reichen, wahrscheinlich Unaarn und Slowaken in ihren schönen Reigen einschließen und nach dem Muster der nordamerikanischen Union die Vereinigten Staaten von Osteuropa bilden. Der Traum eines Phantasten. Ma« weiß, welche Schwierigkeiten es schon in der Kleinen Entente gegeben hat, wie scharf die Gegensätze in diesem politischen Mißgebilde aufeinander geprallt sind. Und es ist schwer, anzunehmen, daß ohne eine kräftige Hand der überlegenen Führung diese einander widerstreitenden Interessen unter einen Hut zu bringen waren. Sikorski scheint darum nicht verlegen zu sein, er hat auch keine Angst vor dem, was im Falle seiner glücklich auskommenden Staatspläne im Osten drohen würde. „Rußland hat sich damit einverstanden erklärt." Das war seiner Weisheit letzter Schluß. Von den Ueberfallsabsichten der Moskowiter gegen Finnland und Rumänien, von der Vergewaltigung Estlands, Lettlands und Litauens hat er offenbar niemals etwas gehört. Ein freies Polen mit Au- gang zum Meer, das ist für ihn das Blendwerk, das ihm den Blick für die Realitäten nimmt. Auch Uber diese von Sachkenntnis nicht getrübten Pläne wird die Weltgeschichte unbehindert hinwegschreiten.
Dr. W. K.
Beginnende Einsicht in den USA.
fordert mehr Kriegsbereitschaft.
Lissabon, 17. Sept. (Europapreß.) In einem grundsätzlichen Artikel beschäftigt sich die nordamerikanische Zeitschrift „Life" mit der noch immer sehr zu wünschen übriglassenden E i n st e l l u n g des nordamerikanischen Volkes zur Kriegslage. Die USA. befänden sich noch immer im Glauben, daß sie die größte Nation seien, weil sie die meisten Automobile produzieren könnten. Dies wäre ein Trugschluß, denn es komme heute nicht darauf an, über das umfangreichste Material zu verfügen, sondern es richtig zu verwenden, zu verteilen und am rechten Ort einzusetzen, sowie bei der Sache zu sein, wie es Deutschland und Japan oder Sowjetruhland und China seien. Hitler habe rechtzeitig begonnen, sich autark zu machen und große Industrien aufgebaut. Er habe so aus Deutschland die größte und kriegsbereiteste Nation gemacht. Amerika stehe nicht an erster Stelle, wie viele dächten, sondern an fünfter, sechster oder siebenter Stelle.
Erst allmählich erwache man und beginne diesen schrecklichen Irrtum einzusehen. Jetzt erst komme man zu der Einsicht, daß sich ü b e r a l l organisatorische Mängel zeigten. Man könne em Land im Kriege nicht so führen, wie im Frieden, wie es zur Zeit in den USA. noch geschehe. Die USA hätten noch Vieles hinzuzulernen. Das bisherige Resultat sei traurig. Das Matt weist auf die Streiks und den Arbeitsunwillen der nordamerikanischen Arbeiter hin, wodurch jährlich Milliarden von Arbeitsstunden verloren gingen. Es gäbe immer noch Tausende von Arbeitern, die nicht an der Arbeitsstelle erscheinen, wenn sie sich einen guten Tag machen wollen, einen Kater haben oder aus sonst irgendeinem Grunde arbeitsunlustig sind. Auf diese Weise könne Amerika nicht den ersten Platz unter den kriegführenden Nationen einnehmen,' geschweige denn den Krieg gewinnen.
Verkehrsschwierigkeiten in England.
Madrid, 16. Sept. (Europapreß.) Der „Pa"- Vertreter meldet aus London, daß in England eine einschneidende Einschränkung des gesamten Verkehrswesens unmittelbar bevorsteht. „Die Maßnahmen sind auf den M a n g e l v o n Brenn- stoff und Gummi zurückzuführen und erstrecken sich ebenso auf den Schienen- wie auf den Straßenverkehr. Die Schlangen, die heute schon von morgens bis abends an den Haltestellen der Autobusse, der 0-Bahnen und an den Schaltern der Bahnhöfe stehen, werden noch viel länger werden. Die „Green Line" war die Lunge Londons, weil sie die Menschen aus der Stadt in die Natur führte. Diese wird ebenso wie die zweistöckigen roten Omnibusse den Verkehr ein st el len. Alle Sonderzüge am Wochenende werden ausfallen. Alle Fahrpreisermäßigungen kommen in Fortfall. Die Preise auf der Eisenbahn werden um 20 v. H. erhöht. Speisewagen fallen ganz aus, die Züge werden kürzer und haben heute schon stundenlange Verspätungen. Sogar der Flying-Expreß, einer der schnellsten Züge Europas, muß oft warten, um
einen Militärtransport vorbeizulassen. PZas das in England heißt, kann nur der beurteilen, der den Stolz eines jeden Engländers auf den Flying-Expreß kennt. Der Tag ist nicht mehr fern, an dem das Reisen in England überhaupt nur noch mit einer besonderen Genehmigung möglich sein wird/
Wiedereinführung der Todesstrafe in Norwegen.
Oslo, 17. Sept. (Europapreß.) Ministerpräsident Quisling hat für die Dauer des Krieges die Wiedereinführung der seit 1902 in Norwegen abgeschafften Todesstrafe verfügt. Danach kann die Todesstrafe für solche Verbrechen in Anwendung kommen, für die das Strafgesetz bisher lebenslängliches Gefängnis vorsah. Außerdem kann für Verbrechen, die unter Ausnutzung der Kriegsoerhält- nifse — also während der Verdunkelung, Fliegerangriffen usw. — vorsätzlich begangen werden, eine Verdoppelung der im Gesetz vorgesehenen Strafen eintreten.
Kleine politische Nachrichten.
Von iranischen Nationalisten wurden Spreng- loffanschläge auf die Transiran-Bahn zwischen Bendar-Schahpur und Teheran verübt. Der Bahnverkehr war drei Tage lang unterbrochen.
Berlin, 17. Sept. (DNB.) Die zähen Häuserkämpfe im Innern der Stadt nahmen auch am Mittwoch ihren Fortgang. Vergeblich versuchten die Bolschewisten, die würgende Schlinge des deutschen Angriffs zu zerreißen und verzweifelt die drohende Vernichtung aufzuhalten. An keiner Stelle gelang es dem sich verbissen wehrenden Feind, die jeden Widerstand brechenden deutschen Infanteristen, Panzergrenadiere und Pioniere aufzuhalten. Alle feindlichen Gegenstöße wurden abgewiesen. Vielfach hatte ich der Feind in den Häusern der Stadt verschanzt, die großenteils bereits von den Granaten der Artillerie und den Bomben der Luftwaffe bis auf die Grundmauern niedergelegt worden waren. Um jeden Straßenzug, um jedes Haus und um jeden Schutthaufen wird von den Bolschewisten mit einem an Selbstvernichtung grenzenden Widerstand gekämpft. Schritt für Schritt des heiß umkämpften Bodens wurde dem Feind entrissen. Die bunkerartig ausgebauten Häuserblocks und die zahlreichen Versorgungslager und Arsenale lagen im Bombenhagel der Kampf- und Sturzkampfflugzeuge. Gegenangriffe des Feindes scheiterten an der unerschütterlichen Schlagkraft der Verbände des Heeres, die vor allem im N o r d t e i l von Stalingrad durch Tag- und Nachtangriffe deutscher Schlachtflugzeuge wirkungsvoll unterstützt wurden.- Ostwärts der Wolga bombardierten Kampfflugzeuge die Bahnhöfe Bas- kundschak und Lipki. In Luftkämpsen schossen Jäger bei einem eigenen Verlust im Raum von Stalingrad 33 Flugzeuge ab, sechs wurden durch Flakartillerie zum Absturz gebracht.
Oer Wehrmachtbenchi.
DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 17. Sept. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Am Terek halten die Kämpfe gegen zähen feindlichen Widerstand an. Gegenangriffe wurden abgeschlagen.
Der Kampf um die befestigte Stadt Stalingrad schreitet unaufhörlich vorwärts.
An der D o n f r o n t wurden Angriffe des Feindes durch ungarische Truppen im Gegenangriss abgewiesen. Einige feindliche Kampfgruppen wurden aufgerieben oder gefangengenommen und 24 Panzer vernichtet.
Auch gestern sind die Versuche des Feindes, den Brückenkopf von Woronesch zu nehmen, unter schweren Abwehrkämpfen gescheitert. Der Feind erlitt hohe blutige Verluste.
3m Raum von Rschew scheiterten schwächere kindliche Angriffe. Der Gegner verlor 21 Panzerkampfwogen.
An der 2Nurmanfront führte ein umfassender Angriff zur Vernichtung eines Bataillons einer feindlichen Renntierbrigade.
Bei Einflugversuchen in die besetzten Westgebiete
Für die dadurch dem sowjetischen Kriegsmaterial- transport entstandenen Nachteile wurden von den sowjetischen Militärdienststellen in Iran blutige Vergeltungsmaßnahmen gegen die Bevölkerung ergriffen. *
Der spanischen Kriminalpolizei ist es gelungen, des berüchtigten roten Generals Antonio Guerrero Gonzales habhaft zu werden. Er hat im Bürgerkrieg sämtliche Gefangene des Ortes Castuera mit Benzin überschütten und lebendigen Leibes verbrennen lassen, obwohl ein großer Teil der Gefangenen Verwundete oder Kranke waren.
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Der argentinische Staatspräsident Dr. Castillo und der bolivianische Staatspräsident General P e - n a r a n d a trafen, begleitet von ihren Außenministern Guinazu und Matienzo auf bolivianischem Boden anläßlich der Eröffnung des Baues der neuen Eisenbahnlinie zwischen Pacuiba und Santa Cruz de la Sierra^zusammen.
Der Sofioter Polizeikommandant hat den Juden untersagt, Strandbäder, Parkanlagen, Kaffeehauser und Kinos zu besuchen sowie die Boulevards zu betreten. Ferner ist den Juden verboten, zwischen 7 und 8 Uhr morgens und zwischen 12 und. 14 Uhr die Straßenbahnen zu benutzen.
und über Norddeutschland verlor die britische Luftwaffe gestern vier Flugzeuge. 3m Laufe der Nacht griffen britische Bomberverbände rheinisch-westfälisches Gebiet an. Die Bevölkerung hatte Verluste. Vor allem in Wohnvierteln mehrerer Orte entstanden Brände, Sach- und Gebäudeschäden. 37 der angreifenden Bomber wurden abgeschossen.
Leichte deutsche Kampfflugzeuge erzielten bei Tage Volltreffer in 3ndustrie- und Verkehrsanlagen an der englischen Südo st käste sowie in einem britischen Truppenlager auf den O r k n e y - 3 n s e l n. 3n der Nacht wurden kriegswichtige Ziele in Osten g l a n d mit Spreng- und Brandbomben belegt. Harte Kämpfe bei Woronesch-
Berlin, 17. Sept. (DNB.) Im Raum von Woronesch griffen die Bolschewisten in den Morgenstunden des Dienstag nach trommelfeuer- artiger Vorbereitung mit zusammengefaßten stärkeren Kräften sowohl 'den Brückenkopf Woronesch als auch nordwestlich und südostwärts der Stadt an. Sämtliche Angriffe wurden unter schwersten Verlusten für den Feind, teilweise im Gegenstoß abgeschlagen. Die hartnäckigen Vorstöße der feindlichen Kampfflugzeuge gegen die deutschen Abwehrstellungen scheiterten an der Schlagkraft der deutschen Jagdabwehr, die bei einem eigenen Verlust 31 bolschewistische Flugzeuge zum Absturz brachte.
Im Kampfabschnitt von Rschew führte der Feind insbesondere südostwärts der Stadt durch zahlreiche Panzertampfwagen verstärkte Großangriffe gegen die deutschen Abwehrstellungen. In harten wechselvollen Kämpfen wurde der Feind von den unerschütterlich stehenden Infanteristen überall abgeschlagen. Auch nördlich Rschew wiederholten die Bolschewisten ihre Angriffe. Trotz seines Masseüsturmes und ungewöhnlichen Materialeinsatzes konnte der Feind nur unwesentliche Geländevorteile erringen. Im Gegenstoß angreifende deutsche Truppen trafen in den feindlichen Angriff hinein und gewannen das Gelände wieder zurück.
Reue Träger des Eichenlaubs
Berlin, 17. Sept. (DNB.) Für seine erneute hervorragende Bewährung im Kampf gegen den Bolschewismus wurde der 1916 geborene Oberleutnant Ziegler aus Schwetzingen (Baden), Bataillonsführer in einem Infanterieregiment, vom Führer mit dem Eichenlaub ausgezeichnet. Er hat an den Kämpfen in Polen, Frankreich, Südserbien und Griechenland sowie im Osten teilgenommen. Jjn Dezember 1941 wurde ihm das Ritterkreuz verliehen. Oberleutnant Ziegler stürmte mit seinem Bataillon eifie vom Gegner zäh verteidigte Hohen- stellung westlich Krymskaja, wobei eine feuernde schwere Batterie in kühnem Zupack en genommen wurde. Die fränkische Division, der sein Regiment angehört, kämpfte sich in den folgenden
Tagen in hartem Ringen durch das schluchten- reiche Berggelände bis zu den Höhen dicht vor Noworossijsk durch. Trotz erbittertsn Widerstandes wurden auch diese Höhen gestürmt. In dimerem Häuserkampf drang sodann Oberleutnant Ziegler an der Spitze seines Bataillons durch den Nordteil der Stadt bis zum Hafen vor, wodurch starken feindlichen Gruppen der Rückzug abgeschnitten wurde. *
Der Führer verlieh dem Leutnant der Reserve Gerhard Hein das Eichenlaub zum Ritterkreuz. ' Schon als Unteroffizier war er beim Angriff auf St. Evre Anfang September 1940 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet worden. Im Ostfeldzug hat er sich als Zugführer, später als Kompanieführer aber- mals hervorragend bewährt. Im heftigsten feindlichen Feuer sprang er in das ihm bis zum Hals reichende Wasser der Jura, überquerte den Fluß und brach an der Spitze seiner Infanteristen in die zäh verteidigte Stellung des Gegners ein. Seinem Zupacken war es zu danken, daß das Regiment ohne nennenswerte Verluste den Flußabschnitt überschreiten konnte. Später drohte der Angriff auf eine stark besetzte Bunkerlinie an einem vorgelagerten Minenfeld stecken zu bleiben. Leutnant 5)ein nahm in erbittertem Nahkampf an der Spitze eines Stoßtrupps ein stark ausgebautes Blockhaus. Wenige Tage darauf entstand eine kritische Lage dadurch, daß die vordersten Teile des Regiments aus nächster Entfernung heftiges Feuer von einer gut getarnten feindlichen Batterie erhielten. Leutnant Hein stürzte sich mit nur wenigen Infanteristen auf das ihm am nächsten stehende Geschütz, erledigte mit der Maschinenpistole die Geschützbedienung und wandte sich mit inzwischen herangekommenen weiteren Kräften auch gegen die anderen Geschütze, so daß die gesamte Batterie noch wenigen Minuten genommen war.
Aus dem Reich.
Ernennungen in der SA.
Im Stab der Obersten SA.-Führung wurden ernannt: Zum Chef des Personalhauptamtes: Gruppenführer Petersen; zum Inspekteur Erziehung und Führerausbildung und zum Inspekteur Neubauerntum und Volkstumspflege in der SA. und den SA.-Wehrmannschaften: Obergruppenführer Luyken; zum Inspekteur Pionier-SA.: Obergruppenführer K ü h m e; zum Inspekteur Leibesübungen und NS.-Kampfspiele: Obergruppenführer von Tschammer und Osten; zum Inspekteur Gebirgsjäger-SA.: Obergruppenführer Herzog; zum Inspekteur Marine-SA.: Obergruppenführer Schöne; zum Inspekteur Nachrichten-SA.: Obergruppenführer R e s ch n y ; zum Inspekteur Reiter-SA.: Obergruppenführer
Kob; zum Amtschef Bauten und Liegenschaften im Hauptamt Verwaltung: Gruppenführer 5) e i t • müller; zum Amtschef des Amtes Organisation und Einsatz im Hauptamt Führung: Brigadeführer Ohrt. Ferner wurde an Stelle des als General- kommisfar in das Ostgebiet versetzten SA.-Obergrup- penführers Litz mann der SA.-Obergruppenfüh- rer Kob zum Reichsinspekteur für Reit- und Fahr- ausbil'dung ernannt. Beauftragt wurde: M. d. W. d. G. des Chefs des Wehrstabes: Brigadeführer G i r g e n s o h n.
Die zahnheilkundliche Versorgung.
Der Reichsinnenminister hat den Reichszahnärzte- führer ermächtigt, Zahnärzte zu verpflichten, sich in Gebieten niederzulassen, in denen noch keine zahnärztliche Versorgung besteht. Die Schließung einer zahnärztlichen Praxis ist genehmigungspflichtig. Eine entsprechende Regelung gilt für die Dentisten. Eine weitere Neuerung ist die reichseinheitliche Ge-' staltung der zahnärztlichen Ausbildung, die von der Gewerbeordnung gelost wird.
Kunst und Wiffenfchast.
Professor Apslein 80 3ahre all.
Am 19. September vollendet der Planktonforscher, Professor Dr. C arl A p st e i», früher Wissenschaft - licher Beamter der Preußischen Akademie der Wissenschaften, seinen 80. Geburtstag. Apstein wurde in Stettin geboren. Er promovierte 1889 in Kiel, habilitierte sich dort 1898 für Zoologie und war später Hilfsarbeiter der Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere, nahm an der deutschen Tiefsee-Expeditton teil, bearbeitete das Plankton dieser Expedition und übernahm 1902 eine Assistentenstelle am Laboratorium für internationale Meeresforschung in Kiel sowie die Leitung der Poseidonfahrten. An der Preußischen Aka»
Erbitterter Häuserkampf in Stalingrad.
Das Erwachen
-es Brewadiers.
Von Bruno Brehm.
Ich möchte doch endlich einmal die Arbeit sein lassen, rief meine Frau, ich solle auf den Balkon hinauskommen, der Mond scheine so hell, es sei eine so schöne, schöne Nacht. Ja, da standen wir also auf dem Balkon und schauten in den blühenden Kirschenbaum, dessen Aeste im milden Licht des Mondes aufleuchteten und vom lauen Winde bewegt wurden. Wir lobten den Baum, wir blickten nach der roten japanischen Zierkirsche nebenan, aber deren Farben waren in der Nacht verstummt.
Dom Heurigen kamen die Leute vorbei, ihre unsicheren Stimmen schwebten über ihnen wie Luftballons, die Kinder nur an ejnem dünnen Fädchen halten. Und wenn solch ein schwebendes Gespräch gegen eine Flamme des Aergers stieß? Dann platzte cs mit einem Knall, nicht anders als Luftballons platzen, die einer Kerze zu nahe kommen.
Gesprächsfetzen wehte der Wind auch zu uns herauf, und während wir die Leute durch das blühende Geäst des Baumes unten schwarz herankommen sahen, konnten wir uns oben aus diesen Teilchen ganze Geschichten zusammensetzen. Wir konnten mit= lachen, ohne mitgetrunfen zu haben, nicht über die Gespräche, denn deren Heiterkeit verstehen nur die Angeheiterten, sondern über das Lachen an sich, das immer wieder zu uns heraufflatterte. Ja, es war ein schöner Abend, und es ist gut, bin und wieder von der Arbeit aufzustehen und nachzuhorchen, ob die Gespräche, die man ersinnt, auch wirklich menschlichen Gesprächen gleichen.
Da geht eine Tür hinter uns, dann patschen Füße — mir drehen uns um, hinter uns steht der kleine Klaus im Nachtgewand, reibt sich die Augen, ist ganz benommen vom Schlaf und fragt: „Seid ihr da?"
„Das siehst du doch", sage ich und muß über seine Verschlafenheit lachen.
„Bist du verrückt, Klaus?" fragt die Mutter. „Was tust du denn? Was willst du denn? Warum schläfst du denn nicht?" Die Nachtluft, der Mond und der Kirschbaum scheinen ihn etwas aus seinem Dösen zu wecken, er dreht, wie ein kleines Hühnchen, das
dem Locken der Henne lauscht, den Kopf hin und her, zieht die Nase und die Brauen hoch, zweifelt, ob er wach ist ober schlafe, und fällt mit einem großen Sprung der Mutter um den Hals.
„Ja, was hast du denn? Tut dir etwas weh? So sprich doch!" mahnt, die Mutter.
„Ins Bett, junger Herr, ins Bett", sagt der Vater.
„Darf ich bleiben?" fragt der Sohn. „Nur ein disserl!" — „Ausgeschlossen! Morgen ist Schule. Dann bist du nicht ausgeschlafen", sagt die Mutter. — „Nur ein bisserl, nur ein b'isserl!" bittet der junge Mann. — „Du darfst im Nachtgewand hier nicht sitzen", mahnt die Mutter, „das verbietet die Polizei." — „Wohlauf, Kamerad, ins Bett, ins Bett!" ruft der Vater. „Verschwinden. Gute Nacht!"
Die Mutter nimmt den kleinen Mann, der sich den Sck)laf jetzt wieder in die Augen hineinreibt, bei der Hand und kommt nach einiger Zeit wieder. „Was hat er denn?" wollte ick) wissen. — „Angst", sagte meine Frau. — „Wovor denn Angst?" — „Das kannst du ja aus ihm nicht herauskriegen", antwortet meine Frau, „weil er ganz und gar verschlafen ist."
Am nächsten Tag, als 'Klaus ein wenig zu spät zum Mittagessen gekommen war, weil er auf dem Schulweg berumgerauft hatte und nun noch ganz kampfgerötet mir gegenüber saß, erinnerte ich mich an den gestrigen nächtlichen Besuch auf dem Balkon. „Sag' mal, was hast du denn gestern abend gehabt?"
Klaus blickt in den Teller und zieht es vor, zu schweigen. „Ja, Klaus", sagt die Mutter, „du mußt es doch sagen. Wovor fürchtest du dick) beim?" — „Auf dem «Schulweg raufen und in der Nacht sich fürchten, das ist nicht gerade ehrenvoll", erlaube ich mir zu bemerken.
Da blickt der kleine Roland nach feinem Bruder und ist neugierig, was dieser Held und Anstifter aller Uebeltaten zu sagen hat. Da mengt sich auch Helga, die kluge ältere Schwester, ein und sagt leichthin, damenhaft gelassen, wie man eben Konversation führt: „Er fürchtet sich wegen des Bre- wadiers."
„Weswegen?"
Helga wird ein wenig unsicher und wiederholt, aber doch leicht errötend: „Wegen des Brewadiers." Klaus duckt sich, Klaus versteckt seinen Kopf hinter den ausgespreizten Fingern.
„Wer ist denn der Brewadier?" will meine Frau wissen. Helga zuckt die Achsel, sie findet es nicht nett, aus so leicht hingeworfenen Redensarten gerade ein Wort herauszufifchen und dieses zu prüfen, was es bedeuten möge. „Ich weiß es nicht." Also muß man wohl Klaus selbst fragen: „Wer ist der Brewadier?"
Klaus weiß es auch nicht. Gut, wenn er es nicht weiß, das macht ja nichts, aber er muß doch wenigstens etwas glauben. — „Was glaubst du denn, daß ein Brewadier ist?" Da Klaus schweigt, Roland den Hals reckt und auch gerne wissen möchte, was ein Brewadier ist, und warum man sich vor ihm fürchten muß, ergreift wieder Helga das Wort: „Mir hat Klaus gesagt, er glaubt, ein Brewadier ist ein mächtiger Mann."
Klaus blickt zur Seite, er leidet unter diesen Fragen, er will am liebsten unter den Tisch kriechen.
„Und warum glaubt er das?"
„Weil sonst die Räuber nicht zum Brewadier kämen", erklärt Helga.
„Die Diebe", verbessert Klaus. — „Die Diebe", nickt Roland zustimmend.
„Aber woher weiß er denn, daß die Diebe und Räuber zum Brewadier kommen?" will ich nun wissen.
„Das ist so ein Gedicht und ein Bild ist auch dabei", erklärt Helga, wieder ganz oben auf. „Und an das Gedicht und an das Bild muß er eben immer denken vor dem Einschlafen. Dann sieht er die Räuber."
Meine Frau ist gespannt, was da kommen wird, wir haben alle Messer und Gabel weggelegt und blicken nach Helga, die diese Aufmerksamkeit geruhig auskostet. „Was ist denn das für ein Gedicht?" fragt meine Frau. Ja, jetzt ist es auch für eine kleine Dame nicht leicht, solche gewichtige, von der ganzen Familie erwartete Worte so obenhin zu sagen. Sie muß ein wenig Atem schöpfen, und dann läßt sie sich vernehmen:
„Und als der Brewadier erwacht, das Messer ihm entgegenlacht."
Aus ist es mit dem Ernst, meine Frau kann das Lachen nicht mehr verbeißen, sie wird geschüttelt, Tränen kommen ihr in die Augen. Ich beherrsche mich besser: „Uub wer hat dir diesen Vers gelehrt?" Helga lacht wohl oder übel mit, um nicht auch einen Teil des Spottes abzukriegen.
„Der Klaus."
„Und wo hat ihn der Klaus her?"
„Aus dem dicken Buch."
Dann ist alles gut. Das Verhör wird abgebrochen. Aber Helga plappert doch noch nach: „Das Bild kommt, ihm auch im Schlaf vor; da hat der Räuber'...
„Der Dieb", sagt Klaus, der fein Geheimnis nicht falsch dargestellt wissen will.
„Meinetwegen der Dieb", fährt Helga fort, „ein Messer und hält es dem Brewadier auf die Brust."
Das Mittagessen ist beendet, die Kinder verschwin- den in den Garten. Roland traut dem Frieden nicht recht, er glaubt, daß man ihn vergessen hat und nicht ins Bett legen will, denn er will nicht schlafen. Er wird aber doch schlafen gelegt, und Dann frage ich meine Frau: „Weißt du, was Helga da meint?"
„Ein Gedicht von Busch", sagt meine Frau.
„Die Diebe", sage ich, „heißt es. Und der Brewadier ist ein Privatier. Aber lassen wir ihn bei dem Glauben, denn Brewadier klingt wirklich unheimlicher und das Gruseln ist nicht das Schlimmste. Ich wollte, ich könnte es noch einmal so recht in einem finsteren Zimmer."
Zeitschriften.
— Aus der Fülle schöner Themen, die das Septemberheft der „neuen linie" (Verlag Otto Beyer, Leipzig, Berlin) bringt, wie etwa der Veröffentlichung über Europas führende Musikerinnen, oder dem bedeutsamen Essay über die Wandelbarkeit des Charakters, seien drei besonders erwähnt: In einem bebilderten Aufsatz über die nordasrikanische Wüste erfährt man etwas über die Landschaft der Wüste, mit deren Extremen und deren geschichtsloser Unendlichkeit der deutsche Soldat sich auseinander- zusetzen hat. — Von einer ganz anderen Seite her schildert ein junger Maler Nordafrika, der als Soldat an der libyschen Front steht. Seine zarten Aquarelle (farbig roiebergegeben) lassen etwas vom Wunder des afrikanischen Lichtes und von der orientalischen Märchenhaftigkeit lebendig werden. — Das dritte Thema bringt aus der diesjährigen Großen Deutschen' Kunstausstellung eine Auswahl „erzählende Bilder", die auf ungewöhnlich charakteristische Weise das Haus der Deutschen Kunst repräfentierem — Zum 12. Male wird der Erzählerwettbewerb aus* geschrieben,


