irlcht durchgefuhrt habe, durch Beweisverfahren und Sachverständigen-Gutachten widerlegt worden. Durch Zeugenaussagen sei bewiesen, daß Korniloff sich wahrend des Attentats am Tatort in einem der Sowjetbotschaft gehörenden Kraftwagen befand und vermutlich die Durchführung des Attentats dirigiert hatte, ferner, daß Pawloff unmittelbar nach dem Attentat mit Abdurrhaman in Istanbul in Ver- bmidung trat, um ihm Richtlinien für sein weiteres Verhalten zu geben.
Aeue japanische Operationen in Südchina.
Tokio, 18. Juni. (DRV. Funkspruch.) Im engen Zusammenwirken mit Luftwaffenverbänden begannen japanische Truppen im Morgengrauen Des 15. Juni im Raume von Tsungsa und Sanschui, etwa 50 km nördlich bzw. westlich von Kanton, in der südchinesischen Küstenprooinz Kwangtung, einen neuen Feldzug zur völligen Vernichtung der Tschungkingstreitkräfte. Sie griffen Elitetruppen Tschungkings an einem strategisch wichtigen Punkt westlich non Tsungfa an. Rach sechsstündigem Karnes wurde der Feind vollständig zersprengt. In Zentralchina wurde ein neuer Angriff bei Sikiang eingeleitet. Japanische Truppen, die auf Lupao vorstießen, vernichteten die Hauptmasse der feindlichen Verbände, auf die sie in Tanghsu, südlich von Lupao, stießen, und setzten ihren Vormarsch fort.
Aus aller Wett.
Das Salzburger Schachkurnier.
Je näher der Salzburger Schachwettkampf sich seinem Ende zuneigt, desto deutlicher zeigt sich, daß Weltmeister Aljechin seine alte Stärke nicht ein- gebüßt hat und nur anfangs nicht eingespielt war. Seinen Bezwinger im ersten Umgang, Klaus Junae, griff er überragend an und zwang ihn zur Aufgabe. Hart auf Aljechin folgt sein stärkster Konkurrent K e r e s , der in einer scharfen Partie dem Europameister Stoltz erst die Qualität und schließlich die Punkte abnahm. Bogoljudow verlor seine Partie. In der zweiten Hälfte des Turniers will ihm nichts mehr gelingen. Der Deutschlandmeister Schmidt bezwang ihn in einer sein angelegten Positionspartie. Die zwei führenden Meister haben sich nun von dem übrigen Felde beträchtlich abgesetzt. Der Unterschied beträgt nicht weniger als IV2 bzw. 2 Punkte. Turnierstand nach der achten Runde: Aljechin 5/, Keres 5, Schmidt, Junge, Bogoljübow 3V2, Stoltz 3 Punkte. Da die beiden Spitzenspieler erst in der letzten Runde am Donnerstagabend Zusammentreffen, ist der Ausgang des Turniers bis zum Schluß ungewiß, wenngleich der zweite Platz mindestens einem der beiden Meister vorbehalten sein dürfte.
Zwei Minder beim Paddeln in der Saar ertrunken.
Ein des Paddelns unkundiges Mädchen hatte in Saarbrücken ohne Erlaubnis des Bootseigentümers mit zwei zehnjährigen Schülern ein Boot bestiegen und wurde von der Strömung abgetrieben. Kurz vor einem Wehr sprang das Mädchen in feiner Angst aus dem Boot, so daß dieses kenterte. Alle drei waren des Schwimmens unkundig. Ein Metzgerlehrling versuchte schwimmend die Verunglückten zu retten, wurde aber von den Ertrinkenden gefaßt und über das Wehr gezogen. Es gelang ihm schließlich, einen der beiden Schüler mit Hilfe eines Gendarmeriebeamten an Land zu bringen. Das Mädchen und ein Schüler sind ertrunken.
Kunst und Wissenschaft.
Die Schriftstellerin Ranny Lambrecht f.
In diesen Tagen starb im Alter von 74 Jahren in Schönenberg an der Sieg die Schriftstellerin Ranny Lambrecht, die vor dem ersten Weltkriege als rheinische Heimatdichterin , aber auch durch die soziale Problematik ihrer Romane bekannt geworden ist. Ranny Lambrecht, 1868 in dem Hunsrückdorf Kirchberg geboren, lebte nach einer schwierigen Jugendzeit als Lehrerin im Hohen Denn und in Malmedy. Der Schauplatz ihrer meisten Erzählungen ist dieser Teil des Rheinlandes. Die 1905 erschienenen Novellen „Was im Venn geschah" eröffnen die Reihe ihrer Werke; als Höhepunkt ihrer Arbeit können die sozialkritischen Romane ,Matuen- dame", „Armsünderin" und „Die Suchenden" gelten, die vor allem dem Problem der unehelichen Mutterschaft und des unehelichen Kindes nachgehen und ^zunächst viel Staub aufwirbelten. Reben den Erzählungen sei auch das Schauspiel „Bockreiter" genannt.
Abendroth dirigiert Muffiger Musiktage.
Mit einem Volks-Sinfoniekonzert unter der Leitung Hermann Abendroths wurden die 4.Aussiger Musiktage eröffnet. Die Veranstaltung wird ihren Höhepunkt mit einer Aufführung des „D e u t - scheu Requiems" von Brahms unter Abendroth erreichen. ________
Briefe in Bareiros Hand
Roman von Anna Elisabet Weirauch
Rechte durch Earl Duncker Verlag, Berlin W 35.
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Woher kennst du ihn?" wundert sich Irmela. „ „Kennen? Kennen ist eigentlich zu viel gesagt.
Gerd möchte seinen Ausruf gern zurücknehmen, unmöglich kann er in Albrechts Gegenwart sagen, daß er diesem Bareiro Geld beim Spiel abgenommen hat. „Ich habe gehört, daß er wieder im Lande ist — und ganz dunkel erinnere ich mich, daß ich ihn ftüher auch schon mal gesehen habe — kann das nicht stimmen? Vor zehn Jahren oder so —
„Ja, damals war er hier, als Volontär bei Lchoms und Harper, du haft ihn sicher auch gekannt, Albrecht!" v t
„Möglich", sagt Albrecht, mit seinen Gedanken beschäftigt. „Kann mich nicht besinnen, einen großen Eindruck hat er jedenfalls nicht auf mich gemacht.
„Auf mich schon eher", lächelt Irmela. „Ich habe sehr viel mit ihm getanzt — und er tanzte fabelhaft, das muß man ihm lassen."
„Dann allerdings", lächelt Albrecht Zerstreut. Aber er fragt nicht weiter, und Irmela kann nicht gut ihre Beichte fortsetzen, in Gegenwart von Gerd. Besonders nicht, da Albrecht das Thema nicht zu interessieren scheint. ,
„Sag mal, warum trägst du eigentlich die Kette nicht?" fragt Albrecht mit einem Blick nach ihrem Hals. „Magst du sie nicht?"
„Oh doch, natürlich." Unwillkürlich tasten ihre Finger nach dem hochgeschlossenen dunklen Abendkleid. „Glaubst du, sie würde gut hierauf aussehen?
„Sie fehlt geradezu! Ich seh' dich schon die ganze Zeit daraufhin an. Das Kleid ist sehr sckstin in seiner Einfachheit, aber irgend etwas Aufhellendes vermißte ich. Da fiel mir die Kette ein." Es ist Nicht
Aus der Giadi Gießen.
Der Kampf mit dem Drachen.
Ich will Ihnen nicht von dem bekannten Gedicht erzählen, nein. Ebensogut hätte ich „Das Leben ist ein Kampf" als Überschrift hinschreiben können. Aber das ist Ihnen ja nichts Neues, und dieser Titel klingt doch entschieden geheimnisvoller, nicht wahr? Run werden Sie am Ende meinen, ich wollte Ihnen von dem täglichen Kampf der Hausfrau erzählen, z. B. von dem Kampf mit dem Staub, oder wie schwer es ist, für einen kinderreichen Haushalt in der Stadt eine Hausgehilfin oder ein Pflichtjahrmädchen zu bekommen, oder auf dem Markt Gemüse zu erlangen usw., nein, von all dem möchte ich Ihnen nichts erzählen. Sondern'von dem täglichen Kampf des Menschen mit den Dingen.
Der sängt schon am frühen Morgen an. Besagter Mensch will also schnell in seine Strümpfe fahren: ratsch!, eine Laufmasche! Um sich andere Strümpfe zu holen, will er rasch in seine Morgenschuhe schlüpfen; natürlich stehen sie verkehrt vor dem Bett, und er bekommt den rechten Schuh an den linken und den linken Schuh an den rechten Fuß. Was eine sehr unbequeme Sache ist. Also wieder raus und wechseln! Nachdem nur noch das Corselett verkehrt herum an- und zweimal über den Kopf gezogen wurde, geht das weitere Anziehen ohne Zwischenfälle vor sich, jedoch der Morgenrock hat anscheinend nur einen Aermel, wenigstens wird er erst nach längerem Tasten auf der linken Seite entdeckt. Ja, so geht es nun weiter, den lieben langen Tag: an der Schürze ist ein Knopf ab, das Taschentuch ist nie da, wenn man es braucht, ein Wasserhahn tropft dauernd, der Gartenschlüssel hängt nicht an seinem Platz, sondern hat sich unter dem Rhabarber im Korb versteckt, die Brille ist verschwunden, das Rad hat keine Luft im Hinterreifen, eine Tasse geht entzwei, das Telephon schellt mit einer/falschen Verbindung, und so geht es bis zum Abend.
Ich muß nun sagen, daß sich der Mensch in diesem Kampf ganz ordentlich beträgt: er näht den Knopf an, sucht Schlüssel, Taschentuch und Brille mit Geduld, dreht den Wasserhahn zweimal zu, pumpt das Rad auf und entschuldigt sich sogar beinahe beim Fräulein vom Amt; daß er nicht mit Lollar sprechen möchte.
Trotzdem — manchmal möchte er gern fluchen, und öfters denkt er mit Neid an Diogenes in seiner Tonne, für öpn das Leben f 0 0 einfach war. Oder, hat hier der Chronist am Ende gelogen, denn: mit was hat er eigentlich feine Laterne angesteckt?
E. L. St.
„Geld spielt keine Ttoüe/
NSG. Das sagen zwar viele Leute, aber wenn gutes Geld sinnlos verausgabt wird, ohne daß der Betroffene auch nur den geringsten Nutzen oder Gewinn davon hat, so ist das doch keinem gleichgültig. Kommt dazu eine Schädigung des Geschäftsganges oder gar der Verlust wertvoller Materialien, so seufzt man doch recht bedenklich bei dem Schaden.
Solch eine sinnlose Kostenrechnung verursacht beispielsweise der Kartoffelkäfer. Bedenkt man, ,daß die 31millionenköpfige Nachkommenschaft eines einzigen Weibchens innerhalb eines Sommers bereits 2,5 Hektar Kartoffelfeld kahlfrißt und damit einen Kartoffelausfall von 450 Doppelzentner verursacht, so kann man sich ein ungefähres Bild machen, wie es mit unserer Kartoffelernte — und infolgedessen auch mit unserer Ernährung — aussähe, wenn dieser Käfer in Deutschland Fuß faßte! Damit wäre aber der Schaden noch nicht ausgestanden. Die Kostenrechnung geht weiter: Die Bekämpfung des Käfers und die Entseuchung der befallenen Gebiete verschlingen weitere Summen. Und schließlich sind die Verluste nicht abzusehen, die durch die Ausfuhrbeschränkung im Handel mit Gemüsen, Kartoffeln, Tomaten und Baumschulenerzeugnissen aus der Gefahrenzone sich ergeben. Diese Beschränkung ist unbedingt notwendig, um eine Verschleppung dieses gefährlichen Schädlings zu verhindern.
Jeder einzelne und jede Dorfgemeinschaft kann, nicht genug Aufmerksamkeit und Sorgfalt anwenden, dem Kartoffelkäfer und seiner Brut auf die Spur zu kommen. Wo er auftritt, sofortige Meldung an die Ortspolizei bzw. den Bürgermeister. Alles weitere veranlaßt der Kartoffelkäfer-Abwehr- dienst.
Zeder Wagenstillstand Hilst dem Feind!
Die auf vollen Touren laufende deutsche Rüstungswirtschaft und die Versorgung des deutschen Volkes mit den lebensnotwendigen Gütern erfordern gebieterisch, den zur Verfügung stehenden Transportraum bis zum letzten auszunutzen. Es darf daher nicht mehr Vorkommen, daß Güterwagen wegen Überschreitung der Entladefrist der weiteren Verwendung — wenn auch nur für wenige Stunden
LetzierAppellzurKleider-undSpinnfloffsWMlung
Ein neuer Weckruf ist in diesen Tagen durch das deutsche Volk gegangen: Gebt Kleidungsstücke und Altspinnstoffe für die schaffende Bevölkerung! Wie schon bei der Wollsammlung, ist auch dieser Appell an unsere Hilfsbereitschaft und Gebefreudigkeit Überall im deutschen Volk freudig befolgt worden. Soweit bereits Teilergebnisse der Sammlung vorliegen, sind sie durchaus befriedigend, ^chon mehrere hunderttausend Männer und Frauen, die für die deutsche Rüstung oder in der Landwirtschaft schaffen, können aus den abgegebenen Spenden mit Arbeitskleidung versorgt werden.
Das ist gewiß ein schönes und stolzes Ergebnis, das um so mehr an Bedeutung gewinnt, als daran alle Schichten unseres Volkes gleichermaßen beteiligt sind. Und doch, sind wirklich schon alle alten oder im Augenblick überflüssigen Kleidungsstücke aus unseren Schränken und Truhen herausgesucht und zur Sammelstelle gebracht worden? Da mag es sicher noch manchen Volksgenossen geben, der aus Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit oder Gedankenlosigkeit diesem Appell bisher nicht gefolgt ist. Die Verlängerung der Sammlung um eine Woche gibt allen Säumigen und Zauderern die letzte Gelegenheit zu ihrer Spende.
Jeder unterziehe noch einmal den Inhalt seines Kleiderschrankes oder seiner Wäschettuhe einer strengen Prüfung. Dabei überlege er, ob er es vor sich selbst verantworten kann, z. B. fünf oder sechs Anzüge sein eigen zu nennen, während sein Volksgenosse am Schraubstock oder am Pflug durch eine verschlissene Hose oder einen zerrissenen Rock bei der Arbeit behindert wird. Man verfdche auch nicht, sich selbst etwas vorzumachen und die Notwendigkeit einer größeren Anzahl von Kleidungsstücken durch irgendwelche Repräsentationspflichten belegen zu wollen. Man kann auch noch mit drei oder vier Anzügen stets gut angewqen sein, und für einen stets nach der neuesten'Mode gekleideten übereleganten Snob haben wir heutzutage sowieso kein Verständnis. Das gleiche gilt für unsere Frauen. Für die langen Abendkleider findet sich z. B. im
Augenblick doch nur ganz selten Gelegenheit zum Anziehen. Es genügt völlig, wenn man für besondere Zwecke eins davon in Reserve hat, die anderen erfüllen als Spende bei der Spinnstoffsammlung sicher eine weit bessere Aufgabe, als wenn sie ungenützt im Kleiderschrank herumhängen und schließlich doch unmodern werden.
Gewiß, wir sind alle ein. klein wenig eitel und putzen unser Aeußeres gern ein wenig heraus. Doch wir geben im allgemeinen ja auch nur von unserem Ueberfluß ab, und da ist es ja wohl selbstverständlich, daß die Größe der Spende je nach der Ver- kmögenslage des Spenders aus fallen muß. Und ein kleines Opfer, das wir vielleicht jetzt unserer Eitelkeit bringen, wird einmal tausendfach belohnt werden, denn unsere Spende wird ebenfalls zu ihrem Teil dazu beitragen, den Sieg und damit die Zukunft unseres Volkes zu sichern. V. A.
Nur noch 4 Tage.
Bis 21.Juni
Attkleider- und Spinnftoffsammlung.
Die Annahmestellen der Gießener Ortsgruppen zur Altkleider- und Spinn st offsamm« l u n g sind wie folgt geöffnet:
Mitte: Marktstraße 25, werktags van 17 bis 19 Uhr.
Nord: „Einhorn", Lindenplatz 1, Montag, Mittwoch und Freitag van 17 bis 19 Uhr.
0 ft: Licher Straße 19, Geschäftsstelle der DAF., ~ werktags von 15 bis 18 Uhr.
Süd: Hofmannftraße 1, Mittwoch und Samstag von 19 bis 21 Uhr.
Liebigftraße 58 (Autogarage), Mittwoch und Samstag von 19 bis 21 Uhr.
Unterhos und Oberhof (Bergwerk), Mittwoch und Samstag von 19 bis 21 Uhr.
Klein-Linden: Steinfttaße „Ältes Backhaus"', Mittwoch und Samstag von 19 bis 21 Uhr.
Wiesest: Schulstraße 3, Mittwoch und Samstag von 18 bis 22 Uhr.
— entzogen werden. Jeder Güterwagen, der heute durch Nachlässigkeit oder durch Gleichgültigkeit über die Ladefrist hinaus auf einem Güterbahnhof ober auf einem Anschlußgleis stehen bleibt, fehlt in einem Rüstungswerk ober sonst an einer wichtigen Bebarfsstelle. Jeder solche Wagenstillstand hilft also dem Feind und erschwert unseren Soldaten den Kampf. Daher immer daran denken: Räder müssen rollen für den Sieg!
Heilkräftiger Holunder.
Der Holunder ist als wasser- und schweißtreibendes sowie als blutteinigendes Mittel, das sich auch bei Stoffwechselstörungen bewährt, beliebt. Er ist eine unserer • meist gebrauchten Heilpflanzen, von denen in erster Linie die Blüten, aber auch teilweise die Blätter Verwendung finden.
Dieser schöne, herb und sommerlich duftende Strauch, der in zahlreichen Volksliedern besungen wird, hat eben begonnen, seine Blüten zu entfalten. Die Monate Juni und Juli werden zu ihrer Sammlung benutzt. Am besten schneidet man die ganzen Tragdolden direkt unter der Verzweigung ab und hängt bann den ganzen Blütenstand auf Schnüre zum Trocknen.
Will man eine schöne, elfenbeinfarbene Droge gewinnen, so muß man darauf achten, daß hie Blüten nicht taufeucht ober nach Regen gesammelt werden, sondern nur an trockenen Tagen. Spuren von Feuchtigkeit, wie sie auch bei mangelhafter Trocknung Zurückbleiben, führen zu Zersetzungen und lassen die Blüten bann braun und unbrauchbar werden. Man trocknet daher so, daß die Stiele nicht mehr biegsam sind, sondern brechen.
Die Blätter werden mit den Stielen gesammelt und int ganz dünner Schicht getrocknet. Auch sie sind druckempfindlich und werden bei nicht sorgfältiger Behandlung leicht schwarz.
Der Bedarf an Holunderblüten ist ziemlich groß, der an Blättern geringer. In Zweifelsfällen frage man die Kreissachbearbeiter RfH., deren Anschriften bei den Kreisleitungen zu erfahren sind.
Gießener Dochenmarktpreise.
* Gießen, 18. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, 7 kg" 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, bas Stück 8 bis 10, Kartoffeln, 5 kg 47, gelbe Rüben, das Bund 25, Kirschen, 7 kg 49 bis 65, Erdbeeren 99, Salat, das Stück 12 bis 15, Oberkohlrabi 22, Rettich 10 bis 15, Radieschen, das Bund 8, Rhabarber, 7 kg 15 Rpf.
* * Gießener Konzertring. Als 11.Konzert (Gruppe A, Nr. 6) findet am 25. d. M. in der Aula ein Klavierkonzert mit Gisela Sott statt.
Dieses Konzert tritt an die Stelle des Klavierabends von Elly Ney, das am 1. Februar ausfallen mußte und nun wegen anderweitiger Verpflichtungen von Frau Professor Ney nicht mehr nachgeholt werden kann. — Die Dorttagsfolge des Klavierkonzertes Gisela Sott bringt Präludium und Fuge in cis-moll, Präludium und Fuge Cis-dur, Präludium und Fuge D-dur sowie das Choralvorspiel „Ich ruf zu btt, Herr" von Bach; die Sonate B-dur (op. posth.) von Schubert; Nocturno Des-dur (op. 27) und Sonate h-moll (op. 58) von Chopin.
** Soldatengrüße an bie Heimat lassen die Flieger Helmut Häuser aus Watzenborn-Steinberg, Kurt Schleenbecker aus Krofdorf und Walter Rahn aus Gießen von ihrem Einsatzorte durch uns übermitteln. Ebenso läßt der Soldat Heinz Werner Fehl, der in Frankreich eingesetzt ist, alle Angehörigen, Freunde und Bekannte in der Heimat herzlich grüßen.
v* Aus dem Zuge gestürzt. Auf der Bcchn- fohrt zu chrem Heimatorte stürzte die 16 Jahre alte Erna Konrad aus Treis a. d. Horloff am gestrigen Mittwochvormittag zwischen Gießen und Schif- fenberg bei der Bahnüberführung an der Landstraße nach Steinberg im Walde aus dem fahrenden Zug. Das bedauernswerte Mädchen erlitt eine Gehirnerschütterung und Verletzungen im Gesicht und an den Beinen, es mußte von der Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes nach der Chirurgischen Klinik gebracht werden. Die Ursache des Unfalls ist bis jetzt noch nicht bekannt.
** Ober hessischer Gebirgsverein, Zweigverein Gießen. An der Sternwanderung zum Wandertreffen des Oberhessischen Gebirgsoereins auf dem Blankenstein bei Gladenbach beteiligte, sich auch der Zweig Gießen des OHGV. mit einer Wanderung, die von Niederwalgern über Kehna und Willershausen nach Gladenbach führte. Die Wanderer hatten vom Aussichtsturm auf dem Kirchberg bei Gladenbach und auch von der Burgruine Blankenstein eine gute Fernsicht zu den Bergen des oberen Lahntales und des Westerwaldes. — Die Juni-Wanderung führte in das Lumda-Tal. Vom Turm der Burgruine Staufenberg hatten die Wanderer einen schönen Blick in das Lahntal. Dann ging es den Hessenweg entlang durch Feld und Wald, später wurde in der Richtung zum Lumdatal der Totenberg überschritten und am Berghang bei längerer Rast der reizvolle Blick auf die Landschaft genossen. Nach der Einkehr in Treis (Lumda) ging es weiter nach Mainzlar, von wo aus die Heimfahrt angetreten wurde.
Verdunkelungszeil:
18. Juni von 22.48 bis 4.28 Uhr.
wahr, daß sie ihm dabei einfiel. Seine Gedanken kreisen die ganze Zeit um nichts anderes, und er sucht nach einem Motiv, um sie zu erwähnen.
„Wie du denkst, ich kann sie ja nachher umhin."
„Ach, tu sie doch gleich um, nachher hab' ich nichts davon, im dunklen Theater kann ich doch nicht immer zur Seite sehen, um mich an der Halskette meiner Frau zu erfreuen. Gerd holt sie dir sicher gern."
„Aber selbstredend." Gerd springt bereitwillig auf.
„In meinem großen Schrank, auf der Wäscheseite, im dritten Fach."
„Ich weiß!" Gerd verschwindet. Wahrhaftig, er lauft hinaus, und dabei hat Albrecht deutlich gesehen, wie das Kästchen sich in seiner Brusttasche abzeichnete. Warum hott er es nicht heraus, jetzt, hier, am Tisch, wenn er es für seine Schwester aus dem Schrank genommen hat? Sonderbar.
„Findest du den Aufbewahrungsplatz nicht etwas unsicher?" fragt Albrecht. „Willst du sie nicht lieber in den Safe tun?"
Irmela ist ein ganz klein wenig gereizt. Sie liebt es nicht, kostbare Geschenke zu empfangen, und sie liebt es noch weniger, wenn der Wert dieser Geschenke betont wird. Außerdem hat sie wichtigere Dinge im Kopf, als diese belanglose Kette, auch wenn sie noch so viel kostet. „Im Safe? Meinetwegen. Aber das ist so umständlich, dann trag ich sie bestimmt nicht."
„Wenn du sie wirklich tragen willst, das wäre mir allerdings das liebste. Ich würde mich freuen, sie an dir zu sehen. Aber du bist so merkwürdig in dieser Beziehung."
„Ich will mich bessern." Irmela lächelt ihm herzlich in die Augen. „Wenn es dir Spaß macht, will ick) sie dauernd mit mir herumschleppen, Tag und Nacht."
Es ist kein hingesagtes Versprechen, sie nimmt es sich wirtlich vor. Mehr denn je hat sie das Verlangen, ihm ihre Liebe zu beweisen.
Gerd kommt zurück. Ziemlich lange hat er gebraucht, um das Etui aus der Tasche zu nehmen,
denkt Albrecht. Wie raffiniert dieser Junge ist mit seinem offenen harmlosen Gesicht.
12.
Irmela trägt den Schmuck, geduldig wie ein Opferlamm. Und sie ist etwas erstaunt, als Gerd sie bittet: „Hör mal, Irmela, kannst du mir nicht deine Kette leihen?"
„Was soll das heißen?" fragt sie stutzend. „Bildest du dir etwa ein, daß du sie versetzen kannst? Du bist wohl übergeschnappt, mein Junge? Oder willst du eine deiner Bräute damit paradieren lassen? Ich traue dir alles zu!"
„Bist du fertig?" fragt Gerd seelenruhig. „Sann darf ich wohl noch ein Wort hinzufügen. Ich wollte nämlich sagen: auf eine Viertelstunde. Wenn es schnell geht, genügen auch fünf Minuten. Wenn du jetzt deinen sonst so klaren Verstand walten läßt, fannft du dir selber ausrechnen, daß es nicht sehr praktisch wäre, sie für diese Zeitspanne zu beleihen. Und meine — leider nicht vorhandenen Bräute könnten sich auch nicht lange daran erfreuen. Im übrigen gebe ich dir die Versicherung, daß sie nicht aus dem Hause geht."
„Was willst du denn damit?" Irmela greift schon nach dem Schloß, „aber ich will wissen, wozu du die Kette brauchst!"
„Um ein Porträt von ihr anzufertigen. Es geht mir nicht um das Geld, sondern um die Zeichnung. Das ist die lautere Wahrheit!"
„Ich weiß aber nicht, ob das Albrecht recht märe", zögerte Irmela.
„Ich auch nicht!" fällt ihr Gerd rasch ins Wort. „Darum will ich's ja auch tun, wenn er nicht da ist. Er hat heute eine Konferenz und kommt bestimmt eine Stunde später. Bis dahin hast du längst deine Kette wieder um, und niemand sieht ihr an, daß du sie fünf Minuten lang nicht umgehabt hast!"
In seinem Zimmer hat Gerd schon alles vorbereitet. Es dauert kaum fünf Minuten, bis er Irmela den Schmuck zuriickbringt, und das Bild
auf der Platte hat. Als Albrecht kommt, ist Gerd in der Dunkelkammer beschäftigt. „Mal wieder", lächelt Albrecht. Aber gegen dieses Vergnügen ist weiter nichts einzuwenden, und im übrigen ist der Regen an einer Stelle durch das Dach geleckt, und es ergibt sich ein langes Gespräch darüber. Kleine häusliche Aergernisse, winzig und belanglos, und doch nehmen sie einen in Anspruch, und Irmela findet an diesem Tage keine Gelegenheit mehr, über Bareiro zu sprechen. Es eilt ja auch nicht.
13. ■
Gerd hat sich etwas ausgedacht, was ihm sehr viel Vergnügen bereitet. Das gewonnene Geld brennt ihm in der Tasche, es haftet chm etwas von unrechtmäßigem Besitz an, es widerstrebt ihm gleichermaßen, es für eigene Bedürfnisse auszugeben, wie etwa gar es zu sparen. Der schnellste und einfachste Weg, es loszuwerden, wäre, es wieder an seine früheren Besitzer zu verspielen. Aber ein paar Abende trifft er weder Borkmann noch Bareiro. und offengestanden hat er gar keine Lust, wieder zu spielen. Ader der Gedanke, für einen Geizhals zu gelten, war mehr als peinlich. Besonders in Kattas Augen, und Borkmann würde natürlich nicht verfehlen, einen zu necken. Dem ließ sich die Spitze abbrechen durch die geradezu wundervolle Idee, die ihm wie eine höhere Eingebung gekommen war: er konnte das Geld nicht besser anlegen, als indem er Katta ein Geschenk machte. Und in einem aufregenden Nachdenken, das ihm eine Stunde seines sonst so tiefen und gesunden Schlafes gekostet hatte, war ihm auch der Einfall gekommen, was das für ein Geschenk sein mußte: die Kette nach dem Entwurf ovn Detlev Nehl! Für Detlev war das eine Lektion, und doch zugleich auch eine Huldigung. Es war etwas Ausgefallenes, das fein anderer ihr schenken konnte, eine aufmerksame Erfüllung eines Wunsches, und schmeichelhaft für Detlev, daß man nichts Schöneres hatte auftreiben können als feinen Entwurf — ein großartiger Einfall!
(Fortsetzung folgt.)


