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anklagen auf dem Pfade der Lüge weitergehen werden, weil sie das einzige Kriegsinstrument ist, auf dem sie sich zu Hause fühlen.

Eine notwendige Anmerkung zum Schluß: Der amerikanische und britische Leser ist gegenüber seiner eigenen Berichterstattung mißtrauisch gewor­den und rechnet ihr die maßlosen Lügen des Win­ters ernschaft an. Vergeblich aber warten wir dar­auf, daß auch gewisse sogenannteneutrale" Blätter wenigstens so viel kritisches Gefühl an

den .Tag legen, wie ein durchschnittlicher Fahrgast der Londoner U-Bahn. DieReuter"-Strategen und Exchange"-Dichter finden für ihre Phantasien heute noch in einigen Zeitungen Europas willigere Zu­hörer als bei ihrem eigenen Publium zu Hause! Es gibt eben auf dem Pressegebiet offensichtliche außer den beiden Kategorien der Lügner und der Belogenen noch eine dritte Sorte: Leute, die be­logen werden wollen. Die Untersuchung dieser Gat­tung von Publizistik sei einer späteren Gelegenheit vorbehalten.

Drei Kilometer vor der Hafeneinfahrt von Sewastopol.

Oer Wehrmachtbericht.

DRV. Aus dem Führerhauptquartier, 18. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im Kampf um Sewastopol erstürmten In­fanterie und Pioniere, durch zusammengesaßtes Ar- tilleriefeuer und Fliegerangriffe wirksam unter­stützt, in harten Ilahkämpfen die Hauptkampf­werke im Nordteil des stark ausgebauten Festungssystems. darunter das Werk Maxim Gorki, das modernste und stärkste Fort der Festung überhaupt. Damit wurde in diesem Front­abschnitt der Angriff bis auf drei Kilometer an die Hafeneinfahrt der Festung herangetragen.

An der Südfront der Festung wurden die Sowjets trotz hartnäckiger Gegenwehr durch deutsche und rumänische Truppen aus wichtigen höhenstel- tungen geworfen. Im Hafengebiet wurden Mate­riallager und Nachschubfahrzeuge des Feindes durch Luftangriffe vernichtet.

Im mittleren Abschnitt der Ostfront wurde der Kampf gegen zersprengte feindliche Gruppen im rückwärtigen Frontgebiet fortgesetzt.

An der Wolchowfront scheiterten auch ge­stern heftige feindliche Angriffe.

Im Hafen von Murmansk bekämpsten Sturz­kampfflugzeuge feindliche Nachschubdampfer. Zum Geleitschutz eingesetzte Jäger schossen hierbei elf feindliche Jagdflugzeuge ab.

In N o r d a f r i k a ist die britische 8. Armee in zwei Teile zersprengt. Lin Teil hat sich nach Tobruk zurückgezogen. Starke deutsche' und ita­lienische Panzerverbände stoßen den in Richtung Vardia flüchtenden feindlichen Kräften nach. Im südlichen Vorfeld der Festung Tobruk wurden britische Stützpunkte und einige Wüstenforts ge­nommen. Verbände der deutschen und italienischen Luftwaffe fügen den zurückgehenden britischen Ko­lonnen hohe Verluste an Menschen und Material zu.

Bei der Zerschlagung des britischen Geleitzuges im östlichen Mitkelmeer war eine deutsche Schnellbootfloktille unter Führung ihres Flotkillen- chefs, Kapitänleutnant Kemnade, beteiligt. Die Flottille torpedierte zwei britische Kreuzer, von denen ein Kreuzer durch zwei Torpedos getroffen wurde und wahrscheinlich untergegangen ist. Schon bei früheren Unternehmungen vor der libyschen Küste versenkten die Schnellboote einen Zerstörer, ein Geleitschiff, einen Unkerseebootjäger sowie 15000 BRT. Verforgungsschiffraum.

Im Atlantik griffen deutsche Unterseeboote, wie durch Sondermeldung bekannlgegeben, stark ge­sicherte Geleilzüge an und versenkten sieben Schiffe mit zusammen 34 000 BRT. Lin weiterer Dampfer wurde durch Torpedotreffer schwer be­schädigt. Ferner wurden in der Karibischen See, trotz starker amerikanischer Abwehr, zwölf Schiffe mit zusammen 75 000 BRT. vernich- t e t. Damit wurde der feindliche Handelsschiffs­raum um weitere 19 Schiffe mit zusammen 109 000 BRT. geschädigt.

In den Gewässern um England versenkte die Luftwaffe in der vergangenen Nacht zwei Schiffe mit zusammen 5000 BRT. Drei weitere Frachter wurden durch Bombentreffer beschädigt.

Die britische Luftwaffe verlor in der Zeit vom 3. bis 16. Iuni 307 Flugzeuge, da­von 137 über dem Mittelmeer und in Nord­afrika. Während der gleichen Zeit gingen im Kampfe gegen Großbritannien 71 eigene Flugzeuge verloren.

Bei den Kämpfen vor S e w a st o p o l haben sich die Kompaniechefs in einem Infanterieregiment Oberleutnant S ch i r n e r und Leutnant P o e r f ch- m ann durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet.

Oberleutnant Marseille schoß in Nord- a f r i k a innerhalb 24 Stunden zehn feind­liche Flugzeuge ab und erhöhte damit die Zahl seiner Luftsiege auf 101. Die Unterseeboote unter . Führung der Kapitänleutnante Mohr, Topp, Witte und von Rosen st i el und des Oberleutnants zur See 3 t es haben sich bei der Bekämpfung der feindlichen Versorgungsschiffahrt besonders ausgezeichnet.

Der mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnete Leutnant Stre­low, Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader, ist von einem Flug gegen den Feind nicht zurück­gekehrt. Als Sieger in 68 Luftkämpfen zählte dieser erst 20jährige tapfere Offiziere zu den hervor­ragendsten Jagdfliegern.

Oer Einbruch in das Festungs­system von Sewastopol.

Berlin, 18. Juni. (DB.) Wie das OKW. mit­teilt, traten die deutschen Truppen im Nord ab - schnitt des Festungsgebietes von Sewastopol in den frühen Morgenstunden des Mittwoch nach star­ker Vorbereitung durch Artilleriefeuer und durch Angriff der Luftwaffe gegen das nördlich der Ssewernaja gelegene System von Feldstellungen und Festungswerken zum Angriff an. Im un­aufhaltsamen Vordringen wurden die Stützpunkte dieses starken und nach modernsten Gesichtspunkten ausgebauten Festungsabschnittes durch Infanterie und Pioniere, von 'Sturmgeschützabteilungen, Ar­tillerie und rollenden Angriffen der Luftwaffe wirk­sam unterstützt, herausgebrochen. Die Einbruchs­stelle wurde durch die Einnahme, des Werkes Maxim Gorki erweitert und der feindliche Widerstand zerschlagen, so daß sich die Kämpfe dort nunmehr in der Tiefe des Festungs- g e l ä n d e s abspielen. Die bolschewistischen Festungstruppen hatten nicht mehr die Möglichkeit, neue Stellungen zu beziehen.

Im Süd ab schnitt der Einschließungssront wurden mehrere Höhen, die mit Bunkern und Fels- stellungen stark ausgebaut worden waren, trotz hartnäckiger Gegenwehr der Bolschewisten in hartem Kampf genommen. Vergeblich versuchte der Feind, durch Einsatz von Marineeinheiten deutsche Truppen an anderen Stellen der Krim zu fesseln, um eine Entlastung für die Besatzung von Sewastopol zu schaffen. So wurde ein feindlicher Schnellbootan­griff auf den Hafen Jalta abgewehrt und dabei ein Schnellboot durch Küstenartillerie versenkt. Auch eine bei T a ch r a n , nördlich der Stadt Kertsch, mit kleineren Booten gelandete feindliche Gruppe wurde vernichtet. Deutsche Kampfflugzeuge versenkten im Hafenbecken von Sewastopol sieben Frachtschiffe. Jäger schossen sieben Flugzeuge ab.

Schlachtschiff oder Flugzeug"

Zürich, 19.Juni. (Europapreß.) In englischen Marinekreisen hat eine lebhafte Diskussion über die Frage nach Wert und Bedeutung der Großkampf­schiffe eingesetzt. Einige Sachverständige erklärten, daß die Fliegerbomben, die im Pazifik und im Mitkelmeer Kriegsschiffe versenkten, auch die herkömmliche Ansicht über die Sicherung der See­herrschaft Großbritanniens zertrümmerten und daß, wenigstens vorläufig, das Zeitalter der Schlacht­schiffe vyrüber sei. In Nordamerika tritt der Flug­zeugkonstrukteur Alexander Severski dafür ein, daß die Alliierten sich auf Luftangriffe gegen Japan von Alaska und den Aleuten aus kon­zentrieren sollten.

an der Ostfront hinters Licht geführt. Auch der britischemilitärische Sachverständige" Cyrill Fall hat dieser Tage eine ähnlich bewegte Klage über die Güte der sowjetischen Nachrichten geführt. Die Neue der Herren Farson und Fall kommt reichlich spät. Sie ändert nichts daran, daß sie vordem monatelang in voller Begeisterung den tollsten Presseschwindel mitbetrieben haben, den die in die­sen Dingen sowieso schon überaus bewegte Geschichte des gegenwärtigen Krieges kennt.

Mit dieser Erinnerung aber sind wir beim eigent­lichen Thema angelangt, das in Wirklichkeit hinter all den verklausulierten Eingeständnissen der britisch­amerikanischen Presse steht: Alle die Stimmen, die die britisch-amerikanische Presse heute über ihre eigene Nachrichtenpolitik zu Worte kommen läßt, sind nicht etwa Zeichen einer Selbstbesinnung des Journalismus er ist in diesen Ländern nichts anderes als ein käufliches Objekt, sondern Ver­suche, eine bereits eingetreten eVer- trauenskrise zwischen Leser und Presse durch solcheSchuldbekenntnisse" zu reparieren ein Trick, der angesichts der notorischen Kritiklosigkeit vor allem des amerikanischen Publikums seine Wir­kung im Augenblick vielleicht nicht verfehlt.

Es wird freilich raffiniertester Methoden bedür­fen, um nur den dümmsten Leser die Tatsache ver­gessen zu lassen, daß während des ganzen Winters England und Amerika mit einem geradezu riesigen Nebel der Täuschung über einen vor der Tür stehen­den Sieg der Sowjets überzogen wurden, der jetzt jäh zerrissen ist. Wie haben sie nicht geschwelgt in den prahlerischen Sprüchen, die ihnen die Sowjet­presse geliefert hat. Wie gerne haben sie nicht alle die Lügen gedruckt, die sie heute scheinheilig be­klagen.Der Nazi-Zusammenbruch steht bevor" Die Hitler-Horden werden zusammengeschlagen" Die Deutschen werden ausgeräuchert" so schrieben es diePrawda" und dieIswestija" vor, so druckten es die britischen und amerikanischen Blätter monatelang begeistert nach. Und wenn der Note Stern" verkündete, daßdie sowjetische Offen­sive sich über die deutschen rückwärtigen Linien er­gießt und alle Nachhuten zerschmettert" (so zu lesen noch vor wenigen Wochen), so gab er nur das Stich­wort, um ganze Lawinen von Schlagzeilen in der angelsächsischen Welt auszuläsen.Wir werden weit nach Westen vordringen, ehe der Frühling kommt" das schrieben die Sowjets Ende Februar, das verkündeten Rotationsmaschinen in aller Welt und das glaubten Millionen Leser! Als aber der Frühling kam, als der Schnee schmolz und die wei­ten Ebenen des Ostens sich dem erstaunten Blick der Welt wieder unmittelbar öffneten, da stand die Wacht des deutschen Soldatentums unerschüttert weit, im Osten!

Die Hoffnung, an die sich die Massen in den feindlichen Ländern geklammert hatten, als auf allen anderen Kriegsschauplätzen ein Schlag nach dem anderen sie traf, brach zusammen und es wird kein Wort mehr vom Marsch in den Westen ge­sprochen, nicht mehr von kühnen Bolschewisten- offenfioen ist die Rede, nur noch ängstliche Betrach­tungen vom Sowjetwiderstand werden uns zuteil, und mit einer verdächtigen Geschäftigkeit werden unsere ersten großen Vernichtungsschläge zuerst überhaupt abgeleugnet und dann süßsäuerlich als Teilerfolge" deklariert.

Was ist für uns müssen wir fragen bei diesem Blick auf das aufgeregte Durcheinander von Geständnis, Trübsal und neuer Lüge in der Feind­publizistik von Bedeutung?

. Zwei Feststellungen drängen sich auf:

1. Die publizistische Winteroffensive unserer Geg­ner hat zu einer neuen schweren Nieder­lage der gesamten britisch-amerikanischen Nach­richtenpolitik geführt, die heute zugeben muß, daß sie die Welt monatelang in großem Stil betro­gen hat.

2. Die Wirkung dieser Enttäuschung auf den bri­tisch-amerikanischen Leser, der an sich seit den Tagen des Polen-, Norwegen-, Frankreich-Feld­zuges ufro. reichlich an militärische Falschmeldun­gen gewöhnt ist, war außerordentlich. Niemals hätten sich sonst die Organe der Feindpresse zu so öffentlichen Selbstanklagen entschlossen, wie sie uns heute vorliegen.

Daß diese Wirkung aber so bedeutend und fol­genreich war das zeigt uns wieder, wie entschei­dend der Faktor Sowjetunion in der Kriegs­rechnung unserer Feinde ist und wie geschichtlich die kämpferische Leistung unserer Wehrmacht gerade in den Abwehrschlachten des Winters war. Der deutsche Soldat hat den Lon­doner und Neuyorker Papierbesudlern ihre frechen Lügenzeitungen in Fetzen vor die Füße geworfen. Daß sie dieses Ereignis in tiefster Seele bedauern, das glauben wir ihnen gern, aber wir wissen, daß sie trotz aller heutigen Geständnisse und Selbst-

Gespräche vorm Feind.

Boil Gefreitem Han.s-Jürgen Weidlich.

Jahn sagt, -er komme sich vor wie in einem Kasperletheater.

Wenn der da mit der Bratpfanne eins auf den Kops kriegt, daß er verschwindet, und wenn er dann wieder auftaucht und kriegt wieder eins auf den Kopf ..." Er lacht. Aber in diesem Augenblick heult wieder eine Granate heran. Wir ducken uns in Unsere Erdlöcher, warten ab, bis die Splitter über uns fortgeflogen sind, dann tauchen wir wieder auf. Habe ich nicht recht?!" sagt Jahn. ^Bloß daß es keine Bratpfannen sind, mit denen sie nach uns werfen!"

Unsere Erdlöcher liegen auf einer Höhe, von der aus wir guten Einblick ins Gelände haben, in dem die Bolschewisten sich verschanzt haben. Vor uns am Hang liegt unsere Infanterie. Gestern, bevor ich zu unserer Beobachtungsstelle hier oben herauf- ging, war ich in unserer Feuerstellung. Ich wartete auf die Essenträger. Wir haben unsere Beob­achtungsstelle erst neu eingerichtet, und sie kannten noch nicht den Weg. Der Ausstieg zu unserer B.- Stelle dauerte von der Feuerstelle etwa eine Drei­viertelstunde. Gestern aber waren wir drei Stun­den unterwegs. Ob der Bolschewist uns gesehen hatte? Er schießt mit der Flak auf den einzelnen Mann. Der am sichersten gegen Einsicht geschützte Weg zur B.-Stelle führt in eine Senke. Kaum tauchten wir hinein, begann das Feuer. Unauf­hörlich pfiffen die Geschosse dicht an uns vorüber. Wir preßten uns an den Boden und mußten lange so liegen, bevor wir weiter gehen konnten. Aber immer nur ein paar Schritte kamen wir vorwärts.

Das steht alles in einem großen Buch geschrie­ben, wenn es uns treffen soll", sagte der eine der Essenträger.Komm, gehen wir weiter. Verflucht, da kommt schon wieder so ein Aas! Verdammter Iwan!"

Heute schießt der Bolschewist wie gestern: den ganzen Tag Störungsfeuer, mit Artillerie und Gra­natwerfern und mit seiner vermalesizten Pak. Ab und zu schießt er zu unserer Verwunderung auch

Schrapnells. Sie kommen angepfiffen, und mitten im schönsten Pfiff sagen sie Peng und schütten ihren Segen auf unsere Stellungen.

Jahn lMt noch seine besonderen Sorgen. Weil er nie mit seinen Zigaretten auskommt, hat der Ma­jor ihm empfohlen, zu priemen und hat ihm, damit er einen Versuch machen kann, eine Rolle Priem geschenkt. Nun hat Jahn das erste Stück in den Mund geschoben, hat ordentlich drauflos gekaut und hat jetzt einen Schluckauf, daß er auch innerlich nicht mehr zur Ruhe kommen kann.Wenn ist das dem Major berichte hick der lacht mich ja aus. Wenn er mich bloß nicht fragt! Aber er wird mich hick fragen, bestimmt!"

Spuck den Priem doch aus! Sei doch nicht so..."

Mich noch mehr blamieren nee! Lieber kriege ich hick die Krämpfe!"

Sie müssen sich die Ohren zuhalten, nicht atmen und trocken runter schlucken", sagt der Leutnant. Am besten aber. Sie spucken den Priem dem Bol­schewisten hinüber."

Herr Leutnant!" Der Wachtmeister am Scheren­fernrohr:Ich hab' eine der Feuerstellungen ent­deckt! Dort hinten, hinter dem Bürstenwäldchen am Bahndamm, dort ist deutlich Mündungsfeuer zu sehen."

Der Leutnant nimmt den Feldstecher hoch und beobachtet.Ja", sagt er,das ist zweifelsfrei Mündungsfeuer. Na denn, Iwan! los, Haun mir ihm eins auf die Mütze!" Berechnungen, Be­fehle, der Funker gibt sie durchs Telephon weiter endlich:Feuerbefehl!" "Heulend sauft die Gra­nate heran, der Donner des Abschusses hinter ihr drein, einen Augenblick Stille, plötzlich in der Ferne eine Fontäne aus der Erde, Trümmer und Staub, Sekunden später der Donner des Aufschlages.

Der Leutnant beobachtet, verbessert die Richtung, der zweite Schuß heult und dröhnt, wirbelt die Erde auf, dröhnt noch einmal. Schuß auf Schuß, jetzt haben wir uns eingeschossen, die Schüsse sitzen im Ziel, jetzt schießt die Batterie, noch einmal, noch einmal ...

Drüben das Mündungsfeuer ist erloschen, der Leutnant meldet:Feindliche Batterie südostwärts M. schweigt."

Wir steigen aus unseren Löchern heraus und gehen ein wenig auf und ab. Es tut gut, sich nach bald 19 Stunden einmal frei bewegen zu können; dann breiten wir am Boden der Löcher unsere Zeltbahnen aus, legen uns wie ein zusammenge­rollter Engerling auf sie und schlafen. Der Stahl­helm ist unser Kopfkissen. Wir rücken ihn so zurecht, daß er uns schützt und daß unser Kopf bequem in ihm liegt.

Von zwölf bis zwei habe ich Wache. Ich sehe, wie der Giwße Wagen über die Erde fährt, von Osten nach Westen, jetzt fährt er über unsere Hei­mat. Hin und wieder pfeift ein Schuß über mich hin. Einer von ihnen flattert. Wie eine Fleder­maus flattert er durch die Nacht, vergeht, ein dröh­nender Aufschlag, dann ist es still.

Leben im hohen Norden.

In Kopenhagen traf eine aufsehenerregende Mitteilung von der Station von Mörkesjord, die im Südosten der Insel Grönland liegt, ein. Dort hält sich gegenwärtig eine wissenschaftliche Expe­dition unter Führung des dänischen Forschers Graf Eigil Knuth auf, die im vorigen Juni zur Er­forschung der Flora, der Fauna und der Archäo­logie der größten Insel der Welt aufgebrochen ist. Diese hat im August ein Eskimodorf unter dem 82. Grad nördlicher Breite aufgefunden, das auf dem Eise erbaut ist. Es war fast völlig von seinen Einwohnern verlassen, nur einige alte Frauen waren zurückgeblieben, da die Männer zur Robben­jagd während der Sommerzeit in einen andern Teil von Grönland gezogen waren. Es ist sicher das dem Nordpol nächste Dorf, in dem ständig Menschen leben. Man hat bisher nach den Erfah­rungen, die Polarforscher gemacht haben, es nicht für möglich gehalten, daß unter einem so hohen Breitengrade noch Menschen dauernd leben können.

Der bekannte Geologe Professor Nielsen von der Universität Kopenhagen, der an dieser For­schungsfahrt teilnimmt, teilt ferner mit, daß er im Inlandeis", das oft viele Meter dick ist, sehr alte Versteinerungen gefunden hat, denen er ein Alter von 300 bis 400 Millionen Jahren zuschreibt und

Schnellboote vor dem Feind.

Deutsche Schnellboote sind den deutschen U-Booten in das Mittelmeer gefolgt. Sie haben unter der Führung des Kapitänleutnants Kemnade feit einem halben Jahr an der Belagerung und Ab­schließung der Festung Malta durch kühne, wage­mutige Vorstöße und schwierige Unternehmungen bis dicht vor die Einfahrten der stark verteidigten Seefestung La Valetta starken Anteil. Zusammen mit italienischen Flottenstreitkrästen störten fie den feindlichen Nachschub nach Nordafrika, drangen in schneidigen Unternehmungen wiederholt in die Bucht von Sollum und bis in die Hafengewässer Tobruks vor und waren auch, wie der Wehrmachtbericht aus­führlich meldete, bei dem letzten Kampf gegen den britischen Geleitzug im Mittelmeer beteiligt.

Es ist nicht das erstemal, daß von deutschen Schnellbooten die Rede ist. Sie waren bei der Nor­wegenaktion und einige Wochen später vor Dün­kirchen aktiv. Sie haben in den ersten Wochen des Krieges mit der Sowjetunioy eine Rolle in der Ostsee gespielt, da es noch galt, die deutsche Ostsee­schiffahrt zu schützen und zugleich die Offensivkraft der sowjetischen Ostseeflotte lahmzulegen. Am 28. Juni 1941 versenkten deutsche Schnellboote zwei sowjetische Zerstörer und ein Torpedoboot, am 16. Juli sprengten fie gar den sowjetischen Torpedo­kreuzerTaschkent, ein Schiff von 2800 Tonnen, in die Luft. Vor einigen Monaten versenkten deut­sche Schnellboote an der englischen Ostküste aus einem Geleitzug 25 000 BRT.

Die Idee des Schnellbootes ist schon sehr früh in der modernen Seekriegsgeschichte verfolgt wor­den. Das Torpedoboot ist seiner Art nach nichts anderes als ein Schnellboot gewesen. Die Abwand­lung liegt nur in tien Größenverhältnissen und in der besonderen Herausarbeitung der Schnelligkeit gegenüber dem Fahrbereich und der Seetüchtigkeit. Es liegt im grundsätzlichen Denken der deutschen Kriegsmarine, daß sie bestrebt war, diese beiden Faktoren: Fahrweite und Seetüchtigkeit bei dem von ihr entwickelten Schnellboottyp mit der hohen Fahrgeschwindigkeit zu vereinen. Im Gegensatz zum Torpedoboot ist beim Schnellboot einzige Antriebs­kraft der Motor. Die erzielbaren Geschwindigkeiten können auf 40 bis 50 Seemeilen oder 75 bis 90 Kilometer in der Stunde geschätzt werden. Schnell­boote werden einmal für die Küstenoerteidigung ein­gesetzt, sind aber bei halbwegs erträglichem Wetter bis weit in die freie See hinaus eine scharfe Waffe, da sie wie Korvettenkapitän Erdmenger im Nauticus" von 1939 bemerkt mit ihrer kleinen Silhouette bei geschicktem Verhalten nachts bis auf wenige hundert Meter ungesehen an den Feind herankommen können und ein Fehlschuß dann kaum noch möglich ist. Auch bei Tage sind sie infolge ihrer hohen Geschwindigkeit und geringen Größe artille­ristisch schwer zu bekämpfen. Ein weiterer Vorteil der Schnellboote ist, daß der verhältnismäßig ge­ringe Aufwand einen gewissen Masseneinsatz ermög­licht.

News Ehronicle" undDaily Herold" kommen zu dem Schluß, daß die Partei, die über die Luft­herrschaft verfüge, weder Schlachtschiffe noch Kreuzer brauche. Torpedoflugzeuge und Stukas hätten ihre Ueberlegenheit über das Schlachtschiff bewiesen. In den Schlachten im Korallenmeer, bei den Midways und bei Sizilien habe sich heraus­gestellt, daß Bombenflugzeuge nicht nur im Land-, sondern auch im Seekriege die Funktionen der Artillerie übernehmen könnten. Damit werde die Reichweite dieserArtillerie" ganz erheb­lich über die der schwersten Geschütze hinaus ge­steigert. Das bedeute, daß das Schlachtschiff seine wichtigsten Funktionen eingebüßt habe. An seine Stelle trete jetzt der Flugzeugträger.

Kleine politische Nachrichten.

In Stuttgart trafen 410 auslandsdeutsche Heim­kehrer aus Nord-, Mittel- und Südamerika ein, die in Lissabon ausge schifft worden waren.

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Nach einer Inspektionsreise durch Südmarokko, die vor allem der Prüfung militärischer Fragen galt, ist General Nogue's nach Rabat zurück- gekehrt. Der Unterstaatssekretär für die Marine, Admiral A u p h a n d , ist nach einem Aufenthalt in Oran in Rabat cingctroffen. Auf einer Kund­gebung in Rabat erklärte der Admiral, Nordafrika stelle einen wichtigen Machtblock im französischen Reich dar, der treu zum Mutterland und zum Marschall stehe.

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Die schweizerische Bundespolizei verhaftete die Kommunistenführer Brunner, Humbert-Droz und Woog wegen Reorganisation der illegalen kommu-

deren Art den 1937 in Nordkanada gefundenen sehr ähnlich ist, so daß dadurch die Theorie gestützt wird, daß Grönland einstmals mit dem amerikanischen Festland durch das Grantland und das Baffinsland verbunden war.

In Oslo kehrte kürzlich der bekannte Missionar Grönlands, Pater Rune H a l l a v a r d , nach drei­ßigjährigem Aufenthalt unter den Eskimos zurück, da die amerikanischen Behörden nach der brutalen Besetzung Grönlands durch die Vereinigten Staaten ihn ausgewiesen hatten; es wurde ihm ein festlicher Empfang bereitet. Er war im Jahre 1910 nach Scoresbyland gegangen, in das bevölkertste Gebiet der Insel, und hatte seitdem ausschließlich unter den Eingeborenen dieser Eiswüsten gelebt. Hallavard stammte aus einer angesehenen und vermögenden Familie, aber er entschloß sich, als er 28 Jahre alt war, das harte und entbehrungsreiche Leben unter den Eskimos aufzunehmen. Fast das ganze Jahr über lebte er in einem Zelt, das aus Robbenfellen hergestellt war und nur durch eine Petroleum­lampe erwärmt wurde; seine Nahrung bestand fast ausschließlich aus gesalzenem Fischfleisch. Er mußte auch ein geschickten Lenker der Hundegespanne von sechs bis zu zwölf Tieren werden, die die Schlitten ziehen, und die schwierige Kunst des Baues von Iglus lernen, der Eishütten, die aus Blocken mit den Händen aufgeschichtet werden, die mit einem besonderen Messer zugeschnitten sind. Alljährlich legte er Tausende von Kilometern zuruck, im Min­ter in einem unbequemen Hundeschlitten, im Som­mer auf den kleinen unsinkbaren Kanus der Ein­geborenen, um die 800 oder 900 Eskimos zu be­suchen, die in verschiedenen Orten der Westküste und auf den Inseln leben.

Hallavard, dessen Gesicht die Spuren der Müh- sale und Entbehrungen zeigt, hat erklärt, daß ttotz der unglaublichen Härten des Lebens im hohen Norden, dem er sich freiwillig gewidmet hat, das Dasein in enger Berührung mit der Natur und mit "einfachen und gutmütigen Wesen wie. es die Eskimos sind, ihm einen inneren Frieden und ein Glück verschafft hat, wie es die Menschen, die das fieberhafte Leben in den Großstädten führen, sich gar nicht vorstellen können. C.K<