Einzelbild herunterladen

Donnerstag, 25. ZunUYA

Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags

Beilagen:

Gießener Ramilienblätter -eimat imBild-DieScholle Bezugspreis:

Monatlich.... .RM.1.80 Zustellgebühr... -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschluh 2251 Drahtanschrift: ,Llmeiger" Postscheck 1168k s^ranks./M.

Annahme von Amergeu für die Mittagsnummer bis 8Vi Uhr desBormittags Anzeigen-PreUe

für die Millimeter-Zeile von 22 Millimeter Breite: 7Rvf. für Familienan- aeigen und private Gelegenbeitsanzeigen

14Rvf. f. Werbeanzeigen und geschäftliche Gelegenheitsanzeigen

Plabvorichrift (vorherige Vereinbarung) 25%mehr

vrühlscheUniverfitätrdruckereiR. Lange General-Anzeiger für Oberhessen $ 6ic6en,9S<hulftra6e 7-9

ty2.Jahrgang Nr.M W 9 Vo

Gietzener Anzeiger

Sie Inbesitznahme her westlichen Meuten

England unter dem Eindruck von Tobruk

der den des für

leben. Daher auch seine Hilferufe an die Alliierten, seine dringenden Bitten um Unterstützung, die heute weder England noch die Bereinigten Staaten zu bringen in der Lage sind. Der japanische Angriff auf Dutch Harbour bekommt übrigens unter diesem Blickwinkel ein besonders interessantes Gesicht. Er beweist, daß die Japaner an alles denken, und daß sie keine Kombination außer acht lassen, die viel­leicht dazu dienen könnte, den waffenstarrenden Ring, durch den sich Tschiangkaischek heute einge­kreist sieht, zu sprengen.

Kein Wunder, wenn sich heute die Pressestimmen mehren, die auf feiten der Gegner Japans die Nie­derlage Tschiangkaischeks prophezeien. Tschungking benutzt diesen Pessimismus, um imme^ dringendere Forderungen zu stellen, ob er allerdings an ihre Erfüllung glaubt, ist eine andere Frage. Den Alli-

Witterung zu kämpfen. Es ist noch immer sehr kalt. Die Wachen müssen alle zwei Stunden abgelöst werden. Es herrscht stürmische See, das Schiff tanzt wie eine Nußschale. Der Kommandant gibt bekannt, daß wir auf den Aleuten landen. Für uns alle kommt diese Mitteilung überraschend. Jetzt sind uns auch die äußerst sorgfältigen Vorbereitungen ver­ständlich. Selbst verschiedene Samenarten und Kar­toffeln wurden mitgenommen, um auf dem Stütz­punkt angebaut zu werden. Schon daraus läßt sich erkennen, daß es sich hier kaum nur um eine vor­übergehende Aktion handeln dürfte. Der Komman­dant teilt uns noch lächelnd mit, daß wir auf der Insel zwar keine Bäume, dafür aber hohe Berge antreffen werden.

Wir sind kurz vor dem Ziel angelangt. Es ist dunkle Nacht, die Tiefseemessungen für die Lan­dungen werden bereits vorgenommen. Man kann bereits den Schatten der Insel erkennen, der fast wie die Silhouette eines großen Kriegsschiffes wirkt. Ich muh mir immer wieder ins Gedächtnis zurückzurufen, daß wir jetzt 2000 Meilen von der Heimat entfernt sind.

Der Wind hat sich inzwischen gelegt, und auch die See ist ruhiger geworden. Die ersten Boote werden herabgelassen, bald kommt die Meldung, daß die Gewässer minen frei sind. Noch immer ist kein Schuß gefallen. Jetzt flammt links var uns ein grünes Leuchtsignal auf und kündigt uns die erfolgreiche Landung an. Es ist 10.30 Uhr. Nun

ierten geht es selbstverständlich nicht um die Er­haltung des Tschunking-Regimes, sondern einzig und allein darum, möglichst lange die Millionenarmee der Japaner auf den chinesischen Kriegsschauplätzen festzuhalten. Denn was eine Niederlage Tschiang­kaischeks für Indien und Australien bedeutet, braucht nicht erst gesagt zu werden. Wenn die Japaner also heute mit allen Kräften auf die Beseitigung Tschungkings hinarbeiten, so zeichnet sich hinter den chinesischen Niederlagen bereits die größere ab, die einen Zusammenbruch des britischen Empires be­deuten würde, nämlich der Verlust Indiens und Australiens. Erst wenn man bis zu dieser Erkennt­nis vorgedrungen ist, Übersicht man auch die Ge­nialität der japanischen Strategie, die niemals auf Prestigeerfolge ausgeht, die aber mit eherner Folge­richtigkeit sowohl den Engländern wie den Nord­amerikanern zunächst alle Basen weggenommen hat, von denen aus ein Eingreifen möglich war und jetzt das Kernproblem des gesamten ostasicttischen Krieges, nämlich die China-Frage, zu lösen im Begriff ist.

T o k io, 25. Juni. (DHV. Funkspruch.) Das Hauptquartier gab bekannt: Die japanischen 2Na- rinestreitkräfte, die im Gebiet der Aleuten-Jnseln operieren, setzten nach Besetzung der Insel k i s k a am 7. Juni und der Insel. A t tu am 8. Juni die Säuberungsaktionen auf den benachbarten Inseln fort Die Insel üiska, die von den japa­nischen Streitkräften beseht wurde, wird in Zukunft den Hamen 7tarukami und die Insel Attu den Hamen A t s u t s tragen. Die Inseln Attu und üiska sind die größten der westlichen Aleutengruppe. Attu ist 104 km lang, 52 km breit und 1000 in hoch. Etwa gleich groß ist kiska.

*

lieber die Landungene auf den Aleuten liegen nun in Tokio auch die ersten Aufnahmen vor. Sie zeigen von Kriegsschiffen geschützte G e l e i t z ü g e, wie sie in rauher See und bei diesigem Wetter noch Norden dampfen, während man auf anderen Photographien das erste Landungskorps auf dem steinigen unwegsamen Gelände einer gebirgigen Insel erkennt. Nach der Besitzergreifung durch die Japaner weht über diesem Stützpunkt bereits das Sonnenbanner. Ein PK.-Mann des japanischen Marinekorps gibt gleichzeitig eine Schilderung des

Unternehmens.

Seit Tagen dampfen wir gegen Norden", so be­ginnt der Bericht,dicker Nebel umlag uns, so daß die Aussicht oft nur hundert Meter beträgt.

Ankara, 24. Juni. (Europapreß.) Casey, britische Minister für den Nahen Osten, hat unter britischem Einfluß stehenden Ländern Nahen Ostens mitgeteilt,. die Lage habe sich . die Briten in Nordafrika und im Nahen Osten durch den Fall Tobruks und die jüngsten schweren Niederlagen im Mittelmeer so verschlech- tert, daß die Briten nicht mehr genügend Nachschub organisieren könnten, um die Versor­gung dieser Truppen aus eigenen Mitteln sicherzu­stellen. Die britische Armee im Nahen Osten sei nun erheblich mehr als bisher auf die VerpUe- g u n g aus diesen Ländern selbst ange­wiesen. Diesem Umstand hätten die Regierungen Rechnung zu tragen. Die Folgen der britischen Nie­derlage in Nordafrika machen sich auch schon in anderer Weise bemerkbar. Das britische Oberkom­mando für den Mittleren Osten hat sich entschlossen, britische Streitkräfte von Iran und Syrien abzuziehen und nach Aegypten zu wer­fen. Gewisse von den Briten im Iran bisher be­setzt gehaltene Zonen sollen von ihnen geräumt worden [ein und sowjetische Truppen hier eingerückt sein, z -V

was Attlee dem Hause sagen konnte, wird die Ver­blüffung der Nation über das Unheil in Libyen beheben. Auf alle Fälle muß das Kabinett ant­worten und nicht nur antworten, sondern zu- agen, daß die Aenderungen, die entweder im Per- onal oder im System erforderlich sind, sofort burdr- geführt werden. Die Tatsache, daß auch der Daily Telegraph", der bisher als offizielles Organ der konservativen Parteiführung die Regie­rung stets verteidigt hat, auf einer Untersuchung besteht, ist ein Beweis für die allgemeine Erregung. Vielleicht aber ist seine Haltung auch ein Anzeichen dafür, daß die Regierung selbst entschlossen ist, dies­mal eine eingehende Untersuchung abzuhalten. Die Aeußerungen Atttees im Unterhaus deuten jeden­falls in diese Richtung. Eine derartige Untersuchung würde vermullich mit der Abberufung einiger höherer Offiziere enden, da eine politische Krise im gegenwärtigen Zeitpunkt, wie dies auch von kon- ervativer Seite schon im Unterhaus ausgesprochen wurde, als zu gefährlich betrachtet werden dürfte.

Bitiere Kritik in Güd-Afrika.

Lissabon, 25. Juni. (DNB. Funkspruch.) In Südafrika herrscht tiefe Trauer über den Fall von Tobruk, weil in der Festung ein großer Teil der unter Ritchies Befehl kämpfenden süafrikani- schen Truppenverbände in Gefangenschaft geraten ist. Nur einer verschwindend geringen Zahl der südafrikanischen Truppen ist es gelungen, aus Tobruk herauszukommen. Fast die gesamte zweite südafrikanische Division ist vernichtet ober in Ge­fangenschaft geraten. Die britische Führung wirb scharfer Kritik unterzogen, ba man ber Auffassung ist, baß General Ritchie südafrikanische Truppen auf hoffnungslose Posten stellte unb ihnen ben schwie­rigsten Teil ber Kämpfe zuschob, währenb er bie Regimenter des britischen Mutterlandes schonte.

0er Nahe Osten muß die britischen Truppen selbst versorgen.

baten und das Kriegsmaterial zu einer Off en- s iv e in Europa einzusetzen. Das aber wollten die Briten vermeiden. Churchill, so schließt dieNew York Times", besteht darauf, daß zuerst bie Schi fsra umfrage einer Lösung zugeführt wer­den müsse. Erst bann könne man an eine Invasion Europas denken. Jeder verfrühte Versuch ber Auf­richtung -einer zweiten Front wäre daher von vorn­herein zum Scheitern verurteilt.

Nach einem Bericht derDaily Mail" aus Wa­shington herrschte in ber Öffentlichkeit große Be­stürzung und Entrüstung über ben Fall Tobruks. Die Erklärung Roosevelts und Churchills chabe es ebensowenig wie bie Rebe Hopkins vermocht, den burch die brittschen Niederlagen in den USA. ent­fesselten Sturm zum Abklingen zu bringen. Die Wandelgänge des amerikanischen Kongresses hallten von der bitteren Kritik der Parlamentarier wider, und man höre Worte gegen die . englische Kriegführung, die bitter wie Galle sind. New York World Telegram" fordert statt der vielen Redereien um den Sieg und das, was man bann machen würde, endlich entschlossenes Handeln. Das Blatt sagt:Kaum ein Tag ist ver­gangen, ohne daß irgendein Politiker in Washing­ton oder London dieselbe abgedroschene Drohung wiederhott hat, was man alles im Hinterlande Hitlers anrichten würde. Eine erfolgreiche Offen­sive ist verzweifelt notwendig, wenn wir jedoch nicht stark genug sind, so sollten wir den Versuch erst gar nicht machen."

Was ist am dringlichsten?

Meinungsverschiedenheiten zwischen Churchill und Roosevelt.

nnR Die 41U3IIUII Ul II Ul liunutu vjvvivi | 3 ~ . r . , n v

Im Gegensatz zu unseren Erfahrungen bei den Lan- folgt Doot auf Boot und setzt Truppen an Land, dungsoperationen in den Südgebieten haben wir Ein neuer Abschnitt im Kriege Großostasiens ist ein- hier oben im Norden mit vielen' Schwierigkeiten ber I geleitet."

Berlin, 25. Juni. (DNB. Funkspruch.)New York Times" berichtet über Meinungsverschieden- heiten zwischen Roosevelt und Churchill in der Auf­fassung über die größere Dringlichkeit der Anforderungen der verschiedenen Kriegsschauplätze. Churchill wußte bereits zu -Beginn der neuen Phase des Libyenfeldzuges, daß hinter ber britischen Ver­teidigungslinie Gazala-Bir Hacheim sich keine gro­ßen Verteidigungsmittel mehr befanden und daß General Ritchie den deutschen Angriffen auf die Dauer nicht widerstehen konnte. Churchill wußte aber auch, daß Roosevelt auf die dringenden Vor­stellungen Molotows hin ben Sowjets die nächsten oerschiffbaren Kriegsmateriallieferungen zugesagt hatte. So begann schon über den Draht bie Auseinandersetzung über bie bevorrechtigten Liefe­rungen zwischen Roosevelt unb Churchill, wobei Roosevelt noch den Pazifik und vor allem das be- brohte Alaska in seine Kalkulationen einzube­ziehen hatte. Als bie Verständigung über ben Draht nicht herbeigesührt werden konnte, entschloß sich Churchill zum sofortigen Fluge nach Washington. Hier forderte Churchill eine sofortige Konzentration aller Kräfte auf Libyen. Roosevelt verlangte da­gegen ben sofortigen Einsatz der Millionen britischer Soldaten, die immer noch in England stehen. Er verwies Churchill auf die ungeheure Menge von Kriegsmaterial auf den britischen Inseln, das an anderen Kriegsschauplätzen fehle.

DieNew York Times" versucht den Eindruck zu erwecken, daß Roosevelt nach irgendeiner nur greifbaren Chance sucht, um diese britischen Sol-

hinzukommt.

Dieser neue Frontabschnitt an ber Grenze von Yünnan gab aber auch dem japanisch-chinesischen Konflikt ein gänzlich neues Gepräge, denn jetzt war China ober vielmehr die Beseitigung des Tschungking-Regimes nicht mehr Probefall, son­dern die Auseinandersetzung würbe zum Kern- stück der japanischen Ziele zur Schaffung eines größeren Ostasiens. Als Japan am 8. Dezember 1941 durch die Kriegserklärung an bie USA. den Ring dieses zweiten Weltkrieges schloß, bekam auch der Chinakonflikt ein neues Gesicht, und seine Durch­führung bedingte eine veränderte Strategie, deren erste Auswirkungen Tschiangkaischek jetzt allenthalben zu spüren bekommt. Die konzentrische Offensive, die Japan gegen Tschungking eröffnet hat, läßt feinen Zweifel mehr darüber, baß es Tokio ernst ist um die Liquidierung eines Regimes, das sich beharrlich und trotz mancher Brücken, die von den Japanern zur Beilegung dieses Konfliktes gebaut wurden, weigert, die weltgeschichtliche Mission Japans zur Schaffung ber großostasiatischen Wohlstands,phare anguerkennen. . ....

Es ift bei ber Eröffnung der Offensive in der öst­lichen Provinz Tschekiang, die auch aus Kiangsi Übergriff und gleichzeitig auch an ande­ren Stellen, vor allem an der Sudfront, die Operationen wieder in Schwung brachte, etwas vor­eilig von einerZangenbewegung aus Tschuntmg gesprochen worden. So unzweifelhaft bie JapanW Marschrichtung auf Tschungking ist, so zurückhaltend muß man aber bei der Anwendung von Begriffen sein, bie bei der Weite des chinesischen Saumes einigermaßen gegenstandslos werben. Die Ossensive iy Tschekiancs ist nämlich räumlich von dem Bor- dvingen in Yünnan rund 2200 km entfernt unb verfolgt in erster Linie das Ziel, bie letzte Lucke, bie in dem Einkreisungsring gegen ben Nachschub für Tschiangkaischek noch bestand zu stopfem Auyer- dem sollte ber Angriff in Tschekiang aber die Mög­lichkeit zerstören, daß die Nordamerikaner mJ Provinz Flugplätze, anlegen, die als Absprunghasen gegen das japanische Mutterland bienen könnt . Der erste Bombenangriff auf Tokio, bei dem die nordamerikanischen Flugzeuge ihr Heil barm sch' ten, nach Westen, also nach Tschekiang, ä" entfliehen, hatte diese Möglichkeit handgreiflich vor Augen gc führt, denn ein Blick auf die Karte zeigt, daß die Front, die in ziemlich gerader Linie durch diePro vinzen Shensi, Honaii und Hupeh verlaust, auf der Hohe von Tschangtscha in ber P^omz Klangst fast rechtwinklig nach Osten Zuruc^elcht und bie Provinz Tschekiang in nordöstlicher Richtung unHann n südöstlicher Richtung umgeht Tschekmng war au^cr der nunmehr ausgefallenen Burma-^raße aber der geheime Nachschubweg" Tschiangkaischeks da es bei der vielgestaltigen und buchtenreichen chlnef sihe,n Küste gänzlich ausgeschlossen wariebe^aluppe oder jedes kleinere Fahrzeug, das von feee per Kriegsmaterial für Tschunkmg heranfuhrte aufzu

Dst großen Erfolge in Tschekiang, Vordringen an allen anderen Kriegsschauplätzen zeigt baß d Chinesen der japanischen Überlegenheit ) ?

gegenzustellen Haden, so,datz sich Tfch, g nunmehr wirklich vor die Tatsache geste t sh, chner Insel im unermeßlich weiten Naum CH 2

Japan macht Ernst in China

Von unserem ek.-Derichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Schanghai, im Juni 1942.

Bald jährt sich zum fünftenmal der Tag, an dem durch ben Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke in Lukutschiao, südwestlich von Peking, jener Kon­flikt ausgelöst würbe, ber bestimmt mar, in bas Buch ber ostasiatischen Geschichte ein neues unb wohl bas bedeutsamste Blatt einzufügen. Was sich in ber Nacht vom 7. zum 8. Juli 1937 ereignete, hat zwar nie zu einer Kriegserklärung zwischen Japan und China geführt, ist aber im Laufe der Jahre zu einem der weiträumigsten Kriege aller Zeiten ge­worden, den Japan mit wechselnden strategischen Zielen und bald schwächerem, bald stärkerem Einsatz führte.

Es ist von japanischer Seite nach Ausbruch des pazifischen Krieges zwischen Japan und den West­mächten im Hinblick auf bie überraschenden Er­folge gegen die USA. und England mehr als ein­mal klargemacht worden, daß die Kriegführung in China nicht als Maßstab für das japanische Po­tenttal angesehen werden dürfe, daß im Gegenteil voreilige Beurteiler der japanischen Chancen im Pazifik und im Raume des Indischen Ozeans einer folgenschweren Täuschung unterlegen seien, wenn sie die Erfolge der Japaner in China und die dafür benötigte Zeit als Grundlage ihres Urteils über die wahre japanische Kraftentfaltung benutzt hätten. In der Tat hak'Japan den Krieg gegen China immer im Hinblick auf die Möglichkeit größerer Verwick­lungen geführt. China war Hebung und Experi­ment für Verwicklungen, bie man in Tokio feit lan­gem in anderen Räumen voraussah. Daß die Gegner dieses möglichen Konflikts nur England unb die USA. sein konnten, mar jebem geläufig, ber die Geschichte der Beziehungen der Westmächte zu Ja­pan in den letzten Jahren an Ort und Stelle ver­folgt hat.

Obgleich aber Japan den Krieg in China nur mit verhältnismäßig geringem Einsatz führte man schätzt die japanischen Streitkräfte auf 1,2 bis 1,5 Millionen Mann, sind die Erfolge im Laufe dieser fünf Jahre doch außerordentlich groß ge­wesen. Es wurden nicht nur die wichtigsten Städte Schanghai, Nanking, Tientsin, Kanton unb Hankau besetzt und nicht nur insgesamt sieben Provinzen völlig unter japanische Kontrolle gestellt (Hopeh, Schantung, Schansi, Kiangsu, Anhwei, Chahar, Suiyan), sondern auch große Teile der Provinzen Honan, Tschekiang, Kiangsi, Hupeh und Kwantung erobert. Das Gebiet, das Japan in diesen fünf Jahren besetzte, istzweieinhalb malsogroß wie Japan und umfaßt rund die Hälste des ganzen chinesischen Raumes. Insgesamt kontrollierte Japan eine Frontlänge von 4600 km, zu denen letzt noch die Grenzlinie zwischen Burma und Yünnan

hoben. Geschütze und Tanks modernster Konstruktion wurden in Massen nach Aegypten befördert, damit die libysche Front mindestens uneinnehmbar gemacht würbe. Der deutsche Sieg hat gezeigt, daß die vor- angegangene Konzentrierung von Luftangriffen auf Malta seinen strategischen Zweck erreicht hat. Wir haben niemals gegen die weiter zurückliegenden Stützpunkte des Feindes Bengasi und Tripolis An­griffe unternommen, die sich mit denen auf Malta vergleichen ließen. Diese unb anbere Fragen wer­den im Parlament von verantwortlichen Männern aufgeworfen werden, die in ihrem Verlangen nach rücksichtsloser Untersuchung von dem Bewußtsein ge­trieben werben, daß von den Antworten das Schick­sal unserer Armeen und die Hoffnung auf Wieder­eroberung des verlorenen Geländes abhängen kann. Der Verlust von Libyen vermehrt bie Ge­fahren, die über dem ganzen Kriegsschauplatz im Mittelmeer unb im mittleren Osten liegen. DieTi­mes" sagt, die Verantwortung für die Ereignisse in Libyen müsse festgenagelt werben, unb ohne Rück­sicht auf die Person müsse in Zukunft -für eine bes­sere Planung und Ausrüstung gesorgt werden.

DerDaily Telegraph" schreibt unter der UeberschrP ^Ausmerzung der. Ursachen", lWs«

Oer Wolf und das Rotkäppchen.

Der jetzt enthüllte englisch-sowjetische Geheimver­trag gliedert das Europa, das die Bolschewisten be­herrschen wollen und das ihnen England zum Fraß vorwirft, in vier Zonen: Unmittelbare strategische Grenzen undAnsprüche der Sowjetunion auf Sicherheit" werden gegenüber Finnland, dem Balti­kum und Rumänien anerkannt. Dann kommen die sowjetischenInteressensphären": Der Rest von Finnland, gewisse Teile von Nordskandinavien, die Tschechei, Rumänien, Bulgarien und Jugoslawien. Als drittes Herrschaftsmittel geltenStützpunkte" einschließlich derfreien Durchfahrt" von der Ost- ee zur Nordsee unb vom Schwarzen Meer zum Mittelmeer. Der Sowjetunion wirb bas Recht zu­gebilligt, Garnisonen auf Grunb vonPachtver­trägen" zu errichten und zu erhalten. Die vierte owjetische Zone besteht schließlich in bermilitä­rischen unb politischen Kontrolle" über Finnland, Deutschland Ungarn, Rumänien unb Bulgarien. Ergänzend zu dieser gebietsmäßigen Gliederung eines sowjetisch beherrschten Europas tritt das Ver­brechen beider oerttagsschließender Teile,sich für die endgültige Beseitigung des nationalsozialistischen und des faschistischen Regimes und ähnlicher Regie­rungssysteme in ganz Europa" zu verpflichten.

Die einzelnen Punkte des englisch-sowsetischen Geheimvertrages sprechen für sich selbst. Sichtlich überschneiden sich die einzelnen Herrschaftszonen des bolschewistischen Europa, wie es sich Stalin und Mo­lotow denkens noch etwas auf dem Veytragspapier. Aber auf solche Kleinigkeiten kam es Molotow gar nicht an. Er weiß schon,wie man es macht".

Ein Pröbchen: Der estnische Außenminister Sel­ter war zu Besprechungen über einen Handelsver­trag am 24. September 1939 in Moskau eingetrof- en. In derselben Nacht wurde er zu Molotow ge­holt, be^am ein Ultimatum in die Hand gedrückt und kehrte mit dieser Ueberraschung nach Reval zurück, was in der damaligen amtlichen Verlaut­barung mit folgenden Worten umschrieben wurde: Da jedoch in Moskau neue ergänzende Forderun­gen gestellt wurden, sah Minister Selter es als not­wendig an, zurückzukehren, um in der Angelegenheit noch einmal mit der (estnischen) Regierung zu be­raten." Das Ergebnis war, daß ,^ur Verteidigung von Marinestützpunkten und Flugplätzen" der Sow­jetunion das Recht eingeräumt wurde, an genau umschriebenen Orten Truppen zu halten, wodurch in keiner Weise die souveränen Rechte, auch nicht das Wirtschaftssystem und die Staatsform der Ver­tragspartner beeinttächtigt werden sollten.

Anfang Juni 1940, als die deutschen Heere durch den Westfeldzug gebunden waren. Übermittelte Moskau an die Regierungen von Litauen, Lett­land und Esttand gleichlautende Noten, in denen behauptet wurde:In letztex Zeit ereigneten sich mehrere Fälle, in denen Heeresangehorige der sow-

Stockholm, 24. Juni. (Europapreß.) In Lon­don äußert man sich über die Folgen des Falles von Tobruk für die Briten sehr besorgt. Die See- verbindungen nach Malta, Cypern und Haifa seien noch unsicherer geworden. Vornehmlich für Malta wirke sich dies sehr nachteilig aus. Britische Transporter seien nun fast ausschließlich auf den Schutz ber Seestreitkräfte angewiesen, während die Achsenmächte von Norden und Süden her mit ihrer Luftwaffe operieren könnten, wie sie wollten. Da der Nachschub für Malta nun sehr schwierig ge­worden sei, verringere sich die offensive Bedeutung Maltas selbst. Der Fall Tobruks bedeute außerdem noch, daß die Achsenmächte jetzt über einen weiteren bedeutenden Nachschubhafen verfügten.

Die Londoner Presse läßt deutlich erkennen, baß die Erklärungen Attlees im Unterhaus nicht ver­mocht hoben, die Enttäuschung über bie Niederlage in Nordasrika zu mildem. Alle Zeitungen erheben die Forderung nach einer eingehenden Untersuchung der Ursache. 'Die Times schreibt: Attlee sprach vor einem störrischen und besorgten Haus, als er über die letzten verhängnisvollen Ereignisse in Libyen Bericht erstattete. Das Verlangen nach tiefschürfen­der U/nt-oxjuchung wird mit yeurr Gewalt er-