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Zeit von 26 Wochen ein gegenüber der bisherigen Regelung erhöhtes Stillgeld.

Schließlich sieht das Gesetz noch Bestimmungen über die Pflicht der Betriebe vor, Kindertage s- Hätten einzurichten und zu unterhalten, um den Müttern die Betreuung ihrer Kinder zu erleichtern. Uni die Vorschriften des Gesetzes in genügendem Umfange zur Kentnis der werdenden Mütter zu bringen, mutz der Text des Gesetzes in den Betrie­ben zur Einsichtnahme ausliegen. Gleichzeitig mit dem Gesetz ergeht auch eine' Ausführungsverord­nung. Das Gesetz ist nur für deutsche Frauen be­

stimmt, also für Frauen, die die deutsche Staats­angehörigkeit besitzen oder sonst deutsche Dolkszu- gehörige sind. Für andere Frauen gelten gewisse Mindestschutzsristen sowie das Beschästigungsverbot, dagegen nicht die übrigen Bestimmungen. Ferner schafft die Ausführungsverordnung im wesentlichen Uebereinstimmung des Mutterschutzes für Heim­arbeiterinnen mit dem für die Betriebsarbei­terinnen und sieht vor, daß die Inhaberinnen von offenen Verkaufsstellen, die kein Per­sonal beschäftigen, sechs Wochen vor der Nieder­kunft und 12 Wochen danach ihre Geschäfte schließen

dürfen.

Das neue Gesetz, zu dem das Reichsarbeitsmini­sterium unter Förderung der Deutschen Arbeitsfront die Vorarbeiten geleistet hat, ist ein Zeichen des Dankes, den die Nation zum Muttertag 1942 den im Erwerbsleben stehenden deutschen Müttern ab­stattet, die trotz erschwerter Lebensbedingungen dem Vaterlands Kinder schenken und stellt in seiner wahr­haft großzügigen Regelung des Mutterschutzes Deutschland auf diesen für die Zukunft des Volkes so wichtigen Gebiet an die Spitze aller Nationen dieser Erde.

Das deutsche Volk dankt seinen Krauen und Müttern

Berlin, 17. Mai/ (DNB.) Im Rahmen fest­licher Sendungen des Rundfunks zum Muttertag sprach Reichsminister des Innern Dr. F r i ck. Der Anteil, den unsere Mütter und Frauen aus aucn Gebieten des täglichen Lebens an der Erhaltung unserer nationalen Kraft und an der Weiterent­wicklung der völkischen Aufgaben haben, so sagte Dr. Frick, kann nicht eindringlich genug gewürdigt werden. Für unsere Mütter und Frauen bedeutet der Krieg eine doppelte Belastung. Abge­sehen von der steten Sorge um das Geschick ihrer der Familie durch den Wehrdienst oft auf lange Zeit entzogenen Männer, Söhne und Brüder, hat sich auch ihre arbeitsmäßige Beanspruchung immer mehr erhöht. Nicht, nur, daß manche Schwierigkeiten ihre häuslichen Sorgen steigern und ihnen die Aus­übung ihrer Mutterpflichten erschweren, heißt es für viele zugleich, denMann zu ersetzen, der an der Front so notwendig gebraucht wird, und dessen Arbeit nicht, unverrichtet bleiben darf. Allen Schwierigkeiten zum Trotz sind sie in Haus und Familie unermüdlich tätig und haben sich überdies zu unzähligen Tausenden in den Arbeitsprozeß eingegliedert. Unsere' besondere Hochachtung kommt der L a n d f r a u zu. Von der rechtzeitigen Aussaat, der sicheren Einbringung der Ernte hängt das Leben unseres Volkes ab. Wenn es auch möglich gewesen ist, den Bauersfrauen, deren Männer und Söhne im Felde stehen, ausländische Kräfte und Kriegsgefangene zuzuführen, so liegt doch die ganze Verantwortung auf ihr allein.

Trotze alledem hohen unsere Frauen ihre häuslichen Aufgaben und Mutterpflichlen nicht gering geachtet. Die deutsche Frau sieht in einer Kinderschar noch immer ihr höchstes Glück. So hat auch das Jahr 1941 trotz des Krieges eine noch durchaus befriedigende Geburtenziffer ge­bracht und damit die ungebrochene Lebenskraft und den Lebenswillen unseres Volkes erneut unter Beweis gestellt. Allen Müttern, die auch in dem vergangenen Jahr das Wunder der Mutterschaft erlebten, gebührt unser aufrich­tiger Dank. Ihm ist die Reichsreglerung stets bestrebt darin Ausdruck zu geben, daß sie un­seren Müttern alle nur möglichen Erleichterun­gen verschafft und materiell ihre Sorgen tragen hilft. Das zum heutigen Tage erlassene Mut­te rschuhgeseh, das in großzügiger Weise den Schuh der Gesundheit der erwerbstätigen Mutter regelt und sie in die Lage versehen soll, die Pflichten derMutterschaft ungefährdet zu er­füllen, legt hierfür ein beredtes Zeugnis ab.

Voller Ehrfurcht verneigen wir uns aber vor den Frauen, Denen der erbarmungslose Krieg den Mann, den Sohn, den Verlobten nahm, und denen das Leid doch nicht den festen Glauben an unsere . Zukunft rauben konnte. Ihr Leid ist unser aller Leid. Darin werdet auch ihr, meine leidtragenden Mütter und Frauen, Trost finden. In allen ernsten Gefahrenzeiten unserer Geschichte haben unsere Frauen gezeigt, daß sie bereit waren, es dem Opfer­mut der Männer gleichzutun. Unter dem sicheren Schutz der starken deutschen Waffen liegt abermals Die Zukunft unsers Volkes auch in Euren Händen. Ich bin gewiß, daß sie in Eurer Obhut geborgen, eine verheißnirgsoolle genannt werden kann, und daß der äußere Rahmen, den ihr der Führer vor­gezeichnet hat, angefüllt sein wird mit der Kraft einer immer wieder sich erneuernden Gemeinschaft, die für alle Zeit auf der fellgefügten Grundlage der Familie in Euch, ihr Mütter und Frauen, den Hort alles völkischen Seins findet.

Die Reichsfrauenführerin Frau Scholh-Klink gab in ihrer Ansprache den Dank eines Frontsol­daten aus dem Osten weiter, dem unbekannte Frauenhände im letzten Winer alles geschickt haben, dessen ein Soldat bedarf und der zum Muttertag einmal all den Frauen zu Hause Dank sagen wollte,

die aus ihrem reichen Herzen noch Alleinstehende mitversorgen. Dann wandte sich die Reichssrauen- führerin den Müttern zu, die neben ihrer Sorge um Mann und Kind die LebensgrunVlage unseres Vol­kes in ihren schaffenden Händen halten. Ihnen zu helfen, wo und wie es auch geht, sei das höchste Gebot für alle. In ihrem Namen richtete Frau Scholtz-Klink an alle Frauen und Mädchen unseres Volkes, die weder in einem geregelten Arbeitsver­hältnis stehen, noch Mütter kleinerer Kinder sind, die Bitte: Gebt der Gemeinschaft ein paar Stunden Eurer freien Zeit in der Woche für diejenigen, denen diese Stunden Erleichterung oder Hilfe bedeuten können. Laßt die Gemeinschaft, zu der ihr gehört, wissen, daß sie diese Eure Hilfsbereitschaft in An­spruch nehmen darf, wenn sie sie braucht. Ob diese Hilfe sich erstteckt auf eine stundenweise Mitarbeit in einer Nähstube, in der Nachbarschaftshilfe, Ein­kaufshilfe, Erntehilfe oder ob sie sich auch ein­mal auf eine Arbeitsplatzablösung für. Urlaubstage erstreckt besonders bann, wenn der Mann auf Ur­laub nach Hause kommt, ist gleichgültig. Die jungen

Familienmütter, die unter dem fernen Donner der Geschütze neuen Kindern das Leben schenken, er­füllen ihre höchste Ausgabe, das 'Leben der Nation sicherzustellen. Keine andere Arbeit soll sie bedrän­gen, denn die sie zu erfüllen haben, füllt wird sie recht getan den ganzen Menschen aus. Wo sie unserer Hilfe bedürfen und wir sie irgend geben können, soll sie ihnen zuteil werden. Wächter und Streiter für das von den Vätern jetzt Erkämpfte schenken sie ihrem Volk, und sie stehen auch dann zu diesem Volk und seinen Forderungen, wenn der Krieg den 'Vater ihres Kindes behält zur ewigen Wache für sein Volk. Dann brauchen unsere alten und jungen Mütter Zeit für sich, um sich den Ge­danken der Trennung vom Greifbaren zu eigen zu machen und doch die Hand des Gefährten so stark zu spüren, daß keine Klagen und kein Hadern die heilige Ruhe der großen Kämpferkameradschaft stören soll, sie sind ja nicht tot, die ihnen Leib gaben für Uns, sondern wachen und mahnen zu bleiben und immer besser zu werden Mutter der Nation.

Gauleiter Kyver gestorben.

Berlin, 16.2Hai. (DRV.) Am Freitagnachmit-

lag verstarb im 54. Lebensjahr der Gauleiter des Gaues Weser-Ems und Reichsstallhaller in Oldenburg und Bremen, Earl Ro ever, an den Folgen einer schweren Lungenentzündung. Mil dem Verstorbenen, der außerdem SA.- und RSKK.-Obergruppenführer sowie Gauehrenführer des Reichsarbeitsdienstes war, verliert die natio- nalfozialisiifche Bewegung einen ihrer ältesten Kämp­fer. Der Führer hat für den verstorbenen Gauleiter ein Staatsbegräbnis angeordnet.

Gauleiter Roever wurde 1889 in Lemwerder im Stedinger Lande geboren. Nach dem Besuch der

Mittelschule in Oldenburg trat er in die kaufmän­nische Lehre ein, wurde in einer Bremer Großhan­delsgesellschaft Korrespondent und ging im August 1911 nach der deutschen Kolonie Kamerun in einen Faktoreibetrieb. Die zweijährige Tätigkeit in Afrika weitete seinen Blick. Bei Ausbruch des Weltkrieges rückte er mit dem Infanterie-Reaiment 233 ins Feld, wo er bald Unteroffizier und 1916 in die Propa­gandaabteilung der Obersten Heeresleitung berufen wurde. Schon 1923 wurde er Mitkämpfer des Füh­rers. 1924 wurde Roever in den Oldenburger Stadt-- rat gewählt. Mit noch zwei weiteren Abgeordneten führte er von 1928 an auch im Oldenburger Land­tag eine scharfe Klinge. Im gleichen Jahre wurde er Gauleiter des neugegründeten Gaues Weser-Ems. Seit 1930 gehört Roever auch dem Reichstag an. Am 29. Mai 1932 errang die nationalsozialistische Bewegung im Oldenburger Landtagswahlkamps die absolute Mehrheit. An. der Spitze einer rein natio­nalsozialistischen Landesregierung wurde Roever Ministerpräsident. Zum Reichsstatthalter für Olden­burg und Bremen wurde er am 5. Mai 1933 bestellt. Obwohl der Verstorbene infolge eines Autounfalles in den letzten Jahren kränkelte, kannte er keine per­sönliche Schonung. Sein ganzes Sinnen und Ar­beiten war auf den Endsieg ab gestellt, an dem er nie zweifelte. Als alter Frontkämpfer war der Gauleiter im Herzen immer draußen bei der Front. Was er für sie tun konnte, geschah. So betreute er die U-Boot-Besatzungen, wenn sie von Feindfahrt zurückkamen. Für immer wird sein Name mit der Niederdeutschen Gedenkstätte Stedingehre" auf dem Bookholzberg in Oldenburg, die zur Erinnerung an den Freiheitskampf seiner Stedinger von ihm ge­schaffen wurde, verbunden sein. Mit dem Ggu Weser-Ems trauert das deutsche Volk um einen feiner Besten.

Die Einnahme von Kertsch.

Der Wehrmachtbericht vom Gamstag.

DRV. Ausdem Führerhauptquartier, 16. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Rach Ileberwlndung zähen Widerstandes find deutsche Truppen gestern in k e r t s ch.eingedrungen. Stadt und Hafen sind in unserer Hand.

Im Raum von Charkow setzte der Feind seine Angriffe fort. Sie wurden in harten Kämpfen abgeschlagen. Eigene Gegenangriffe waren erfolg­reich. Der Feind verlor bisher 180 Panzer.

In Lappland warfen deutsche und finnische Truppen in schwierigen Waldkämpfen den Feind zurück und vernichteten eine von ihren Verbindun­gen abgeschnittene Kräftegruppe. An der 2H u t/- manfront haben deutsche Truppen in der Zelt vom 26. April bis 13. Mai zahlreiche Angriffe über­

legener feindlicher Kräfte abgewendet und Umfaß- fungsverfuche vereitelt, hierbei büßte der Feind au­ßer zahlreichen Gefangenen über 8000 Tote und zahlreiches Kriegsmaterial ein. Unter dem Eindruck dieser schweren Verluste hat er die Fortsetzung seiner Angriffe eingestellt und ist auf seine Ausgangsstel­lungen zurückgegangen. In der K o l a b u ch t ver­nichtete die Luftwaffe einen feindlichen Transporter von 8000 BRT. Ein weiteres großes Handelsschiff wurde durch Bombentreffer beschädigt.

Im M i t t e l m e e r versenkten deutsche Untersee­boote aus einer Gruppe von Unterseebootsjägern einen britischen Bewacher sowie ein Geleitfahrzeug. Die Bombardierung der Flugplätze auf Malta wurde fortgesetzt.

Vor der niederländischen Küste schossen Vorpostenboote bei einem britischen Luftangriff auf ein deutsches Geleit 5 von acht angreifenden Bom­bern ab. Außerdem wurden im Kanal und an der niederländischen Küste ein britischer Bomber und ein Jagdflugzeug durch Minensuchboote, zwei Bom­ber durch Marineartillerie abgeschossen. Ein eigenes Minensuchboot und ein Vorpostenboot wurden bei diesen Kämpfen schwer beschädigt. Schwächere Kräfte der britischen Luftwaffe wurden in der vergangenen Rächt über der Deutschen Bucht und an der dänischen Westküste festgestellt. Nachtjäger und Flakartillerie brachten drei, Minensuchboote zwei britische Bomber zum Absturz. Hauptmann Lent errang in der Rächt zum 16. Mai seinen 30. Racht- jagdsieg.

Oer Wehrmachtbericht vom (Sonntag.

DRB. Aus dem Führerhauptquartier, 17. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Rordostwärts der Stadt Kertsch wur­den die Reste des geschlagenen Feindes auf dem Ost­zipfel der Halbinsel auf engsten Raum zusam­mengedrängt. Reber die Straße von Kertsch flüchtende sowjetische Kräfte erlitten durch Luftan­griffe hohe Verluste. Auf Tamanskaja entstanden große Brände und heftige Explosionen. Deutsche Jäger schossen hierbei in Luftkämpfen ohne eigene Verluste 28 feindliche Flugzeuge ab.

Im Raume von Charkow fcheiterten er­neute Angriffe der Sowjets unter hohen blutigen Verlusten für den Feind. Die Zahl der in diesen Kämpfen bisher vernichteten Panzer hak sich auf 240 erhöht. An den übrigen Abschnitten der Ost­front Artillerie- und Aufklärungstätigkeit. Im Raum um Moskau sowie ostwärts des Ilmen­sees wurden wichtige Eisenbahnverbindungen des Gegners von der Luftwaffe nachhaltig zerstört. Bei den Kämpfen im Osten nahm der Zug der zweiten Kompanie des Pionierbataillons 132 bei einem ein­zigen Angriff 1800 Panzerminen auf. In Lapp­land und an der M ur m a n - F r o n k verliefen eigene Angriffsunternehmungen erfolgreich.

Auf der Insel Malta wurden die Flugplätze bei Tag und Rächt bombardiert.

Leichte Kampfflugzeuge versenkten bei einem Tagesvorstoh zur S ü d k ü st e Englands im Hofen von Plymouth durch Bombenvolltrefler ein größeres Kriegsfahrzeug und beschädigten außerdem ein Kanonenboot sowie ein Frachtschiff. 3n tödlicher Umklammerung.

Berlin, 17. Mai. (DNB.) Die von den sieg­reichen deutsch-rumänischen Truvpen in dem äußer­sten Zipfel der Halbinsel norbwestlich der Stadt Kertsch au f engst em Raum zusammen gedrän gten Bolschewisten unternahmen vom Abend des 15. bis zum Abend des 16. Mai hoffnungslose Gegenstöße. Sie führten ihre Vorstöße mit mehreren dicht ge= schlos enen Angriffswellen hintereinander, wobei dis Sow ets der vordersten Welle chre Arme unter­einander verhakten, um sich beim Ansturm gegen­seitig zu stützen. Es kam des öfteren zu Nah- fämpren mit der blanken Waffe, bei denen die feindlichen Gegenangriffe unter schwersten Verlusten für die Bolschewisten zusammenbrachen. Diese massierten Angriffe lassen ebenso wie ein Versuch, mit schwachen Kräften im Rücken der deut­schen Angriffsspitze zu landen, um eine Bresche in den Einschließungsring zu schlagen, darauf schließen, daß st a r k e f eindliche Kräfte, die von ihren

Tagesbericht der Frau Emma.

Von MaxJungmckel.

Der alte Dorflehrer hat eine Leidenschaft: Heimat­geschichte. Sein Dorf bedeutet ihm Leben und Glück. Er gehört ja zum Herzschlag feines Dorfes, ist ein kluger Blick, ein Augenzwinkern im Angesichte die­ses Dorfes.

Vor etwa zehn Jahren schon, als er noch im Dienst war, hatte er bereits den Gedanken, ein Dorsmuseum zu gründen. Er sammelte, forschte hier und dort herum, wo er vergrabene Altertümer ver­mutete, machte Pläne. Dann, als er in Pension ging, nahm seine Lieblingsidee endlich Gestalt an.

Das alte Spritzenhaus sollte abgerissen werden. Er kaufte es kurzerhand, machte es etwas wohnlich und brachte seine gesammelten Schätze hinein. Kein Staatsgebäude, nur ein armseliger Raum. Aber eine Herberge für Funde aus heimatlicher Erde, hinge­legt zur Andacht und zum Nachdenken.

Da ist noch etwas, was eigenllich die persön­lichste Idee des alten Lehrers ist. Er wollte das Jahr 1934 ganz unter das ZeichenArbeit" stellen. Nicht mit Tabellen und Zahlen, er machte das menschlicher. Er schrieb fein säuberlich, wie ge­stochen, kleine Lebensbeschreibungen. Etwa so: Emma Troitsch, geb. Richter. Geboren am 3. Juni 1895. Seit 1920 verheiratet mit dem Bauern Karl Richter. 6 Kinder. Das Ehepaar hat 20 Morgen Land, fünf Kühe, einen Ochsen und fünf Kälber, dazu drei Schweine und Federvieh. Der Bauer hat keinen Knecht.

Nun ging der Lehrer zu feiner ehemaligen Schü­lerin Emma und bat sie, ihm doch aufzuschreiben, was sie für gewöhnlich an Wochentagen für Arbeit habe. Die Frau sah ihn zuerst etwas befangen und zurückhaltend an. Sie fühlte wohl einen Hinterge­danken dabei. Wegen der Steuer vielleicht. Aber als ihr der Lehrer versichert hatte, daß er ihre Angaben für eine kleine Privataufstellung brauche, da willigte sie ein und hat, an einem Sonntagabend, eine ge­naue Aufstellung gegeben.

Um vier Uhr in der Frühe stehe ich auf und

ziehe mich an. Dann gehe ich in die Küche und mache Feuer. Dann steht mein Mann auf. Er geht auf das Feld. Ich mache das Futter für das Vieh. Wenn ick gefüttert habe, melke ich die Kühe. Dann wecke ich die vier Kinder, die in die Schule müssen. Ich helfe beim Anziehen. Den beiden Mädchen muß ich noch immer die Haare kämmen. Sie bringen den Zopf noch nicht fertig. Und dann muß ich nachsehen, ob an den Sachen nichts entzwei ist. Meist muß ich flicken. Es ist gleich acht Uhr. Sie gehen in die Schule. Ich bringe das Vieh aus dem Stall. Miste den Stall aus. Dann ziehe ich die beiden kleinsten Kinder an und mache sie satt. Mein Mann kommt und verlangt Frühstück. Auch ich esse mit. Dann geht es wieder an die Arbeit. Ich muß mich ein bißchen mit den Kleinen abgeben. Dann gehe ich in die Küche und mache das Mittagbrot. Ehe es fertig ist, mache ich die Stube sauber. Nach dem Essen gehe ich mit meinem Mann auf das Feld. Nach einer Stunde gehe ich wieder ins Haus. Die vier Kinder sind aus der Schule gekommen. Ich mache sie- satt, tege die beiden Kleinsten ins Bett, und dann gehen wir alle zusammen aufs Feld. Hernach gehe ich wieder ins Haus, mache Milch für die Kleinsten zurecht, lasse sie in den Hof, mache die Betten und wasche, was eben grab schmutzig ist. Dann kommt das Vieh wieder in den Stall. Ich mache Futter zu­recht. Und dann mache ich das Abendessen. Nun lege ich die Kleinen schlafen. Es ist Abend. Ich melke die Kühe. Die beiden ältesten Kinder helfen an der Buttermaschine. Dann wird Abendbrot ge­gessen. Alle gehen ins Bett. Wenn ich mich aus­ziehe, lese ich noch ein bißchen in der Zeitung her­um, in dem Roman. Wenn ein Kind krank ist oder ein Kalb, dann habe ich's nicht gut."

Unter diesen Bericht hat der alte Lehrer noch einige Bemerkungen gemacht.Im Winter wird sie das siebente Kind kriegen. Sie ist immer freundlich und sehr sauber. Sie singt die Kleinsten in den Schlaf, erzählt ihnen Märchen und lehrt, sie das Gehen. Sie ist noch nicht krank gewesen. Ihre Kinder sind alle gut erzogen. Auf dem Erntefest tanzt sie noch oft."

Das ist also eins von den Arbeitsblättern, die der alle Lehrer gesammelt hat und die er säuberlich

in einen uralten Atlas gelegt hat, der da im Hei­matmuseum auf einer krummen Drehbank liegt, mit seltsamen Ackersteinen zusammen, Kränzen vom Erntefest zusammen. Ein Sinnbild deutscher Erdo.

Das gelbe Tuch.

Von Karl Heinrich Waggerl.

2lbam verschließt feine Hütte, er verriegelt Tür und Fenster gegen den Wind, ja, auch das tut er, denn die Hütte liegt hoch oben auf dem Bergrücken, und es findet sich kein Nachbar weit und breit, und dann macht er sich auf den Weg ins Tal. Er muß beim Krämer verschiedenes eintaufen.

Der Krämer empfängt ihn munter. Lustig und beweglich trägt er die Dinge herbei, nach denen Adam verlangt. Aber da kommt ein Mädchen in den Laden, und Adam wartet gern, bis das Mäd­chen bedient ist. Das Mädchen will ein Kopftuch aussuchen, es leidet an kalten Ohren. Hurtig und glatt ist sie hereingeschlüpft, nun stellt sie sich vor die Regale und schwingt ihre kurzen Röcke. Adam betrachtet das Mädchen, er kennt es genau, es ist Veronika, ein hübsches Frauenzimmer, groß und kräftig. -

Der Handel mit dem Tuch will nicht recht ge­raten da wäre eines, aus Halbseide, mit Fran­sen, aber es ist gelb, und gelb kleidet Veronika nicht. Sie wendet sich nach Adam umOder, was meinst du?"

Ich meine, daß es zu teuer ist", sagt Warn.

Veronika lacht.3a, das ist bei Gott wahr." Uebrigens kann sie das Tuch jetzt nicht mitn,ehmen, der Krämer muß es zurücklegen, bis sie Geld dafür übrig hat. Seht ihr, und dann läuft sie fort wie ein Wiesel.

Aber der Handel mit Adam kommt rasch zustande, und so kann auch Adam den Laden verlassen.

Draußen trifft er Veronika. Sie steigt ohne Um­stände auf feinen Wagen. Frisch und luftig, wie sie ist, sitzt sie neben ihm auf der Pferdedecke.

Abends kommt Adam noch einmal in den Laden. Er will ein Tuch kaufen, das gelbe Kopftuch mit

den Fransen. Hat Adam den Verstand verloren?

Du kannst es hier im Laden hängen lassen! Es ist bezahlt, verstehst du wenn jemand danach fragt'

Ja, das sind kindliche, Einfälle. Ein Sommer in der Einöde auf dem Berge, das heißt viel für einen kräftigen Mann. Als Veronika neben ihm auf dem Wagen faß, konnte er nicht reden, so heiß war sein Herz. Und sie hätte wohl auch nur gelacht zu dem, was er zu sagen hatte.

Noch einen ganzen Tag bleibt Adam im Dorf, aber Veronika' bekommt er nur von weitem zu sehen. So bindet er schließlich ein wenig Brot und Speck in feinen Sack, und dann verläßt er das Dorf. Er fährt in den grauenden Morgen hinein, dem Winde entgegen. Allmählich wird der Wald lichter, die Bäume treten auseinander, und nun sieht et fein Haus.

Dort oben steht es, auf der großen Halde!

Nach einer Wocbe läuft Adam noch einmal zu­rück ins Dorf, es fehlt noch immer allerlei in dem Haus auf der Halde: lange überlegt der Mann, er hat zum Beispiel einen'Pflug in einer einzigen Stunde gekauft, eine Asthacke, eine neue Säge; aber diesmal ist es schwer, einen Entschluß zu fassen. Endlich kommt er heim, er gräbt das Rätsel aus der Streu in feinem Korbe und stellt es auf den Tisch eine Uhr! Eine Wanduhr mit gelben Zei­gern und schwarzen Ziffern.

Sie hängt nun in der Stube und hat es eilig, von Stunde zu Stunde schnarrt sie ein wenig und schlägt an eine Glocke in ihrem Gehäuse. Adam weiß jetzt, wann Morgen und Abend ist, das hat er allerdings auch früher gewußt. Es ist nicht das, sondern die Uhr ist ein lebendiges Wesen, sie hat ein Herz im Leibe und schwingt unverdrossen ihr blankes Beinchen unter dem Kasten. Adam ist ein Mensch, er liebt, was sich regt und lebendig ist in der grausamen Stille. Bielleicht ist aber auch etwas Schlimmes in ihm zurückgeblieben, ein Rest von der Ueppigkeit des Lebens im ßorfe.

Das gelbe Tuch hing nicht mehr im Laden. Es ist seltsam, aber damals hat Adam die Uhr gekauft, als er sah, daß dieses Tuch nicht mehr, auf dem Nagel hmg.