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Laß das!" sagte Brackmann und schüttelte ab» lihnend den Kopf. Seine Lippen wurden womöglich

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Ieitern kurzen, forschenden Blick.

Du bist merkwürdig kalt und verändert sagte er unbehaglich. ,Zch meine, in deinem Verhalten

^Ach^erstehe dich wirklich nicht!" wiederholte I --gassa hartnäckig; aber in seiner Stimme lag eine Mwtliche Unsicherheit, und er sah Brackmann nicht IßiTabe an. ,.

' Brackmann blickte ihm in die etwas unruhigen (Augen:Ich glaube, Jens, du verstehst Mich sehr $ii", sagte er scharf,nur ist es dir unbequem, mich in verstehen. Aber lassen wir das! Es ist alles «'^ntunqslos und qseichqültig ... es ist gänzlich

ZAller von 81 Jahren starb in München der Histo- riter Professor Dr. Karl Schell haß. Von 1888 bis 1939 wirkte er in Rom am Preußischen Histori­schen Institut, später als freier Forscher' an der Herausgabe der Berichte der Päpstlichen Nuntiatu­ren m Süddeutschland zur Zeit der Gegenrefor­mation und der Italienisch-Deutschen Bibliographie. Deutsche Gelehrte, auch zahllose andere Fremde, die nach Rom kamen, haben durch den liebenswürdi­gen Gelehrten Anregung, Rat und Förderung er­fahren.

Oswald Bumke 65 Jahre alt.

Am 25. September vollendet der Direktor der Psychiatrischen Klinik an der Universität München, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Oswald Ä u m k e , sein 65. Lebensjahr. Bumke wurde in 2tolp in Pommern als Sohn eines Arstes geboren. Zu seinen Lehrern zählten Hildebrand, Spalteholz and Leuckert. 1901 promovierte er in Kiel. 1904 ha­bilitierte er sich tt Freiburg, wurde 1906 Oberarzt, 1914 Ordinckrius in Rostock. Zwei Jahre später folgte er einem Ruf nach Breslau. 1921 ging er nach Leip­zig als Nachfolger von Flechsig und drei Jahre später nach München als Nachfolger von Kraepelin. Dort mar er 1928/29 Rektor. Bumke ist seit 1925 Mit­herausgeber desArchivs für Psychiatrie und Ner­venkrankheiten", desHandbuchs der Neurologie"" und derMünchner Medizinischen Wochenschrift". Eine große Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten aus dem Gesamtgebiet der Psychiatrie und Neurologie sind aus seiner Feder hervorgegangen. Darunter: .Lehrbuch der Geisteskrankheiten" (5. Auflage);Ge­danken über die Seele" <3.Auflage);Kultur und 'Entartung";Die Psychoanalyse und ihre Kinder"; Pupillenstörungen bei Geistes- und Nervenkrank- jheiten" und die RektoratsredeEine Krisis der Me-

; kizin".

Aus aller Wett.

Das Luropa-Schachmeisterschaflslurnier.

In der siebenten Runde verlor Stoltz nach lchneidigem Angriffsspiel gegen A l j e ch i n, da der .Weltmeister im geeigneten Augenblick zum entschei­denden Gegenstoß ausholte. Auch K e r e s gewann als Nachziehender gegen R 0 h a c e k. Der stark nach norne gekommene F 0 l t y s errang seinen dritten Steg hintereinander, und zwar diesmal gegen tzarcza. Richter siegte über seinen Lokal- cioalen Rellstab. Junge verlor durch ein gro­bes Versehen gegen Bogoljubow und N a p 0 - litano gegen Rabar. Somit gab es bisher j piege im Derhältns von 4:2 für die schwarzen Steine. Die Partie Bogoljubow Richter aus her vierten Runde mußte zum dritten Male abge- rod)cn werden. Der Stand lautet: Aljechin und : Mres je 5% Punkte, Foltys 5 Punkte, Bogoljubow 1 Punkte und 1 Hängepartie, Richter 3% Punkte md 1 Hängepartie, Rellstab 3J4 Punkte, Junge r Punkte, Napolitano und Rohacek je 2% Punkte, i Barcza, Rabar und Stoltz je 2 Punkte.

Der Dieb der Fuldaer Lebensmittelmarken gefaßt.

In Eisenach wurde der dort wohnhafte, übel- heleumundete 26jährige W. K. feftgenommen, als er am Bahnhof einen Kofferdiebstahl ausführte. Er ist der Sieb, der im Fuldaer Ernährungsamt den Ein- | truch verübte. Der größte Teil der gestohlenen Le- | densmittelmarken wurde bei ihm noch vorgefunden. | Einen Tag nach dem Fuldaer Einbruch ist er jn I Bebra bei der Kreisbauernschaft eingebrochen und rliat Geld und eine Schreibmaschine mitgenommen.

Totschlag am Vater.

I Vor der Strafkammer Aschaffenburg hatte sich der I^tzjährige Franz Ott zu verantworten, der wählend I sines Streites feigem Vater, dem 75jährigen Michael j btt, so schwere Schläge auf den Kopf versetzt hatte, | daß der alte Mann, ohne das Bewußtsein wieder- I trlangt zu haben, am nächsten Tage starb. Seit »Lahren herrschte in dem kleinen Anwesen, das dem alten Ott noch gehörte, aber vom Sohn und dessen I Frau bewirtschaftet wurde, Unfrieden, hervorgerufen I bor allem durch die Unverträglichkeit des alten Ott, gier gegen die Schwiegertochter wiederholt auch tätlich iorging, nichts arbeitete, aber trank. Immer wieder lehnte der Alte die Uebergabe des Anwesens ab. IjJesonders nach dem Tode der Mutter wurde das »^Zusammenleben mit dem Vater Ott zur Oual, so daß sich der Sohn, der als ruhig und arbeitsam gilt, Jhit Selbstmordgedanken trug und die Schwieger- Ijlochte vom Anwesen wegzukommen trachtete. Obwohl dos kleine Anwesen kaum als Existenzgrundlage aus- leichte, verkaufte der Vater sogar ein Grundstück.

Ilm 21. Juni war aus einer Geldforderung des alten btt ein Streit entstanden. Mit einem Stuhlbein ver- X letzte er feinem Sohn mehrere Schläge am Hinter- llopf. Daraufhin ergriff der Sohn ebenfalls ein

Stuhlbein und schlug mehrere Male blindlings auf j (einen Vater ein. Unter Berücksichtigung all der I Nomente, die der Tat vorausgingen, wurde von

(iner Zuchthausstrafe abgesehen und der junge Ott u vier Jahren und sechs Monaten Gefängnis unter

Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt.

.^.Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

[Oh, du willst schon schlafen gehen. Malte?" rief

trgaffa, als wäre er darüber sehr enttäuscht.

Ich bin müde", antwortete Brackmann kurz.

Sie du willst ..entgegnete Drgaffa. Es lang ein wenig gekränkt. Karen bheb auf ihrem ^ilatz. Die beiden Männer verließen das Zimmer, i £igaffa ging voran. Er drehte die Lichtschalter an

unb öffnete die Türen vor Brackmann. Das Haus balle zwei Stockwerke. In jedem lagen drei oder rer Räume. Vor der Treppe blieb Orgassa stehen. Qr wartete auf Brackmann und streifte ihn mit

Ein Mann rechnet ah

Roman von Horst Biemath

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Dillst du anbeuten, daß du mit

dr gegenüber nicht einverstanden bist? Oder daß it) dir gegenüber etwas versäumt habe? Oder miuft

Idir mich beschuldigen ..."

Laß die Dinge ruh'n!" sagte -Brackmann zum

Gießener Kuliurwoche -er NSDAP.

Ein weitgespanntes Programm für die Zeit vom 40. bis 25. Oktober.

Wir Deutschen sind besonders stolz daraus, daß auch im Kriege unser Kulturschaffen auf den ver­schiedensten Gebieten weitergeht und den breitesten Massen der Volksgenossen vermittelt wird, erkennen wir dock in den Werten unserer Kultur unsere eigene Art und gewinnen wir doch in dem Mitschas- fen und Miterleben dieser Kultur die hohen Güter, für die wir im Kampfe stehen und für die sich ein­zusetzen sich immer wieder lohnt. Weil Heimat und Front von diesen Werten erfüllt sind, fühlen wir uns auch den anderen überlegen und werden dadurch zu immer größeren Leistungen angespornt.

Diese Gedanken liegen auch der Veranstaltung einer Kulturwoche der NSDAP, zugrunde, die vorn 10. bis 2 5. Oktober in Gießen durchgeführt wird. Die verantwortlichen Gestalter der Kulturwoche sind die NSG. Kraft durch Freude als Beauftragte der Partei, die Hitler-Jugend, die ihre eigene Kulturwocke in dem großen Rahmen eingebaut hat, unter Mitwirkung des Theaters, der Universität, der Wehrmacht, sowie von Vereinen und Einzelpersonen.

Die Kulturwoche umfaßt: Am 10. Oktober, um 19.30 Uhr, in der Neuen Aula der Universität eine Eröffnungskundgebung mit einer An­sprache des Gauleiters und einer Festansprache eines noch zu bestimmenden Redners. Am 11. Ok­tober um 10 Uhr eine Morgenfeier der Hitler-Jugend (Neue Aula), um 11 Uhr im großen Hörsaal Eröffnung einer Kun st aus st el- lung der Künstler des Kreises Wet­te rau, um 14 Uhr im Gloria-Palast Eröffnung einer Woche der Wiederaufführung von künstlerisch und kulturell wertvollen Filmen, um 16 Uhr ein Konzertdes Bannorchesters (Neue Aula), um 19 Uhr einen festlichen Theaterabend mitF i - gar05 Hochzeit", am 13. Oktober um 19.15 Uhr in der Neuen Aula eine Dichterlesung mit Agnes Miegel (NSG. Kraft durch Freude, Goethebund, Kulturelle Vereinigung), am 14. Ok­

tober um 19.15 Uhr in der Universität Eröff­nung der Musikschule der Hitler-Ju­gend, am 15. Oktober um 19 Uhr im Theater: Querschnitt durch das Wetterauer Kun st schaffen, Aufführung des LustspielsDas Loch im Lattenzaun" von W. K. Philipps, fer­ner Darbietungen der Tanz- und Trachtengruppe unter Gg. Heß, sowie des Akkordeonorchesters Gamdach, am 16. Oktober um 19 Uhr im Theater Ballettveranstaltung mit der Kammer­tanzgruppe der Staatsoper Berlin, am 17. Oktober um 19 Uhr im Theater festliches Konzert des Städtischen Orchesters (Leitung Musikdirektor Otto S ö l l n e r), am 18. Oktober um 10 Uhr im Licht­spielhaus Jugendfilm st unde der Hitler- Jugend, am 19. Oktober 19.15 Uhr in der Neuen Aula Dichterlesung der Hitler-Jugend, am 20. Oktober um 19 Uhr in der Neuen Aula eine noch festzulegende Veranstaltung der Universi­tät, am 22. Oktober um 19 Uhr im Theater Fest­vorstellung der Hitler-JugendDer Thron zwischen Erdteilen", am 23. Oktober um 19.30 Uhr im Gloria-Palast Volksk un ft a b e n b: Gießener Laienkünstler aus Betrieb und Wehrmacht zeigen ihr Können, am 24. Oktober um 19.30 Uhr im Studentenheim Sing- und Spielabend der Hitler-Jugend (Elternabend), am 25. Df- tobe/ um 10 Uhr als Ausklang eine Morgen­feier auf dem Oswaldsgarten mit Ge- fangsbarbietungen von Großchören der Parteifor- mationen, der Vereine, der Betriebe und der Wehr­macht unter Mitwirkung eines großen Musikkorps der Wehrmacht.

Alle kulturschaffenden und in der kulturellen Be­treuung stehenden Stellen unseres Kreises sind so­mit in die Kulturwoche eingespannt, die Zeugnis ablegen wird von der Kulturarbeit unseres Volkes und insbesondere unseres Kreises und für Gießen ein großes Erlebnis zu werden verspricht.

Msichlslose Hamsterei einer Geschäftsfrau.

Eine Verhandlung vor dem Sondergericht in Gießen.

Jrn März d. I. konnten, wie bereits in Vorberich­ten bekanntgegeben wurde, in einer Textil- und Manufakturwarenhandlung in Büdingen erheb­liche Unregelmäßigkeiten auf kriegswirtschaftlichem Gebiet festgestellt werden. Der damalige Verdacht, daß die Geschäftsinhaberin Frieda D i e r u f f aus eigennützigen Gründen in mehrfacher Hinsicht und in verwerflichster Weise die Bedarfsdeckung der Be­völkerung mit lebenswichtigen Gütern gefährdet hat, fand jetzt in der mehrtägigen Hauptverhandlung des Sondergerichts für den Oberlandesgerichts­bezirk Darmstadt auf einer Tagung in Gießen feine Bestätigung.

Die Angeklagte, die ohne Rücksicht auf das Ge­meinwohl eigene geschäftliche und persönliche Inter­essen zur ausschlaggebenden Richtlinie ihres Ver­hallens machte, hatte schon zu Kriegsbeginn sehr große Vorräte an Textilwaren, insbesondere ältere und teilweise noch aus den Jahren 1933 und 1934 stammende Erzeugnisse aus dem normalen Handels­umsatz herausgenommen und zurückgelegt, so daß es zu wiederholten Käuferbeschwerden über die Ver­weigerung der Abgabe von Waren kam. Die Ver­schleierung der tatsächlichen, auch nach Kriegsbeginn laufend vermehrten Lagerhaltung erfolgte der Kund­schaft und behördlichen Kontrollen gegenüber einmal durch die Unterbringung größerer Warenposten in Wohnräumen und Dachstuben außerhalb des eigent­lichen Geschäftslokals, dann aber auch durch das Verstecken solcher Textilvorräte bei dritten Personen. Die Angeklagte war auf diese Weise, vor allem durch die Beiseiteschaffung der Waren in zweckfremde Auf­bewahrungsräume bestrebt, sich der kaufmännischen Pflicht zum laufenden und ordnungsgemäßen Ver­kaufsangebot im Rahmen des Üblichen Umsatzes weit­gehend zu entziehen und der Kundschaft insbesondere ältere Warenqualitäten vorzuenthalten. Jn gleicher Absicht und wohl auch aus steuerlichen Gründen wurden dementsprechend bei Bestandsaufnahmen der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel wesentliche Teile des Lagers verschwiegen. Aber auch im Verkauf selbst setzte sich die Angeklagte willkürlich über die Be­wirtschaftungsvorschriften hinweg, indem sie in einer größeren Zahl von Einzelfällen Textilien ohne die entsprechenden Kcrrtenpunkte abgab.

Das Bild schwerer charakterlicher Mangelhaftig­keit wurde zum Nachteil der Angeklagten durch die weitere Feststellung ergänzt, daß sie bis zur Fest­nahme im Frühjahr 1942 im Wege'der Gegen­

leistung beim Textiloerkauf, in erster Linie aber auch bei der an sich zulässigen Ausübung der Heil­kunde eine Lebensmittelhamsterei bedenklichen Aus­maßes betrieb. Die vor und nach Kriegsbeginn auf­gestapelten Vorräte überstiegen insgesamt die Mög- Vchkeit des persönlichen Verbrauchs derart, daß ältere Vorräte bereits dem Verderb ausgesetzt waren, ohne daß die Angeklagte irgend etwas zur Erhaltung der zur rechtzeitigen Verwertung dieser an sich hochwertigen Lebensmittel unternahm.

Das gesamte Verhalten der Täterin nicht nur während, sondern auch schon vor Beginn des Krie­ges erfüllt den Tatbestand des fortgesetzten Kriegswirtschaftsverbrechens nach § 1 der Kriegswirtschaftsoerordnung in Tateinheit mit Vergehen nach der Verbrauchsregelungs- strafverordnung. Dazu kam noch eine B e - amtenbeftechung, weil die Angeklagte bei Einleitung des Ermittelungsverfahrens, wenn auch vergeblich, so doch in verwerflicher Absicht einen Polizeibeamten durch das Versprechen materieller Zuwendungen für sich zu gewinnen suchte. Schließ­lich ergab sich auch noch eine strafbare Verfehlung nach der Warenverkehrsordnung, weil die Angeklagte unzulässigerweise eine erhebliche Menge von Kleiderkartenpunkten an die Textilhand- hing ihres Bruders abgegeben hatte.

Nachdem der ursprüngliche Tatverdacht gesetz­widriger Lieferungsverweigerungen gegenüber dem Roten Kreuz und dem Mathildenstist in der Haupt­verhandlung nicht bestätigt werden konnte, kam dos Sondergericht zu dem abschließenden Ergebnis, daß die Angeklagte zwar nicht den asozialen Typ des Kriegsschiebers darstellt, aber doch für ihre rücksichtslose geizige Sucht zur Hamsterei im Kriege schwere Strafe verdient. Unter Berücksich­tigung des Umstandes, daß die beschlagnahmten Vorräte fast vollzählig noch dem ordnungsgemäßen Gemeinverbrauch zugeführt werden konnten, wurde auf eine Gesamtzuchthausstrafe von 4 Iah ren und auf vierjährigen Ehrverlust er­kannt. Von der Anklage der unerlaubten Aus­übung der Heilkunde erfolgt Freisprechung.

Der mitangeklagte Emil D i e m e r aus Büdin­gen, der einen Mantel, mehrere Wäschegamituren und ein bezugscheinpflichtiges Hochzeitsgeschenk ohne Bezugsberechtigung erhallen hatte, wurde mit 4 Monaten Gefängnis bestraft.

Aus -er Stadt Gießen.

Lieschen.

Die Straße herunter jagen fünf, sechs Kinder an mir vorbei. Mit Hallo sind sie um die Ecke ver­schwunden. Als einzig verständlichen Ruf ihres Ge­johles erfaße ich nur:

Schnell, schnell Lieschen kommt ...!"

Nun liegt die Straße mit ihren sonnenbeschiene­nen Häusern wieder ruhig da. Während ich mir noch überlege, wer dies Lieschen sein könnte, vor dem man schleunigst zu flüchten hat vielleicht ein Kindermädchen, vielleicht ein besonders streitsüch­tiges Straßenkind nähert sich Lieschen schon hör­bar durch ein lautes schrilles Weinen, einen in­brünstigen und hoffnungslosen Verzweiflungsaus- bruch, ehe sie * *t)em Ai^ge sichtbar aus der Haustür kommt. Lieschen ist höchstens drei Jahre alt, von ihrem Gesicht ist nichts zu erkennen, zwei kleine Hände sind davor gedrückt. Ohne das geringste zu sehen, stolpert Lieschen auf ihren Barockbeinen ge­radeaus, auf mich zu, hinter den viel größeren Kindern her, die längst entschwunden sind, unerreich­bar fern, was Lieschen zweifellos erkannt hat, was sie aber keineswegs zu gefaßter Entsagung bringt. Tränenüberströmt, mit verschmiertem Gesicht, die Haare wirr um den Kopf, schwitzend in dem viel 3U langen Kleid mit den ausgefransten Aermeln steuert Lieschen an mir vorbei, der Ecke zu, hinter der für sie Leben und Frohsinn, Spiel und Kame­radschaftlichkeit entschwand. Ich mache ein paar lange Schritte hinter ihr her, fasse sie sacht am Arm, streichle ihr über den Kopf und halte dann eine Hand voll gelber Eierpflaumen hin, denn ich komme eben vom Markt.

Lieschen sieht mit einem Ruck hoch. Aus den überlaufenden Augen trifft mich, trifft die Pflau­men ein großer verständnisloser, ungeduldiger Blick, dann reiht sich Lieschen los, verstärkt das Gebrüll erheblich und wackelt, so schnell die ungeschickten Beinchen sie tragen, weiter, fort von allem Trost, der nichts bedeutet gegenüber der bitteren Tatsache, daß die großen Kinder, mit denen sie doch so gern spielen möchte, nichts von ihr wissen wollen. E. Sch.

Professor Dr. Wimmer 65 Jahre alt.

Der em. Ordinarius der Forstwissenschaft an der Universität Gießen, Professor Dr. Emil Wim­mer, vollendet am 26. September in Heidelberg, wo er im Ruhestand lebt, sein 6 5. Lebensjahr. 1877 in Mannheim geboren, studierte er in Karls­ruhe und München und promovierte 1907 in der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität München. 1910 habilitierte er sich an der T. H. Karls­ruhe für Forstwissenschaft. 1911 wurde er Forstamt- mann an der Forstlichen Badischen Versuchsanstalt, 1916 a.o. Professor an der T. H. Karlsruhe; im selben Jahre wurde er zum Oberförster ernannt. 1916 bis 1918 war Professor Wimmer Leiter der Kriegswirt­schaftlichen Geschäftsstelle des Deutschen Forstwirt­schaftsrates in Berlin. 1920 erfolgte feine Berufung zum etatsmäßigen a. o. Professor an der Universität Freiburg und zum Leiter der Badischen Forstlichen Versuchsanstalt. Noch im selben Jahre erfolgte feine Berufung als Ordinarius nach G i e fj e n. 1923 trat er wegen Krankheit in den Ruhestand. Die Univer­sität Gießen ernannte ihm zum Dr. phil. h. c. Sein Spezialfach ist Forstschutz, Waldbau und Holzverkehr. Kür Tapferkeit vor üem Keinöe.

Feldwebel Otto R e e h , Gießen-Wieseck, Dieb­weg 20, wurde für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausge­zeichnet.

Obergefreiter Karl Buß aus Holzheim, der im März d. I. das Eiserne Kreuz II. Klasse und das Jnfanterie-Sturmabzeichen erhalten halle, wurde jetzt mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse aus­gezeichnet.

Vernachlässige keine Wunde!

NSG.Betriebsunfall" steht in«den Krankenpapie­ren des jungen Mannes, der blaß und schwach im Krankenbett liegt. Sein rechter Arm ist vollkommen umwickelt, die.Fieberkurve auf der Bettafel schlägt hohe Wellen.

Scheint ein recht böser Betriebsunfall gewesen zu fein, der den jungen Menschen auf das Krankenbett geworfen hat. Es sieht fast so aus, als fehle ihm die rechte Hand und es war doch nur eine kleine Schramme, ein Riß am verrosteten Nag-l. Der Meister wollte ihn gleich vom Sanitäter verbinden lassen, aber der junge Arbeitskamerad halle gelacht:- Das wäre ja Kinderkram, meinte er. Aus dem Kck- berfram ist nun aber eine Blutvergiftung geworden.

Darum merke: Vernachlässige keine Wunde! Auch die Beachtung kleinster Wunden gehört zur Sicher­heit der Arbeit und damit zur Sicherung des Sieges! Sichere Arbeit sichert den Sieg!

gleichgültig." Er ging an Orgassa vorbei und stieg die Treppe empor.

Brackmann stand vor der offenen Tur. Kräftiger Kampfergeruch wehte heraus.Das ist wohl mein Zimmer ... Gute Nacht! Ich verschwinde morgen. Laß dich durch mich nicht stören. Und lebe wohl, falls wir uns nicht mehr sehen sollten!" Er zog die Tür hinter sich zu. .

Orgassa stand mit gesenktem, rotem Kopf auf der halben Treppe.Du hast leicht reden ...", sagte er verbittert und verzog das Gesicht,verdammt leicht reden." ,

Brackmann blieb sekundenlang an der Tur stehen. Er tastete nach dem Lichtschalter. Eine kleine Decken­lampe flammte auf. Brackmann sah sich in dem schmalen Zimmer um. Ein landesüblicher weißge­strichener Blechschrank stand darin und ein eisernes Bett, auf dessen zurückgeschlagener Leinendecke ein zusammengelegter Schlafanzug für ihn bereit lag. Unterhalb des Fensters, das durch ein feinmaschiges Drahtnetz moskitodicht gemacht war, entdeckte er einen Rohrplattenkoffer. Er erkannte ihn sofort wieder. Es war einer von den Koffern, mit denen er vor acht Jahren von Hamburg aus dje Reife in das verlockende mexikanische Abenteuer angetreten hatte. Aber der Anblick erweckte in ihm keine senti­mentalen Erinnerungen. .....

Er zog die Jacke aus, warf sie übers Bett und zerrte den Koffer näher unter die Lampe: er war unverschlossen. Die beiden Messingschlösser sprangen auf, und Brackmann hob den Deckel empor. Der Inhalt bestand aus Kleidungsstücken, die dick mit glitzerndem Naphthalinpulver bestreut waren. Er legte sie zur Seite auf den Boden, ebenso Bündel mit alten Briesen, geologische Handbücher, technische Fachliteratur und alte Diarien.

Er schien etwas Bestimmtes zu suchen, denn er schenkte den Dingen, die doch einmal in feinem Leben eine große und wichtige Rolle gespielt hatten, nicht die geringste Aufmerksamkeit. Sie flogen acht­los behandelt aus einen Haufen, bis Brackmann fast am Boden des Koffers den gesuchten Gegen­

stand endlich entdeckte. Es war eine juchtenlederne Pistolentasche.

Er erhob sich von den Knien, öffnete die Tasche und ließ die Waffe in seine linke Hand fallen. Das achtscküssige Magazin war gefüllt. Eine Fettschicht auf Schaft und Lauf der Mauserpistole hatte den Ansatz von Rost verhindert. Die Waffe schimmerte blau in seiner Hand. Auch das Magazin war blank und rostfrei. Die 7,65er Patronen mit dem roten Tupfen am Zündhütchen und dem roten Ring zwi­schen Kugel und Hülse klingelten, von der Feder her- aufgedrückt, leicht heraus.

Brackmann schob die Patronen nacheinander wieder in das Magazin zurück. Dann zog er den Pistolenschlitten heraus und drückte das Magazin in den Schaft. Eine Patrone sprang vor den Schla^olzen, und der Schlitten schnappte zurück. Die Waffe war schußbereit. Brackmann sicherte sie und schob sie in seine Hosentasche. Seine Finger glänzten fettig und hatten den ranzigen Geruch angenommen. Er wusch sich, löschte das Licht und zog sich im Dunkel aus. Der Mond warf ein kleines Lichtviereck auf den Fußboden, das nach Osten wan­dernd schmäler und schmäler wurde.

2. Kapitel.

Orgassa kehrte in das Zimmer zurück, in dem Karen noch immer auf ihn wartete. Der Ausdruck von Verstimmung und verdrossener Unbehaglichkeit schwand aus seinem Gesicht, als er sie bemerkte. Sie saß noch so in ihrem Sessel, wie er sie verlassen hatte.

Nun, meine Kleine, nach immer auf? Ich meine, es wird Zeit, daß wir uns hinlegen." Er streichelte im Vorübergehen ihre Schulter. Karen antwortete nicht. Orgassa trat ins Freie, das heißt er tauchte nur die Schultern lufthungrig durch den Perlen- vorhang und schnaufte geräuschvoll, als könne er dort draußen Erfrischung und Kühle finden. Dabei war die Luft fast noch schwüler und feuchter als hier über dem steinernen Fliesenboden und zwischen den weiß verputzten Wänden, die die Glut des Tages wenigstens bis zu einem gewissen Grad abstrahlten.

Nach wenigen Sekunden stieß er wie allabendlich stöhnende Verwünschungen gegen die verdammte Fie- berfüfte aus, kehrte ins Zimmer zurück, preßte die flache Hand gegen die Herzgrube und ließ sich schweißtriefend und erschöpft in einen Sessel fallen. Der Schlafanzug klebte an feinem Rücken. Eine Welle lag er da, seine Brust hab und senkte sich heftig; er machte den Eindruck eines Fisches, den eine Welle zum Verzappeln an den Strand ge­worfen hat.

Willst du ein paar Tropfen nehmen, Vater?"

Orgassa nickte keuchend. Karen erhob sich, sie ging zu einem Wandschränkchen, das sie mit der Sicher­heit einer gewohnten tiebung auch im Halbdunkel fand, nahm eine kleine Flasche und einen Löffel heraus und zählte unter der Lampe ein Dutzend Tropfen der Medizin ab. Orgassa schluckte die win­zige Flüssigkeitsmenge und wartete mit aeschlossenen Augen ihre Wirkung ab. Allmählich beruhigte er sich, fein Atem ging sanfter und gleichmäßiger, und er ließ die Hand vom Herzen sinken. Sein gerötetes Gesicht hatte wieder die normale Farbe, und aus den Schläfenarterien strömte das gestaute Blut in den Kreislauf zurück. ,

Was sagst du zu Malte?" fragte er unvermittelt nach einem Doraufgegangenen Seufzer; es klang, als brächte er feine Herzattacke mit Brackmanns überraschendem Erscheinen in ursächlichen Zusam­menhang.Ich meine, du hast ihn doch auch ge­kannt, wenn du damals auch noch ein halbes Kind warst. Er hat sich furchtbar verändert, wie? Er ist ein ganz anderer geworden als ob er umgefchmol- zen fei, nicht wahr?"

Aber anscheinend erwartete er von Karen keine Antwort, denn er fuhr sogleich fort:Ach, ich mache mir Sorgen um ihn. Es gehört nicht viel Propheten­gabe dazu, um ihm Schlimmes vorauszusagen. Weiß Gott, wie das enden soll! Aber er läßt sich nicht raten. Er kommt nstr vor, als ob er versteckt wäre"

(Fortsetzung folgt.)