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rufen, um zu verstehen, wie revolutionär der Ge- öanfe des Erbhofes war."

Der Siegesmarfch der deutsechn Armeen hat nun hie Raumenge beseitigt. Land steht zur Verfügung, um Hunderttausenden von Neubauern­familien eine gesunde Lebensgrundlage zu verschaf­fen. In Zukunft können wir nun an die Neu­ordnung der Besitzverhältnisse Heran­gehen und nicht nur in den neuen Gebieten, son­dern auch im Altreich neue gesunde Höfe schaffen. Wir werden nunmehr eine für die Erhal­tung der Volkskraft und die Sicherung der Er­nährung vernünftige und sinnvolle Besitzstruktur erzielen können. Dieses große Werk wird Jahre er­fordern. Im Zuge der Besiedlung der neu erwor­benen Gebiete mit Tausenden von Freiwilligen, die insbesondere als Soldaten, aber auch als Be­triebsführer diese Gebiete kennengelernt haben und dort als Bauern den eroberten Boden zu deutschem Land machen werden, wird es auch möglich sein, viele nicht lebensfähige Klein- und Kleinstbetriebe in der Heimat zu gesunden Höfen, die den Einsatz neuzeitlicher Maschinen erlauben, umzustellen. Da­bei wird diese Strutturwandlung mit der notwsn- digen Behutsamkeit durchzuführen sein, um den Lebensquell uralter Bauernsiedlung nicht zu ver­schütten. Es werden sich so wieder jene Züge sied­lungswilliger Deutscher wiederholen, die im Laufe der deutschen Geschichte so oft gen Osten gezogen sind.

Es ist selbstverständlich, daß diese gewaltige Neu­ordnung des deutschen Lebensraumes nicht mit Zwang und nicht unter Außerachtlassung der per­sönlichen Lebensverhältnisse und Wünsche des ein­zelnen durchgeführt wird. Anderseits muß jeder einzelne Volksgenosse einsehen, daß die lebens­unfähigen landwirtschaftlichen Kleinstbetriebe späterhin v erschwinden müssen, schon um allen Schichten des Volkes, also auch diesen Besitzern von Kleinstbetrieben, einen gesunden Lebensstandard zu verschaffen. Niemand sollte doch vergessen, daß diese Entwicklung zum Kleinstbetrieb nur das Ergebnis des bedauernswerten politischen Niederganges Deutschlands gewesen ist.

Bis zum 18. Jahrhundert und teilweise bis zum 19. Jahrhundert sind aus allen Gauen des Reiches immer wieder Züge siedlungswilliger Bauern nach

dem Osten und Südosten gezogen, um eben der Bodenzersplitterung zu entgehen. Als schließlich die Ostsiedlung abklang, da sind diese deutschen Menschen aus der Enge der deutschen Kleinstaaterei heraus nach Uebersee abgewandert und dann Dem deutschen Volkstum verlorengegangen. Die Industrialisierung hat später zwar einen großen Teil der Abwande­rungswilligen wieder aufgefangen, aber in den Ge­bieten, da kein Anerbenrecht herrschte, wurde nun doch die Realteilung immer stärker entwickelt. Das führte zu Verhältnissen, die einfach untragbar sind, weil in diesen Realteilungsgebieten keine gesunde Wirtschaft möglich ist.

Da die Enge des deutschen Lebensraumes nun aber beseitigt ist, wird die alte deutsche Siedlungs­tradition wieder zu neuer Entwicklung kommen können. Der O st e n bietet Siedlungsland in einem Ausmaß, wie es in der deutschen Geschichte noch niemals der Fall war. Die heutige Dürftigkeit der Lebensverhältnisse der östlichen Völker darf kein falsches Bild geben von den Zutunftsmögtichkeiten, die für deutsche Bauern dort gegeben sind. Man braucht nur die Siedlungsstätten deutscher Bauern im Osten oder Südosten zu sehen, die stolze Schön­heit jener Höfe, die Gepflegtheit, der Kulturen und den Reichtum dieser Bauern, um zu erkennen, daß ein geschlossenes deutsches Bauerntum aus dem Osten ei ne wirkliche Heimat zu gestalten vermag. Das Reich bürgt schließlich dafür, daß jeder deutsche Bauernsiedler Lebensgrundlagen findet, die feiner Würde als deutschem Menschen entsprechen, ganz abgesehen von den wirtschaftlichen Aufstieg­möglichkeiten, die aus dieser ganzen Sachlage her­aus Selbstverständlichkeit sind.

Diese Tatsache allein wird zweifellos genügen, um aus den alten deutschen Gauen heraus zur rechten Zeit einen Strom freiwilliger DftfieMer sich entwickeln zu lassen. Diese neue Ostwanderung, die auf völlig freiwilliger Grundlage durchgeführt wer­den wird, wird auf der anderen Seite die Voraus­setzungen schaffen zur Auflockerungder Dür­fe r in den Realteilungsgebieten und zu einer wirt- schafllich gesunden und zweckmäßigen Zusam­menlegung der Betriebe. So wird aus der Neubildung deutschen Bauerntums im Osten nicht nur der deutsche Lebensraum insgesamt erweitert, sondern auch der alte deutsche Siedlungsraum einer gesunden Struktur entgegengeführt. B.

Oie Reichskriegsflagge auf dem Elbrus.

Die Phantasie ist angeregt durch die Mitteilung des Wehrmachtberichtes, daß am 21. August, also am letzten Freitag, um 11 Uhr vormittags, ein Sonderkommando unserer Alpentruppen in einer Höhe von 5630 Meter auf dem Elbrus die Reichskriegsflagge gehißt hat. Aber in diesem Zu­sammenhang, in dem wir den Fortgang der mili­tärischen Operationen zu verfolgen haben, wollen wir neben der großen alpinistischen Leistung nicht den Satz vergessen, der dieser Mitteilung oorangeht: M ehrere Pässe des westlichen Kau - asusgebirges wurden bezwungen." Die Pässe, Straßen, oft auch wenig instand gehaltene Berg- Wege führen an Steilwänden und jähen Abstürzen vorbei. Wir hörten in den letzten Tagen viel von Wolkenbrüchen im Kaukasus. Fast jedes Unwetter überschüttet die Hochgebirgswelt mit Steinlawinen. Diese Pässe aber sind wichtig: für den Marsch ge­schlossener Verbände, auch für den Transport des Nachschubs. Es war ein weiter Weg von Rostow durch die Steppe bis auf die Paßhöhen, die wie aus den Angaben hervorgeht schon vor einigen Tagen erreicht worden fein müssen. Wir hoffen, daß der Abstieg von den PaHhöhen, der auch seine Tücken hat, bald hinter unseren Gebirgstruppen liegt.

So dürfen wir uns auch der bewunderungswür­digen alpinistischen Leistung erfreuen, die ein Son- derkommando mit der Hissung der Reichskriegsflagge auf dem westlichen Vulkangipfel des Elbrus voll­bracht hat. Der westliche Gipfel ist 5629, der östliche 5592 Meter hoch. Beide Gipfel sind durch einen 'sattel von 5270 Meter Höhe verbunden. Zum Vergleich sei daran erinnert, daß der höchste Alven- aipfel, der Montblanc, 4810 m hoch ist. Die West- spitze des Elbrus wurde erst 1889 zum erstenmal erstiegen. Der Elbrus, der höchste Berg des Kau­kasus, ist nur einer der 160 Gipfel, die im Kaukasus über die 4000-Meter-Grenze hinausreichen! Seit der Jahrhundertwende haben deutsche Alpinisten an den Erstersteigungen der Viertausender des Kaukasus und damit an der Erschließung des Gebirges einen hervorragenden Anteil. Des Salzburgers Ludwig

P u r t s ch e l l e r, des großen Führerlosen, Erstbe­steigungen von 1891: Dongusorum-Mittelgipfel (4451 Meter), Dschimarai Choch (4778 Meter), die Unter­nehmungen des deutschen Forschers Dr. W. R. R i ck- mers und seines Freundes Aemilius Hacker 1895, die granitenen Wände des Uschba zu durch­steigen, waren das Vorspiel deutscher Bergsteiger im Kaukasus. 1903 siel der feit Jahren heiß um­strittene Uschba-Südwestgipfel dem Ansturm Adolf Schulzes. Auch die Ueberschreitung der beiden Ufchbagipfel durch die Münchner Bergsteiger D i - stel, Leuchs und Pfann war eine, den Durch­schnitt der damaligen Fahrten weit überragende Leistung. Weiter sind die vier Reifen Oskar S ch u - sters heroorzuheben, der von der Kasbek-Gruppe bis zu den Abchasischen Bergen eine Reihe von Viertausendern erstmals betrat, 1914 in russische Gefangenschaft geriet und dort das Opfer einer Krankheit wurde. Der Münchener Bergsteiger Paul Bauer, der durch seine Himalaja-Unternehmungen Weltruf erlangte, betrat 1929 erstmals die Korga- schilikette und bezwang die Südkante des Düchtau (5198 Meter). Bechtold, Merk! und Raechl, Münchner Bergsteiger, durchzogen den zentralen Kaukasus vom Tscherek zum Baksan, wobei ihnen eine Ersteigung des Elbrus (5629 Meter) gelang. Das Jahr 1935 brachte dann die Kaukafusfahrten österreichischer- Sektionen des Deutschen und Oester- reichischen Alpenvereins mit Professor Schwarz­grub er als Expeditionsleiter, und der Sektion Mün­chen des Alvenvereins. Ihr Glanzstück war die zweite Ueberschreitung beider Uschba-Gipfel durch Göttner, Schrnaderer und Vörg. 1936 schickte der Münchner Alpenoereinszweig Oberland eine Berg­steigergruppe in den Kaukasus unter der Führung von E. Renk, wobei ein erstmals erstiegener Firn­gipfelPik Oberland" getauft wurde-. Die beiden Stuttgarter Bergsteiger Schäfer und Schwei­zer der Alpenoereinssektion Schwaben bezwangen trotz schlechter Wetterlage den Sugantau (4580 Meter), den Suganbasch (4550 Meter), den Dop- pachtau und den Tiutiunbasch über den Südgrat.

Der Westen in unbeinbarer Siegeszuversicht.

Oer Gauleiter sprach zur Gefolgschaft eines Mainzer Betriebes.

NSG. Gauleiter und Reichsstatthalter Spren­ger sprach am Dienstagnachmittag zu einer tausend­köpfigen Gefolgschaft eines Mainzer Betriebes über den durch die britischen Terrorangriffe erhöhten Aufgabenante-il der Heimat an der Kriegführung des Reiches. Der Gauleiter rief mit einem Rückblick auf die vergangenen drei Kriegs­jahre den Zuhörern die unvergleichlichen Sieges­taten unserer Wehrmacht in Erinnerung, die heute die festen Grundlagen des nicht mehr zu entreißen-; den deutschen Sieges sind. Die vergangenen Kriegs­jahre hätten bewiesen, wie berechtigt das Vertrauen des Führers zur seelischen und physischen Kraft des deutschen Volkes gewesen fei. Sie hätten darüber hinaus aber auch den Beweis erbracht, daß die planvolle Ausrichtung des deutschen Volkes auf die Grundsätze des Nationalsozialismus zum wesent­lichsten Garanten unseres Sieges geworden fei.

Nach einer eingehenden Darstellung der Hinter­gründe unseres Freiheitskampfes, die in der klaren Herausarbeitung der eindeutigen Kriegsschuld des internationalen Judentums gipfelte, sprach er vam Sinn dieses Ringens für das Schicksal eines jeden einzelnen Deutschen. Es aehe heute ums Ganze, um die Freiheit unseres Volkes, um die Sicherung des Lebens, um den Arbeitsplatz und die Zukunft der Nachkommen jedes einzelnen. Der Gauleiter wür­digte die vorbildlich bewiesene Karne-' radschäft der Mainzer Bevölkerung. Ihr Verhalten habe dem Führer nochmals die Ge­wißheit gegeben, daß der Westen in seiner Sieges­zuversicht durch nichts zu erschüttern oder zu beirren sei. Die Zeiten, wo man mit der Spekulation auf die Kleinmütigkeit des deutschen Volkes noch billige Erfolge ernten konnte, seien endgültig vorbei. Die Mainzer Bevölkerung habe auf Diesen Versuch eine ei n heutige Antwort erteilt. Mainz habe sich damit in jene Städte ^eingereiht, die für den ge­samten deutschen Westen die unbeugsame Versiche­rung des unbedingten Aushaltens aussprachen. Die Bevölkerung des Westens, die mehr an Opfer zu bringen habe als Millionen anderer Volksgenossen,, wolle nicht, daß auch nur eine Kanone und ein Flugzeug von der Ostfront zu ihrem Schutz abge­zogen werde und dabei der Brite sein Ziel, eine Zersplitterung der deutschen Kraft zu erzwingen, erreichen. Sie wolle nur eines, denn ollen Sieg über diesen in feiner Verzweiflung au üngehemm- ter Brutalität greifenden Gegner. Dieser Sieg werde die wirksamste Vergeltung sein.

In welcher Weise die Front diese Gesinnung der Heimat anerkenne, kennzeichnete der Gauleiter bann am Beispiel einer ostmärkischen Kompanie, die ihm durch ihren Chef einen größeren Geldbetrag zur Unterstützung von Geschädigten der Mainzer Be­völkerung übergab. Der Kompaniechef übersandte den Betrag mit folgenden Worten:Von dem schweren Angriff auf Mainz und von der beispiel­gebenden, bewunderungswürdigen Haltung der Bevölkerung in den schwersten Stunden der Stadt habe ich persönlich Kenntnis genommen. Bei mei­ner Einheit, die zu 80 v. H. aus Ostmärkern, die dem Berufe nach zum Großteil Bauern und land- wirtschaftliche Arbeiter sind, besteht, wurde spontan eine Spmrnlung zugunsten der geschädigten Be­völkerung von Mainz eingeleitet. Ich bitte sie, das Ergebnis der Sammlung zur Unterstützung von Geschädigten zu verwenden und davon besonders solche zu bedenken, die Soldaten beim Feldheer im Osten stehen haben. Unsere Sammlung möge Ihnen Beweis fein, daß wir Ostmärker in guten wie in bösen Tagen immer zu unseren Brüdern im Reich­stehen." Dieser Geist der Kameradschaft, des unbe­dingten Zusammenstehens von Front und Heimat, so schloß der Gauleiter seine Ausführungen, sei die sicherste Gewähr unseres Sieges.

Britischer Angriffsversuch auf Frankfurt bereits im Anflug zerschlagen.

3XS(5. Ein in der Nacht zum Dienstagauf Frankfurt a. 2H. angesehler britischer Terrorangriff wurde bereits im Anflug von der Flak zer­schlagen. Innerhalb des Stadtgebietes kam es zu einigen Bombenabwürfen, die Brand, und Sprengfchäden vor allem in Wohn­vierteln verursachten. Der größere Teil der an­greifenden Flugzeuge war gezwungen, seine Bom­ben im otwurf vor Erreichen des Zieles aus­zulösen. Es entstanden dadurch weitere Schäden in einigen Ortschaften des Rhein-INain-Gebieter. In Frankfurt a. 2H. hat der Angriff bisher drei Tote, in der näheren und weiteren Umgebung der Gauhauplftadt 15 Tote gefordert. Die Bevölkerung hat sich bei der Bekämpfung der Schäden neben den Kräften des aktiven Luftschutzes tatkräftig und er­folgreich eingesetzt.

Afrika, Italiens künftiger Arbeitsplatz.

Rom, 25.Aug.Lavoro Fascista", das Blatt her faschistischen Arbeiterschaft, erklärt, daß Italien übervölkert ist- und beinahe bis zum äußersten Grade ausgenutzt. Es sei eine Frage auf Leben und Tod, daß Italien über einen Raum verfüge, in dem es in voller Souveränität die Entwicklung seiner Bevölkerung pflegen und seine Jndustrieprodukte unabhängig von internationalen Krisen und der be­drückenden Politik der internationalen Kartelle unterbringen könne. Italien erwarte daher ohne alle falsche Heuchelei von diesem Krieg eine Gebiets­erweiterung, die vielen Generationen von Söhnen und Enkeln die Sicherheit gebe, daß sie nicht immer wieder vor dem Tribunal des Krieges und der Geschichte die Zukunft des italienischen Volkes verfechten müßten. Europa könne diesen Wunsch nicht erfüllen, wohl aber Afrika. Afrika sei daher Italiens zukünftiger Arbeitsplatz.

Als Voraussetzung für die Schaffung dieses Le­bensraumes bezeichnet Gayda imGiornale d'Jta- lia" die Freiheit Italiens im Mittelmeer. Sie be­deute vor allem die Vertreibung Englands aus dem Mittelmeerraum und die Wiederherstellung der italienischen Herrschaft über Korsika, 'Dalmatien und Malta und die Schleifung der Falltüren von Gibraltar und Suez, die Italiens Seewege zu den Weltmeeren verschließen. Zur Integrität des kolo­nialen L e b e n s r a u m e s gehöre die Wieder­herstellung des gesamtitalienischen Imperiums von O st a f r i k a. Dazu komme der Ausbau des italieni­schen Besitzes in Nordasrika, dem die früher zur türkischen Oberhoheit gehörenden Gebiete ein­verleibt werden müßten. Diese habe Italien im Kriege 1911/12 rechtmäßig erworben. England und Frankreich hätten sie ihm jedoch abgelistet. Zu die­

sen Gebieten gehöre ebenso die Region des T s ch ad> Sees, wie die jetzige britische Kronkolonie Ni­geria ander Küste.Westafrikas. Das gesamte Ge- biet zwischen Libyen und dem Atlantik müsse in bas Kolonialsystem Italiens treten. Der Bau einer gro­ßen Transsaharabahn könne diese Gebiete zu einer wirtschaftlichen und verwaltungsmäßigen Einheit verbinden und Italien auf eigenem nationalen Ter­ritorium den direkten Zugang von seinen Meeren zum Ozean geben.Mit einer solchen Revision und einem derartig grandiosen Kolonisationswerk wird Italien", so schließt Gayda,seinen wichtigen Bei­trag zur neuen Produktionsgemeinschast Europas leisten, ohne damit irgendwelche wesentliche Be­lange anderer Nationen zu beinträchtigen."

Sie Briten säen vergeblich Zwietracht in Indien.

Tokio, 25. August. (Europapreß.) Um den sich immer mehr ausbreitenden Unruhen in Indien ent­gegenzuwirken, machen die englischen Behörden ver­zweifelte Anstrengungen, die kleineren politischen Gruppen Indiens gefgen die Kongreßpartei auszu- spielen. Sie sind mit allerlei Versprechungen an die Moslem-Liga, die Hmdu-Mahasabha und die indi­schen Liberalen herangetreten. Aber der Versuch, die politische Organisation der rund 50 Millionen Menschen umfassenden Parias (der Unberührbaren) von der Kongreßbewegung zu trennen, tft geschei­tert. Der Führer der Parias, Dr. Arnbedkar, er­klärte, daß seine Organisation im gleichen Schritt und Tritt mit der Kongreßpartei vorgehe. Gandhi sei für die unterdrückten Klassen aufgetreten. Die

Besuch

bei einem Märchendichter.

Bon Mai' Jnngnickel.

Odense, so könnte eine Märchengestalt von ihm heißen, eine Seejungfrau vielleicht, ein schwarzer Schwan ober ein Sternbild im Fabelkalendcr. Aber so ist's eine Stadt auf Fünen. Hier wurde A n - dersen geboren, in dem kleinen, niedrigen Hause mit dem dumpfen Gesicht, das frierend im Winde steht und den Blick ganz nach innen gesenkt hat. Alles in diesem Hause scheint nach Brot zu suchen, selbst die Dinge, die Wände. Und doch hat das Haus wieder etwas von rasch gelungener Musik an sich. So wie ein armer, alter Musikant, der immer seine Flöte bei sich trägt.

Und nun kommt die Sonne, ein voller Guß, durchs Fenster. Die Dinge im Schusterhaus hellen sich auf. Ich sehe Andersens Antlitz mit dem großen Zinken darin, sehe seine Augen, aus denen der ebene Gold­grund der Seele hervorleuchtet. Ein schüchternes, großväterliches Gesicht, dem man es ansieht, daß es immer horcht und wunderlich lächelt. Und das ganze Antlitz überkrakelt von Linien und Schram­men, als sei ein Paradiesvogel darüber gelaufen.

Gleich neben dem hingeduckten Hause steht eine Halle, eine richtige Ruhmeshalle für den, der heute noch klar und versonnen in die Herzen aller Kinder der Welt hineingreift und sie verzaubert. Da steht sein Schreibtisch, der aus Kopenhagen hierher kam. So wie er ihn verlassen hat. Leuchter darauf, Ta­bakspfeife, Sandstreuer, Tintenfaß. Alles Dinge, die sich um ihn scharten, wenn er schrieb. Und in der Mitte des Tisches, wie eine Laune von ihm, steht altväterlich und oerftaubhfein Zylinderhut. Wie still behaglich das alles anmutet. Als ob er noch eben da war und nur mal auf einen Sprung zu den Enten ging, zum Zinnsoldaten, ober zum klei­nen Mädchen mit den Schwefelhölzern. Als ob noch seine Gedanken über der Schreibtischplatte stehen und nun langsam verlöschen. Als habe er eben aus seinem Federkiel die bunte Seifenblase eines klei­nen Märchens aufsteigen lassen. Da scheint sie noch zu schweben.

O,. die Hellen Wandbilder, die da aus seinem Leben erzählen? Wie er zum erstenmal seine Hei­

matstadt verläßt und von seiner Mutter Abschied nimmt. Wie wundersam ist das gemalt., Da steht er vor der Postkutsche, die mit Sternen bemalt ifft Der hochaufgeschlossene, bohnenstangenlange Dichter beugt sich tief zu seiner Mutter herunter, umarmt sie. Die kleine Frau hat Mühe, sein Gesicht zu* er­reichen. Das Herz schwingt tief und beglückt mit, wenn die Augen in diesen Wandbildern lesen.

Und da sind seine Reitstiefel, unten wie einge­schrumpfte Kähne. Seine Reisekoffer wie zerbeulte Schubläden. Und bann kommt ein Säulenrund. Un8 da sitzt er als Plastik, dieses Kinderherz, das den Ruhm so liebte und das neben seliger Dersponnen- heit auch die Hellen Fünkchen der Ironie beher­bergte. Dieses alte Märchenherz hätte sicherlich Freudensprünge gemacht, wenn es noch die eigene Ruhmeshalle in der Heimatstadt erlebt hätte.

Oie Handschrift und ihre Deutung.

Von Dr. K. Lutz.

Von einem Mann, bet1 mit festem, sicherem Schritt, mit ungezwungenen Bewegungen und in freier Haltung ins Zimmer tritt, nehmen wir ohne weiteres an, daß er weiß, was er will. Auch der ruhige, feste Händedruck scheint auf Zuverlässigkeit und Klarheit der Persönlichkeit hinzudeuten. Men­schen, die uns nur zögernd, ohne festen Druck die Hand reichen, die uns bei der Unterhaltung nicht ansehen, sondern ihre Augen unruhig hin- und her­wandern lassen, halten wir für schwankend, unzu­verlässig und unaufrichtig. Es gehört also ohne wei­teres zur täglichen Gewohnheit, einen Menschen da­nach zu beurteilen, wie er sich bewegt und wie er sich gibt, denn die Erfahrung des Alltags lehrt, baß die körperlichen Bewegungen, aus denen sich das Auftreten zusammensetzt, einen Ausdruckswert haben. Auf dieser Alltagsweisheit beruht auch die Graphologie, und es ist eigentlich erstaunlich, daß sie solange um ihre Anerkennung hat kämpfen muf­fen. Nunmehr ist sie jedoch mit der Ernennung von Dr. habil. Rudolf Pophal zum Dozenten für Graphologie an der Universität Greifswald in bas Reich der Wissenschaft edngejogen.

Allerdings hat es nun wohl auch ein Ende mit jener Ueberbemertung der Handschriftendeutung, die da glaubte, aus einer Schriftprobe allein schon Ver­gangenheit und Zukunft eines Menschen, Berufs­neigung, Leistungsfähigkeit und womöglich noch alle seine größeren und kleineren Liebhabereien und Laster herauslesen zu können. Weil die wissenschaft­liche Schriftforschung in der Schrift als dem Nieder­schlag der Schreibbewegung auch eine Form der persönlichen Bewegungsweise sieht, macht sie bas Studium der Bewegung nun auch zum Ausgangs­punkt und zum Grundstein der Schriftdeutungslehre, wie Dr. Pophal in einem inForschungen und Fort­schritte" erschienenen Aufsatz zeigt. Die Handschrift ist eine automatisch gewordene Willkürbewegung, in die gewisse Ausdruckszüge mit einfließen, deshalb muß man sich bei ihrer Erforschung zunächst ein­mal mit dem Zentrum und dem Ausgangsort dieser Willkürbemegung beschäftigen, dem Gehirn. Hier trifft, sich die Erforschung der Handschrift mit der Hirnsorschung, denn es ist natürlich außerordent­lich wichtig zu wissen, welche Teile des Gehirns bei der Entstehung der Schrift beteiligt sind. Den Hirnstamm, dasUrhirn" sieht man heute als den Sih der Triebe und Instinkte, derTiefenperson" der modernen Psychologie an, während die Hirn­rinde der Ort der Geistigkeit, also der Verstandes­leistungen und der Willenfunktionen ist. Die Kör­perbewegungen werden nun teils vom Hirnstamm, teils von der Rinde gesteuert. Mit der sorgfältigen Entwirrung dieser beiden Bewegungsursachen in der Handschrift muß demnach die wissenschaftliche Gra­phologie beginnen.

Es lassen sich bei den Körperbewegungen urtüm­liche, primitive Bewegungsformen, wie Laufen, Schwimmen, Atmen feststellen, dieHin- und Her­bewegungen" genannt werden. Ihnen steht als typisch-menschliche Bewegung dieEinzelbewegung" gegenüber. Sie wird auch im Tierreich schon an- getroffen, findet aber erst beim Menschen ihre volle Durchbildung. Die Hin- und Herbewegungen haben im, Hirnstamm, die Einzelbewegungen in der Hirn­rinde ihren Ursprung. Beide aber lassen sich in der Schrift wiederfinden. Wohlgezügeltes Schriftbild, mit guter rhythmischer Gliederung, in dem weder die Hin- und Herbewegung noch die Einzelbewegungen einseitig überwiegen, beutet also auf eine glückliche

Mischung vonTiefenperson" und Geistigkeit hin. Schriften, in denen die Einzelbewegung überwiegt, in denen die Worte in Einzelbuchstaben oder kleine für sich geformte Buchstabengruppen zerfallen, deu­ten auf Hirnrindenmenschen, bei denen der Verstand und die Willensfunktion die Hauptrolle spielt. Un­gleichmäßigkeit der Buchstabenformen wie der Schriftführung kann das Fehlen der Einzelbs- wegung und damit" das Fehlen zielbewuhten Wpl* lens bedeuten.

*

Wie sehr der ganze Körper auch bei der Schreib­bewegung mitwirkt, das zeigen die Untersuchungen Dr. Pophals über den Grad terVersteifung", der als Folge verschiedenartiger Anspannung der Muskeln des Schreibarms auch in der Handschrift wiederzufinden ist. Bei allzu lockerer Bewegung-- führunä muß. man auf Mangel an Hemmungen beim Schreiber schließen, aus allzustarker Verstei­fung, die in der Handschrift durch eine spröde, fluß- lose unrhythmische Strichführung ihren Niederschlag findet, läßt sich wieder Mangel an Anpassungsfähig­keit und Verschlossenheit folgern. Die Versteifung der Schreibbewegung kann bis zur Verkrampfung gehen und bedeutet dann unter Umständen krankhafte Ge­hemmtheit. Auch der Schreibdruck spielt natürlich eine wichtige Rolle bei der Sehriftbeurtelliung. (Ec läßt sich neuerdings sogar exakt messen. Profesior Enke in Halle hat vor einiger Zeit Untersuchungen über diesen wichtigen Bestandteil der Schreibbe­wegungen durchgeführt und dabei zwei Haupt­gruppen von Schrifttypen gefunden. Bei der einen läßt der Schreiber sofort mit dem Druck nach, wenn im Schriftzug ein Druck nicht notwendig ist, das sind meist Menschen, die sich leicht anspannen und wieder entspannen können, die also aufgeschlossen, mit elafti« Ker Einstellungsf ähigkeit dem Leben gegenübertreten, «ckriften mit gleichmäßigem Druck deuten wieder auf Beharrlichkeit hin. Ist der Druck von Anfang bis zu Ende übermäßig, ja unnatürlich stark, dann kann auch eine verkrampfte, störrische und umrach- giebige Charakterhaltung zugrunde liegen, die es dem Schreiber schwer macht, sich den veränderten Lebensumständen anzupassen. Die ersten Ergeb­nisse des Zusammentreffens der Graphologie mit der exakten wissenschaftlichen Forschung sind also durchaus vielversprechend für die Zukunft.

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