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192. Jahrgang Nr. 276

Gießener Anzeiger

Montag. 25. November,942

Wechsel im britischen Kriegskabinett

afrika sowie Sendungen für Südafrika, Nord- und Südrhodesien, Britisch-Somaliland und Kenia ver­loren, weiter zahlreiche Pakete für Kanada und Neu­fundland sowie Luftpostsendungeti für China, Iran, Irak und Indien. Auch für England bestimmte Luft­sendungen aus Gambia, Nigeria und Sierra Leone sind nicht in England eingetroffen.

Begegnung mit dem Kriege.

Deutsche Schriftsteller an der Atlantikküste.

Von Herhbert Menzel.

Annahme von Anzeiaeu für die MittaaSnummer biS 8'/, Uhr desBormittagS An-eiaen-Preiie

für die Millimeter-Zeile von 22 Millimeter Breiter 78tof. für gamilienan* zeigen und private GelegenheitSanzeigen

14 Stof. f. Werbeanzeige« und geirbättliche GelegenbeitSanzeige«

Platzvorickrift (vorherige

Vereinbarung) 26°/»mebe

Rückschläge können uns nur härter machen

Oer Gauleiter sprach aus einer Kundgebung der Partei in Buhbach.

Erictieini ca glich, außer Sonntags und feiertags

Beilagen:

Gießener i^amilienblätter Heimat imBlld-DieScholle BezuaSvreiSr

Monatlich .. .RM.1.80 ZustellgebÜör... -Ly apch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Afrika-Unternehmen des Feindes ein. Don Anbeginn an, so führte er hierzu aus, fei dieser Plan der Alliierten bereits mit dem Zeichen des militärischen Unvermögen gekennzeichnet ge­wesen; denn anstatt in Europa eine zweite Front Ku errichten, wie Stalins Hilferuf sie stetig fordere, haben sie es wohlweislich vorgezogen, ihr militäri­sches Talent unter Vergewaltigung ihres einstigen Bundesgenossen nur an derPeripherie des Kontinents zu probieren. Der Gauleiter stellte dann anhand von Auslandsstimmen das Nach- s ch u b p r o b l e m als die Achilles-Ferse dieses Ver­legenheitsunternehmens heraus. Das deutsche Volk dürfe versichert sein, daß sich die deutsche U-Boot- Wasfe eine derartige noch nicht dagewesene Gelegen­heit nicht Entgehen lassen werde. Im übrigen, so schloß der Gauleiter diese Betrachtung, haben wir es nicht nötig, über den Ausgang des Kampfes in Nordafrika Weissagungen anzust-ellen. Die Heimat habe in den vergangenen drei Jahren die sieghafte Kraft unserer Waffen kennengelernt. Sie vertraue bedingungslos dem Führer unb der Tapferkeit un­serer Soldaten und wisse somit, daß auch Rück­schläge, die uns wohl härter, aber niemals wankend machen können, uns den Endsieg nicht mehr ent­reißen werden.

Nochmals kennzeichneten die Worte des Gau­leiters dann die unzertrennbare Einheit von kämpfender Front und schaffender Heimat. Alles, was sich als Reiburch dazwischen stellen wolle, Feiglinge ebenso wie Faulenzer, werde unnachsichtlich ausgelöscht. Nach der Behandlung einzelner aktueller kriegsbedingter Tagesfragen schloß der Gauleiter feine mit wachem Interesse und begeisterter Zustimmung aufgenommene Rede mit dem mahnenden Hinweis auf die Garantie unseres Sieges und damit unserer Zukunft, die Einmütigkeit und Geschlossenheit der deutschen Nation.

Gegen dieRooseveli-Dikiaiur.

Lissabon, 22. Nov. (Europapreß.)Der neue USA.-Kongreß, der erst Anfang' nächsten Jahres Zusammentreten wird, wirft schon jetzt seine Schat­ten voraus", schreibt der LondonerDaily Herold" und fährt fort:benn der alte Kongreß hat soeben eine Vorlage der Roosevelt-Regierung abgelehnt, weil er nicht mehr einGummi st e mpel" für die Vorschläge des Präsidenten fein will. Es handelt sich um eine Vorlage, durch die dem Präsidenten unbegrenzte Vollmacht gegeben werden soll, während der Dauer des jetzigen Not­standes die Zolltaxen und Einwanderungs-Bestim­mungen aufzuheben. Der stellvertretende USA.- Kriegsminister Patterson versicherte zwar, die Vor­lage sei aus dem Krieg heraus entstanden und werde mit ihm sterben, die republikanische Opposition aber spricht von den diktatorischen Bestrebungen Roose­velts."

General-Anzeiger für Oberhessen fcSiltntitrT

Lavals Stunde.

Von unserem pl.-Korrespondenteru

Vichy, November 1942.

Das tagelange Warten in Vichy ist zu Ende. Die Entscheidung ist gefallen. Am Mittwochabend wurde belonntgegeben, daß die gesamte Verantwortung nunmehr m den Händen von Pielre Laval liegt. Der Regierungschef, dem Marschall P6tain vor aller Welt Patriotismus und erwiesenen Klarblick bescheinigte, ist heute bet mit allen Machtmitteln ausgestattete Repräsentant Frankreichs. Laval ent­scheidet künftig über alles.

Diese Entwicklung bedeutet den Triumph über jene Gegner, die sich Laval entgegenstellten, als er nach dem Zusammenbruch die schwere Aufgabe Übernahm, Frankreich zu retten. Schon nach weni­gen Monaten freilich, am 13. Dezember 1940, ge­lang es den Feinden Lavals, chn mit heimtückischen Mitteln zu Fall zu bringen. Indessen, Laval kehrte wieder. Im April 1942 nahm er erneut den Kampf mit jenen Leuten wieder auf, die er in der Zwischenzeit achselzuckend und verächtlich politische Lehrlinge Vichys" genannt hatte.

Seitdem dauerte dieser unterirdische Kampf m der trübe und undurchsichtig gehaltenen Atmosphäre von Vichy an. Bald war es dieser, bald jener, den der Regierungschef sich herausgriff, stellte und oft nicht ohne Anstrengungen ausbootete. Trotz­dem gelang es so noch nicht, die vergiftete Luft zu reinigen. Denn, mochte auch ber, und jener entlarvt und beseitigt werben,, an zweithöchster Stelle blieb D a r I a n , derDauphin" und Oberbefehlshaber ber französischen Streitkräfte, politisch unbegabt, aber geladen mit einem maßlosen Ehrgeiz.

Laval, ber die öffentliche Meinung und die Stim­mung feiner Umgebung in Vichy gut kannte, durfte nur langsam und vorsichtig zu Werke gehen, wenn

Wie amtlicb in Washington soeben erklärt wurde, beliefen sich Die Kriegskosten der Vereinigten Staaten bis Mitte November bereits auf 60 Mil­liarden Dollar. Sie sind damit schon auf das Doppelte ber gesamten Kriegskosten der Ver­einigten Staaten im e r ft en Weltkrieg gestie­gen. Die monatlichen Kriegskosten während der letzten Monate betrugen je rund 5,5 Milliarden Dollar. «

NSG. Gauleiter und Reichsstatthalter Spren­ger sprach am Sonntagnachmittag in Butzbach auf einer Dersammlungsaktion ber Partei über die un­erschütterliche Siegesaewißheit des deuffchen Volkes. Oie auf mehrere Äerfammlungsorte übertragene siede wurde immer wieder von starkem Beifall be- sleitet. Die begeisterte Aufnahme der Worte des Bauleiters bewies auch hier die durch zeitweilige Rückschläge nicht zu beeinflussende Siegeszuversicht ter Heimat.

Mit einem klaren und überzeugenden Ueberblitf Iuf die während der vergangenen Kriegsjahre er» eiten Erfolge gab der Gauleiter zu Beginn seiner lebe die Begründung für die zuversichtliche Hal- mg ber Achsenmächte. Er verwies auf die durch ie Siege unserer Waffen verbesserte Er- lährungslage, deren weitere Entwicklung |ur_nod) positiv sein kann, kennzeichnete die 93er» «rößerung unseres Rüstungspoten- ials an Hand der unumstößlichen Tatsache der HerbreiterungunsererRohstofsbasis nd behandelte schließlich die anhaltende Derstär - ung unserer Arbeitskraft durch den etig größer werdenden Einsatz von ausländischen Ilbeitern.Für uns", so führte der Gauleiter in p Bilanz dieser Betrachtung aus,sind diese Vor­teile gleichbedeutend mit dem Siege in der intscheidenden Schlacht, für den Feind Iber sind sie die nicht zu überwindende Hoffnungs- bsigkett, uns jemals niederringen zu können."

Nachdem der Gauleiter dann den Blick auf diese Situation, die heute das deutsche Volk zuver - sichtlicher denn je sein lasse, gelenkt hatte, pchnete er mit den verschwindend wenigen Aus- lahmen kleinmütiger und bangverzagter Feiglinge «b, deren Haltung nur durch lausende Sonbermel- tungen im Gleichgewicht zu halten fft. Dabei ging tr auch auf das diese Gemüter besonders bewegende

Stockholm, 22. Nov. (Europapreß.) Der Lord­fiegelbewahrer und Regierungssprecher im Unter­haus, Sik Staff ort) Cripps, ist aus dem bri­tischen K.riegskabinett ausgeschieden. Sn seiner Stelle wird Innenminister Herbert Mor­rison Mitglied des Kriegskabinetts, während Eripps das Amt des Ministers für Flug­zeugproduktion übernehmen soll. Die Füh- .ring des Unterhauses übernimmt an Stelle von lttpps Antony Eden unter Beibehaltung seiner »tellung als Außenminister. Der bisherige Minister [tr Flugzeugproduktion, dessen Posten Cripps er» Mt, Oberst John L l e w e l l i n , soll ständiger Mi- lifter für das Versqrgungswesen in Washing- to n werden. Schließlich wurde Oberst Oliver Stanley Kolonialminister an Stelle von Lord flranbome, ber seinerseits auf den Posten des Lord- ßgelbewahrers, jedoch ohne Sitz im Kriegskabinett Prüfen wurde.

Die Veränderungen im britischen Kabinett kamen Derraschend. Ihr wichtigster Punkt ist das Aus- ft eiben von Stafford Cripps aus dem Kriegskabi- irtt und aus dem wichtigen Posten des Führers dis Unterhauses. Nur ein knappes Dreivierteljahr htt Cripps dem Kriegskabinett angehört. Er hat .ob Erwartungen, die seine Freunde, und die Be- 'jilrchtungen, die seine Gegner bet seinem Wieder- - «stauchen auf der politischen Bühne hegten, gründ­lich enttäuscht. Obwohl Churchill in einem Brief, in dem er Cripps den Posten des Ministers für f Vugzeugproduktion anbot, ausdrücklich betonte, daß Ws nur scheinbar ein Abstieg auf 6er politischen ' Leiter sein würde, baß in Wahrheit der neue Posten ' etn eminenter Bedeutung sei und seine Ernennung Hier sehr ernsten Kriegsnotwendigkeit entspreche, ' dieDegradierung" von Cripps nicht zu verken- *n. Cripps hat sich damit abfinden müssen. Er ant- pfcrtete Churchill, seine Dienste ständen selbstoer- i ftcnblid) dem Lande völlig zur Verfügung und

Churchill habe darüber zu bestimmen, auf welchem Posten sie am besten zu verwerten seien. Er über­nehme also den angebotenen Posten. Das Mini­sterium für Flugzeumirobuktion ist im wesentlichen eine administrative Behörde geworden, welche zu­dem vom Produktionsministerium weitgehend ab­hängig ist. Cripps erhielt also eine ganz unselbstän- dige Stellung, was durch sein AusscheDen aus dem Kriegskabinett und aus dem Amt des Führers des Unterhauses noch unterstrichsn wird. Nach seiner Rückkehr aus Moskau war es Cripps gewesen, der auf seine Erfolge pochend selbst die Nachfolge Chur­chills als Premier anstrebte. Aber die Mission, die ihm dieser dann in Indien auftrug, brachte die Wende, da es ihm nicht gelang, in Delhi mit den indischen Parteien zu einer Einigung zu kommen. Damit war Churchill die Sorge um den gefähr­lichsten Mitbewerber in der Gunst der Massen los. Seine Ausbootung aus dem Kriegskabinett und Kaltstellung auf einem politisch einflußlosen Posten war nun nur noch eine Frage der Zeit.

Einen Zuwachs an Macht und Ansehen erhielten dagegen der Arbeiterparteiler Morrison durch den Eintritt in das Kriegstabinett und Churchills Freund Eden durch die Ernennung zum Führer des Unterhauses. Auch die Ernennung von Lord Cranborne zum Lordsiegelbewahrer dürfte eine Art Beförderung darstellen. Cranborne fft der Sohn und Erbe des Vorsitzenden der konservativen Par­tei, Marquis of Salisbury. Interessant ist auch die Rückkehr Oliver Stanleys, des zweiten Sohnes von Lord Derby, in die Regierung. Er war mit dem Sturz Neville Chamberlains aus dem Kabinett ausgeschieben, doch erwartete man damals schon, daß er später wieder ein Ministerium übernehmen würde. Edens, Cranbornes und Stanleys Ernen­nung bedeutet eine erhebliche Verstärkung des ultra- konservativen Einflusses vor allem auch der Hoch- ariftofratie Im Kabinett.

Oie deutschen;

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affenersolge am Terek.

! Berlin, 21.Nov. (DNB.) Irn Terek-Abschnitt : farmten deutsche und rumänische Truppen nach dem Lrrchbruch am Baksan am 25. Oktober auf dem vkftlichen Terek-Ufer nach Süden vorwärts, über» dritten Dutzende von reißenden Gebirgsflüssen, ieien hohe Ufer vom Feind durch Minensperren und Ll-nkerlinten zu starken Verteidigungsstellungen Wsgebaut waren, nahmen nach harten Kämpfen «T. 28. Oktober Naltschik und am 1. Novern- Hi Alagier und unterbrachen damit die für den 8t!nb wichtige Ossetische Heerstraße. Dann hangen unsere Panzerverbände am Fuße des Kau- hfus entlang weiter nach Südosten vor und v^c- Särften den Druck gegen die Georgische Heer­laß e, die letzte große transkaukasische Perdin- iirg des Feindes. Gleichzeitig gingen Infanterie- jHibänbe aus der Gegend von Elchetow ngch i eiben vor, um die Verbindungen mit den vorge- i Renen Panzerverbänden herzustellen und den An- fr^fsteil zu verbreitern.

Oie wachsende Bedrohung ber Georgischen Heer­haße, deren Verlust für den Feind die völlige Iren» Muig des Nordkaukasus vom südkaukasischen Nach- »Ubgebiet bedeutete, zwang die Bolschewisten, alle tofügbaren Kräfte zu Gegenangriffen an- Hetzen. Ununterbrochen trafen vom Südkaukasus M aus dem Gebiet von Grosny feindliche Trup- an der Front ein. Mit diesen versuchten die rvffchewisten den deutschen Angriff aufzuhalten. Ech gleichzeitige Vorstöße von Norden und Süden leg e n d i e Flanken unserer am weitesten vor- kshobenen Verbände sollte das verlorene Gebiet -nuckgewonnen werden. In schweren Kämpfen

wurden die Angriffe abgeschlagen. LedlgUch ein ^vorgeschobener Panzerverband mußte vor den zahlenmäßig weit überlegenen feindlichen Truppen auf günstigere Positionen zurückgenommen werden. Doch hatte dieser Panzerverband, obwohl vorüber­gehend vl7m Nachschub abgeschnitten, in harten Kämvfen die Verbindung zwischen den benachbar­ten Verbänden bereits am 13. November wieder her- gestellt.

In den letzten Tagen gingen unsere Truppen er­neut zum Angriff über. Nach Nordosten vordrin­gend, wurden Flußabschnitte, die quer zur Stoß­richtung verlaufen, in ihrer ganzen Breite genom­men. Die nach Süden vorstoßenden rumänischen Verbände erzwangen den Eintritt m die Kaukasus- Täler in Richtung aus das Kasbek-Mas- s i v. Als die Bolschewisten erkannten, daß ihre täg­lichen Geländeverluste im Raum ber Georgischen Heerstraße immer bebrohlicher wurden, setzten sie auch an den übrigen Fronten des Terek-Abschnittes, insbesondere ostwärts Mosdok, mehrere Ent­lastungsangriffe an. Die Vorstöße blieben jedoch er­folglos. In den bisherigen Kämpfen verlor ber Feind über 18 300 Gefangene und Hunderte Pan­zer, Geschütze und schwere Infanteriewaffen.

Neue britische Postverluste.

Stockholm, 22. Nov. (Europapreß.) Der bri» tische Generalpostmeister gab neue Verluste von Postsendungen durch feindliche. Einwirkungen be­kannt. Danach gingen Briefe und Drucksachen für Belgisch-Kongo, Madagaskar und Portugiesisch-West­

Dreizehn deutsche Dichter und Schrisffteller fuhren auf Einladung des Reichspropaganda- .ninisterium und unter feiner Betreuung und der des OKW. für vierzehn Tage an die Front ber Kanal- und Atlantik käste.

Sellfam", dachte ich, als wir in der Nacht über die deutsch-französische Grenze und nun durch ein Land fuhren, durch das ich vor zwei Jahren mit meiner Kompanie marschiert war,da war erst das Jahr der unaufhörlichen Märsche, dann das endlos scheinende, im Gips verbrachte im Lazarett, und nun folge wieder eins der großen Flüge uni) Fahrten: Norwegen, Kroatien, jetzt Frankreich." Der Zug fuhr durch das verdunkelte Land, ich sah nichts von den Dörfern und Städten, chcrch die da­mals unser Vormarsch gegangen. war. Aber ich

Unser Bild zeigt die Fahrtteilnehmer bei der Be­sichtigung von Befestigungsanlagen.

(Scherl-BiLerdienst. (Hauptmann Weinsheimer.j)

wußte, da draußen, da und dort liegt das Grab eines meiner gefallenen Kameraden. Ich dachte ihrer, ich grüßte sie, von uns allen, die wir damals eine Einheit waren, grüßte sie von den Kameraden, die ich jetzt fern in Rußland wußte, grüßte sie auch von denen, die im weiten Osten nach ihnen gefallen sind. Gehören wir nicht emig zu einer Kompanie? Dies macht mich doch glücklich, daß ich, wenn ich schon nicht mehr Soldat sein kann, doch immer wieder zu ihnen komme, so wie erst im hohen Nor­den, dann später im Süden, nun an der Kanal­und Atlantikküste. Aehnliche Gedanken morgen die anderen Schriftsteller bewegen, mit denen id) diese Fahrt antrat Auch sie waren ja alle Soldaten.

Don Paris trug uns der Omnibus weiter zur Küste. Auf dem Kemmel standen wir, ber so viel deutsches Blut tränt an den Gräbern derer von Langemarck, an vielen frischen Soldatengrä­bern. Und ich gedachte der Heldenfriedhöfe bei Oslo und Serajewo, die ich vordem sah. Möchten es Europas Völker einst ganz begreifen, welche Opfer Deutschland für den Bestand unseres Erdteils und für feine Neugestaltung brachte! Wir stehen später i n R o u e n auf dem Marktplatz, auf dem die Jung­frau von Orleans, die Heldin Frankreichs, auf Be­treiben der Engländer verbrannt wurde und auf dem nun das Denkmal der Heiliggefprochenen sich

erhebt. Die Marktfrauen und Bürger der Stadt er­fahren, daß wir deutsche Schriftsteller sind. Viel­leicht erinnern sie sich des Schillerschen Dramas, viel­leicht auch bedenken sie, daß wir Deutsche hier als Verehrende stehen, daß vor einer Stunde aber noch die Alarmsirenen ertönten, weil der ehemalige Ver­bündete, der Engländer, nun auch -als ihr Feind in ihr Land einflog. Sie antworten uns freundlich.

Ich hatte Begegnungen mitFranzosen, die mir erzählten, daß sie wie- ich in dem Frcmk- reichfeDzug verwundet wurden. Es war so, daß wir uys um so stärker verbunden fühlten und uns vor den anderen kameradschaftlicher die Hand gaben. Wir waren auch noch in Frankreich, als nach dem Einfall der Amerikaner und Engländer in Nord­afrika unsere Truppen die Demarkationslinie über­schritten. Wir haben es erfahren, wie sehr das vom französischen Volk mit Erleichterung begrüßt wurde. Da hatten wir schon unsere große Fahrt entlang der Kanal- und Atlanttkküste, die eine einzige gewaltige Befestigungslinie geworden ist, beendet. Und nach­dem wir die mit eigenen Augen geschaut hatten, wußten wir, wie sie nicht nur nach außen hin, sondern ins geschützte Land selbst wirken muß. Dieser gigantische Gürtel aus Beton und Stahl weiß Achtung zu erzwingen und Sicherheitsgefühl zu geben. Und er wird immer noch ausgebaut. Un­absehbar die Heere der Arbeiter aus ganz Europa, die die Organisation Todt hier eingesetzt hat.

Wir standen bei den Männern, die hier Wachs halten. Tag und Nacht unermüdlich, in glühender Hitze, in dichtem Nebel, in Schnee und Eis. Die Heimaj ahnt es kaum, was von ihnen an ständiger Aufmerksamkeit und Bereitschaft verlangt wird. Wir sahen die Männer an den komplizierten Meß- und Horchgeräten, an den Ungetümen Geschützen, hinter den Schlitzaugen ber Bunker, immer mit Blick und Gehör zur See, und unablässig die andern beim 1leben, Sichweiterausbilden. Bei unseren Fliegern waren wir, und einer der Ritterkreuzträger sprach zu uns. Wie hätte er Deutschlands Jugend begeistert! Auch Admiral Dönitz empfing uns. Wie der Feind vor seinen Enffcheidungen zittert, so beseelt und be­geistert sind seine U-Boot-Kornrnandanten und -Män­ner von ihm. Wir hatten das Glück, ein U-Boot von seiner ersten Feindfahrt wieder einfahren' zu sehen; sieben Wimpel meldeten stolz 40 000 versenkte Bruttoregistertonnen. Dies eine Boot fuhr ein, zwei andere liefen aus. Mit den Besatzungen dieser Boote waren wir noch die letzte Stunde, die sie an Land verbrachten, zusammen. Wie sie dann angetreten auf ihren Booten standen, und so hinausfuhren zu neuem Kampf, Blick in Blick mit uns, da bewegte uns wie selten das Glücksgefühl darüber, daß wir Deutsche doch alle zusammengehören und wie froh es uns macht, wenn wir auf Deutsche stolz fein können.

Nichts hat die Dichter und Schriftsteller glücklicher gemacht, als wenn da und dort Soldaten zu ihnen kamen und von einem ihrer Bücher erzählten, daß es sie begleitet habe, und daß es ihnen wert fei. Und nur zu gern haben sie auch überall da, wo es die Umstände erlaubten, auf den Wunsch der Soldaten gelesen und gesprochen. Es hat sie glücklich gemacht, daß man sie nicht als unliebsame Schlachtenbummler ansah, sondern daß man es fühlte: die sind ober waren ja selbst Soldaten und kommen zu uns als Vertreter der ganzen Heimat, nicht etwa um über unfern Kampf neue Bücher zu schreiben, aber doch, um nach den Erlebnissen, die sie hier hatten, zu überprüfen, was sie je schrieben, und doch auch, um aus diesen Wochen etwas in neue Bücher hineinzu- nehmen, es mag nach außen hin gar niayt erkennbar sein, woher es kam.