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bie üligeriabahn über 1000 Kilometer ins Innere. An ihren Endpunkt Kano setzt eine Autostraße über Fort Lamy, in der Nähe des Tschadsees, nach Khartum an, am Zusammenfluß des Weißen und Blauen Nils. Die von Duala und Libreville kommenden Straßen vereinigen sich im Innern von Kamerun. Von hier geht es weiter über Bangui am Ubangi durch den Norden des Belgischen Kongo nach Djuba am Weihen Nil. Hier be­ginnt die Fluhschiffahrt abwärts nach Khartum. Von Djuba führt eine weitere Verbindungslinie mit Benutzung der Ugandabahn nach Mombassa am Indischen Ozean. Khartum ist durch Eisenbahn und Fluhdampfer mit Port Sudan am Roten Meer, Kairo, Alexandrien und Port Said verbun­den. Auf den vorhin genannten Routen, die ich größtenteils aus eigener Anschauung kenne, sind überwiegend feste Brücken und ein regelrechter Fährbetrieb vorhanden. Natürlich waren die Stra­ßenkörper der jetzigen Beanspruchung nicht ge­wachsen. Man hat amerikanische Straßenbau-Ma­schinen in Menge herübergebracht und ein Heer von schwarzen Arbeitern zwangsweise aufgeboten, um die Wege fahrbar zu erhalten. Ein brauchbares -Material dazu ist der eisenhaltige Lateritkies, der sich stellenweise findet.

Eine einfache Rechnung zeigt, daß trotz des Auf­gebots an Maschinen und Menschen die Transport­möglichkeiten quer durch Afrika beschränkt sind. Fünf Tonnen sind das Höchste, was auf einem Kraftwagen in Afrika geladen werden kann. Wenn also ein Dampfer ein Gewicht von 5000 Tonnen bringt, so sind 1 0 0 0 Wagen für die Weiterbe­förderung notwendig. Unzweifelhaft verkehren jetzt Tausende von Fahrzeugen auf den genannten Rou­ten, aber sie müssen außer der Nutzlast auch Del und X reib ft oft mittransportieren, für die es im Innern von Afrika nirgends eine Versorgungs­möglichkeit an Ort und Stelle gibt. Dazu ist wieder­holtes Umtoben von den Eisenbahnstrecken auf die Lastwagen, vom Wagen auf den Fluhdampfer und öfters noch einmal auf die Bahn erforderlich. Mit dem Einsetzen der Regenzeit treten weitere starke Hindernisse ein.

In Französisch-Aequatorialafrika fallen die Haupt­niederschläge von April bis Oktober, halten sich aber in erträglichen Grenzen, ähnlich im Norden des Belaischen Kongo. In Kamerun, fallen gewaltige Wassermassen von Mai bis Oktober. Nigerien hat seine Trockenzeit von Oktober bis April. Im Sudan liegen die Hauptregenmonate von Juli bis Septem­ber. Im ganzen beginnt also jetzt-die günstige Jahreszeit. Vereinzelte schwere Regengüsse, die den Boden aufweichen, sind in Kamerun und am Kongo auch in der Trockenzeit möglich.

Von Aegypten gehen Transporte durch die Ara­bische Wüste nach Kuweit am Persischen Golf, dann übers Meer nach Bender Schapur, wo die Iranische Bahn nach Teheran und der Sudküste des Kaspischen Meeres ansetzt, lieber den Kaspi fahren die Sowjetdampfer zur Wolgamündung, aber der Wolgaweg ist jetzt durch die deutsche Riegelstel­lung bei Stalingrad gesperrt. Kleinere Transporte von Truppen und Material sind auch von Fort Lamy aus durch die Sahara bis an die Mittelmeer- füfte gebracht worden. Auf diesem Wege wurden die gaullistischen Truppen befördert, die bald nach ihrer Ankunft in Tobruk bei Der Einnahme des Platzes durch Feldmarschall Rommel in deutsche Gefangen­schaft gerieten.

Außer den Autostraßen führen mehrere große Lufttransportwege von Lagos und von Gabun aus über Khartum nach Kairo, Bagdad, Teheran und Baku. Sie werden von den Flugzeugen beflogen, die in Amerika hergestellt, in Westafrika gelandet und für die Verstärkung der Luftwaffe in Aegypten und an der Sowjetfront eingesetzt werben. Man versteht, weshalb bie deutschen U-Boote im Karibischen Meer, durch das der Transportweg nach Brasilien geht, vor Fretown und an anderen afrika­nischen Plätzen so erfolgreich arbeiten.

Oie neuen ©feuern in den USA.

Zürich, 22. Oft. (Europapreh.) Präsident Roose­velt hat das neue Steuergesetz unterzeichnet. Es soll zusätzlich Einnahmen in Höhe von rund 9,7 Milliarden Dollar für die Staatskasse erbringen. Im einzelnen sieht das Gesetz die Erhebung neuer Steuern auf Spirituosen, Eisenbahnfahrkarten, Telephongespräche, Telegramme, Zigaretten u. a. m. vor. Die Gesamtsteuereinnahmen der USA.-Staats- verwaltung werden damit auf rund 25 Milliarden Dollar jährlich ansteigen und einen noch nie dage- wefenen Stand erreichen. Das alles genügt aber noch nicht zur Finanzierung des Krieges, den Roosevelt seinem Volke so leichtfertig beschert hat. Man bereitet deshalb ein weiteres Steuergesetz vor,

Michele.

Von Stefan Andres.

Lebt Michele noch? Ich will im nächsten Brief, der an die Südküste Sorrents geht, nachfragen, und ich werde die Antwort bekommen:Er lebt und trinkt immer noch?" Micbele, nach Positaneser Art Mikääle, könnte nicht selber antworten. Er gehört noch jener Menschenart an, die nicht dazu kam, le­sen und schreiben zu lernen. Aber er war dennoch mein Faktotum und konnte wirklich alles, außer lesen und schreiben. Er ist schon ein alter Mann, aber er hat noch meliertes Haar, eine kleine, straffe Gestalt, steile, ruhige Falten neben dem Schnurr­bart und immer noch heiße Augen. Zwar keucht er schon beim Treppensteigen, in dieser Stadt der Trep- ven, aber er schwitzt immer noch so gesund wie in (einer Jugend, sagt er stolz und schiebt die Sport­mütze so schief übers Ohr, daß sie nur noch an dem widerspenstigen Haarschopf wie an einem Aste zu hängen scheint. Unlb die Jacke trägt er immer noch wie früher unangezogen auf der linken Schulter, nicht auf der rechten. Ein Toga-Atavismus läßt ihn dje rechte freihalten für.dies und das, zumal aber für bie große Bewegung, die sich nach dem Maße des genossenen Weines richtet.

Michele war fein Trunkenbold: er trank immer nur so lange, als der Padrone oben an der Chiesa nuoDa ihm auf den Kredit seines jeweiligen Herrn anschrieb, lind Micheles Art, mit seinem Herrn Kre­dit zu eröffnen, füllte allein ein Buch. Für mich machte er mit einem Nachthemd Kredit. Er spannte es mir mit bedeutungsvollen Darlegungen aus, zog es am oonntagmorg^n an und ging 3um Tadakajo, zum Padrone in dgr Osteria, zum Krämer. Ueberall zeigte er sich, wies auf den bestickten Kragen, kniff auf seine Art die Augen listig und treu und sagte: Solche Hemden trägt mein Signore bei Nacht!" Man gibt ihm Geld:Geh, hol einen Liter Roten!" und wartet. Aber der Wein kommt nicht. In der Stille des Abends geht plötzlich das Tamburin auf der Terrasse los, und Michele singt in seiner sara­zenischen, psalmodierenden, klagenden viertcttonschlel- fenden Weise, singt, was ihm gerade einfällt, was ihm auf der Seele brennt, denn er ist ein Dichter.

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Deutsche Gparwoche -1942.

Von StaatsratFricdrich Reinhart, Seiler bet Wirtschaftsgruppe Privates Bankgewerbe.

1 Obseroo | zu wif

Oer Wehrmachtbericht.

DNB. Aus dem Führerhauptquartier. 22. Oktober. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt.

3m VJ e ft teil des Kaukasus durchbrachen deutsche Gebirgstruppen trotz wolkenbruchartiger Regenfälle feindliche Feldstellungen, nahmen io har­ten Häuserkämpfen zwei wichttge Ortschaften und vernichteten dabei ein Schühenregiment der Sow­jets. Heber 12 00 Gefangene wurden einge­bracht, sieben Geschütze, 12 7 Maschinen­gewehre und zahlreiches sonstiges Kriegsgerät erbeutet.

Südlich des Terek örtliche Kämpfe.

3m Kampf um Stalingrad wurden in hart- näckigen Linzelangriffen zäh verteidigte Erdbunker und Barrikadenstellungen genommen. Das Schwer­gewicht der deutschen Luftangriffe lag auf den feind­lichen Stützpunkten im Nordteil der Stadt. Fortge­setzte Entlastungsangriffe gegen die Front nördlich der Stadt wurden mit Unterftühung deutscher und rumänischer Luftstreitkräfte restlos zerschlagen. Die Zerstörung der rückwärtigen Verbindungen der Sowjets ostwärts der Wolga wurde durch Kampf­flugzeuge fortgesetzt.

An der übrigen Ostfront fanden außer eige­ner Stoßtrupptätigkeit und der Abwehr vereinzelter feindlicher Vorstöße keine wesentlichen Kampfhand­lungen statt.

Südlich. Murmansk rief ein überraschender Angriff der Luftwaffe gegen einen sowjetischen Flugstützpunkt Zerstörungen und Brände hervor.

3n der gestern gemeldeten Luftschlacht vom 20. Oktober an der ägyptischen Front schossen italienische 3äger 44 und deutsche 3äget 11, Flakartillerie außerdem sechs feindliche Flugzeuge ab. Am 21. Oktober wurden durch 3äget und Flak­artillerie zwölf weitere feindliche Flugzeuge ab- geschossen. Zwölf Flugzeuge der verbündeten Lnft- steilkräfte gingen verloren.

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von dem sechs Milliarden Dollar erwartet werben. Gedacht ist an eine Bundesumsatzsteuer und an ein Zwangssparsystem.

Fliegeralarm in Neuyork und Rio de Janeiro.

S t 0 ck h 0 I m , 23. Oft. (DNB. Funkspruch.) Wäh­rend in Washington bas Repräsentantenhaus über eineburchgreifenbe Mobilisierung der nationalen Hilfsmittel^ beriet wobei es sich vor allem um die Bereitstellung der notwendigen Arbeitskräfte für die Rüstunasindustrie handelt, ertönten in Neuyork die Luftschutzsirenen. Es war der zweite Tagesalarm, den die Achtmillionenstadt wäh­rend des Krieges erlebte. Gleichzeitig wurde auch in der Hauptstadt Brasiliens, Rio de Janeiro, ein halbstündiger Fliegeralarm gegeben.

Das neue chilenische Kabinett.

Santiago de Chile, 22.Okt. (Europapreß.) Im neuen chilenischen Kabinett wurde Außenmini­ster German R i e s c 0, Innenminister Raul Mo­rales B e l t r a m e, Finanzminister Guillermo del P e d e g r a l, Verteidigungsminister D u h a e l d e. Die chilenische Politik wird weiterhin nach den Ge­sichtspunkten der Solidarität der amerikanischen Länder geleitet werden, sofern das mit den Inter­essen Chiles zu vereinbaren ist", erklärte Staats­präsident Dr. Juan Antonio Rios Pressevertretern gegenüber zu der Neubildung der chilenischen Regie­rung. Der neuernannte Außenminister German Riesc 0 fügte hinzu, daß er eine internationale Politik treiben werde, die mit der vom Staatspräsi­denten bisher vertretenen Politik übereinstimmen werde.

Kleine politische Nachrichten.

Das USA.-Marineministerium gibt den Verlust der Leiden ZerstörerMeredith" und ,H'Brien" bei den Salomon-Inseln befanni. Beide gehörten zu den neuesten Zerstörern, hatten eine Wasserver­drängung von 1630 Lzw. 1570 Tonnen.

Präsident Roosevelt hatte am Mittwoch eine zweite Unterredung mit dem zur Berichterstattung aus Moskau zurückberufenen nordamerikanischen Botschafter Admiral Standley. Auch Lord Halifax, der britische Botschafter in Washington, wurde emp­fangen.

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In Brasilien ist der Generalstabschef, General Aurelio Goes Monteiro, auf eigenen Wunsch zurückgetreten und durch General Eduardo Guedes ersetzt. Es ist anzunehmen, daß Differenzen mit dem Außenminister Aranha entstanden sind, da Goes Monteiro für eine Neutralitätspolitik eingetreten ist-

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In Harftad (Norwegen) wurde ein SoLaten- heim der deutschen Wehrmacht feiner Bestimmung übergeben. Eine Reihe wohnlicher Räume, Spiel- rimmer, Lesesäle und Gemeinschaftsräume werden dem deutschen Soldaten im hohen Norden ein Stück Heimat vermitteln.

Ejne Adolf-Hitler-Brücke über den Dnjestr wurde in der Nähe der bessarabischen Hauptstadt Kischi- new in Gegenwart des Gouverneurs von Bes­sarabien und einer deutschen Offiziersabordnung eingeweiht. Die Brücke dient der Verbindung zwi­schen dem von den rumänischen Truppen an der Seite der deutschen Wehrmacht zu Beginn des Feld­zuges im Osten zurückeroberten Bessarabien und dem neuen rumänischen Verwaltungsgebiet zwischen Dnjestr iyib Bug.

Kunst und Wissenschaft.

150 3ahre Städtische Bühnen Frankfurt.

In Anwesenheit von Gauleiter Sprenger, Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs und des

Estock ivijsan öerwfll Hauses aebore» R scheu21 Jirchol wurde, folger 1 desaM fität Er pro tfu habil-/ patholo chen >sl worben fierte s Ehefaks Wissens bensj Profess Wien l

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aut Verfügung gestellt wird, auch seinerseits so sparsam wie nur möglich wirtscha f t e t. In diesem Sinne wurden nicht nur die öffentlichen Aufgaben immer wieder aufs schärfste über­prüft, sondern auch die Preise, die der Staat seinen Lieferanten zahlt, mehrfach nachdrücklich reduziert. Auch die Beseitigung der Anzahlungen des Reiches an die Rüstungswirtfchaft, die unlängst in Kraft getreten ist, dient dem Ziel einer möglichst spar« famen öffentlichen Finanzgebarung.

Dor allem aber hat die wirtschaftspolitische Füh­rung durch feierliche Erklärungen und entschlossene Taten ihren festen Willen zum Ausdruck gebracht, den inneren Wert des Geldes, gegen jede

Sparinstituten zuleitet, um so leichter. lassen sich angesichts des beschränkten Erzeugungsspielraums der Kriegswirtschaft für Konsumgüter die Preise , und damit der Geldwert behaupten. Wer sparh | bieht also nicht nur der kämpfenden Front, er nützt | auch sich selbst und seiner Zukunft.

Sparen ist der entscheidende Beitrag der Heimat zum Sieg. Denn jede Mark, die in der Heimat nicht ausgegeben und gespart wird, macht Kräfte frei für die Produktion der Waffen, die die Front , braucht. Immer wieder ist daher das deutsche Volk zur Verstärkung seiner Sparleistungen im Kriege aufgerufen worben. Die wirtschaftspolitische Füh. rung des Reiches ist sich aber stets der besonderen Verpflichtungen bewußt gewesen, die sie damit gegenüber dem Kriegssparer übernommen hat. Der Sparer soll die beruhigende Gewißheit haben, daß der Staat mit dem Gelbe, das ihm vertrauensvoll !

ter städtischer Mitwirkung betrieben wurde, festlich begangen. Generalintendant Meißner gab einen kurzen Rechenschaftsbericht, lieber das Wesen der Bühne als einer moralischen Anstalt im Sinns Schillers sprach sodann Präsidialrat Dr. Schrade, der dem Theater die Verpflichtung. zuwies, nicht nur Unterhaltung, sondern vor allem Haltung zu zeigen. Die Frankfurter Bühnen hätten als Spitzen- theater ein vorbildliches Wirken gezeigt und den Glanz deutschen . Theaterschaffens in zahlreichen Gastspielen auch ins Ausland getragen. Der Red­ner überbrachte herzliche Grüße und Glückwüische von Reichsminister Dr. Goebbels. Unter Stabfüh­rung von Franz Konwiffchny wurden die Reden umrahmt von den beiden Ouvertüren zu Mozarts Zauberflöte" und GlucksAlkeste". Den Schluß- gefang aus derGötterdämmerung" fang Rose Hufzka, zuletzt krönte der SchlußchorAn die Freude" aus der Neunten Symphonie von Beet­hoven die Feier.

Eine Gedenktafel für Giordano Bruno in Frankfurt.

In Frankfurt ist im Kreuzgang des Karmeliter- klofters eine Gedenktafel 'für Giordano Bruno an­gebracht worden. Die Tafel hat folgenden Wortlautt Dem Andenken des Naturphrlofophen Giordano Bruno, geb. in Nola 1548, verbrannt in Rom 1600. Er weilte von Juli 1590 bis Februar 1591 in den Räumen dieses Klosters." Die von Bildhauer Kraumann entworfene Tafel in Kriegsmetall er­innert in ihrem bildhauerischen Schmuck an den Flammentod des großen Philosophen, dessen Feuer«

jer auf den Kies stellten oder auf die Mauer oder auf die Rasensteine. Nein? Warum ich überhaupt Gäste einlüde? Das dauert wohl eine Viertelstunde. Also, Michele, jetzt tragen mir den Tisch..."Ach, der Tifch, ja, der Disch, der vermaledeite Disch!" Und dann hält er mir plötzlich das Glas hin:Zuerst muß ich mir etwas Kraft ein gießen, Signore! Wenn Ihr so alt seid wie .ich..Und er trinkt, erzählt von der Schwere eines langen, tugendsamen Atters und trinkt.Jetzt, Michele, jetzt komm!" Und er erhebt sich:O Signore, ich habe zuviel getrunken, ich kann wirklich nicht mehr. Der kostbare Disch! Ich fiele damit um, stürzte ihn Euch auf den Leib, welches Unglück!" So steht er vor mir, die Jacke auf der linken Schulter, nicht auf der rechten, weit­hin fahrenden Armes, immer mit den Schrecken des womöglichen Sturzes drohend.So geh ich allein", sage ich traurig.Ihr macht Euch unglücklich! Und alles wegen dieser Gäste, wegen des Tisches! O Signore, möge Euch doch die Vernunft leiten!" Und er kommt hinter mir, die Hände unter der Tischplatte, eine Kraftfalte zwischen den fast nacht- dunklen Brauen, und ich fühle es, daß ich den Disch allein trage. Er weiß das ebenso gut, aber er pustet und stöhnt und blickt mich in verzweffelter Kraft­verzerrung über die Platte weg an.

So habe ich ihn immer noch vor mif, den alten, treuen Michele, der alles konnte, Kreditmachen, Tam­burinspielen und durch ganz Posttano vom Berg herunter meinen Namen rufen, daß ich ihn hörte, wo ich auch war; und wenn ich schweißgebadet oben ankam, war nichts geschehen, als daß ein Brief da­lag.La posta, sagte er dann und wies strahlend seine Zähne, rieb sich die Hände und hing an mei­nem Gesicht; und wenn es leuchtete, fragte er leise: La vostra Signora? Und wenn ich dann nickte, sang er und schlug das Tamburin:

Der Signore bekam einen Brief, ^Nächste Woche kommt noch einer» Und noch einer!

Und aste sind von derselben Signora! Der Teufel hol die Gicht!

Schön war es, als Michele Briefe bekam, Als er in der Carozza faß Und mit der Peitsche knallte

Und alle ihn grüßten

Angriffe der deutschen und italienischen Luftwaffe richteten sich auch gestern und in der vergangenen Nacht gegen Flugstützpunkte und sonstige Anlagen der 3nselfestung Malta.

Durch den Angriff eines gemischten feindlichen Fliegerverbandes auf westfranzösisches Gebiet hatte die französische Bevölkerung wiederum Verluste, während die Sachschäden gering waren. 3agdflieger schossen drei viermotorige Bomber ab. Außerdem verlor der Feind bei Tage westlich Brest und über dem Südleil des besetzten französischen Gebietes je ein Flugzeug.

Leichte deutsche Kampfflugzeuge griffen gestern kriegswichtige Anlagen in Südwestengland mit Bomben schweren Kalibers sowie Ansammlun­gen britischer Landungsboote mit guter Wirkung an. 3n der vergangenen Nacht bombardierten Kampfflugzeuge militärische Ziele in Osleng- land.

Entlastungsangriffe nördlich von Stalingrad zusammengebrochen.

Berlin, 22. Okt. (DNB.) Nördlich von Stalin­grad erneuerten die Bolschewisten nach schwerem Vorbereitungsfeuer unter Einsatz starker Infanterie­kräfte und Panzer mit aufgefeffenen Schützen ihre Entlastungsangriffe. Durch Zusammenfassung seiner Kräfte auf schmalem Raum gelang es dem Feind, in die deutschen Stellungen einzudringen. Noch be­vor er diesen Teilerfolg ausnutzen konnte, trat der Komandeur des hier eingesetzten Bataillons mit feinen Reserven zum Gegenstoß an, kämpfte sich wieder bis zur Hauptkampfstellung durch und hielt sie gegen alle weiteren Panzer- und Infanteriean- §riffe des an dieser Stelle zahlenmäßig überlegenen

einbes. Gleichzeitig wurden die an anderen Kampf­abschnitten eingesickerten Bolschewisten im Nah­kampf vernichtet, so daß die deutsche Hauptkampf­linie in vollem Umfang wieder hergestellt wurde. In Stalingrad selb st wurde durch Wegnahme mehrerer Bunker- und Barikadenstellungen der Frontverlaüf verkürzt.

Er singt und schlägt wütend das Tamburin:O weh, was sagt der Signore, ich habe seine drei Lire vertrunken! O weh, wer gab mir Wein! Ver­flucht sei die Rebe' um dieses Nachmittags willen!"

Der Besuch, der die Mundart noch nicht kennt, fragt:Ach, wohl sarazenische Ueberbleib fei in die­sen Ländern?" Ich nicke ergeben, jawohl, das Lied ist sarazenisch, nur nicht der Text, der ist positane- fisch, und der Text ist Micheles Deichte! Gewiß, ich mache mich mitschuldig: Er darf nicht trinken! Er hat die Gicht! Er stöhnt manchmal, bevor das Ira« monta na-Stöhnen in der Nacht über den Bergen anhebt, er ist ja auch Wetterprophet, er ist alles. Und ihm den Wein vorenthatten, wenn er plötzlich mit einem Packen Briefen ankvmmt, die Augen stehen dann so, daß unter dem braunen Ring das Weiße wie ein Halbmond blitzt. Und sein Mund ist in die Backen zu den Ohren hingezogen, der Schnurrbart teilt sein Gesicht. Dann hat er Sehn­sucht nach» feiner verstorbenen Frau. Diese Sehn­sucht kommt mit dem Wetterumschlagen, ist ein Vor­bote des Regens. Früher war Michele Kutscher, er hatte einen Wagen, zwei Pferde und eine Frau man muß ihn feinen Reichtum auffagen hören! Der Wein mar an vielem schuld, auch, daß er mit ferner Fbau so schlecht stand.

Er erreicht alles, was er will. Er funn alles, es gelingt ihm alles, nur die Arbeit nennt er eine un­angenehme Sache. Das Wasserholen ist eigentlich feine Sache, aber er hat ein Mädchen angestellt: Sie ist so arm", sagt er,sie muß sich eine Kleinig­keit verdienen!" Eigentlich sollte er auch die Milch bringen, wir bezahlen doch den Tagedieb!" Das bringen, war bezahlen doch den Tagedieb!" Das Kartoffel schäl en ist gemeinhin Sache des Kochs.Man kann die Schale auch mitkochen, Signore, hernach geht sie von selber ab!" Das ist im Ernst gemeint, er wartet auf keine Widerrede. Als wir Gäste er­warteten, geschah es, daß wir einen Tifch aus dem oberen Zimmer ins Freie schaffen muhten.Mi- chele, komm, pack mal an!"Gleich, Signore", sagt er und geht zur Tür. Aber ich bin schneller und schließe die Tür.Ja, gleich", sagt er und fragt mich zunächst einmal aus, welcher Dßsch gemeint sei, wo­hin er komme, und dann fragt er zum Sck^, ob es nicht viel schöner sei, wenn die Gäste' ihre Glä-

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Zeitschriften.

Zum 20. Jahrestage des Marsches auf Rom bringt dieneue lini e" (Verlag Otto Beyer, Leipzig) im Oktober ihr drittes Italienheft heraus. Das Herz des Imperiums",Die Sprache der ita« lienischen Kunst",Corrispondente di guerra",Ein Turiner Höhensitz",Der italienische Witz",Di« Villa Massimo",Der Kopf Benito Mussottnis", -* das sind die Themen, mit denen dieneue linie* etwas von der Einzigarttgkeit der italienischen Kul­tur und vorn Wesen des italienischen Volkes zum Ausdruck bringt: im lebendigen Wachstum von Stadt und Landschaft, in der großen Ueberiieferung der italienischen Kunst, im Krieg, der ein Kampf der Waffen und der Geister ist, in der Architektur, im Witz und in der Heiterkeit dieses Volkes, im Kulturaustausch mit Deutschland, und schließlich im Kopf Mussolinis, dem das neue Italien entsprang, und in dem selbst die Geschlossenheit von Geist uno Willen Gestatt wurde.

Der Verlag F. Bruckmann, München, beginnt mit dem Oktober-Heft feiner MonatsschriftDie Kun st" den 44. Jahrgang dieser interessant und vielseitig redigierten und technisch hervorragend ausgestatteten Zeitschrift. Die Nummer wird von Herbert Griebitzsch mit einem Aufsatz über den Maler Josef Pieper, Düsseldorf, eröffnet. Bruno Kroll, Berlin, gibt einen Bildbericht über die Bre- ker-Ausstellung in ParisDer Triumph der Ju­gend". In den intimen Räumen der Orangerie wurden Monumentalplastiken der letzten Jahre, Kleinplastiken, Entwürfe und Zeichnungen gezeigt. Fritz Hellwag betrachtet die Malweise des hessi­schen Künstters Kurt von Keudell. Der zweite Teil des Heftes zeigt einen Wohnhausbau des Archi­tekten Paul Schaeffer-Heyrochsberge, Magdeburg der klar disponiert und eng mit dem von Hermann Aldinger, Stuttgart, gestatteten Gartengelände ver­bunden ift Daneben steht ein liebenswertes kleines Giebelhaus von Arthur Bothe, Bremen. Von der Reiner K. G., Berlin, zeigt das Heft Einzelmöbel, weiterhin Dorhangstoffe von Margret Hildebrand und Glasarbeiten der Seyfried-Werkstätte Ernst Need, Gräfelfing bei München«

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Etwa 700 chilenische Studenten demonstrierten vor der USA.-Boffchaft gegen die von Unterstaats- fefretär Sumner Welles gegen Chile eingenommene Haltung. In einem an den USA.-Botschafter Bo­rners gerichteten Brief erklärten sie, die Protest­demonstrationen täglich fortsetzen zu wollen, bis die USA.-Regierung Chile für die von Welles erhobenen Anschuldigungen Genugtuung verschaffe.

Bedrohung zu behaupten. Während ringsum in lichen der Welt die Preise von Monat zu Monat steigen lvuroe und das Geld sich dadurch immer mehr entwertet, 1900 » ist in Deutschland jeber Preisauftrieb durch eine erhielt scharfe und wirksame Ueberwachung aller Preise 1 wechsel' planmäßig gestoppt und so eine weitgehende Sta- begrünt bilität der Preise erreicht worden. Darüber I 1 hinaus sind zahlreiche finanz- und wirffchaftspolt- Dr. me« tische Maßnahmen eingeleitet worden, um die über- - pllichtu schüssige Kaufkraft als die wichtigste Quelle der üßtaV Preissteigerungstendenzen entweder gar nicht erst entstehen zu lasten oder wirksam abzuschöpfen.

Der deutsche Sparer kann also gewiß fein, daß ihm der Zukunftswert feiner Ersparnisse über all» Erschwerungen der Kriegszeit hinweg erhalten blei­ben wird und daß auch nach dem Kriege alles ge- jchjeht, um ihm die dann notwendige Wiederanlage ! feiner Ersparnisse zu angemessenen Preisen zu sichern. Daraus erwächst aber heute für jeden Volks« ; genossen die Pflicht, an diesem Werk der Geldwert- sicherung tätig mitzuarbeiten, und diese Mitarbeit heißt: Sparen. Je bewußter jeder einzelne auf entbehrliche Ausgaben im Kriege verzichtet, je jL unmittelbarer er feine überschüssige Kaufkraft den 1