192. Jahrgang Nr. 75
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8reltag.27.MSrz 1942
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Gießener Anzeiger
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Das Eichenlaub für Leutnant Strelow
das Deutsche recht gut. ,
Die Weiterreise nach Istanbul, wegen der zur Zeit unpassierbaren Maritzabrücke und der Schwre- rigkeiten des Geländes zeitraubend und beschwerlich, wird zur längsten Etappe dieser Reise. Soi - lengrad, der bulgarische Grenzort, ist wegen des derzeitigen Grenzverkehrs zu einer früher nicht geahnten und eigentlich wenig berechtigten internationalen Berühmtheit gelangt. Bon dort werden die Reisenden der verschiedenen Nationalitäten aus einigen Autos hinüber zur türkischen Grenze gebracht, und dann geht es nach den üblichen ®ren3= formalitäten mit türkischen Wagen auf unvorstellbar schwierigen Wegen, deren Schnee- und Eis- gebirge dem'Schlamm und den Wafferlochern des abebbenden Hochwassers Platz gemacht haben, nach E d i r n e , dem einstigen A d r i a n o p e l das uns schon ganz Orient, für eine lange Nacht beherbergt. Dieses nicht sehr erholsame Zwischenspiel bietet uns allerdings neben anderen morgenländischen Impressionen die Möglichkeit der Besichtigung einer der schönsten und berühmtesten Moscheen der Welt Sie vermittelt einen tiefen Eindruck von der einstigen Pracht und der fremden, aber doch tiefbewegenden Idee des Islams.
Die schwierige Fahrt des nächsten Tages, deren Kilometer sich auf der unwegsamen verschlammten Straße ins Endlose dehnen, bietet ebenfalls eine Fülle von Eindrücken dieses orientalisch geprägten letzten Zipfels Europas, auf die der zu anderer Zeit und bequemer Reisende verzichten muß. Eindrücke von Land und Leuten, Trachten, Lebensstil. Flora und Fauna, oft so überraschender und seltsamer Art, daß wir glauben, schon tief drinnen in Asien zu sein Die Behörden und amtlichen Stellen, mit denen wir zu tun bekommen, sind höflich, ja freundlich und versuchen die Unbilden und Härten dieser^ besonderen Art des Reiseverkehrs, die sie ja im übrigen zu teilen haben, zu erleichtern, so daß wenigstens die innere Stimmung erträglich bleibt. Ja, am nächsten Tage bietet man uns unerwartet und daher um so freudiger begrüßt, einen Schlafwagen, der den letzten Teil des Weges von Babaeski bis Istanbul erholsamer macht.
Als sich dann im Dämmern des kommenden Morgens der fast unwirklich schöne Blick auf das Marmarameer, an dem der Zug entlangfährt, durch das Abteilfenster bietet, ist manches von den Unannehmlichkeiten der letzten zweieinhalb Tage vergesien, und
die Gepflegtheit der Hotels droben in Pera stellt auch den äußeren Menschen wieder her und macht ihn bereit, sich in die Märchen von Tausendundeiner Nacht versetzen zu lassen, die diese zauberhafte Stadt auch heute noch zu zeigen vermag.
Am frühen Morgen eines der folgenden Tage führt uns einer der ständig kreisenden Dampfer, die den Bosporus befahren, an den erinnerungsreichen Serailgärten vorüber und mit dem wechselnden Blick auf die Schönheiten des Goldenen Horns hinüber zum Bahnhof Haidar Pascha, wir betreten damit asiatischen Boden. Der Taurus-Expreß nimmt uns für den beginnenden Tag auf, der eine kaum faßbare Fülle von Reizen bietet, obwohl die Götter nach wie vor grollen und dann und wann regennasse Schneeflocken an den Abteilfenstern vorüberjagen. Aber auch sie vermögen den Eindruck der bald pittoresken, bald heroischen Landschaft auf die Dauer nicht anzutasten, und die Felder und Gärten lassen sich das pastellsamtene Grün aller Schattierungen durch diese letzten Vorstöße der Steppen des Ostens nicht mehr rauben.
Einige Stunden lang verfolgt der Expreß die östlichen Ufer des Marmarameeres. Der ganze Zauber dieser südlichen Landschaft bietet sich dem fast trunkenen Auge: das bald smaragdene, bald aquamarinfarbene Meer, die vielgestaltigen Bäume des Südens- zumeist in ihrem /immergrünen Blätterschmuck prangend, die hundert Nuancen des Grün und Gelb und des Weiß der ersten Blumen auf den Feldern, in den Gärten, auf den Hügeln zur Linken, die Ortschaften und Häuser, oft wie jahrhundertealte Kastelle wirkend, Moscheen und Minarette von un-
To ki o, 26. März. (DNB.) Die schon gemeldete Landung japanischer Streitkräfte allf den Anda- manen-Inseln wird von der japanischen Presse als Operation von weittragender Bedeutung gekennzeichnet. „Asahi Schimbun" hebt hervor, daß mit der Besitzergreifung der Andamanen-Inseln Englands Sorgen um seine Kronkolonie Indien noch weiter wachsen. Für die weiteren Operationen im Golf von Bengalen und im gesamten Indischen Ozean sei die Besetzung dieser Inseln von entscheidender Bedeutung. Ein A u ß e n p o st e n Indiens sei damit bereits in japanische Hände gefallen.
Die Andamanen liegen nur noch rund 1000 Kilometer von der Ostküste Britisch-Indiens entfernt. Die Entfernung bis zu dem wichtigen britischen Flottenstützpunkt T r i n c o m a l e e auf Ceylon beträgt nur rund 1200 Kilometer. Die wichtigsten See- verbindungen nach Indien laufen aus dem Indischen Ozean in 'den Golf von Bengalen, der jetzt, nachdem die Andamanen in japanischer Hand sind, von der japanischen Flotte beherrscht wird. Die Seezufuhren nach Kalkutta und Madras sind damit bedroht. Nachdem Sumatra, Java, die Halbinseln Malakka und damit ein großer Teil der burmesischen Küste in japanische Hand gefallen sind, befinden sich fast 4000 Kilometer Küsten- (inte am Indischen Ozean unter japanischer Kontrolle. Die Andamanen sind sowohl als Flotten- wie als Luftbasis für die nächsten japanischen Operationen von unschätzbarem Wert. Dte Hauptstadt der Inselgruppe, Port Blair, besitzt ebenso wie Port Cornwall einen ausgezeichneten Flugplatz. Auch in England werden die weitreichenden strategischen Folgen des japanischen Handstreichs auf die Andamanen nicht unterschätzt. So schreibt z B der militärische Mitarbeiter des Londoner Daily Erpreß", die Japaner hätten jetzt vorzügliche Luft- und Flottenstützpunkte tm Golf von Bengalen halbwegs zwischen Kalkutta und Australien. Ferner seien die Japaner jetzt bei ihren Operationen in Burma gegen Seean griffe inderFlankegeschützt, und schließlich seien Madras und Ceylon in den Operationsbereich der Fernbomber gekommen. Außerdem würden die Transportschwierigkeiten für die Engländer immer
Stalin sieht seine Chance zerrinnen. So werden die Mahnungen an London und Washington, ihre Versprechungen einzulösen, immer dringlicher. Vor zehn Tagen lamentierte der Jude Litwinow- Finkelstein vor den Neuyorker Plutokraten und rief ihnen zu, nur eine Aktion, die ein Wagnis bedeute, habe „einige" Aussicht auf Erfolg. Noch deutlicher spricht Maisky es jetzt aus, daß ein Aufschub verhängnisvoll wäre. Aber selbst nach dem Urteil sachverständiger und besonnener englischer Kreise bedeutet eine Offensive für die Verbündeten, wenigstens für die nächste Zeit, nichts anderes als Selb st mord. Der militärische Mitarbeiter der Londoner Wochenzeitung „Jllustrated London News", Cyrel Falls, schreibt, ihm sei nicht bekannt, daß die Sowjets jemals während ihrer langen Winteroffensive größere Ortschaften zurückerobert hätten. An nichts könne sich ihre Hoffnung klammern. Und diese ausweglose Situation ist es, die Stalin M immer dringlicheren Notrufen veranlaßt. Es ist nicht so, daß die Sowjets den Engländern und Amerikanern den Sieg in den Schoß legen. Noch in diesem Jahr fällt die Entscheidung, so beurteilt Stalin selbst seine Lage.
B e r l i n, 26. März. (DNB.) Die Furcht vor der Zukunft veranlaßt' Stalin, durch seinen Londoner Botschafter Maisky einen neuen Hilferufe nach Errichtung einer „zweiten Front" an seine plutokratischen Freunde zu richten und sie dringend an die Erfüllung ihrer Versprechungen zu mahnen. Das Jahr 1942, so versuchte Maisky den Engländern klar zu machen, sei „der entscheidende Augenblick". Die Verbündeten mühten „\ ofort d i e Offensive ergreife n", wenn sie wirklich den Sieg zu erringen wünschten. Noch liege die Initiative beim Feind, aber die Verbündeten müßten diesem Zustand ein Ende machen. Dies sei der einzige Weg zum Sieg. Der entscheidende Kampfplatz sei die Ostfront. „Wenn die Verbündeten den Krieg gewinnen wollen, so müssen sie alles, was sie haben, in die Waagschale werfen. Wie, wann und in welcher Form dies getan werden kann, ist eine Angelegenheit, die die Generalstäbe entscheiden müssen."
Eindringlicher, als es der Jude Maisky in Stalins Auftrag getan hat, kann ein Notschrei nach sofortiger Rettungsaktion nicht ausgestoßen werden. Vier Monate Winterkrieg haben die Hoffnungen der Bolschewisten auf eine Wendung des Geschicks zunichte gemacht. In Schnee uni) Eis trieben Poli- truks unendliche Massen Kanonenfutter gegen die
Der Führer verlieh — wie schon gemeldet — den Leutnant Strelow, Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader, anläßlich seines 66. Luftsieges — davon 7 an einem Tage — das Eichenlaub zum
Ritterkreuz. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Das Ritterkreuz.
Berlin, 26. März. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz an Oberst Seidemann, Chef des Generalstabes einer Luftwaffe, der durch seine umfassenden Kenntnisse in der Truppenführung und im Einsatz von Fliegerverbänden sowie durch seine großen fliegerischen Fähigkeiten an den Erfolgen der Luftflotte im Angriff gegen England hervorragenden Anteil und im Ostfeldzug die Angriffsoperatio» nen ebenfalls maßgebend beeinflußt hat. Bei einem Sonderunternehmen hat er als Führer von Lustwaffenverbänden im Zusammenwirken mit einer Armee durchschlagende Erfolge erzielt.
Der Führer verlieh ferner das Ritterkreuz an Oberleutnant Werner, Kompanieführer in einem Infanterieregiment, und Oberleutnant Eggers. Kompanieführer in einem Infanterieregiment. — Oberleutnant Werner hat als Kommandant eines Stützpunktes trotz zweifacher schwerer Schulterverletzung einen wichtigen Abschnitt tapfer verteidigt. — Oberleutnant Eggers hat südlich des Ladogasees dazu beigetrügen, daß mehr als 40 Angriffe abgewiesen werden konnten, und die Absicht der Bolsche«. wist en, mit vier Divisionen den Durchbruch zu e*» zwingen, zum Scheitern gebracht wurden.
deutschen Linien und vermochten sie doch nicht , erschüttern. Nun naht die wärmere Jahreszeit und
„Ein Außenposten Indiens in japanischer Hand."
Die Besetzung der Andamanen-Inseln.
„1942 der entscheidende Augenblick."
Ein neuer Notruf Stalins an London.
Das Ende der nordamerikanischen Baumwolldiktatur.
Es wird für die ganze außerbritische Welt eine der wohltätigsten Folgen dieses Krieges sein, daß das Rohstoffmonopol Großbritanniens und Nordamerikas auf einigen wichtigen Gebieten gebrochen sein wird. Auch dort, wo man heute noch glaubt, es mit John Bull und Bruder Jonathan nicht endgültig verderben zu dürfen, wird man recht zufrieden damit sein, daß die Herrscher über die Rohstoffquellen vom hohen Pferd herabsteigen müssen, auf dem sie bis in das Jahr 1942 hinein gesessen haben.
Eines der markantesten Herrschaftsgebiete der Briten und Nordamerikaner auf diesem Gebiete war das der Baumwolle. Von den vor dem Kriege auf den Weltmarkt gelangenden, also den Eigenbedarf der Erzeugerländer übersteigenden Rohbaumwollmengen in Höhe von etwa 3,3 Millionen Tonnen stammten etwa 40 v. H. aus bett Vereinigten Staaten von Amerika und fast ebensoviel aus britischen oder den Briten eng-liierten Ländern. Aegypten, dem Anglo-Aegyptischen Sudan, den tropisch-afrikanischen Kolonien Kenya- Uganda und Britisch-Jndien. Außerhalb des angelsächsischen Monopols standen nur China, Iran, Brasilien, Peru und Argentinien mit zusammen etwa 15 v. H. der gesamten auf dem Weltmarkt erscheinenden Baumwolle.
Japan hat bereits Jahre lang, ehe es sich gegen den britisch-nordamerikanischen Würgegriff zur Wehr setzte, unter der Politik Washingtons zu leiden gehabt. Japan versorgt einen großen Teil der tropischen Länder mit Baumwollwaren und hatte bisher in der näheren Umgebung seiner Inseln nur die geringe Erzeugung Chinas, der südlich anschließenden hinterindischen Gebiete und der Philippinen, Nordamerika schränkte seine Lieferungen ein, und auch aus der britischen Kronkolonie Indien flössen die Baumwollzufuhren immer spärlicher. Gegenüber der übermächtigen nordamerikanischen Konkurrenz konnte sich der Baumwollbau in China nicht recht entwickeln, so daß sich Japan sogar veranlaßt sah, einen Teil der im besetzten China bestehenden Baumwollkulturen auf Sojabohnen umzustellen.
Diese angelsächsische Aushungerungspolitik wird jetzt ein schnelles Ende nehmen. Der Rohbaumwollbedarf des ost asi a ti f ch en Wirtschafts- raumes für das Jahr 1942 ist mit rund 1,1 Millionen Tonnen veranschlagt worden. Hiervon wird die hochentwickelte japanische Baumwollindustrie etwa drei Viertel, die Industrien der übrigen ost- asiatischen Länder das restliche Viertel verbrauchen. Nachdem China die Unterbietung durch nordamerikanische Pflanzer nicht mehr zu befürchten hat, hofft man die Baumwollerzeugung in Nord- und
Bon Berlin nach Ankara
Von unserem K.-Korrespondenten.
zeigen.
Noch mehr vom Reiz dieses weiten, fruchtbaren und reichen Landes geht uns auf, als wir, eine Woche später, im Flugzeug gen Süden fliegen. Die fremdländische und doch so packende, auch aus tausend Meter Höhe niemals eintönige Landschaft der Pußten begleitet uns, bis "Dunst und Wolken das ungarische Land dem Auge entziehen. Die zerklüfteten Berge, die urwelthasten Wälder, die reißenden Wildwässer des Balkangebirges erscheinen unter uns, als wir die Wolken wieder durchstoßen. Die bulgarische H a u p t st a d t ist nicht mehr weit. Eine Stadt ganz anderen Charakters^ aber nicht geringerer Reize nimmt uns auf, die freundliche Metropole eines bäuerlichen Landes, die nicht mehr fein will als dies, die das aber in einer klaren imponierenden Form ist , ... .,
Neben den schönen Trachten der die Hauptstadt besuchenden Bewohner des Landes, unter denen dte der befreiten Mazedonier besonders auffallen, sehen wir die zahlreichen Uniformen dieses soldatischen Volkes. Verstreut mischen sich die vertrauten, feldgrauen Farben deutschen Militärs in dieses Bud, das dort höflich, korrekt und dem Landsmann dtenst- fertig, seine Pflicht tut, erfüllt. Der Gast wird nut Bereitschaft und großer Gastfreundschaft empfangen, deutsche Laute dringen überall an sein Ohr. Man bemüht sich, dem Gast zu Ehren deutsch S" sprechen; ein großer Teil der jungen Generation beherrscht
Antara, März 1942.
Das nächtliche Berlin entläßt unseren Schnellzug mit Eiseskälte und will damit, wie es scheint, einen Vorgeschmack der beginnenden Reise geben. Dennoch wirken die Lautsprecherrufe — „Bahnhof Friedrichstraße!", „Alexanderplatz!", „Schlesischer Bahnhof!" — wie ein Abschiedsgruß, wenn er auch durchaus dem Charakter dieser herben Stadt angepaßt ist.
Der nächste Tag findet uns tief drinnen i n Mähren, die eigenartige ^Landschaft verhehlt auch in Winterstürmen und durch den vom Atem in die Eisschicht des Fensters geblasenen Ausguck ihren Eindruck nicht und weckt viele Erinnerungen. Das Wiener Element und Temperament, die unter den Reisenden vorherrschen, machen den langen Aufenthalt im Innern der Wagen angenehm und kurzweilig, und so erreichen wir Wien in dem geeigneten Optimismus. Es zeigt sich auch in diesem dritten Kriegswinter im besten Gewände und liebenswürdig wie immer. Bei Bruck an der Leitha nehmen mir am nächsten Tag Abschied von deutschen Landen. Die Donau entlang eilt der Zug nach Südosten der ungarischen Hauptstadt zu, durch überraschenden strahlenden Sonnenschein — den einzigen dieser Reise—, der den Schnee in goldene Farbe taucht.
Budapest ist königlich wie je, auch in dem Schneesturm, der mit unvorstellbarer Wucht am nächsten Tage einsetzt. Den alten Glanz dieser unvergleichlich gelegenen Stadt mit ihrer Fülle natürlicher und architektonischer Schönheiten an der Grenze zweier Welten nimmt das Auge mit Freude und Entzücken wahr. Dabei ist unverkennbar, daß dieses ritterliche und gastliche Volk wie wir in einem entscheidenden und zukunftsschweren Kriege steht. Die Uniformen, soweit es keine Felduniformen sind, bunt, gefällig und vielgestaltig, beherrschen das Straßenbild auch hier; das zivile Leben steht unter dem Gesetz dieses Krieges um unsere Kultur. Ordnung, Klarheit und entschiedener Wille zum Sieg imponieren; Kameradschaft und Achtung, die dem deutschen Gast geboten werden, berühren angenehm, um so mehr, als sie sich in männlicher Ritterlichkeit
größer, weil Kalkutta teilweise isoliert werden könne, so daß der Nachschub bereits in Bombay gelandet und auf dem Landwege weitergeschickt werden müsse.
Wachsende Nervosität in Indien.
Genf, 26. März. (Europapreß.) Nach Meldungen amerikanischer Korrespondenten aus Kalkutta hat die Besetzung der Andamanen-Inseln durch Japan eine allgemeine Evakuations-Psychose in den großen Städten Indiens wie auf Ceylon ausgelöst. Nach Meldungen aus Colombo hat die Regierung von Ceylon Colombo verlassen und ist ins Innere der Insel geflüchtet. In Kalkutta, Madras und Bombay hat die Evakuationswelle einen neuen Auftrieb erhalten. Sie hat auch in den anderen großen Städten des indischen Subkontinents eingesetzt. Die Küstendampfer «sind auf Wochen hinaus oorbelegt. In den ins Innere des Landes und nach Norden führenden Schnellzügen Plätze zu bekommen, ist so gut wie unmöglich.
Cripps in Neu-Delhi.
Schanghai, 27. März. (Europapreß.) Cripps hat am Donnerstag den Maharadscha!; Jam Sahib von Nawanagar, Kanzler der indischen Fürstenkammer, und dessen Stellvertreter, den Maharad- schah des Rajputana-Staates Bikaner, empfangen. Am Freitag wird der Führer der indischen Liberalen Sir Tej Pahaddur S u p r u , mit Cripps zusammentreffen. Gandhi hat am Donnerstagvormittag auf dem Wege zu den Besprechungen mit Stafford Cripps in Neu-Delhi die Stadt Nadapur passiert. Die endgültige Entscheidung der Kongreßpartei über den Jndienplan Cripps' wird für Freitag in Allahabad erwartet. In Allahabad findet am Samstag eine Sitzung des Ausschusses der Kongreßpartei unter dem Vorsitz von A z a d statt. Der internationale Nachrichtendienst berichtet aus Neu-Delhi, der britische Plan sehe in den Hauptpunkten die Gewährung des Dominien-Sta- tus nach dem Kriege sowie Wahlen für die regierenden Körperschaften der Provinzen, "gleichfalls nach dem Kriege, vor.
vergleichlichem architektonischem Zauber, die malerischen Trachten der dunkeläugigen Menschen, die bunte Tierwelt des südlichen Meeresstrandes, das Gewimmel der tausend Vögel, die eine phantasiereiche Natur schuf, die Barken und Fischerkähne mit den bunten Segeln mannigfaltiger Form. Drüben auf der anderen Seite des Meeresarmes glänzen hohe Berge mit schneebedeckten Gipfeln.
Der bequeme und saubere Zug ist mäßig besetzt. Unter den Reisenden herrschen die Türken vor; doch gibt es einige Engländer, Franzosen und Aegypter. Sie alle haben sich häuslich eingerichtet und begleiten je nach Temperament, Alter und Nationalität die Schönheit der Landschaft mit Aufmerksamkeit, Gleichgültigkeit, Lektüre oder den nicht zu unterschätzenden Reizen des Speisewagens. Man ist sehr höflich untereinander. Das Französisch, als vermittelnde Sprache hier fast unersetzlich, ist bei den meisten gleich schlecht. Einheitlicher und im Grunde wohl auch sympathischer ist das Volk draußen an den Straßen und Bahnübergängen; es ist so ursprünglich und unverbildet, daß es, ob Mann, ob Kind, ob glutäugige Schöne dem Zuge nachwinkt. Schließlich ist der zweimal wöchentlich verkehrende Taurus-Expreß auch ein genügend wichtiges Ereignis, daß er solchen Gruß verdient.
Mit einem großen Bogen verabschiedet sich der Zug von den geschichtlichen Gestaden dieses Meeres und stößt nach Osten in die hohen Berge Anatoliens vor. Mit mehreren Maschinen erklimmt er schnell und durch hundert Schluchten, an reißenden Flüssen vorbei, in zahlreichen Tunnels die Höhen, auf denen die Frühlingsblumen bald dem gleißenden Schnee weichen. Bald bietet sich rechts und links der Bahn die weite Hochebene Anatoliens. Eskifehir und andere Orte zeigen sich in naßkaltem Gewände, und nun eilt der Zug durch die schweigende Nacht, die nur durch die Perlenkette der strahlend leuchtenden Fenster des Expreß erhellt wird.


