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rennen und bis in das Herz Europas Vordringen. In Nordafrika wollte Großbritannien Rommel bis Tunis zurücktreiben. Während ein immer stärkeres Eingreifen der Bereinigten Staaten in den Plänen der Gegner eine große Rolle spielte, hoffte'man auf der anderen Seite, daß Japan alle Provokationen widerspruchslos hinnehmen würde. Der Minister zeigte, wie alle diese Hoffnungen der Gegner ent­täuscht worden seien. Das deutsche Ostheer habe in einem zähen Abwehrkampf die Armeen des Bolsche­wismus festgehalten. Selbst unsere Gegner müßten heute feststellen, daß den Sowjets operative Er­folge nicht gelungen seien. Auch in Nordafrika habe Rommel die englischen Truppen zurückgeschlagen. Am 7. Dezember habe dann Japan Roosevelt und Churchill die Antwort auf ihre erpresserischen For^

derungen erteilt.

Mr trügen das Erbe ungezählter Kämpfe voran- gegangener Generationen, die nicht zum Zuge kamen, jetad) einen Anspruch darauf hätten, daß wir ihrem tapferen Einsatz zu einem, wenn auch spaten, Lohn verhülfen. Aber auch die kommenden Generationen könnten von uns verlangen, daß wir eine einmalige Gelegenheit, die ihnen nach Lage der Dinge nicht wieder geboten werden könne, auch wahrnähmen. Das deutsche Volk wisse, daß es in Adolf Hitler einen Führer gefunden habe, der seine Geschicke mit realistischer Kühnheit und einmaligem politischen Genie lenke. In der Erkenntnis, daß dieser Krieg um keinen Preis verloren werden dürfe und könne, habe das Volk die sich vor allem aus der ungünstigen Wetter- und Transportlage er­gebenden Entbehrungen in bewunderungswürdiger Haltung auf sich genommen. Sieg um jeden Preis fei die Parole, die aus den Sorgen des vergangenen Mnters geboren worden sei. Diese Parole werde zur Lösung der gewaltigen Aufgaben,

S t o d fro I m , 24. Marz. (DNB.) Meldungen aus Neuyork berichten von einer Masfenflllcht der

die noch vor uns lägen, führen. Ein wesentliches Problem sei der rationelle Einsatz der Ar« beitskraft des Volkes. Die herabgesetzten Le­bensmittelrationen verbunden' mit der durch die ungünstige Witterung hervorgerufenen augenblick­lichen Kartoffelknappheit hätten zweifellos bei vielen Volksgenossen zu Schwierigkeiten geführt. Allge-

oon 8000 Handelsschiffsmatrosen angeordnet, die weitere Englandfahrten ablehnen. Hierunter seien 3 000 Norweger und 3 000 Griechen. Der Rest setze sich aus Dänen, Schweden und Holländern zusammen. Mch- tere hindert Matrosen seien allein in Neuyork ver­haftet worden. Die Seeleute würden vor die Wahl gestellt, entweder die Fahrten wieder aufzunehmen oder deportiert zu werden.

täten in jenen Gebieten. Hierbei werden die hoch­entwickelten Spezialindustrien, die sich in diesen Ländern herausgebildet haben, wie etwa die Kratt- fahrzeugindustrie in Frankreich, durch entsprechende Belegung voll berücksichtigt.

Zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage in freien Betriebskapazitäten hat sich dabei ein beson­deres Marktinstrument herausgebildet: die Aus­tra tzsbörfe. Auch diese Einrichtung ist zunächst im Reiche selbst unter behördlicher Vorbereitung und Kontrolle mit Erfolg angewandt worden, um gerade auch kleinere oder weit abliegende Betriebe als Vor- und Unterlieferanten in die Rüstungsfertigung einschalten zu können. Heute ist sie ein bewährtes Mittel, auch in den dem Reich benachbarten Gebie­ten für jeden Betrieb die technisch zweckmäßigste, kriegswirtschaftlich notwendigste Belegung zu finden.

dien auf einem Pulverfaß sitzen, und der geringste Anstoß genügt, es zu einer Explosion zu bringen.

Norwegische Schiffe sollen sich Japan zur Verfügung stellen.

verficht Ausblick in die Zukunft und wissen: Das neue Europa wird in immer engerer Zusammen­arbeit auch die wirtschästlichen Voraussetzungen für den Endsieg schaffen!

8 000 europäische Seeleute auf Geheiß Roosevelts verhastet.

Soweit aber der Fertigungsbedarf für nichttnlli- tärifche Zwecke, etwa der für die zivile Bevölke­rung, als unumgänglich anerkannt werden muß, sorgt eine geordnete Erzeugungspla- nung und eine straffe Verbauchslen- kung dafür, daß dieser Bedarf neben dem un­mittelbaren und mittelbaren Kriegsbedarf im Rah­men des Möglichen seine Befriedigung findet. Aller-

Berlin, 24. März. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels sprach im Saalbau Friedrichshain zu den Kreis- und Ortsgruppenleitern sowie den führenden Persönlichkeiten des Gaues Berlin der NSDAP. Der Minister gab einen Ueberblick über die Lage. Der Winter fei abnorm hart gewesen. Unsere Gegner hätten in ihm die letzte Chance gesehen, die militärische Kraft des Reiches aufzu- halten und vielleicht zu zerschlagen. Die sowjetischen

Oie einmalige Gelegenheit.

ReichSprovagandaminister Or. Goebbels sprach in Berlin.

es sich ermöglichen lasse, Entspannung zu bieten. Aber auch die Volksgenossen selbst könnten in diesem Sinne tätig werden. Rücksicht und Höflichkeit untereinander könnten schon viele Härten mildern.

Oie Spannung in Indien.

Berlin, 24. März. (DNB.) Während die eng­lische Presse der Ankunft von Sir Stafford Cripps in Indien breiten Raum gewährt, lassen Nachrich­ten aus Indien keinen Zweifel über den zunehmen­den Ernst der bärtigen Lage. Den tiefsten Eindruck haben die Berichte aus Malaya entkommenen eng­lischer Flüchtlinge über die Apathie gemacht, mit der die dortige Bevölkerung dem Verzweiflungskampf der Engländer zusah. Die Schnelligkeit des japanischen Erfolges wird nicht zuletzt damit erklärt, daß die Malayen den britischen Truppen jede Unterstützung versagten. Die britischen Behörden in Indien fürch­ten, daß sich die Dinge in Indien ähnlich entwickeln können.

Der Vertrauensschwund der Bevölkerung kommt vor allem an den indischen Börsen zürn Aus­druck. Regierungsanleihen find so gesunken, daß jetzt Zwangskurse eingeführt werden mußten. Gleichzeitig wird ein Ansteigen des Gold- und Silberpreises verzeichnet. Eine allgemeine Flucht in Sachwerte hat eingesetzt, so daß viele indische Firmen ihre Lager geräumt haben, ohne Aussicht, sie wieder aufzufütten. Die Banken melden Abzug von Geldern und Nichterneuerung von Depositen.

Japanische Luftangriffe auf die Andamanen.

Tokio, 24. März. (DNB.) Die japanische Ma­rineluftwaffe hat militärische Stützpunkte des Fein­des in Australien, auf Neuguinea, auf den Salomon-Inseln und auf den Anda­manen bombardiert. Die Luftangriffe richteten

auf den Salomon-Inseln sowie gegen den Hauptort der Andamanen-Jnseln, Port Blair. Die.Anda- manen-Jnseln liegen im Golf von Bengalen nri') '"'^ören zusammen mit den südlich anschließen­den Nikobaren zu Britisch-Jndlen. Sie bestehen aus vier großen und etwa 200 kleinen Inseln von ins­gesamt 6500 Quadratkilometern und haben eine Bevölkerung von etwa 18 000 Menschen, außer den fast völlig ausgerotteten zwerghaften Ureinwohnern vor allem Inder. Die wirtschaftliche Bedeutung der Andamanen ist gering. Dagegen genießen diese stra­tegisch wichtigen Inseln als britische Strafkolonie in ganz Indien einen denkbar schlechten Ruf, da un­zählige nationale Inder in den menschenunwürdigen Straflagern von Port Blair lange qualvolle Jahre zubringen mußten.

mein sei klar geworden, daß ein Krieg im dritten L,--------. .

Jahr eine härtere Kriegführung als in feinem An- Seeleute aus der gefährdeten Nord-

für die Notwendigkeit einer engen europäischen Zu- englischen Zivilverwaltung, die den Lordsiegel- famme narb eit auf wirtschaftlichem Gebiet ist aber bewahrer in Karachi empfingen, haben ihm keinen auch in all den Ländern in stetem Zunehmen be- Zweifel darüber gelassen, daß die Engländer in Zu­griffen, die nicht aus freiem Entschluß Glied des europäischen Wirtschaftsraumes geworden sind. Wenn aber dieses Verständnis vorhanden ist, so las­sen sich in den meisten Fällen auch die organisato­rischen Einrichtungen zur Durchführung einer sol­chen Zusammenarbeit ohne Schwierigkeit schaffen.

Die bisherigen Erfolge der europäischen Zusam­menarbeit sowohl auf dem Gebiet der Rohstoffver­sorgung wie in der industriellen Fertigung sind ge­waltig. Die siegreichen Schlachten im Osten dürfen hier nach der wirtschaftlichen Seite hin als eine Leistungs- und Materialschau des neuen Europa gelten. Mit dem bisher erreich­ten Wirkungsgrad der europäischen Zusammen­arbeit stehen wir aber erst am Anfang: die erste Ausweitung unseres Wirtschaftsraumes durch die Besetzung Norwegens liegt noch keine zwei Jahre zurück! Und schon haben gerade die Schläge im Osten dafür gesorgt, daß sich für das europäische Rüstungspotential neue gewaltige Perspek­tiven aufgetan haben. So halten rotr auf dem neuen Gebiet der Kriegswirtschaft mit stolzer Zu-

sich gegen die nordaustralischen Häfen Port Dar­win, Derby und Wyndham, gegen die zwi­schen dem australischen Festland und Neuguinea liegende Insel Horn, gegen Port Moresby an der Südküste von Neuguinea, gegen Tulagi

Oslo, 24. März. (Europapreß.) Der norwegische Reederverband richtete eine Aufforderung an die norwegischen Schiffsführer, die sich mtt ihren Schif­fen im Indischen Meer, im Stillen Ozean oder in den australischen Gewässern befinden, so schnell wie möglich einen der im japanischen Machtbe­reich befindtichen Häfen. Kusaie auf den Karoli­nen, Rabaul im Bismarck-Archipel, Penang in West- malakka, oder Saigon in Französisch-Jndochina, an- g ul auf en, da die japanische Regierung erklärt hat, daß alle norwegischen Handelsschiffe, die sich auf eine bestimmte Zeit Japan zur Verfügung stellen, Eigentum der norwegischen Reedereien bleiben sol­len. Eine Internierung der Besatzung erfolgt nicht. Um die Besatzung wirtschaftlich zu sichern, zahlt der Reederverband 5000 Kronen sowie das Dreifache der Jahresheuer an jedes Besatzungsmitglied. Der Bettag wird in Norwegen ausgezahlt. Die Sicher­heit der Besatzungen in den angelaufenen Häfen wird garantiert. Die Familien in der Heimat kom-

Der Ausfall Burmas hat zu einer Verknappung von i

Reis geführt. Kalkutta ist so gut wie ohne Kohlen, inert wieder in den Genuß der Unterstützungen.

dinqs verfolgen wir dabei den Grundsatz, die Ferti- Organisation seiner gewerblichen Wirtschaft in die ( Bevölkerung zu verteilen. Die britischen Behörden qunq für denzivilen" Bedarf aus den betrieben,1 Hand genommen. Infolgedessen stehen heute auch fürchten, daß diese Waffen nicht gegen die Japaner, die für Wehrmachtsfertigung geeignet sind, möglichst der italienischen Kriegswirtschaft in den Emrichtun- sondern gegen die Engländer Anwendung ftnden herauszunöhmen und damit Betriebe zu belegen, die gen der Vorkriegszeit wertvolle organisatorische könnten. So trifft Cripps Indien in einer außer- mehr am Rande liegen". Wir entlasten damit die I Hilfsmittel zur Bewältigung der knegswirtschaft- ordentlich gespannten Lage an. Wie er diese mei- Rüstungsfertigung innerbetrieblich sowohl wie stand- liehen Aufgaben zur Verfügung. Das V-rftandnis stcrn soll, scheint unerfindlich. Die Beamten der ortmäßig. Diese Verlegung, die zunächst innerhalb v!'****-*-

des Reichsgebietes zur Intensivierung der Rüstungs­produktion angewandt wurde, ist mit der sogenann­ten Auftragsverlagerung in großem Um­fang auf die besetzten und angegliederten Gebiete ausgedehnt worden. Indem wir Teile der zivilen Fertigung insbesondere in die industriell hoch-ent­wickelten Westgebiete verlegen, stärken wir einer­seits das Rüstungspotential des Reichs durch er­höhte Konzentration auf unmittelbare Kriegserzeu­gung und vermeiden andererseits das Brackliegen von wertvollen Arbeitskräften und Bettiebskapazi-

in denen die Kriegführung es dringend erfordere, blem für die Aufre chterh altung des Schiffsverkehrs müsse man rücksichtslose Maßnahmen ergreifen. Auf I mit England entwickele. Der USA.-Generalstaats- der anderen Seite sei es aber das Bestreben der Re- anwalt Biddle habe daraufhin die Verhaftung gierung, dem Volke auf allen Gebieten, auf denen nnn ^ono anaeordnet. die

iviyen vte bc- Mu1^invn«u>4 Me bei der Auftragsverlagerung und bei der Ein Teil rollenden Materials wurde für Waffen

gleiche dafür, daß die freigewordenen Maschinen-' Auftragsbörse im Reich erprobte Einrichtungen auf transporte im Iran requiriert.

kapazitäten in Betriebe mit kriegswichtiger Ferti- die Einflußgebiete des Reiches übernommen werden Zustand und Stärke der britischen und anglo-indi- gung verpflanzt werden, so daß also jedes Brach-1 konnten, so finden auch all die übrigen Maßnah- scheu Armee in Indien ist nach Auffassung maß­liegen auch von maschinellen Energien vermieden: men des Reichs zum Ausbau der industriellen geblicher Kreise einem Krieg gegen Japan in keiner Kriegsfertigung im Zuge der wachsenden euro =; Weise angepaßt. Die besten indischen Truppen p äi sch en Zusammenarbeit ein immer brei-^stehen im Nahen Osten, in Burma oder befindens teres Anwendungsgebiet. Die befreundeten und ver- sich in japanischer Gefangenschaft. Rekrutierungs- , bünbeten Länder, 'an ihrer Spitze Italien, unter- Maßnahmen stoßen auf subversive Propaganda, die stützen diese Entwicklung für ihren Bereich voll und tue jungen Leute auffordert, nicht abermals ihre ganz und befruchten sie mit ihren eigenen Ersah- Knochen für England zu Markte zu tragen. Ander- nmgen. Gerade Italien hak aus ähnlichen Gründen, seits scheitert der Aufbau einer indischen Miliz an wie mir schon in den Dorkriegsjahren eine zentrale der Weigerung der Zentralregierung, das Waffen- Lenkung feiner wirtschästlichen Entwicklung und der gesttz aufzuheben und Handfeuerwaffen unter die j Organisation seiner gewerblichen Wirtschaft in die Bevölkerung zu verteilen. Die britischen Behörden 1

Aufruf an dieLandbevölkermtg

Bauern und Landwirte.

Berlin. 24. März. (DNB.) Die Städte brau- chen Speisekartoffeln. Die Feldbestellung wird in den nächsten Tagen, namentlich im Osten, noch nicht möglich sein. Daher nutzt die Zeit! Oeffnet die Mieten und versendet sofort Speisekartoffelnk Schützt die bei der Sortierung anfallenden Pflanz- kartoffeln vor Nachtfrösten, um sie - bei wärmerem Wetter zu verladen! Ihr entlastet damit euch selbst für die kommende Frühjahrsbestellung und ermög­licht die rechtzeitige Beförderung der Pflanzkar- löffeln und weiterer Mengen von Speisekartosfeln.

Aus der Stadt Gießen.

Professor Or. Collin f.

In Gießen, wo er seit Sommer 1937 im Ruhe« stand lebte, verstarb im 79. Lebensjahre der Pro­fessor Dr. Joseph Collin. Der Verewigte stammte aus^Mainz, wo er am 2. Februar 1864 geboren wurde. Nach dem Besuch des humanistischen Gym­nasiums in Mainz studierte er vom Herbst 1881 bis Ende Februar 1886 an den Universitäten Gießen und Berlin klassische und neuere Philologie, promo­vierte im Januar 1893 und habilitierte sich im April 1893 in Gießen für neuere deutsche Literatur­geschichte. Von Ostern 1886 bis Weihnachten 1892 war er Lehramts-Accessist (wie der heutige Stu­dienreferendar damals genannt wurde) in Mainz, Darmstadt, Laubach und Gießen, von Ostern 1892 bis Ostern 1919 Oberlehrer am Realgymnasium, jetzige Langemarckschule in Gießen. Seit Ostern 1893 gehörte er als Privatdozent für neuere deut­sche Literaturgeschichte dem Lehrkörper der Lud­wigs-Universität an, Anfang März 1903 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor an unserer Ludoviciana. Mit Ablauf des Sommer- femesters 1937 schied er aus seiner Tätigkeit im Lehrkörper der Universität aus. Von feinen wis­senschaftlichen Arbeiten seien hier erwähnt: Goethes Faust in seiner ältesten Gestalt, im Jahre 1896 in Frankfurt erschienen; Henrik Ibsen, sein Werk, seine Weltanschauung, sein Leben, im Jahre 1910 in Heidelberg erschienen, in diesem Werk wurde zum erstenmal der gesamte Nachlaß des Dichters ver­wertet; Phanteon-Ausgabe von Ibsens Gedichten, in Berlin im Jahre 1902 herausgekommen. Seine Kraft und sein Wissen stellte er auch dem Verein für hessische Volkskunde als selbstloser Mitarbeiter zur Verfügung.

Während seines 27jährigen Wirkens als Lehrer afn Realgymnasium (Langemarckschule) hat er seine ganze Arbeitskraft und sein reiches Wissen uner­müdlich in den Dienst der ihm anoertrauten Jugend und der Schule gestellt. Durch sein Wissen und seinen feinen, rheinischen Humor, wie auch durch seinen vornehmen Charakter erfreute er sich bei seinen Kollegen und seinen Schülern großer Wert­schätzung. Viele seiner ehemaligen Schüler werden sich gerne der wertvollen Anregungen erinnern, die sie vor allem als Primaner dem beliebten Lehrer zu danken hatten. Als Professor Collin im Welt­kriege seinen einzigen Sohn verlor und auch seins Gattin schwer erkrankt war, glaubte er sich den An­strengungen der Schule nicht mehr gewachsen, und er erbat seine Versetzung in den Ruhestand, die ihm in Anerkennung seiner hohen Verdienste mit Schluß des Schuljahres 1918/19 gewährt wurde. Seine aka­demische Lehrtätigkeit an der Universität behielt er jedoch bis zum Abschluß des Sommersemesters 1937 bei. In den letzten Monaten zwang ihn ein tückisches inneres Leiden auf das Krankenlager, bis ihn jetzt der Tad von seinem Leiden erlöste.

Das Andenken an den verdienten Schulmann und geschätzten Mitarbeiter der Universität wird bei allen, die ihn gekannt haben, vor allem in den Kreisen der Langemarckschule und ihrer ehemaligen Schüler, in guter Erinnerung lebendig bleiben.

Gießener Scklachtviehmartt.

Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Verteilungsmarkt) in der Diehverstei- gerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 40,5 bis 44,5 Rpf., Bullen 38 bis 49,5, Kühe 28 bis 46,5» Färsen 34 bis 44,5, Kälber 25 bis 57 Rpf. je V2 kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebens gewicht folgende Preise erziett: Klasse a (150 kg und mehr) 1,25 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,25, b2 (120 bis 134,5) 1,25, c (100 bis 119,5 kg) 1,2-3, d (80 bis 99,5 kg) 1,15, e bis f (unter 80 kg) 1,11, gl (fette Specksauen 1,25, i (Altschneider) 1,25, g2 (andere Sauen) 1,15, h (Eber) 1,15 RM. Markt­verlauf: alles zugeteilt.

Verdunkelungszeit:

25. März von 20.43 bis 6.42 Uhr.

Der feurige Ofen

Roman von Hans von Hülsen

48. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Und während Brakel droben im Gästezimmer die Hände wusch und sich von der Reise wiederher­stellte, schloß Christian Fehr unter den großen Blattgewächsen des Wintergartens seine Frau in die Arme:

Na, Marion, alles gutgegangen? Dein Papa sieht gar nicht aus wie ein Eisenfresser!"

Sie bettete dankbar den Kopf an seine Brust:

Ach, Jan, ich war ja solch ein Schaf! Du bist viel, viel klüger als ich!"

Man trank Tee miteinander und machte danach einen kleinen Weg durch den Park. Brakel war die Artigkeit selbst. Er äußerte sich entzückt über das Schloß; er sagte, daß er auf dem Wege nach Ru­mänien sei, wo er für seine Gesellschaft wichtige Unterhandlungen zu führen habe. Nicht mit einem Wort erwähnte er heikle Dinge aus der Vergangenheit.

Nachdem Fabian die Kerzen auf dem Abendbrot­tisch gelöscht hatte, saßen sie in den hohen Stühlen vor dem Kamin. Es gab ja noch immer so viel zu erzählen. Hauptsächlich sprach Marion, während der Vater eine Importe nach der andern rauchte. Aber auch Christian Fehr selber zeigte sich heiter beredt: er war in seinem Herzen so froh, daß alles glücklich ablief, daß die Geliebte sich getäuscht hatte, daß hinfort auch dieser letzte Schatten von ihrem Glück getilgt war ... Er bedauerte sogar laut, heute nicht Herrn Fontana dazu gebeten zu haben: hätte man etwas Musik machen, und Herr von Brakel hätte Marions prachtvolle Stimme hören können! Aber morgen abend vielleicht?

Nein, höchst bedauerlicherweise; Brakel mußte morgen mit dem Abendzug, gegen neun Uhr, wie-

der weiter, mehr Zeit konnte er nickst erübrigen, wichtige Besprechungen erwarteten ihn, zunächst in Oberschlesien, danach in Bukarest und Constanza.

Nun, dann ein andermal! Es werde sich ja ge­wiß wieder Gelegenheit zu einem Besuch ergeben: Jedenfalls immer willkommen in Lappersdorf, Herr von Brakel!" Und Fehr hob liebenswürdig fein Glas gegen ihn.

Man besichtigte noch obenhin die Gläfersammlung in den erleuchteten Vitrinen Marion bestand darauf, und der Papa war artig genug, Interesse zu heucheln und ging dann nicht allzu spät zu Bett. Brakel hatte ja eine lange Reise hinter sich und bedurfte sicherlich der Ruhe.

Marion war von der qualvollen Anspannung aller Nerven während dieser letzten vierundzwanzig Stunden so überreizt, daß sie ein Schlafmittel nahm.

Am nächsten Tag, bald nach dem Frühstück, ent­schuldigte sich Fehr, wenn er Vater und Tochter für den Vormittag allein lasse: er hake seinen Forst­meister bestellt, um sich mit ihm auf die Nach­mittags-Sitzung im Landratsamt vorzubereiten. Das war halb die Wahrheit, halb eine Rücksicht auf Marion, der er Zeit lassen wollte, sich mit ihrem Papa gründlich auszusprechen. Er hatte gestern zu fühlen gemeint, wie beide um den Hauptdifferenz- punkt, Marions Theaterlaufbahn, scheu herumge- gangen waren: als fürchtete sie, der alte Streit könnte in seiner Gegenwart von neuem aufleben.

Erst zum Mittagessen sah man sich wieder. Fehr forschte im Gesicht seiner Frau, ob sie wohl eine un­angenehme Stunde hinter sich habe; aber er fand sie gleichmäßig heiter. Beim Braten sagte er:

Ja, mein lieber Herr von Brakel, Sie sind uns ... oder wenigstens mir ... noch eine Erklärung schuldig, wie Sie in Holland von unserer Heirat gehört haben. Auf telepathischem Wege doch wohl nicht?"

Nein, nein, Telepathie ist nicht im Spiel! Die Sacke war im Gegenteil ziemlich nüchtern. Ich kam natfj langer Zeit wieder in Briefwechsel mit einem alten Bekannten aus Düsseldorf, der vor Jahren

dort viel in unserm Haus verkehrte Marion, du kennst ihn auch. Der wußte von Ihrer Heirat und wußte auch Ihre Adresse. Er ist jetzt in Dres­den tätig. Ein gewisser Abbeg."

Abbeg!" Fehr lachte belustigt auf. Aber plötz­lich verstummte sein Lachen, denn er merkte, wie in Marions erbleichtem Antlitz die Augen mit einem Male dunkelten. Warum? Was hatte sie?Ja, Direktor Abbeg", fuhr er heiter fort:Den kennen wir freilich beide ganz gut. Im Grunde habe ich Marion durch ihn in München kennengelernt. Er ist übrigens nicht mehr in Dresden, sondern hier in Lappersdorf, als Direktor der Sophienau."

Ach nee! Kurios!" Brakel stieß das hervor und Fehr sah einen kaum beherrschten Zornes- blick aus seinen Augen zu Marion hinschnellen: Davon hast du mir nichts gesagt vorhin, als wir von der Sophienau sprachen! Das trifft sich ja günstig. Ich wollte ihn ohnehin auf der Rückreise in Dresden besuchen. Da gehe ich gleich nachher mal rüber ..."

Marion hatte auf die Klingel gedrückt, damit Fabian käme, die Teller wegzuräumen.

Daran habe ich gar nicht mehr gedacht, P8pa, daß ihr euch ja kennt", sagte sie mit erkünstelter Ruhe, während der alte Diener um den Tisch ging: Und noch weniger daran, daß du den Wunsch haben könntest, ihn zu besuchen."

Der zornige Ausdruck in Brakels Augen hatte sich in Ironie verwandelt ... eine gehässige Ironie, bei der es Fehr nicht wohl war.

Was bedeutete alles dies? Ein Geheimnis um Abbeg? Ihm fiel ein, daß Marion ihm damals in München gesagt hatte, Abbeg habe ihr seinerzeit sehr den Hof gemacht und zugleich erinnerte er sich an alles: an Abbegs zweideutige Reden auf der Oktoberwiese, an die Begegnung mit ihm in der Berliner Pension, an fein Angebot, ihr beizu- fpringen.

Doch, ich muß ihn dringend sprechen", sagte Brakel:Das habe ich mir vorgenommen. Und

daß er mir nun hier direkt ins Schußfeld lauft, das ist ja geradezu eine Schicksalsfügung ..."

Fehr merkte, wie seltsam unruhig Marion ge­worden war. Er wollte ihr helfen, er erzählte lachend, seine Tochter Ulla behaupte, Abbeg habe Fischaugen". Und dann kam er, ernster werdend, auf die Rücksichtslosigkeit zu sprechen, mit der Abbeg die verdienten alten Meister der Hütte um Arbeit und Brot gebracht habe.

Sieht ihm ähnlich! sagte Brakel:Einer von denen, die über Leichen gehen. Man hat in Düssel­dorf ähnliche Erfahrungen mit ihm gemacht. Kein angenehmer Zeitgenosse."

Nach Tisch ließ Marion die Herren einen Augen­blick allein und stieg in ihr Zimmer hinauf. Sie mußte für sich fein, um zu denken. Scharf nachzu- denken, wie sie diese neue unglückliche Wendung parieren könnte.

Alles war bisher fo gut, so über Erwarten gut gelaufen. Warum nur mußte Jan unglücklicherweise die Frage tun, auf die automatisch der Name Abbeg fiel?

Der Vater und Abbeg! Blitzschnell fielen ihr all die fürchterlichen Drohungen ein, die der Vater gegen Abbeg ausgestoßen, damals, in der entsetz­lichen Münchener Nacht und noch in dem letzten Brief, den sie auf der Peterbaude erhalten.

Sie mußte, mußte, mußte die Begegnung ver­hindern, um jeden Preis!

Aber wie wie konnte sie das?"

Es war drei Uhr. Um halb sieden wollte Fehr zum Essen zurück sein ... Großer Gott, in drei­einhalb Stunden kann entsetzlich viel Unglück ge­schehen!

Der Vater war heute ein anderer gewiß» Doch an dem zornigen Aufleuchten seiner Augen hatte sie gesehen, daß er in Sachen Abbeg nicht anders dachte als damals ... In diesem Punkte war ihm nicht zu trauen, da war er ebenver­rückt", wie sie selber es gegen Abbeg genannt hatte ,*«

(Fortsetzung folgt.)