man sofort einen anderen Stand be­ziehen können. Wir sollten, falls der Franzmann vorn durchkäme, ihn in der Flanke fassen. Das eine Gewehr schoß nach rechts, das andere nach links. Unsere Eroarbeiten mußten wir gut verblen­den, wenn der Franzmann nur die geringste Ver­änderung im Gelände merkte, war's mit uns aus.

Da eines Mittags, die einen lagen auf dem Drahtgestell, die anderen hockten um unsere Kerztz streut der Franzmann mit leichten Granaten in unserer Gegend herum, als seuche er etwas und ein ungeheuerer Donnerschlag. Dunkel Kra­chen Splitter Sand erstickende Explosions­gase. Ich will ein Streichholz anzünden bie Schachtel entfällt meiner Hand. Naß, warm, klebrig. Stöhnen aus der Ecke. Einer zündet die Kerze wie­der an, sie brennt mit trüber, langer Flamme. Verbandpäckchen um die Hand, fest zugezogen. Der Eingang ist zusammengestürzt. Verschüttet. Wir können kaum atmen. Es waren unsere Hand­granaten, sie lagen auf den beiden oberen Trep­penstufen, da ging der Schuß drauf. Ihre Splitter tarnen herunter, ihre Explosionsgase wurden her- untergeschleudert, und dann war der Stollen zu» sammengesackt.

Unser Pionier mit seiner oberbayerischen Ruhe und mit seinem technischen Sinn findet den retten­den Gedanken. Die Stollenbretter hatten sich beim Zusammenrutschen gesperrt, und ein schwacher Schein Tageslicht drang bis zu uns herunter. Was tut der Bayer? Er zieht eine Dose Hartspiritus aus der Tasche, etwas, was wir noch gar nicht kannten, und zündet ihn an. Nun streckt er den Arm, so hoch er nur kann, und hält die blaue Flamme in den engen Lichtschacht. Es währt noch keine Minute, und wir spüren die frische Luft und können wieder Atem schöpfen.

Die schlechte Luft zog in dem Schacht nach oben, und gleichzeitig kam frische Außenluft herunter­geströmt. Die Kerze brannte wieder heller, einige verbanden die Verwundeten, andere schaufelten den Eingang frei.

Herzhafter Bayer, denkst du noch an die Mcv schinengewehrkomvanie? Bei Marchelepcht war's. Ich jedenfalls kann dich tmb ferne HÄk fpiritusdoje nicht vergessen»