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s die Bande der Familie so eng bindet wie das utjcke Weihnachtsfest mit seiner seltsam-feierlichen

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Unseren Soldaten draußen an den Fronten geht nicht anders. Sie wissen, daß der Posten-, der achtdienst gerade in der Weihnachtsnacht nicht nachlässig! werden darf. Die Feinde, die uns zenüberstehen, kennen, wie die Bolschewisten, das eihnachtsfest überhaupt nicht, oder sie suchen sich vußt die Weihnacht aus, um eine Ueberrumpe» ß zu versuchen. Sie täuschen sich auch hier, wie ch in vielen anderem getäuscht haben. Unsere aten auf Posten haben Augen, Ohren und nne offen, gerade auch in der Weihnachtsnacht. Wißt ihr, was es heißt, vor dem Feind in der ligen Nacht auf Posten zu stehen? Weihnachten i Herzen und Feindbeobachtung im Hirn! Der ibat wird mit allen Lagen fertig, auch mit die-

Gerade seine Gedanken an die Heimat, für die aund Wache hält, schärfen seine Sinne. Seine n im nahen Bunker verlassen sich auf le Aufmerksamkeit, sie sind es ja, denen die herheit des Abschnitts anvertraut ist. Und wenn Stunde der Ablösung gekommen ist, zieht ein lerer für ihn auf, während er selbst seine weih- hllichen Gedanken im Kreise gleichgestimmter meraben fortsp'nnen wird. Denn so ist der itsche Soldat: hart im Kampf und doch weich ii ein Kind, wenn er an die Heimat denkt. So r es schon früher, so daß unsere großen Heer- rer der Vergangenheit fast übereinstimmend diese ^sache feststellten: Man sieht es dem deutschen idaten in seinem Kampfzorn nicht an, daß er bei i weihnachtlichen Klängen wieder das Kind wird, 5 einst unterm Tannenbaum vor Glück und tude aufjauchzte.

Run, jauchzen tun unsere Soldaten nicht, aber ! deutsches Herz und ihren menschlichen Sinn len sie behalten trotz alles Schweren, was sie fier sich haben. Und so stehen Tausende, Hundert- wenbe deutscher Soldaten auf Posten in der Weih- htsnocht, kampfbereit und heimatverbunden, Bin zwischen Front und Heimat das unsichtbare nd deutschen Blutes und deutschen Gemütes »ders fühlbar ist. Deutschland feiert We'.hnoch- it, an der Front und in der Heimat. Pardolt.

ein Laut m den Straßen, und die durch die Fen- st strahlenden Kerzen am Tannenbaum schienen - Stille noch zu oertiefen. Und seltsam, auch im inern des Postens selbst war eine seltsam-feierliche dlle. Der le.se Mißmut, der ihn zunächst befallen Lite, daß gerade er in der Weihnachtsnacht auf Ken Ziehen mußte, war schnell einer feierlichen e gewichen Denn hier draußen in der Stille I schlafenden Welt hatten die Gedanken Muße sich M mit dem zu befassen, was den deutschen Men- ien am Weihnachtsabend so angelegentlich und <h nicht ausgesprochen beschäftigt: die Erinnerung - die Weihnachten im Elternhaus.

<9 sind die schönsten Erinnerungen, die in unsere derzeit zuruckgreifen, die uns den elterlichen nhnachtsbaum, den Gabentisch, das stille Glück r Eltern und d e laute Freude der Kinder vor lerer Seele wieder lebendig werden lassen In nem Land der Erde gibt es ein ähnliches Fest,

Auf Posten in der Weihnachisnachi.

Ts ist-'n eigenartig Ding mit dem Posten in der zsthnochtsnacht. Nicht erst jetzt im Sr eg. Auch im lieien jag der Posten m der heiligen Nacht mit chmutig -feierlichen Gefühlen auf Kaiernen- Z.6(fnnh. nhpr .a,Cr,nen'-

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Weihnachten auf dem Lt-Voot.

n Kriegsberichter Karl Emil Weitz, PK. ls war Anfang November in einem U-Boot- unter an der Atlänlikküste. Auf einem der U-Boote, m denen wir wußten, daß sie Weihnachten fern kHeimat fein werden, schleppen die U-Bvot-Män- uitb Werftarbeiter Kisten um Kisten über das trdeck. Es sind die letzten Vorbereitungen zum irlausen.

*Ra, was nehmt ihr für Weihnachten mit?" _ ler Funkmaat, der gerade die Provi-antuber- me leitet, blickt vorsichtig rund herum und meint kimmsvoll:Eine Ueberraschung, von der selbst ' Kommandant nichts wissen darf, habe ich für en dabei. Jeweils eine Kleinigkeit sowie als Henk der Flottille ein Plwtoalbum mit den tin PK.-Aufnahmen vom Stutzpunkt und von itdfahrten zur Erinnerung in späteren Jahren, vhol gibt es, im Gegensatz zu der Vermutung llcher Landratten, wie immer auf Feifahrt, mir öig. Weihnachten werden wir einen Punsch ven, Silvester dagegen eine Bowle." Ilnd der Weihnachtsbaum?"

Der Funkmaat deutet auf eine kleine Schachtel. Ür jeden Wobnraum im Boot tft hier ein Baum- B, zusammenklappbar, wie es die Enge und ote ®2 Reise erfordert.

!-rhirachten 1942! Seit vielen Wachen ist di-ftr bot nun auf Feindfahrt. Melleicht steht es heute, Weihnachtsabend, hn Norden, rennt es gegen von Wintersturmen aufgewühlte See an. Das V Wasser kommt über und läßt den Mannern der Brücke trotz der Gummikleidung keinen ttnen Faden am Leide. Vier Stunden lang muf­fte Ausschau halten, vier Stunden lang am Mohrblock angequrtet, um von den Wogen nicht ir Bord geworfen zu werden. Langst ift oas rmluf zu, well selbst durch diese einzigeOeffnung Außenwelt zuviel Wasser m das Doot drang. Ker Stunden hindurch ist der Wacholfizrer nnt > drei Männern feiner Wache clllein am oer «ke, allein im Tosen der Elemente Der SMrm Ült, das Salzwasser peitscht ms Gesicht, das Boot b wie em Korken hin und her geworfen. Wech' bien allein in dieser Weite des Atlantik, fern von zren Booten, fern von daheim ...

at Innern des U-Bootes stehen dl- «WJ hnochtsbüume auf der Back stur mit Lmnett Ütrt Kein Kerzenfchimmer fpieflelt JM) tn »en ien unserer U-Boot-Männer, denn offenes Lntit in U-Boot ein Dina der Unmogtichkelt Wer Dache hat fetzt sich für kurze Zelt an dl- Back, kt fX ©kJ UN» M m Gedanken da- B bei feinen Lieben wohl wehr n rH der im fernen Kaukasus, denn kein« Feldpost iäft das U-Boot während feiner uwnatelang »fahrt. Di- Kameradschaft ist alles m kn-fem -nblick, und nur wer das U-Boot-Leben k .

' mm ff en, warum die ®elal?nx.t5Oj,en[) oot auch an diesem schwersten Weihnachtsabend bleibt. .

Äe zwote Seewache M H« mach-N; ^ iRummi!" schallt es plötzlich durch me kuu Wer. Der zweite Wachofstzier un 5^,

-fn auf, streifen, so gut es bei dem starken

stana geht, chr Gummlzeua über und verschwinden "N Turm. Wassermassen stürzen von oben in die Zentrale. ein Zeichen dafür, daß das Turmluk für menige Sekunden geöffnet wurde. Wachwechsel!

Die Vier, die vier Stunden lang Ausschau hielten, kommen den Niedergang von der Drücke herunter, ^u^chullßt, erschöpft, frierend. Beim Ausziehen fällt »hr Blick auf das Weihnachtsbäumchen, eie greifen Huch Punsch in den Tassen, bemerken chr kleines Weihnachtsgeschenk und freuen sich mit dem Funk-, maat über die gelungene Ueberraschung. Minuten spater liegen sie in chrer Koje, denn in wenigen Stunden müssen sie erneut auf Wache.

Das ist die Weihnacht im U-Boot, wenn kein Dampfer in Sicht ist. Vielleicht steht aber das Doot

auf dem Allantik, erfordert so etn Weihnachtsabend am Geleitzug ...

Blicken wir südlicher! 5000, 10 000 ja fast 15 000 Kilometer von den U-Booten im Nordmeer entfernt operieren ebenfalls deutsche U-Boote, dort jedoch in tropischer Hitze. 40 bis 50 Grad ist dieNormal- temperatur" im Boot, und die Turnhose bleibt wochenlang das einzige Bekleidunasstück. Jeder ver- langt nach kühlenden Getränken, Kujarnbel, wie der U-Doot-Fahrer die Limonade nennt, ist mehr ge­fragt als bei uns und im Nordatlantik der Punsth.

Was erinnert unter diesen Umständen schon an Weihnachten? Außer den Weihnachtsbäumchen nur der Kalender. Und selbst dieser stimmt nicht ganz mit dem zu Hause überein, denn je weiter das

Das Bäumchen wartet.

Von Ltto Anthed.

Wie sie wohl aussehen mag", dachte Bernhard mrnerzu, während er von der französischen Kanal­küste in den Weihnachtsurlaub fuhr. Es war fast ein Jahr her, da hatte sie ein Päckchen ins Feld ge­schickt:An einen Soldaten, der niemand daheim hat." Das war an ihn gekommen. Seitdem hatten sie sich regelmäßig geschrieben, und mit jedem Brief mar ihm die unbekannte Lotte lieber geworden. Allein in der Welt wie er, selbständig, tapfer, ein Prachtmensch. Dann hatte er sie um ein Bild ge­beten. Aber sie hatte geantwortet, er solle nur erst mal aus ihren Briefen ihr Inneres gründlich fcnnenlernen. Wenn er bann einmal auf Urlaub käme, würde ihm das Aeußere ja auch nicht ver­borgen bleiben. Nun war es soweit. Und je näheS er dem Ziele kam, desto bänglicher wurde ihm zu­mute. Hübsch mar sie sicher nicht, sonst hätte sie ihr Bild geschickt. Aber wenn sie nun geradezu häßlich mar? Wenn sie etwa hinkte oder gar einen Buckel hatte? Heiß und kalt wurde ihm bei solchen Ge­danken. Nein, das würde er doch nicht können. Nun hielt der Zug. Er stieg zögernd aus. In der Halle war es dunkel wie in einer schwarzen Kuh. Ein paar schattenhafte Gestalten verschwanden vor ihm in der Finsternis. Sie hatte ihm geschrieben, daß sie in ihrem Stübchen ein We ihna ch t s b äu mchen richten würde, und ein Geschenk solle er auch vorfinden. Auf dem Bahnsteig werde sie ihn erwarten und immer« zu halblaut sagen:Das Bäumchen wartet." 2>ara* solle er sie erkennen. Aber es war weit und breit fein weibliches Wesen zu sehen. An der Sperre stand ein Posten:Fliegeralarm! Alles in den Luftschutz­keller!" Bernhard atmete ordentlich auf. So angst war ihm nachgerade vor dem Zusammentteffen ge­worden.

Der Keller war gar fein so unfreundlicher Ort Frisch gekalkt die Wände, hell war es und warm, und die Menschen sahen keineswegs ängstlich oder bedrückt drein. Landser standen umher und erzähl« ten sich Witze, auf den Bänken saßen Pärchen, llüllerten und machten verliebte Gesichter. Und hübsch waren die Mädel alle, wenigstens schien es Bernhard so. Und er seufzte tief. Neben ihm saß ein alter Mann, der mit einem pfiffigen Schmun­zeln in sich hineinzuhorchen schien und dann vor sich hinredete.

.So ein Weihnachten im Luftschutzkeller", sagte er, ist eine ganz besinnliche Sache. Man kann sich aller« lei dabei denken. Zum Beispiel" er hatte einen Sack unter der Bank hervorgeholt und zog ein win« *»^5 Tannenbäumchen heraus, das auch schon einen Fuß hatteich bin ein alter einsamer Mann", fuhr er fort, indes er aus einer Schachtel Silber« fäben und bunte Glaskugeln nahm und das Bäum­chen damit schmückte,aber mein Bäumchen muß ich zu Weihnachten haben. Wenn es bann so fest« lich basteht, bann kommen einem alle Gedanken, die man fein Lebtag gehabt hat, die guten und die bösen. Aber wenn man länger hinguckt, dann ver­ziehen sich die bösen, und nur die guten bleiben. Man muß nur Geduld haben."

Er hatte das Bäumchen auf einen Tisch gestellt, der gerade unter dem Licht stand. Die Menschen rundum wurden still und schauten. Auch Bemhen-ds Gedanken zogen ihre seltsamen Wege. All die Be­denken und die Anast von vorhin, das verflog wie Nebel vor einem stillen leisen Wind. Und was übrig blieb, bas waren die lieben tapferen B-iese, die er bekommen hatte. Nun fiht sie allein in ihrem Stübchen, dachte er, und bas Däumchen

Und der alte Mann stieß ihn mit dem Ellenbogen in die Seite.Nur immer Hinsehen!" sagte er. Das Bäumchen wartet."

Wer hat bas gesagt: das Bäumchen wartet?" rief ba eine Helle Stimme, und ein bildhübsches Mädchen drängte sich in den Kreis.

Da riß es Bernhard steil in die Höhe.

Lotte?" schrie er.

Bernhard?" fragte sie.

Die Umstehenden schmunzelten.

Er zog sie neben sich auf die Bank.

Du bist ja gar nicht" stammelte er.

So häßlich, wie ich dachte, willst du sagen", vollendete sie.

Ja nein bas heißt aber warum beim?" Sie lächelte ein bißchen verschämt vor sich nieder, Das war doch bas Weihnachtsgeschenk, das ich für dich hatte."

Im selben Augenblick kam die Entwarnung.

,Lomm!" sagte sie und stand schnell auf.Das Bäumchen wartet."

Der alte Mann sah ihnen verschmitzt nach.

Ich Habs doch gewußt", brummelte er. ,Zch ver­steh mich doch auf Weihirachten."

Goethe und -er Ehristbaum.

In den ,Leiben des jungen Werthers" läßt Goechß feinen unglücklichen Helben am Sonntag vor Weih­nachten zu Lotte kommen, die damit beschäftigt ist, einige Spielwerke in Ordnung zu bringen, die sie ihren kleinen Geschwistern als Weihnachtsgeschenk zurechtgemacht hat. Werther redetvon dem Ver­gnügen, das die Kleinen haben würden, und von den Zeiten, da einen die unerwartete Oeffnung der Tür und die Erfcheinuna eines aufgeputzten Bau­mes mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Aepfeln in paradiesische Entzückung setzte". Auf eigene Jugend­erinnerungen hat Goethe da nicht Bezug nehmen können, weil der Weihnachtsbaum in seiner Vater« tadt Frankfurt und in seinem Elternhause damals noch unbekannt war. Aber auch in Wetzlar, dem Schauplatze derLeiden des jungen Werthers", war zur Zeit des jungen Goethe bei Weihnachtsbaum noch nicht heimisch. Das geht aus den Weihnachts­briefen hervor, die Goethe im Jahre 1772 an Kest­ner nach Wetzlar gerichtet hatte. Wir wissen auch, wo Goethe denaufgeputzten Baum mit Wachs­lichtern, Zuckerwerk und Aepfeln" zuerst gesehen hat: In Straßburg. Ein dem Namen nach unbe­kannter Mann, der in Straßburg eingewandert war, hat im Jahre 1605 niedergeschriebene Aufzeichnungen über Sitten und Brauche der Stadt hinterlassen, in denen er von Weihnachten berichtet:Aufs Weihe­nachten richtett man Dannenbäum zu Strasburg in den Stuben au ff, daran hencket man roßen auß vielfarbigem papier geschnitten, Aepfel, Oblaten, Z-schaolt, Zucker usw. Man pflegt darum eine viereckent ramen zu machen, undt oorrn ..." Weiter ist der Tert leider nicht leserlich, da hier bas Papier an einer Bruchstelle völlig zerrißen ift Das ist die <*rfte sichere Kunde, die wir über den deutschen Weihnachtsbaum besitzen. Und in einem fliegenden Blatt von 1550 und einem Liederbüchlein von 1582 findet sich schon die ätteste Form des beliebten Weih­nachtsliebes, in dem es heißt: O Sanne, du bist ein edler Zweig, / du grünest den Winter und die liebe Sommerszeit, / wenn alle Beume dürre [ein, / so grünest du, edles Dcmnebeumelein G. &

0n dieser Nacht.

Von Hedwig Forstreuter.

In dieser Nacht, weit hinter Deutschlands Grenze, Zum hohen Winterhimmel siehst du auf, Sehr fern von uns, im weißen Niemandsland Zur Heimat hin ist dein Gesicht gewandt, Leuchtkugeln winden steigend Lunte Kranze Und Schüsse rollen dunkel ihren Lauf.

In dieser Nacht, * da uns die Sterne blinken Und Rauhreif Silber um die Äste flicht, Der Wald weißstaubend sich im Froste neigt Und Zaun und Garten tief im Schnee versinken, Umfängt euch einer Hütte mildes Licht Ruht ihr behütet, weil das Kämpfen schweigt?

Wir wissens nicht! Treu steht ihr, Mann für Mann, Doch euer Herzschlag durch die Fernen geht Im Rhythmus stoßend, schwer durch Schlaf gebannt*

So Nacht für Nacht aus weißem Niemandsland Gebet und Grüßen uns ans Fenster weht Und rührt als Glück in einem Traum uns an.

gerade in diesen Stunden an einem Geleitzug, sagt es Frachter und Tanker, wirb es selbst gejagt von Zerstörern und Korvetten. Dann stehen die kleinen Wsihnachtsbäume die ganze Nacht hindurch intbe» merkt auf der Back. Jeder im Boot sieht nur noch

die Hebel und Apparate auf seiner G^sechtsstatton. Vielleicht kann bas U-Boot in den Stunden, da bie Heimat Weihnachten feiert, gar nicht über Wasser fahren, ist es vielmehr im harten Kampfe von Zer­störern unter Wasser gedrückt und von Was er- bomben bedroht, deren Detonationen für Mensch und Material jedesmal eine Zerreißprobe sind. GrabesstLtte herrscht nun im Boot, denn jedes Ge­räusch würbe dem Gegner bie Abwehr erleichtern. Keine Nunbfunkwellen dringen unter Wasser in das Boot und damit keine Weihnachtslreder aus der Heimat. Starke Herzen, stärkere als sonst der Kampf

U-Doot am Weihnachtsabend vor Amerika steht, desto größer ist der Zeitunterschied. Die Uhren mer­ben im U-Doot zwar nie verstellt, doch wenn unsere U-Boot-Männer im Karibischen Meer oder im Gols von Mexiko um 7 Uhr abends an den Lichter­baum bccheim bei ihren Eltern, Frauen und Kin­dern denken, steht die unerbittliche Twpensonne im Zenit; es ift 12 Uhr mittags!

Ja, Weihnachten auf dem U-Boot ist niemals die Weihnachten, wie man sie zu Hause kennt. Sie ist ein Tag der Entsagung, genau wie alle anderen Tage einer Feindfahrt. Um so mehr wollen wir am Weihnachtsabend an sie denken! Unsere U-Boot- Fahrer verdienen es, denn sie haben am wenigsten etwas von Weihnachten und kämpfen am weitesten von daheim entfernt. Für die Heimat, für das ganze deutsche Volk!

Zwei Weihnachts-Keldpostpäckchen.

Von Hauptmann Friedrich Wolfgang Goetz.

Bittere Kälte und schneidende Ostwinde machten das Leben im Dezember 1941 zu keiner ae- mütlichen Angelegenheit. M t Mühe arbeiteten sich die Lastkraftwagen durch die Verwehungen, tagelang saßen sie fest, bis schließlich gar kein Verkehr mehr möglich war und die Panjeschlitten allein den Nach­schub zu bewältiaen hatten. Wahrlich, keine leichte und angenehme Aufgabe.

Weihnachten nahte. Sott vielen Tagen war kei­nerlei Post mehr gekommen, mit Wehmut und ge­faßter Entsagung hatten sich die Kameraden bereits abgefunden, daß die mit viele Liebe und besten Wünschen aus der Heimat gesandten Päckchen weit, weit ab in einem Feldpostamt oder irgendwo auf einsamer Landstraße im steckengebliebenen Last- kraftwagen für sich das Fest feiern würden, ohne die Empfänger zu erreichen.

Und bann kam alles ganz anders. Unter persön­licher Anteilnahme des Divisionskommandeurs setzten alle verantwortlichen Stellen ihre ganze Kraft ein für die Herbeischaffung der Weihnachtspost, und sie traf pünktlich zum Heiligen Abend bei der Truppe ein, hob die Gemüter, belebte die bereits verzichtenden Soldaten und brachte große Freude in die Herzen allen, die fern der Heimat wieder Kriegsweihnacht feierten. .

Auch mir hatte der Abend mehrere Feldpostpack- (fren gebracht, vom Weihnachtsmann ganz persönlich in die Unterkunft befördert. Diele Lieben von zu Haus hatten Freude bereiten wollen und auch wirk­lich einen leuchtenden Schein in Fernesein und Trennung hineingezaubert. Jedes war ein Beweis von Liebe, Zuneigung und freundlichem Gedenken.

Ein Päckchen hielt ich plötzlich sinnend und er- staunt in der Hand. Das Aufschriftblatt zeigte in einer Ecke gekreuzt die schwarz-weiß-rote Fahne und bie alte Reichskriegsflagge. Wie kommt bie Verpackung heute in ben Verkehr? Unb plötz­lich sehe ich, baß die Aufschrift überklebt, darunter noch die alte erhalten geblieben ist. Die Zeit steht plötzlich still, die Gedanken eilen rückwärts um 25 Jabre. Dieses Päckchen hatte schon ein- mal den Weg zur Front gemacht, damals, vor einem VierteljÄrhundert. Me ne Mutter hatte es mir gefüöt, ihre treusorgenden Hände und ihr lieben­des Herz hatten es damals mir einem der fünf im Felde stehenden Söhne zugedackt, a u ch u m b i e Weihnachtszeit. Als junger Leutnant habe ich damals bie Freube empfunden über die unermüd­liche Sorge eines Mutterherzens. (£ne Fülle von (Manten unb em Strom liebevollen Erinnerns an die, die feit Jahren in der Erde ruht, durch­flutete mein Inneres und ließ kraftvoll lebendig werden, was mich damals erfüllte und bewegte.

Irgendwie war bas Kästchen von mir wieber zurückgeschickt worden, hatte zu Haus gelegen, war unbewußt aufbewahrt worden, ohne eine Ahnung davon, daß es noch einmal ben Weg zur Front finden sollte. Unb nun, nach 25 Jahren, geht es wieder hinaus zum Osten, wieder als Weihnachts­päckchen wie damals vor langer, langer Zeit. Die Hände, die es vor Jahren packten und verschnür­ten, die in einem arbeitsreichen Leben für bie Söhne schafften, liegen st ll. Aber die Liebe aus übervollem, besorgtem Mutterherzen ist lebendig ge­blieben, hat sich weiter vererbt, ist neu erstanden in der Enkelin und sorgt über das Grab hinaus weiter, sich fortpflanzend von Geschlecht zu Ge­schlecht, gebend und opfernd für bie Angehörigen, für die Soldaten, Ott den Bestand von Land und Volk. Eine alte Mutter hatte 1916 zum erstenmal das Päckchen geschickt, eine junge Enkelin, eine Nichte von mir, ließ aus dem Elternbaus zum zweitenmal Liebesgaben abgehen zur Front des neuen Weltkrieges.

Diele Jahre liegen dazwischen. Der damalige junge Leutnant fleht heute als alter Kämpfer wieder vom. Mit ihm erfüllt sein Sohn b:e Pflicht im Kampf um Bestand und Größe des Vaterlandes. Zwei Generationen kämvfen heute als Offizier beim glei­chen Truppenteil für Deutschland, beide erreicht der Gruß der Heimat von zwei sorgenden Frauen, einer alten toten unb doch lebenden unb einer jun­gen, mitten im Leben stehenden, mit der Toten ver­bunden durch ftaulich-mütterliche Liebe, die sich ausströmen lassen will für bie im Kriege stehenden Männer. Ein altes Feldpostpäckchen, ein Wahr­zeichen für ben deutschen Geist zwischen Front und Heimat über Jahrzehnte hinweg, eine Brücke lieben­der Muttersorge des Weltkrieges von damals zur gleichbleibenden Liebe des jungen Frauengefchlechts von heute. Was im vorigen Weltkrieg bei ben Front­kämpfern lebendig mnr, ist geblieben; was vor Jah­ren die Heimat in fürforgenber Liebe bewegte, hat sich heute erneut bewiesen.

Ein Feldpostpäckchen rief Erinnerungen wach an Heldentum eines zurückliegenden Kampfes, Zeugnis gebend von der Dauer dieses deutschen Geistes und der Gewißheit der Hilfsbereitschaft unb des Sieges- w'llens. Wieber soll es den Weg zurückfinden nach Aaus unb Erinnerung bleiben an zwei große Kriege. Mttgenommen und unansehnlich ift's geworden, wie bas Kleid eines alten Kriegers die Spuren der Kampfzeit trägt Lebendig bleibt aber unter her un­scheinbaren, die Spuren von Zeit und Kampf tra« genben Hülle, das ins Mvchische ragende, um was uns bie Welt beneiden muß: das deutsche Herz von Front und Heimat!