Minister General Tojo, dem Chef des japanischen Generalstabes, General Suyiama u. a. Der Führer hat seinen Dank für ihre guten Wünsche telegraphisch ausgesprochen.
Ein Lazarettzug für die Ostfront.
Am Geburtstage des Führers übergab Staatspräsident Dr. Hacha dem stellvertretenden Reichsprotektor ^-Obergruppenführer Heydrich auf dem Prager Hauptbahnhof einen vollständig eingerichteten Lazarettzug für die deutsche Wehrmacht als G e - burtstagsgeschenk der Bevölkerung von Böhmen und Mähren. Der Zug bestehl aus 28 Waggons modernster Bauart, in denen 280 Verwundete Aufnahme finden können. Der besonders sorgfältig gefederte Operationswagen enthält Glaskästen mit den chirurgischen Instrumenten, Operationstische und Desinfektionsapparate. Der Zug
wird in den nächsten Tagen an die Ostfront abrollen.
Lustfeldpostoienst für die Ostfront.
In nächster Zeit werden eilige Nachrichten zwischen Heimat und Ostfront durch den Luftfeldpostdienst befördert. Zugelassen sind gewöhnliche Postkarten und Briefe bis zum Höchstgewicht von 10 Gramm, die in der rechten oberen Ecke mit einer Luftfeldpostmarke zu versehen fink Die Luft- feldpostsenüungen sind an die gewohnte Feldpostanschrift zu richten und müssen den farbig unterstrichenen Vermerk „Luftfeldpost" sowie ein rotes Kreuz quer über die Anschriftseite tragen. Die Luft- felÄpostmarken werben der Heimat durch ihre Angehörigen an der Front zugeschickt, sie sind nicht durch die Post erhälllich.
Durch überschwemmtes Gelände zum Angriffsziel
Berlin, 21. April. (DNB.) Im Nordabschnitt der Ostfront wurden deutsche Angriffe durch überschwemmtes und von hochangeschwollenen Bächen durchzogenes Gelände fortgesetzt. Die nun schon seit etwa vier Wochen andauernden Kämpfe begannen bei starker Kälte in knietiefem Schnee und wurden fortaesetzt in einem Kampfgelände, wo das Schmelzwasser die Schützenlöcher anfüllte, und bei Temperaturen, die die am Tag völlig durchnäßten Uniformen im Nachtfrost am Körper gefrieren ließen. Infanterie drang durch bru st hohes Wasser zu ihrem Angriffsziel vor, drang durch eine stark ausaedaute feindliche Stellung hindurch, schlug die Boljchewisten aus einem Waldstück heraus und warf den sich zäh verteidigenden Feind noch weiter zurück. Dann hielten die deutschen Truppen die neu gewonnenen Stellungen gegen alle Gegenangriffe, die mit starker Artillerie und Panzerunterstützung oorgetragen wurden. Fünf Panzer wurden abge- schossen.
Im mittleren Abschnitt der Ostfront waren zwei schwer angeschlagene bolschewistische Panzer zwischen den Stellungen liegen geblieben, ein durch Flammenwerfer verstärkter deutscher Stoßtrupp verließ kurz nach Mitternacht den vorgeschobenen deutschen Stützpunkt und arbeitete sich im Kampsgelände über ein aufgeweichtes, abgeerntetes Kohlfeld vor. Es half nichts, daß sich die Soldaten die Stiefelschäfte mit Zeltbahnen umwickelt hatten. In einer Talsenke waren die Granattrichter von Schlamm und Wasser gefüllt. BiszumHalseimWasser verharrten die Soldaten unbeweglich im eiskalten Schlamm. Sie halfen sich bann gegenseitig aus den Schlammlöchern heraus und brachen vor. Während die Besatzung des einen Panzers von dem Flammenwerfer in Schach gehalten wurde, griff der Stoßtrupp Turm und Gleisketten des zweiten Panzers mit Sprengladungen an. Eine Sprengladung riß den Panzer so weit auf, daß eine weitere Ladung hineingesteckt werden konnte, die den Panzer mitsamt seiner Besatzung zerriß. Bei dem ersten von Flammenwerfern bekämpften Panzer hatten Schmieröl und Kraftstoff Feuer gefangen. Als die Besatzung die Turmluke öffnete, um zu fliehen, wurde sie durch Handgranaten erledigt.
Oer Wehrmachtbericht.
DNB. Aus dem Aührerhauptquartier, 21. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m mittleren Abschnitt der O st front wurde eine eingeschlossene schwächere Kräftegruppe des Gegners vernichtet. Bei eigenen Angriffs- und Stoßtruppunternehmen im nördlich en Front- a b s ch n i 11 wurden mehrere Ortschaften genommen, feindliche Kampfanlagen zerstört und zahlreiche Waffen erbeutet Sturzkampfflieger zerstörten in kühnen Angriffen eine Anzahl von Brücken, die für den feindlichen Nachschub von Bedeutung waren.
Die Wiener 4 4. Infanteriedivision hat in wochenlangen schweren Kämpfen überlegene feindliche Kräfte erfolgreich abgewehrt und den Sowjets hohe Verluste an Menschen und Material zugefügt.
In Nordafrika wurde ein Vorstoß britischer Aufklärungskräfte im Gebiet von Ain-el-Gazala durch Artilleriefeuer zum Stehen gebracht.
Starke Kampf- und Jagdfliegerverbäuds setzten die rollenden Angriffe auf militärische Anlagen und Flugplätze der Insel Malta mit vernichtender Wirkung fort. Im Seegebiet um Malta und in Nordafrika schossen deutsche Jäger sechs britische Flugzeuge ab und zerstörten fünf weitere am Boden.
Leichte deutsche Kampfflugzeuge griffen am gestri
gen Tage Lisenbahnanlagen an der englischen Südküste mit Bomben und Bordwaffen an.
Ein einzelnes britisches Flugzeug, das in der letzten Nacht einen Störflug in das Reichsgebiet unternahm, wurde in Süddeutschland zum Absturz gebracht.
Hauptmann I h l e f e l d errang gestern an der Ostfront seinen 89. bis 95., Oberleutnant Geiß- Hardt der gleichen Jagdstaffel seinen 52. bis 56. Lustsieg.
Vas Ritterkreuz.
Berlin, 21. April. (DNB.) Der Führer verlieh das Rtterkreuz des Eisernen Kreuzes an Major Hoffmann, Bataillonskommandeur in einem Infanterie-Regiment, und Rittmeister Mahnken, Kommandeur einer Aufklärungsabteilung. Major Hoffmann hat wesentlichen Anteil an der Einkesselung und Vernichtung einer starken Gruppe des Feindes an der Wolchowfront. Es gelang ihm trotz hohen Schnees und erbitterter Abwehr ein Wegekreuz zu besetzen, einen Anmarschweg zu sperren, und dadurch die Voraussetzung für die Einkesselung des Gegners zu schaffen. Rittm. Mahnken kämpfte mit seiner Aufklärungsabteilung, völlig auf sich allein gestellt, sieben Wock-en lang in einem Raum von 60 Quadratkilometer mit dem Auftrag, in der offenen Flanke eines Armeekorps aufzurlären und zu sichern. Er verstand es, weit überlegene Kräfte des Gegners auf sich zu ziehen und zu binden.
Ein Lusttransportführer erhielt das Ritterkreuz.
Berlin, 21. April. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberst Morzik, Kommodore und Lufttransportführer. Er hat bereits im Polenfeldzug Nachschubflüge für die kämpfende Truppe und Truppentransporte erfolgreich durchgeführt. An der Besetzung Dänemarks und der Eroberung Norwegens war Oberst Morzik maßgebend beteiligt. Das reibungslose Gelingen des Unternehmens auf Rotterdam ist durch den planmäßigen Ablauf der ersten entschei- denden Stunden in der Hauptsache sein Verdienst gewesen. Bei Durchführung der Nachschubaufgaben in Belgien und Frankreich hat er sich in erheblich gefährdeten Räumen und auf weit vorgeschobenen Plätzen ausgezeichnet. Stets leitete er persönlich den Einsatz der Truppen an den verschiedensten Fronten, sei es in Afrika, Italien, Griechenland oder der Sowjetunion.
Kleine politische Nachrichten.
NSG. Auf Einladung von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger sprach der Staatssekretär im Reichsfinanzministerium, Reinhardt, vor dem Führerkorps der Partei sowie vor Vertretern des Staates, der Wehrmacht und der rhein-mainischen Wirtschaft über die Finanzkraft des Reiches im Kriege.
Der Sender Belgrad, der durch feine täglichen Sendungen des Jungen Wachtpostens sowie das Lied von „Lilli Marlen" große Beliebtheit erworben hat, konnte nach einem Jahr erfolgreicher Tätigkeit dem Führer zum Geburtstag als Geschenk eine halbe Million Reichsmark einsenden, mit der Bitte, diesen Betrag nach eigenem Ermessen für die Soldaten an der Front und ihre Angehörigen verwenden zu wollen.
Premierminister E u r t i n gab bekannt, daß d e r australische Zerstörer „Vampir e" in der Bucht von Bengalen verlorenging. Der Zerstörer,
Erbitterte Kämpfe in Burma.
Tokio, 21. April. (Eurckpapreß.) Ueber die Kämpfe der japanischen Truppen in Nordburma bewahrt die japanische Heeresleitung nach wie vor Stillschweigen, um der feindlichen Führung keine Informationen zu geben. Es erscheinen jedoch in den japanischen Tageszeitungen Berichte, die keinen Zweifel lassen, daß die Kämpfe erbittert sind. So schildert „Asahi" ein Gefecht einer nördlich von Rangun vorstoßenden japanischen Abteilung, die sich plötzlich einem übermächtigen Feinde gegenübersah, welcher etwa 150 Kampfwagen einsetzte. Die Japaner legten, nachdem sie den Ansturm des Feindes zurückgejchlagen hatten, einen Hinterhalt. „Wir bemerkten am nächsten Morgen früh", so heißt es in dem Bericht, „wie der Feind, geführt von einer starken Spitze von Tanks, sich näherte. Wir warteten, bis die Tanks auf 50 Meter herangekornmen waren und griffen sie dann mit benzingefüllten Flaschen an. Die Schlacht, in der der Feind sich mit der Wildheit eines gestellten Raubtieres verteidigte, dauerte den ganzen Tag und die Nacht an, bis die japanische Abteilung den Feind völlig aufgerieben hatte."
Eine andere Episode schildert „Nichi Nichi". Die langsam zurückweichenden Tschungking-Truppen hatten ihre letzte Stellung in einer von einer starken Mauer umgebenen burmanischen Stadt eingenommen. Es gelang aber, eine Bresche zu schlagen. Das Gelände vor der Mauer wurde von einem feind- lischen Maschinengewehr bestrichen. Es wurden freiwillige Sturmabteilungen gebildet, die den letzten Ansprung über freies Feld machen sollten. Dank der Unaufmerksamkeit des Feindes gelang es, eine Sprengung vorzunehmen, doch war die Bresche nicht groß genug. Es galt also, angesichts des nun aufmerksam gewordenen Gegners nochmals Sprengstoff in die Bresche zu bringen. Kaum war ein zweiter Trupp vorgesprungen, als das feindliche Feuer in dichten Garben die Männer niederriß.
Trotzdem erhob sich der Gefreite Ueda, blutüber» strömt, noch einmal und schleuderte seine Sprengstoffladungen in die Bresche. Er brach zusammen und über ihn fiel ein Trümmerregen der gesprengten Mauer. Ehe noch der Rauch sich verzogen hatte, waren die japanischen Truppen in die Stadt em gedrungen.
Tschungkings Gorge um den Nachschub.
Bangkok, 21. April. (Europapreß.) Die Sperrung der Burma-Straße durch die Japaner hat Tschungking bereits in kurzer Zeit in eine so schwierige Lage gebracht, daß es verzweifelt nach einem Ausweg aus dieser höchst bedenklichen Situation sucht. Tschungking versucht dabei auf Methoden zurückzugreifen, die vor Hunderten von Jahren im Verkehrsleben Jnnerasiens angewandt wurden. Man beabsichtigt, über das ganze Land ein Netz von Karawanen st raßen zu ziehen. Mit Fuhrwerken und Karren aller Art, die von liergefpannen gezogen werden, will man versuchen, den für Tschungking lebensnotwendigen Nachschub aufrechtzuerhalten. Wie problematisch allerdings dieser Versuch ist, geht daraus hervor, daß die Tagesstrecke eines solchen Fahrzeuges nur 20 Kilometer beträgt. Schließlich will man auch Kamele für diesen Nachschub einsetzen und Karawanen aus Kulis zusammenstellen. Größte Sorge macht den Behörden von Tschungking jedoch Unterkunft und Verpflegung für Menschen und Tiere. Unter diesen Umständen erscheint es mehr als fraglich, inwieweit Tschungking mit derartig mittelalterlichen Methoden in der Lage ist, den Anforderungen eines modernen Krieges gerecht zu werden.
der im Geleitdienft eingesetzt war, hatte 1090 t. Er war mit vier 10,2-cm-Geschützen und sechs Torpedorohren bestückt. Die Besatzung bestand aus 134 Mann.
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Stafford Cripps, der auf dem Flug nach London sich am Montag in Lissabon aufhielt, wurde zufammen mit dem englischen Botschafter in Lissabon, Ronald Campbell, vom portugiesischen Ministerpräsidenten S a l a z a r zu einer Unterredung empfangen. Cripps setzte seine Reise noch am gleichen Abend fort. Am Dienstag traf er in London ein.
Oie Londoner Beratungen.
L i f s a b o n, 21. April. (Europapreß.) Der USA.- Generalftabschef General Marshall äußerte sich Pressevertretern gegenüber nach seiner Besprechung mit Roosevelt höchst vorsichtig und zurückhaltend über seine Londoner Besprechungen. Die in London erzielten Resultate seien „befriedigend". Roosevelts Agent Harry Hopkins erklärte der Presse, ein sehr großes Maß von Frachtraum sei erforderlich, um die Sowjets, China und Australien mit dem versprochenen Material zu beliefern. Es fei unbedingt notwendig, alle verfügbaren Schiffe so gut wie nur irgend möglich zu verwenden. Weiter sagte er: „Unsere Feinde dürfen nicht unterschätzt werden: wir müssen alles anwenden, was wir besitzen.
Der Erste Seelord der britischen Admiralität, Admiral Sir Dudley Pound, traf zusammen mit mit General Marshall in Washington ein. Sir Dudley Pound nahm seinerzeit an dem Atlantiktreffen zwischen Roosevelt und Churchill im Jahre 1941 reit. Es ist noch nicht bekannt, wie lange er sich in den Vereinigten Staaten aufhalten wird.
Oie japanischen Siedler in Brasilien.
Tokio, 21. April. (DNB.) Der frühere Geschäftsführer der japanisch-brasilianischen Gesellschaft Motanao O n o erklärte zu den Meldungen, wonach die brasilianische Regierung alle Privilegien der japanischen Farmer im Amazonas- gebiet für ungültig erklären will, daß das Ama» zonasgebiet bis zur Ankunft der japanischen Siedler völlig unerschlossen war. Im Kamps gegen die Malaria und die Tücken des Dschungels hätten 3000 japanische Siedler nur durch die Arbeit ihrer Hände die Wildnis in ein fruchtbares, für den Anbau von Reis, Gummibäumen 'unb Baumwolle geeignetes Land verwcmdelt. Die von der Amazonas-Jndustrie- Gesellschaft, einer japanischen Gründung, gezüchtete Jute habe dazu beigetragen, die riesigen Summen zu vermindern, die Brasilien für die Einfuhr dieser
Faser aus Indien zur Herstellung von Kaffeesäcken ausgeben mußte. Motonao erklärte, falls die brasilianische Regierung wider alle Vernunft sich zum Vorgehen gegen diese Siedler entschlösse, denen dankbar zu sein sie alle Ursache habe, stehe außer allem Zweifel, daß Japan eine solche Handlungsweise als unfreundlichen Akt ansehen und daraus seine notwendigen Folgerungen ziehen würde.
Kunst und Wissenschaft.,
Paul Hartmann Präsident der Reichslheaterkammer.
Der Präsident der Reichstheaterkammer, Ludwig Körner, wurde auf seinen Wunsch von feinem Amte und den damit in Zusammenhang stehenden Aufträgen entbunden, da er sich nach vierjähriger Tätigkeit als Präsident der Reichstheaterkammer wieder der praktischen Arbeit des Theaters widmen will. Der Präsident der Reichskulturkammer, Reichs- Minister Dr. Goebbels, hat den Staatsschauspieler Paul Hartmann zum Präsidenten der Neichstheaterkammer ernannt.
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Paul H a r t m a n n, am 8. Januar 1889 in Fürth geboren, kam 1914 über Zürich ans Deutsche Theater in Berlin, war von 1926-dis 1934 Mitglied des Wiener Burgtheaters und gehört seit 1934 dem Staatlichen ^chauspielhause in Berlin an. Hartmann, ein Darsteller von hohem künstlerischen Ernst, nobler männlicher Haltung und ungewöhnlicher Sprach- und Spielkultur, ist einer der vornehmsten Repräsentanten des klassischen Helden- und Charakterfaches. Sein Repertoire wäre durch Rollen wie den Ferdinand („Kabale und Liebe"), den Prinzen von Homburg, den Egmont und den Büchner- fchen Danton zu charakterisieren, doch hat man chn auch in modernen Stücken Hervorragendes leisten sehen. In der Provinz wurde Hartmann durch feine Filmrollen („logget"; „Bismarck"; „Ich klage an") bekannt; berühmt wurde in letzter Zeit die Berliner „Faust"-Jnfzenierung mit Hartmann in der Titelrolle und Gründgens als Mephisto. —
Ausbau der Universität Straßburg.
Der Dozent Dr. med. habil. Otto Buffe in Heidelberg ist zum außerordentlichen Professor in der Medizmischen Fakultät der Universität Straßburg unter Uebertragung des Lehrstuhls für Geburtshilfe und Frauenheilkunde ernannt worden. Ferner erhielt der Dozent Dr. Dieter P l e i m e s in Berlin unter Ernennung zum außerordentlichen Professor in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Straßburg den Lehrstuhl für Deutsche Rechtsgeschichte. Außerdem wurde dem Dozenten Dr. Edgar Knapp unter Ernennung zum ordentlichen Professor in der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Straßburg der Lehrstuhl für Genetik übertragen.
Warnung aus Stendal
Roman von A. Lothar Philipp
11. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Die Kantine war um diese Zeit nicht sehr besucht, weil die meisten Artisten noch mit ihren Auftritten beschäftigt waren. Willis suchte sich einen Tisch in der Ecke, von dem aus er die ganze Kantine und auch den Eingang überblicken konnte, nahm sich dann die Abendzeitung vorn Haken und las, während Welt die Linsen bestellte.
„Welt!" sagte Willis plötzlich, „Lanos wird wegen Mordes gesucht. Hier — lies mal —" er reichte ihm die Zeitung hin.
Es war eine amtliche Meldung der Kriminalpolizei, welche Lanos nicht mit klaren Worten des Mordes beschuldigte, aber doch durchblicken ließ, daß sich Lanos durch sein plötzliches Verschwinden sehr verdächtig gemacht habe und daher gesucht werde. Meldungen wurden an die Mordkommission erbeten.
„Lanos!" rief Welt, als er wieder aufblickte, „das hätte ich niemals aedacht. Also deshalb tarn er nicht zu uns an jenem Abend —"
„Wieso? War es denn der gleiche Abend, als wir uns mit ihm bestellten", fragte Willis, dann griff er noch einmal zur Zeitung und warf einen Blick hinein. „Natürlich, am 28. August."
„Nun, wer mit der Kasse durchbrennt und seine Kameraden im Stich läßt, der mag wohl auch einen Menschen ums Leben bringen", meinte jetzt Welt, „ich bedauere es nur, daß er einmal mit uns zusammen genannt wurde. Ich denke, wir müssen uns seiner schämen."
Willis schien erregt zu fein. Er paffte an feiner Zigarette, machte alle Augenblicke die Asche ob, und feine Blicke irrten unruhig durch den Raum.
„Seit er damals verschwunden ist, wissen wir nichts mehr von ihm", sagte er dann leise, mehr zu
sich selbst, ,-und das ist das Auffällige an ihm. Er war ein guter Artist, wie konnte er so spurlos verschwinden? Ich habe mich verschiedentUch bei der Fachschaft nach ihm erkundigt, aber konnte niemals etwas von ihm erfahren."
„Er ist eben ein Lump und Verbrecher geworden, das ist es. Und derlei Leute verstehen es, sich zu verbergen."
Willis sah jetzt den kleinen Petersen hereinkommen. Er schien sehr aufgeregt zu sein und suchte nach allen Seiten, bis er ihnen zuwinkte und sich eilends durch die Tische drängte.
„Eine große Neuigkeit", rief er, „die Sonne ist aufgegangen. Ratet mal, was."
„Wir haben es schon gelesen, Kleiner", sagte Welt, „was sagst du dazu?"
„Was? Stand es in der Zeitung? So wichtig ist sie schon für alle Welt, daß die Zeitungen davon schreiben, wenn sie nach Berlin kommt. Wie wichtig ist sie dann erst für uns?"
„Was meinst du denn?" fragte Willis, „Welt spricht von der Sache mit Lanos —"
„Sache mit Lanos? Was ist denn da los?" Petersen machte große Augen und blickte Willis fragend an.
„Ich dachte, du meinst das. Lanos wird wegen Mordes gesucht. Und der Mord wurde gerade an dem Abend begangen, als wir vergeblich auf dem Imperial-Dachgarten auf Ihn warteten."
Petersen riß Welt die Zeitung weg.
„Donnerwetter", rief er, nachdem er gelesen hatte, „Donnerwetter. Nun ja, es paßt zu diesem Zigeuner. Erst brennt er mit der Kasse durch und dann mordet er. Mich wundert nichts mehr."
Jetzt war es wieder der Kapitän, der sich entschloß, die Dinge so darzustellen, wie sie wirklich waren. Er konnte es nicht leiden, wenn einem anderen in seiner Abwesenheit unrecht getan wurde. Petersen hatte ihn deswegen schon oft ausgelacht.
,/Jm Grunde", sagte er jetzt, „haben wir Lanos manches zu verdanken. Er war es, der uns hoch brachte, er hatte zuerst die Idee von dem musika
lischen Auftritt, der beim Aufziehen des Vorhanges beginnt und bei den drei Verbeugungen endet. Wir verdanken ihm eine Reihe guter Engagements."
Damals, kurz bevor er uns verließ, hat er sich oft mit mir ausgesprochen. Er bat mich mehrmals, ihn aus dem Vertrage zu entlassen. Er fühlte sich, wie er sagte, beengt, er hatte keine Lebenslust mehr, irgend etwas war in ihm, was ihn weitertrieb. Aber ich lehnte es stets ab, weil ich genau wußte, daß er uns fehlen würde. Nun, da ist er eben ohne meine Einwilligung losgegangen. Und daß er die Kasse mitnahm — nun, es war nicht schön, aber im Grunde konnte ich es ihm nicht verdenken. Er besaß keinen Pfennig Geld, wie er mir oft sagte, weil er sich für uns. verausgabt hatte. Er hatte noch Forderungen an uns, die höher waren, als der Inhalt der Kaffe —"
„Und warum hat er die Norodna mitgenommen?" warf Petersen ein, „er hätte sie hier lassen können."
„Er brachte die Norodna zu uns, weil sie feine Schülerin war. Wir wissen nicht, ob er sie nun mitgenommen hat oder ob sie ihm freiwillig folgte. Ich denke manchmal, sie war seine Geliebte —"
„(Beliebte? Gestatte, daß ich höhnisch lächle", sagte Petersen, „dann war sie sehr vielseitig, denn ich hatte auch etwas mit ihr."
„Das will nichts besagen, Kleiner", brummte Welt, „denn mit welcher Frau hast du nichts?"
„Lächerlich. Ich möchte wissen, was dich bewegt, ihn zu entschuldigen, Willis", fuhr Petersen fort, „was wir damals waren, verdanken wir uns und nicht Lanos —"
„Rede keinen Unsinn, Steppke", brummte wieder Welt — und er wußte, daß der Ausdruck Steppke den kleinen Petersen wütend machen konnte, „wo wären wir damals gelandet, wenn wir Lanos nicht gehabt hätten. Er war ein Künstler, und das ist ein wenig mehr als bloß ein Artist."
Willis war erstaunt, in dem großen Welt ein solch feines Abftufungsoermögen zu bemerken. Er jah zu Petersen hinüber, der an seiner Unterlippe
kaute und offenbar eine Gelegenheit suchte, den Großen zu ärgern.
„Dabei entsinne ich mich, daß die Norodna an jenem Abend auf dem Dachgarten eine recht sonderbare Bemerkung über Lanos machte", begann Willis wieder, „sie sagte — vielleicht könnt ihr euch noch daran erinnern — als wir ihr zu verstehen gaben, daß mir auf Lanos warteten: laßt euch die Zeit nicht lang werden —"
,Lg", rief Welt, „das fiel mir auch auf. Vielleicht wußte sie schon, daß er nicht kommen werde? Dann müßte sie doch mit ihm zusammengetroffen fein —"
„Natürlich", Petersen hatte jetzt seine Pointe gefunden, „sie kam gerade von dem Morde, du Hornvieh. So nannte sie dich übrigens immer, Welt, wenn ich mit ihr allein war und sie mir von deinen vergeblichen Bemühungen, ihr zu gefallen, erzählte."
Der Kapitän bemerkte, wie Welt einen roten Kops bekam.
„Reg dich nicht auf, Welt", beruhigte er ihn, „da ist bald mal wieder eine Tracht Prügel fällig."
Jetzt lachte Petersen laut auf.
„Bei der Tracht Prügel fällt mir gerade ein, was ich euch sagen wollte, als ich hereinkam. Wißt ihr, wer hier ist?"
„Hier? Wo?"
„Hier, im Eispalast."
„Elisabeth?" fragte Welt ganz harmlos.
Willis lachte jetzt auch. „Es kann niemand anders sein."
„Edith sagte es mir. Am zehnten ist Jubiläumsvorstellung, da soll Elisabeth in einer Sondernummer auftreten, um dann für Oktober ein Engagement zu erhalten —"
„Ja, hat sie denn jetzt kein Engagement? fragte Willis und verbarg eine leichte Unruhe, indem er sich eine Zigarre umständlich anfteefte.
„Nein, sie pausiert noch in diesem Monat. Sie hat eine Villa im Salzkammergut —*
(Fortsetzung folgt)


