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Eichener Anzeiger

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Berlin, 23. Juni. (DRB. Funkspruch.)

Der Sieger und die Besiegten

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Würdigung Ihres heldenhaften Einsatzes im Kampf für die Zukunft unseres Balkes verleihe ich Ihnen als 100. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hitler."

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Kriegsberichter traf den Generalfeldmarschall Rom­mel kurz vor der Einnahme von Tobruk in der vorder st en Kampflinie, wo deutsche Pio­niere den Panzergraben bereits überwunden hatten, der die deutschen panzer bei dem Einbruch in die inneren Befestigungslinien aufhallen sollte. General­feldmarschall Rommel erklärte:

Nahezu vier Wochen harter Kämpfe liegen hinter uns. Aber sie waren nicht nur hart, sondern auch erfolgreich außergewöhnlich erfolgreich, heute krönt die Truppe ihr bisheriges Werk durch Erobe­rung der Festung Tobruk. Barbia ist heute nacht beseht worden. Deutsche und italienische Soldaten haben übermenschliches in diesen Kämpfen geleistet.

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Zchriftleitung und GeschSftrftelle: Eiehen, Schulstrahe 7-9

in Narvik, wo er auf General Dietl stieß. Immer­hin konnte er sich darauf berufen, daß der Ab­bruch des Narvik-Unternehmens beeinflußt war von dem deutschen Erfolg im Westfeldzug. Das Argu­ment schlug durch ... England ist arm an tüchtigen Offizieren. In Libyen war in Rommel ein anderer deutscher Gebirgsjägergeneral aufgetaucht. Wavell, der verunglückteNapoleon, der Wüste" hatte in­zwischen den Oberbefehl im ganzen Nahen Osten erhalten. Sir Claude Auchinleck wurde am 1. Juli 1941 sein Nachfolger in Aegypten. Als dann Wavell das Oberkommando in Indien übernahm, wurde Auchinleck noch einmal sein Nachfolger im Ober­kommando des Nahen Ostens. In dieser Stellung kommandiert er drei Armeen: in Libyen-Aegypten, in Palästina-Syrien und in Jrak-Jran.

Der britische Oberbefehlshaber in Libyen, General Neil Methuen Ritchie, ist für englische Verhält­nisse unbegreiflich jung: Am 29. Juli wird er 45 Jahre. Bei Beginn des ersten Weltkrieges rückte er als Fähnrich an die französische Front, kam 1916 nach Mesopotamien und Palästina, wo er es bis zum Hauptmann brachte. Später als General­stäbler dem Kriegsministerium zugeteilt, wurde er als Major bis 1937 an die etwas schwierige bri­tisch-indischeNordwestgrenze" kommandiert. Jetzt stieg seine Laufbahn steil an. 1940 wurde er stellver­tretender Generalstabschef im Nahen Osten. Aber sein jetziges Kommando als Chef der englischen Streitkräfte in Libyen verdankt er einem Zufall. Am 18. November vorigen Jahres startete der eng­lische General Cunningham, sein Vorgänger im libyschen Kommando, eine Offensive gegen Rom­mel. Rommel führte eine elastische Verteidigung, aus der er jäh zuschlug. Cunningham verzweifelte. Der Oberstkommandierende Auchinleck erschien auf der Bildfläche und ernannte Ritchie auf der Stelle für den abgesetzten Cunningham ,zum Befehlshaber der libyschen Armee. Damit war Ritchie der jüngste kommandierende General der englischen Armee ge­worden. Viel Ruhm hat ihm dieser plötzliche Auf­stieg nicht eingebracht: in seinem Fall verbürgte die Jugend nicht den Sieg. Auf die Anfangserfolge der englischen Libyenoffensive setzte Rommel den gro­ßen Dämpfer seiner Gegenoffensive im Januar. Aber nachdem die Engländer ebÄr Ritchie als Not­helfer proklamiert hatten, kamen sie von chm nicht los. Das Ende ist Tobruk.

Sie haben Feldbefestigungen, Erdwerke, THinen- felder überwunden mit einem Schwung, wie man ihn sich kühner nicht denken kann. Sie haben trotz schwerster Berluste und Entbehrungen TagundRachtdurchgehaltenin dem Geist, der uns heute alle beseelt, dem Geist des Sieges. Wag der einzelne Wann fallen der Sieg der R a t i o n i ft f i ch e r. In diesem Woment des Stur­mes auf Tobruk grüßt die Panzerarmee ihr Deutsch­land!"

Dank

an Generalfeldmarschall Kesselring.

Berlin, 22. 3unt (DRB.) Die besonderen Leistungen der Luftwaffe im Feldzug auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz hat Reichsmar­schall Göring in folgendem Fernschreiben an den Oberbefehlshaber der im Witlelmeer operierenden Luftwaffe Generalfeldmarschall Kesselring be­sonders gewürdigt:

Lieber Kesselring, an dem ruhmreichen Sieg von Tobruk haben die Ihnen unterstellten Berbände meiner Luftwaffe hervorragenden Anteil. Sie schlu­gen in diesen Wochen schwerer Kämpfe den Feind in der Luft, zu Wasser und zu Lande vernichtend und haben damit den Heldenkampf der Panzer­armee Rommel in bester Waffenkameradschaft unter­stützt. Ich spreche Ihnen und Ihrer Truppe zu dem entscheidenden Erfolg im Witlelmeer und um Tobruk meinen Dank und meine besondere Anerkennung aus. gez. Göring."

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Druck und Verlag:

VrühlscheUniverfNättdruckerei8.Lailge

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Der Führer hat wie schon gemeldet dem Ober- leutnant Marseille, Staffelkapitän in einem Jagdgeschwader, die Schwerter zum Eichenlaub des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes verliehen. (Scherl-Dildarchiv-M.)

Das Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Führerhauptquarlier, 22. Juni. Der Führer verlieh dem Generalmajor Wolff. Kom­mandeur einer Infanteriedivision, das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und sandte an ihn nachstehendes Telegramm;3o dankbarer

Der Sieger von Tobruk zum Generalfeldmarschatt befördert

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DRB.Aus dem Führerhauptquartier, 22. Juni. Der Führer hat den Oberbefehlshaber der Panzerarmee Afrika, Generaloberst Rommel, zum Generalfeldmarschall befördert und folgendes Telegramm an ihn gerichtet:Herrn Generalfeld­marschall Rommel. In dankbarer Würdigung Ihrer Führung und Ihres eigenen schlachtentscheidenden Einsatzes sowie in Anerkennung der heldenhaften Leistungen der unter Ihnen kämpfenden Truppen auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz befördere ich Sie mit dem heutigen Tage zum Generalfeldmar­schall. Adolf Hitler."

Auf dem Schlachtfeld von Tobruk.

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Churchill soll heimkehren

Echo von Tobruk in England.

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Oer Kampf gegen diefeindlicheVersorgung

Berlin, 20.Juni. (DNB.) Der Kampf gegen die feindliche Versorgungsschiffahrt und die Be­wachungsstreitkräfte des Gegners nahm in der ver­gangenen Woche besonders scharfe Formen an. Der Feind hat seine Unterseebootabwehr und die Bewachung seiner Geleitzüge stark ausgebaut und zieht zum Kampf gegen die für ihn immer stärker fühlbar werdende Unterseebootgefahr alle nur irgendwie verfügbaren und einsatzfähigen Fahrzeuge heran. So wurde an der amerikanischen Ostküste festgestellt, daß kleine und selbst kleinste Küstenfahrzeuge, deren Seetüchtigkeit durchaus frag­lich ist, im Küstenschutz und selbst im Geleitdienst eingesetzt, werden. Kleine Luftschiffe der USA.-Ma- rine und alle Typen von ßanD= und Wasserflug­zeugen patrouillieren die rund 3000 km lange Süd- und Ostküste der USA. ab, um die Standorte der Achsen-Unterseeboote auszumachen. Trotzdem büßte der Feind in dieser Woche wieder 40 Handels- und Transportschiffe mit 242 500 BRT. ein. Davon allein 19 schwer beladene Handelsschiffe mit 109 000 BRT. im Atlantik, vor der USA.-Ostküste und in den Seegebieten des Karibischen Meeres und des Golfs von Mexiko.

Transport-tt-Boote

sollen die USA.-Schiffahrt retten.

Melancholisch sagte ein Funkspruch des Kairoer Vertreters an denDaily Expr-H , der am 21. Ium abgefanqen wurde:ch-ute feiert General A u ch> n - leck seinen 58. Geburtstag- Dieser 21. Sunt 1942 der Geburtstag des englischen Oberkommandierenden im Nahen Osten, ist auch der lag. an d»n Tobruk mit seiner großen Besatzung und seinen reichen Materialvorräten kapitulierte Gewiß, es hat star ter bewehrte Festungen gegeben, aber sur alr -a- nische Verhältnisse ist Tobruk eine Riesenfes ung mst> wurde darum mit Recht dasVerdun Alnkas nannt. Dieses große GebuZstagsmalheur ist str die Laufbahn Sir Claude A u ch , n l - ck s charak^ teriftiid). Er ist ein tüchtiger OfstZ>°r. Er kamaber nie rum Schuß". Er hatte niedie große Gelegen beit". Und als er sie endlich betam, ging « Der Abstammung nach Ire. wurde er auf dem an gesehenen Wellinqton-College erzogen und stand während de- größten Tests seiner Dienstzwt be d r indischen Armee. Seine jeiyge Stellung verdankt dem Umstand, daß er wahrend des ersten -wett friegs mit seinem indischen Regiment m AegyM , dann in Aden und schließlich m Mesopotamien war^ Nach jahrzehntelangem Dienst in Snb«n tarni e erst im September 1939 nach England zurück suhrie ein Kommando bei dem drststchen Exp in Frankreich uni> - befehligte das Unternehmen

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Generalfeldmarschall Ro mmel, Ritter des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern, Träger des Konturkreuzes des Militärordens von Savoyen, Autor des mitreißenden Buches3nfan= terie greift an", kann sich des schmückenden Bei­worts derChicago Daily News" rühmen, daß er der Schlingel unter den modernen Generalen" ist stets bereit,ein neues Kaninchen aus feinem Hut zu zaubern . Die Laufbahn des am 15. No­vember 1891 im württembergischen Heidenheim ge­borenen glorreichen Armeeführers unserer Taae hielt sich bis 1939 in dem üblichen Rahmen. 1914 in den Argonnen schwer verwundet, geht er 1914 zum württembergischen Gebirgsbataillon und steht den Italienern, seinen Freunden von heute, im süd­tiroler Hochgebirgskampf gegenüber. Dort erwirbt er den Pour le merife. Am Ausgang des Weltkriegs ist er Hauptmann. 14 Jahre später wird er 1932 als Lehrer an der Jnfanterieschule in Dresden Ma­jor. Im nächsten Jahr übernimmt er das Kommando über die Goslarer Jäger, 1935 ist er als Oberst­leutnant Lehrgangsleiter an der Kriegsschule Pots­dam. Dort wird er 1937 Oberst. Er ist Verbindungs- ofsizier der Wehrmacht beim Reichsjugendführer. In dieser Stellung wie auch als Kommandant des Führerhauptquartiers beim Einmarsch ins Sudeten­land und während des polnischen Feldzuges steht er dem Führer besonders nahe. Rommel, der zwischen­durch Kommandeur der Kriegsschule Wiener-Neu­stadt war und 1939 Generalmajor wurde, wünscht sich den unmittelbaren Kriegsdienst. Der Frankreich- Feldzug sieht ihn an der Front und bringt seiner Division bei den Franzosen den EhrentitelGe- spensterdivision". 1940, nach dem Durchbruch durch die verlängerte Maginotlime wird er Generalleut­nant. Als solcher übernimmt er im Frühjahr 1941 den Befehl über das deutsche Afrikakorps, das er im Siegeslauf nach Sollurn führt. Am 1-1941 ist er General der Panzertruppen. Am 18. Novem­ber 1941 treten die Engländer zum Sturm in Li­byen an, werden aber von Rommel nach Anfangs­erfolgen aus der Cyrenaika hinausgeworfen. Der Führer ernannte ihn am 30. Januar zum General­obersten, nachdem er ihm wenige Tage vorher als sechstem Offizier das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz verliehen hatte. Am 2. ^bruar 1942 schrieb die LondonerDaily Mail unter der ÜberschriftRommel, der Panzerheld": er sei ein von überkommenen Begriffen unbeschwerter Gene- rat, er sei aber auch ein Soldat, der sich selbst er­zogen habe, ein Mann, dem man jede Möglichkeit gegeben habe, zu lernen und der keine dieser Mög­lichkeiten habe ungenutzt verstreichen lassen.

Lissabon, 22. Juni. (Europapreß.) Den Bau von großen Tränsport-U-Booten bezeich­nete der nordamerikanische Senator Hill als dring­lich. Er gibt zu, in welche katastrophale Lage die Schiffahrt der Vereinigten Staaten durch die Tätig­keit der deutschen U-Boote im Atlantik und vor allem vor der Küste der USA. geraten ist. Ange­sichts der Wirksamkeit der U-Boot-Angriffe der Achsenmächte gegen Ueberwasserschisfe, betont Hill, mühten große Transport-U-Boote, mit denen Frach­ten bis zu 7 500 Tonnen befördert werden kön­nen, schleunigst gebaut werden, um auch den Trans­port von Kriegsmaterial sicherzustellen.

Vancouver neuerlich von japanischem tt-Boot beschossen.

Tokio, 22. Ium. (Europapreß.) Wie amtlich be- tanntgegeben wird, wurden militärische Ziele auf der Vancouver-Insel, die auf dem 50. Brei­tengrad an der Grenze Kanadas und der USA. der kanadischen Westküste vorgelagert ist, durch ein ja­panisches Unterseeboot wirksam beschossen. Eine An­zahl von Bränden bewies die Treffsicherheit der Unterseebootsgranaten. In Tokio wird die Beschie­ßung von Vancouver lebhaft besprochen. In einem Kommentar der amtlichen Domei-Agentur heißt es, daß die Kanadier hinsichtlich der Fernhaltung des Krieges von ihrem Lande bisher auf die USA. vertraut hätten. Jetzt sehe sich Kanada aber vor das Problem gestellt, fein Land selbst zu sichern. Es werde diese Aufgabe wahrscheinlich unlösbar finden.

traute Ausdruckein strategischer Rückzug zu vor­bereiteten Positionen" sei ersetzt worden durch die neue PhraseDie Armee bringt ihre Stellungen in Ordnung, um den neuen Entwicklungen begegnen zu können." Dieses Jnordnungbringen sei jedoch nichts anderes gewesen als ein überstürzter Rückzug eines Teils, der englischen Armee zur ägyptischen Grenze und die Kapitulation des anderen Teils in Tobruk.

Bittere Kritik in Washington.

ßif fab o n , 22. Juni. (Europapreß.) Berichte aus Washington besagen, die amtlichen Kreise seien von dem Fall Tobruks denkbar peinlich berührt. Man hatte die feste Ueberzeugung, daß die Festung selbst einer langen Belagerung standhalten werde. Militärische Washingtoner Kreise sprechen osten aus, daß die Folgen des Falles von Tobruk sehr schwer sein dürften. Allein die hohe Gefangenenzahl sowie die gewaltige Menge verlorenen Kriegsge­rätes bedeute für Die Alliierten einen sehr bitteren Verlust. Schließlich sei der Umstand beachtenswert, daß Rommel nun durch seinen Sieg große Truppen- verbände für andere Operationen frei bekomme. Endlich befände sich auch noch die strategisch so wich­tige Straße entlang der Küste in der Hand der Achsenmächte. Der neue Sieg Rommels werde auch für die künftige Haltung der Länder des Nahen Ostens von ausschlaggebender Bedeutung sein.

Der Kriegsberichter derUnited Preß" im Mitt­leren Osten, Richard Mac Millan, stellt fest, der britischen Führung habe der rechte Offensivgeist gefehlt. Die britischen Truppen hätten niemals diese wenig ruhmvolle Niederlage einzustecken brauchen, wenn die Führung den immer richtigen Grundsatz befolgt hätte, daß der Angriff die beste Verteidigung darstelle. Der Fehler liege bei der britischen Kriegs- maschine. Er habe immer wieder britische Offiziere fragen hören: ,Zch frage mich bloß, w o Rommel zuschlagen wird." Dies sei das beste Eingeständ­nis, daß 'Der geschickte deutsche Stratege Rommel immer die Initiative hatte. Die Engländer seien niemals auch nur annähernd zu Gegenangrif­fen in dem Maße übergegangen, wie dies anaesichts der vorhandenen Kampfmittel durchaus möglich ge­wesen wäre.

Stockholm, 22. Juni. (Europapreß.) Der Fall der Festung Tobruk hat in London große Bestür- zuna hervorgerufen. Im allgemeinen fehlen der Lonooner Presse am Montag, wie sie betont, jegliche Informationen zur' Lage in Nordafrika. Der einzig vorliegende Bericht besagt, Auchinleck sei gezwungen, eine völlige UIndisposition seiner Streitkräfte vor­zunehmen, weshalb der Berichterstattung im Augen­blicknotwendige Grenzen" gezogen seien. Der mlli- tärische Mitarbeiter derTimes" schreibt, daß der Fall von Tobruk zwar noch nicht Englands größte Niederlage in diesem Kriege darstelle, daß aber Die Plötzlichkeit dieses Verlustes ein heftigerer Schock sei als irgendein früheres ähnliches Ereig­nis. Der Verlust der Festung sei um so bedenklicher, als er auf Mangel an Urteilsvermögen und fehlerhafte Berechnung hindeute. Eine verlorene Schlacht sei zwar noch kein ver­lorener Krieg, aber man sei in London keineswegs geneigt, die Gefahren zu unterschätzen, die in der besseren deutschen Führung lägen. Der Daily Telegraph" erklärt:Die Ereignisse zeigen, daß bei den Operationen im Mittleren Osten schwere Mißgriffe vorgekommen sind. Das britische Kabinett muß sofort prüfen, welche strengen und ernsten Maßnahmen erforderlich gewor­den sind."Daily Mail" meint, die neue Niederlage in Libyen bringe große Vorteile für die Achsen­streitkräfte und zeige aufs neue, wie ernst die Schiffsraumfrage und wie notwendig eine Verminderung der Versenkungen sei.

3e schneller Churchill zur Stelle sein kann, um eine Erklärung abzugeben, die den Fall von Tobruk ausführlich behandelt, um so besser wird es fein", schreibt dieDaily Mail". Auch andere Blät­ter fordern Die Rückkehr Churchills. Sie legen Der Regierung nahe, sofort zusammenzutteten, um Die notroenDigen Maßnahmen zu beschließen, während man auf Churchill warte.Wir sind gezwungen worden, zuviel zu glauben, haben aber wenig dafür bekommen", sagt Die .Daily Maill." Tatsache ist, daß unsere Lage im Mittelmeer ernster ist als je­mals im ganzen Kriege. Der Militärfachoerständige DerDaily Mail", Hauptmann LidDell Hart, greift Die englische Nachrichtenmache über Die Er­eignisse in Libyen scharf an. Wieder einmal fei unter einer dicken Schicht von Tünche Die wahre Lags verheimlicht worden. Der lang ver-

192. Jahrgang ttr.144 (Sricbeim laguctj, außer Sonntags und feiertags

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Was die Engländer verloren

Der Wehrmachtbericht vom 22. Juni teilt Die Er­höhung Der Gefangenenzahl bei Tobruk auf 28 000 mit. Bis zum 20. JUni betrug Die Zahl Der Ge­fangenen in Libyen etwa 20 000. Zusammen ergibt sich eine Gesamtzahl von 48 000 Gefangenen, wobei eineNachlese" noch zu erwarten ist. Die afrika- nischen Kämpfe wollen mit ihrem eigenen Maßstab gemessen sein. Riesenheere könrzM dort nicht ope­rieren, weil Das Land Den Krieg"Nicht erhält. Die Nachschubschwierigkeiten bestimmen Die Größenoer- hältnisse Des Wüstenkampfes. Die Deutschen und Italiener hatten in Libyen Die 8. englische Armee gegen sich. Wie groß sie gewesen ist, weiß nur der englische Generalstab. Zehn ober zwölf Divisionen, was einem Mannschaftsstand von 150 000 bis 200 000 entspricht, ist schon eine recht erhebliche Zahl. In Diesem Falle beträgt Die Zahl Der Ge­fangenen ein Viertel bis ein Drittel. Der relative Anteil kann aber noch wesentlich höher sein. Dazu kommen die Ausfälle durch Die unmittelbaren Kriegs- ereigniffe: Tote, Verwundete und Erkrankte. Die Ausfälle an Kriegsmaterial find zunächst unersetz­bar. Ein englischer Berichterstatter hat vor einem halben Jahr erzählt, daß in Der britischen Libyen­armee Die Angehörigen von 14 Völkern kämpfen, zum großen Teil Emigranten aus allen Teilen Europas. Polen und Franzosen, Serben und Grie­chen, Belgier und Inder, Südafrikaner und Neger, ja sogar richtige Engländer sind per treten. Die Katastrophe Der libyschen Armee berührt also sehr viele Hoffnungen und Erwartungen. Auch auf diesem Gebiet Darf Der libysche Erfolg Der Achsenmächte nicht als ein örtliches Ereignis aufgefaßt werden. Er ist materiell unD seelisch ein Kriegsereignis von weltweiter Bedeutung.

Niemand kann den Wehrmachtbericht vom 22. Juni lesen, ohne Bewunderung für bie deutschen See­leute zu empfinden, Die vor dem Hafen von Tobruk flüchtende englische Schiffe vernichteten oder auf­brachten oder für die deutschen Räumboote, die sich durch Minensperren den Weg In Den Jnnenhafen von Tobruk erzwangen. Die Engländer haben mit Minen sehr stark gearbeitet. Nicht nur zur See! Vor ihren libyschen Stellungen lagen Millionen von Minen. Zwischen Diesen Minenfeldern ließen sie schmale Wege, auf Die Die genau eingeschossene Ar­tillerie ein oernichtenDes Feuer legen konnte. Darum bestanD Die Feldherrnkunst Rommels in Den vier Wochen seit Beginn seiner Offensive zunächst Darin, Die EnglänDer herauszulocken. War ihr Be­festigungssystem einmal ins Rutschen gekommen, so konnte nachgestoßen werden. Dieses Programm wurde mit glücklichstem Erfolg bis zur handstreich- artigen Einnahme von Tobruk Durchgeführt. So ge­lang es, den eingefrorenen Stellungskrieg in einen erst lebhaften, dann geradezu stürmischen Bewe­gungskrieg in einem verhältnismäßig schmalen Ge­ländestreifen zu verwandeln. Schauplatz Der Kämpfe waren Die Küstenstraße unD Die südlich anschließen­den Tafelberge der Marmarica, also nur das Rand­gebiet der eigentlichen Wüste. Damit waren im Gegensatz zu früheren Kämpfen in Libyen Infan­terie und Pioniere gleichwertig neben die Panzer getreten. Es liegt freilich in Der Natur Der Sache, daß Die Truppen motorisiert waren. Die Luftwaffe ist seit je mit Den libyschen Kämpfen eng verbunden. Daß sie im Sicherungsdienst des NachsäMs eine weitere Rolle spielte, daß Die Luftgeschwader des Generalfeldmarschalls Kesselring auch Dem