Tag der Universität
(Nachdruck verboten.)
10. Fortsetzung.
Warnung aus Stendal
Roman von A. Lothar Philipp
Chlorodont
müßte In einer gegenüber der Vorkriegszeit wesent* lieh erhöhten Menge hergestellt werden, um alle An» forderungen zu erfüllen. Eine Vergrößerung der Produktion ist aber Im Kriege nicht gut möglich, well die Beschaffung neuer Maschinen und zusätzlicher Arbeitskräfte schwierig ist. Es wird alles getan, um den Handel und die Verbraucher gerecht zu beliefern. Wenn Sie nicht immer Chlorodont erhalten können, so« liegt dieses leider an der zeitbedingten Verknappung aller. Qualitätserzeugnisse.
hintereinander verheiratet, die eine einen „Rechts- anwalt, die andere einen Großkaufmann —"
„Ah", grinste Petersen, ,-ich wußte nicht, daß Sie hier ein Ehevermittlungsbüro unterhalten. Ich dachte immer, es wäre ein Variete —" Und dann ließ er den verdutzten Regisseur stehen und ging langsam nach seiner Garderobe.
Dort saßen bereits Welt und Willis vor ihren Spiegeln, um sich abzuschminken. Petersen hörte gerade noch, als er eintrat, wie Willis sagte:
„---jeden Tag eine Stunde üben." Dann
schwieg er plötzlich. Er wollte es vermeiden, Welt Vorwürfe zu machen, wenn Petersen anwesend war.
Der Kleine setzte sich an seinen Spiegel, riß die Perücke ab und sagte:
„Nun, Kapitän, wie war die Nummer?"
„Ich denke, gut", gab Willis zur Antwort, „mir müssen uns noch mehr auf den Takt der Musik ein- cirbeiten. Das ist alles. Ich werde morgen mit dem Kapellmeister sprechen. Er soll den einen Tango wegfallen lassen und dafür das vorhergehende Stuck wiederholen."
„Hm, der Tango ist gerade das schönste daran. 2lber freilich, wenn man einen Elefanten zum Partner hat, dann muß die Nummer ins Wasser fallen. Hast du schon mal einen Elefanten gesehen, der Tango tanzen kann? Ich nicht."
Diese Worte gingen auf Welt, der bei dem Tango aus dem Takt gekommen mar. Aber Welt schien nicht beleidigt zu sein. Er blickte lächelnd zu Petersen und sagte:
„Wie gut, daß wir unseren Windhund dabei gehabt haben, er hat die Sache gleich wieder in Ord» nung gebracht."
Willis bemühte sich, dem Gespräch eine Wendung zu geben."
„Die Norodna hat heute angerufen", sagte er, „sie will heute abend in die Kantine kommen. Was meint ihr, soll ich mit ihr einmal darüber sprechen, ob sie in unsere Nummer eintreten will? Der Direktor hat mich gebeten, morgen früh zu ihm ins Büro zu kommen, ich kann mir schon denken, was er will —
Aus der Stadl Gießen.
Heilkraft in Frühlingsboten.
Eine mit blühenden Veilchen bedeckte Wiese ist ein Anblick, dem nicht so leicht etwas gleichkommt. Aber die Natur hat das Veilchen nicht mir mit einer lieblichen Farbe und zartem Duft versehen, sondern auch mit Heilstoffen, nur sind sie wenig bekannt, , obwohl unsere Vorfahren viel von ihnen muhten und sie auch ausnutzten. Vor dem Kriege ging alb jährlich viel Geld für eine Pflanzendroge nach Südamerika, nämlich für die Brechwurzel, auch Ipekakuanha genannt, die bei Erkrankungen der Atmungsorgange schleimlösend wirkt. Nun findet sich aber in der Wurzel des Märzveilchens ein Stoss — das Veilchen-Emetin —, dem die gleiche Wirkung zukommt, wie dem in der Brechwurzel enthaltenen Emetin. Darin liegt die Heilkraft, die unfer holder Frühlingsbote zu spenden hat. Wo es sich darum handelt, einen harten, trockenen Husten zu lindern — namentlich bei Kindern — tut schon eine schwache Abkochung der getrockneten Veilchenwurzel oder ein gesüßter Tee, zu dem man außer den Wurzeln auch noch die getrockneten Blüten, Blätter und Stengelchen verweiset —- 10 Gramm auf ein Liter Wasser, Kindern eßlöffelweise und Erwachsenen in Tassen gereicht — gute Dienste, weil durch die gelind anreizende Wirkung der beiden Heiltränke auf die Schleimhäute eine Förderung des Auswurfs eintritt, worauf der Hustenreiz nachläßt.
Auch für ein anderes ausländisches pflanzliches Heilmittel wächst auf deutschem Boden ein vollwertiger Ersatz. In Fällen, in denen bisher die nord- amerikanische Senegawurzel — wie übrigens auch die genannte Brechwurzel — verwendet wurde, kann man sich mit dem gleichen Nutzen und Erfolg an unsere Frühlingsprimel halten. Der Heilwert der Primel beruht darauf, daß in ihren Wurzeln, Blattern und Blüten Saponine enthalten sind, das sind jene Söffe, deren Einfluß auf den Körper darin besteht, daß bei Bronchialkatarrh und veraltetem Luftröhrenkatarrh, wie überhaupt bei Husten und Atembeschwerden eine lindernde Schleimabsonderung kräftig angeregt und vermehrt wird. Die in der Primelwurzel m fünffach größerer Menge als in der frisch getrockneten Senegawurzel enthaltenen Saponine wirken auch wassertreibend und gicht- lindend, beruhigen erregte Nerven und befreien manchen von quälenden Kopfschmerzen. Obwohl sich in allen Teilen der Primel — in Betracht kommen hauptsächlich die Frühlingsprimel (Primula offi- cinalis) und die hohe Primel (Primula elatior) — Saponine finden, ist doch die Wurzel am reichsten daran, und zwar namentlich vor und während der Blütezeit, in der der Saponingehalt einen Höhepunkt erreicht, was sich dann im Herbst und gegen den Winter zu wiederholt. Verwendet werden die an der Luft getrockneten Wurzeln als ein- bis zweiprozentige Abkochung, der man etwas Zucker oder Süßstoff beimischt. Einen guten Hustentee geben auch die getrockneten Blüten, von denen ein bis zwei Teelöffel mit einer Tasse Wasser aufgebrüht werden: im gemischten Gesundheitstee sollten Primelbluten übrigens auch nicht fehlen. Gut getrocknet und fein zerschnitten, geben die Blüten zu Fleischklößchen einen würzigen Beigeschmack. Und die jungen Blatter lassen sich — ebenfalls gut zerkleinert — Kar- toffelsalat beimengen als eine feine, heilsame Früh- lingsrohkost. Rechnet man noch dazu, daß selbst die für feine Wäschereien so geschätzte südamerikanische Ouillajarinde nicht mehr Saponin enthält als die Primelwurzel, so kann sich die Primel als Nutzpflanze schon sehen lassen.
Alle diese guten Eigenschaften sollen aber nicht etwa zu einer Ausrottung unseres lieben Frühlingsboten führen. Die kurzstengelige Primel steht übrigens unter Naturschutz. Die guten Eigenschaften dieser Blume sollten überhaupt den Gedanken nabe« legen, unnützes Massenpflücken zum Zweck des Zmi- merschmuckes zu unterlassen. Ein einheimisches Gewächs, das sich als wirklicher Ersatz einer Auslandsdroge erweist, sollte vielmehr eigens angebaut werden, da es von einem Nutzwert ist, der unsere besondere Wertschätzung verdient. M. A. v. L.
Sterbegeld für Gefallene.
Die Zahlung von Sterbegeld aus der Sozialversicherung an die Eltern Gefallener führte vereinzelt zu Unklarheiten, weil sehr häufig die häusliche Ge- meinschaft vorder Einberufung nicht mehr bestand. Der Reichsarbeitsminister hat nun, wie die mitteilt, verfügt, daß in den Fällen, in denen wegen der Kriegsverhältnisse die Wiederherstellung der häuslichen Gemeinschaft zwischen den Versicherten und ihren Eltern nicht möglich war, dem Vater oder der Mutter des Versicherten Sterbegeld auch bann zu gewähren ist, wenn sie nicht mit ihm in baus- ; sicher Gemeinschaft gelebt haben. Das gilt mit Wirkung vom 26. August 1939.______
Der starke Welt sah etwas erschrocken zum Kapitän hinüber.
„Oh", sagte er, „sicher will er dir nahelegen, mich hinauszuwerfen."
„Quatsch", rief Petersen, „dann gehen wir alle. Ohne unseren Elefanten sind wir nichts. Er gibt eine so schöne tapsige Folie für unsere eigene Eleganz —"
Er machte dazu eine Handbewegung und betrachtete sich im. Spiegel. Welt war gerührt über seine Worte. Er warf ihm eine Schachtel Zigaretten hinüber und brummte:
„Du machst dich immer schlechter als du bist, Kleiner." -
„Ich kann mir schon denken, was der Alte will , fuhr Willis fort, „und ich habe selber schon darüber nachgedacht. Er will sicher, daß wir ein oder zwei Mädchen mit in die Truppe nehmen."
„Das hat uns noch gefehlt zu unserem Glück", rief Petersen dazwischen, „zwei Weiber, die gegenseitig eifersüchtig sind und die uns dauernd reizen, damit wir uns in sie verlieben, bann gibt es wieder Mord und Totschlag unter uns, es ist alles schon mal dagewesen, und ich bin immer der Dumme dabei weil ich die Haue kriege. Nee, mein Lieber wir bleiben für uns, Weiber sind eine schöne «ache, aber nicht in der Truppe. Ausgeschlossen."
Willis und Welt hatten sich inzwischen umgezogen.
„Komm nicht zu spät. Kleiner", sagte Willis, als sie hinausgingen, „es gibt heute saure Linsen mit
„Nee ich komme schon, ich muß mir nur Edith noch mal ansehen", sagte Petersen.
„Edith? Wer ist Edith?"
„Das Nummernmädchen. Sie hat die schönsten Beine, die ich je gesehen habe, von ihren Augen gar nicht zu reden. Ein netter Kerl, wirklich. Es liebt doch nicht einer von euch zufällig Edith, das Nummernmädchen?" „
„Nein", lochte Welt, „wir lassen sie dir.
„Danke schön."
Fortsetzung folgt.)
zum Eigentum erlesen, geselle sich zu Erdenbürgern nicht. Der Menschen und der Uederirdischen Los, es mischt sich nimmer in demselben Becher." Hier ist sehr schön die nach alter Auffassung jenssiiiqe Welt, die göttliche Sphäre des Dichterischen bezeichnet; hier begegnet sich das Drama der unglücklich liebenden Frau mit dem Künstlerdrama, und Sappho steht ratlos erschüttert vor der tödlichen Ueberschnei- düng zweier im Wesensgrunde getrennten Reiche — wie jene Ariadne in Eschmanns griechischem Trauerspiel, dessen Uraufführung wir vor einiger Zeit hier erlebt haben. —
Die Musikalität Grillparzers, die in Prof. Rehms Restrede gerühmt wurde, war in der von Oberspielleiter Mund gelenkten Aufführung, die auf gepflegte und gegliederte Sprachbehandlung Gewicht legte, wohltuend zu empfinden. Die statuarische Gemessenheit klassischer Gebärdensprache erhielt ihren Dewegungsrhythmus aus der Treppenanordnung in Herrn Löfflers schlicht und streng stilisiertem Raumbilde. Die Bühnenmusik von Herrn • C. W. Hahn beschränkte sich auf wenige, sparsam andeutende Akkorde. Im übrigen waren die beiden tragenden Motive des Dramas in der Wiedergabe gerecht gegeneinander abgewogen; die geringen Streichungen wären zu vermeiden gewesen; etliche dialektische Unebenheiten werden sich in der Wiederholung abschleifen.
Bianca B l a ch a spielte die Titelrolle in Ton und Haltung der großen Heroine: im vollen, melodisch schwingenden Sprachklang formten sich die tödlich verletzte Empfindung der reifen Frau, Majestät und Würde der fortieergetrönten Dichterin und die schmerzliche Klage der in die unberührbare Sphäre der UÄeriMschen sich flüchtenden, heimatlos gewordenen Sappho. — In einer gespannten und gesteigerten Tonlage spielte Herr C. B. Schmidt den Phaon, aus kleistisch anmutender Unsicherheit des Gefühls — „Was ist denn hier geschehen? ... Ich bin verwirrt" — zu leidenschaftlicher Entschlossenheit und undlich stiller Ergebung in die Lösung der Geschicke reifend. — Anja Rau war, in eindrucksvollem Kontrast zur Zentralgestalt, eine sauste, zarte, mädchenhaft scheue und hilflose Melitta. — Hilde Kneip (Eucharis) und die Herren Dolck (Rhamnes) und Bosny (Landmann) rundeten den kleinen Kreis der Handelnden. — Eine große Zuhörerschaft dankte mit anhaltendem Beifall.
Hans Thyriot.
*
Zu Beginn des Festckbends hieß Intendant Klein die Gäste willkommen und rief zum Gruß an den Führer auf. Nach kurzem Rückblick auf die Geschichte des Gießener Theaters betonte er die engen Beziehungen zwischen Theater und Universität, zwischen Kunst und Wissenschaft überhaupt; im Zusammenwirken der in der Arbeitsgeineinschaft verbundenen Kräfte sei die Schaffung des deutschen Nationaltheaters eine der großen Zukunftsaufgaben.
Der Rektor Professor Dr. Kranz kennzeichnete Universität und Theater als gemeinschaftsbildende Faktoren im Rahmen der kulturellen Erziehungsarbeit der NSDAP. Beiden feien bedeutsame, eng verwandte Aufgaben zugewiesen; im gemeinsamen Dienst am deutschen Volke möge das Theater allezeit Freude, Kraft und Entspannung spenden; der Arbeitsgemeinschaft wünsche er in diesem Sinne guten Erfolg.
Studentenführer Stein begründete, anknüpfend an die kulturelle Umwertung unserer Zeit, Annähe, rung und Zusammenarbeit der beiden Institute, wies auf die Wechselwirkung zwischen Künstlerschaft und Studentenschaft hin und überbrachte deren beste Wünsche für eine kameradschaftliche Zusammenarbeit. Kür Tapferkeit vor öem Kemöe.
Der Unteroffizier Wilhelm R e u s ch l i n g aus Gießen, Alicenstraße 29, wurde mit dem Eisernen Kreuz I. Klaffe ausgezeichnet.
Verdunkelungszeit:
21. April von 21.30 bis 5.41 Uhr.
mer und einem bezaubernden Lächeln über die Bühne gehen müssen. „ , . ...
Der Regisseur ließ den Direktor stehen und eilte fauchend durch die Kulissen.
„Ha!" rief er plötzlich.
Da stand das Nummern-Mädchen an der Feuerleiter und unterhielt sich mit Petersen.
„Sie sind wohl vom wilden Affen gebissen, was?' fuhr er auf sie los, so daß sie erschrocken zuruck- prallte, „wollen Sie gefälligst machen, daß Sie mit Ihrer Nummer auf die Bühne kommen?
Sie drückte die Hand auf das Herz und riß den Mund auf. Offenbar hatte sie ganz vergessen, warum sie eigentlich mit einer großen Nummer in der Hand, mit nackten Beinen, nackten Armen und nacktem Rücken hier stand. , r. , .__,
Am Eingang zur Bühne atmete sie noch einmal tief auf, stellte sich dann in Positur unö trat mit einem etwas gezwungenen Lächeln ihren Gang an.
Der Regisseur warf auf den kleinen Petersen einen vorwurfsvollen Blick und sagte:
„Wenn Sie poussieren wollen, Herr ^eterfen jo sieht Ihnen die Kantine, und, wenn die geschloßen ist, ganz Berlin zur Verfügung. Sie muffen es nicht unbedingt hinter der Bühne tun und dadurch die Mädchen von ihrem Auftritt abhalten.
„Wozu verkaufen Sie eigentlich Programme, wenn Sie das arme Ding mit nackten Beinen und einer Nummer auf die Bühne schicken, wo sie nichts ist als bas Objekt der begehrten Blicke des männlichen Teils der Zuschauer? Ich halte das für unmoralisch, Herr Krüger." Der kleine Petersen sagte das in so ernstem Tone, daß Kruger nicht wußte, ob es ihm wirklich ernst mit seinen Worten war oder "^Wissen Sie, wieviele Mädchen fiel) für die Stellung gemeldet haben?" entgegnete Krüger.
^Dreihundertfiebenundfünfzig aus Berlin und zweihunderteinunddreißig aus anderen Städten. Die beiden Vorgängerinnen der Edith haben sich schnell
Grillparzer-Feierstunde in der Großen Aula.
Die erste Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft „Universität — Theater" war die Grillparzer-Feierstunde in der Großen Aula. Der Rektor Professor Dr. Kranz hieß als Hausherr, zugleich im Namen des Intendanten Klein, die Vertreter von Partei und Wehrmacht, Staat und Stadt willkommen und dankte allen, die sich um das Zustandekommen der Arbeitsgemeinschaft verdient gemacht haben, insbesondere Professor Dr. Rauch. Der Geburtstag des Führers, dessen die Versammlung mit dreifachem Sieg-Heil gedachte, könne als günstiges Omen für die neue Gründung gelten. Als geistiger Repräsentant der vom Führer zurückgewonnenen Ostmark -stehe Grillparzer im Mittelpunkt der Feierstunde.
Nach einem Musikvortrage des Streichquartetts des Städtischen Orchesters lasen Luise Prasser und Herbert K ö ch l i n g Verse und Prosa aus Grillparzers Werk. Professor Dr. Walter Rehm, der Literarhistoriker unserer Universität, zeichnete in seinem sehr interessanten, persönlich angelegten Fest- üortrage, ausgehend von einem Wort Stifters und der Begegnung Grillparzers mit Goethe 1026 ein Bild des großen Historiendramatikers und Tragikers, den feine Landsleute nur als Schöpfer der „Ahnfrau" gelten ließen. Als Grillparzers Beitrag zur gesamtdeutschen Dichtung nannte Professor Rehm fein Oesterreichertum, die alte Theaterkultur feiner Heimat, feine Musikalität, die Süßigkeit seines Verses, vor allem den großen, umspannenden Reichsgedanken Habsburgs, den historischen und politischen Instinkt: Mittelalter und Barock waren in Grillparzer blutmäßig und landschaftlich lebendig. Als Dichter der Geschichte und des eigenen Volkes grenzt er sich gegen das Werk der reichsdeutschen Klassik ab; als Tragiker steht er in einer Reihe mit Kleist, Grabbe, Büchner und Hebbel. Daß er das Tragische in der geschichtlichen wie in der vorgeschichtlich- mythischen Welt erkannte und gestaltete, erwies der Vortragende mit einer Deutung der „Sappho", die tragisch und musikalisch in einem sei. Heute, so schloß Professor Rehrn seine feinsinnigen Darlegungen, sei uns Grillparzer, wie Prinz Eugen, neu geschenkt und endlich reif, aus feiner Einsamkeit und Wirkungslosigkeit erlöst zu werden. An uns sei es, ihn zu empfangen und zu gewinnen. — Nach der mit starkem Beifall aufgenommenen Festrede ließ das Streichquartett die Feierstunde harmonisch aus- klingen.
Festaufführung im Theater: „Sappho" von Franz Grillvarzer.
Nach den heftigen Effekten des Schicksalsdramas „Die Ahnfrau" suchte Grillparzer, im Sinne Goethes Abrundung, Klarheit und klassisches Maß erstrebend, für seinen „zweiten dramatischen Versuch" nach einem einfachen Stoff, aus dem sich ohne Anwendung äußerer Mittel edle und starke Gemütsbewegungen entwickeln ließen: er fand ihn in einer ihm ursprünglich als Operntext angebotenen antiken Fabel, der sagenhaften Liebesgeschichte der griechischen Dichterin Sappho. In wenig mehr als drei Wochen des Sommers 1817 war das Werk vollendet, nach Laubes Worten aus einem Gusse und zum Vollendetsten gehörig, was der Dichter geschaffen habe. Die Uraufführung am Burgtheater, ein Jahr später, machte mit Sophie Schröder in der Titelrolle „unglaubliche Sensation", und Lord Byron bemerkte: „Grillparzer, ein verteufelter Name wahrhaftig für die Nachwelt, aber sie müssen es lernen, ihn auszusprechen."
Gewiß hat man nicht mit Unrecht neben der „Iphigenie" vor allem auf den „Tasso" als Grillparzers bewundertes Vorbild hingewiesen, aber die „Sappho" wirkt doch nicht in erster Linie als Künstlerdrama, sondern als das ewige Tr^ueriviel der siebenden, nicht geliebten Frau, als Tragödie der Eifersucht auch, wenn man will, auf anderer Ebene als weibliches Gegenspiel zum „Othello". Die psychologisch entscheidende Szene, wie Sappho den schlafenden Phaon findet und küßt, der erwachend Melittas Namen murmelt, enthüllt den tragischen Kern in den Beziehungen der Figuren: Sappho liebt Phaon, Phaon jedoch liebt Melitta; Sappho bewundert er und sonnt sich in ihrem Ruhm, aber Verehrung und Liebe sind ungleich» wertige Empfindungen: Sappbo fährt zurück, „verschmäht, um ihrer Sklavin willen", „... es sitzt der Pfeil".
Damit ist der Weg zum tödlichen Ausgang vor- aezeichnet, und Sappho begreift ihr Schicksal mit Worten, welche die naturgemäß sich aufdrängenden Begriffe der verschmähten Liebe und der Eifersucht verschwimmen lassen oder jedenfalls bem~ Bereich banaler Alltäglichkeit entrücken: „Wen Götter sich
Der Vorhang hatte sich geschlossen. Die drei Willis gingen durch die Kulisse zu ihrer Garderobe. Dabei sah Eberhard Willis zu dem Direktor hinüber, als wolle er in seinem Gesichtsausdruck ergründen, wie ihm die Nummer gefallen habe.
Berthold nickte ihm zu. „Kommen Sie morgen um 11 Uhr auf mein Büro, Herr Willis, ich möchte mit Ihnen und dem Regisseur noch einmal über Ihre Nummer sprechen."
„Gut, Herr Direktor."
„Je mehr ich darüber nachdenke", wandte sich der Direktor wieder an den Regisseur, während Willis den anderen zur Garderobe folgte, „desto mehr komme ich zu der Ansicht, daß Sie recht haben. Die Nummer muß etwas aufgelockert werden, rein anschaulich gesprochen, sie inuß dem Auge mehr bieten, vor allem dem unmusikalischen Auge. Für einen musikalisch Begabten ist die Nummer ganz ausgezeichnet —"
wäre es, wenn dieser Elefant, dieser Welt, nicht immer daneben trampeln würde. Entweder muß Willis den Welt mehr herannehmen, oder er soll ihn ausscheiden und statt' dessen einen taktvolleren Menschen hineinnehmen —"
„Wieso taktvoll?"
,Hch meine taktvoll in bezug auf den Takt der Musik. Der Welt verliert mitunter den Takt. Ich habe es deutlich bemerkt. Zwar haben dann Willis und Petersen ihren Takt so laut betont, daß Weits Taktlosigkeit nicht weiter auffiel, aber es fehlt dann doch die Geschlossenheit des Auftritts — wo ist denn das Nummernmädchen, zum Teufel? —" wandte er sich um, nachdem er auf seine Uhr gesehen hatte. Das Nummernmädchen hätte längst mit seiner Num-
strenge Strafe in Fällen zu ermöglichen, in denen derjenige, der sich unbefugt als Träger eines öffentlichen Amts oder als Soldat aufführt, einen dienstlichen Ausweis vorlegt, zu dessen Benutzung er nicht berechtigt ist, oder mit einem gefälschten Dienstausweis arbeitet oder unbefugt eine Uniform oder ein Dienstabzeichen trägt.
Verlängerung der Lohnabrechnungszeiträume.
Der Reichsarbeitsminister hat bestimmt, daß nach einer Ankündigungsfrist von einem Monat und in vertrauensratpfsichtigen Betrieben nach Beratung im Dertrauensrat die bisher im Betrieb üblichen Lohnabrechnungszeiträume bis zu einem M o - n a t verlängert werden können, auch wo in Tarifoder Betriebsordnungen kürzere Abrechnungszeiträume voraefchrieben worden sind. Bei einer Verlängerung Der Abrechnungszeiträume über 14 Tage hinaus ist mindestens eine Abschlagszahlung auf den zu erwartenden endgültigen Lohn zu^ leisten. Mit dieser Anordnung wird den Betriebsführern die Möglichkeit gegeben, die Abrechnungsarbeiten in den Lohnbüros erheblich zu vereinfachen und Personal einzusparen. Es wird erwartet, daß von dieser Möglichkeit weitestgehend Gebrauch gemacht wird.
Aus aller Wett.
Schwere Strafen für Eisenbahn-Gepackdiebe.
In Rostock hatte eine Anzahl von Bahnarbeitern seit 1940 fortgesetzt Gepäck, das auf dem Bahnhof zur Beförderung aufgegeben war, gestohlen. Ein gewisser Dittmann hatte sich ein ganzes Warenlager zusammengestohlen. Das Sondergericht erkannte gegen Dittmann auf Todesstrafe, andere Angeklagten erhielten 15, 7 und 4 Jahre Zuchthaus.
Jelbpoflräubet hlngerichtet.
Am 16. April ist der 1915 in Gotha geborene Walter H a r t h a u s hingerichtet worden, den das Sondergericht in Köln als Volksschädsing wegen Diebstahls zum Tode verurteilt hat. Harthaus hat fortgesetzt Feldpostsendungen beraubt.
Vierlinge in Lampertheim.
Die 32jährige Ehefrau des vor vier Monaten verstorbenen Arbeiters Fritz Kraft schenkte vier Kindern, zwei Jungen und zwei Mädchen, das Leben.
Kunst und Wiffenschast.
i Line neue Spieloper.
Verschiebe-nMch haben sich deutsche Komponisten, zuweilen in den Spuren Lortzings oder Smetanas wandelnd, um eine neue deutsche Spieloper gemüht. Einen verheißungsvollen Vorstoß in der gleichen Richtung darf man jetzt wohl Herbert T ra n t o w s bäuerliche Spieloper „Antje" nennen, die im Bei- fein des Komponisten, der Ballettkapellmeister der Berliner Staatsoper ist, im Chemnitzer Opernhaus ihre Uraufführung erlebte. Die Handlung, die in der Gegenwart wurzelt (Trankow hat auch das Buch selber verfaßt), ist von betonter Schlichtheit. Aus der ostpreußischen Landschaft (Masuren) wuchs dem Komponisten der Stoff entgegen. Auf gle>ich schlichter Linie hält sich im wesentlichen auch die Musik, die eine Reche von ostpreußischen Volks- und Tanzwei. sen ausgenommen hat, die vom Komponisten durchaus eigen aufgefaßt wurden. 'So angenehm und leicht die Musik im allgemeinen dem Hörer eingeht, stellt sie doch einige Ansprüche an Sänger und Musiker. Das Orchester ist farbig behandelt, zuweilen wohl etwas zu gewichtig an der Einfachheit der Handlung gemessen; die modernen instrumentalen Möglichkeiten sind geschmackvoll ausgenutzt. Unter Hans Paul -igs Stabführung erklang die Musik tonschön und stimmungsreich, während Hermann S ch a s f n e r die Inszenierung auf einen gemütvollen Grundton stimmte. Karl Bachler.
Türken spielen Beethovens Neunte.
Im Konservattlrium zu Ankara fand die türkische Erstaufführung der Neunten Symphonie statt. Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Dr. Ernst P r ä t o r i u s wirkten mit das Dhilharmo- nische Orchester der Republik, der Chor des Staat- sichen Konservatoriums und einheimische Sosisten. Dem Konzert wohnten Staatspräsident Ismed Inönü, Ministerpräsident Saydan, Außenminister Saracogku und Botschafter von Papen bei.
Ein TNozart-Film.
In den Wiener Rosenhugel-Ateliers, wo unter der Spielleitung von Eduard von Borsody der Wien-Film (im Verleih der Terra) „Mozart" gedreht wird, entstehen jetzt mächtige Bauten, um einem Film vom Leben des großen Meisters die Atmosphäre zu geben. So wird das alte Burgtheater aufgebaut, fo die Salzburger Wohnung des alten Haydn und die Mannheimer Wohnung der Mutter von Konstanze Weber, Mozarts spaterer Gattin. Die Bauten entwarf Julius von Borsody. Hans Holt spielt den Mozart und Winnie Markus die Konstanze. Die musikalische Leitung hat Alois M e l i ch a r.


