Aus der Giadi Gießen.
Abschied von -er Schule.
Don der Schulbank ins Leben springt es sich leicht. Jeder Junge, jedes Mädel macht diesen Sprung ohne Sorgen. Sie sind acht Jahre lang zur Schule gegangen, und man hat ihnen nicht umsonst in der letzten Zeit immer wieder von der Schulentlassung gesprochen. Zu Hause am Familientisch, im Kreise der Kameraden, beim Besuch der Tante: überall warf das Ereignis der Schulentlassung seine Schatten voraus, es wurde gewissermaßen zum Wegweiser, nach dem sich das Dasein in den abgelaufenen Monaten richtete. Die Scharen der Jungen und Mädchen, die jetzt die Schulbank verlassen, haben diesen Augenblick herbeigesehnt, sie fühlen sich glücklich und stolz, daß sie nun aufaenommen werden in die Gemeinschaft der Erwachsenen, in der sie ihr eignes Leben schmieden sollen.
Und wie sie es schmieden wollen. Tatendrang ohnegleichen beherrscht sie alle. Das Gleichmaß des Schullebens mit seinen kleinen Freuden undLeiden soll abgelöst werden von der Berufstätigkeit, die in der jugendlichen Dorstellungswelt den Glanz romantischer Verklärung erhält. Gewiß, der Lehrer hat sie eindringlich darauf hingewiesen, daß das Löben ein großes Maß von Pflichten verlangt, daß es darauf ankommt, unermüdlich und fleißig zu arbeiten, wenn man vorwärts kommen will. Aber damit wollen sie schon fertig werden, den guten Willen dazu haben sie ausnahmslos. Was sie jetzt reizt, was ihrem jungen Streben Schwung verleiht, ist das unbekannte Land hinter dem Tor des Lebens, das sich vor ihnen öffnet. Mit der Begeisterung und dem Glauben an den Erfolg, den jeder Forschungsreisende auf seiner Fahrt in neue Gebiete mitbringt, schicken sie sich an, die neue Form ihres Daseins zu gewinnen. Ungeduldig erwarten sie den Tag, an dem sie zum erstenmal den Berufskittel anziehen können.
Daß diesem ersten stolzen Tag hundert andere folgen werden, die nüchterner sind. Tage, die die Geduld und den Eifer hart erproben, ist für sie zunächst ohne Bedeutung. Wer würde sich, auch wenn er schon älter wäre, durch den Hinweis auf mögliche Schwierigkeiten in seiner Bereitschaft, ein Ziel zu erreichen, beirren lassen? Je jünger aber der Mensch sich eine wichtige Aufgabe stellt, um so entschiedener kann sein Einsatz, um so vorbehaltloser seine Begeisterung sein, die allen Erscheinungen die gute Seite abgewinnt. Für die Erwachsenen ist es eine Freude, diesen Schwung der Jugend zu spüren, und es sollte deshalb ;edem von ihnen eine Selbstverständlichkeit sein, ihm mit Güte und Wohlwollen zu begegnen. Denn die jungen Menschen bedürfen der Güte und des Wohlwollens, wenn sie durch das Tor des Lebens geschritten sind, um gemeinsam mit ihren älteren Kameraden an dem Werk zu arbeiten, das uns alle angeht. H. W. Sch.
Bei Fliegeralarm unverzüglich in -en Lustschuhraum!
Die bei der Tätigkeit der feindlichen Flieger über dem Reichsgebiet ’ gemachten Erfahrungen zeigen immer wieder, daß Verluste 'in der Bevölkerung in der Hauptsache dort eintreten, wo aus Sorglosigkeit die Luftschutzräume nicht ausgesucht worden sind.
Volksgenossen, werdet nicht leichtsinnig! Begebt euch bei Fliegeralarm unverzüglich in den Luftschutzraum!
Keine Reisen in der Osterzeit.
Reue Grundlagen in -er Lebensmittelzuteilung
Auf Grund des im Reichsanzeiger vom 19. März veröffentlichten Erlasses über die Durchführung des Kartensystems für Lebensmittel für die 35. Zutel- lungsperiode vom 6. April bis 3. Mai 1942 treten in der Höhe der Rationen für Brot und Mehl, Fleisch, Fette sowie Kaffeeersatz und Zusatzmittel Veränderungen ein. Das Umtauschverhältnis Marmelade — Zucker wird auf 700 zu 350 Gramm (bisher 450 Gramm) geändert. Die Käseration wird von 125 Gramm auf 187,5 Gramm erhöht; außerdem werden wie bisher 125 Gramm Quark ausgegeben.
Jeder Versorgungsberechtigte mit Ausnahme der Selbstversorger erhält in der 35. Zuteilungsperiode eine Sonderzuteilung von einer Normaldose Kondensmilch. Im übrigen bleiben die laufend gewährten Rationen an Schweineschlachtfetten, Quark, Getreidenährmitteln, Teigwaren, Kartoffelstärkeerzeugnissen, Vollmilch, Zucker, Marmelade, Kunsthonig und Kakaopulver der 34. Zuteilungsperiode unverändert.
Im einzelnen bleiben die Brotrationen der Kinder und Jugendlichen von 6 bis 20 Jahren sowie die Brotzulagen der Schwer-, Schwerst-, Lang- und Nachtarbeiter unverändert. Gesenkt wird dagegen die Brotration der Normalverbraucher über 20 Jahre um wöchentlich 250 Gramm auf 2000 Gramm und die Brotration der Kinder bis zu drei Jahren um 200 Gramm wöchentlich auf 900 Gramm. Die Kinder bis zu drei Jahren erhalten jedoch unverändert wöchentlich 125 Gramm Kinderstärkemehle. Die Brotration der Kinder von drei bis sechs Jahren wird um wöchentlich 100 Gramm erhöht unter Herabsetzung der Ration an Kinderstärkemehlen auf die Hälfte (62,5 Gramm wöchentlich).
I Die Brotkarte A berechtigt künftig nur noch zum Bezüge von Brot aller Art einschließlich Mischbrot, jedoch mit Ausnahme von Weizenbrot. Die Brotkarte B, die wie bisher neben der Brotkarte A an Normalverbraucher und Jugendliche von 10 bis 20 Jahren ausgegeben wird, berechtigt zum Bezüge aller brotkartenpflichtigen Waren einschließlich Weizenmehl und der anderen Weizenerzeugnisse (Kuchen usw.).
Bei Fleisch oder Fleischwaren werden die Rationen der Normalverbraucher über 18 Jahre und der Kinder bis zu sechs Jahren um wöchentlich ICO Gramm, die Rationen der Kinder und' Jugendlichen von 6 bis 18 Jahren um wöchentlich 50 Gramm gekürzt. Die Zulagen werden für Schwerarbeiter um wöchentlich 100 Gramm, für Schwerstarbeiter sowie Lang- und Ngchtarbeiter um wöchentlich 50 Gramm gesenkt.
Die Gesamt-Fettrationen der Kinder bis zu 14 Jahren und die Fettzulagen der Lang- und Nachtarbeiter bleiben unverändert. Die Fettrationen der Normalverbraucher werden für die Zuteilungsperiode (vier Wochen) um 250 Gramm, der Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren um 125 Gramm gekürzt. Daneben tritt eine Kürzung der Fettzulagen der Schwerarbeiter in Höhe von 100 Gramm und der Schwerstarbeiter in Höhe von 400 Gramm ein.
Eine weitere Neuerung ist die Einbeziehung der Milei-Nachspeise und der Soßenpulver für Süßspeisen in die Karten- und Bezugscheinpflicht für Kartoffelstärkeerzeugnisse.
Die Ration an Kaffee-Ersatz und -zusatzmitteln wird für Verbraucher über drei Jahre auf 312,5 Gramm je Zuteilungsperiode festgesetzt. Kinder bis zu drei Jahren erhalten keine Kaffee-Ersatz- und Zusatzmittel.
Den Versorgungsberechtigten, die Marmelade einkochen und Obst einmachen und deswegen auf den Bezug von Marmelade zugunsten von Zucker verzichten wollen, wird Gelegenheit gegeben, den Zjlk- fer, der an Stelle von Marmelade bezogen werden kann, zu dem geänderten Umtauschverhältnis von 700 zu 350 Gramm in der Zeit vom 6. April bis 26. Juli 1942 zu jedem beliebigen Zeitpunkt unabhängig DOft der Gültigkeitsdauer der Einzel ab schnitte zu beziehen. Es ist daher möglich, die gesamte für die 35. bis 38. Zuteilungsperiode bestimmte Zuckermenge von 1400 Gramm zu Beginn der 35. Zuteilungsperiode zu kaufen.
In der 37. bis 39. Zuteilungsperiode werden die über sechs Jahre alten Versorgungsberechtigten und die Inhaber der Reichsfettkarten SV I, SV III und SV V je 50 Gramm Speiseöl an Stelle von 62,5 Gramm Margarine -in jeder Zuteilungsperiode erhalten. Die Vorbestellung für den Bezug dieses Speiseöls muß spätestens bis zum 11. April 1942 erfolgen.
Einen Vergleich der alten und der neuen Rationen in Gramm je Woche ermöglicht die folgende Gegenüberstellung:
Brot
Bisherige W
Rationen 6. 4.1942
Kleinstkinder bis zu 3 Jahren 1100 900
Kleinkinder von 3 bis 6 Jahren 1100 1200
Kinder von 6 bis 10 Jahren 1700 1700
Jugendliche von 10 bis 20 Jahren 2600 2600
Normalverbraucher über 20 Jahre 2250 2000
Lang- und Nachtarbeiter 2850 2600
Schwerarbeiter 3650 3400
Schwerst arb eiter 4650 4400
Jett.
Kleinstkinder bis zu 3 Jahren 125 125
Kleinkinder von 3 bis 6 Jahren 188 188
Kinder von 6 bis 14 Jahren 266 266
Jugendliche von 14 bis 18 Jahren 301 269
Normalverbraucher über 18 Jahre 269 206
Lang- und Nachtarbeiter 289 226
Schwerarbeiter 394 306
Schwerstarbeiter 738 575
Fleisch.
Kleinst- und Kleinkinder bis zu
6 Jahren 250 150
Jugendliche von 6 bis 18 Jahren 400 350
Normalverbraucher über 18 Jahre 400 300
Lang- und Nachtarbeiter 600 450
Schwerarbeiter 800 600
Schwerstarbeiter 1000 850
Die Sätze für Selbstversorger sind entsprechend geändert worden. Weitere Einzelheiten über die Neuregelung sind aus dem Reichsanzeiger vom 19.3. zu ersehen.
Auf die Gruppe der Normalverbraucher entfaWen nur rund 40 v. H. des deutschen Volkes. 60 v. H. entfallen auf die übrigen Verbrauchergruppen, die Wehrmacht und die Selbstversorger.
Unsere emähnmgswirMaMche Ausgabe.
Die wichtigen Aufgaben, die die Deutsche Reichsbahn zu erfüllen hat. gestatten während der Oster- zeit keinerlei zusätzliche Zugleistungen; die Versorgung der Front und die Beförderung von Soldaten müssen der Erfüllung aller übrigen Wünsche vorangehen. Es muß daher von jedem Volksgenossen verlangt werden, daß er alle nicht unbedingt notwendigen Reisen während der Osterzeit unterläßt; auch für die auswärts eingesetzten Angehörigen kriegswichtiger Betriebe kann keinerlei Sonderrege- sung' getroffen werden. Unsere Soldaten an der Front müssen trotz der großen Leistungen, die von ihnen verlangt werden, schon lange , auf jeden Urlaub verzichten; die Volksgenossen in der Heimat dürfen mit ihren Opfern nicht hinter ihren Soldaten zurückstehen.
** Das „Konzert der Jugend" verlegt. Das für den kommenden Sonntag, 22. März, geplante Konzert der Jugend, das vom Chor und dem Orchester der Hitler-Jugend Bann 116 veranstaltet wird, mußte auf einen späteren Termin verlegt werden.
verdunkelungszeit:
20. März von 20.34 bis 6.54 Uhr.
Der totale Krieg wird nicht durch Einzelleistungen gewonnen. Er braucht die Anstrengung der ganzen Nation auf allen Gebieten. Der Soldat, der Mstungsarb eiter, der Bauer und auch der Verbraucher müssen jeder an seiner Stelle alles daransetzen, um den Krieg zu gewinnen. Im Ernährungssektor bedeutet dieser Einsatz für den Sieg die Anpassung an die Ernährungslage in einer Weise, daß auch von dieser Seite her keine Bedrohung und Gefährdung des Sieges kommen kann. Wenn daher jetzt eine neue Angleichung der Lebensmittelrationen an die gegebenen Deckungsmöglichkeiten notwendig ist, so befugt das nicht etwa, daß die Ernährüngslage und die Vorratslage so1 schlecht wären, daß nichts mehr zum Verteilen da wäre, sondern lediglich, daß unsere Ernährungswirtschaft auch unter dem Gesichtspunkt dks Durchhaltens bis zum Sieg und der Sicherung des Sieges stehen muß.
Mit der am 6. 4. beginnenden Zuteilungsperiode werhen die Rationen an Fleisch, Fett und Brot für fast alle Verbrauchergruppen im gewissen Umfange gekürzt, wobei man die Kinder und die besonders schwer arbeitende Bevölkerung, national- sozialistischen Grundsätzen entsprechend, nach Möglichkeit geschont hat.
Für diese, das ganze Volk gleichmäßig betreffenden Maßnahmen liegen, wie der Staatssekretär im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft Herbert Backe in einem im „Völkischen Beobachter" veröffentlichten Aussatz eingehend erläutert, vor allem zwei Gründe vor. Zunächst ist es die außerordentliche Ungunst der Witterung, die im letzten Jahre nicht nur in Deutschland, sondern in fast ganz Europa vorgeherrscht hat. Der lange und harte Winter 1939/40 hatte zu Auswinterungen von Brotgetreideflächen geführt, die allerdings durch die gute Kartoffelernte im Jahre 194Q einen gewissen Ausgleich fanden. Dem ebenfalls anormalen langen Kriegswinter 1940/41 folgten ein ungewöhnlich spätes Frühjahr und ein naßkalter Sommer und Herbst, der vor allem die Hackfruchternte erheblich beeinträchtigte. Die geringe Futterkornernte und die durch den frühen Frost geschädigte Kartoffelernte schmälerten das für die Schweinehaltung erforderliche Futter und damit die Fleischund Fetterzeugung. Als Folge dieser Witterungsverhältnisse waren aua) die Einfuhren aus den europäischen Ländern geringer, die von Deutschland zu leistenden Zuschüsse größer.
Zu diesen ungünstigen Auswirkungen abnormer Witerungsverhältnisse kommt der gegenüber den
Friedenszeiten erheblich gestiegene Bedarf. Jeder wird verstehen, daß der Soldat, seinem höchsten Einsatz entsprechend, bestens genährt werden muß. Das erwartet jeder Volksgenossen in der Heimat. Für die vergrößerte Wehrmacht müssen aber auch in wachsendem Umfange Waffen, Munition und sonstiges Rüstungsmaterial hergestellt werden. Dies hat zu einer Vermehrung der Zahl der Schwer- und Schwerstarbeiter und vor allem der Lang- und Nachtarbeiter geführt. Infolgedessen hat sich die Zahl derer, die Lebensmittelzulagen erhalten müssen, gegenüber dem ersten Kriegsjahr um mehr als eine Million erhöht. Aus dem gleichen Grund wurden als Ersatz für die zur Wehrmacht eingerückten Männer rd. 2,5 Millionen Arbeitskräfte aus dem Abslande nach Deutschland gebracht. Darüber hinaus wurden mehrere Millionen Kriegsgefangene in den Arbeitsprozeß der deutschen Wirtschaft ein« gereiht. Auch dafür werden natürlich zusätzlich Lebensmittel benötigt. Die Jndustriereviere in den besetzten Gebieten, deren Arbeit in den Dienst unserer Wehrmacht gestellt wurde, erfordern Lebens- mittelzuschüsse von uns, da diese Gebiete vielfach noch nicht in der Lage sind, sich vollständig aus der eigenen Produktion zu ernähren. Hierbei handelt es sich vor allem um Brotgetreide. Das Gebot der Treue verpflichtet uns auch, unserem tapferen Verbündeten Finnland bet der Uederwindung seiner Ernährungsschwierigkeiten behilflich zu sein. Der Zuschußbedarf Finnlands ist jetzt im Kriege natürlich erheblich größer als in Friedensjahren, denn die starken Anforderungen der Wehrmacht und außerordentlich ungünstige Wetterverhältnisie im vorigen Jahre haben auch dort ihre Auswirkungen gezeitigt, denen ausreichend zu begegnen wir behilflich sein müssen.
Die Nahrungsmittellieferungen Deutschlands an das verbündete Finnland und an verschiedene besetzte Gebiete sind ein entscheidender Beitrag für den Neuaufbau Europas. Deutschland liefert im dritten Kriegsjahr an die genannten Länder Brot- getreibe in einem Umfang, der ausreicht, um damit rund 10 Millionen Menschen ein Jahr mit Brot versorgen zu können. Diese Leistung vollbringt mitten im Krieg ein Deutschland, das im Frieden immer in erheblichem Umfange Brotgetreide eingeführt hat, und das nach internationalem Recht tn keiner Weise zu derartigen Lieferungen verpflichtet ist. Nichts kennzeichnet besser den Unterschied zwischen der deutschen und der englischen Haltung als die Tatsache der deutschen Nahrungsmit« tellieferungen an verschiedene europäische Länder, und die von England verhängte Hungerblockade über seine ehemaligen Verbündeten, die England auch dann aufrechterhält, wenn sichergestellt ist, daß etwa eingeführte Nahrungsmittel Deutschland weder direkt noch indirekt zugute kommen. Es sei nur an die rücksichtslose Hungerblockade Englands gegenüber Griechenland erinnert.
Es liegt auf der Hand, daß diese gesteigerten Anforderungen nunmehr, um die weitere Stabilität der Lebensmittelrationen zu sichern, eine Anpassung des innerdeutschen Verbrauchs an die gegebenen Dersorgungsmöglichkeiten erforderlich machen. Dabei'sind die Kinder und die besonders schwer arbeitende Bevölkerung, die Zulagen erhält, möglichst geschont worden. Die Rationen der Selbstversorger werden, soweit sie nicht bereits im Hinblick auf die allgemeine Senkung ermäßigt worden sind, entsprechend gekürzt.
Um auch auf dem Ernährungssektor die Erreichung des Sieges zu sichern, kann man sich aber nicht nur damit bescheiden, Soll und Haben anzugleichen, sondern es gilt aych, die Aufgaben, die die neue Lage stellt, zu erkennen und an ihrer Lösung tatkräftig mitzuarbeiten. So müssen vor allem alle verfügbaren Kräfte in Deutschland und in ganz Europa noch mehr als bisher mobilisiert werden.
ist wirklich ideal, es gibt dem Kuchen, auch wenn er mit dunklem Mehl gebacken ist, ein appe» titliches Aussehen und feinsten Vanillegeschmack J).üfävtSSackfein ist das unbedingt zuverlässig» Backpulver
Der feurige Gfen
Boman von Hans von Hülsen
44. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Abbeg sah ihn aus seinen glasigen Fischaugen an — Fehr schien es, als zucke ein kleines verhaltenes Lächeln um feine Lippen.
„Aber höchst bedauerlich, Herr Baron", sagte er: „Vielleicht das Herz ordentlich mit Alkohol an- regen? Nicht? Habe gar nicht gewußt, daß Sie am Herzen laborieren ... Tut mir jedenfalls aufrichtig leid. Aber wir sind ja nächste Nachbarn, und nachdem ich nun at home bin, sehen wir uns hoffentlich bald wieder. Mit der Frau Baronin, der ich mich angelegentlichst zu empfehlen bitte ..."
Fehr ließ sich auf dem Vorplatz vom Diener in den Mantel helfen und trat in die großgestirnte Nacht hinaus. Sein Kopf glühte — er merkte es doppelt in der Kühle der Nachtluft. „Und wenn ich sie treffe, dann —", dachte er ...
Aber er konnte den Gedanken nicht zu Ende denken; denn gerade als er den Schlag seines Autos öffnete und die Scheinwerfer einschaltete, tauchte in ihrem Lichtkegel der rote Sportwagen Fontanas auf, und der Komponist sprang heraus.
Er blinzelte ein wenig ins Licht, erkannte Fehr, kam auf ihn zu.
„Ja, was denn, Herr Baron? So früh nach Haufe? Ich bin mächtig spät dran, ich war in der Stadt ..."
„In der Stadt?!", echote es in Fehrs Kopf. „Auch Marion war in der Stadt ... auch sie war spät daran ..."
„Ich hatte ein paar Besorgungen, und dann habe ich genachtmahlt und dabei ein Telephongespräch nach Wien angemeldet — das hat wahnsinnig lange gedauert, das Amt hat mich immer hingehalten, sonst wäre ick längst hier ..."
„Lügst bu?z' dachte Fehr. „Wer so viele Einzel
heiten auftischt, lügt gewöhnlich!" —1 Er sagte mit plötzlichem Einfall, und das Herz wurde ihm für eine Sekunde leichter dabei: 1
„Da ich Sie gerade treffe, Herr Fontana, — Sie ersparen mir da einen Brief. Ich habe mir nämlich die Sache mit dem Jagdhaus überlegt. Ich kann den Vertrag doch nicht unterschreiben/'
„Nicht? Aber ich bitte, Herr Baron, warum denn nicht? Das ist ja direkt tragisch für mich! —
„Glaube ich dir!" dachte Fehr. Er sagte:
„Nun, so schlimm wird's nicht gleich sein. Aber es gibt da gewisse Notwendigkeiten, anders über 'das Haus zu verfügen. Natürlich erst vom Oktober an, wenn unser Kontrakt ab gelaufen ist."
„Das ist wirklich sehr, sehr schade! Ich hatte mich so darauf gefreut. Auf Ehre, Baron, es ist ein schwerer Schlag für mich —"
„Aber ich will Sie nun nicht länger aufhalten, Herr Fontana, Sie werden da drinnen sehnlichst erwartet. Gute Nacht!"
Fontana fühlte eine kalte Hand in der seinen — dann faß Fehr am Steuer.
Auf der Fahrt zum Schloß sagte er sich immer wieder, daß er die Wahrheit nicht hören würde.
Er schloß die Haustür auf, läutete nach Fabian und ging, noch im Mantel, in sein Zimmer.
Es war dunkel. Aber die Galerie mit den vielen Fenstern nebenan mar matt erleuchtet — vom Licht der Vitrinen. Und dort vor den Glasschtänken sand er Marion.
„Kind, was machst du hier?" fragte er verwundert.
„Ach, ich besehe mir deine Gläser. Und weißt bur Jan, ich zanke mit mir selbst, daß ich mich bisher so wenig dafür interessiert habe — wo es doch dein liebstes Steckenpferd ist. Du mußt mir einmal alles ordentlich erklären! Aber ist es denn schon so spät, daß du heimkornrnst? . Ich habe die Zeit ganz vergessen —"
Er biß die Zähne zusammen, um ein Stöhnen zu unterdrücken, das aus feiner Brust emporguoll. Leidenschaftlich schloß er sie in die Arme:
s „Nein, nein, früh ist es ...! Ich wußte den Grund nicht, aber nun weiß ich ihn: ich wollte zu dir!"
Wenn Christian Fehr später zurückdachte, erschien ihm diese knappe Woche zwischen der Donnerstag- ! Nacht, da er Marion vor den erleuchteten Di- | trinen gefunden, und dem nächsten Mittwoch, an dem der Blitz nieder,zuckte, als eine der glücklichsten Zeiten, die er je durchlebt.
In Marions Armen löste sich der Krampf seines Herzens. Die bösen Geister, die ihn so lange geängstigt, fuhren aus. Als er ihr am nächsten j Morgen entgegentrat, fühlte er sich glücklich er-1 neut, von allen Spukgewalten befreit. Er wußte । nun, daß er geirrt hatte, als er sich so weit ver-1 gaß, an ihr zu zweifeln. Er war gleichsam durch; | eine schwere Krankheit hindurchgegangen und nun! 1 geheilt. Sonne schien über seinem Herzen — die- । selbe milde, gütige Sonne, die über dem lang« 1 gestreckten Lappersdorfer Tal und dem von Schnee und Eis befreiten blauen Gebirgskamm alltäglich ihren weiten Bogen zog und die Knospen an Busch und Baum streichelte, daß sie schwollen und auf- brachen
Er arbeitete nichts in diesen glücklichen Tagen, schob alles, was sie an Forderung brachten, seinen Beamten zu und widmete sich ganz der geliebten Frau. Sie ritten viel spazieren, durchstreiften auf „Raoul" und „Fatme" den frühlinghaft duftenden Wald, in dessen dunklem Grün sck>on die ersten Lichtftandarten der jungen Birken leuchteten; und wenn sie vom Sattel aus miteinander plauderten und scherzten, so war's wie ein Regenbogen der Liebe zwischen ihnen. Nicht anders in den Abendstunden vor dem flammenden Kamin. Der rot» zuckende Widerschein des Feuers spielte auf Marions zarten Fußfeffeln — und das erregte Fehr so, daß er jünglinghaft auf sprang und die leichte Last aus dem Sessel und auf seine Knie hob und tiefverzückt den Duft ihres Haares atmete. Und Anfang und Ende war Liebe —
I Auch das trübte das Glück dieser Tage nicht,
daß am Samstag unter der Post ein schwarzgeränderter Umschlag lag. Fehr öffnete ihn mit ruhigen Fingern. Er enthielt die Anzeige, daß Fräulein Hermine Strakonitz in ihrem 67. Lebensjahre sanft entschlafen war. Unterzeichnet war sie: Drofessor Dr. Strakonitz, Dresden-Loschwitz, und Ulla Wulslom, geb. Baronesse Fehr, Lappersdorf, Schlesien.
Nach dem Frühstück rief Fehr Dr. Wulflam an, von dem er Näheres zu erfahren hoffte. Ja, Wulflam wußte Näheres, er hatte einen ausführlichen Brief von Ulla, die nun schon fast zwei Wochen in Dresden war, um der alten Tante die letzten Sehen stage zu erleichtern, zu verschönen — um nach Eintritt .der Katastrophe dem vielbeschäftigten Onkel beizustehen. Hermine Strakonitz war sanft hinübergeschlummert, den Kopf in Uüa$ Arm gebettet, überraschend, zu einer Zeit, da' der Bruder in^ Operationssaal seiner Klinik unerreichbar gewesen war. Unmittelbar nach dem Begräbnis wollte Ulla nach Hause kommen.
Fehr schrieb einen Brief an Ulla nach Loschwitz und bat darin dem Schwager seine Anteilncchme auszusprechen; auch beauftragte er ein Dresdner Blumengeschäft, einen Kranz nach der Schillerstraße zu schicken.
Am Abend spät, als er in sein Schlafzimmer zurückkehrte, meldeten sich Bilder aus der dunklen Vergangenheit, von Besuchen, die die Verstorbene vor langen Jahren, bald nach feiner Heirat, in Lappersdorf gemacht hatte. Damals war Annette blutjung gewesen! — Hatte er sie eigentlich geliebt, wie MEvn? Konnte mhn in der Jugend überhaupt so lieben? Und hatte sie ihn geliebt, wie Marion ihn liebte? — Er wußte es nicht. Es gab Augenblicke, in denen er es bezweifelte. — „Nett", dachte er, „daß Ulla die alte Verbindung aufrechterhalten hatte —" Und dann vertiefte er sich, angenehm ermüdet, in das Buch, das immer auf seinem Nachttische lag.
(Fortsetzung folgt.)


