Gefahren für Roosevelts Anli-Znflationsgesetz.
der Hitler-Jugend sich selbst Rechenschaft abzulegen, ob es fähig und würdig ist, in feierlichem Akt das Gelöbnis abzulegen: „Wir bekennen uns zu den Forderungen des Führers und versprechen, sie getreu und verantwortungsbewußt zu erfüllen, solange wir leben. Wir wollen uns des Vertrauens würdig erweisen, das der Führer in uns setzt."
Nicht jeder Hitleriunge und nicht jedes Hitler- madel fühlt die Berufung in sich, die Aufgaben auf sich zu nehmen, die an den politische Soldaten des Führers gestellt werden müssen. Ihnen steht der Weg in die Gliederungen der Partei offen, wo sie ihre politische Ausrichtung vervollkommnen, ihre ideelle Veranlagung erproben können. Alle aber müssen sich frei machen von dem Gedanken, daß die Parteimitgliedschaft der Abschluß ihrer politischen Schulung sei. Im Gegenteil: erst innerhalb der Partei wachsen Ausgaben, Opfer, Verpflichtung und Verantwortung. Mancher Hitlerjunge wird unter den Auserlesenen sein, der jetzt sür den gefallenen Vater die Arbeiten, Aufgaben und Pflichten innerhalb der Partei übernimmt und damit in der zweiten oder gar schon in der dritten Generation jene Tradition fortführt, die vor ihm im Kampf um ein neues freies Deutschland andere begonnen haben. Somit ist die Verpflichtung der Auslese des jungen Jahrganges der HI. für die NSDAP, mehr als ein äußeres Akt. Er ist Symbol einer lebendigen Idee, die sich durch Generationen fortpflanzt und durch strenge Erziehung und leuchtendes Vorbild Lebensidee einer Nation wird.
Lissabon, 2-«. ,
präsentantenhaus hat die Vorlage zur Bekämpfung der Inflation mit 284:96 Stimmen angenommen. Zugleich nahm es aber mit 163:105 Stimmen einen Zusatz an, wonach die erhöhten Produktionskosten bei der Absetzung der Höchstpreise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse berücksichtigt roerben sollen. Das bedeutet einen schweren Schlag. Das Gesetz billigte eine Preiserhöhung für landwirtschaftliche Produkte zu. Damit hatten sich die Lebenshaltungskosten um 5 v.H. erhöht. Durch den von der Opposition durchgebrachten Abänderungsantrag wurden jedoch die Preise für landwirtschaftliche Pro- butte um 12 u. S). erhöht. Wird dieser Antrag auch im Senat angenommen, so würde das jährliche Mehrkosten von einer Milliarde verursachen und damit den Zweck des Gesetzes überhaupt vereiteln. Im Senat gelang es dem Vertreter der Regierungsanhänger, die Sitzung zu vertagen. Man hofft noch ein Kompromiß zustandezubrmgen. Die Lage ist besonders gespannt, weil Roofevelt ursprünglich verlangt hatte, daß die von ihm georderten Maßnahmen im Kongreß vor dem 1 Oktober angenommen würden, andernfalls er auf eigene Verantwortung handeln würde.
Er gehe davon aus, daß jedergroße re Rückschlag auf den Schlachtfeldern di e Wahlaus- ichten verschlechtere. Aus diesem Grund erkläre sich wohl auch die große Zuruckhal- t u n g, mit der alle maßgebenden nordamenkani- schen Kreise dem Gedanken der zweiten F r o n t gegenüberstehen; denn eine Niederlage der '2lmeri= kcmer und Engländer bei einem Landungsversuch großen Stils auf dem europäischen Kontinent mußte in Verbindung mit den sowjetischen Schlappen eihe verheerende Wirkung auf die Stimmung in den
formiert, die sich mit wehenden Fahnen durch die Straßen/bewegten. Castillo dankte der Menge immer wieder für die herzliche Bezeugung ihres Vertrauens.
Argentinien die Benutzung des Hafeys von San Kranzisko verboten.
Buenos Aires, 24.Sept. (Europapreß.) Die Schiffahrtsbehörden der Vereinigten Staaten haben den argentinischen Schiffen die Benutzung des Hafens von San Franzisko untersagt mit der Begründung, daß dieser Hafen für die Kriegstransporte nach Australien und Neuseeland völlig in Anspruch genommen sei. Dadurch wird der Plan der argentinischen Regierung, mit Rücksicht auf die U-Boot- Gefahr einenTeil ihres Schiffsverkehrs in den Pazifik zu verlegen, erschwert, da die Benutzung San Franziskos für die Verwirklichung dieses Planes wesentlich ist.
Aus dem Reich.
Einheitliche Fürsorge für de« Säugling.
Zur Vereinheitlichung der Fürsorge für den Säugling Und das Kleinkind in allen Beratungsstellen für Mutter und Kind, Säuglingsfürsorgestellen und entsprechenden Einrichtungen hat Reichsgesundheitsführer Dr. Conti reichseinheitliche „Gesundheitsbogen für den Säugling und das Kleinkind" für verbindlich erklärt. Daräuf wird auch die Entwicklung, ein Bild der Erkrankungen, der Zahnbefund, die Rachitisprophylaxs usw. verzeichnet. Der Gesundheitsbogen unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht, zu der alle Mitarbeiter in der Säuglingsfürsorge verpflichtet sind. Die Aufbewahrung erfolgt im Gesundheitsamt bzw. in der Beratungsstelle des Gesundheitsamts oder der NSV. Nach Abschluß des Kleinkindesalters dient der Gesundheitsbogen als Unterlage für den Jugendgesundheitsbogen.
Lieferung der bestellten Schulbücher.
Der Reichserziehungsminister gibt eine Mitteilung der zuständigen Stelle des deutschen Buchhandels bekannt, wonach der größte Teil' der bestellten Schulbücher noch im September zu erwarte» ist. Der Rest der Lieferung folgt je nach der Herstel- lungs- und Versandlage im Oktober und November. Die Schulbücher werde» nur durch dey Buchhändler geliefert, bei dein die Bestellscheine abgegeben sind? Es ist daher im allgemeinen, von etwaigen ausdrücklichen örtlichen Sonderregelüngen abgesehen, der Versuch zwecklos, Bücher in einer anderen Buchhandlung zu bekommen. Auch kann das Zurückver-
aleicher Weise in der Bekämpfung von Geleitzugen wie von Einzelfahrern erzielten. Die von ihm vernichtete feindliche Handelsschifftonnage liegt an der 200 000-BRT.-Grenze, was 300 000 Ladetonnen an Kriegsmaterial, Lebensmitteln, Treibstoffen usw. gleich kommt. Seine Hauptkampfgebiete lagen im Nordatlantik, wo er hauptsächlich Geleitzuge angriff, und im Westatlantik und vor Afrika auf der 3agb nach Einzelfahrern; außerdem versenkte er das britische Kanonenboot „Dundee". Er entstammt einer Lehrerfamilie aus Berga (Kreis Sangerhausen). Nach mehrjähriger Seefahrt auf Handelsschiffen trat er 1933 in die Kriegsmarine ein und ging 1939 zur Unterfeebodtswaffe.
Oer Widerstand auf Madagaskar wird fortgesetzt.
Vichy, 24. Sept. (Europapreß.), Das Staats- fefretdriat für Kolonien gab bekannt, der Generalgouverneur von Madagaskar habe den Fall von Tananarivo bestätigt. In seinem Telegramm heiße es: „Nach einem Widerstand, bei dem jeder Fußbreit Bodens bis vor die Tore Tananarivos verteidigt wurde, konnten untere Truppen nicht verhindern, daß-der zahlenmäßig weit überlegene und schwer bewaffnete Feind in die Stadt eindrang/ Das französische Oberkommando auf Madagaskar sei jedoch zu weiterem Widerstand entschlossen. Generalgouverneur Annet habe sich mit den kämpfenden Truppen in das Innere des Landes begeben. *
Der Befehlshaber der britischen Streitkräfte auf Madagaskar, General Platt, hat in der Hauptstadt Tananarivo die Militärgerichtsbarkeit proklamiert. Ostafrikanische Truppen, begleitet von britischer Artillerie und südafrikanischen Panzerwagen waren in die Stadt eingezogen. Die Briten melden ferner die Besetzung der Stadt Antanala an der Nordostkiiste Madagaskars.
Vertrauenskundgebungen für Castillo.
B u e n o s A i r e s, 24. Sept. (Europapreß.) Dem am Mittwochabend von feiner Reife an die bolivianische Grenze nach Buenos Aires zurückgekehrten argentinischen Staatspräsidenten Castillo wurden bei seiner Ankunft von einer großen Volksmenge b e g e i ft e r t e Kundgebungen bereitet, wie sie noch nie einem argentinischen Präsidenten zuteil geworden sind. Die ganze Stadt war belebt von einer unübersehbaren Volksmenge,, die spontan in Hochrufe auf den „Präsidenten des Friede n s u n d d e r N e u t r a l i t ä t" ausbrach, lieber all wurden Fackelzüge von der begeisterteil Menge
Oie zweite Front im Schatten der Kongreßwahlen.
S t o ck h o l m, 25. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Washingtoner Korrespondent der englischen Wochen- chrift ,New Statesman emb Nation" beschäftigt sich nit dem wachsenden Einfluß, den die im November stattfindenden K o n g r e ß w a h l e n in den UE auch auf alle strategischen Erwägungen Roofevelts ausübten. Der Präsident habe als warnendes Bei-
Harte Abwehrkampfe bei Rschew und am Wolchow.
Berlin, 24. Sept. (DNB.) Bei Rschew entspannen sich um ein Waldstück norbwestlich der Stadt wechselvolle harte Kämpfe'. Wiederholt rannte der Feind gegen die deutsche Waldstellung an; wurde aber unter schweren Verlusten abgewiesen Und verlor dabei 21 Panzerkampfwagen. Ungebrochen an Geist und Haltung nach Wochen schwersten Kampfes gegen einen zahlehmäßig stark überlegenen Feind stehen die deutschen Infanterie-, Pionier, und Panzerregimenter vor Rschew und halten die Abwehrstellung. Jeder mit wütender Verbissenheit geführte Stoß der Bolschewisten zerbricht an dem heldenmütigen und aufopferungsvollen Einsatz der deutschen Stützpunktbesatzungen. Gelingt dem Femd em Einbruch in die schwach besetzten deutschen Abwehrlinien, wirb die Einbruchsstelle abgeriegelt und im Gegenangriff die Hauptkampflinie wieber herge- stellt.
An der Wolchow-Front gewannen mehrere deutsche Angriffsunternehmen Boden. Die Kämpfe in sumpfigem Gelände stellten an die Infanteristen hohe Anforderungen. Der Feind wollte durch starke Gegenangriffe das weitere Vordringen aufhalten, wurde aber in erbitterten Kämpfen abgewiesen. 80 Stunden lang verteidigte ein ostpreußisches Jn- fanteriebataiüon seine Stellung gegen den Ansturm von zwei bolschewistischen Divisionen. Im Morgengrauen des 16. September griffen die bolschewistischen Jnfanteriemassen mit Panzerkampfwagen neuester Bauart in breiter Front an. Panzerabwehrkanonen brachten die Stahlkolosse zum Stehen. In immer neuen Wellen stießen die Bolschewisten vor. Jmmek wieder wurden sie im Vorfeld der deutschen Stellung zusammengefchossen. Als sich die Reste des Feindes am Nachmittag des vierten Tages nach dem 32. Angriff in völliger Unordnung zu- rückzogen, hatten die Bolschewisten so schwere Verluste erlitten, daß sie zu neuen Angriffen nicht mehr fähig waren.
Fnfanterie-Negiment „Keidherrnhalle"
68 $). der gesamten SA. stehe« unter den
Waffen, 90 v. H. des höheren SA.-Führerkorps erfüllen ihre soldatische Pflicht in den drei Wehrmachtteilen. In diesen Tagen erhielt als 100. SA - Angehöriger Hauptmann Erich Bärenfänger (Sturmführer in einer SA.-Standarte der SA - Gruppe „Westfalen") das.Ritterkreuz. Der Führer hat die in der Wehrmacht stehende SA. durch folgenden Erlaß ausgezeichnet. „In Würdigung des Einsatzes der SA. im Kampf um Großdeutschlands Zukunft verleihe ich dem Infanterie-Regime nt 2 71 dje Bezeichnung Infanterie-Regiment „F e l d h e r r n h a l le". Das Infanterie-Regiment „Feldherrnhalle" trägt am linken Unterarm den braunen Aerrnelftreifen mit der silber gestickten Aufschrift „Feldherrnhalle".
Kapitänleutnant Bleichrodt.
Der mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnete Kapitänleunant B l e i ch r o b t gehört zu ben linterfeebootsfoitimanbanten, die ihre Erfolge in
USA. ausüben.
Kein Platz
für selbstgefälligen Optimismus.
Stockholm. 25. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der stellvertretende USA.-Marineminister Bard warnte in einer Rede vor Schiffsbauarbeitern bas amerikanische Volk vor übergroßer Zuversicht und Selbstgefälligkeit. In ben ersten Tagen nach Knegs- beqinn hätten die Nordamerikaner allgemein die nebelhafte Vorstellung gehabt, baß sie jeben Femb ohne Opfer unb ohne 'Aufgabe ihrer normalen Tätigkeit rasch unb leicht schlagen könnten. Roosevelt hätte vor allzu großem Optimismus gewarnt, aber zahlreiche Amerikaner hätten diese Warnung für bloße Rederei gehalten. Seit vielen Monaten balge man sich wegen des kommenden Steuergesetzes, „was, mit schlichten Worten ausgedrückt, soviel bedeutet, baß wir uns darüber streiten, wer für die KatastrrMhe, in die wir geraten sind, zahlen soll und wieviel er zahlen soll". Die Nordamerikaner hätten noch nicht die harte Entschlossenheit erkannt, mit der Deutschland und Japan selbst bis zum Tode kämpfen würden.
iungen der Bestellzettel vom Buchhändler, tim bei einer anderen Buchhandlung zu bestellen, im allgemeinen nicht zugelassen werden.
Kleine politische Nachrichten.
Das USA.-Marineministerium gab den Verlust des Zerstörerns „I a r v i s" bekannt. Der Zerstörer war einer der modernsten der USA.-Manne und 1500 Tonnen groß. ,
Der Ches des Kriegsproduktionsamtes der Vereinigten Staaten, Donald Nelson, will im No. vember nach London reisen zu einer Aussprache mit leitenden Männern der britischen Kriegsproduktion.
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Roosevelts Pacht- unb Leih-Experte Frederick Winant ist i n Bagdad eingetroffen, um mit. der irakischen Regierung Verhandlungen über die Lieferung von Kriegsmaterial aus den Uozl. aufzunehmen. Wenige Tage vor ihm ist Willkie auf einer Reise nach Moskau in Bagdad gewesen.
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Marschall Bastico hat der Garnison der Oase Gialo, die vor wenigen Tagen einen Angriff zahlenmäßig überlegener britischer Streitkräfte erfolgreich abwies, im Flugzeug einen Besuch abgestattet.
In Bosnien wurden die Säuberungsaktionen fortgesetzt. Außer kleineren örtlichen Zusammen» flößen unb Sabotageoersuchen, die rechtzeitig ver- hindert werden konnten, herrscht Ruhe. Es wurden wieder zahlreiche Straßenräuber unb Vagabunden in ihren Schlupfwinkeln aufgestöbert unb gefangen genommen. *
Als Reichswohnungskommissar befindet sich Neichsorganisationsleiter Dr. Ley auf einer Dienstreise durch Gebiete, in denen die Verhältnisse eine besondere Initiative in Wohnungsfragen notwen» big machen. In örtlichen Besprechungen unb Besichtigungen unterrichtete sich Dr. Ley über die Wohnungslage unb greift überall dort ein, wo es die Not gebietet unb die Kriegsverhältnisse es erlauben. In Hamburg sprach er zu 8000 Politischen Leitern, Betriebsführern und Betriebsobmännern, in Bremen zu Politischen Leitern und Amts- trägem der Gliederungen sowie Angehörigen der Polizei und des Reichsluftschutzbundes.
Kunst und Wissenschaft.
Oie Pianistin Elly Ney.
Die Zahl der deutschen Pianistinnen ist groß, es gibt aber nur eine Elly Ney? Nicht, daß nicht jeder Künstler sich von anderen unterschiede — Elly Ney, die am 27. September ihren 60, Geburtstag feiert, hat Zeit ihres Wirkens in all ihren Veranstaltungen einen eigenen Stil gewahrt. Sie war es, die als erste stets die Jugend und die Konzertungewohnten an sich zu fesseln wußte. Sie sprengte den starren Rahmen des Konzertes, indem sie mit ihrem Spiel das einführende, erklärende Wort verband; so wies sie ben Weg zum Schaffen und Verstehen des Künstlers Beethoven, indem sie den Menschen Beethoven aus seinem „Heiligenstädter Testament" Ge- stalt gewinnen ließ. Beethoven, zu dessen Ge^ denken sie in seiner Geburtsstadt Bonn volkstümliche Beethovenfeste einführte, deren weittragender Erfolg ihr das Ehrenbürgerrecht der Stadt eintrug und neben ihm Brahms sind die beiden großen Pole, um die sich das künstlerische Wirken Elly Neys bewegt, alles mit sich einbeziehend, was diesen Zeitraum hoch entwickelter Pianistik erfüllt und vorbereitet. So wurde sie zur Deuterin jener Literatur der Blütezeit deutscher Klaviermusik: die Äröße Beethovens, die melodische Spannweite eines Brahms, der unbeschwerte, ausschwingende. Frohsinn Schuberts und die empfindsame Natur Schumanns spiegeln den seelischen Reichtum der ' Pianistin Elly Ney. Aus solcher Fülle der Erkenntnisse, aus dem heiteren Temperament der tn Diissel- : darf geborenen Rheinländerin und aus dem machen Verantwortungsbewußtsein und Pflichtgefühl der eigenen Berufung gegenüber erwuchs ihr die Kraft unb die Freube, sich der Jugenb mitzuteilen. Pädagogin im edelsten Sinne des Wortes wirkt sie nicht [ allein im Kreise ihrer Schüler, sondern bat sich weit ; darüber hinaus eine Gemeinde geschaffen, die ihr ; in Bewunderung verbunden ist und mit ihren Wünschen der Künstlerin zu ihrem Geburtstage den : Dank abstattet. Lothar Band.
Bach-Feier In Leipzig.
Leipzig veranstaltete auch in diesem Jahre eine i Vach-Feier. Unter Günther Ramins Leitung i brachten die Thomaner und das Gewandhaus-Or- , chester die Johannis-Passion zur Ausfüh» - rung. Ramins Deutung ist bei aller unbeirrbaren - Sicherheit in der Wahrung der stilistischen Haltting
Es ist Abend geworden.
Bon Karl Heinrich Waggerl.
Der alte Bauer geht allein, in der Dämmerung. Er befühlt alles mit feiner Hand, die Balken des Hauses, ben Zaun am Garten, er taucht die Finger in ben Brunnen, streichelt bic Tiere im Stall und fühlt auf Öem Acker mit ber flächen Hand über die Spitzen ber Halme. Dann fetzt er sich hin unb läßt die Nacht kommen.
Was ist es mit feinem Leben? Er ist alt unb wohl auch nicht mehr so ganz gefunb. Die Zeit, die vielen Tage haben ihn aüsgesogen und mürbe gemacht. Aber er ist nicht unzufrieden, schaut, er ist daheim, es könnte viel schlimmer fein. Hier kann er liegen, in irgendeiner Stube, das ist gleichviel. Immer wird er ein Stück von ber Halde sehen, den Bach rauschen hören, den Wald. Immer, bis er sich zum letzten Male streckt und die Augen zumacht.
O ja, zufrieden ist der alte Vater, die bärtige, die ehrwürdige Weisheit!
Und die Mutter? Ach, es ist schwer für die alte Mutter. Sie seufzt und weint viel, es wird ihr beinahe zur Gewohnheit, ein paar Tränen in ben Augenwinkeln zu haben. „Die Milch ist übergegangen!" sagt sie unb schluchzt schon wieber.
Ja, auch sie braucht wohl schon längst eine Hilfe, es geht nicht mehr mit aller Arbeit im Haus und im Stall. Aber wieder eine Magd, die bavonlguft bei der ersten Gelegenheit?
„Nein, warte lieber noch, Mutter, wenn du kannst. Ueberall wird Rat werden, hab nur Geduld!"
Es gibt da keinen Kampf, Feinen Streit. Ein alter Baum stirbt ab, nicht wahr. Seine Nabeln fallen, fein Laub, er läßt Licht durch, unb zur guten Zeit hat er Samen ausgeroorfen, ber jetzt heranwächst und groß wirb, der Sohn. Ein gleicher Baum, fast an derselben Stelle ...
Dennoch fühlt der alte Bauer eilten leisen Groll in sich aufsteigen, ben krampfhaften Groll des Alters gegen feinen Erben. Nein, er ist totgefagt, aber noch nicht tot. Er kann Feinen Balken mehr
über die Halde schleppen, fein Rücken ist krumm, seine Arme sind steif. Nur sein Kopf ist klar ge- blieben. Der Sohn muß wartey. Der Vater will das letzte Wort sprechen.
Ja, ber alte Bauer geht umher unb sucht nach ber Stelle, an der er bie Arbeit wieder aufnehmen könnte, das verlorene Leben. Er geht am Abend hin unb spannt bas Pferb vor den Pflug. Der Sohn sieht es unb beobachtet ihn, erstaunt — ist ber Vater schon so kindisch geworben? Er- geht über bie Felber her auf ihn zu unb redet mit ihm.
„Was ist es, Vater? Willst du nicht noch.warten, mit dem Umbrechen?"
„Steh nicht im Wege!" sagt der Alte kurz.
Da begreift ber Junge plötzlich, warum der Vater so hart mit ihm rebet. Er nimmt lächelnb ben Gaul am Halfter und führt ihn vor dem Pfluge her wie ein Knabe.
Er läßt es geschehen, daß der Vater später auch mit ber Egge arbeitet, sät und den Acker bestellt. Es gerät freilich nicht alle Arbeit, wie sie sein soll, unb der Vater weiß nicht, daß ihm ber Sohn in mancher hellen Nacht etwas zuliebe tut, aber er ist jufrieben. —
Einmal jeboch, früh am Tage, währenb ber Vater im Zaunschatten ruht, tritt jemanb vor ihm aus dem Walde: Es ist Susanne.
„Du bist es!" sagt sie errötenb. „Ja, und nun komme ich, Vater, wenn bu es erlaubst. Du weiht cs wohl schon, ich unb dein Sohn ..."
Der alte Bauer steht auf unb gibt ihr bie Hanb. Er betrachtet sie lange unb hält diese Hand, diese weichen lebendigen Finger. Ihre fröhlichen Augen sieht er, bie glatten Schultern, ihren hohen, mütterlichen Leib.
„Geh nur", sagt er gutmütig unb sreunblich. „Du mußt zu meinem Sohn gehen. Er ist wohl daheim, ber junge Bauer!"
Der alte Bauer nimmt ben Weizensack auf den Rücken unb folgt ihr langsam nach. Ja, er steigt zum letzten Male über die Felder aufwärts, da ist das Haus, ^ag unb Walb, da rauscht das Mühl- roaffer, ist Has alles für ihn geworden, für den einzelnen Mann? Da geht bie Jugend vor ihm her, bie Zukunft trägt sie in ihrem Schoß, ben Enkel,
das hat der alte Vater gesehen. Ach, wohin hatte sich sein Herz verirrt, sein altes^ müdes Herz?
Am Abend nimmt er sich den Mut, schlagt die Betten in der Schlafkammer auseinander unb schleppt bie Bretter über ben Anger zur Mühle hinunter.
In der Stube über bem Mahlwerk richtet er sich ein, bann stellt er bie Betten auf, für sich unb bie Mutter, es ist Zeit, baß im Hause Platz gemacht wird.
„Weine nicht, Mutier, laß es gut fein!"
Später setzt sich ber Vater vor bie Mühle, auch bie Mutter kommt heraus, unb da hocken nun bie beiben alten Leute, blinzeln in ber guten Sonne und halten sich an ber Hanb.
Das Wasser rauscht in der Schleuse, bie Tiere grafen, noch auf der Wiese, schön unb frieblich ist das Geläute ihrer Glocken. Nun steigt ber Abendstern über bem Wald empor, es ist ein einziger, großer leuchteftber Stern, sonst ist ber Himmel noch blau unb licht. Lange steht er allein über ben schwarzen Wipfeln ber Fichten. Winb kommt in ben Holunderstrauch neben ber Bank, ei\ welkes Blatt löst sich unb sinkt langsam auf den nackten Boben.
„Abenb", sagt der alte Bauer unb lächelt.
Ja, seht ihr wohl, es ist Abenb geworben ...
Ihering und Hebbel.
In einer Vorlesung für Anfänger traf der achtzehnjährige Student der Rechte Rudolf v. I h e - r i-n g, nachmals einer ber berühmtesten Gießener Professoren, mit einem andern ersten Semester zusammen, der als solches eine ungewöhnliche Erscheinung war: mit Friedrich Hebbel. Dieser „verleugnete mit seinem charaktervollen, mit einem blonden Vollbart versehenen männlichen Gesicht, dem festen, bestimmten Gange und Auftreten und selbst der Tracht, als auch in feiner Unterhaltung, ber Reise des Urteils unb ber Sorgfalt der Diktion den Typus des akademischen Fuchses", unb feine geistige Ueberlegenheit imponierte dem jungen Studenten sehr. Als sich beide Ostern 1837 in München wieder begegneten, knüpfte sich eine nähere Bekanntschaft an, Hebbel hatte bas Rechtsstudium
aufgegeben unb war Schriftsteller geworden. Dieser Beruf erschien auch Ihering sehr verlockend; in ihm regte sich etwas von einer verwandten Stimmung, er gab den Besuch ber Vorlesungen auf, entwarf Pläne für literarische Arbeiten unb brachte auch eine kleine humoristische Novelle, die erste unb einzige in feinem Leben, zustande; er las sie Hebbel vor. ber ihm humoristisches Talent zusprach unb ihn aufforberte, in dieser Richtung weiterzuarbeiten. Als Ihering fein Erstlingsprobukt jeboch den Sei- nigen zusandte, fand er nur scharfen Tadel und erhielt den Befehl, München gegen Göttingen zu vertauschen.
Zwei Jahre später klopfte bei Ihering ein Mann an bie Tür, ben er für einen bettelnden Handwerks- burschen hielt. Es war Hebbel, der trotz rauhester Jahreszeit aus Mangel an Geld den Weg zu Fuß gemacht hatte unb Gastfreundschaft bei Ihering erbat. „Der Auszug Hebbels", erzählte Ihering, „hatte in ber Tat etwas Wilbes, Wüstes, unb es war nicht bloß bas Gefühl ber Teilnahme, bas mir dieser Anblick einflößte, sondern es mischte sich — ich will mich von dieser Schwäche nicht freisprechen — ein gewisses Gefühl ber Beschämung ein, einen solchen Mann als Bekannten bei mir aufnehmen zu sollen. Er war von allen und jeden Mitteln entblößt, und es handelte sich nicht nur um seine Aufnahme bei mir, sondern ich war genötigt, ihm sogar feine Stiefel, die alle ferneren Dienste versagten, neu besohlen zu lassen und ihn mit etwas Reisegeld für seine Weiterreise nach Hamburg zu v,ersehen." Ihering gesteht, daß für ihn dieser Besuch die wohltätige Folge hatte, daß er ihn von seinen Träumen eines ßiteratenlebens befreite. „Ich erblickte dasselbe hier von einer Seite, die mich erschrecken ließ bei dem Gedanken, daß ich selbst nahe daran gewesen war, unb bie mir klarmachte, daß meine Jndivibualität für eine solche Unsicherheit der Existenz nicht geschaffen war."
Daß Ihering großes schriftstellerisches unb, wie Hebbel zweifellos richtig erkannte, humoristisch- satirisches Talent besaß, bekunden sogar seine juristischen Werke, die wie „Scherz und Ernst in W Jurisprudenz" diese Seite seiner Begabung offenbaren. C. K.


