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<92. Jahrgang Nr. 120 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Zchristteitung und Geschäftrstelle: Gießen, Lchulftraße 7-9

Druck und Verlag: vrühlsche UnioerfitütLdruckerri 8. Lange

Dienstag, 26. Mai 19^2

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Die Kesselschlacht südlich Charkow

den sowjetischen Verbänden, die von Süden her Charkow erreichen sollten, sämtliche Nachschubwege abgeschnitten. Der Ring ist geschlossen.

Am Abend des 22. Mai startete ich von Charkow aus mit einem FockeWulf-Aufklärer .zu einem Flugeüber den Kessel. Kilometerweit liegen noch heute breite Rauchschwaden über dem sommer­lichen fruchtbaren Hügelland, an jener Stelle, wo vor Tagen schon der bolschewistische Ansturm zum Stehen kam, wo jedes Dorf und jede Kolchose an einem Tag oft drei-, vier-, fünfmal den Besitzer wechselte. Hier und da auf den Feldern stehen noch abgeschossene Feindtanks, ausgebrannt und verlas­sen. Endlos flutet auf den wenigen großen Stra­ßen der Strom unserer Nachschub- und Trvßkvlon- nen nach Südosten, durch Hakenkreuzfahnen für uns gut kenntlich gemacht.

Minuten später: frische Brandherde unter uns, hell lodern die Flammen aus zerschossenen Dörfern empor, dazwischen marschierende Infanterie. Ist das jetzt die Front? Wir stoßen hinab auf 200 Meter. Immer noch eigene Truppen. Dabei sind wir über einem Gebiet, in dem zu Mittag noch die Bolschewisten saßen. Erst nach weiteren Flug­minuten erkennen wir deutsche Infanteristen in Stellung. So weit ist hier der Angriff schon vorge-

Schicksals hatte, konnte bei Attlee nur lächerlich wirken. Um nicht in der Opposition umzukommen, trat er in die Regierung ein, wo ihn das Gewicht Churchills innerhalb kürzester Zeit an die Wand drückte. Die Partei hatte diesmal aber keine Mög­lichkeit, sich von ihrem Anführer zu trennen. Sie mußte ihm in die Regierung folgen und besitzt nun heute den Schein der Mitverantwor­tung anstatt der lebendigen Wirklichkeit einer Op­position, zu der ihr die Kraft fehlte.

starken sowjetischen Nachhuten, denn bei dem Wei. terflug über das Hinterland des Gegners sehen wir, wie sich die bolschewistischen Kolonnen planlos und in aufgelöster Ordnung nach Osten und Südosten wälzen, vielleicht einen Ausweg, eine Rettung suchend, die es doch nicht mehr gibt.

Der Aufklärungsaufttag ist durchgeführt, Kurs nach Nordosten. Ueberall unter uns, links und rechts, ist die deutsche Front in der Bewegung. So, wie wir es hier gesehen, so ist es drüben im Osten und am Nordostrand des Kessels. Immer enger wird unter dem deutschen Ansturm der Raum, in dem der Feind zusammengetrieben wird. Timoschenkos Plan, durch starke Vorstöße von Süden und Osten her Charkow zurückzuerobern und dabei mehrere deutsche Divisionen einzuschließen, ist dank der überlegenen Strategie der deutschen Füh­rung ins Gegenteil umgeschlagen. Die Angrei­fer selbst sitzen im Kessel. Die Schlacht um Charkow, bei uns als Abwehrkampf begonnen, wird nach dem Siege von Kertsch die zweite große Vernichtungsschlacht dieses Sommers.

Auslandsjournalisten auf der Halbir sst Kertsch.

B e r l i n , 25. Mai. (DNB.) Nachdem die Sowjets

DNB.... 25. Mai. (PK.) Schneller als die deut­schen Truppen im Raum von Charkow es selbst für möglich gehalten haben, ist in der Schlacht, die nach dem Beginn von Timoschenkos Offensive am 12. Mai in den darauffolgenden Tagen bedrohlich nahe an die Tore der Stadt heranführte, plötzlich die ent­scheidende Wendung eingetreten.

Noch einmal tobte ostwärts und südlich Charkow eine Woche hindurch in aller Schwere der A b- wehrkampf gegen eine vielfache Uebermacht sow­jetischer Schützendivisionen und Panzerbrigaden. Der Schwerpunkt der sowjetischen Offensive lag in die­ser Woche zunächst an der deutschen Front südlich Charkow. 40 Kilometer vor der Stadt kam der bol­schewistische Ansturm durch panzerbrechende Waffen die im OKW.-Bericht erwähnte Sturmgeschütz- Abteilung und mehrere schwere Flakkampftrupps endgültig zum Stehen, während der Feind sei­nen Schwerpunkt an die Front ostwärts Char­kow verlagerte; um auch von dieser Ausgangsstelle her die Rückeroberung der Stadt erringen zu können.

Bei aller Wucht, mit der Tirnoschenko seinen Schlag von Süden führte, war seine Rechnung je­doch nicht ohne Fehler: erstens war die sowjetische Aufmarschbasis zwischen unserer nördlichen Donez- Front und der deutschen Front am Nordwestrand des Donezbeckens zu schmal, und zweitens warf der Gegner nach feinen ersten Angriffserfolgen Di­visionen über Divisionen in den Raum südlich Char­kow. In die Flanke dieser schwachen Stelle stießen von Süden her deutsche Pan­zerverbände, die sich nach mehrtägigen, nach Norden und Nordwest vorgetragenen Angriffen am 22. Mai mit den Truppen der Armee des Generals der Panzertruppen die Hand reichten. Damit sind

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ihre vernichtende Niederlage auf Kertsch mit Be­harrlichkeit abgestritten hatten, erklärte das sow­jetische Kommunique vom 24. Mai, also 5 Tage nach der Abschlußmeldung des OKW. über Ge­fangennahme von 170 000 Mann Sowjettruppen und der Bergung unübersehbaren Kriegsmaterials: Auf Befehl des sowjetischen Oberkommandos haben unsere Truppen die Halbinsel Kertsch verlassen. Die Truppen und ihre Ausrüstung wurden evakuiert» Die Evakuierung erfolgte in bester Ordnung." An­gesichts dieser im Hinblick auf die Größe des deut­schen Sieges ungeheuer dreisten amtlichen Lügen der Sowjets hat sich eine Gruppe auslän­discher 9 o u r n a I i ft en auf Einlctoung des OKW. auf das

Durch die gestern gemeldeten Gegenangriffe find im Raum südlich Charkow nunmehr starke bolschewistische Kräfte eingeschlossen. Ihre Aus­bruchsversuche blieben ebenso erfolglos wie die von außen her geführten Entlastungsangriffe des Geg­ners.

Im Gebiet südostwärts des Ilmensees scheiterten auch gestern alle feindlichen Angriffe.

3m rückwärtigen Gebiet der Ostfront vernichteten ungarische Truppen bei einer mehrtägigen Unter­nehmung eine stark bewaffnete bolschewistische Bande und erbeuteten zahlreiches Kriegsgerät.

3n Rordafrika wurden südostwärts Mechili britische Kraftwagenansammlungen mit Artillerie­feuer belegt. Deutsche Jäger schossen über der Mar- marica 15 britische Flugzeuge ab; ein eigenes Flugzeug ging verloren.

3n Westengland wurden Hafengebiete am Bristol-Kanal bei Tage mit Bomben schweren Ka­libers belegt.

Hauptmann Gräve, Bataillonskommandeur in einem Jägerregiment, hat sich in den Kämpfen auf der Halbinsel Kertsch durch besondere Tapferkeit aus­gezeichnet.

Oer Wehrmachtbericht vom Montag.

DRV. Aus dem Führerhauptquartier, 25. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Operationen im Raum füdlich Lhar- k o w haben sich zu einer großen Kessel­schlacht entwickelt. Die Masse von drei sowjeti­schen Armeen, darunter starke Panzerktäfte, ist e i n- geschlo ssen. Alle Ausbruchsversuche sind unter schwersten Verlusten des Gegners gescheitert. Am mittleren Frontabschnitt wurden bei eigenen Angriffsunternehmungen über 30 Ortschaften ge­nommen. Südostwärts des Ilmensees scheiterten örtliche Angriffe des Feindes. In Lapp­land zerschlugen deutsche und finnische Truppen in mehrwöchigen harten Kämpfen Kräfte in Stärke von mehreren Divisionen, hierbei hat die Radfahr­abteilung 99 trotz schwierigster Geländeverhältnisse eine hartnäckig verteidigte, tiefgegliederte feindliche Bunkerstellung durchbrochen. An der Kandalakscha- bucht vernichteten Sturzkampfflugzeuge eine wich­tige Brücke der Murmanbahn.

Kampffliegerverbände belegten in der letzten Rächt einen Stützpunkt leichter britischer Seestreitkräfte an der Südküste Englands wirksam mit Spreng- und Brandbomben.

So ist es denn kein Wunder, daß. heute mehr Unzufriedenheit in den Reihen der Partei herrscht als zu irgendeinem früheren Zeitpunkt. Die jun- Kräfte innerhalb der Wählerschaft und be-

Der Ring ist geschlossen

Von Kriegsberichter Rauchhaupt.

Stockholm, Mai 1942.

Der Gewohnheit früherer Jahre folgend, tral d i e englische Arbeiterpartei auch an diesem Pfingstfest wieder zu ihrer Jahresversammlung zu­sammen. Aber mehr noch als in den beiden voran­gegangenen Parteikongressen des Krieges war es eine Zusammenkunft von Unzufriedenen, und es mag wohl fein, daß mancher der Teilnehmer sich diesmal die Frage vorlegte, ob er nicht überhaupt dem letzten Kongreß der Labour-Partei beiwohnte. Die Zeiten find den Parteien nicht günstig, und es bedarf einer durch Tradition, Fähigkeit und Wohl­stand sehr festgefügten Organisation, um die Stürme dieses Krieges, die im Innern des Landes nicht we­niger heftig toben als draußen an den Fronten, zu überstehen.

Wenn nun vielleicht die materielle Lage der La­bour-Partei angesichts der Unterstützung durch die mächtigen Gewerkschaften besser ist, als wohl man­cher Außenstehende vermuten möchte, so fehlt es an den beiden anderen Voraussetzungen Tradi­tion und Tüchtigkeit dafür um so mehr. Es ist von Anfang an das Verhängnis der Partei gewesen, daß sie nicht so sehr durch eigene Ver­dienste als durch die Schuld und Schwäche anderer und durch die Eigenwilligkeit der Verhältnisse zu Macht und Einstuß kam. Dor dem ersten Weltkriege bedeutete die Partei im politischen Leben Englands so gut wie gar nichts. Die Sozialisten Burns und Macdonald waren zwar auch damals schon auf der politischen Bühne erschienen, wurden aber kaum als Vorläufer einer ernstzunehmenden Bewegung betrachtet, sondern eher als Sonderlinge, und die politische Gesellschaft behandelte sie meistens als Merkwürdigkeiten und verzog sie wie mißratene,

tragen worden.

Jetzt geht es über das Niemandsland und wenig später über die feindlichen Stellungen hinweg. Schwaches Abwehrfeuer mit Infanterie­waffen, von dem wir oben selbst nichts merken; wir . , sehen sie unter nur, die Waffen im Anschlag, auf Reichspressechefs und des uns feuern. Die sowjetische Front steht hier noch. Schlachtfeld von Kertsch begeben, um sich Der Feind hat sich zur Verteidigung eingerichtet, 1 an Ort und Stelle von dem tatsächlichen Verlauf der aber es ist nur eine der zurückgelajjenen, teilweise'' gewalttgen Vernichtungsschlacht zu überzeugM.

sonders der Arbeiterschaft fühlen sehr wohl, daß diese Leute, die ihr Leben in den Parteibüros ver­bracht haben, sie nicht mehr vertreten können. Zu­gleich weiß schon fast jedes Kind in England, daß spätestens nach diesem Krieg ein neues und wahr­scheinlich sozialistisches Zeitalter auch auf den briti­schen Inseln herauf steigen wird. Die jungen Kräfte wollen den allzu brüchigen Rahmen der Partei, die niemals mehr als Rahmen war, sprengen und neue Formen des politischen Wollens suchen. Der Pfingst- kongreß wird gezeigt haben, wie stark diese jungen Kräfte heute sind und ob sie schon genügend Schwung besitzen, die alten Formen hinwegzufegen. Vielleicht wird ihnen ihr Vorhaben, die alte Partei zu stürzen, gelingen. Wahrscheinlich allerdings wer­den auch sie erkennen müssen, daß der Krieg zwar oft ein guter Wegbereiter ist, daß aber der Bau der neuen Straße erst im Frieden begonnen werden kann.

aber gänzlich harmlose Kinder.

Es'ist klar, daß die fünfzehn Jahre, die zwischen diesem Zustand und der ersten Premierministerschast Ramsay Macdonalds lagen, nicht ausreichten, um die Partei organisch in die Verantwortung hinein­wachsen zu lassen. Das wäre schon in jedem anderen Lande eine ungesunde Entwicklung gewesen, mußte aber in dem jeder schnellen Veränderung abholden England beinahe katastrophale Folgen haben. Die­ser Sprung aus der theoretischen Opposition auf die oberste Stufe der politischen Macht wäre auch unter normalen Verhältnissen nicht möglich gewesen. Nur der jähe Sturz der Liberalen Partei und ihr rapider Verfall schufen für Macdonald und seine Anhänger überhaupt die Möglichkeit, an die Teilnahme an der politischen Verantwortung zu denk'n. Es schien aber, als hätte das Schicksal sich vorgenommen, sogleich das ganze Füllhorn seiner Gnade oder, wie heute schon viele Labour-Mitglieder meinen, seines Ver­hängnisses über Macdonald und seine Partei auszu­leeren. Die Parlamentswahlen des Jahres 1923 bestätigten zwar die Niederlage der Liberalen vom Jahre zuvor, beraubten aber auch die Konservattven ihrer mageren Mehrheit und ließen zum erstenmal seit Generationen das Unterhaus ohne Mehr- h e i t nach Westminster zurückkehren. Die Partei stand vor der Wahl zwischen Koalition oder Minder­heitenregierung. Die Koalition war aber dem Wesen der englischen Politik durchaus fremd und bisher nur im Kriege vorgekommen. Anderseits wollten weder Konservative noch Liberale den an­deren die Regierung überlassen. Als Ergebnis des Kompromisses zwischen den beiden alten Parteien gelangte Macdonald in das höchste Amt, welches England zu vergeben hat.

Das erste L'abour-Experiment endete schon nach wenigen Monaten mit einer Katastrophe und einem überwältigenden Sieg der Konservativen. Das gleiche Schauspiel wiederholte sich 1929 noch einmal. Wiederum zog Macdonald als Premier- Minister einer Minderheitenregierung in Downing- ftreet ein. Diesmal dauerte das Experiment etwas länger, doch war dafür der Sturz auch um so tiefer. Die Weltwirtschaftskrisis rüttelte auch an den Toren der britischen Herrschaft, und die unerfahrenen So­zialisten waren dieser Gefahr nicht gewachsen. Es kam zu der berühmten Augustkrise und der Bildung der nationalen Regierung mit Macdonald als Premierminister und der Unterstützung nahezu aller Parteien. Aber es war nicht mehr der be­geisterte Sozialist Macdonald, der diesmal das Amtssiegel aus der Hand seines Königs empfing. Es war ein alter und sehr ehrgeizig gewordener Mann, dem nächst dem Wohl seines Landes der per­sönliche Ruhm mehr am Herzen lag als die Sache, für die er zwanzig Jahre vorher im Gefängnis ge­sessen hatte.

Die Partei zerbrach in dieser Krise. Ein kleiner Teil folgte Macdonald in die ertragreiche Oase der Verantwortung, während die große Mehr­heit sich in eine erbarmungslose, unfruchtbare Wüste der Opposition flüchtete, in der während der nächsten zehn Jahre fast alle noch vorhandenen jun­gen Triebe verdorrten und von dem Treibsand dok­trinärer Verbitterung erstickt wurden. Unter den Führern dieser verkleinerten und geschwächten La­bour-Partei ragte nur einer über das allzu mittel­mäßige Mittelmaß hinaus: der alte George Lans- bury, ein Ueberbleibfel aus der Frühzeit des So­zialismus in England. Ihm fehlte aber schließlich auch die körperliche Kraft, um in den stürmischen Jahren vor diesem Kriege die Partei zu führen. Er zog sich mehr und mehr aus der praktischen Politik zurück und schloß einige Monate nach Ausbruch des Krieges für immer die Augen. Die Führung der Partei lag bald nur noch in den Händen kraftloser Männer, die ohne Sinn für die Wirklichkeit mit den Scheuklapppen ihrer Doktrin einen seltsamen Weg verfolgten.

Als der Krieg ausbrach, erkannten diese Männer, daß ein Anschluß an die Regierung den Tod ihrer Partei nur noch beschleunigen würde. Die Labour- Party begab sich darum in d i e Opposition und blieb dort auch, bis Churchill die Macht übernahm. Jetzt wiederholte sich noch einmal das Schicksal von 1931. Was bei Macdonald aber doch noch die packende Gewalt eines wirklich tragischen

Durchbruch der Wahrheit.

Ich erteile unseren Truppen den Befehl zum! Beginn der entscheidenden Offensive gegen unseren hartnäckigsten Feind. Wir sind in eine neue Phase des Krieges eingetreten: die Phase der Befreiung der Sowjetunion." So sagte der Sowjetmarschall Tirnoschenko in dem Tagesbefehl an die sow­jetische Südsront zu Beginn seiner Offensive, die am 12. Mai ihren Anfang nahm. Die Sowjets hatten es eilig. Sie begannen mit der Frühjahrsoffenfioe. Das Ziel der Sowjetoffensive war: die Einnahme von Charkow und ein Vorstoß in den Südwesten dieser wichtigsten Stadt der Mittelukraine, wobei ihnen nichts Geringeres vorschwebte, als alle deutschen Truppen im Donezbogen einzukesseln und die Ukraine bis zum Dnjepr zu befreien. Gleichzeitig planten sie eine Offensive von Kertsch aus, um die deutschen Stellungen auf der Krim aufzurollen uito über die Landenge von Pereköp in Richtung des unteren Dnjepr oorzuftoßen. Es war nichts Klei­nes, was sich Tschimoschenko vorgenommen hatte. Sein Plan blieb nicht Theorie, nur führte er in eine Praxis mit umgekehrten Vorzeichen.

Die deutsche Führung kam dem feindlichen Stoß auf der Halbinsel Kertsch durch die Durchbruchs­und Verfolgungsschlacht, die am 8. Mai begann, zu­vor. Jetzt wurde Tirnoschenko der Gefangene seiner eigenen Projektemacherei. Er mußte jetzt los- losschlagen. Seine Offensive im Raum östlich Dort Charkow begann am 12. Mai. Sie scheiterte an dem brillanten Widerstand der deutschen Truppen. Die deutsche Führung setzte am 17. Mai zum Gegenstoß an, dessen Erfolg jetzt in einer wahrhaft großartigen Weise reift. Die Offensivarmeen Timoschenkos sind in eine Sackgasse gerannt, die von starker Panzer- unterstützung begleiteten Angriffe der Stoßarmeen Timoschenkos fanden schon am 12. Mai und den folgenden Tagen heftigen deutschen Widerstand. Dis Sowjets hatten in ihrer mechanistischen Auffassung von Strategie und Taktik geglaubt, durch stärkste Menschen- und Materialeinsätze den Durchbruch er­zwingen zu können. Sie glaubten zu stoßen und wurden in Wirklichkeit gestoßen. Sie waren opti­mistisch genug, den Durchbruch gelungen zu glau­ben und erkannten zu spät, daß ihre Massen im Süden Charkows selbst in den Kessel hineingestürmt waren. Dort werden sie immer weiter zusammen­gepreßt.

Das ist das Ende der enscheidenden bolschewisti­schen Offensive in der Ukraine, die Tirnoschenko in seinem Tagesbefehl angekündigt hatte. Ein Blick auf die Karte läßt vermuten, daß die volle Wucht des deutschen Gegenstoßes die Bolschewisten am Ost­ufer des Donez getroffen hat. Das muß Fern- und Tiefenwirkungen haben, die im Augenblick noch un- üderfehbar find. Die Masse der eingekesselten drei Sowjetarmeen ist sicher mit Offensivwaffen auf das stärkste ausgerüstet worden. So verspricht die Ein­kesselungsschlacht füdlich von Charkow eine der her­vorragendsten Waffentaten der deutschen Wehrmacht zu werden und ein glänzender Erfolg der Feldherrn- fünft des Führers, der Zähigkeit und des Mutes der Truppeü und des genau abgestimmten Zusammen­wirkens aller Wafengattungen.

Der Sender Schenectady meldete am 15. Mai auf Grund von Informationendirekt aus Charkow" (!)*, Tirnoschenko hat zwei Durchbruchskeile von 2% Millionen Mann, 3000 Panzern und 1500 Flug­zeugen vorgeschoben. Tirnoschenko hat durchschaut, daß die Deutschen die Sowjets auf der Krim be­schäftigen wolle, um in der Ukraine eine Offensive zu beginnen. Die amerikanische Nachrichtenagentur United Preß vom selben Tage meldet, daß die deutsche Offensive ,stm Keim erstickt" sei. Es seien vielmehr die Sowjets, die mit ihrer Offensive Hitler überrascht und ihn zum vorzeitigen Einsatz seiner bereitgestellten Truppen gezwungen haben. Der eng­lische Nachrichtendienst am 21. Mai berichtet:Die Schlacht bei Charkow hat sich zu einer der größten Vernichtungsschlachten aller Zeiten entwickelt. Die

Oer Kongreß -er Unzufriedenheit

Von unserem Dr. L.-Korrespondenten.

Oer Wehrmachtbericht vom Gamstag.

DRB. AusdemFührerhauptquartier, 23. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Raum um Charkow ist der am 12. Mai begonnene sowjetische Großangriff, der von 20 Schützendivisionen, 3 Kavalleriedivisionen und 15 Panzerbrigaden geführt wurde, unter schwersten blutigen und Materialverlusten des Feindes restlos zusammengebrochen. Der deutsche Gegen­angriff am 17. Mai begonnen führte in den Rücken der stärksten feindlichen Angriffsgruppe und hat ihre Bersorgungstinien durchschnitten. Seit zwei Tagen sind nunmehr die deutschen, rumänischen und ungarischen Truppen, von starken Kräften der Luft­waffe unterstützt, auf der ganzen Front der bis­herigen Abwehrschlacht zum konzentrischen Gegenangriff angetreten.

3m Gebiet südöstlich des 3lmensees setzte der Feind seine hartnäckigen Angriffe ohne jeden Erfolg und mit schweren Verlusten fort. Starke eigene Kampf- und 3agdftiegerverbände haben dabei dem Feinde auf dem Gefechtsfeld und im Hintergelände schweren Schaden zugefügt. Eine von ihren Verbindungen abgeschnittene Kräfte­gruppe der Sowjets wurde in mehrtägigen Kämp­fen vernichtet. 3n Lappland verlief ein ört­licher Angriff deutscher und finnischer Truppen er­folgreich.

3n der Zeit vom 14. bis 21.Mai verlor die Sowjet-Luftwaffe 4 5 2 Flugzeuge; davon wurden 342 in Luftkämpfen, 65 durch Flak­artillerie und 26 durch Verbände des Heeres ver­nichtet, der Rest am Boden zerstört. Während der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 45 eigene Flugzeuge verloren. Das Flakregiment 6 erzielte am 22.5. feinen 200. Flugzeugabschuß im Ostfeldzug.

3n Rordafrika wurde ein Vorstoß briti- tischer Aufklärungskräfte zurückgeschlagen. Deutsche Jäger schossen in Luftkämpfen zehn feindliche Flug­zeuge ab.

Einzelne britische Flugzeuge überflogen in der letzten Rächt die Deutsche Bucht und das norddeut­sche Küstengebiet, ohne Bomben abzuwerfen.

Oer Wehrmachtbericht vom Sonntag.

DRV. Aus dem Führerhauptquarkier, 24. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: