nistischen Partei und Verteilung von kommunistischem Propagandamaterial.
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Die chilenische Regierung hat die Presse aufgefor- bett, Satatsoberhäupter fremder Nationen nicht mehr persönlich anzugreifen, da sie sonst zu Maßnahmen gezwungen sein würde, um den Mißbrauch der Pressefreiheit zu unterbinden. Wegen Beleidigung ihrer Staatsoberhäupter hatten Vorstellungen erheben lassen: Deutschland, Japan, Spanien, Frankreich, die Vereinigten Staaten, Brasilien und Paraguay.
Aus aller Wett.
Der Doppelmörder Lüdtke feskgenommen.
Der 32 Jahre alte Raubmörder Walter Lüdtke, der am 4. Februar d.I. in einer Villa in Berlin- Dahlem eine Frau und deren 77 Jahre alte Mutter ermordet und beraubt hat, ist i n der N ähe von Padua von der italienischen Gendarmerie festgenommen worden. Der Verbrecher wurde nach Berlin gebracht und hat sein Verbrechen vingestan- den. Nach Ausführung des Verbrechens, bei dem Lüdtke auch fast für 100 000 RM. Schmucksachen erbeutete, war es ihm gelungen, über Wien nach Italien zu entkommen, wo er sich unter falschem Namen zunächst in Udine aufhielt. Dort verkaufte er die wertvollsten Stücke des geraubten Schmuckes für 3000 Lire. Später versuchte er nach Triest zu gelangen. Auf dem Wege dorthin wurde er aber von italienischen Gendarmeriebeamten festgenom- men. Durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen der italienischen und der deutschen Polizei wurde bald festgestelll, daß es sich bei dein Feftge- nommenen um den Raubmörder Lüdtke handelt. Von dem ^rlös seines Raubes wurden bei dem Verbrecher nur noch 74 Lire vor gesund en. Der Doppel mörder ist sogleich dem Sondergericht vorgeführt worden.
Zuchthaus für Lebensmittelschieber.
Der Fabrikdirektor Dubielcrk aus Memel hatte auf wiederholten als Geschäftsreisen getarnten Fahrten in die Ostgebiete mit dem Kraftwagen des ihm unterstellten Betriebes 53 Stück Geflügel, 90 kg Fleisch, 1000 Eier und 25 kg Butter über die Grenze geschmuggelt, diese teilweise im eigenen Haushalt verbraucht, teilweise an Direktoren seiner Firma abgegeben. Als Tauschobjekt nahm er ebenfalls durch Schmuggel Petroleum, das der Firma zugeteilt war, sowie Eifenwaren, Salz, Hefe und Kleiderstoffarbe mit. Auch diese Ware bekam er nur als Betriebsführer des Wehrbetriebes. Durch kleine Geschenke von Schnaps und Zigaretten versuchte er auch die Zollbeamten zu einer Vernachlässigung ihrer Pflichten zu bewegen. Als Volksschädling wurde er vom Sondergericht in Königsberg zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt.
Butter der allgemeinen Versorgung entzogen.
Auf Veranlassung des Prokuristen einer Groß- molkerei in Kassel, Erich Leinweber, ließen sich der Inhaber und Betriebsführer Friß Stolzen bach, und der technische Betriebsleiter Friß Stark verleiten, sich selbst, ihren Familien und den anderen Gefolgschaftsmitgliedern und deren 2ttige- hürigen doppelte Butterrationen abzugeben. Leinweber und Stark haben darüber hinaus noch ohne Wissen des Betriebsführers auch an betriebsfremde Personen Butter und Käse ohne Marken geliefert. Insgesamt wurden damit etwa 48 Zentner Butter und 250 Kisten Käse der allgemeinen Versorgung entzogen. Das Sondergericht Kassel verurteilte Leinweber" zu fünf Jahren Zuchthaus und 5000 RM. Geldstrafe, Stolzenbach, bei dem als mildernd sein zeitweiser Wehrmachtdienst und die Tatsache, daß ein großer Teil der Lieferungen hinter seinem Rücken begangen wurden, in Betracht gezogen wurde, zu drei Jahren Gefängnis und 50 000 RM. Geldstrafe und Stark zu zwei Jahren Gefängnis und 2000 RM. Geldstrafe.
Kunst und Wissenschast.
Maximilian Böttcher 70 Jahre alt.
Der durch die beiden, auch verfilmten Komödien „Krach im Hinterhaus" und „Krach im Vorderhaus" bekanntgewordene Maximilian Böttcher vollendet am 20. Juni fein 70. Lebensjahr. Die in den beiden volkstümlichen Komödien zum Ausdruck kommende hervorragende Kenntnis des Berliner Volkslebens stammt aus eigener Erfahrung: Böttcher wurde zwar in Schönwalde in der Mark geboren, lebte aber lange Zeit in Berlin als Leiter der „Deutschen Nationalbühne" und des „Klassischen Theaters für die Schulen Berlins und seiner Vororte". Er hat noch eine Anzahl anderer Theaterstücke sowie mehrere Romane geschrieben („Herren von gestern und morgen", „Das stärkere Blut"). Als leidenschaftlicher Jagdliebhaber grun- dete er die Zeitschrift „Das deutsche Weidwerk" und schrieb Tiergeschichten („Tiere und Menschen, „Hochzeit im Moor"). Heute lebt Böttcher tn Eisenach. _____________ __
Aus -er Stadt Gießen.
„Was der Bauer nicht kennt..."
Im guten wie im schlechten Sinn wird überall nach dem Sprichwort gelebt: „Was der Bauer nicht kennt, das freet er nicht!" Wörtlich genommen: Was Mutter gekocht hat, das schmeichelt, den Magen in alle Ewigkeit, was aber die aus einem anderen Gau gebürtige Schwiegermutter empfiehlt, wird abgelehnt, solange im Manne noch Mannesmut ist.
Wir wollen gerade heute an diese Tatsache erinnern. Mancherlei Möglichkeiten bestehen nämlich, daß wir trotz Karten und Rationierung uns lukullische Seitensprünge leisten können, die übrigens nicht, nur den Gaumen kitzeln, sondern auch dem Körper Kraft geben. Nur mit gewissen Vorurteilen müssen wir aufräumen.
Ein Beispiel: Wer kennt Königsberger Fleck? Ah, die Ostpreußen schmunzeln in Erinnerung an herrliche Genüsse! In Mitteldeutschland nennt man das hierfür erforderliche Fleisch poesielos „Gekröse", und anderswo ist man deutlicher und sagt „Kaldaunen". Die wackeren Schwaben lieben ihre „Kuttle", und auch der wienerisch verwöhnte Ostmärker hat die „Kuttlen" ebenso wie seine berühmten, aber schwer nachzuahmenden „Schinkenfleckerln" in sein Herz geschlossen.
Meine Frau lehnte Fleck, alias Gekröse damals als Beleidigung ab, und wahrscheinlich gibt es genug Frauen, die heute noch die Empfehlung als häßliche Zumutung empfinden, und die sich ein anständiger Mensch höflich, aber energisch verbittet. Wie unvorsichtig und unklug sind solche Vorurteile. In Frankreich, dem Lande der Feinschmecker, wird aus diesem Fleisch ein besonders delikates Gericht — „Grippes ä la mode" — zubereitet. In Italien, wo man auch gut, aber handfester ißt, hat der „Königsberger Fleck" in einer etwas gewandelten Zubereitung als „grippa bolognese" einen anerkannten Ruhmestitel.
Meine Frau hat sich lange vor dem Krieg zu Kartoffelsuppe mit Gekröse bekehrt, nachdem ihr nämlich einmal ein solches Gericht richtig zubereitet vorgesetzt wurde. Solche Delikatessen sind besonders heute sehr erwünscht, sie schonen den Bestand an Fleischmarken.
Ein anderes Beispiel: Wer denkt nicht mit leisem Schaudern an den Klippfisch, obgleich ihn nur die wenigsten kennen — und die schätzen ihn ohne Ausnahme. Es handelt sich hier um den luftgetrockneten Schellfisch, den die Norweger in großen Mengen in die südlichen Länder exportieren.. Die armen Leute — dachte auch ich.
Neulich aß ich nun Fischkotelett. Es muß bemerkt werden, daß ich bisher noch jede Fischkost „mit langen Zähnen" gegessen habe. Man hat so fdinc Meriten. Dieses Fischkotelett zeichnete sich aus durch ein festes und wohlschmeckendes Fleisch und machte Appetit auf die zweite Portion.
Als ich meiner Frau wegen des herrlichen Gerichts einige nette Worte sagte — es fällt keinem Mann ein Stein aus der Krone, wenn er das ab und zu einmal tut —, erfuhr ich: ich hatte Klippfisch gegessen! Aus Neugier hatte meine Frau Klippfisch gekauft und entsprechend der Vorschrift zube- reitet — darauf kommt es nämlich an! Und an den Klippfisch wagen sich auch heute die meisten Frauen nicht heran. Man verbindet damit unangenehme Vorstellungen.
„Was geht aus diesen Beispielen hervor? Umlernen muß man! Der „Bauer" muß schon einmal freeten, was er nicht- kennt. Er wird herrliche Wunder erleben. V w.
Oer Krieg in der neuen Wochenschau.
Die Wochenschau hat die schwere Aufgabe, dem deutschen Volke schon seit Tagen bekannte Tatsachen durch die Intensität des bewegten Filmbildes eindringlich vor Augen zu führen und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Vorgängen deutlich zu machen. Sie kann das auf zwei Wegen: durch Zusammenstellung eines großen Ueberblicks oder durch Hervorheben weniger, aber typischer Einzelheiten. Der Streifen dieser Woche wählt den zweiten Weg.
Die Bilder von den Kämpfen in der Marma- r i k a zeigen Einzelszenen. Man kann die große Bedeutung dieser Schlacht nur ahnen. Eine kleine Einstellung aber gibt etwas Typisches. Generaloberst Rommel fährt zur bordersten Linie und trägt dabei einen großen Feldstecher um den Hals. Diese kleine Wahrnehmung spricht es besser aus als seitenlange Erklärungen, daß in der Strategie der deutschen Wehrmacht eine neue Linie gilt, die man seit den Zeiten Friedrichs des Großen kaum noch betrat. Heute befindet sich der General unmittelbar an der Front, und nicht nur der Geist, sondern auch die eigene Anschauung des militärischen Führers entscheidet. Ein zweites interessantes Motiv: einer
Obus-Betrieb Gießen — Klein-Linden.
EröffnungamerstenZahreStagederBetriebsaufnahmedesObuS:1S.Zuni194r
Der gestrige 18. Juni 1942 wird in der Geschichte unserer Stadt — nächst dem 1. April 1939, dem Tag der Inkraftsetzung der Eingemeindungsverträge mit Wieseck und Klein-Linden — ein bedeutsamer Markstein bleiben. An diesem Tage vollzog sich ein Ereignis, auf das die Bewohner von „hüben und drüben" seit langen Jahren gewartet hatten, nämlich die Eröffnung einer leistungsfähigen Fahrverkehrsverbindung als Dauereinrichtung. Die Straßenbahn konnte nicht nach Klein-Linden gebaut werden, weil eine Ueberquerung der Bahngleise in der Frankfurter Straße mit den Schienen der Straßenbahn nach gesetzlichen Bestimmungen unmöglich war; eine Ueberquerung der Bahnanlagen durch den Bau einer großen Brücke für die Straßenbahn, die früher auch einmal zur Erörterung stand, ließ sich gleichfalls nicht ermöglichen. So mußte denn zwangsläufig die Schaffung einer guten Verkehrsverbindung mit Klein-Linden unterbleiben, trotz des guten Willens auf beiden Seiten.
Die Errichtung des Obus-Betriebs im vorigen Jahre, die ein besonderes Verdienst unseres Oberbürgermeisters R i 11 e r ist, der alle Schwierigkeiten, die besonders in Kriegszeiten der Verwirklichung eines solchen Projekts im Wege standen, mit Umsicht und unermüdlicher Tatkraft überwand, gab endlich auch die Möglichkeit, dem eingemeinbeten Vorort Klein-Linden die feit vielen Jahren erstrebte leistungsfähige Fährverbindung mit Gießen zu schaffen. Von Anfang des Obus-Baues an war denn auch die Linienführung nach Klein-Linden vorgesehen. Nachdem am 18. Juni 1941 die beiden Obus-Linien Bahnhof—Ende Rödgener Straße und Bahnhof — Ende Licher Straße, am 8. November 1941 die Obus-Linie 3, Schubertstraße—Ende Licher Straße in Betrieb genommen worden waren, wurde anschließend mit der Schaffung der technischen Anlagen für die Linie 4 Selterstor—Klein-Linden begonnen, die nunmehr am gestrigen Donnerstagnachmittag mit einer schlichten Eröffnungsfahrt dem Betrieb übergeben wurde.
Zu der ersten Fahrt hatten sich mit dem Leiter der Stadtwerke, Direktor Lotz, von der Stadtverwaltung noch Stadtbaudirektor G r a v e r t und Vermessungsrat Carle, als Vertreter des Vorortes Klein-Linden der dortige Ortsgruvpenleiter und Vorsteher der städtischen Verwaltungsstelle Klein-Linden Jung und Ratsherr Fischer, ferner einige Ehrengäste und vor allem die Männer vom Bau, die mit chrer Arbeit der Stirn und der Faust die Anlage geschaffen haben, auf dem Betriebshof des Elektrizitätswerks eingefunden, von wo aus die erste Fahrt in zwei festlich geschmückten Obus-Wagen begann. Nach einer Runde am Selterstor, dem Ausgangspunkt der Linie nach Klein- Linden, ging die Fahrt der beiden Wagen in flottem Tempo hinaus nach dem Vorort im Süden der Stadt. Dabei fand sowohl in der Frankfurter Straße, als auch in Klein-Linden das neue Verkehrsmittel überall starkes Interesse der Anwohner, denn sie, die bisher eine gute Fahrverbindung bis zur Stadtmitte schmerzlich entbehrten, können sich in erster Linie dieses bedeutsamen Fortschritts erfreuen. So war denn auch die frohe Begrüßung, die den beiden Wagen auf der ersten Fahrt allenthalben entgegengebracht wurde, als Ausdruck der Genug
tuung der Bevölkerung zu betrachten. Am Endpunkt der Linie, Waldweide am Südausgang von Klein-Linden, hatten sich viele Bewohner versammelt, um dort den denkwürdigen Augenblick der Eröffnung der Verkehrslinie mitzuerleben. Die Ankunft der beiden vollbesetzten Wagen wurde mit fteudigem Interesse bemerkt. Eine besondere Ueber- raschung bereitete Direktor Lotz den zahlreich versammelten Kindern dadurch, daß er ihnen die an die Eröffnungsfahrt anschließenden beiden ersten Fahrten nach Gießen und zurück nach Klein-Linden als Freifahrt bewilligte, eine Entscheidung, die von den Kindern alsbald mit einem freudigen Sturm auf die Wagen beantwortet wurde. Mit strahlenden Gesichtern fuhr denn auch die kleine Gesellschaft auf und davon.
Bei der endgültigen Gestaltung des Wendeplatzes am Endpunkt der Linie in Klein-Linien soll, wie Stadtbaudirektor G r a d e r t mitteilte, in die Mitte des Platzes eine Eiche aus unserem Gießener Wald gepflanzt werden, die nicht nur eine Verschönerung des Platzes, sondern auch für spätere Zeiten eine Erinnerung an die bedeutsame kommunale Tat der Obus-Einrichtung mitten im Kriege fein soll.
Im Anschluß an die Eröffnungsfahrt vereinigten sich die Fahrtteilnehmer im Gasthaus „Zur deutschen Eiche" zu einem kameradschaftlichen Beisammensein. Der Leiter der Stadtwerke, Direktor Lotz, begrüßte hier die Gäste und besonders die Männer vom Bau, denen er für ihre Arbeit Dank und Aner- erkennung zollte. Anschließend würdigte Ortsgruppenleiter Jung als Sprecher der Klein-Lindener Bevölkerung das nun vollendete Werk, mit dem ein viele Jahre lang gehegter Wunsch der Einwohnerschaft in Erfüllung gegangen sei. Er gab dem Dank der Klein-Lindener Einwohner an die Gießener Stadtverwaltung Ausdruck und widmete besondere. Dankesworte Oberbürgermeister Ritter, der sich durch die Ueberwindung der vielfältigen großen Schwierigkeiten bei der Schaffung dieser gemeinnützigen Einrichtung besonders verdient gemacht habe. Ebenso dankte der Redner dem Leiter der Stadtwerke, Direktor Lotz, dem Stadtbaudirektor G r a v e r t und Vermessungsrat Carle, die sich bei der Schaffung der technischen Anlagen dieser Linie besondere Verdienste erworben hätten. Nicht minder galt sein Dank den Männern, die am Bau der Linie und ihrer Einrichtungen in vorbildlicher Weise gearbeitet pnd damit der Gemeinschaft in guter Art gedient haben. Der Redner wies dann 3um Schluß noch auf die große Bedeutung dieser ständigen Verkehrseinrichtung in verkehrspolitischer und wirtschaftlicher Beziehung, aber auch als Mittel zur Förderung der kulturellen Arbeit hin, weil dadurch die Klein-Lindener Bevölkerung eine gute Möglichkeit erhalten habe, in bequemer Weise an dem kulturellen Leben in Gießen teilzunehmen. Schließlich betonte et noch die außerordentliche Leistung, die darin zu erblicken ist, daß dieses bedeutsame Werk mitten in dem großen Kriege angepackt und in so ausgezeichneter Weise vollendet wurde. Mit dem Gruß an den Führer und unsere siegreiche Wehrmacht schloß der Redner feine Ansprache. Dann blieben die Teilnehmer noch einige Zeit in froher kameradschaftlicher Unterhaltung beisammen.
der gefangenen Soldaten des Feindes aus der Festung B i r H a ch e i m trägt einen Stahlhelm über dem Turban. Diese Tatsache ist ein Symbol. Weltanschaulich in keiner Weise an das Abendland gebunden, trägt dieser den Hilfsvölkern Englands angehörige Mann das Zeichen eines Zwanges auf dem Kopf. Er streitet sichtlich für Machtinteressen, die ihn nichts angehen.
Der stärkste Moment dieser Wochenschau ist fest- gehalten in der Großaufnahme aus einer Kamera, die am Boden des Führersitzes in einem Sturzkampfbomber angebracht war und die Regungen des Fliegers festhält, der den Sturzflug ausführt. Es ist nicht nur ein Schauspiel äußerster Gespanntheit, das wir erleben, sondern wir bekommen die Personifizierung männlichen Willens ins Gedächtnis geprägt. Wo ist die Form, die einen solchen Vorgang in so vorbildlicher Prägnanz noch wiedergeben könnte? Hier ist der Film souverän.
Von den Kämpfen vor Sewastopol bekommen wir einen guten Eindruck gerade von der Infanterie durch die Aufnahmen des gefallenen Kriegsberichters Sackens. Der Bericht vom Staatsakt für Reinhard Heydrich, Aufnahmen vom Besuch des Sultans von Marokko in Spanien und vom Geburtstag des Reichsministers Dr. O h n e f o r g e liefern weitere Steine für den mosaikartigen Aufbau der neuen Wochenschau. H. H. G.
Hugo v. Ritgen, der Wiedererbauer der Wartburg.
Am Vortragsabend des vergangenen Montags sprach. Stadtbaudirektor Grave rt über Hugo v. Ritgen, den Gießener Baumeister und Kunsthistoriker, als Wiedererbauer der Wartburg. Ritgens Vater kam aus dem vorübergehend (1803—1815) zu Hessen gehörigen Kurkölner.Westfalen 1814 an die medizinische Fakultät, wo er sehr verdienstvoll wirkte. Der Sohn Hugo war 1811 in Stadtberge (Westfalen) geboren, besuchte das Gießener Gymnasium, studierte seit 1828 Medizin und Naturwissenschaft in Gießen und wandte sich dann der Kunst zu. Seine Dissertation untersucht die Frage, ob und wie durch Verbesserung der Konstruktion in Eisen und Holz ein zeitgemäßer neuer Stil zu schaffen sei, er strebt vom Klassizismus weg und sucht nach neuen Wegen. Daher sucht er feine Fortbildung auch in Paris, wo man Technik und Naturwissenschaft pflegte und Liebigs Empfehlungen ihn führten. Zurückgekehrt macht er 1837 sein baufachliches Staatsexamen in Darmstadt, heiratet dort die Tochter des Staatsrats Zimmermann und arbeitet in Gießen als Architekt. Er baut schlicht und Meckbestimmt seine beiden Häuser in der Frankfurter Straße 19 (heute Besitz der Fa. Glatthaar), das Haus am Hitler- wall 9 und den großen Eckbau an der Frankfurter
(Nachdruck verboten.)
11. Fortsetzung.
Briefe in Bareiros Hand
Roman von Anna Elisabet Weirauch
Rechte durch Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
In bester Laune vor sich hinpfeifend machte sich Gerd auf den Weg zu dem Juwelier Groftahn — das zweitemal. Schon einmal war er d-gewesen, um den Schmuck zu bestellen. Aber auf Wunsch von Herrn Sierinck war die Zeichnung vermchtet man konnte die Kette kein zweites Mal anfertigen. Gerd hatte versprochen, sie mitzubrmgen, aber ausgerechnet kam Albrecht aus die törichte Ideedatz Irmela sie dauernd tragen sollte ^un lmtte er wenigstens den wohlgelungenen Abzug eines> Licht- biDes in der Tasche — so besonders wohlgelungen, daß er geradezu stolz darauf war.
Jetzt gingen die Verhandlungen ohne besondere Schwierigkeiten. Freilich, er mußte etwas darauf achten, daß der Preis fern Vermögen nicht überschritt. Die eingesetzten Steine brauchten mcht von so erlesener Kostbarkeit zu sein, die Hauptsache war die Aehnlichkeit der Zeichnung.
Während Gerd sich noch im lebhaften Gespräch mit Fräulein Köster über die Theke beugt, kommt Herr Grotjahn selbst hinzu und zieht die Brille auf die Nasenspitze, um daricher hinweg bas Photo und die oorgelegten Steine zu begutachten.
„Sie wissen doch, Fräulein Köster", murmelt er mit einem Seitenblick auf Gerd, „daß wir die Kette nur einmal anfertigen dürfen, es war die ausdrückliche Bedingung."
„Ich weiß!" beruhigt Fräulein Köster freundlich. „Es ist für Herrn Sierinck selbst, ich kenne den jungen Herrn, es ist der Schwager, sollen wir fie zusenden, wenn sie fertig ist. oder wird sie abgeholt?"
„Ich hole sie ab, rufen Sie mich an, oder nein, ich komme wohl in der Zwischenzeit noch einmal vorbei, um zu fragen."
„Wie Sie wünschen." Fräulein Köster schreibt alles Besprochene säuberlich auf. „Und auf den Namen von Herrn Direktor Sierinck, Groß-Fon- tenay."
14.
„Du, Concha?" Bareiro zuckt etwas zusammen und wendet sich unwillig um, als die Tür hinter seinem Rücken sich geräuschlos öffnet und wieder schließt.
„Ja, ich — wer wohl sonst? Oder bist du gewöhnt, daß andere Leute ohne anzuklopfen in dein Zimmer kommen?"
„Ich bin es überhaupt nicht gewöhnt!" sagt er unwillig — es liegt schsn wieder etwas wie ein versteckter Vorwurf in ihrem Ton. „Und es erschreckt mich jedesmal."
„Solange du mich nach Möglichkest verleugnest, werde ich nicht durch den Hotclportier anfragen lassen, ob die Dame aus dem dritten Stock den Herrn im ersten Stock besuchen darf. Ich werde auch nicht auf dem Gang vor deiner Tür stehen- bleiben, bis es dir gefällt, ,Hereinsi zu sagen, son- . dem ich werde den Augenblick benutzen, wo mich ' niemand sieht, um hineinzuschlüpfen."
„Dich verleugnen! Was ist das wieder für ein Unsinn, Concha! Wir können nicht in einem Hotel Tür an Tür wohnen und uns gegenseitig ungeniert besuchen. Wir bekämen die größten Unannehmlichkeiten, es ist dein Ruf, auf den wir Rücksicht nehmen müssen. Wir sind schließlich nicht verheiratet."
„Das brauchst du nicht zu betonen, ich weiß es." „Willst du mir einen Vorwurf daraus machen? Woraufhin wollen wir heiraten? Meine Existenz ist im Augenblick nicht so gesichert, daß ich daran denken kann."
„Ob das wirklich so ist?" Conchas dunkle Augen sehen träumerisch in eine weite Feme. „Ich denke manchmal darüber nach — ob es nicht ganz arme
Leute gibt, die sich mit schwerer Arbeit ihr Brot verdienen, und die trotzdem glücklich sind, und sehr lieb miteinander, sehr gut zueinander."
„Vielleicht." Bareiro zuckt spöttisch die Achseln. „Ich kann's mir nicht recht vorstellen. Ich habe auch, offengestanden, ein solches Märchenidyll noch nie von weitem gesehen. Wo Geldsorgen sind, da ist auch immer Unzufriedenheit, Gereiztheit, häuslicher Krach."
„Ich könnte es mir vorstellen!" Concha hält den Kopf schräg, und ein ganz zartes Lächeln blüht auf ihrem Gesicht auf, das sie unwahrscheinlich verschönt. „Im Grunde bin ich eigentlich recht anspruchslos, ich könnte sehr glücklich fein, in einer ganz kleinen ärmlichen Behausung, mit viel Arbeit, wenn man nur das Allernotwendigste verdiente, so viel, um satt zu werden und keine Schulden zu haben, und keine Angst vor der Zukunft, und einen Menschen, den man liebt."
„Das klingt ganz schön." Bareiro geht mit großen Schritten auf und ab, macht manchmal am Fenster hast, um blicklos hinauszustarren. „Ich suche ja auch Arbeit. Ich bin überzeugt, daß ich sie finden werde. Aber nicht auf dem Arbeitsmarkt ober dem Stellennachweis — ich bin im Begriff, alte Beziehungen wieder aufzunehmen, alte Verbindungen wieder anzuknüpfen — ich habe hier in den besten Häusern verkehrt, man hat mich überall noch in angenehmer Erinnerung; es wird der Tag kommen, heute, morgen, ober vielleicht auch erst in einigen Wochen, wo man mir eine anständige Position anbietet, dann werde ich selbstverständlich zugreifen, auch dann noch ohne überstürzte Hast — aber bas muß man eben abwarten."
„Und um diese .Beziehungen' wieder anzu- knüpfen, mußt du dich jede Nacht an den Spieltisch setzen und das Letzte verlieren, was wir noch haben!" Das Lächeln ist erloschen, zornige Bitterkeit entftetü bas lebhafte Gesicht.
„Ja, allerdings, das muß ich? Entschuldige, aber davon verstehst du nichts!" Sein Ton wird scharf
und zurechtweisend. „Ich kann nicht im schäbigen Anzug bei meinen alten Freunden an der Hintertür klingeln, und durch die Dienstboten um ein Almosen betteln lassen. Solange man es einigermaßen durchhalten kann, muß man als gleichberechtigt auftreten. Man muß mit ihnen an einem Tisch sitzen, und Augen und Ohren offen halten, wenn sie von Geschäften reden, und plötzlich sieht man die Lücke, in die man springen kann. Dann muß man den Sprung wagen, diesen Augenblick muß man ab» warten, gespannt in allen Sinnen und in allen Muskeln! Es kostet mehr Nervenkraft, als du dir borstellen kannst."
„Wahrscheinlich auch mehr, als ich aufbringen könnte." Conchas zarte Gestalt sinkt in sich zusammen, sie gleitet von der Lehne auf den tieferen Sitz. Sie kennt diese Worte bis zum Ueberdruß.. „Ich muß zusehen, selber etwas zu verdienen, wenn es dir nicht möglich ist."
„Verdienen." Ein geringschätziger Blick streift den gesenkten dunklen Scheitel. „Bitte! Hindere ich dich etwa daran? Beanspruche ich deine Zeit zu sehr? Beschneide ich deine Freiheit? Von mir aus verdiene so viel zu kannst und willst! Ich weiß nur nicht recht, auf welche Weise. Du denkst dir bas so einfach, liebes Kind! Wenn du nicht Geld genug hast, um dich elegant zu kleiden, und großartig aufzutreten, kannst du dir noch nicht einmal einen reichen Freund suchen!"
„Möchtest du bas etwa?" Die geneigte Stirn hebt sich mit einem Ruck und die Augen sprühen Flammen. Schön sieht sie aus, in diesem Augenblick, schön und gefährlich, es ist noch immer etwas von der alten Verlockung in diesem Gesicht, und Bareiro macht einen Schritt zu ihr hin und streicht lächelnd bas Haar aus ihrer Stirn: „Ich habe nicht gesagt, baß ich es möchte, ich habe nur gesagt, baß selbst bas auf Schwierigkeiten stoßen würde, so schön du bist."
(Fortsetzung folgt.)


