Einzelbild herunterladen

192. Jahrgang Nr. y § Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags

Beilagen:

Gießener Familientzlätter Heimat inrBild-DieSchoUe

Bezugspreis: Monatlich.....RM.1.80

Zustellgebühr... -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschlutz 2251 Drahtanschrift:Anzeiger" Postscheck 11688 Frankf./M.

Domtetstog,25.irptiIR2

Gietzener Anzeiger

ir

Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25"/.mey'

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 81/, Uhr desVormittags

Anzeigen-Preise:

Anzeigenteil 7 Rpf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Textteil 50 Rvf. je mm bei 70 mm Zeilenbreite

Nachlässe:

Wiederholung Malstaffell AbschlüsseMengenstaffelir

vrühlsche Unioersttatrdruckerri». Lange General-Anzeiger für Oberhessen Gießen, Zchulstratze 7-9

Bilanz einer Reise.

Von unserem Dr. £

Stockholm, April 1942 .

Nicht einmal ein Monat ist vergangen, seit Staf- ford Cripps die Reise nach Indien antrat. Als er wieder englischen Boden betrat, war von den ehrgeizigen Plänen, mit denen er England ver­lassen, und von den himmelstürmenden Hoffnungen, mit denen die Heimat seine Reise begleitete, nichts mehr vorhanden. Alle Versuche, die tiefe Kluft zwi­schen den Völkern Indiens und den britischen Her­ren zu überbrücken, sind gescheitert, und drohender denn je steht die Frage nach dem Schicksal des Herzstückes des Britischen Reiches am politischen Horizont.

lieber den Verlauf der Verhandlungen in Neu- Delhi wird Cripps dem Unterhaus persönlich Be­richt erstatten. Einzelheiten über den Verlauf der Verhandlungen mögen für Derfassungsjuristen und Verwaltungsbeamte des britischen Kolonialdienstes von Interesse sein. Alles, was politisch bedeutsam war und ist, hat die Oeffentlichkeit bereits er­fahren. So dürfte es lohnend sein, einmal die Bilanz dieser Reise zu ziehen und zu überlegen, welches ihre Folgen sein mögen. Has wichtigste Ergebnis der Reise ist die Erkenntnis, daß die britische Jndienpolitik sich in eille Sackgasse hjneinmanövriert hat, aus welcher es einen Aus­gang nicht mehr zu geben scheint.

Es dürfte nicht übertrieben fein, zu sagen, daß nahezu alle Leute in England zunächst der Auffas­sung waren, die britischen Vorschläge würden nach einer längeren ober kürzeren Verhandlungsbauer von den indischen Parteien angenommen werden. Auch außerhalb des Britischen Reiches wurde diese Auffassung vertreten, und vielfach hielt man das indische Problem schon für gelöst. Tatsächlich bedeu­teten die britischen Vorschläge einen beträchtlichen Fortschritt gegenüber allen bisherigen Reform­plänen. Es gab jedoch einen Umstand, der wahr­scheinlich mehr als der Inhalt dieses oder jenes Paragraphen die Verhandlungen zum Scheitern ver­urteilen mußte: Die Porschläge waren der britischen Regierung nur in der Höch st en Not abgerun­gen worden.

Hätte BaDwin vor zehn Jahren statt seiner bundesstaaüichen Verfassung die heutigen Vor­schläge gemacht, so waren sie wahrscheinlich in kür­zester Frist angenommen worden, und Jftdien würde heute in gleicher Weise an der Kriegführung be­teiligt sein wie die anderen Dominions. Jetzt aber erkannten die indischen Führer sehr wohl, bah nicht die politische Einsicht die britischen Vorschläge dik­tiert hatte, sondern nur die bittere Not und b i e drohende Nähe der japanischen Waf­fen. Dieser Umstand dürfte, obwohl die Bedeu­tung der inneren Meinungsverschiedenheiten in In­dien nicht übersehen werden kann, bei den Verhand­lungen zwischen Cripps und den indischen Führern den Ausschlag gegeben haben.

Weder die verlockenden Besprechungen für die Zukunft, noch die Vermittlung Tschiangkaischeks oder die Einmischung Roosevelts haben die Inder dar­über Hinwegtäuschen können, daß England plötzlich nicht mehr in der Rolle des Gebenden dasteht, son­dern daß Cripps als Bittender nach Neu- Delhi gekommen war. Diese Einsicht der indischen

.-Korrespondenten.

Führer aber ist es, welche die britische Jndienpolitik so ausweglos macht.

. Die militärischen Folgen des Scheiterns der Verhgndlungen sind schwer abzuschätzen. Es wäre verfehlt, zu glauben, daß ein Erfolg der Cripps-Mission die strategische Lage der Engländer in Indien unmittelbar verbessert hätte. Ebenso wäre es falsch, anzunehmen, daß der Mißerfolg eine so­fortige Verschlechterung der militärischen Lage zur Folge haben müsse. Die unmittelbare Wirkung einer Einigung oder jetzt der Uneinigkeit ist mehr psy­chologischer Natur, ohne daß dadurch die Japaner schon für die nächsten Wochen strategische oder taktische Vorteile errungen hätten. Auf längere Sicht muß allerdings der Fehlschlag der britischen Politik sich auch für die Verteidigung Indiens ver­hängnisvoll auswirken.

Es mag aber sehr wohl sein, baß nicht die Sor­gen um das Schicksal Indiens Stafford Cripps auf dem langen Flug beschäftigt haben, der ihn über Bagdad, Kairo und Gibraltar in die Heimat führte. Denn nicht nur das Schicksal Indiens und des Em­pire stand bei den Verhandlungen in Neu-Delhi auf dem Spiel, sondern auch die polittsche Laufbahn des englischen Unterhändlers. Die britische Presse war nach dem Scheitern der Verhandlungen eifrig be­müht, der eigenen Regierung und besonders Cripps zu bescheinigen, daß sie alles in ihren Kräften Stehende getan hätten. Diese tröstenden und auf- munternden Beileidsbezeigungen können Cripps aber nicht darüber hinweggetäuscht haben, daß die Niederlage in Neu-Delhi auch für ihn persön- l i ch unerfreuliche Folgen hat.

Er ging nach Indien als der Mann, der angeb­lich die Spwjetallianz geschaffen hatte, und für den es keine unlösbare Aufgabe gab. Im Lager der englischen Linken sahen viele in ihm den kom­menden Mann, der frei von den Vorurteilen konservativer Politiker England in ein soziales Zeit­alter hineinführen würde. Wäre er mit Erfolg ge­krönt aus Indien zurückgekehrt, so hätte der Glanz seines Namens vielleicht sogar das stete Strahlen des Fixsternes Churchill zum Verblassen bringen können. Das alles sind nun Träume gewesen, deren Verwirklichung zumindest auf lange Zeit hinaus­geschoben ist.

Cripps ist ein sehr ehrgeiziger Mann: aber mit Ehrgeiz allein kann man in England nicht Premier­minister werden, es gehört vor allem eine G e - f o l g s ch a s t dazu. Diese sich zu schaffen, wird je­doch dem kühlen Intellekt des erfolgreichen Rechts­anwalt nicht leicht werden, und bisher war es nur der blendende Erfolg feiner Tätigkeit in Moskau,, der ihn' in den Vordergrund der politischen Bühne geschoben hat. Der alte Taktiker Churchill hatte das Wesen des Crippsschen Ruhmes sehr schnell erkannt. Deshalb nahm er ihn in sein Kabinett auf und stellte ihn an verantwortlichste Stelle. Je länger Cripps in der Verantwortung bleibt, desto mehr wird er für die Fehler der Regierung mitbelastet, während ihre Erfolge zumeist zu Churchills Gunsten gehen werden. Aus diesem Grunde war die Jndien- mission für Cripps so wichtig. Hier war ihm noch einmal die Chance eines großen persönlichen Er­folges geboten. Ihr Scheitern hat zur Folge, daß auch für Cripps persönlich die Bilanz dieser Reise mit einem Debetsaldo abschließt.

Roosevelts Versprechungen für Indien.

(Sin technischer Gtudienausschuß soll die Möglichkeiten der Hilfe prüfen.

Bangkok, 22. April. (Europapreß.) Der Ab­gesandte Roosevelts für Indien, Oberst Johnson, erklärte Journalisten, die Verteidigung In­diens sei eine Hauptsorge der Vereinigten Staa­ten.Die Verteidigung Indiens", so sagte Johnson, wird, wie es sich gehört, das Hauptziel der alliier­ten Nationen sein, deren Machtmittel, das ver­spreche ich, gemeinsam und in stdem möglichen Unv fange, eingesetzt werden." Wie wenig ernst es aber USA. in Wirklichkeit mit einer nachhaltigen Hilfe für Indien ist, geht aus folgender Aeußerung John­sons hervor:Die technischen Fähigkeiten der Vereinigten Staaten werden in dem Maße zur Lösung des indischen Problems eingesetzt werden, in dem sie es für nötig halten." Als einzigeprak­tische Hilfe" kündigte Johnson die Ankunft einer nordamerikanifchen technischen Kommission in In­dien an, welche die Aufgabe haben soll,den Ein­satz der nordamerikanischen Möglichkeit bei dem gegenwärtigen Problem zu prüfen,. Einzelheiten zu sammeln, Erkundungen anzustellen und Empfehlungen zu geben". Johnson wird sich mit dem Sammeln dieser Einzelheiten beeilen müssen, denn bei dem Tempo, welches die japanische Wehr­macht in den letzten 120 Tagen angeschlagen hat, ist zu befürchten, daß sie dem 'USA.-Schreibtisch-Stra- tegen nicht mehr allzu viel Zeit zum Anstellen von Erkundungen lassen wird.

Wavell an die Inder.

Bon unserer Berliner Schriftleitunq.

Kalkutta und Madras, industrielle Millionen- ftcäte an dem großen Golf von Bengalen, haben sich rasch entvölkert. Selbst auf das toeit entfernte Bombay hat das Fieber der Panik übergegriffen. In Indien entwickeln sich Zustände, wie in Belgien unb Frankreich während der Westoffensive 1940: Eine Völkerwanderung setzt ein. General W a - pell, der Oberkommandierende von Indien, hat durch den Rundfunk vor jeder Panik gewarnt. Es war eine qualvolle Rede, weil er die Katastrophen Großbritanniens in Dftaften nicht verschweigen konnte und zugleich zur Ruhe mahnen mußte. Ein Beispiel statt vieler für diese Verlegenheit: ,An dieser Stelle möchte ich mich nicht mit den Fehlern der Vorbereitung und Ausbildung befassen, durch die die Empire-Truppen auf diesen Kriegsschau­

plätzen derartig benachteiligt waren. Man hat sich d'ese Lehren zu Herzen genommen und, wie ich hoffe, werden sie nicht wiederholt werden." In sei­nem Bestreben nach Schönmalerei sagte er, daß Singapur gegen die japanischen Luftangriffetrotz unzulänglicher Verteidigung" nur wenig Narben und nur wenig Verluste an Soldaten und Zivi­lsten hatte: warum hißte es dann die weiße Fahne? Wavell sagte auch, daß dasselbe für Rangun gelte; warum haben die Engländer Rangun geräumt?

Wavell hat in den letzten 15 Monaten, in denen sein Ruhm alsNapoleon der Wüste" schnell ver­gessen wurde, sicher mehr Kilometer durchflogen als der Erdumfang beträgt; vielleicht ist er nach der Art mancher Fliegerpiloten zum Kilometer-Millionär geworden. Das ist auch ein Ruhm. Darum sind ihm die schmückenden BeinamenWandergeneral" oder Zugvogel-Generalissimus" an den Kopf geflogen.

Unmittelbar nach der Wavell-Rede teilte Radio Delhi mit, daß sich bereits amerl konische T r u p p en in Indien befinden und weitere ameri­kanische Truppentransporte erwartet werden. Die Gleichzeitigkeit dieser Meldungen mit der Rede Wo- vells ist kein Zufall. Wavell hatte wohl das Ge­fühl, daß seine Mahnung zur Ruhe allein nicht ge­nügt; er setzte daher die amerikanische Kampfer­spritze an, aber die Inder können sich an ihren Fingern abzählen, daß diese amerikanischen Verstärkungen ebensoviel wert sind wie die amerikanischenfrei- w'ttigen" Piloten in Burma, von denen ein gro­ßes Wesen gemacht wird, um jetzt zu versichern, daß der britisch-chinesische Rückzug in Burma zum Hauptgrund ... das Fehlen einer Luftmacht hat.

Cripps tröstet sich.

Ermutigender, als wenn überhaupt nichts geschehen wäre."

Stockholm, 22. April. (DNB.) Cripps hat sich am Mittwoch der verständlicherweise sehr neugieri­gen englischen Presse gestellt. Er behauptete, das indische Volk habe einen starken Eindruck von der Aufrichtigkeit der britischen Regierung erhalten. Da­bei dürfte es weit mehr die schwierige Lage Eng­lands gewesen sein, die die führenden Männer In­diens in ihrem Entschluß bestärkte, die ausschließ­lich unter dem Druck der Verhältnisse gemachten

Versprechungen Churchills abzulehnen. Daß Cripps von dieser Tatsache ebenfalls durchaus überzeugt ist, geht aus feinem Eingeständnis hervor, daß j>sin mancher Hinsicht ein nicht sehr günftiger Augenblick für eine Regelung war". Es fei nicht leicht gewesen, plötzlich die ganze Atmosphäre, die in hohem Maße von Mißtrauen erfüllt gewesen sei, in eine Atmo­sphäre vollständigen Vertrauens umzuwandeln, wie dies erforderlich fei, wenn man eine Zusammenar­beit zwischen zwei verschiedenen Völkern in sehr ver­schiedener Lage herbeiführen wolle. Trotzdem kam Cripps zu dem trostreichen Schluß:Soweit ich be­troffen bin, ist das Bild daher fein düsteres Bild. Es ist ein ermutigendes Bild, zwar nicht so ermuti­gend als es hätte sein können, aber ermutigender, als wenn überhaupt nichts geschehen wäre."

Der Dank des Führers.

DNB. AusdemFührerhauptquarlier, 22. April. Der Führer gibt bekannt: Zum 20. April find mir auch in diesem Jahre aus allen Gauen des Reiches und aus dem Auslande Glückwünsche in so großer Zahl zugegangen, daß ich auf diesem Wege allen, die meiner gedacht haben, den auf­richtigen Dank ausspreche. Adolf Hitler.

*

NSG. Der Führer sandte dem Gauleiter auf die Geburtstagsglückwünsche des Gaues Hessen- Nassau folgendes Antwortlelegramm:Für die guten Wünsche, die Sie mir zugleich im Namen Ihres Gaues zu meinem Geburtstag übermittelt haben, danke ich Ihnen herzlich. Adolf Hitler."

Rumänische Frontkämpfer werden Grundbesitzer in Bessarabien

B u k a r e ft, 22. April. (Europapreß.) Als Dank für ihre Tapferkeit sollen die im Krieg gegen den Bolschewismus ausgezeichneten rumänischen Sol­daten sowie ihre Nachkommen Grundbesitzer in Bessarabien und in dem Buchenland werden. Ohne die Rechte der übrigen in diesen Provinzen leben­den Rumänen anzutasten, wird der Staat herrenlos gewordenen Bodenbesitz für die Frontkämpfer zur Verfügung stellen.

Die deutsche Gegenblockade.

Von unserer Berliner Schriftleitunq.

Die deutschen U-Boot-Erfolge, die den Englän­dern und den Amerikanern schwer zu schaffen machen, lösen in London und Washington Er­kenntnisse aus, die für die Lage bemerkenswert sind. So hat dieser Tage Lord Marchwood in der neuen britischen ZeitschriftVictory" in einem an die Oeffentlichkeit Großbritanniens gerichteten Appell, der britischen Handelsmarine zu Helsen, die Feststellung gemacht, daßdie Deutschen ihre Waf­fen seit dem Weltkriege verbessert und tödlicher ge­staltet" hätten und daßDeutschland es in diesem Kriege verstanden habe, sich nicht nur für Voraus­setzungen für eine Gegenblockade zu schaffen, son­dern diese auch wirksam in die Tat umzusetzen". Unglücklicherweise ist" betont der Lord weiter

i e deutsche Gegenblockade schließlich sehr erfolgreich und verhindert Kriegsmate­rial und wertvolle Lebensmittelsendungen aus Ueberfee daran, die britische Inselwelt zu erreichen." Diese Eingeständnisse sind die beste Anerkennung für die Leistungen der deutschen U-Bootwaffe. Wir wissen, daß es den Engländern sehr schwer fällt, sich solche Zugeständnisse abzuringen. Sie wiegen daher nicht weniger schwer als die praktischen Fol­gerungen, die England und Amerika aus den unge­heuren Versenkungen von Handelsschiffen durch die deutschen U-Boote ziehen müssen. Diese Konsequen­zen sind bitter und erregen bereits erhebliche Miß­stimmung. So mußte beispielsweise der Kommen­tator Robert Johnston im Londoner Nachrichten­dienst zugeben, daßim Unterhaus eine kritische, wenn nicht sogar feindliche Stimmung ge­herrscht habe, als die Regierung ihren neuen Plan zur weiteren Einschränkung von Lebensrnitteln be­kanntgab", und daßdie Stimmung im Unterhaus derartig gewesen wäre, daß die Regierung diesen Plan wohl werde abschwächen müssen." Die Eng­länder haben frühA: nie daran gedacht, daß sie auch zu Rationierungen greifen müßten. Die Taten un­serer U-Boote haben es zuwege gebracht, daß auch sie nun sich der gleichen Mittel bedienen' müssen, über die sie sich lustig gemacht haben, als Deutsch­land sie einführte.

Der Arbeitseinsatz in -er Landwirtschast.

Von Reichshanptamtsleiler R. Peuckert, Beauftragter für Landwirtschaft und Kriegs­ernährungswirtschaft beim Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz.

(Einen Aufsatz des Reichshauplamlsletters R. Peuckert in der NSS. über die Maß­nahmen zur Sicherung der Früh­jahrsbestellung entnehmen wir die folgenden Ausführungen.

Im Gegensatz zu England, das seine unterwor­fenen Völker für sich kämpfen läßt und nicht zuletzt daran den Krieg verlieren wird, führt Deutschland den Kampf mit den Söhnen seines eigenen Volkes im Geiste der Ideale, die ihm durch den National­sozialismus als völkischen Lebens- und Ordnungs­willen wiedergeboren wurden. Um so mehr müssen aber jene Länder, die sich an der Anzettelung dieses Krieges mitschuldig gemacht haben und heute von Deutschland besetzt sind, für den Arbeitseinsatz zur Steigerung der deutschen Produktionskraft in jeder nur möglichen Weise mit herangezogen werden. Anderseits muß selbstverständlich auch im Innern Deutschlands durch Mobilisierung der letz­ten Reserven der deutschen Arbeits­kräfte für eine Leistungssteigerung gearbeitet werden, die nur in der Wahrung und Sicherung' dcr biologischen Volkskraft ihre natürlichen Grenzen findet. Im Sinne höchster Menschenökonomie sind die wertvollsten Arbeitskräfte unseres Volkes in entsprechenden kriegsentscheidenden. Aufgaben zum Einsatz zu bringen und jegliche Art des Leerlaufs uonx Arbeitskräften zu vermeiden.

Das find die Gedankengänge, aus denen heraus die Beauftragung des Gauleiters Sauckel als Generalbevollmächtigten für dett Arbeitseinsatz im Rahmen des Vierjahresplanes durch den Führer entstanden ist. Gemäß seiner grundsätzlichen Ein­stellung zum Bauerntum hat Gauleiter Sauckel er­klärt, daß er neben den ihm vom Führer über­tragenen Rüstungsaufgaben in der Sicherung der Frühjahrsbestellung und Bergung der kommenden Ernte eine feiner vordringlichsten Aufgaben erblickt. Zur Schließung der größten Lucken hat Gauleiter Sauckel die beschleunigte und verstärkte Verwendung sowjetischer Kriegsgefangener und Zivilarbeiter auch in der Landwirtschaft angeordnet. Die Heran­führung dieser Kräfte ist jedoch mit vielen Schwie­rigkeiten verbunden. Sie bestehen vor allem in der Weite und Unwegsamkeit der Räume und in der großen Beanspruchung der Reichsbahn mit noch vordringlicheren Aufgaben der Kriegführung. Es darf jedoch damit gerechnet werden, daß bis zum Beginn der Ernte bereits große Kontingente sow­jetischer Arbeitskräfte in der Landwirtschaft zur Verfügung stehen. Es kann ober nicht verantwortet werden, die ordnungsgemäße Durchführung der landwirtschaftlichen Bestellungs- und Pflegearbeiten und damit den Ertrag der Ernte 1942 und die Lebensmittelversorgung des kommenden Jahres mit dem Wagnis der fristgerechten Heranführung aus- löndifcher Arbeitskräfte zu belasten. Das bedeutet, daß für die landwirtschaftliche Arbeit trotz der vor­genannten Maßnahmen alle nur irgendwie noch verfügbaren Kräfte herangeholt werden müssen, um die Intensität der gesamten landwirtschaftlichen Arbeitsleistung noch zu stei­gern. Ueber bas Maß ihrer Kräfte hinaus arbeiten heute auf dem Lande vor allem die Bäuerin- n e n. Es darf keine Arbeitskraft, die dem Bauern wertvolle Hilfe geben kann, weiter brach liegen bleiben, denn niemand hat das Recht, im entschei­denden Jahr des totalen Krieges abseits des Kamp­fes um unser aller Lebensgrundlage zu stehen.

Auf welchem Wege dieser lückenlose Einsatz des ganzen Dolles für die Landwirtschaft herheigeführL

werden kann, hat der Erlaß des Reichsmarschalls über den Einsa tz zusätzlicher Arbeits­kräfte für die Ernäherungssicherung im einzelnen dargelegt. Er läuft bereits und bringt, wo er rich­tige Anwendung findet, eine fühlbare Entlastung des Landvolkes, indem er vor allem durch Heran­ziehung der landarbeitgewohnten Frauen und Mädchen auf dem Lande und in den nahen Landstädten noch einsatzfähige heimische Arbeitsreserven für die Landwirtschaft erschließt. Dar­über hinaus können auf dem Wege des freiwilligen Einsatzes auch landarbeitungewohnte Frauen bei gutem Willen leichte Arbeiten im bäuerlichen Haushalt übernehmen, die Kinder be­treuen, im Garten nach dem Rechten sehen, frei ein­fachen Arbeiten auf dem Felde mithelfen und da­durch der in einem unerträglichen Maß mit Arbeit überlasteten Bäuerin viel Sorgen abnehmen. Gau­leiter Sauckel hat inzwischen auch den Einsatz der Zug end verfügt. Der Einsatz erfolgt dem Alter entsprechend auswärts oder örtlich, lang- ober kurzfristig, lieber ben Zeitpunkt ber Schließung ber Schulklassen entscheiben bie Gauleiter. In Fällen be­sonderer Witterungsverhältnisse und in den Gebieten, bie hart von Auswinterungsschäben betroffen finb, kann der Jugendeinfatz sofort wirksam werden, wenn es die (Bauleiter für notroenbig erachten. Eine beacht- liche Kraftreserve liegt aber nach wie vor in ber verstärkten Aktivierung ber Gemeinschafts­hilfe. Durch einen planvollen Einsatz der vor­handenen Pferde und Maschinen wie der sonstigen Produktionsmittel muß selbstverständlich unter Wahrung ber Grenzen bäuerlich gebundenen (Eigen- besitzes eine Arbeitserleichterung unb Lastenver­teilung erstrebt werden, die jedem zugute kommt.

Ebenso ist bet den Bestellungsarbeiten und ber Bergung der Ernte gegenseitige Hilfe zu leisten. Es barf kein Morgen Ack er 1 and brach liegen bleiben, weil dem Eigentümer die Arbeitskräfte für die Bestellung fehlen. Alle Betriebe muffen durchgehalten werden. Wo der Betriebsführer fehlt, ist einzuspringen. Das ist kameradschaftliche Pflicht gegenüber den im Felde stehenden Männern!

Das Landvolk wird jede Hilfe dankbar hinnehmen. Es wird sich dabei auch bewußt fein, baß 'es von den 'zum Einsatz kommenden nichtlandwirtschaftlichen Kräften keine Leistungen verlangen kann, wie es sie von erfahrenen Landarbeitern oder Familienange­hörigen gewohnt ist. So wie es für bas Lanbvolk ganz selbstverständlich ist, den Helfern und Helferin­nen eine kameradschaftliche Behandlung zuteil wer­den zu lassen, wird es auch für alle einen Arbeits­platz finden, der dem Leistungsvermögen nach Alter und körperlicher Fähigkeit entspricht. Der Bauern­hof bietet dafür Arbeitsmöglichkeiten genug.

Schließlich muß aber auch an alle Organisationen der Appell gerichtet werden, ihre ganze Kraft für die Förderung des Arbeitseinsatzes in der Lanüwirt- sck>aft einzusetzen. Wer in den kommenden Monaten auf dem Lande mithilft, muß sich bewußt fein, daß er nicht dein einzelnen Bauern hilft, sondern einen Beitrag zur Sicherung der Ernährung und damit zur siegreichen Beendigung bes Krieges leistet. Je zweckmäßiger sich der Arbeitseinsatz dem organischen Arbeitsablauf in ber Landwirtschaft anpaßt, desto größer wird der Erfolg fein. Eine soziale Ordnung, wie sie sich auf Grund der Arbeitsteilung des letzten Jahrhunderts in den Fabriken unb Städten ent­wickelt hot, kann auf die Landwirtschaft schon tm Frieden nicht übertragen werden und ist im Krieg auf dem Lande ganz unmöglich. Solange der Bauer mit den Einflüssen der Witterung usw. zu rechne«