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Aus der Stadt Gießen

Theater der Llm'versitätsstadt Gießen

begegnen und ich freue mich darauf! feien Sie vorsichtig. Geben' Sie feinet Eise

Ä Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

nun seinen wer­

nt cht ... Uebriaens ein i: Mensur! In Wahrheit

Es ist billiger und klüger, die Zähne gesund zu erhalten, als kranke wiederher* zustellen, denn richtige Zahnpflege hilft Zahnkrank­heiten verhüten. Chlorodont weist den Weg zur richtigen Zahnpflege. Verlangen Sie kostenlos von der Chlorodont-Fabrik* Dresden, die SchriftGesundheit ist kein Zufall".

** Eine 7 0 jähriae. Am morgigen Dienstag, 24. d. M., feiert Frau Lina Müller Wwe., geo. Marx, Wagengasse 9, in bester Gesundheit ihren 7 0. Geburtstag. Unseren herzlichen Glück­wunsch!

Richtig. Ganz neue. Und wir treten uns ganz neu gegenüber, zur Lebensmensur, wie ich mir zu bemerken erlaubte. Kommt nun ganz darauf an, wie die Mensur ausgeht. Das ist eine Sache zwi­schen Ihnssn und mir, Marion. Der Baron Fehr kann dabei nicht einmal den Unparteiischen machen, er ist ganz außerm Spiel, ob Sie i ten Namen tragen oder nicht viel zu theatralisches 23Ui): , . .

-richt».

olb wurde ooffll , Staffeltapiton panischen

Na! Jedenfalls ... Ich habe den Eindruck, daß er etwas wittert. Bon dem ,Mausetoten^ zwi­schen uns. Und darum darum wollte ich Sie bitten, lieber Abbeg nicht wahr, ich kann mich drauf verlassen?: wenn wir uns in Lappersdorf * ' * r.....*' - dann

it sogleich seine /(£ebt Leutnant < flaggen erW Srtuj« latich «! d'" '

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Der feurige Gfen

Roman von Haus von Hülsen

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Staatsstreich in Ltruguay.

Buenos Aires, 22. Febr. (Europapretz.) Der Staatspräsident von Uruguay, Alfredo Bal- d o m i r, hat durch einen S t a a t s st r e i ch die Verfassung des Landes außer Kraft gesetzt und alle Gewalt an sich gerissen. Die Mitglieder des Senats werden unter militärischer Bewachung im Senats­gebäude gefangen gehalten, wie aus Montevideo ge­meldet wird.

General B a l d o m i r und der gestern von ihm auch zum Kriegsminifter ernannte Außenminister Zuani befürworten eine enge Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten. Ueber diese Frage haben sich in den letzten Monaten zu der von Herr er a geführten Rechtsopposition starke Gegen­ätze herausgebildet. Herrera und seine Anhänger orderten stattdessen Annäherung an A r g e n t i ° irie-n und die von diesem Staat befolgte Neu­tralitätspolitik. Zur Ausschaltung der star­ken Rechtsopposition versuchte Bakdomir eine Ab­änderung des Wahlgesetzes durchzuführen und seiner Regierung stärkeren Einfluß auf die Durchführung der Wahlen selbst zu geben, fierrera erkannte die einer Partei dadurch drohende Gefahr und erhob in schärfster Weise Protest. Die gesamte Rechts­presse unterstützte Herrera.

In der gestrigen Senatssitzung kam es nach^ einer Rede des jüdischen Innenministers Maurico Sem« blat zu heftigen Tumulten, als dieser die Sena, toren der Rechtspartei als Demagogen bezeichnete. Bei der anschließenden Abstimmung sprach der Se­nat der Regierung mit 10:6 Stimmen sein Miß­trauen aus und forderte die Durchführung der für den 29. März angesetzten Wahlen unter stren­ger Beachtung der verfassungsmäßigen Grundsätze. Oie Antwort Baldomirs auf dieses Mißtrauens- Botum bestand in einem Befehl an die Garnison, ben Senat und die öffentlichen Gebäude zu besetzen. Im Auftrage Baldomirs führte die Polizei zahl­reiche Verhaftungen unter Anhängern der Rechtsparteien durch.

Dis von der Polizei von der Senatssitzung fern- gehaltenen Senatoren und Abgeordneten der Her- vera-Gruppe hielten an einem der Polizei nicht zu­gänglichen Ort eine Versammlung ab und nahmen eine Entschließung an, durch die die Befugnisse Baldomirs als Präsident der Republik für erloschen erklärt werden, weil er die Verfassung und Gesetze des Landes mit Füßen getreten habe. Die verfassungsmäßigen Rechte des Präsidenten müsse jetzt Vizepräsident Cesare C h a r l o n e wahr­nehmen.

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wird das Ganze auf ein Nebeneinander hinaus- laufen, das zu regeln Sie völlig in Ihrer schönen Hand haben. Wir werden uns ja auf den vierund- sechzig Feldern des Neinen Lappersdorfer Schach­bretts immer wieder begegnen zwangsläufig be­gegnen müssen, auch wenn wir's unbegreiflicher­weise nicht wollten ... Was sagen Sie?"

Marion antwortete nicht sogleich. Sie sah an ihm vorbei, in den menschenoollen Saal hinein, durch den sich die Melodien des kleinen Orchesters schyian- gen. Was Abbeg da äußerte die Bilder, in denen er sprach, das ängstigte sie unbestimmt. Mehr noch als sein Brief. Sie spürte hinter jedem seiner raschen, federnden Worte einen geheimen Doppel­sinn, den sie nicht fassen konnte, so schnell zuckte alles vorüber. So gern hätte sie ihn gepackt und festgehalten und ihm das eine große Versprechen entrissen, auf das es ihr ankam, das allein alle ihre Angst und Sorge stillen konnte: daß er ihr Glück zerschlagen werde ... Sie fühlte moment­weise nur momentweise, sie hatte zu hastig ge­trunken, ihr Kopf war nicht mehr ganz klar: was er über diemausetoten Dinge" sagte, das waren nur Worte, Worte, Worte in Wahrheit war das alles in ihm genau so lebendig wie in ihr __x es konnte überhaupt nicht sterben, es könnte höchstens dämmern und tief unten ruhen und die beiden, er und der Vater, konnten es jeden Augenblick wieder zum Leben erwecken und als eine Waffe auf sie richten

Verstehen Sie, Abbeg", sagte sie endlich:Es ist alles so kompliziert ... Fehr ist so sehr verliebt in mich, Und darum ist er natürlich entsetzlich eifer­süchtig. Mit der Zeit und der Gewöhnung wird sich das ja hoffentlich legen denn cs ist wahr­haftig kein Vergnügen, solcher Eifersucht ausgesetzt zu sein"

Verstehe ich nicht! Eifersucht, so dumm sie an sich ist, dumm wie alle schönen Gefühle, ist doch nur eine Form der Huldigung für eine Frau? Die größte Huldigung, meine ich?"

|V1V1W.... ______ ... seiner Eifersucht

keine Nahrung. Sie würden mir nur das Leben schwer machen. Er hat keine Ahnung auch von Papa und all seinem Drum und Dran weiß er nichts. Ich muß abwarten, bis einmal eine günstige Stunde kommt, in der ich ihm davon sprechen kann. Heute ist es viel zu früh. Heute würde es noch

Oie Verbindung zwischen (Sumatra un) Java unterbrochen.

Tokio, 22. Februar. (DNB.) Das japanische Nachrichtenbüro Domei meldet, daß jetzt eine v o l l- ständige Unterbrechung der holländischen Verbindung zwischen Java und Sumatra von den japanischen Streitkräften erreicht wurde, nach­dem japanische Verbände, die am Samstag von Pale mb ang auf Sumatra nach Süden vorstie- ßen, einen wichtigen Eifenbahnpunkt in der Nähe von Telok-Netoeng an der <5unba-strafte be­setzten»

-Die Sunda-Straße ist die Meeresstraße von nur 22 Kilometer Breite, die zwischen Sumatra und Aava liegt und den Indischen Ozean mit der Iava- feee verbindet.

| Das kaiserliche Hauptquartier gab am Sonntag Kim 15 Uhr bekannt, daß japanische Heeresstreit- traffe, unterstützt durch Flotteneinheiten, am Mor­gen des 15. Februar eine erfolgreiche Landung in der Umgebung von Muntok auf der Bank a-Insel durchführten und daß sie am Abend desselben Ta­ges P a n g k a l P i n a n q an der Ostküste der In- sei vollständig besetzten. Die japanischen Streitkräfte säubern jetzt das Innere der Insel von-feindlichen Truppen.

Die Banka-Insel ist durch die rund 20 Kilometer breite Banka-Straße von Sumatra getrennt. Be- fannt sind die reichen Zinnvorkommen dieser zu Niederländisch-Indien gehörenden Insel. Muntok, on der Banka-Straße gegenüber von Palembang gelegen, ist der Haupthafen der Insel, während das om Nordrand gelegene Pangkal Pinang die Hauptstadt ist.

Gute Fortschritte auf Timor.

Tokio, 23. Februar. (DNB. Funkspruch.) Nach einem Sonderbericht vonJomiuri Schimbun" wur­den von den im portugiesischen Teil der Insel Timor gelandeten japanischen Truppen st a r f e britisch-niederländische Kräfte nach hartnäckigem Widerstand geschlagen. Die Ja­paner besetzten den Flugplatz Deli bereits am Vor­mittag des 20. Februar. Eine weitere in Richtung Kqepang' eingesetzte Formation machte im Lause des^Samstags gleichfalls rapide Fortschritte.

Sie der wundervollen Schule des Schicksals ent­liefen, um in eine, der siebenzackigen Krone zum Trotz, kleinbürgerliche Ehe zu entschlüpfen. Sie werden den herrlichen Dämon Ihres Lebens nicht gegen einen langbeinigen Schulmeister eintauschen, der täglich das Wort ,Treue' mit Ihnen dekliniert! Sehen Sie nicht so ängstlich auf die Uhr, Ma- rion! Wir haben Zeit, viel Zeit. Ich habe nur er­laubt, Ihnen ein Zimmer hier im Hotel zu be­stellen. Ihr Koffer ist schon oben, Sie können von diesem Tisch aus unmittelbar ins Bett sinken^ und sich den Träumen von künftigem Eheglück über- (5ie saßen bis spät in die Nacht. Das Streich­orchester machte eine stark parfümierte Musik. In den flachen Schalen schäumte immer wieder der Sekt. Marion fühlte sich ganz willenlos, in ihrem Köpf taumelte und wirbelte alles durcheinander. Abbeg kein Hafen", dachte sie mit einem Male, und wußte seihst nicht, woher ihr der Gedanke kam. Aber ein starker Reisekamerad." Sie jagte das alles weg urrb bat ihn um eine Zigarette.Gut -- gut wird alles werden", dachte sie und schloß Die Augen. Alle Angst war in ihr verebbt sie wußte selbst nicht 'warum ,

Da sie, weit nach Mitternacht, in den Fahrstuhl trat, mar Abbeg plötzlich neben ihr. Die Gittertür fiel klirrend zu, die Kabine glitt nach oben.

»

Am dritten Tage gab Christian Fehr Fersen-

hatte, von der Peterbaude heimkehrend. Schloß Lappersdorf durch eine Kolonne von Hand­werkern besetzt gefunden, die darin so dachte er __wie in Feindesland" wüteten und Riemchen völlig "zur Verzweiflung brachten.

Wahrhaftig, die Alte, die seit zweieinhalb Jahr­zehnten zum Hause gehörte, brach in Tränen aus, als sie ihn durch die nahezu allgemeine Verwüstung führte! Er klopfte ihr tröstend den gefreuten Rucken.

(Fortsetzung folgt.)

Bitte etwas freundlicher!

In dem Warteraum eines großen Büros sah ich das Schild., Es war in flotten Strichen gezeichnet und stammte offenbar von einem Betriebsangehöri­gen.Bitte etwas freundlicher!" lautete die Auf- iorderung, und was man damit meinte,' zeigte das Profil eines Mannes, das sich von der Gries- grämigkeit zur Heiterkeit wandelte. Wer das Plakat betrachtete, konnte sich eines Schmunzelns nicht er­wehren, und das war es zweifellos, was der geschickte Zeichner erreichen wollte. Wenn du hier hereinkommst so schien das Plakat zu sagen, bann mache ein früh? liches Gesicht. Mit Fröhlichkeit erreicht man mehr als mit Aerger, und wenn du etwa gekommen bist, um hier deinen Zorn loszuwerden, so bist du an der falschen Stelle. Zorn ist überhaupt nur vom liebel, deshalb sei heiter, wir zahlen dir mit Freund­lichkeit zurück.

Es läßt sich nicht bestreiten, daß diese Aufforde­rung zur Freundlichkeit nicht nur in den Warte­räumen, sondern ganz allgemein ihre Berechtigung besitzt. Wer am frühen Morgen auf den Omnibus ober bie Straßenbahn wartet, wird das ebenso be­stätigen können wie derjenige, der mit mehreren Menschen vor einem Schalter steht. Es ist, als habe sich mancher Volksgenosse geradezu verpflichtet, seinen Mitmenschen ein finsteres Gesicht zu zeigen und auf ihre Existenz keine Rücksicht zu nehmen. Natürlich fordern die Zeitumstände ein beachtliches Mehr an Leistung, die Anspannung ist erheblich stärker als sonst, aber niemand sollte dabei verges­sen, daß er nicht allein von der Vorsehung zu die­ser besonderen Pflichterfüllung bestimmt ist. Es geht allen anderen genau so. Ja, viele haben dar­über hinaus sogar noch Aufgaben übernommen oder

los starren und fanatischen Ketzerrichter und Exa­minator Kunlin kämpft und am Ende sogar den schwachen und schwankenden Kaiser Rudolf II. aus Prag herbeibeschwört und ihn gewissermaßen als die' letzte und höchste irdische Instanz anruft, der Reiter wird dem Dramatiker zu einem aus deutschem Wesen geformten, in schwerem Ringen sich selbst überwindenden, sein Ziel und seine Mis­sion findenden Träger jener Idee, zum Schildhalter der Wahrheit und des Glaubens, zum Vorkämpfer für Gerechtigkeit und Menschlichkeit.

*

Die ungewöhnliche Fülle von Regie- und Rollen- anweisungen im Text stellt dem Spielleiter wie den Darstellern subtile Aufgaben. Die von Herrn W. M. Mund geleitete Aufführung ließ neben dem Ideenstück bas Theaterstück zu kräftiger Wirkung kommen. Dor schönen, weiträumigen, spitzbogig be­grenzten Szenenbildern (Entwurf: Herr Löffler) entfaltete sich die auf Intensivierung des sprach­lichen Ausdrucks gerichtete Wortregie in einer Skala vom expressionistisch entfesselten Schrei bis zum er­stickten Flüstern, die von Unheil und Entscheidung schwangere Atmosphäre nachdrücklich verdichtend. Die fast ununterbrochen angespannte Gefühlslage, die alle wesentlich agierenden Figuren beherrscht, ist schon beim Lesen zu empfinden und teilte sich auch der Aufführung mit.

Der Reiter war Herr E. B. Schmidt in einer recht glücklich gefaßten Maske, sichtlich die ideelle Mittelfigur aller Akte, ein blonder, schwärmerischer Jüngling, in jedem Satz auf das gesteigerte Pathos seiner Mission gestimmt. Luise Prasser gab die Barbara, eine schmale, mädchenhafte Erscheinung von gotischem Umriß, aus unschuldiger Lebenslust in wild ausbrechende Verzweiflung gestürmt. Herr Funke war her Kunlin, kalt, starr, grausam und fanatisch an den Buchstaben des Gesetzes ausge­liefert. Rudolf II., von Herrn M und sehr akzen­tuiert gesprochen, ein impulsiver, nervöser, unherr- scherlicher'Kaiser, wuchs in den letzten Akten zu­sehends in die Schlüsselstellung der Szene hinein. Herr Fischer spielte mit gelassener Festigkeit den

Tycho Brahe, Herr Köchling recht menschlich den Lemp, Hilde Kneip eindrucksvoll-halblaut die Rebekka-, Herr B o s n y war der Rosenstock, gehetzt und verstört, Herr V o l ck der zaghafte Ratsschreiber, Herr Zeppenfeld der landsknechtsmäßig derbe Hüter, Herr Bergmann der rote Henker.

*

Zu Beginn des IV. Festabends dramatischer Büh- nenkunst richtete Intendant Klein an den mit Beifall begrüßten Autor herzliche Worte der Be­grüßung:, er freue sich, den Dramatiker Zerkaulen, der mit zur Erneuerung des deutschen Spielplanes beigetragen habe, in Gießen willkommen zu heißen. Unser Theater habe sich stets zum Kampf der Geister

mußten was häufig noch einschneidender ist ein lange Zeit geruhsam verlaufenes Dasein mit dem Einsatz in einer bis dahin völlig unbekannten Umwelt vertauschen.

Von Einsicht und Gemeinschaftsgefühl zeugt es jedenfalls nicht, wenn jemand im Gasthaus ein galliges Gesicht aufsetzt und dem Kellner unange­brachte Vorhaltungen macht. Es ist auch keines­wegs erfreulich, wenn es nach einer Veranstaltung vor der Garderobe zum Austausch von Rippen­stößen kommt, ober wenn bie lange Kunbenreihe in einem Ladengeschäft gereizte Unterhaltungen führt. Bitte etwas freundlicher!" Es läßt sich nicht oft genug betonen, daß schon der Wille zur Freundlich­keit und Höflichkeit Wunder wirken kann. Ein Scherzwort löst den gordischen Knoten frostigen Bei­einanderstehens zuverlässiger als das Schimpfen in allen Tonarten. Die wohliuende Wirkung verspüren alle, und deshalb sollte jeder zu seinem Teile vei- tragen, die freundlichen Geister der Höflichkeit und Rücksichtnahme immer wieder herbeizurufen.

H. W. Sch.

Kür Tapferkeit vor öem Kemöe.

(Befreiter Walter Rühl in Gießen-Wieseck und Unteroffizier Karl H ö r e s von Harbach wurden für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Was Sie nicht alles wissen, Marion!" Abbeg schüttelte belustigt den Kops:Keine Rede von Haß, wirklich, keine Rede. Ebensowenig allerdings von Hochschätzung aber das trifft nicht ihn personluh. Sondern die ganze Gattung, der er angehört. Die .Gefühldussest, ich sagte Ihnen das, glaub' ich, schon in Berlin. Diese faulen Köppe, die ihr Leben aus purer Bequemlichkeit nach dem untauglichsten aller Kompasse steuern, dem Herzen. Ich mag sie nicht, halte nichts von ihnen, sie sind Schmarotzer ja, bas bürfen Sie mir nicht Übelnehmen, diese ganze Lappersdorfer Existenz ist eine Schmarotzer­existenz. Eigentlich sind Sie zu schade dafür, Marion. Aber anderseits passen Sie auch wieder gut hin. Wie kommen Sie auf die Idee, daß ich den Mann 3hrer Wahl hasse?"

Ich hatte so den Eindruck. In München. Und neulich, in Berlin, noch mehr."

Grundfalscher Eindruck. Kommt gar nicht in Frage. Warum auch? Ich könnte ihn hassen, ich würde ihn hassen, wenn er Sie mir nehme. Aber er nimmt Sie mir ja nicht."

Wie kann er Ihnen etwas nehmen, was Sie gar nicht haben, Abbeg? Sie sagen ja selber: das Einst ist tot, wir sind ganz neue Wesen"

Heinrich Zerkaulen: »Oer Heiter".

Die Fabel von Zerkau lens SchauspielDer Reiter" kommt aus einer ähnlichen geschichtlichen Sphäre, einer ähnlich zerrissenen und erregten Zeit wie bas vor einigen Monaten hier gegebene Drama Veit Stoß" von Ortner. Das Stück spielt um bas Jahr 1600 in einer kleinen deutschen Stadt und am kaiserlichen Hofe in Prag; die historischen Grund­lagen dazu lieferten bie von Zerkaulen im Nörd- linger Archiv gefundenen Acta Barbara Lempin, Urkunden von einem spätmittelalterlichen Hexen­prozeß. Die Umstände dieses Prozesses machen zwar auch, theatralisch-gegenständlich betrachtet, einen wesentlichen Teil der fünf Akte aus und bewirken bie" bis in bie letzte Szene ausgehaltene Spannung, aber unser Interesse an den lange verschollenen Vorgängen an sich wäre nur gering, und für Zer­kauten würden sie allein wohl kaum zum erregenden Moment einer dramatischen Konzeption geworden sein: was im Nördlinaer Archiv überliefert ist, hätte allenfalls den Stoff für eine schaurige drama­tische Reportage aus alter Zeit abgegeben; da sich aber mit dem Aktenfund bie Begegnung mit dem berühmten Reiterstandbilde im Bamberger Dom kreuzte, wurden die Hexenprozeß-Protokolle in der Hand des Dramatikers zum Anlaß einer phanta­sievollen Deutung des erlauchten, wiewohl namen­losen Bildwerkes.

Der Bamberger Reiter wir wissen weder, wer ihn aeschaffen hat, noch wen er barstellt gilt uns als der Inbegriff nicht nur des beutschen Ritter» tumes, bes deutschen hohen Mittelalters, sondern in adliger Führergestalt als ein Sinnbild unseres völkischen Wesens schlechthin. Mit der Einführung des Reiters, der hier als ein von Augsburg zum Hexenprozeß gesendeter kaiserlicher Rat erscheint, wird der an sich heute nicht mehr belangvolle Prozeß nach der berühmten Haltsgerichtsordnung Kaiser Karls V. ins Grundsätzliche und Beispielhafte er­hoben; das Gewicht der Vorgänge im Schauspiel liegt nicht mehr auf dem mit barbarischen Mitteln verfolgten Krlrninalfall aus dem Jahre 1600 obwohl gerade von ihm ein nicht geringer Teil theatralischer Wirkung und äußerst handgreiflicher Spannung ausgeht, sondern auf dem ins Visio­näre gesteigerten Bilde bes Reiters, dem ber Hexen­prozeß gegen Barbara Lemp nur zum Anlaß bient, fein zeitloses Wesen zu manifestieren.

Der Einzelfall Lemp entwickelt sich für Zerkaulen 3um exemM-rischen Fall, zu einem Prozeß, frei dem es auf Tob und Leben geht, aber für die Richter nicht weniger als für bie Angeklagten. Es ist ihm, mit einem Wort, um eine zeitlose Idee ber Rechts­findung und ber Gerechtigkeit überhaupt zu tun, und der Reiter, der sich für die dem Feuertode über­antwortete Barbara einfetzt, gegen den erbarmungs-

alles zerstören"

Würde es?" Abbeg lachte:Und da glauben Sie, daß er Sie liebt, Marion? Eine schone Liebe!"

Ach, Abbeg! Sie, der Sie genau Bescheid wissen, sagen Sie selbst: bin ich eine größere Liebe wert?

Dummheiten, Marion! Eine viel, viel größere Liebe sind Sie wert. Eine Liebe jedenfalls die das Höchste und Letzte nicht im güldenen Rmgelein sieht. Leiden Sie an Minderwertigkeitskom­plexen? Dann tun Sie mir herzlich leid. Kein Grund vorhanden. Kopf hoch! Hindurch mit Freu­den ! Der Herr Baron Fehr, seiner sonstigen Narrheit unbeschadet, wird so närrisch nicht sein, zu glauben, er eheliche ein unberührtes

Marion beugte sich rasch über den Tisch und hielt ihm den Mund zu. Der Sekt, bei dem sie langst angelangt waren, hatte sie wie immer so beflügelt und entfesselt, daß sie sich diese Freiheit nahm

Abbeg ergriff ihre Hand, küßte sie, zwang Jie auf dem Tisch nieder, hielt sie etwas gewalttätig fest. #

Fürchten Sie nichts, Marion. Furchten Sie sich nicht norm Schwarzen Mann. Ich bin stumm, wie 'bas Grab, in dem die vorerwähnten mausetoten Dinge eingesargt sind. Es liegt alles in Ihrer Hand in dieser Hand, die ich hier halte und nicht loslasse! Sie wären ja nicht, die Sie sind und die ich immer in Ihnen geliebt habe, wenn

und Weltanschauungen bekannt. Dem Dichter, dek imReiter" ein ewiges deutsches Menschenbild ge- schassen habe, wünsche er zum 50. Lebensjahre Glück und Schaffensfreude, der Aufführung volles Ge­lingen.

Oberspielleiter Mund feierte Zerkaulen als den Mann, dem das Leben ein Kunstwerk geworden fei, der im Werk die Summe feines Lebens gezogen habe, der immer nur der Idee Deutschlands gedient gäbe und darum ein politischer Dichter sei: Volk, Führer, Heimat und Vaterland seien die Grund­motive seines Schaffens. Nach einer überschauenden Würdigung von Zerkaulens Büchern betonte der Redner, die Gießener Schauspielgemeinde ehre den Dichter wohl am besten mit seinemReiter", und schloß mit herzlichen Segenswünschen zum 50. Ge­burtstag.

Nach der Aufführung konnte der Autor mit dem Spielleiter und den Darstellern den langanhaltenden Beifall des vollen Hauses und aus den Händen des Intendanten, ber Glückwunschtelegramme bes Gau­leiters und bes Präsidenten ber Theaterkammer ver­las, einen Kranz entgegennehmen. Der Ober- hessische Kunstverein zeigt im Foyer eine Samm­lung schöner, großer Ausnahmen oom Bamberger Reiter und stilverwandten Beispielen mittelalter­licher deutscher Plastik.

6 Morgenveranstattunn: Zerkaulen liest aus eigenen Werken. In ber gestrigen Morgenfeier lernte man Z e r - faulen auch als Erzähler kennen: er begann mit Jugenderinnerungen an seine Vaterstadt Bonn, deren Friedhof die Gräber von Robert und Clara Schumann, von Ernst Moritz Arndt, Charlotte und Ernst von Schiller umschließt, mit einer Schilderung auch von Beethovens Geburtshaus in Bonn, dessen Besuch schon dem jungen Zerkaulen eine frühe Be­gegnung mit dem musikalischen Weltgenie vermit- teste und wohl nicht unwesentliche Anregungen zu dem RomanMusik auf dem Rhein" vermittelte; während hier das Leben des Bonner Beethoven ge­schildert wird, ist ber eben vollendete neue Roman Der feurige Gott" dem Leben des reifen, kämpfe­rischen Wiener Beethoven gewidmet. Eine merk­würdig zeitbezogene Deutung der markanten An­fangstakte der Schicksalssymphonie leitete über zur Lesung eines Abschnittes aus dem neuen Werk: die Szene bes Heiligenstäbter Testaments las Zer­kaulen zum ersten Male aus bem Manuskript zum Dank für bie ihm bei uns, wie er bemerkte, in so reichem Maße zuteilgewordene Liebe und Ver­ehrung. Die Szene schildert sehr plastisch und ein­fühlsam einen tragischen Wendepunkt im Dasein Beethovens. Auf dem Lande, wo ber Meister mit dem Schüler Ferdinand Ries Ruhe und Genesung sucht, erlebt er die schicksalhafte Begegnung mit bem Flöte blasenden Hirten, den er nur spielen sieht, aber nicht hören kann; neben diese Mittelvunktszene einer zwiefach tragischen Vereinsamung stellen sich jene ber Niederschrift und bes Flügels mit den ab­gehackten Füßen. r,

' Reicher Beifall einer großen Hörerschaft dankte Zerkaulen für die mit verhaltener Hingabe an das Wort gelesene Probe. Das Streichquartett des Städtischen Orchesters umrahmte den Vortrag mit stimmungsvollem Vor- und Nachspiel. Herr B o s n y als Obmann ber Fachschaft Bühne überreichte bem Dichter namens ber Mitglieder des Theaters mit herzlichen Glückwünschen Oskar Schürers schönes Buch über Prag.

Hessische Spielgemeinschast: ^Oatterich" von ErnstClias Tliebergall.

Das Gastspiel der Hessischen Spielgemeinschaft aus Darmstadt mit demDatterich" darf als em ver­spätetes Jubiläumsgeschenk gelten, als nachträgliche schuldige Reverenz des hessischen Theaters vor dem berühmtesten und besten Stück bes früh oeritoToe» nen Gießener Studenten und Darmstädter Lehrers Ernst Elias Rieb er g all. Wir haben voriges Jahr an dieser Stelle den 100. Geburtstag gefeiert: im Frühjahr 1841 erschien, übrigens anonym und nicht ohne Eingriffe der Zensur, die erste Ausgabe der ,Localposse m der Mundart ber Darmstadter .