Donnerstag, 25. ZunUYA
Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags
Beilagen:
Gießener Ramilienblätter -eimat imBild-DieScholle Bezugspreis:
Monatlich.... .RM.1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschluh 2251 Drahtanschrift: ,Llmeiger" Postscheck 1168k s^ranks./M.
Annahme von Amergeu für die Mittagsnummer bis 8Vi Uhr desBormittags Anzeigen-PreUe
für die Millimeter-Zeile von 22 Millimeter Breite: 7Rvf. für Familienan- aeigen und private Gelegenbeitsanzeigen
14Rvf. f. Werbeanzeigen und geschäftliche Gelegenheitsanzeigen
Plabvorichrift (vorherige Vereinbarung) 25%mehr
vrühlscheUniverfitätrdruckereiR. Lange General-Anzeiger für Oberhessen $ 6ic6en,9S<hulftra6e 7-9
ty2.Jahrgang Nr.M ▲ W 9 Vo
Gietzener Anzeiger
Sie Inbesitznahme her westlichen Meuten
England unter dem Eindruck von Tobruk
der den des für
leben. Daher auch seine Hilferufe an die Alliierten, seine dringenden Bitten um Unterstützung, die heute weder England noch die Bereinigten Staaten zu bringen in der Lage sind. Der japanische Angriff auf Dutch Harbour bekommt übrigens unter diesem Blickwinkel ein besonders interessantes Gesicht. Er beweist, daß die Japaner an alles denken, und daß sie keine Kombination außer acht lassen, die vielleicht dazu dienen könnte, den waffenstarrenden Ring, durch den sich Tschiangkaischek heute eingekreist sieht, zu sprengen.
Kein Wunder, wenn sich heute die Pressestimmen mehren, die auf feiten der Gegner Japans die Niederlage Tschiangkaischeks prophezeien. Tschungking benutzt diesen Pessimismus, um imme^ dringendere Forderungen zu stellen, ob er allerdings an ihre Erfüllung glaubt, ist eine andere Frage. Den Alli-
Witterung zu kämpfen. Es ist noch immer sehr kalt. Die Wachen müssen alle zwei Stunden abgelöst werden. Es herrscht stürmische See, das Schiff tanzt wie eine Nußschale. Der Kommandant gibt bekannt, daß wir auf den Aleuten landen. Für uns alle kommt diese Mitteilung überraschend. Jetzt sind uns auch die äußerst sorgfältigen Vorbereitungen verständlich. Selbst verschiedene Samenarten und Kartoffeln wurden mitgenommen, um auf dem Stützpunkt angebaut zu werden. Schon daraus läßt sich erkennen, daß es sich hier kaum nur um eine vorübergehende Aktion handeln dürfte. Der Kommandant teilt uns noch lächelnd mit, daß wir auf der Insel zwar keine Bäume, dafür aber hohe Berge antreffen werden.
Wir sind kurz vor dem Ziel angelangt. Es ist dunkle Nacht, die Tiefseemessungen für die Landungen werden bereits vorgenommen. Man kann bereits den Schatten der Insel erkennen, der fast wie die Silhouette eines großen Kriegsschiffes wirkt. Ich muh mir immer wieder ins Gedächtnis zurückzurufen, daß wir jetzt 2000 Meilen von der Heimat entfernt sind.
Der Wind hat sich inzwischen gelegt, und auch die See ist ruhiger geworden. Die ersten Boote werden herabgelassen, bald kommt die Meldung, daß die Gewässer minen frei sind. Noch immer ist kein Schuß gefallen. Jetzt flammt links var uns ein grünes Leuchtsignal auf und kündigt uns die erfolgreiche Landung an. Es ist 10.30 Uhr. Nun
ierten geht es selbstverständlich nicht um die Erhaltung des Tschunking-Regimes, sondern einzig und allein darum, möglichst lange die Millionenarmee der Japaner auf den chinesischen Kriegsschauplätzen festzuhalten. Denn was eine Niederlage Tschiangkaischeks für Indien und Australien bedeutet, braucht nicht erst gesagt zu werden. Wenn die Japaner also heute mit allen Kräften auf die Beseitigung Tschungkings hinarbeiten, so zeichnet sich hinter den chinesischen Niederlagen bereits die größere ab, die einen Zusammenbruch des britischen Empires bedeuten würde, nämlich der Verlust Indiens und Australiens. Erst wenn man bis zu dieser Erkenntnis vorgedrungen ist, Übersicht man auch die Genialität der japanischen Strategie, die niemals auf Prestigeerfolge ausgeht, die aber mit eherner Folgerichtigkeit sowohl den Engländern wie den Nordamerikanern zunächst alle Basen weggenommen hat, von denen aus ein Eingreifen möglich war und jetzt das Kernproblem des gesamten ostasicttischen Krieges, nämlich die China-Frage, zu lösen im Begriff ist.
T o k io, 25. Juni. (DHV. Funkspruch.) Das Hauptquartier gab bekannt: Die japanischen 2Na- rinestreitkräfte, die im Gebiet der Aleuten-Jnseln operieren, setzten nach Besetzung der Insel k i s k a am 7. Juni und der Insel. A t tu am 8. Juni die Säuberungsaktionen auf den benachbarten Inseln fort Die Insel üiska, die von den japanischen Streitkräften beseht wurde, wird in Zukunft den Hamen 7tarukami und die Insel Attu den Hamen A t s u t s tragen. Die Inseln Attu und üiska sind die größten der westlichen Aleutengruppe. Attu ist 104 km lang, 52 km breit und 1000 in hoch. Etwa gleich groß ist kiska.
*
lieber die Landungene auf den Aleuten liegen nun in Tokio auch die ersten Aufnahmen vor. Sie zeigen von Kriegsschiffen geschützte G e l e i t z ü g e, wie sie in rauher See und bei diesigem Wetter noch Norden dampfen, während man auf anderen Photographien das erste Landungskorps auf dem steinigen unwegsamen Gelände einer gebirgigen Insel erkennt. Nach der Besitzergreifung durch die Japaner weht über diesem Stützpunkt bereits das Sonnenbanner. Ein PK.-Mann des japanischen Marinekorps gibt gleichzeitig eine Schilderung des
Unternehmens.
„Seit Tagen dampfen wir gegen Norden", so beginnt der Bericht, „dicker Nebel umlag uns, so daß die Aussicht oft nur hundert Meter beträgt.
Ankara, 24. Juni. (Europapreß.) Casey, britische Minister für den Nahen Osten, hat unter britischem Einfluß stehenden Ländern Nahen Ostens mitgeteilt,. die Lage habe sich . die Briten in Nordafrika und im Nahen Osten durch den Fall Tobruks und die jüngsten schweren Niederlagen im Mittelmeer so verschlech- tert, daß die Briten nicht mehr genügend Nachschub organisieren könnten, um die Versorgung dieser Truppen aus eigenen Mitteln sicherzustellen. Die britische Armee im Nahen Osten sei nun erheblich mehr als bisher auf die VerpUe- g u n g aus diesen Ländern selbst angewiesen. Diesem Umstand hätten die Regierungen Rechnung zu tragen. Die Folgen der britischen Niederlage in Nordafrika machen sich auch schon in anderer Weise bemerkbar. Das britische Oberkommando für den Mittleren Osten hat sich entschlossen, britische Streitkräfte von Iran und Syrien abzuziehen und nach Aegypten zu werfen. Gewisse von den Briten im Iran bisher besetzt gehaltene Zonen sollen von ihnen geräumt worden [ein und sowjetische Truppen hier eingerückt sein, z -V
was Attlee dem Hause sagen konnte, wird die Verblüffung der Nation über das Unheil in Libyen beheben. Auf alle Fälle muß das Kabinett antworten und nicht nur antworten, sondern zu- agen, daß die Aenderungen, die entweder im Per- onal oder im System erforderlich sind, sofort burdr- geführt werden. — Die Tatsache, daß auch der „Daily Telegraph", der bisher als offizielles Organ der konservativen Parteiführung die Regierung stets verteidigt hat, auf einer Untersuchung besteht, ist ein Beweis für die allgemeine Erregung. Vielleicht aber ist seine Haltung auch ein Anzeichen dafür, daß die Regierung selbst entschlossen ist, diesmal eine eingehende Untersuchung abzuhalten. Die Aeußerungen Atttees im Unterhaus deuten jedenfalls in diese Richtung. Eine derartige Untersuchung würde vermullich mit der Abberufung einiger höherer Offiziere enden, da eine politische Krise im gegenwärtigen Zeitpunkt, wie dies auch von kon- ervativer Seite schon im Unterhaus ausgesprochen wurde, als zu gefährlich betrachtet werden dürfte.
Bitiere Kritik in Güd-Afrika.
Lissabon, 25. Juni. (DNB. Funkspruch.) In Südafrika herrscht tiefe Trauer über den Fall von Tobruk, weil in der Festung ein großer Teil der unter Ritchies Befehl kämpfenden süafrikani- schen Truppenverbände in Gefangenschaft geraten ist. Nur einer verschwindend geringen Zahl der südafrikanischen Truppen ist es gelungen, aus Tobruk herauszukommen. Fast die gesamte zweite südafrikanische Division ist vernichtet ober in Gefangenschaft geraten. Die britische Führung wirb scharfer Kritik unterzogen, ba man ber Auffassung ist, baß General Ritchie südafrikanische Truppen auf hoffnungslose Posten stellte unb ihnen ben schwierigsten Teil ber Kämpfe zuschob, währenb er bie Regimenter des britischen Mutterlandes schonte.
0er Nahe Osten muß die britischen Truppen selbst versorgen.
baten und das Kriegsmaterial zu einer Off en- s iv e in Europa einzusetzen. Das aber wollten die Briten vermeiden. Churchill, so schließt die „New York Times", besteht darauf, daß zuerst bie Schi fsra umfrage einer Lösung zugeführt werden müsse. Erst bann könne man an eine Invasion Europas denken. Jeder verfrühte Versuch ber Aufrichtung -einer zweiten Front wäre daher von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Nach einem Bericht der „Daily Mail" aus Washington herrschte in ber Öffentlichkeit große Bestürzung und Entrüstung über ben Fall Tobruks. Die Erklärung Roosevelts und Churchills chabe es ebensowenig wie bie Rebe Hopkins vermocht, den burch die brittschen Niederlagen in den USA. entfesselten Sturm zum Abklingen zu bringen. Die Wandelgänge des amerikanischen Kongresses hallten von der bitteren Kritik der Parlamentarier wider, und man höre Worte gegen die . englische Kriegführung, die bitter wie Galle sind. — „New York World Telegram" fordert statt der vielen Redereien um den Sieg und das, was man bann machen würde, endlich entschlossenes Handeln. Das Blatt sagt: „Kaum ein Tag ist vergangen, ohne daß irgendein Politiker in Washington oder London dieselbe abgedroschene Drohung wiederhott hat, was man alles im Hinterlande Hitlers anrichten würde. Eine erfolgreiche Offensive ist verzweifelt notwendig, wenn wir jedoch nicht stark genug sind, so sollten wir den Versuch erst gar nicht machen."
Was ist am dringlichsten?
Meinungsverschiedenheiten zwischen Churchill und Roosevelt.
nnR Die 41U3IIUII Ul II Ul liunutu vjvvivi |• 3 ~ . r . , n v
Im Gegensatz zu unseren Erfahrungen bei den Lan- folgt Doot auf Boot und setzt Truppen an Land, dungsoperationen in den Südgebieten haben wir Ein neuer Abschnitt im Kriege Großostasiens ist ein- hier oben im Norden mit vielen' Schwierigkeiten ber I geleitet."
Berlin, 25. Juni. (DNB. Funkspruch.) „New York Times" berichtet über Meinungsverschieden- heiten zwischen Roosevelt und Churchill in der Auffassung über die größere Dringlichkeit der Anforderungen der verschiedenen Kriegsschauplätze. Churchill wußte bereits zu -Beginn der neuen Phase des Libyenfeldzuges, daß hinter ber britischen Verteidigungslinie Gazala-Bir Hacheim sich keine großen Verteidigungsmittel mehr befanden und daß General Ritchie den deutschen Angriffen auf die Dauer nicht widerstehen konnte. Churchill wußte aber auch, daß Roosevelt auf die dringenden Vorstellungen Molotows hin ben Sowjets die nächsten oerschiffbaren Kriegsmateriallieferungen zugesagt hatte. So begann schon über den Draht bie Auseinandersetzung über bie bevorrechtigten Lieferungen zwischen Roosevelt unb Churchill, wobei Roosevelt noch den Pazifik und vor allem das be- brohte Alaska in seine Kalkulationen einzubeziehen hatte. Als bie Verständigung über ben Draht nicht herbeigesührt werden konnte, entschloß sich Churchill zum sofortigen Fluge nach Washington. Hier forderte Churchill eine sofortige Konzentration aller Kräfte auf Libyen. Roosevelt verlangte dagegen ben sofortigen Einsatz der Millionen britischer Soldaten, die immer noch in England stehen. Er verwies Churchill auf die ungeheure Menge von Kriegsmaterial auf den britischen Inseln, das an anderen Kriegsschauplätzen fehle.
Die „New York Times" versucht den Eindruck zu erwecken, daß Roosevelt nach irgendeiner nur greifbaren Chance sucht, um diese britischen Sol-
hinzukommt.
Dieser neue Frontabschnitt an ber Grenze von Yünnan gab aber auch dem japanisch-chinesischen Konflikt ein gänzlich neues Gepräge, denn jetzt war China — ober vielmehr die Beseitigung des Tschungking-Regimes — nicht mehr Probefall, sondern die Auseinandersetzung würbe zum Kern- stück der japanischen Ziele zur Schaffung eines größeren Ostasiens. Als Japan am 8. Dezember 1941 durch die Kriegserklärung an bie USA. den Ring dieses zweiten Weltkrieges schloß, bekam auch der Chinakonflikt ein neues Gesicht, und seine Durchführung bedingte eine veränderte Strategie, deren erste Auswirkungen Tschiangkaischek jetzt allenthalben zu spüren bekommt. Die konzentrische Offensive, die Japan gegen Tschungking eröffnet hat, läßt feinen Zweifel mehr darüber, baß es Tokio ernst ist um die Liquidierung eines Regimes, das sich beharrlich und trotz mancher Brücken, die von den Japanern zur Beilegung dieses Konfliktes gebaut wurden, weigert, die weltgeschichtliche Mission Japans zur Schaffung ber großostasiatischen Wohlstands,phare anguerkennen. . ....
Es ift bei ber Eröffnung der Offensive in der östlichen Provinz Tschekiang, die auch aus Kiangsi Übergriff und gleichzeitig auch an anderen Stellen, vor allem an der Sudfront, die Operationen wieder in Schwung brachte, etwas voreilig von einer „Zangenbewegung aus Tschuntmg gesprochen worden. So unzweifelhaft bie JapanW Marschrichtung auf Tschungking ist, so zurückhaltend muß man aber bei der Anwendung von Begriffen sein, bie bei der Weite des chinesischen Saumes einigermaßen gegenstandslos werben. Die Ossensive iy Tschekiancs ist nämlich räumlich von dem Bor- dvingen in Yünnan rund 2200 km entfernt unb verfolgt in erster Linie das Ziel, bie letzte Lucke, bie in dem Einkreisungsring gegen ben Nachschub für Tschiangkaischek noch bestand zu stopfem Auyer- dem sollte ber Angriff in Tschekiang aber die Möglichkeit zerstören, daß die Nordamerikaner m „J Provinz Flugplätze, anlegen, die als Absprunghasen gegen das japanische Mutterland bienen könnt . Der erste Bombenangriff auf Tokio, bei dem die nordamerikanischen Flugzeuge ihr Heil barm sch' ten, nach Westen, also nach Tschekiang, ä" entfliehen, hatte diese Möglichkeit handgreiflich vor Augen gc führt, denn ein Blick auf die Karte zeigt, daß die Front, die in ziemlich gerader Linie durch diePro vinzen Shensi, Honaii und Hupeh verlaust, auf der Hohe von Tschangtscha in ber P^omz Klangst fast rechtwinklig nach Osten Zuruc^elcht und bie Provinz Tschekiang in nordöstlicher Richtung unHann n südöstlicher Richtung umgeht Tschekmng war au^cr der nunmehr ausgefallenen Burma-^raße aber der „geheime Nachschubweg" Tschiangkaischeks da es bei der vielgestaltigen und buchtenreichen chlnef sihe,n Küste gänzlich ausgeschlossen wariebe^aluppe oder jedes kleinere Fahrzeug, das von feee per Kriegsmaterial für Tschunkmg heranfuhrte aufzu
Dst großen Erfolge in Tschekiang, Vordringen an allen anderen Kriegsschauplätzen zeigt baß d Chinesen der japanischen Überlegenheit ) ?
gegenzustellen Haden, so,datz sich Tfch, g nunmehr wirklich vor die Tatsache geste t sh, chner Insel im unermeßlich weiten Naum CH 2
Japan macht Ernst in China
Von unserem ek.-Derichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Schanghai, im Juni 1942.
Bald jährt sich zum fünftenmal der Tag, an dem durch ben Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke in Lukutschiao, südwestlich von Peking, jener Konflikt ausgelöst würbe, ber bestimmt mar, in bas Buch ber ostasiatischen Geschichte ein neues unb wohl bas bedeutsamste Blatt einzufügen. Was sich in ber Nacht vom 7. zum 8. Juli 1937 ereignete, hat zwar nie zu einer Kriegserklärung zwischen Japan und China geführt, ist aber im Laufe der Jahre zu einem der weiträumigsten Kriege aller Zeiten geworden, den Japan mit wechselnden strategischen Zielen und bald schwächerem, bald stärkerem Einsatz führte.
Es ist von japanischer Seite nach Ausbruch des pazifischen Krieges zwischen Japan und den Westmächten im Hinblick auf bie überraschenden Erfolge gegen die USA. und England mehr als einmal klargemacht worden, daß die Kriegführung in China nicht als Maßstab für das japanische Potenttal angesehen werden dürfe, daß im Gegenteil voreilige Beurteiler der japanischen Chancen im Pazifik und im Raume des Indischen Ozeans einer folgenschweren Täuschung unterlegen seien, wenn sie die Erfolge der Japaner in China und die dafür benötigte Zeit als Grundlage ihres Urteils über die wahre japanische Kraftentfaltung benutzt hätten. In der Tat hak'Japan den Krieg gegen China immer im Hinblick auf die Möglichkeit größerer Verwicklungen geführt. China war Hebung und Experiment für Verwicklungen, bie man in Tokio feit langem in anderen Räumen voraussah. Daß die Gegner dieses möglichen Konflikts nur England unb die USA. sein konnten, mar jebem geläufig, ber die Geschichte der Beziehungen der Westmächte zu Japan in den letzten Jahren an Ort und Stelle verfolgt hat.
Obgleich aber Japan den Krieg in China nur mit verhältnismäßig geringem Einsatz führte — man schätzt die japanischen Streitkräfte auf 1,2 bis 1,5 Millionen Mann —, sind die Erfolge im Laufe dieser fünf Jahre doch außerordentlich groß gewesen. Es wurden nicht nur die wichtigsten Städte Schanghai, Nanking, Tientsin, Kanton unb Hankau besetzt und nicht nur insgesamt sieben Provinzen völlig unter japanische Kontrolle gestellt (Hopeh, Schantung, Schansi, Kiangsu, Anhwei, Chahar, Suiyan), sondern auch große Teile der Provinzen Honan, Tschekiang, Kiangsi, Hupeh und Kwantung erobert. Das Gebiet, das Japan in diesen fünf Jahren besetzte, istzweieinhalb malsogroß wie Japan und umfaßt rund die Hälste des ganzen chinesischen Raumes. Insgesamt kontrollierte Japan eine Frontlänge von 4600 km, zu denen letzt noch die Grenzlinie zwischen Burma und Yünnan
hoben. Geschütze und Tanks modernster Konstruktion wurden in Massen nach Aegypten befördert, damit die libysche Front mindestens uneinnehmbar gemacht würbe. Der deutsche Sieg hat gezeigt, daß die vor- angegangene Konzentrierung von Luftangriffen auf Malta seinen strategischen Zweck erreicht hat. Wir haben niemals gegen die weiter zurückliegenden Stützpunkte des Feindes Bengasi und Tripolis Angriffe unternommen, die sich mit denen auf Malta vergleichen ließen. Diese unb anbere Fragen werden im Parlament von verantwortlichen Männern aufgeworfen werden, die in ihrem Verlangen nach rücksichtsloser Untersuchung von dem Bewußtsein getrieben werben, daß von den Antworten das Schicksal unserer Armeen und die Hoffnung auf Wiedereroberung des verlorenen Geländes abhängen kann. Der Verlust von Libyen vermehrt bie Gefahren, die über dem ganzen Kriegsschauplatz im Mittelmeer unb im mittleren Osten liegen. Die „Times" sagt, die Verantwortung für die Ereignisse in Libyen müsse festgenagelt werben, unb ohne Rücksicht auf die Person müsse in Zukunft -für eine bessere Planung und Ausrüstung gesorgt werden.
Der „Daily Telegraph" schreibt unter der UeberschrP ^Ausmerzung der. Ursachen", lWs«
Oer Wolf und das Rotkäppchen.
Der jetzt enthüllte englisch-sowjetische Geheimvertrag gliedert das Europa, das die Bolschewisten beherrschen wollen und das ihnen England zum Fraß vorwirft, in vier Zonen: Unmittelbare strategische Grenzen und „Ansprüche der Sowjetunion auf Sicherheit" werden gegenüber Finnland, dem Baltikum und Rumänien anerkannt. Dann kommen die sowjetischen „Interessensphären": Der Rest von Finnland, gewisse Teile von Nordskandinavien, die Tschechei, Rumänien, Bulgarien und Jugoslawien. Als drittes Herrschaftsmittel gelten „Stützpunkte" einschließlich der „freien Durchfahrt" von der Ost- ee zur Nordsee unb vom Schwarzen Meer zum Mittelmeer. Der Sowjetunion wirb bas Recht zugebilligt, Garnisonen auf Grunb von „Pachtverträgen" zu errichten und zu erhalten. Die vierte owjetische Zone besteht schließlich in ber „militärischen unb politischen Kontrolle" über Finnland, Deutschland Ungarn, Rumänien unb Bulgarien. Ergänzend zu dieser gebietsmäßigen Gliederung eines sowjetisch beherrschten Europas tritt das Verbrechen beider oerttagsschließender Teile, „sich für die endgültige Beseitigung des nationalsozialistischen und des faschistischen Regimes und ähnlicher Regierungssysteme in ganz Europa" zu verpflichten.
Die einzelnen Punkte des englisch-sowsetischen Geheimvertrages sprechen für sich selbst. Sichtlich überschneiden sich die einzelnen Herrschaftszonen des bolschewistischen Europa, wie es sich Stalin und Molotow denkens noch etwas auf dem Veytragspapier. Aber auf solche Kleinigkeiten kam es Molotow gar nicht an. Er weiß schon, „wie man es macht".
Ein Pröbchen: Der estnische Außenminister Selter war zu Besprechungen über einen Handelsvertrag am 24. September 1939 in Moskau eingetrof- en. In derselben Nacht wurde er zu Molotow geholt, be^am ein Ultimatum in die Hand gedrückt und kehrte mit dieser Ueberraschung nach Reval zurück, was in der damaligen amtlichen Verlautbarung mit folgenden Worten umschrieben wurde: „Da jedoch in Moskau neue ergänzende Forderungen gestellt wurden, sah Minister Selter es als notwendig an, zurückzukehren, um in der Angelegenheit noch einmal mit der (estnischen) Regierung zu beraten." Das Ergebnis war, daß ,^ur Verteidigung von Marinestützpunkten und Flugplätzen" der Sowjetunion das Recht eingeräumt wurde, an genau umschriebenen Orten Truppen zu halten, wodurch in keiner Weise die souveränen Rechte, auch nicht das Wirtschaftssystem und die Staatsform der Vertragspartner beeinttächtigt werden sollten.
Anfang Juni 1940, als die deutschen Heere durch den Westfeldzug gebunden waren. Übermittelte Moskau an die Regierungen von Litauen, Lettland und Esttand gleichlautende Noten, in denen behauptet wurde: „In letztex Zeit ereigneten sich mehrere Fälle, in denen Heeresangehorige der sow-
Stockholm, 24. Juni. (Europapreß.) In London äußert man sich über die Folgen des Falles von Tobruk für die Briten sehr besorgt. Die See- verbindungen nach Malta, Cypern und Haifa seien noch unsicherer geworden. Vornehmlich für Malta wirke sich dies sehr nachteilig aus. Britische Transporter seien nun fast ausschließlich auf den Schutz ber Seestreitkräfte angewiesen, während die Achsenmächte von Norden und Süden her mit ihrer Luftwaffe operieren könnten, wie sie wollten. Da der Nachschub für Malta nun sehr schwierig geworden sei, verringere sich die offensive Bedeutung Maltas selbst. Der Fall Tobruks bedeute außerdem noch, daß die Achsenmächte jetzt über einen weiteren bedeutenden Nachschubhafen verfügten.
Die Londoner Presse läßt deutlich erkennen, baß die Erklärungen Attlees im Unterhaus nicht vermocht hoben, die Enttäuschung über bie Niederlage in Nordasrika zu mildem. Alle Zeitungen erheben die Forderung nach einer eingehenden Untersuchung der Ursache. 'Die Times schreibt: Attlee sprach vor einem störrischen und besorgten Haus, als er über die letzten verhängnisvollen Ereignisse in Libyen Bericht erstattete. Das Verlangen nach tiefschürfender U/nt-oxjuchung wird mit yeurr Gewalt er-


