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Sanitätsdienst für diese Massen, ihre Verwundeten und Kranken, in Ordnung zu halten, ja, Erkran­kungen möglichst vorzubeugen, das eroberte Gelände zu säubern und zu ordnen, die Eisenbahnen und Strasten wiederherzustellen schon diese wenigen Stichworte zeigen, welches Unmaß an Arbeit im großen, und kleinen geleistet werden muß, und daß alle Tapferkeit des vorn kämpfenden Musketiers um- svnst wäre, wenn diese Arbeit nicht geleistet würde. Diese Ueberlegung zeigt gleichzeitig, was es für eine Armee wie die bolschewistische bedeutet, wenn ihr durch unsere siegreichen Schlachten ein wesentlicher Teil dieses Apparates immer wieder zerschlagen worden ist, zumal in einem Lande, das die Intelli­genz ausgerottet hat um sich auch in der Wehrmacht in dieser Beziehung mit Improvisationen behelfen mußte.

Der organisatorische Aufbau der Generalstabsarbeit ist der Schlüssel zu den geheimnisvollen Beziehun­gen, die der Laie schwer enträtseln kann: la, Ic, O. Qu., B. v. T. O. usw. Ganz so geheimnisvoll sind aber diese Bezeichnungen, die sich historisch entwickelt haben, doch nicht. Wenn man sich die Eintellung in der Division klargemacht hat, versteht man auch das andere: Der la, der erste Generalstabsoffizier, ist dort derjenige, der die eigenen taktischen Entschlüsse bearbeitet, 1b bearbeitet Versorgung, Ic die Feind­lage. Beim Generalkommando, im Korps, arbeiten alle Abteilungen unter dem Chef des Generalstabes des Armeekorps, dem ersten Gehilfen des Komman­dierenden Generals. Ihm steht seinerseits ein la zur Seite; der die Versorgung bearbeitende höhere Ge­neralstabsoffizier, dem Ib der Division entsprechend, heißt hier Quartiermeister. Er hat ein sehr umfang­reiches Aufgabengebiet. Der Bearbeiter der Feind­lage, wozu sehr viel gehört, was nicht öffentlich zu schildern ist, heißt auch hier Ic. Die Armee hat eben­falls einen Chef des Generalstabes mit einem la und Ic. Der für die Versorgung verantwortliche höhere Offizier heißt in der Armee Oberquartier­meister. Dazu treten noch je nach dem Bedarf wei­tere Generalstabsoffiziere, sowie die höheren Waf­fenoffiziere, z. B. der Pionierführer der Armee, ihr Nachrichtenführer usw.

Die gesamte Versorgung der Armee einschließlich des Sanitäts- und Deterinärwesens untersteht unter Leitung von hohen Offizieren dieser Einheiten dem Oberquartiermeister. Grundsätzlich gliedert sich also eine Armeeführung in zwei Abteilungen: die Füh­rungsabteilung und die Oberquartieritreisterabtei- lung. So finden wir auch hier in breiter Organisa­tion den Gliederungsgedanken des Divisionsstabes entsprechend angewendet. Wenn von dem llchef einer Armee gesprochen wird, so ist im militärischen Sprachgebrauch nicht der Oberbefehlshaber gemeint, sondern sein Chef des Generalstabes. Verwirrend wirkt vielleicht auch heute für den Laien nach, daß Ludendorff, obwohl er in der Obersten Heeresleitung die DienstbezeichnubgErster Gcneralquartiermei- ster" führte, nichts mit Quartiermeisterangelegen­heiten zu tun, sondern die Operationsführung zu be­arbeiten hatte. Der Stab einer Heeresgruppe ist ähnlich zusammengesetzt; die Organisation des Wehr­machtführungsstabes steht nicht zur öffentlichen Er­örterung. Der Feind hat sich immer vergeblich be­müht, sie zu kopieren.

An der Spitze des Generalstabes des Heeres steht Generaloberst Halder, Chef des Oberkomman­dos der Wehrmacht ist Generalfeldmarschall Keitel, Chef des Wehrmachtführungsstabes General der Ar­tillerie Jodl, die Luftwaffe hat einen eigenen Füh­rungsstab, die Kriegsmarine ihre Seekriegsleitung. Im ganzen ist in der Spitze heute die militärische Zusammenfassung viel straffer als im Weltkriege, wo der Chef des Generalstabes des Feldheeres durch­aus nicht die Kompetenzen hatte; die ihm die Oeffentlichkeit zuschrieb.

Die Schule des Generalstabes und der Kriegs­marine war immer hart. Aber die so erzielte Aus­lese bürgte dafür, daß die wichtigen Offiziersstellen mit hochqualifizierten Kräften besetzt werden konn­ten. Es ist ein großes Glück für Deutschland, daß auch in den Jahren der Entwaffnung die Idee und die Schulung des Generalstabes weitergeführt wur­den, daß Generaloberst von Seectt seine Offiziere, obwohl er nur 96 000 Mann und 4000 Offiziere hatte, für die Führung von Millionenheeren vor­bereitete, daß dann seit 1935 noch einige Jahre Zeit blieb, um den neuen Generalstab aufzubauen, daß unsere heutigen Generalobersten und Generalfeld­marschälle in der Regel geschulte Generalstabsoffi- ,ziere des ersten Weltkrieges sind, und daß auch feit Ausbruch des Krieges für qualifizierten Nachwuchs gesorgt werden konnte.

Ein hoher Offizier erklärte mir einmal den Sinn des Generalstabes dahin, daß die Verantwortung

Elli und Peter.

Bon Friedrich Müller.

Elli ist eine junge Soldatenfrau, und Peter ist ihr Sohn. Wenn sie aber durch die Straßen gehen, Elli mit ihrer mädchenhaften Gestalt und Peter an ihrer Seite, dann sagen die LeuteFräulein" zu ihr, dabei ist der Junge schon fünf Jahre alt. Die beiden sind die besten Kameraden. Peter ist an­hänglich und für unbedingte Treue. Deshalb wird er immer ein bißchen ärgerlich und kann es nicht verstehen, daß die Mutti in jeden Kinderwagen gucken muß, der ihr über den Weg fährt. Wenn diele rosigen Dinger darin mit ihren Beinen in der Luft herumstrampeln, sagt sie:Guck mal, wie lieb?" Falls sie etwa daran ihre Freude haben sollte das kann er auch. Er spürt jedoch selbst, daß Elli damit nicht gedient ist. Elli muß ein Kind­chen haben, das sie auf dem Arm Herumtragen und den ganzen lieben Tag hätscheln und tätscheln kann. Nein, aus diesem Alter ist Peter längst her­aus, dafür ist er nicht mehr zu haben, feigem er des Paradies der Jungen, die Straße, entdeckt hat.

,/Sei artig und vorsichtig!" mahnt Elli. Peter verspricht alles und hat es im nächsten Augenblick vergessen. Tritt er leise und artig zur Tür' herein und legt der Mutti schmeichelnd die Arme um den Nacken, so kann man lieber gleich fragen, was er angeftellt hat, der Strolch. Manchmal kommt er mit lauten, bedächtigen Schritten die Treppe herauf­getrampelt, und er hat eine tiefe Stimme, dann ist er der Soldatenvati, der auf Urlaub kommt. Ja und Elli öffnet verwundert die Tür und denkt: Das ist er doch, der Vati! So treiben die beiden ihr Spiel noch mit ihrer Sehnsucht nach dem Vati, und die folgenden Stunden sind wieder ganz ausgefüllt mit den Gedanken an ihn und der Erinnerung an seinen letzten Urlaub. Dann heißt es: Weißt du noch, Peter? Und: Mutti, weißt du noch

So geht Peter eines Tages in schweren Gedan­ken einher. Die braune Kinderstirn unter dem Hellen Schopf zeigt nachdenkliche Sorgenfalten. Es ist dies­mal ein wichtiger Brief zu schreiben. Rundheraus gesagt: Der Vater soll endlich mal wiederkommen, und er soll ihnen ein kleines Mädchen mitbringen, eine Ursula. Peter hat seinen Brief geschrieben, und er wacht darüber, daß ihn Elli auch mit in den

Angriff gegen Sewastopol weiter vorgetragen.

Der Wehrmachibericht.

DRB. Aus dem Führerhauptquarlier, 17. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Der Angriff der deutschen und rumänischen Trup­pen gegen die Festung Sewastopol wurde trotz erbitterten Widerstandes und bei großen Gelände- schwierigkeiten weiter vorgetragen. Die Einbruchs- stellen in das feindliche Verteidigungsfystem wurden stark verbreitert und aus ihnen heraus tiefe keile in die Befestigungslinien getrieben. Stark vertei­digte Höllen st ellungen und Forts wurden auf beiden Angriffsftügeln in schweren Kämpfen genommen. In den heutigen Morgenstunden wurde das bedeutende Kampfwerk Sibirien er- st Lr m t. Die Luftwaffe unterstützte den Kampf die Infanterie in hervorragender Weise.

3m mittleren Abschnitt der Ostfront wurden versprengte feindliche Gruppen im rückwär­tigen Frontgebiet vernichtet. Feindliche Angriffe südlich des Ilmensees scheiterten.

An der Wolchowfront versuchte der Gegner erneut mit starken Kräften die von deutschen Trup­pen seit Wochen im sumpfigen Waldgelände zäh verteidigte Riegelstellung zu durchbrechen. Alle An­griffe blieben ohne Erfolg. Der Ring um die feind­lichen Kräfte, die nördlich der Riegelstellung um­schlossen sind, wurde enger gezogen. Kampf- und Schlachlflieger fügten südostwärts des Ilmensees und am Wolchow dem Feind erhebliche Verluste zu.

An der Lismeerfront wurde im Hafen von I o k o n g a ein feindliches Handelsschiff von 3000 BRT. durch Bombenwurf versenkt.

In Rordafrika scheiterten Ausbruchsversuche der westlich A c r o m a eingeschlossenen britischen Truppen. Bisher wurden in den Kämpfen der letz­ten Tage um die Ain-el-Gazala-Stel- lung über 6000 Wann gefangengenommen. Außerdem wurden erbeutet oder vernichtet: 2 2 4 Panzerkampfwagen, 35 Geschütze und über 5 00 Lastkraftwagen. Im Raum von Ll Adem wurden feindliche Stellungen trotz hart­

näckiger Verteidigung genommen. In Luftkämpfen verloren die Briten 21 Flugzeuge.

Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, verfehlen Verbände der deutschen Luftwaffe und Einheiten der deutschen Kriegsmarine im Zusam­menwirken mit italienischen Luft- und Seestreit- kcäften der britischen Flotte und der feindlichen Versorgungsschiffahrt im W i t t e l m e e r schwere Schläge. In der Zeit vom 13. bis 15. Juni wurden aus stark gesicherten britischen Geleitzügen von deut­schen Luft- und Seestreitkräften vier Kreuzer und Zerstörer, zwei Bewachungsfahr­zeuge und sechs Handelsschiffe mit zusam­men 56 000 BRT. versenkt. Außerdem wurden ein Zerstörer und acht Handelsschiffe durch Torpedo getroffen, in Brand geworfen oder fo schwer be­schädigt, daß mit ihrem Verlust zu rechnen ist. Wei­tere sechs Kriegsschiffe und sechs Handelsschiffe er­hielten Bomben- oder Torpedotreffer. In Luftschuh­kämpfen mit den zur Sicherung der Geleite einge­setzten Jagdflugzeugen wurden von der deutschen Luftwaffe 33 feindliche Flugzeuge abge- schossen. Zehn deutsche Flugzeuge gingen ver­loren.

An diesen Erfolgen haben die unter dem Ober­befehl des Generalseldmarfchalls Kesselring und unter der Führung des Generals der Flieger L o e r- z e r, des Generals der Flieger Geißler uüd des Generalleutnants Hoffmann von Waldau stehenden Fliegerverbände besonderen Anteil.

An dem Erfolg ist ferner das Unterseeboot des Kapitänteutnants Reschke mit der Versenkung eines feindlichen Kreuzers beteiligt.

Vor der englischen Südküste beschädigte die Luftwaffe bei Tages- und Rachtangriffen drei Handelsschiffe mittlerer Größe durch Bombenwurf. Bei Brighton und bei Portland wurden kriegswichtige Anlagen schwer getroffen.

Die britische Luftwaffe unternahm in der letz­ten Rächt Störangriffe auf westdeutsches Gebiet. Rachkjäger und Flakartillerie brachten neun der angreifenden Bomber zum Absturz.

für Tausende und aber Tausende von Menschen­leben etwas fo Gewaltiges fei, daß sie ein einzelner kaum zu tragen vermöge. Er brauche deshalb einen Stab, der ihn berät, ohne ihm natürlich die Entschei­dung und Verantwortung als Truppenführer abzu­nehmen, und der die Einzelheiten durcharbeitet, auf Grund deren dann der verantwortliche Befehl erteilt wird. Der Grundsatz, kostbares deutsches Blut zu sparen und anderseits dem Feinde ein Höchstmaß an Verlusten beizufügen, ist leicht ausgesprochen. Welcher Unsumme von Vorbereitung, Kenntnis und Entschlußkraft es aber bedarf, um ihn in die Wirk­lichkeit umzufetzen, von der Lichtbildaufnahme der feindlichen Front bis zur Schwervunktbildung in der Schlacht, von der Bereitstellung der nötigen Ge­schütze bis zum auf die Minute festgelegten Zusam­menwirken der Waffen, wobei jedoch die Initiative der Unterführer nicht gelähmt werden darf, weil sie unter plötzlich veränderten Verhältnissen vielleicht anders handeln müssen, diese ganze Kunst des Be­fehlens, die in der höchsten Sphäre wirklich eine Kunst und keine Reproduktion von Dienstvorschriften ist das alles weiß die Heimat trotz unserer sol­datischen Schulung vielleicht immer noch zu wenig.

Wir ^dürfen es erleben, daß dieses kostbare In­strument des deutschen Generalstabes heute in die Hand eines Mannes gegeben ist, der es mit dem Tiefblick des Genies als Meister der Kriegskunst l-andhabt, der eine stolze Tradition auch auf diesem Gebiete im Dienst einer neuen Staatsidee zum Gipfel führt. Der sprachliche Zufall will es, daß im Generalstab schon in der Zeit des Versailler Ver­botes vonFührergehilfen" gesprochen worden ist. Die Generalstabsoffiziere von 1942 sind das seit der Uebernahme des Oberbefehls über das Heer durch den Führer in einer doppelten Bedeutung des Wor­tes. Volk und Partei und sie selbst wissen es, daß sie ein auch für die Zukunft wichtiges Erbe zu be­wahren haben. Sie haben es erfahren, daß der Feind 1919 mit der allen Armee zuallererst den Generalstab zu zerschlagen versuchte. Sie wissen, daß er jetzt in einem neuen Versailles die ganze Wehr- macht beseitigen würde, und daß nur der Sieg

Adolf Hlllers unsere militärische Kraft auch für die Zukunft verbürgt, die wir ja nicht aus militärischen Machtgelüsten, sondern aus dringender nationaler Notwendigkeit angesichts unserer Lage und Stellung in Europa unbedingt brauchen, im Kriege wie im Frieden. Disziplin ist, so sagte Marscha Foch unge­fähr, in der höchsten Sphäre die intuitive Ueber- einftlmmung in Schulung und Entschluß. Auch mit der kämpfenden Truppe vorn wird diese Ueberein- ftimmung täglich neu befestigt, indem die General­stabsoffiziere nach vorn gehen und indem auch die Generale und Oberbefehlshaber immer wieder die vorderste Linie aufsuchen, um sich zu unterrichten oder der Truppe einen Impuls zu geben.

In Treue gegenüber der obersten Führung, in Verbundenheit mit dem stürmenden Musketier, in jenem freien ritterlichen Gehorsam, den ein preußi­scher König an dem jungen Bismarck rühmte, wan­delte der Generalstab seine preußische militärische Tradition zur Schwertführung für den Führerstaat, für das Reich, das auf dem Wege über Groß- deutfchland dem Soldaten aller Grade soviel ver­dankt.

Verletzung der türkischen Neutralität.

Ankara, 17. Juni. (DNB.) Der erste Versuch amerikanischerBombenflugzeuge,den bedrängten Sowjets zu Hilfe zu kommen, hat in der türkischen Oeffentlichkeit große Unruhe hervorge- rufen, denn er führte, wie sich jetzt herausstellte, zu einer massiven Verletzung dertürkischen Neutralität. Am 12. Juni vormittags landeten, wie bereits gemeldet, offenbar aus Benzinmangel, drei viermotorige amerikanische Bomber auf dem Flugplatz von Ankara. Ein weiteres ging in der Nähe von Adapazar nieder. Ein fünftes versuchte, auf dem Flugplatz von Adana zu landen, erreichte aber noch syrisches Gebiet. Sie kamen von einem Angriffsflug zurück, den sie von Nordfyrien aus gegen die Nordküste des Schwarzen Meeres unter- nommen hatten. Amerikanische Meldungen gaben 1

Besprechung im Hauptquartier.

MM

Jeden Morgen unterrichtet sich der Oberbefehlshaber über die Ereignisse der Nacht, die von den unter« stellten Kommandobehörden gemeldet worden sind. Hier nimmt Generalfeldmarschall von Bock, Ober­befehlshaber einer Heeresgruppe, den Vortrag des Ic über die Feindlage entgegen. Rechts neben ihm der Chef des Generalstabs. Unser Bild unten zeigt die engste Zusammenarbeit der Wehrmachtteile. Auf­klärer sind zurückgekommen. Während ihrer münd­lichen Berichte werden bereits die Aufnahmen aus­gewertet und an die einzelnen Referate weiter­geleitet. (PK.-Kriegsberichter Schmidt-Geyer. lPBZ,j Sch.)

zu, daß sich die Bomber, von deutschen Jägern bis an die Grenze der türkischen Hoheitsgewässer ver­folgt, auf türkisches Gebiet gerettet hätten. Aus der Lage der Flugplätze, die auf einer Linie liegen, die mitten durch die Türkei geht, und aus der wei­teren Tatsache, daß es mehreren anderen amerika­nischen Bombern gelang, über türkisches Gebiet nach Nordsyrien zu entkommen, ergibt sich, daß die Ame­rikaner rücksichtslos ihren Weg über die Türkei ge­nommen und damit deren Neutralität absicht­lich verletzt und auch bei ihrem Einflug höchst­wahrscheinlich die Türkei überflogen haben. In tür­kischen Kreisen erblickt man darin einen Versuch der Amerikaner, einen Präzedenzfall zu schaffen, um auch künftig ihre Flüge über die Türkei fort* zusetzen. Es ist bezeichnend, daß eine amerikanische Nachrichtenagentur von dieser Demonstration ame­rikanischer Machtmittel sich verspricht, daß siechre moralische und psychologische Wirkung" auf die neu­trale Türkei nicht verfehlen werde.

Zuchthausstrafen im Attentatsprozeß von Ankara.

Ankara, 17.Juni. (DNB.) Das Urteil im Prozeß des am 24. Februar in Ankara gegen den deutschen Botschafter v. P a p e n verübten Spreng­stoffattentats wurde am Mittwochabend verkündet: Die Hauptangeklagten, die Staatsangehörigen der Sowjetunion, George P a w l o f f und Leonid Kor- n i l o f f, wurden auf Grund des Artikels 50, Abf. 4 des türkischen Strafgesetzes wegen unmittelbarer Be­teiligung an einem Anschlag gegen das Leben einer dritten Person zu je 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die beiden türkischen Angeklagten, Ad- durrhaman und S o l e i m a n, wurden z u je 10 Jahren Zuchthaus wegen erwiesener Verbindung und Unterstützung des Attentäters ver­urteilt. Sämtlichen Angeklagten steht das Recht der Berufung zu.

Die Urteilsbegründung stellt fest, daß Addurr- haman und Soleiman als kommunistische Kuriere in alle Einzelheiten hätten die beiden Bolschewisten und später Tokat mit ihnen bekanntmachten. Bis in alle Einzelheiten hätten die beiden Bolschewisten das Attentat vorbereitet und mit feiner Durchfüh­rung Tokat beauftragt. Sie hatten Tokat Unter- richt im Revolverfchießen und Werfen von Bomben erteilt. Die Behauptung von Pawloff und Korni- foff, mit den beiden türkischen Angeklagten keine Verbindung gehabt zu haben, fei ebenso wie die Behauptung, daß Tokat das Attentat überhaupt

Umschlag steckt. Nun dürft ihr -beileibe nicht denken, Peter fei ein Wunderkind und er mit feinen fünf Jahren könne schon richtig schreiben. Nein, Peter kritzelt mit dem Bleistift auf feine eigene Weise einen ganzen Bogen voll. Er liest das Geschreibsel der Mutti vor, und die übersetzt dann dem Vatt die wunderlichen Hieroglyphen gewissermaßen in ein verständliches Deutsch, indem sie ihrem eigenen Brief noch einige Worte beifügt Und nun können die beiden gehen und den Brief besorgen; der rote Postkasten befindet sich an der nächsten Straßenecke. Elli braucht aber keinen Finger zu rühren, das kann Peter ganz allein, währenddessen die Mutti gleich mal zum Bäckerladen hinüber kann. Peter trabt um die Ecke und stutzt. Er bleibt plötzlich wie angenagelt stehen, denn vor dem Postkasten räkelt sich ein großer, böser Hund in der Sonne. Vor Hunden aber hat Peter einen höllischen Respekt und macht gern einen großen Bogen um sie herum. Peters Herz pocht gewaltig; er muß seinen ganzen Mut zusammennehmen, bevor er langsam weiter­geht. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen, aber umkehren, nein, so feig ist er nicht. Wenn er wenigstens eine Waffe hätte, einen Stock oder so was. Der Knabe ballt verzweifelt die Hand zur Faust, vorsichtshalber jedoch in der Hosentasche. Diese Tasche steckt natürlich wie alle Bubentaschen voller Merkwürdigkeiten. Und jetzt hat er eine Glas­kugel in der Hand, ein buntschillerndes Glück, eine Königin unter den Glaskugeln. Er hält die Kugel der Sonne entgegen, daß sie funkelt und flimmert und in allen Regenbogenfarben zu sprühen be­ginnt. Peter guckt den Hund an der Hund guckt Peter an. Peter läßt das gläserne Wunder spielend em wenig auf der Handfläche springen, und nach einem letzten bedauernden Blick darauf läßt er sie im hohen Bogen durch die Luft sausen. Das Hunde­tter, welches den Vorgang aufmerksam verfolgt hat, rast wie besessen in langen Sätzen hinter der Heinen Kostbarkeit her. Der Junge strahlt. Es ist ein teuer erkaufter Sieg, aber der Weg ist frei.

Hinter dem Schaufenster der Bäckerei stehen Elli und die dicke Bäckersfrau, sie haben das ganze Schauspiel mit angesehen, und sie lachen sich eins. Am Nachmittag aber kauft Elli dem Jungen in der Stadt ein Säckchen mit Glaskugeln, und es ist manche Königin darunter in ihrer Pracht und Herr­lichkeit.

So ist jeder Tag an gefüllt mit seinen kleinen Abenteuern, und EM und Peter bestehen sie im besten Einvernehmen. Nur am Abend kommt es meist zu einer kleinen Meinungsverschiedenheit zwi­schen ihnen, die sonst ein Herz und eine Seele sind. Peter ist nämlich durchaus nicht geneigt, bereits mit den Hühnern zu Bett zu gehen. Er behauptet frank und frei, er fei kein kleiner Junge mehr. Beim Ausziehen hat er nichts wie Dummheiten im Kopf. Elli braucht nur mal den Rücken zu keh­ren, so ist sie hernach sprachlos, was der Junge inzwischen mit einer Findigkeit ohnegleichen wieder angerichtet hat. Ganz und gar fehlgeschossen hat sie, als sie droht:Was meinst du wohl, wenn ich das dem Vati erzähle??" Da gießt sich über die arme Mutti ein wahrer Sturzbach von Gelächter, dann jauchzt, dann kollert und gluckst es nur so aus der Kehle, daß es den kleinen Mann schüttelt vor eitel Wonne und Seligkeit über die arglose Elli. Der Vati und ihm böse fein? Haha wenn das nicht der Höhepunkt ist?

Nachher liegt Peter im Bett, friedlich und rot­bäckig wie ein Weihnachtsengel. Im Kirschbaum­oor dem Fenster hängt der gelbe Mond, rund und schön wie Alladins Wunderlampe im Märchen. Die Wolkenschäfchen segeln darüber hin in die weite Welt hinaus, und mit ihnen segeln Peters Träume und seine große Kindersehnsucht nach dem fernen Soldatenvati.

Apfelsinen im Feldlazarett.

PK. Frontmitte im Osten. An jedem zweiten Tage, morgens um 11 Uhr, kurz nachdem der Oberleut­nant der Gebirgspioniere auf der Tragbahre vom Verbandwechsel zurückkommt und seitlich von der Bahre ins Bett robbt, wie er das schon seit Wochen gewöhnt ist, öffnet sich die Tür und ein vierfaches Ah? erschallt in der Stube vier der Gefreite Seimborn steht mit frischem, lachendem Gesicht im. Türrahmen, geht an den Tisch des Krankenpflegers und greift viermal zwei Apfelsinen aus einem Päpp- farton, den er unterm Arm trägt, und da zwei von vier Betten von Hessen belegt* sind, und da auch der Krankenpfleger einer ist und der Gefreite mit den Apfelsinen sogar ein hessischer Bürgermeister, so spitzen Bett drei und vier die steirischen und

die bremischen Ohren, denn von dem Gespräch, das sie nun zu hören bekommen, verstehen sie nur jedes dritte Wort.

Ei, ich hab euch heut scheene dicke uffgehobe. chr Leit!" sagte der Bürgermeister und fein Antlitz strahlt selbst wie eine Apfelsine. -Und der Leutnant aus Mainz antwortet ihm:

Awwer, Hermännche, wannste mer Widder morsche verpasse dhust, dann follste die Krenk kriehe!"

Aber der Bürgermeister mit den Apfelsinen fürch­tet sich nicht. Denn erstens ist er ein tapferer Ar­tillerist gewesen und ist hernach mit der Sanitäts­kompanie einen schweren Weg gegangen in der Wmterabwehrschlacht. Und zweitens hat der Leut­nant einen Durchschuß an der Wange und eine ope­rierte erfrorene Zehe und kann gar nicht hinter oem Bürgermeister herrennen, um ihn fürmorsche Oraansche" zu bestrafen. Und überhaupt ist der Kamerad Hermännche mit den Apfelsinen hier im Feldlazarett eine Respektsperson, und wenn es ein General wäre, dem er die zwei Apfelsinen zuweist, fo würde er ihn doch mit feinem gesunden strahlen­den Hessengesicht anlachen, und ich wette, der Gene­ral würde zurücklachen; wenn der Satz fachen ist gesund!" seine Berechtigung hat, fo ist er hier ge­radezu Dienstvorschrift, denn jeder will hier gesund werden, und ohne seinen eigenen Willen bringt es mancher nicht zuwege. Im Nedenraum der junge Infanterist, der gestern aus dem anderen Feldlaza­rett in unserem wüsten Städtchen an der Haupt- fampfhnien hergebracht wurde, weil eine Flieger­bombe zwei Stockwerke des Lazaretts durchschlagen und auch uns die Fensterscheiben in die Betten geworfen hat, dieser junge Infanterist braucht mich seinen festen Willen, um durchzukommen; denn er ift nun innerhalb einer Woche zweimal verwundet worden, und der Chirurg hat viel Arbeit mit ihm. Da ist der Gefteite nut den Apfelsinen wie eine gute Medizin.Heil, Hermann!" ruft der Obergefreite mit dem langwierigen Beckenschuß im Zimmer der Schwerverwundeten, undHeil, ihr Buwe?" ant­wortet strahlend Hermann, als träte er mit einer frofjen Nachricht vor feine heimatliche Gemeinde hin. Und auch der junge Schwerverwundete nicki, müde' von den schmerzstillenden Mitteln rnrb feift lächelnd H« Mario Heil Brentani.