Einzelbild herunterladen

härteste Vergeltungsschläge ausgelöst haben, ein- leuchtet.Dies ist die beste materielle Hilfe", wagte Cripps zu behaupten,hie wir den Sowjets leisten können, das beste Mittel, bis zu dem Augenblick, da wir den beabsichtigten, sorgfältig vorbereiteten Angriff auf den europäischen Kontinent durchführen können". England zieht es also vor, wehrlose Frauen und Kinder zu morden und geschichtliche Bauwerke zu vernichten und bezeichnet das als seinebette Hilfe". Im.Frohgefühl der Entlastung durch die sowjetischen Blutopfer versprach Cripps weitere Materiallieferungen an die Bolschewisten und sprach ganz ohne Scheu und Zurückhaltung aus: Kein Preis scheint uns zu hoch zu sein für die Fortsetzung der sowjetischen Anstrengungen."

lieber die kitzlige Produktionsfrage sprach Cripps in Worten, die an die doppelsinnigen Aussprüche des Orskels von Delphi gemahnten. Die Erzeugung sei zwar jetzt groß, aber, so meinte er bekümmert, sie ist nicht so groß, daß sie nicht absorbiert wer­den könnte, wenn wir die Anforderungen, die von allen Kriegsschauplätzen an uns gestellt werden, er­füllen wollen". Womit zugegeben wird, daß die An­forderungen der verschiedensten Kriegsschauplätze die Möglichkeiten der englischen Produktion weit über­steigen. Nach derartigenAuskünften" ist es nicht verwunderlich, wenn der Labourabgeordnete S h i n- m e II ganz bekümmert forderte, England müsse eine zweite Front eröffnen.Ich fordere", so sagte er,die Versicherung der. Regierung, daß sie die Absicht hat, anzugreifen. Ich glaube ja, daß die Sowjets die Nazis ohne Hilfe schlagen können, aber es ist doch möglich, daß die Sowjetunion besiegt wird. Wenn sie besiegt ist, zweifle ich daran, daß das britische Weltreich dies überlebt." Das Unter­haus vertagte sich nach seinen Klageliedern, ohne daß die Angst um Englands Schicksal gewichen oder das Genie gefunden worden wäre. Die Angst, Sta­lin, auf den England seine letzte Hoffnung seht, könne geschlagen werden, aber überschattet weiter die englische Insel.

Aus dem Reich.

Vereinfachung der Rechtspflege.

Der Reichsjustizminister hat die ersten, vornehm­lich die Zivilrechtspflege betreffenden Maß­nahmen zur Vereinfachung der Rechtspflege ge­troffen. Das Verfahren erfährt eine Reihe wesent­licher Vereinfachungen: Die Entscheidungen sind kürzer als bisher abzufassen, wodurch sie für den nichtrechtskundigen Beteiligten zugleich ver­ständlicher werden. Die Beteiligten können bei Ur­teilen, die einem Rechtsmittel nicht unterliegen, auf die Begründung verzichten und hierdurch Kosten ersparen. Eine Fortsetzung erledigter Verfahren nur noch wegen der Kosten findet nich mehr statt. Die. Beschwerde ist wesentlich eingeschränkt, vor allem in Kostensachen und in Angelegenheiten, in denen es sich nur um eine vorübergehende Regelung han­delt. Die Berufungsgrenze ist für alle nach dem 31. Mai 1942 ergangenen Urteile wieder auf 500 RM. heraufgesetzt. Neues Vorbringen in der Be­rufungsinstanz ist nur noch ausnahmsweise zulässig, die Beteiligten müssen also bereits in erster Instanz ihre Behauptungen und Beweise vollständig Vor­bringen, anstatt das Verfahren dadurch zu ver­zögern, daß weiteres Vorbringen für die Be­rufungsinstanz aufgespart wurde. Offensichtlich un­begründete Berufungen und Revisionen können durch Beschluß ohne mündliche Verhandlung zurückge­wiesen werden.

Arbeitstagung derLandeSbauemführer

Unter dem Vorsitz von Staatssekretär Backe fand in Berlin eine Arbeitstagung der Landes- bauernführer statt. Es konnte festgestellt werden, daß es trotz des ungewöhnlich langen und horten Winters gelungen war, die Frühjahrsbestellung so gut wie vollständig zum Abschluß zu bringen. Auch in diesem Jahr wird kein Hektar Ackerland unbe­stellt bleiben, obwohl der Umfang der Auswinte- rungsschöden größer war als seit Jahren und da­mit auch die Notwendigkeit einer zweiten Be­stellung.

Staatsakt ftfr Gauleiter Rover.

Der vom Führer für den verstorbenen Gauleiter und Reichsstatthalter R ö v e r angeordnete Staats­akt findet am heutigen Freitag um 15 Uhr im Mosaiksaal der Neuen Reichskanzlei statt. Nach dem Staatsakt werden die Spitzen von Partei, Staat und Wehrmacht dem toten Gauleiter das Geleit zum Lehrter Bahnhof geben. Von dort erfolgt in einem Sonderzug die Ueberführung in die Haupt­stadt des Gaues Weser-Ems, Oldenburg. Unter Vorantritt einer militärischen Trauerparade und einer Truppenparade der SA., des NSKK. und des Reichsarbeitsdienstes wird der Trauerzug seinen Weg zum Bahnhof nehmen. _____________

Deutsche Gegenangriffe

Berlin, 21. Mai. (DNB.) Im Raum von Charkow wurden die Bolschewisten gezwungen, in einem Abschnitt, ter an den Vortagen von stärksten feindlichen Kräften immer wieder ange­griffen worden war, ihre Angriffe am 20. Mai e i n- zustellen. Dagegen führte der Feind an einer anderen Stelle heftige Angriffe unter Einsatz von zahlreichen Panzern, von denen viele bet der erfolgreichen Abwehr vernichtet wurden. In Gegen­angriffen wurden ein Waldgelände und mehrere Höhenstellungen dem Feinde entrissen. Besonders sckwere Kämpfe entwickelten sich in den späten Abendstunden bei einem gegen starke feindliche Panzerkräfte geführten W a l d g e f e ch t, das einen für die deutschen Truppen günstigen Verlauf nahm. In den Kämpfen auf der Halbinsel Kertsch und im Raum von Charkow haben die Bolsche­wisten in den letzten 13 Kampftagen allein 959 Pan­zer verloren.

Oer Wehrmachiberichi.

DNB. Aus dem Führerhauplquartier, 21. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Raum von Charkow dauert die Schlacht an. Bon starken Panzerkräflen unterstützte Angriffe des Gegners scheiterten unter schwersten Verlusten. Weitere 63 feindliche Panzerkamps- wagen wurden vernichtet. Die Luftwaffe griff mit starken Kräften und großem Erfolg in die Erdkämpfe ein.

Auch im Raum südostwärts des Ilmensees wurden feindliche Angriffe verlustreich abgewiesen.

Die 9. Flakdivision vernichtete in den Kämpfen im Raum um Charkow bis zum 20. Mai 10 7 feindliche Panzer. Das Flak- regiment 91 erzielte im Osten seinen 101., die 1. Abteilung des Flakregiments 12 ihren 10 0. Panzerabschuß.

Auf Malta wurden Flugplätze des Feindes bei Tag und Nacht mit Bomben belegt.

Vor der Südostküste Englands beschä­digten leichte Kampfflugzeuge am Tage ein Han­delsschiff mittlerer Größe.

3n der Zeit vom 11. bis 20.Mai verlor die britische Luftwaffe 15 1 Flugzeuge, davon 36 über dem Mitlelmeer und in No rdasrika. Während der gleichen Zeit gingen im Kampf gegen Großbritannien 42 eigene Flugzeuge verloren. Leutnant R e i ch w a l d schoß am 18. Mai mit einem schweren Flakgeschütz in wenigen Minuten sechs angreifende sowjetische Panzer ab und er­zielte damit im Ostfeldzug seinen 27. Panzerab­schuh.

Brennpunkte des Kampfes auf Kertsch.

Berlin, 21. Mai. (DNB.) Nach dem siegreichen Abschluß der Kämpfe auf der Halbinsel Kertsch wer­den versprengte Reste des geschlagenen Feindes aus dem zerklüfteten Felsgelände, aus Höhlen und Stein­brüchen herausgeholt.

Schritt für Schritt mußte sich die deutsche Infan­terie gegen das Hüttenwerk Woykow, wo sich der Feind tagelang in jedem einzelnen Haus bis zum äußersten verteidigte, vorkämpfen, bis schließ­lich der Feind resttos vernichtet war. 4000 Gefan­gene und 1800 Tote verlor der Gegner auf diesem einen Kampfplatz. Aus den weiträumigen und teil­weise unterirdischen Werksanlagen wurden bei der Säuberung immer noch versprengte Reste des Fein­des ausgehoben.

Noch schwerer waren die blutigen Verluste des Gegners beim Fort Ienikale, wo sich 3000 tote Bolschewisten auftürmten. Der Kampf um dieses Fort wurde deshalb so erbittert geführt, weil sich an dieser Stelle für den Feind die letzte Möglichkeit zu einer Einschiffung bot und daher die Kommissare den Befehl gegeben hatten, das Fort um jeden Preis zu halten. Aber auch dieser Widerstand wurde in schweren Kämpfen gebrochen und schließlich das Fort genommen. Außer 3000 Toten verlor der Feind hier 5440 Gefangene.

Alpenländische Gebirgstruppen an der Murmansk-Front.

Berlin, 21. Mai. (DNB.) Gleichzeitig mit ihren wiederholten Angriffen gegen die Stellungen der deutsch-finnischen Truppen an der Lappland­front führten die Bolschewisten vom 26. 4. an auch mit starken Kräften umfassende Angriffe gegen

im Raum von Charkow

alpenländische Gebirgstruppen der Murmansksront. Der Gegner hatte insgesamt 37 Bataillone mit zahlreicher Artillerie und sonstigen schweren Waffen zusammengezogen und führte vom 28.4. bis 13.5. 129 VorsAße in Bataillonsstärke und darüber. Während an der übrigen Ostfront zu dieser Zeit bereits Tauwetter herrschte, war an der Murmansk­front noch tiefer Winter. Die Kämpfe voll­zogen sich bei eisiger Kälte und anhaltenden Schnee­stürmen von ungewöhnlicher Heftigkeit. Auf der Südslanke schlugen die deutschen Sicherungen 67 feindliche Angriffe ab. Währenddessen landete der Gegner in der Nordflanke eine Marinebrigade. Die dort stehenden Sicherungen wichen zunächst aus, um dann in schneidigen Gegenstößen die bolschewisti­schen Truppen am 14. und 15.5. zu werfen und das örtlich aufgegebene Gelände wieder in vollem Umfange in Besitz zu nehmen. Die Bolschewisten haben im hohen Norden Ende April und in der ersten Maihälfte 20000 Tote verloren.

Oie Abwehrkämpfe am Gwir.

H e l s i n k i, 21. Mai. (DNB.) In einem finnischen Frontbericht über die unter hohen Verlusten zu- sarnmengebrochene zweite Offensive der Bolschewisten gegen die finnischen Stellungen im Abschnitt Kiestinki Louhi wird die ausgezeichnete Zusammenarbeit der finnischen und deutschen Ver­bände bei jenen harten Abwehrkämpfen gewürdigt. Nach der mißlungenen ersten Offensive am Swir zogen die Bolschewisten ihre während des Winters zuGardedivisionen" und Schneeschuhregimentern zusammengestellten Verbände bei Louhi zusammen. Darunter befanden sich Reservisten, Halbinvaliden, die eben aus den Lazaretten entlassen waren, und Reste der in früheren Kämpfen zerschlagenen Ein­heiten. Aber hinter der Front standen die Politruks mit ihren Spezialtrupps und trieben die geschlage­nen ungeordneten Reste immer von neuem bis zum völligen Verbluten zum Angriff. Die wenigen, die sich dann zurückretteten, erhielten reichlich Wodka und wurden darauf wieder ins Feuer geschickt.

Neben der Zähigkeit und Kaltblütigkeit der Finnen wird in dem Frontbericht der Anteil der deutschen Waffenbrüder besonders herausgestellt. Bei den Gegenstößen zeigten die Deutschen einen wahrhaft hervorragenden Angriffsgeist, nie erlah­mende Zähigkeit und einzigartigen Heldenmut. Ueberall zerschlugen sie den Feind, selbst in den Stellungen, deren er sich für einen Augenblick be­mächtigt hatte.

Das Ritterkreuz nachträglich verliehen.

Berlin, 21. Mai. Der Führer verlieh nach­träglich das Ritterkreuz an den im Westfeldzug ge­fallenen Oberleutnant Einhard Malguth, Ad­jutant in einem Panzerregiment. Mit großem Schneid erkämpfte er die Seinebrücke südlich Mar- cilly, überrannte den zurückflutenden Gegner und nahm Romilly durch Handstreich. In rastlosem wei­teren Dorstoßen bildete er einen Brückenkopf und ermöglichte dadurch feiner Panzerdivision den schnellen Uebergang über den zäh verteidigten Seine-Abschnitt. Mit der nachträglichen Verleihung an den am 15. 6.1940 gefallenen Oberleutnant fin­den seine hervorragenden Waffentaten ihre Aner­kennung.

Das Staatsbegräbnis für General von Lohberg.

General von Loßberg, der erfolgreiche Feldherr des Weltkrieges, ist am Donnerstagnachmittag in Altenkrempe bei gesetzt worden, nachdem vorher i n Lübeck, feiner zweiten Heimat, auf Anordnung des Führers ein Staatsakt stattgefunden hatte. Auf dem Kasexnenhofe waren Lübecker Truppenteile in Paradeaufstellung angetreten. Als Vertreter des Führers war Generaloberst Fromm erschienen, in seiner Begleitung der stellv. Kommandierende Gene­ral des X. Armeekorps, der Kommandierende Admi­ral der Marinestation der Ostsee, der Kommandie­rende General im Luftgau XI, Reichsstatthalter Hildebrand, sowie Reichskriegerführer General der Infanterie a. D. Reinhardt.

Nach den Klängen eines Trauermarsches gedachte Generaloberst Fromm der Verdienste des Verewig­ten.Wer als Jüngerer", so sagte er, daß Glück und die Ehre hatte, den Verstorbenen kennenzulernen, dem prägte sich beim ersten Blick der Eindruck einer ganz überragenden, fest in sich ruhenden Persönlich­keit ein, eines bedeutenden Mannes voll Klugheit und Kraft, eines Mannes, der aus Eigenem sich seine hohen Ziele setzte und immer tapfer gerade­aus marschierte. So stürmte er vorwärts mit dem XIII. Korps tief nach Frankreich hinein und kämpfte mit ihm auch im Osten. Die Herbstschlacht in der Champagne hat der Verstorbene durch seinen klugen Rat zum Siege führen helfen. Der Orden Pour

le merite und dann für einen Generalstabschef ganz ungewohnt das Eichenlaub dazu, zeigen, wie hoch feine Leistungen anerkannt wurden. Auf feinen Schultern hat Deutschlands Schlachtenglück sehr oft gelegen. Des Krieges unverdienter Ausgang traf ihn schwer. Er hat weiter gekämpft. Er schützte Schlesien vor den Polen und stand an der bluten­den West grenze im Kampf gegen Franzosen und Separatisten. Und als der Kampf nach außen ver­boten war, nahm er den Kampf auf anderen Wegen für Deutschlands neues Blühen auf, an das zu glauben er nicht aufgehört." Darauf legte General­oberst Fromm den Kranz des Führers zu Füßen des Sarges nieder. Die Fahnen senkten sich; das Lied vom guten Kameraden erklang, und donnernd hallten die Salutschüsse einer Batterie.

Kleine politische Nachrichten.

Ein in der Nähe der amerikanischen Küste operie­rendes italienisches U-Boot versenkte einen unter voller Ladung fahrenden 12 000-BRT.-Tanker und einen 10 000-Tonnen-Dampfer, ein anderes U-Boot einen 7000-BRT.-Dampfer.

*

In Sutschou (Provinz Kiangsu) wurden von der japanischen Militärpolizei acht Mitglieder einer Ter­rororganisation verhaftet und ein großes Lager von Sprengstoff, Handgranaten und Handfeuerwaf­fen beschlagnahmt. Die Verhafteten sind zahlreicher Sabotageakte gegen die japanische Besatzungsmacht überführt worden.

*

*

Reichsminister Rosenberg weilte zu einem kurzen Besuch in Dorpat. Er suchte namentlich die während des Krieges zerstörten Stadtteile auf und besuchte die Hochschule.

Der Reichsminister der Finanzen hat die Frist für die Einbringung des Antrages auf Berücksichtigung besonderer Verhältnisse und die Frist für die Ent­richtung der ersten Vorauszahlung auf den Ge­winnabführungsbetrag vom 1. Juni auf den 20. Juni 1942 verlegt.

*

Der Führer hat dem Hochschulprofessor Hofrat Dr. h. c. Joseph-Maria Eder in Wien aus Anlaß der 50. Wiederkehr des Tages seiner Ernennung zum Hochschulprofessor in Würdigung seiner Ver­dienste um die wissenschaftliche und technische Photo­graphie die Goethe-MÄaille für Kunst und Wissen­schaft verliehen.

Der bolivianische Wirtschaftsminister wird zu Wirtschaftsverhandlungen nach den USA. reifen. Es soll über einen USA-Kredit für Bolivien und eineErschließungsgesellschaft" (Development Cor­poration) verhandelt werden. Vor allem ist die Er­schließung der Mineralschätze und die Verbesserung der Verkehrseinrichtungen in Bolivien geplant

Kunst und Wisienfchast.

Wilhelm Backhaus spielte in Madrid.

Der deutsche Pianist Wilhelm Backhaus gab in der Gesellschaft für musikalische Kultur in Madrid ein Konzert mit Werken von Albeniz und Chopin. ÄBC." schreibt in seiner Krittk:Von all den Künstlern, die in dieser Spielzeit Gäste unserer Gesellschaft wären, ist Backhaus der größte. Er ist der berufene Interpret unserer alten Meister, die durch seine Kunst aufs neue vor uns erscheinen."

Die zeitgenössische Oper.

In Wien sprach Werner Egk über die zeitge­nössische Oper. Er ging zunächst auf die Musikent­wicklung seit dem Anfang unseres Jahrhunderts ein, die mit der atonalen Musik zu einem Abschluß des Zersetzungsvrozesses überkommener Formen ge­führt hat. Die Anbahnung einer neuen Kunst wen­dete sich von der Betonung des Psychologischen und Psychoanalytischen ab zum Seelischen, vom indivi­duellen Einzelfall zum allgemeingültigen. An einem statistischen Querschnitt zeigte Egk, wie gering die zeitgenössische Produktion im Verhältnis zu der Opernmusik der Klassik, Romantik und jüngsten Vergangenheit im Spielplan vertreten ist, und wies die Wichtigkeit nach, dem Schaffen der jüngeren Ge­neration auf der Opernbühne erhöhte Beachtung zu schenken, damit die Opernkunst nicht völlig dem aktuellen Interesse entrückt werde.

Der Pianist Max Nahrath gefallen.

An der Ostfront ist der Pianist Max Nahrath ge­fallen, her unter den Nachwuchsspielern seines Faches sich bereits einen geachteten Namen er­worben und sich besonders für neu^ Musik einge­setzt hatte.

Hauptschriftletter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des HauprichristleiterS: Ernst Blumschetn. Verantwortlich für Politti und Silber: Dr. Fr. $B. Lange: für bas Feuilleton: Dr. Hans Thyrtot; für Stadl Gießen, Provinz. Wirtschaft und Sport: Ernst Blumschein.

Truck und Berlaa: Brühlsche Universitatsdruckeret R. Lange ft. G. Berlagsletter: Tr.-Ing. Erich Hamann: Anzeigenleiter: Hans Beck.

Anzeigenpreisliste Nr. 6.

Warnung aus Stendal

Roman von A. Lothar Philipp

36. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Wer nach Begehung eines Verbrechens oder Vergehens dem Täter oder. Teilnehmer wissentlich Beistand leistet, um denselben der Bestrafung zu entziehen ober um ihm die Vorteile des Verbrechens oder Vergehens zu sichern, ist wegen Begünstigung mit Geldstrafe oder mit Gefängnis bis zu einem Jahre und wenn er diesen Beistand feines Vorteils wegen leistet, mit Gefängnis zu bestrafen." Krähe hatte mit geschlossenen Augen den Text des Para­graphen heruntergeleiert, so, wie er ihn sich da­mals eingeprägt hatte, als er seine Sekretärprüfung gemacht hatte.

.Haben Sie das verstanden?" fragte er sie dann.

Kein Wort", stammelte sie.

Liebe Frau, das ist doch so klar wie--klare

Suppe mit Einlage. Wenn Sie jetzt hinausgehen und sich erkundigen, was geschehen ist, und es dann Fräulein Norodna mitteilen, so machen Sie sich einer Begünstigung schuldig und kommen in den Bunker"

3n was komme ich?" fragte sie schüchtern.

In den Bunker. Nun verschwinden Sie." Er gab ihr den Weg frei und sie war froh, diesem unheim- lichen Manne entronnen zu fein.

Dann baute sich Krähe, auf seinen Schirm ge- stützt, vor der Tür auf und antwortete auf feine einzige Frage mehr, die Irene an ihn stellte.

Im Zimmer des Direktors faß Lanos mit ent­blößtem Oberkörper auf einem Stuhl, der Arzt stand vor ihm und machte ihm einen Verband um den linken Oberarm. Die Kugel hatte den Oberarm ziemlich an der Schulter getroffen und es war gelungen, sie herauszuziehen, was heftige Schmer­

zen verursacht hatte; Lanos ertrug/ sie mit großem Gleichmut.

Am Schreibttsch saß Wenig und schüttelte den Kopf.

Sie habe ich mir ganz anders vvrgestellt", sagte er,aber wissen möchte ich doch, was Sie ausge­rechnet heute im Eispalast suchten."

Lanos versuchte, die Achseln zu zucken, verzog dabei aber das Gesicht vor Schmerz.

Nichts besonderes", gab er zur Antwort.

Aber Sie müssen doch einen Grund gehabt haben, ausgerechnet zu dieser Vorstellung hinter der Bühne Aufstellung zu nehmen"

Ich kannte die Willis und ich kannte Irene. Ist es so erstaunlich, wenn ich mich über ihre Fort­schritte vergewissern möchte."

Erstaunlich schon, wenn man wegen Mordes gesucht wird. Sie mußten doch damit rechnen, ver­haftet zu werden."

Ichtemem", rief Lanos aus,was kommen soll, das kommt. Ich wäre heute sicher auch in Hamburg verhaftet worden."

Sie sind Fatalist, wie ich sehe. Als Fatalist dürften Sie eigentlich auch nicht leugnen, wenn ich Sie etwas frage."

Bitte, fragen Sie."

Doktor, wie weit sind Sie?" wandte sich der Kriminalrat an den Arzt.

Fertig, Herr Kriminalrat. Wenn Herr Lanos in Haft genommen wird, so wird es gut sein, ihn zunächst ins Gefängnislazarett zu bringen. Denn er muß beobachtet werden und braucht noch Pflege."

Ja, ich werde das veranlassen."

Dann kann ich mich jetzt verabschieden. Guten Abend, Herr Kriminalrat."

Wenig begleitete ihn bis zur Tür. Dann trat er zu Lanos, der sich bemühte, sich seine Jacke umzu- hängen. Wenig half ihm dabei.

Wie ist es, haben Sie den Mord begangen ober nicht?"

Ich habe keinen Mord begangen", gab Lanos zur Antwort.

Wer denn?"

Lanos antwortete nicht.

Ich werde Sie der Norodna gegenüberstellen"

Ja, wollen Sie sie denn verhaften?" fuhr Lanos auf,warum denn zum Teufel?"

Wegen Mordversuches, Herr Lanos, Sie wollen mir doch nicht einreden, daß das" er zeigte auf den Verbandein Zufall ober ein Versehen war?!"

Warum denn nicht? Sie war nervös, ich sah es deutlich, schon während des ganzen Auftritts. Es war verständlich. Vielleicht hat sie mich gar nicht erkannt"

Und wenn sie Sie erkannte?"

Dann ist es noch verzeihlicher, wenn sie durch mein plötzliches Austauchen verwirrt wurde. Nein, lassen Sie das arme Kind frei"

Wenn ich sie nicht wegen dieses Mordversuches verhaften würde, Herr Lanos, so würde ich sie wegen des Verdachts der Beihilfe an der Ermor­dung des Barthold verhaften. Ich habe nämlich so meine Feststellungen getroffen, und dadurch erscheint sie sehr belastet."

Lanos sah zur Erde und schwieg.

Nach einigen Minuten hob er den Kopf und sah Wenig an.

Würden Sie sie freilassen, wenn ich Ihnen die Wahrheit sagen würde?" fragte er.

Der Kriminalrat ging im Zimmer auf und ab.

Die Wahrheit, Herr Lanos, ist ein kostbares Ding, das nicht jo eingehandelt werden kann. Sagen Sie die Wahrheit, aber ich kann mich zu nichts ver­pflichten. Sie sehen, ich bin offen zu Ihnen."

Und ich danke Ihnen dafür. Ich habe Barthold getötet

Wenig war vor ihm stehen geblieben.

Warum?" fragte er ganz sachlich.

Er kam zu mir und wollte mich ermorden. Und in der Notwehr tötete ich ihn und floh dann. Das ist alles." Lanos jagte dies mit zu Boden gesenktem Kopfs.

Warum lügt der Mann? fragte sich Wenig. Lügt er, um Irene zu entlasten? Unmöglich wollte Barthold Lanos töten, nachdem er uns erst gewarnt hat und selber zu ihm ging, um davon bin ich überzeugt ihn zu warnen. Warum? Wirklich nur, um Irene zu entlasten? Oder hatte er noch andere Gründe?

Nun?" fragte Lanos,glauben Sie mir nicht?"

Nein, wenn ich offen sein soll, denn ich habe ganz andere Informattvnen"

Welche?"

Die werde ich Ihnen nicht auf die Nase binden. Ihr Geständnis ist falsch, Herr Lanos. Gehen Sie in sich und denken Sie sich ein anderes aus. Und jetzt wollen wir gehen. Kommen Sie."

In zwei Autodroschken fuhren sie zum Alexander- platz. In der einen saß Krähe mit der Norodna, in der anderen Wenig mit Lanos.

Etwa zur selben Zeit, da sie eingeliefert wurden, Irene in bas Frauenpolizeigefängnis, Lanos in bas Gefängnislazarett, begann ber Auftritt Elisabeth Perlings, umtost von bem Beifall ber Zuschauer, bestrahlt im Lichte der Scheinwerfer und begrüßt von rauschenden Akkorden ber Kapelle.

11.

Am nächsten Tage ging Kriminalrat Wenig daran, die beiden Verhafteten zu vernehmen, um seinen Bericht an bie Staatsanwaltschaft fertig zu machen und eine rasche Aburteilung zu ermöglichen.

Wen sollen wir zuerst vernehmen, Krähe?" fragte er feinen Sekretär.

,Äch denke, mir vernehmen erst die Norodna und dann den Lanos. Sie ist das große UeM, je eher daran, desto eher davon."

Na schön, Krähe, dann machen Sie sich fertig, wir wollen ins Lazarett gehen und Lanos ver­nehmen", lachte der Kriminalrat und setzte sich feinen Hut auf.

(Fortsetzung folgt)