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Samstag, 21 /Somtag, 22. März 1942

AW" d Samstag, 21/8

Giehener Anzeiger

hat sich also gegen England ausgewirkt. Daß er über Hongkong, die Malaienhalbinsel, Singapur, Java, Borneo' usw. hinwegging, ist verständlich. Auch die Amerikaner wollen hieran nicht gern er­innert werden. Wenn Halifax schließlich im Zusam­menhang mit der britischen Armee den mittle­ren O st e n nannte, umden Bolschewisten eine Hand hinstrecken zu können", so ist ihm angesichts der Vorgänge in Iran sicherlich nicht ganz wohl gewesen.

Lord Halifax mußte selbstverständlich auch einige beruhigende Säße zu derSchlacht a u f d e n Ozeanen" sprechen. Er war dabei sehr kleinlaut und nahm nicht einmal das Wort von der britischen Meerbeherrschung in den Mund. Dagegen bestätigte er ungewollt, was von deutscher Seite im Zusam­menhang mit der Tätigkeit der deutschen See- und Luftftreitkräfte wiederholt festgestellt worden ist, daß nicht nur der englische Nachschub, sondern auch die britischeVersorgungs -und Pro­duktionslage sich außerordentlich ungünstig entwickelt hat. Halifax rechnete den Amerikanern vor, welche ungeheuren Umwege die britischen Versorgungs- und Nachschubschiffe machen müßten, um nur das Notwendigste an die Bedarfsstellen zu bringen. Schließlich mußte er auch noch über die britische Luftwaffe ein Loblied singen, nachdem be­sonders von Moskau her dringend ein stärkerer Einsatz der britischen Flieger verlangt worden ist. In Ermangelung anderer Siege denSieg ge­gen Paris" hat er aus begreiflichen Gründen ver- schwiegen verwies er zur Herausstellung der Lei­stungen der britischen Flieger auf den Film vom Löwen mit Flügeln! Es war wirklich keine ange­nehme Aufgabe, die man Halifax gestellt hatte. Er mußte etwas verteidigen, was eigentlich nicht ver­teidigt werden kann. Und so waren auch seine Aus­führungen. Po.

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Chaos in Iran.

Ankara, 20. März. (DNB.) Ein Reisender, der soeben Iran von Teheran nach Süden durchquerte, erklärte, daß die allgemeine Unsicherheit auf den Land st raßen sich wieder dem Sta­dium der ersten Regierungszeit des Ex-Schahs an­nähere. Schon, aus diesem Grunde sei alle private und auch staatliche Unternehmerinitiative völlig lahmgelegt. Dazu komme, daß die Eisenbahn im britisch-bolschewistischenEinflußgebiet" völlig auf­gehört habe, die zur Behebung der wachsenden Ver­sorgungsschwierigkeiten erforderlichen Güter zu transportieren. So habe das Volk immer mehr das Empfinden, daß niemand mehr da sei, der sich seiner annehme, zumal die Regierung praktisch o h n e a l l e M a ch t b e f u g n i s s e sei und der junge Schah aus Mangel an irgendwelcher Reson- nanz in allen Bevölkerungsteilen weder von den Einheimischen, noch von den Besatzunqsbehörden als Staatsoberhaupt ernstgenommen werde.

Hohe Auszeichnung japanischer Heerführer.

(DNB.) Tokio, 21. März 1942.

Der Oberbefehlshaber der japanischen China-Ar- mee, General Mata, der Oberbefehlshaber der japanischen Streitkräfte in den Südgebieten, Gene­ral Te raucht, sowie der Oberbefehlshaber des japanischen Heeres in Nordchina, General Oka- m u r a , wurden mit der 1. Klasse desOrdens der Goldenen Weihe" ausgezeichnet in Würdigung ihrer Verdienste im Chinakonflikt.

Die Verteidigung Australiens

»Eine harte probe für Mac Arthur.''

192. Jahrgang Nr. 68

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Am Totenbett der Konservativen Partei

Von unserem Dr. H.-Korrespondenten.

Eine lahme Verteidigung

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Stockholm, 20. März. (Europapreß.) Ange- tchts der immer näher rückenden Möglichkeit einer apanischen Landung in Australien weisen Kenner »es Landes in London darauf hin, daß eine ein­heitliche Verteidigung Australiens unter verschiede­nen Umständen leide. Dazu gehöre die Verwendung der am besten ausgebildeten und ausgerüsteten Truppen auf anderen Kriegsschauplätzen. Vor allem werde die Verteidigung dadurch behin­dert, daß das australische Verkehrssystem hierfür denkbar ungeeignet sei. Abgesehen von dem Mangel an Eisenbahnen und Straßen, bestehe in den verschiedenen Staaten eine verschiedene Spurweite der Eisenbahnen. Die Staaten Neu- Südwales, Victoria und Queensland hätten nicht nur verschiedene Spurweiten, sondern innerhalb ihrer staatlichen Eisenbahnsysteme wiederum zwei bis drei Spurweiten. Südaustralien habe dieselbe Spurweite wie Victoria, aber eine andere als die transaustralischen Staatseisenbahnen. Die .rasche Verschiebung von Truppen an gefährdete Punkte werde hierdurch ernstlich in Frage gestellt. Um so größer sei die Bedeutung der F l u g p l ä tz e für die Verteidigung. Man rechne deshalb damit, daß das erste Ziel einer japanischen Aktion auf Australien eine Wiederholung der Taktik von Malaya, also die Inbesitznahme oder Unbrauchbarmachung aller Flug­plätze sein werde.

Der militärische Mitarbeiter des LondonerDaily Expreß" hält es für sehr wahrscheinlich, daß Gene­ral M a c A r t h u r in erster Linie versuchen wird, die Verbindungslinie nach San Fran­zisko, die von den Hebriden, Kaledonien, den Fid­schi-Inseln und den Samoa-Inseln flankiert wird, zu schützen. Das Blatt sagt jedoch, es dürste illu­sorisch sein, von Mac Arthur Wunder zu erwarten. Er sei zahlenmäßig unterlegen und habe außerdem eine langgestreckte und leicht verletzbare Käste zu verteidigen; es harre seiner also eine harte Probe. Exchange Telegraph" berichtet aus Melbourne, daß ein amerikanisches G e n e r a l st a b s- quartier seit längerem in Anstralien errichtet worden ist. In verschiedenen Städten des Konti­nents beträgt die Zahl der amerikanischen Truppen das Drei- bis Vierfache der australischen Streit­kräfte. Bereits seit einiger Zeit ist der Dollar in Australien legales Zahlungsmittel. Ge­neral Mac Arthur wird den Ausbildungsstand der australischen Truppen dem amerikanischen anpassen. Es ist vor allem die Auswertung der im Ostasien- krieg gemachten Erfahrungen vorgesehen; man nimmt an, daß er die sogenannteBewegungs­verteidigung" anwenden wird.

Caseys Aufgabe in Kairo.

Australien mit derErnennunq nicht zufrieden

Stockholm, 20. März. (Europapreß.) Mit der Ernennung des australischen Gesandten in Washing­ton, Richard Casey, zum britischen Staatsminister in Kairo beschäftigt sich die Londoner -'Times". Das Blatt nr:nt, der Platz fei hervorragend besetzt-wor­den. Die Aufgabe der britischen Politik im Mittleren Osten sei einmal, die Verbindungslinien nach Indien und Australien aufrechtzuer­halten und nach Möglichkeit zu verbessern. Dann komme es aber auch darauf an, dort eine Sperrezu errichten, die es den Deutschen und Ja­panern unmöglich machen solle, sich die Hand zu reichen. Die bisherige Tätigkeit Caseys mache ihn besonders fähig für seine Aufgabe.

Der australische Ministerpräsident Curtm ist mit der Ernennung Caseys nicht zufrieden. Er wies darauf hin, daß Washington heute viel wichtiger sei als der ehrenvolle Posten eines britischen Ministers in Kairo.Melbourne Herald"

schreibt:Die Reaktion Australiens zu der Ernen­nung Caseys war eine Mischung von Ueberraschung und Enttäuschung." Obwohl Casey durchaus im- tande ist, der Sache Australiens im Mittleren Orient gute Dienste zu leisten, so machten doch seine Fähigkeiten seine Beibehaltung in Washington not­wendig."

Oie Niederlage in Burma.

Stockholm, 20. März. (Europapreß.) lieber die Ursachen der briüschen Niederlagen in Burma schreibt derTimes"-Korrespondent in Mandalay, daß genau so wie in Malaya die Schwäche der inneren Front zur Niederlage entscheidend beigetragen habe. Man habe die Bevölkerung in keiner Weise auf die Möglichkeit und die Gefahren eines Krieges vorbereitet, so daß der erste japa­nische Bombenangriff am 23. Dezember eine voll­ständige Panik verursachte. Schlimmer noch habe am 20. Februar der Befehl gewirkt, daß Rangun innerhalb 48 Stunden von der Zivilbevölkerung geräumt werden müsse. Auch der Plünderung und Mordbrennerei hätte man vorbeugen müssen. Bei seinem Besuch in Rangun in der vorigen Woche hätten die Wohnviertel überall gebrannt. Die Be­kämpfung des Feuers sei unmöglich gewesen, weil die Feuerwehren den größten Teil ihres Materials weggeschafft hätten.

Domei meldet aus Rangun, W a v e l l und Tschiangkaischek würfen sich gegenseitig die Schuld an der Niederlage an der Burma-Front vor. Wavell protestierte bei Tschiangkaischek, daß die chinesischen Truppen nicht schnell genug den Briten zu Hilfe gekommen seien, während Tschiangkaischek entgegnete, die britischen Truppen hätten den Rück­zug angetreten, ohne auf das Eintreffen der chinesi­schen Truppen zu warten. Es scheint, als ob Wavell die bekannte britische Politik, andere für England kämpfen zu lassen, verfolgte und versuchte, die Tschungking-Truppen nach Burma zu locken, aber infolge der Niederlagen am Sittang-Fluß und bei Pegu gezwungen gewesen war, die britischen und indischen Truppen vor Eintreffen der Chinesen zu­rückzuziehen.

Oie Oelquellen auf Sumatra.

Tokio, 20. März. (Europapreß.) Nachdem die Besetzung Sumatras nunmehr, abgesehen von ver­sprengten Trupps, die sich noch im Inneren befin­den mögen, beendet ist, läßt sich auch die Lage auf den Petrolumfeldern übersetzen. Sie wurden teil­weise zerstört vorgefunden, und zwar waren die Oelquellen an manchen Stellen in Brand ge­setzt, an anderen Stellen durch Zement verstopft. Der größere Teil der Quellen blieb jedoch unver­sehrt, weil die japanischen Truppen über Er­warten rasch vordrangen. Auch hatte die holländisch- indische Regierung einen Befehl ausgegeben, der be­sagte, da die japanischen Landungstruppen wieder von der Insel vertrieben werden würden, sollten die Oelquellen deshalb nur im Falle unmittelbar drohender Gefahr zerstört werden, unter die­sen Umständen kann man mit einer baldigen Wiederaufnahme der Erdölproduktion rechnen. Die reibungslose Uebernahme der Verwaltung in Su­matra durch die Japaner wurde dadurch erleich­tert daß die holländischen Verwaltungsbeamten m ihrer großen Mehrzahl auf ihrem Posten verblieben waren und die Verwaltung ordnungsmäßig über­geben konnten.

Aushebunqsrummel in den USA.

Madrid, 20. 'Stat». (Europapreß.) Der Neu- yorker Korrespondent der spanischen ZeitungZa ,

Francis Lucientes, berichtet, daß er in Neuyork zu den Waffen gerufen worden sei. Die Ein­berufung der amerikanischen Soldaten erfolgte durch eine Auslosung, durch die 27 Millionen Män­ner zwischen 20 und 43 Jahren bestimmt wurden, von denen wiederum 9 Millionen in engere Wahl gezogen wurden. Von diesen wurde noch ein ganz bedeutender Teil ausgeschieden. Der erste durch das Los bestimmte Soldat fei, so berichtet Lucientes, ein Chinese gewesen. Wie dieser Fall zeigt, werden auch alle Ausländer mit aufgerufen, die feit dem 16. Februar 1942 in den USA. leben. Auch er selbst sei mit einberufen worden. Die Ziehung der Rekruten werde zu einem wahren Volksfest gemacht. Kriegsminister S t i m f o n habe ich persönlich eingestellt und mit verbundenen Augen eine Kugel gewählt. Dazu sei Musik über Laut­sprecher verbreitet worden, und Mädchen hätten auf den Straßen getanzt. Als ein besonderes Geschäft habe man eine Versicherungsart eingeführt, durch die sich die Soldaten während der Zeit ihres Mili­tärdienstes gegen die Untreue ihrer Braut versichern können.

Stockholm, März 1942.

Einer der letzten Romane des englischen Dichters Galsworthy beginnt mit der Schilderung des Todes des Oberhauptes der Familie Charwell, die zu der durch die Kunst Galsworthys berühmt ge­wordenen Sippe der Forsytes gehört. In dem Haufe des sterbenden Bischofs von Porchester find die jüngeren Glieder der Familie versammelt und war­ten mit wehmütig, ungeduldigen oder auch erbfreu- digen Gedanken auf das Erlöschen eines Lebens, dem Erfolge und Ruhm nicht versagt geblieben waren.

Heute liegt in England die Konservative Partei im Sterben, und um das Sterbebett ver­sammelt stehen die Glieder dieser einst so großen Familie mit wehmütigen, ungeduldigen oder auch erbfreudigen Gedanken. Der Tod des Bischofs Cuthbert Charwell dauerte nur wenige Tage, wäh­rend schon vor Monaten und Jahren der Todes­kampf der Konservativen Partei begonnen hat und noch immer nicht abgeschlossen ist.

Wie war es möglich, daß in nicht einmal zwei Generationen die Konservative Partei von ihrer unerschütterlich erscheinenden Machtstellung zu bei­nahe völliger Bedeutungslosigkeit herabsinken konnte? Die Erklärung liegt nicht allein in der all­gemein zu beobachtenden Abkehr des englischen Volkes von den überlieferten politischen Parteien, vom Parteiwesen überhaupt, die Gründe liegen tie­fer. Sie sind in der menschlichen Unzulänglichkeit zu suchen, in der Unfähigkeit der konservativen Führer, ihr Weltbild dem Wandel der Welt ent­sprechend zu berichtigen. Der äußere Wohlstand, die Annehmlichkeit des persönlichen Lebens, die die Aus­dehnung der britischen Macht den Beherrschern des Empire geschenkt hatte, erstickten qllmählich den Geist, der unter der Königin Elisabeth, geboren wor­den war. Es war der Geist, der Männer wie Ra- leigh und Drake über das Meer getrieben hatte, der Clive und Hastings Indien erobern ließ. Aus den Abenteurern des 18. Jahrhunderts waren die Kolo­nisatoren und Gouverneure des 19. Jahrhunderts geworden. Aber wie die Prokonsuln des Impe­rium Romanum, so verfielen allmählich auch die Statthalter des britischen Empire der Versuchung des leichten Lebens. Noch immer zogen zwar die Söhne der großen Familien hinaus in die Welt, aber in wenigen Jahren kehrten sie zurück, um in der gewohnten und immer bequemeren Umgebung der Heimat die Schätze zu genießen, die das von den Vätern erschlossene Weltreich in scheinbar end­losem Strom nach der Insel schickte.

Die eigentliche Herrenschicht in England vergaß ihre Aufgabe, und die Führung der Politik über­nahmen Männer, die nur die Segnungen des Em­pire verstanden, nicht aber seine Forderungen. Die Liberale Partei hat diese Entwicklung gar nicht überlebt. Bei den Konservativen war die Organisation stärker und überdauerte auch ten inneren Verfall. Die Persönlichkeiten der Führung sind aber bezeichnend. Salisbury, der Zeitge-

Die Ivlschewlsiermg Zrans.

Die schweren Niederlagen, die die britischen Waf­fen in den ersten drei Monaten des pazifischen Krieges in Ostasien haben einstecken müssen, sind nicht ohne Rückwirkung auf die Lage im Mittleren Osten geblieben. Sie ist bisher am deutlichsten in Erscheinung getreten in der völligen Verschiebung der Machtverhältnisse zwischen England und der Sowjetunion in dem von beiden seit dem Sommer vergangenen Jahres besetzt gehaltenen Iran. Damals war ein Land wieder zum Spiel­ball der benachbarten Großmächte geworden, das während der letzten beiden Jahrzehnte sich unter einem energischen und zielbewußten Herrscher aus langer Lethargie zu neuem, kraftvollem nationalen Leben erhoben zu haben schien. Es hat sich jedoch gezeigt, daß die selbstbewußte politische ßinw, die Reza Schah Pahlawi als Ärmee-Oberkommandant und Ministerpräsident seit 1921 und dann nach dem Sturz der schwächlichen Kadscharen-Dynastie als Herrscher Irans hatte einschlagen können, sich zu einem guten Teil auf dem günstigen Umstand grün­dete, daß weder die Sowjetunion noch England da­mals ein Interesse daran hatten, sich über ihre machtpolitischen Divergenzen im Mittleren Osten zu verständigen. Im Grunde war also auch das Iran Reza Schahs der Pufferstaat geblieben, der es ge­wesen war, seitdem die Interessensphären der bei­den Weltmächte hier im Mittleren Osten auf ein« anderftießen.

Rußlands Drang nach dem offenen Meer hatte' sich auch nach Süden hin Luft zu machen versucht gegen die Türkei sowohl, wie seit Beginn des vori­gen Jahrhunderts auch gegen Persien. Beiderseits des Kaspischen Meeres auf der Landbrücke des Kau­kasus wie aus dem Turanischen Becken heraus hat­ten die- russischen Zaren ihre Macht immer weiter nach Süden vorgetrieben. Noch unter Paul I. im Jahre 1801 war Tiflis, die Hauptstadt Georgiens, russisch geworden. Unter seinem Nachfolger Alexan­der I. wird Schirwan mit Baku unterworfen, und unter Nikolaus I. hat nach einem Krieg mit Persien 1828 Eriwan, die Hauptstadt Armeniens, das gleiche Schicksal. 1859 ist die Eroberung des Kaukasus voll­endet und Rußland wendet sich unter Alexander II. weiter nach Osten, um jenseits des Kaspischen Meeres 1867/68 dem Chan von Bochara Taschkent« und Samarkand zu entreißen und fünf Jahre später das Chanat Ctziwa unter russische Botmäßigkeit zu bringen. 1884 wird schließlich unter Alexander III. die Oase Merv besetzt, womit auch hier die persische Grenze erreicht ist. West-Turkistan und Turkmenien sind russisch.

Nun gerät die russische Dynamik unmittelbar in den Machtbereich des britischen Empire, das ja feine Existenz recht eigentlich erst vom Besitz Indiens

Der Gerechte muß viel leiden." Auf diesen Ton war die Rede abgestimmt, die in diesen Tagen Lord Halifax, der Sondergesandte Chur­chills, in den USA. hielt. Der Anlaß zu dieser Rede mar, den Nachweis zu erbringen,was Britan­nien für unsere (d. h. für die plutokratisch-bolsche- wistisch-jüdische) gemeinsame Sache getan hat", yn den USA' ist also der gleiche Eindruck über die kämpferischeAbseitsstellung" der britischen Armee verbreitet wie in Moskau, wo ja in letzter Zeit mehrfach davon die Rede war, daß mit den un­tätig herumlungernden Armeen Schluß gemacht werden müsse, wenn es um Sein oder Nichtsein geht. Halifax trat dem mit der Festellung entgegen, daß Großbritannien nach zwei Seiten hinden größ­ten Beitrag zum Siege geleistet" habe, in der Schlacht auf den Ozeanen und in der Produk- twnsschlacht. Er versuchte das an dem Steuerbeispiel nachzuweisen, indem er durch Nennung von Pro­zentzahlen glaubte festellen zu können, daß Eng­land ein Vielfaches an' Steuern zahle ge­genüber den Amerikanern.

lieber den Anteil des britischen Heeres an kämp­ferischem Einsatz der britischen Heimattruppen brachte er gleichfalls eine Zusammenstellung, die den Eindruck hinterlassen sollte, als hätten die Jnsel- fcriten bisher d i e Hauptlast der Kämpfe und Verluste dieses Krieges getragen. Er hat sich aber wohl gehütet, das durch entsprechende Zahlengegen­überstellungen auch zu beweisen. Er sagte lediglich, daß auf den Schultern der Britentruppen die Haupt­last der Verteidigung von einigen 3000 Meilen Küste und 90 000 Quadratmeilen innerhalb dieser Linie ruhe und daß die übrigereguläre britische Armee" vom Polarkreis über West- und Südosteuropa, Nord-- und Ostafrika, den Nahen Osten, den Fernen Osten bis hinunter zum Aequator zu kämpfen ge­zwungen sei. Die Kriegsausweitungstaktik Churchills

vrühlsche Universitätsdruckerri R. Lange General-Anzeiger für Oberhessen Sietzen,^Lchulftratze 7-9

noffe Bismarcks, war der letzte große von echtem Imperialismus durchdrungene Staatsmann. Sein Neffe Balfour war kaum ein Führer, eher ein Testamentsvollstrecker, der feiner Aufgabe nicht ge­wachsen war. Ihm folgte der völlig schattenhafte B o n ar Sam, bis schließlich in Stanley Bald- w i n der satte Großbürger die Führung der Partei übernahm. Neville Chamberlain war ein er­folgreicher Kaufmann und Kommunalpolitiker, dessen Maßstab für die Verwaltung Birminghams ausreichte, der aber in der großen Welt bald Schiff­bruch erleiden mußte. Churchill, der bald nach fei« nem Amtsantritt auch die Führung der Konser« vativen Partei übernahm, führte deren Existenz dadurch ad absurdum.

Churchill ist niemals ein Parteimann gewesen, sondern immer nur Winston Churchill. Wann im­mer feine Auffassung ober Karriere es gebot, wech­selte er die Partei. Wenn er zuletzt, als er erst zu Baldwin und dann zu Chamberlain in immer schärferen Gegensatz geriet, auf den Austritt aus der Partei verzichtet, so tat er das wohl nur, weil er die Partei bereits für tot ober minbeftens für zum Tode verurteilt hielt. Das Volk, das für solche Vorgänge meist einen besseren Instinkt hat als dis Politiker, folgte Churchill nicht zuletzt wegen feiner Opposition gegen die Partei.

Aber noch ist die Partei nicht tot. An ihrem Sterbebett wacht eifersüchtig diealte Band e" und will sich ihre Rechte nicht nehmen lassen. Mit diesem drastischen Namen belegte man in West­minster die konservative Parteibürokratie und ihre Anhänger. Das sind keineswegs immer Greise, sondern oft noch ganz lebendige Leute, die aber geistig und politisch in den Anschauungen einer stürzenden Welt befangen sind und sich allem Neu­bau mit dem Eigensinn verknöcherten Denkens ent­gegenstemmen. Die Umstände haben es gefügt, daß die alte Bande heute beinahe identisch ist mit den Männern von Münche n", den Freunden und Anhängern Chamberlains. So kommt es, daß diealte Bande" heute nicht nur von Konservativen angegriffen wird, sondern auch von liberaler Seite und besonders aus den Reihen der Labour-Partei und noch radikaleren Gruppen. Hierdurch wird die allgemeine Auflösung der politischen Formen nur noch stärker unterstrichen, denn früher war die Be­kämpfung deralten Bande" von den anderen Parteien als eine Familienangelegenheit der Kon­servativen betrachtet worden.

Aber diealte Bande" ft i r b t aus. Jede Regie« rungsumbilbung kostet einigen das Leben, und dis Schar am Sterbelager wird immer kleiner. Balo wird es Churchill und feinen politischen Freunden von rechts und links gelungen fein, allein am Toten­bett der konservativen Partei zu stehen, deren Leben Ruhm und Erfolge nicht versagt geblieben waren. Wehmut und Trauer wird nur wenige unter ihnen bewegen, dafür aber die Ungeduld, unbehindert non der konservativen Tradition ihren politischen Ge­schäften nachzugehen.