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rückläufige Bewegung bemerkbar. Die Verbindungs- ftraße über HawaiMidwayWakeGuam ist ge­stört, die Philippinen sind aus dem System heraus- gebrochen. Dafür gibt sich Roosevelt um so mehr Mühe, sich in der Südostflanke des ostasiatischen Reiches, also in Australien, stark zu machen. Und ebenso wie gegen Europa dem britisch-irisch-isländi- schen Brückenkops der arabische entspricht, so hat Australien sein Gegenstück in Alaska. Diesem Brückenkopf soll die Rolle des Sprungbretts nach Japan und die einer Basis für den Nachschubver­kehr nach der Sowjetunion zufallen. Welchen Wert man strategisch auf diesen Stützpunkt legt, ist erst durch die Erörterungen in der nordamerikanischen Presse nach der Besetzung mehrerer Aleuten-Jnseln durch die Japaner deutlich geworden. Als letzter Brückenkopf in diejem weltweiten Plan ist Indien vorgesehen, dem als Mittelpunkt des Kriegs­geschehens wehrwirtschaftlich und beoölkerungs- mäßig eine wichtige Rolle zugedacht worden ist, deren Linie allerdings durch die letzten Vorgänge in Indien selbst erheblich gestört worden ist.

Immerhin: Roosevelts Plan ist jetzt klar. Mit Hilfe dieser fünf Sprungbretter will er die von den Mächten des Dreierpaktes verfolgte Strategie durchkreuzen, mit ihrer Hilfe hofft er, langsam eine überlegene Macht ansammeln zu können, um von hier aus Stoßlinien gegen das Dreimächtepakt- System zu entwickeln, um nach genügender Vorbe­reitung zum entscheidenden Stoß selbst ausholen zu können. Der Plan Entbehrt nicht der Großzügigkeit. Er hat nur einen allerdings entscheidenden! Fehler. Alle diese Stützpunkte, mit Ausnahme viel­leicht von Alaska, wo aber auch noch viele Schwie­rigkeiten zu überwinden sind, liegen Tausende von Kilometern von den USA. entfernt. Alles Material, das für sie bestimmt ist, muß mit Hilfe großer Transportschiffe dorthin gebracht wer­den, und zwar auf einem Wege, der von Tag zu Tag mehr durch die U-Boote der Achse und der Japaner gefährdet ist. Australien fühlt sich zudem immer stärker bedroht, die Vorgänge auf Neu- Guinea sind geradezu ein Menetekel dafür, daß diesem Plan, der eine ruhige Entwicklung der wer­denden europäischen und ostasiatischen Großräume stören will, in der Offensivstrategie der Dreierpakt­mächte eine Gefahr entstanden ist, die man vor­läufig noch durch eine Illusions-Agitation und durch einen krassen Zahlenschwindel bannen zu können glaubt, der aber Kräfte zuwachsen man denke nur an die Aufstandsbewegungen in Indien und an die Gärung im Nahen Osten, die von Roose­velt einfach deshalb übersehen wurden, weil er glaubte, seine künftige Weltherrschaft als Gegen­reformator der heute geschichtlich tragenden Ideen aNfbauen zu können. Gerade in diesem Punkt ist ihm, wie die Geschichte beweisen wird, ein weiterer gewaltiger Fehler unterlaufen, der allein schon seine Maßlosigkeit zum Scheitern verurteilen wird. Außerdem sind, rein strategisch gesehen, der Vor­teil der inneren Linie für die Dreierpaktmächte, ihre weitaus kürzeren Verbindungslinien und ihre zum größten Teil völlig ungefährdeten Nachschubwege so augenfällig, daß dieweltweite Strategie" sich einer Tages als das enthüllen wird, was sie in Wirklichkeit ist: das Werk eines Stümpers! Bkn.

Oer Widerstand auf Madagaskar.

Vichy, 20. Okt. (Europapreß.) lieber die Lage auf Madagaskar berichtet ein am Montagabend herausgegebener amllicher Bericht, daß es den Briten südlich von Ambositra trotz dreitägiger An­griffe nicht gelungen ist, die französischen Verteidi­gungsstellen zu durchbrechen.Die Schlacht von Ambositra", so heißt es in dem Kommunique,die mit dem Einmarsch der Briten in die Hauptstadt Tananarivo am 3. September begann, hat sich als die heftigste der Kampfhandlungen auf Mada­gaskar herausgestellt. Alle britischen Versuche, den Widerstand einer Truppe zu brechen, die entschlossen ist, sich bis zum äußersten zu verteidigen, sind hier seit fünf Wochen gescheitert.

Das Ritterkreuz für besonders erfolgreichen Nachtjäger.

Berlin, 19. Okt. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Haupt­mann Prinz zu Sayn-Wittgenstein, Staffelkapitän in einem Nachtgeschwader. Heinrich Prinz zu Sayn-Wittgenstein, 1916 zu Kopenhagen geboren, ein bereits im Kampf gegen Frankreich, England und die Sowjetunion auf 150 Feindflügen als Be­obachter und Flugzeugführer bewährter Kampf­flieger, erzielte in rund vier Monaten eine einzig

Maria von Lever.

Von WaldemarAirgustiny.

Es gibt viele Leute, die von Stadt und Land Jever noch nichts gehört haben, aber den Jever- ländern wird das gleich sein. Sie sitzen inmitten saftgrüner Marschwiesen, nähren sich vom Handel oldendurgischer Pferde, nähren sich gut, und über den Dächern liegt die Stimmung aus Behagen, Sattheit und geschichtsloser Ruhe/wie viele Land­städte sie besitzen. Aber zwischen den eng zusam­mengerückten Bürgerhäusern heben sich Bauten, die nach großzügigen Plänen errichtet sind, Schloß, Münze, Gericht und Gelehrtenschule, und in den Himmel, dessen durchsichtige Klarheit die Nähe der Nordsee kündet, ragen Türme. Jever war, wie diese Bauwerke bezeugen, einmal Hauptstadt eines selb­ständigen Staates, und also besitzt cs geschichtliche Erinnerungen.

Wenn man fragt, wer das Schloß erbaut, wer die Münzen, die im Museum gezeigt werden, geschlagen, wer die Gelehrtenschule gegründet, wer die Kunst­denkmäler, derer Jever sich rühmen darf, geschaffen hat, hört immer wieder den Namen der letzten Fürstin Maria. Die (Erinnerungen Jevers, scheint es, knüpfen sich vorwiegend an diese Frau, und auch was an Anekdoten, Sagen, Merkwürdigkeiten er­zählt wird, weist fast immer auf sie.

Maria, so hört man, war eine Frau, die nicht mit sich spaßen ließ. Ein Sohn hatte seine Mutter geschlagen? Maria ließ ihn aufs Schloß bringen, und nachdem er gestanden hatte, ihm die rechte Hand abhauen: sie strafte hart. Ein Bäcker hatte ihr nicht die schuldige Ehre erwiesen, indem er sein Holz weiter spaltete, indes sie vorübergjng, und ihr, der Fürsttn, den Hintern zukehrte? Sie zog ihm, da seine Hose sich so hübsch ftrammte, eins mit der Reit­peitsche über, dann aber, als er sich aufreckte und mit einem- unflätigen Ausdruck fragte, wer ihn da geschlagen habe, sagte sie, dieses Schimpfwort werde ihn seine grünen Kleider kosten, womit sie die Ländereien meinte, die der Bäcker vor der Stadt besaß, und wirklich brachte sie diese durch allerlei Rechtshändel an sich. Sie strafte hart und nicht immer gerecht.

Aber die Jeoerländer wissen auch weichere Züge zu berichten. Das abendliche Schlagen der Glocken

Bevin und die Kommunisten.

Don unserer Berliner Schristleitung.

Der britische Arbeitsminister Bevin, der selbst aus der Gewerkschaftsbewegung stammt, hat eine scharfe Verteidigungsrede gegen die Angriffe der englischen Kommunisten gehalten. Sagen wir bes­ser: halten müssen. Sein Hauptargument mar, daß die englischen Kommunisten vor dem sowjetischen Kriegseintritt alles versucht hätten, um die eng­lischen Kriegsanstrengungen unter dem Vorwand au sabotieren, daß der Krieg ein imperialistisches Unterfangen und ohne jegliches Interesse für die Arbeiterschaft fei. Pathetisch rief Bevin aus:Bis zu meinem Tode werde ich den Kommunisten diese Haltung nicht verzeihen." In Wahrheit befindet sich Bevin in einer arg bedrängten Verteidigungsstel­lung. Die offiziöse sowjetische Nachrichtenagentur Taß bringt gerade jetzt einen langen Bericht aus London, der die Entschließungen britischer Beleg­schaften in wichtigen Rüstungsuntemehmen wider­gibt. Alle diese Belegschaften verlangen sofor­tige Eröffnung der zweiten Front. Na- mentlich sind genannt die Belegschaft einer großen englischen Flugzeugfabrik, einer großen Werft am Clyde bei Glasgow, eines Rüstungswerks in Man­

chester, eines Unternehmens in Coventry und einer Delegiertenkonferenz der Transportgewerkschaft, die ... eine Million Mitglieder zählt und aus der Be­vin selbst hervorgegangen ist. Bevin ist also in seiner Stammdomäne bedroht. Man erinnert sich in diesem Zusammenhang an die triumphale Begrü­ßung, die den sowjetischen Militär- und technischen Abordnungen in breiten Kreisen Englands zuteil geworden ist. Mit anderen Worten: Der Gewerk­schaftler Bevin fühlt die kommunistische Faust an seiner gewerkschaftlichen Gurgel. Darum erinnert er die englischen Kommunisten an die Zeit ihres Pak­tierens, als sie in der ersten Kriegszeit der Sow­jetregierung eine Hilfsstellung gaben, die ihrer­seits ihren Krieg wollte und sich eine Zeitlang mit der englischen Regierung um die Frage balgte, ob Ntoskau oder London die Vorhand in der Kriegs­politik habe. Die englischen Kommunisten können Bevin antworten, daß sein Pathos aus derfalschen Kehle" kommt und durch die überkluge englische Politik den Vereinigten Staaten die so hart um- kämpste Vorhand zugefallen ist.

dastehende Leistung: in 49 Nachteinsätzen 22 Nachtjagdabschüsse, darunter neun vier­motorige Bomber, von denen er drei in einer einzigen Nacht innerhalb 39 Minuten abschoh.

Kleine politische Nachrichten.

Der Führer der Gruppe Hessen-Rheinland-Süd des Reichsluftschutzbundes, Generalleutnant Mül­ler-Michels, wurde mit dem Kriegsverdienst­kreuz 1. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet. Die Auszeichnung ist gleichzeitig eine Anerkennung des rückhaltlosen Einsatzes der Amtsträger und Amts­trägerinnen des Reichsluftschutzbundes sowie ihrer seit Jahren geleisteten aufopferungsvollen Luftschutz­arbeit im Gruppenbereich.

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Im Anschluß an den Gruppenführerappell in Ko- burg führte der Stabschef der SA., Viktor Lutte, den neuen Führer der Gruppe Bayernwald,.- Gruppenführer Schmuck, in sein Amt ein. Zugleich «er dem bisherigen Führer der Gruppe, SA.- ?enführer Wagenbauer, der die Führung der Gruppe Hochland übernimmt, Dank und Aner­kennung für die von ihm geleistete Arbeit aus.

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Der Führer hat auf Vorschlag des Reichsministers der Justiz den SA.-Gruppenführer Ministerialdirek­tor Dr. Hans vonHelmsin Berlin auf die Dauer von fünf Jahren zum ehrenamtlichen Mitglied des Volksgerichtshofes bestellt.

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In den Promotionsordnungen der Reichsuniver­sität Posen, die für die Naturwissenschaftliche und Landwirtschaftliche Fakultät durch den Reichs- erziehungsminister bereits genehmigt sind, ist sest- gelegt, daß die ersten Preisträger im Reichsberufs­wettkampf der deutschen Studentenschaft von der Entrichtung der Promotionsgebühren befreit sind.

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Am 25. Todestage des im Weltkrieg gefallenen Dichters Walter F l e x wurde an des Dichters Grabmal auf der Insel Oesel im Auftrage des Reichsstudentenführers Dr. Scheel durch ^-Ober­sturmbannführer Dr. Sandberger, ein Kranz des Deutschen Studenten- und Altherrenbundes nieder­gelegt. Außerdem veranstaltete die Studentenfüh- rung Ostpreußen in Königsberg eine Gedenkfeier.

Das Berufungsgericht hat im Prozeß gegen die Beteiligten am Bombenattentat gegen Botschafter von Papen das Urteil wegen eines Formfehlers aufgehoben und den Prozeß an die erste Instanz zurückgewiesen. Der neue Prozeß wird in Kürze stattfinden.

Zu gleicher Zeit, in der der Tenno mit der ge­samten Regierung und 30 000 Familien Gefalle­ner zu einer eindrucksvollen Heldenehrung nach den Riten der Shinto-Religion am Pasukini-Schrein weilte, gedachte mit ihm das gesamte japanische Volk durch ein Schweigen von einer Minute Dauer der Gefallenen.

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Der Präsident des Ehrenkomitees der französi­schen Legion Tricolore, B e n o i st - M e ch i n, hat

sein Amt niedergelegt. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers wird die Lögion Tricolore durch, den Vertreter der fvanzfifchen Regierung im besetzten Gebiet, Botschafter de B ri n on, geleitet.

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Präsident Roosevelt hat durch ein Dekret das amerikanische Nationalitätsgesetz von 1940 abge­ändert. Danach verlieren naturalisierte nordameri- kani'sche Staatsangehörige ihre nordamerikanische Staatsangehörigkeit, wenn sie sich drei Jahre in dem Land ihrer früheren Staatsangehörigkeit oder fünf Jahre in einem anderen Land außerhalb der Vereinigten Staaten oufgehalten haben. Das neue Gesetz tritt erst am 15. Oktober 1944 in Kraft.

Der spanische Staatschef General Franco hat auf Vorschlag des Parteiministers für die Provinzen Almeria, Burgos, Cadiz, Huesca, Orense, Inlän­der, Sevilla, Teruel und Zamora neue Gauleiter der Falange ernannt.

Kunst und Wissenschaft.

Karl Böhm wird Wiener Staafsopernbiretfor.

Der bisherige Staatsoperndirektor in Dresden, Professor Dr. Karl Böhm, wurde zum Direktor der Staulsoper Wien berufen. Sein Nachfolger wurde der Generalmusikdirektor Karl Eimen- d o r f f, Mannheim. Karl Böhm stammt aus Graz. 1894 geboren, widmete er sich zunächst dem aka­demischen Studium, das er 1909 mit der Promo­tion zum Dr. jur. abschloß. Nach seinen musikali­schen Studien in Wien wurde Böhm 1917 Kor­repetitor am Grazer Opernhaus, dann zweiter und erster Kapellmeister. Der berühmte Wagnerdirigent Carl Muck empfahl Böhm an die Münchner Staats­oper, wo er 1924 erster Kapellmeister wurde. Es folgten dann Darmstadt und Hamburg. Als Dreißigjähriger wurde Böhm Generalmusikdirektor der Dresdener Staatsoper. Karl Elmendorfs wurde 1891 in Düsseldorf geboren. Mainz, spa­ter München und fetzt Mannheim sind die Städte, zu denen er feste Bindungen ein ging. Daneben er­schien Elmendorfs verschiedentlich auch am Pult der Berliner Staatsoper und machte sich als Leiter von Feftspielaufführunaen in Bayreuth als Wagner-Dirigent einen Namen.

Hochfchulnachrichlen.

Der Ordinarius für Gynäkologie und Direktor der zweiten Universitätsklinik der Universität Wien, Professor Dr. Wilhelm Weibel, ist von den amt­lichen Verpflichtungen entbunden worden. Weibel wurde 1876 in Wien geboren. Er promovierte dort 1901, kam dann als Assistent an das Kaiserin-Elisa- beth-Hospital, später an die Bettina-Stiftung und 1908 an die Universitäts-Frauenklinik. 1913 habili­tierte er sich. Von 1929 bis 1931 wirkte er an der Prager deutschen Universitäts-Frauenklinik. Von dort kam er wieder nach Wien zurück. Zum a. o. Professor an der Universität Freiburg wurde Dr. Karl Büchner für klassische Philologie er­nannt. Büchner, der 1910 in Gaschwitz geboren wurde, habilitierte sich 1939 in Leipzig. Professor Dr. Alexander Köhler ist zum o. Professor an der Universität Wien für Mineralogie ernannt worden. Köhler wurde 1893 in Wien geboren. Er studierte

nennen sie Marienläuten, und sie sagen, Fräulein Maria habe dieses Läuten eingerichtet zu ihrem Gedächtnis. Und die Sage hat gleich ein paar hübsche Züge hinzuerfunden. In der Franzosenzeit hatte der Rat der Stadt das Läuten verboten, da­mit es den Feinden die Stadt nicht verriete, die hinter einem Wald verborgen lag; da aber fingen der Sage nach die Glocken von selber zu summen an und zu klingen. Als die Franzosen eingerückt waren, empfanden sie das Läuten als lästig, und sie verboten es; auch diesmal schlugen die Glocken von selber an.

Die Akten sagen über dies Läuten ein wenig nüchterner aus. Maria wollte den Trinksitten steuern und ließ im Winter um zehn, im Sommer um neun Uhr die Glocken schlagen zum Zeichen, daß die Wirtshäuser schließen sollten. Dies wird stim­men, dennoch hat die Sage, wie meist, der Gestalt Marias nichts Falsches hinzugedichtet. Denn die Fürstin, die kinderlos starb, grämte sich, nicht in Kindern weiter leben zu können und vergessen zu werden. Als man den Turm ihres Jagdschlosses abbrechen wollte, fand man auf dem Schlußstein die Inschrift: dieser Turm solle stehen bleiben für alle Zeit guy Gedächtnis Marias. Die Sage, auch wenn sie erpnbet, trifft doch das Wesen.

Im Schloß wird ihr Panzerhemd gezeigt; niemals soll sie ausgegangen fein ohne Panzer und Schwert. Mit dem Panzerhemd hat es eine eigene Bewandt­nis, erzählt der Wärter, denn wenn Besucher einen Ring ausgebrochen hatten, war er am nächsten Morgen wieder nachgewachsen. Dies letzte ist wifsen- schafllich nicht bewiesen, aber der Panzer hat für Maria Bedeutung, sie war eine streitbare Jungfrau. Schon als sie, ein halbes Kind, ihr Erbe antrat, mußte sie um ihre Herrschaft und um die Freiheit Jevers kämpfen. Zeit ihres Lebens, das immerhin 75 Jahre währte, hat sie kämpfen müssen mit Waf­fen und mit Rechtsmitteln, auf geraden und krum­men Wegen, hat sich auf den Kaiser berufen und Burgund gegen den Kaiser ausgespielt, wie es ihr günstig schien, sie hat, wenn das Geld nicht reichte, falsche Münzen schlagen lassen, und als chr vom Reichsgericht das Münzrecht verwehrt wurde, Taler prägen lassen mit der hohnvollen Inschrift: Nach des Reiches Schrot und Korn. Als über die junge Erbin die friesischen Vettern einen Vormund setzten, der sie rechtlos machen sollte, überwand sie diesen

mit den zartesten Waffen: sie gewann ihm das Herz ab. Und dieses Mal trieb sie. kein falsches Spiel, denn sie setzte ihr eigenes Herz zum Pfand und bestand auf Heirat, und- da der Vormund wohl ein Edelmann, aber nicht von ebenbürtigem Blut war, setzte sie in jahrelangem Federkrieg seine An­erkennung durch. Zu eben dieser Zeit aber fiel der Geliebte. Wir wissen nicht, wie Maria den Verlust getragen hat, nur dies ist bekannt, daß sie fortan alle Anträge ausschlug, denn sie wollte nicht, daß jemand sie ihres grünen Kleides, ihrer Güter wegen nähme. Sie ist unverheiratet und kinderlos geblie­ben, obwohl dieses sie schmerzte, keine Kinder zu haben. Ihre mütterliche Fürsorge wendete sich nun dem Ländchen zu. Die Fürsorge ging so weit, daß sie den Bürgern die Krüge Bier nachrechnete, wor­über die Jeoerländer gewiß nicht einerlei Meinung gewesen sind, aber sie stiftete auch Dinge, die all­gemein bestaunt wurden, so das marmorne Grab­mal ihres Vaters Edo Wiemken, die holzgeschnitzte Decke im Schloß, die zahlreichen stattlichen Gebäude, die Gelehrtenschule, die zu Marias Zeit Ruf ge­wann. Ihre Hofhaltung brachte Geld im Umlauf, und die Bürger übersahen gern, daß als Groschen zu ihnen zurückfloß, was als Steuertaler ihnen genommen war. Jeoer, erst durch Maria mit den Rechten einer Stadt versehen, bekam etwas von dem Glanz einer Residenz, und der Glanz schmei­chelte den Bürgern.

Im Schloß wird ihr Bildnis gezeigt. Die steife Tracht des 16. Jahrhunderts verbirgt die Gestalt, aber aus dem schwärzlichen Bildgrund schimmern die gewölbte Stirn und das Oval der Wangen. Dem schön geschwungenen Mund glaubt man die Liebes- nooelle, die so tragisch ausklang, wenn auch die Lippen, eng aufeinandergepreßt, einen männlichen Willen verraten. Die Augen, die hellblauen, groß aufgefchlagenen, künden den klaren, rechnenden Ver­stand der Friesen und noch etwas anderes, die tiefe Melancholie, von der die Sage mannigfach gedichtet hat. Denn auch was von ihrem Tod er­zählt wird, daß sie in einem gläsernen Wagen davon­gefahren sei, daß sie in einem unterirdischen Gang des Schlosses lebe und wiederkehren werde, weist doch wohl auf die schmerzliche Sehnsucht der kinder­losen Frau, weiter leben zu dürfen.

Maria, die selberDochter von Jever" unter ihren Namen setzte, ist von ihren Landsleuten nicht vergessen worden. Ja, dem Fremden scheirtt es, als

in Wien, habilitierte sich 1928 dort und wurde 193 a. o. Professor. Im April 1941 erhielt er den Auf trag, das Mineralogisch-petrographrsche Institut de Reichsunioersität Posen aufzubauen. Der a.Q Professor für orthopädische Chirurgie an der Uni versität Wien Dr. med. Hans Sp i tz y ist auf feine« Antrag von den amtlichen Verpflichtungen entbun* den worden. Spitzy wurde 1872 in St. Leonhard (Steiermark) geboren. Er studierte in Marburg uni Graz und promovierte 1896 in Graz, wo er sich 1905 habilitierte. Er erhielt dann einen Lehrauftrag für orthopädische Chirurgie an der Universität Wien. Dr. Georg Nöbelina ist zum o. Professor an der Universität Erlangen für Mathematik ernannt worden. Nöbeling wurde 1907 in Lüdenscheid ge­boren, studierte in Göttingen und promovierte ifl Wien' 1931. 1935 wurde er in Erlangen Dozenij f 1940 wurde ihm als a. o. Professor der Lehrstuhl für Mathematik übertragen.

Prof. Dr. Heinrich Weizsäcker 80 Jahre all. \

Am 18. Oktober vollendete der Stuttgarter Kunst» Historiker Pros. Dr. Heinrich Weizsäcker sein 80. Le« bensjahr. Seine Ausbildung erhielt er an de« Kunstakademien von München und Berlin und n« den Universitäten Berlin und Göttingen. 1885 trat er als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in die von Wilhelm Bode geleiteten Abteilungen der Ge* mäloe und Skulpturen bei den Museen in Berlin ein. Von hier aus übernahm er die Direktion des Sammlungen des S t ä d e l f ch en K u n ft i n ft i« tuts in Frankfurt. Ein schon durch feinen Vorgänger Henry Thode eingeleiteter Wiederauf« bau dieser allangesehenen damals jedoch durch finanzielle Schwierigkeiten bedrängten Stiftung, bil« bete feine Hauptaufgabe. 1904 folgte er einem Ruf als Ordinarius der Kunstgeschichte an die T. H. Stuttgart. Diesem Wirkungskreis ist er bis zu feinet 1930 erfolgten Emeritierung treu geblieben. Aus feiner Feder erschienen eine zweibcinde Geschichte der Frankfurter Kunst im 19. Jahrhundert, ferne? die Publikationen derKunstschätze des ehemaliger Dominikanerklosters in Frankfurt a. M." und de? im Stcidelschen Institut aufbewahrten Zeichnungen» banbes des Frankfurter Malers Adam Elsheimer« sowie der erste Band einer erschöpfenden Darstel hing vom Leben und Wirken desselben.

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Vermutlich ein Verbrechen!

Kriminalpolizeileitstelle München teilt

Die ledige Zahnärztin Dr. Maria ßangener geboren am 6.5.1917 zu Köln, wird feit 4. 7.194! vermißt. Sie war in München wohnhaft und zuletz in Begleitung des ledigen Otto P f i tz e r, geb. ait 26.10.1915 zu Ludwigsburg, der sich dem Mädchen und dessen Verwandten gegenüber als Dr.-Jng. und Architekt ausgab und in betrügerischer Weise Hei­ratsabsichten oortäuschte. Pfitzer ist seit dem gleicher Zeitpunkt aus München verschwunden. Beide Haber

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blond, hat blaue Augen und eingefallenes Gesicht. Maria ßangener ist 1,65 m groß, schlank, Hai dunkelbraune Augen, kastanienbraunen Bubikopf,

vollständige weiße Zähne und eine Operationsnarbe hinter einem Ohr. Sie trug zwei goldene Armreifen » und Brillantanhänger in Schleifenform. Sachdien- ?erf L liche Mitteilungen find erbeten an Kriminalpolizei- !eiter leitstelle München, 1. Kommissariat, Telephon 14321, Nebenstelle 636.

Aus dem Reich.

Oer Neubau der Rechtspflege.

Der neue Reichsjustizminister Dr. Thierack hat auf einer Tagung der Oberlandesgerichspräsrdenten und Generalstaatsanwälte gesprochen. Die Rede wird jetzt in derDeutschen Justiz" veröffentlicht. Der Minister bekennt sich darin erneut dazu, daß im Mittelpunkt der Aufbauarbeit der Richter stehen muß, in dem das Volk den Repräsentanten ber Rechtspflege erblickt. Der Richter sei die Verkörpe­rung des lebendigen Gewissens der Nation. Hierin liege seine staatserhallende Tätigkeit. Die Staats« führung müsse dem Richter die allgemeine Linie geben, die eingehalten werden müsse, wenn die Rechtspflege ihre Aufgaben erfüllen soll. Entschei» dend sei die persönliche Haltung und menschliche Reife und Heberlegenheit des Richters, der des­halb für feine Aufgabe durch das Leben vorbe­reitet fein müsse. Er müsse in und mit seinem Volke sehen, womit die Gefahr gebannt werbe, daß

sei in ihre Gestalt eingegangen alles, was dies» vom Handel lebende ßanbftabt an geschichtlichen Er» innerungen besitzt; mit Marias Tode, 1675 fiel dis Herrschaft Jever an die Oldenburger Grafen, und Jever trat aus dem Licht der Geschichte zurück.

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Zeitschriften.

Die von Professor Heinrich Hoffmann heraus« gegebene MonatsschriftK u n st d e m V o 1 k" (Vett lag Heinrich Hoffmann, Wien) hat ihre letzte Aus» gäbe als Sonderheft mit Text und Bildern ganz dec Großen Deutschen Kunstausstellung München 1942 gewidmet. Der Kunstliebhaber, der keine Gelegenheit hatte, diese repräsentative Ausstellung zu besuchen, erhält hier einen gewissen Heberblick über Stoff« wähl und Stiltendenzen (soweit das bei über 1200 ausgestellten Werken im begrenzten Umfang einet Zeitschriftennummer eben möglich ist). Jedenfalls wird man hier, vor allem was die Malerei betrifft aus einer Reihe technisch vorzüglicher Farbwieder« gaben einen sehr viel klareren Eindruck gewin­nen als aus den üblichen Schwarz-Wei^-Reproduk« tionen.

Das Oktober-Heft der MonatsschriftNeuer Volk" (Blätter des Rasfenpolitischen Amtes der NSDAP., Verlag Berlin SW. 68) bringt an der Spitze einen grundsätzlich bemerkenswerten Beitrag von Dr. W. Hüttig über Entwicklung und Abstam« mung in ihrer Bedeutung für den Menschen. Sehr aufschlußreiche, sozusagen sprechende Bilder begleiten den AufsatzRassen-Zirkus", in dem H. Schubert die jüdisch-bolschewistische Irrlehre von der fünf« tigen Vereinigung aller Völker der Welt zu einem Einheitsvolk" brandmarkt. (Die Aufnahmen sind einem die Rasfenschande verherrlichenden sowjeti« schen Agitationsfilm entnommen.) Alfred Rosen« berg liefert einen sehr aktuellen BeitragHeber die Schicksalsaufgabe der europäischen Völker". Archiv« direktor Dr. Gerber (Frankfurt) gibt in feinem AufsatzZunesprache mit den Ahnen" einen Heb er­blick über die reichen familiengeschichtlichen Quellen des Archivs. Dr. Gustav Franke behandelt in der Kleinen Vererbungslehre" die FrageWas ist eine Letalanlage?" Die Auskünfte in denVölkischen Lebensfragen" sind wie stets auch für den nicht unmittelbar Angesprochenen lesenswert und vou allgemeinem Interesse.

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