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Grundsorderungen der indischen Kongreßpartei ent­hielt, das Recht der Inder, sich selber eine Verfas­sung zu geben, und die Gewährung einer wahrhaft nationalen Regieruna. Aber diese Zugeständnisse waren mit so vielen Vorbehalten versehen und der­art verklausuliert worden, daß die Inder daran keinen Geschmack fanden, zumal der radikale Flügel des Allindischen Kongresses, wie wir früher schon sahen, das Daminionsiatut überhaupt ablehnt und völlige Unabhängigkeit Indiens fordert. Aber weit davon entfernt sollte nach dem britischen- Plan eine verfassunggebende Nationalversammlung erst nach Kriegsende einberufen werden, weil, wie England vorgab, während des Krieges die Zeit nicht geeignet fei, Wahlen oorzunehmen. Ferner sollte die Ver­fassung erst in Kraft treten, wenn die künftige in­dische Regierung durch einen Vertrag mit England die Uebernahme der Verantwortung geregelt habe, wobei sich England die Leitung der Außenpolitik und die Kontrolle der Verteidigung Indiens Vorbe­halten hatte. Schließlich sollte jede Provinz Britisch- Jndiens das Recht haben, den Beitritt zur Indischen Union abzulehnen und ihre jetzige Verfassung bei- zubehalten oder mit der britischen Regierung direkt über ein neues Verfassungsstatut zu verhandeln, lle'berall sieht also aus den dem indischen Volk an­scheinend freigebig gewährten Rechten der Pferde­fuß des unvermindert aufrechterhaltenen britischen Herrschaftsanspruchs hervor. Und nicht anders war es auch in der höchst aktuellen Frage der Verteidi­gung Indiens, auf die sich schließlich die Verhand­lungen in Neu-Delhi zuspitzten. Die Inder forderten die sofortige Berufung eines aus namhaften in­dischen Politikern gebildeten Kabinetts durch den Vizekönig. Das war bereits ein Abweichen von ihrer grundsätzlichen Linie, das sie unter den ge­gebenen Verhältnissen zugestanden. Dieses Kabi­nett sollte jedoch im übrigen dem Vizekönig so wenig verantwortlich sein wie das britische dem König von England. Cripps lehnte dies ab mit der Begründung, daß es ja kein indisches Parlament gebe, dem das Kabinett verantwortlich sein könne und Wah­len zum Parlament während des Krieges untunlich seien, also müsse der Vizekönig eingeschaltet bleiben. Neben General Wavell als Oberkommandierender der indischen Streitkräfte sollte ein Inder als Ver­teidigungsminister treten, aber England gestand nur die Mitwirkung bei derzivilen Verteidigung" im Rahmen des bisherigen vom Vizekönig ernannten Exekutivrates zu. Es wollte die Verfügung über die militärische Macht Indiens selbst in Händen behalten. '

Die indischen Parteien, mit deren Beauftragten Cripps in Neu-Delhi verhandelte, haben schließlich die britischen Vorschläge abgelehnt, wenn auch mit sehr verschiedener Begründung. Wenn der All- indische Nationalkongreh, die zahlen­mäßig stärkste und bedeutendste Partei Indiens und die Organisation der nationalistischen Be- weaung, die neben den Hindus auch viele Moham- medaner umfaßt, an der in den englischen Vor­schlägen den einzelnen indischen Provinzen ein ge­räumten Freiheit, die Verfassung anzunehmen oder abzulehnen Anstoß nahm, weil er darin das größte Hemmnis für eine Einigung Indiens in einer föderativen Union und das Mittel zur Verewigung der britischen Vormundschaft sah, war der Mos- l e m - L i g a , die für sich in Anspruch nimmt, die Vertretung der 90 Millionen indischer Mohamme­daner zu fein, gerade diese Freiheit des Entschlusses der indischen Provinzen noch nicht weitgehend ge­nug. Sie lehnte ein Dominionstatut überhaupt ab und forderte einen selbständigen mohammedanischen Staat in Indien.Die Moslem können", so erklärte der Führer der Moslem-Liga, Mohammed Ali Jin- nah,keine Verfassung annehmen, die notwendiger­weise zu einer Regierung mit Hindu-Mehrheit führt. Hindu und Moslem dadurch zu vereinen, daß man der Minderheit eine demokratische Verfassung auf- ,zwingt, heißt den Hindu die Macht geben." Iinnah hat deshalb den hier ftüher schon erwähntenPaki­stan-Plan", der eine Aufteilung Indiens in mög­lichst rein mohammedanische und hinduistische Staa­ten vorsieht, erneut hervorgeholt. Aber für die Kon- greßpartei ist der Plan unannehmbar, da er eine Einheit Indiens verneint. Da die Kongreßpartei viele Mohammedaner in ihren Reihen zählt, ja da ihr Präsident A z a d , der mit Cripps vorhandelte, selber ein Moslem ist, war der Moslem-Liga hier ein starkes Gegengewicht gegeben. Trotz dieser grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten hätte man sich vielleicht von allen Seiten zu einem Modus vivendi für die Dauer des Krieges zufammenge- funden, wenn nicht die Zweifel an Englands Äuf- . richtigkeit so groß gewesen wären und die neue schwere Schlappe, die gerade während der letzten Tage der Verhandlungen in Neu-Delhi die britische Flotte in den Gewässern von Ceylon einstecken mußte, die Inder noch einmal davor gewarnt hätte, ihr Schicksal wiederum dem britischen Wagen am zuvertrauen. Die Stimme der Auslandsinder, die das britische Spiel viel schärfer durchschauen, war auch für die Kongreßpartei, deren aktivistischer Flügel, der Forward Block (Vorwärtsblock), eine Gründung des früheren Kongreßpräsrdenten Sub- Has Chandra Bose ist, nicht gut mehr zu über­hören. Auch Gandhi, der trotz seines Rücktritts von allen Parteiämtern iminer noch den größten Einfluß auf den Nationalkongreß hat, hatte, so wenig er einem völligen Bruch mit England ge­neigt ist, doch ein Haar darin gefunden, daß es für Cripps im wesentlichen allein darum ging, das indische Volk als Kanonenfutter für den briti­schen Krieg zu mobilisieren. Gandhi verabscheut jede militärische Mitwirkung Indiens und setzt seine Hoffnung allein auf die Waffe, die schon seinen innerpolitischen Kampf bestimmt hat, er erklärte: Ich liefere Indien den Engländern nicht aus, ich lasse lieber die Japaner landen und bekämpfe sie mit passivem Widerstand." Nur Pandit Nehm, der Führer des linken Flügels der Kongreßpartei, auf dessen Neigung zu kommunistischen Gedanken­gängen Cripps so sehr baute, sucht nach wie vor das indische Volk für eine aktive Zusammenarbeit mit den Briten bei der Verteidigung Indiens gegen einen japanischen Angriff zu gewinnen.

In Japan gibt man sich trotz des so eklatanten Mißerfolgs der Mission von Staftord Cripps über die zwiespältigen Gefühle des indischen Volkes kei­nerlei Täuschung hin. Man weiß in Tokio sehr ge­nau, wie sehr die britische Propaganda es verstan­den hat, Japans Politik der Sicherung einer ost- asiatischen Wohlfahrtssphäre im indischen Volk zu diskreditieren, und rechnet daher auch für absehbare Zeit nicht mit wesentlichen Änderungen der poli­tischen Lage in Indien, ja man glaubt, daß die ge­mäßigten Elemente sowohl in London wie in Neu- Delhi alles tun werden, um doch noch ein Kompro­miß zwischen der britischen Regierung und den in­dischen Parteien zustande zu bringen. So schreibt die Tokioter ZeitungAsahi", daß der linke Flügel des britischen Kabinetts stark genug fein werde, um eine Politik durchzudrücken, die durch weitere Zu­geständnisse Indien zur Teilnahme am Kriege an Englands Seite zu gewinnen trachte. Andererseits

seien auch viele Mitglieder der Allindischen Kon- gre6partei bereit, einen solchen nach ihren Forde­rungen revidierten Cripps-Vorschlag anzunehmön. Wenn sich darüber die Zwiespältigkeit in den Reihen der Kongreßpartei verstärke, werde England auf die antibritischen Elemente einen Druck ausüben kön­nen, aber es werde vermutlich so lange auf Gewalt­anwendung verzichten, wie es noch guf ein Kompro- miß Höften könne. So betrachtet man in Tokio die durch das Scheitern der Cripps-Miffion geschaffene Lage sehr nüchtern, aber man sieht auch ebenso klar, vor welche Riesenaufgabe die für eine Verteidigung Indiens verantwortlichen britischen Generale durch die Erfolge der japanischen Waffen im Golf von Benga­len wie in Burma gestellt sind. Die erbitterten Kämpfe in Oberburma sind für die alliierten Briten und Tschungking - Truppen in eine höchst kritische Phase eingetreten. Nachdem die Japaner erhebliche Verstärkungen an Artillerie und Panzern heran- b ring en konnten, haben sie auf der ganzen Front vom Jrawadi-Fluh bis zum Sittang-Tal eine Of­fensive eröffnet. Es scheint den Japanern gelungen zu sein, etwa 250 Kilometer südöstlich von Manda­lay, der Hauptstadt Oberburmas, die Front der Alliierten zu durchbrechen und die Verbindung zwi­schen Briten und Tschungking-Truppen auseinan­der zu reiften. Binnen kurzem bricht in Oberbuxma die Re gen Periode an. Auf sie setzen Briten und Chi­nesen ihre letzte Hoffnung. Aber es sieht nicht so aus, als ob die Japaner ihnen bis dahin Zeit las­sen würden, vor Mandalay eine feste Verteidigungs­stellung zu beziehen. Mit dem Fall von Mandalay aber würde die letzte Aussicht auf Aufrechterhal­tung einer brauchbaren Verbindung zwischen Indien und Tschungking schwinden. Der Nachschub für die am Irawadi und am Sittang kämpfenden britischen, indischen und chinesischen Truppen ist heute schon ein kaum zu lösendes Problem, da fast alles auf dem Luftwege an die Front gebracht werden muh. Dazu kommt, daß die Operationen der japanischen Marine im Golf von Bengalen Kalkutta, den wich­tigsten Hasen im Osten Vorderindiens, von der über­seeischen Zufuhr absperren und die Rüstungsindu­strie Bengalens bereits im Bereich der japanischen Luftwaffe liegt. Die Versorgung Tschungkings mit Kriegsmaterial ist damit also praktisch unterbunden, eine der beiden Millionenarmeen der Alliierten in ihrer Stoßkraft so nachhaltig geschwächt, daß sie in absehbarer Zeit gänllich lahmgelegt sein wird.

Auch für die andere, die Sowjetarmee Stalins

Trotz Schlamm und Morast neue Anariffserfolge der deutschen Infanterie.

Berlin, 17. April. (DNB.) Im Nordabschnitt der Ostfront entbrannten heftige Kämpfe bei dem Vorstoß auf zäh verteidigte Waldstellungen, wobei deutsche Infanterie bis zum Leid im Wasser stehend und durch den Schlamm watend den Angriff vor­trug, die feindlichen Stellungen nahm und die bolschewistischen Besatzungen vernichtete. Ein Wald­lager, in einem durch das Tauwetter aufgeweichten Moorgebiet, wurde im zähen Vordringen erreicht und vernichtet. Nachdem mehrere feindliche Gegen­angriffe abgewiesen waren, drang eine weitere Stoßgruppe mit Unterstützung von Panzern von einer anderen Seite in das Moorgebiet vor und stieß dort ebenfalls auf ein stark befestigtes feind; liches Lager. An anderer Stelle der Nordfront dran­gen ttotz schwierigster Geländeverhältnisse, starker Verminung und heftiger Gegenabwehr zwei Stoß- gruppen tief in das feindliche Stützpunktsystem ein, sprengten zahlreiche Stellungsbauten, machten die Besatzungen zu Gefangenen und erbeuteten Kriegs- gcrät in großer Menge. Mehrere Gegenangriffe des Feindes wurden abgewehrt und die neu gewonnene Stellung gehalten.

Im südlichen Abschnitt der Osftront gingen vor einigen Tagen Truppen des deutschen Heeres zum ©egen an griff über und warfen die Bolsche­wisten zurück. So griff westdeutsche Infanterie feind­liche Kräfte, die über einen Fluß voraedrungen waren, an und vernichtete auf dem westlichen Fluß- ufer die bolschewistischen Abteilungen. In einem benachbarten Gefechtsstreifen nahmen sächsisch­sudetendeutsche Truppen in überraschendem Angriff stark ausgebaute Ortschaften und. eine beherrschende Höhenstellung. In vorbildlicher Zusammenarbeit aller Waffen wurden die Gegner geworfen und gingen fluchtartig zurück. Die Bolschewisten erlitten schwere blutige Verluste und verloren einige hun­dert Gefangene. Fünf Panzer wurden vernichtet. Die Angriffserfolge sind von Truppen erzielt wor­den, die seit Wochen nahezu pausenlos in schweren Abwehrkämpfen standen. Monatelange erbitterte Kälte und der Schlamm der Schneeschmelze haben

jedoch den Angriffsschwung des deutschen Heeres nicht zu beeinträchtigen vermocht.

Oer Wehrmachiberichi.

DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 17. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m mittleren Abschnitt der Ostfront griff der Feind an einer Stelle mit stärkeren Kräf­ten an: der Angriff wurde abgewiesen. Weitere ört­liche Angriffe des Gegners im mittleren und nördlichen Frontabschnitt blieben eben­falls erfolglos.

Bei Luftangriffen auf rückwärtige Verbindungen und Flugplätze der Sowjets erlitt der Feind emp­findliche Verluste an Flugzeugen und rollendem material Auf der Halbinsel Kertsch wurden Hafen­anlagen mit guter Wirkung bombardiert.

lieber dem Kanal und über der englischen Südküste schossen 3äger am gestrigen läge in Luskkämpfen elf britische Flugzeuge ab.

Kampffliegerverbände griffen in der letzen Nacht Versorgungsanlagen in Southampton mit be­obachteter Spreng- und Vrandwirkung an.

Wieder 17 britische Flugzeuge an der Kanalküste abgeschoffen.

V e r l i n, 17. April (DNB.) Nach Uiitteitung des Oberkommandos der Wehrmacht griffen am Frei­tagnachmittag britische Bomberverbände un­ter starkem Jagdschutz die Küste der besetzten west gebiete an. Deutsche Jäger stellten die Verbände und schossen in heftigen Luftkämpfen nach bisher vorliegenden Meldungen 17 der feindlichen Flugzeuge ab. darunter vier viermolorige und drei andere Bomber.

Oie Aegypiisierung Südamerikas.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Am Dienstag hatte Roosevelt anläßlich des Pan- amerikas-Tages den südamerikanischen Diplomaten in Washington versichert, bei Friedensschluß würde manden Hernispharen-Rat in Anspruch nehmen, um zu sehen, was wir überall in der Welt tun sollen". Er vertröstete also die schwer enttäuschten Südamerikaner auf eine Zeit, die erst noch kommen soll, da die Ereignisse der Gegenwart für Roose­velt doch allzu peinlich sind, so peinlich, daß er es vermied, sie überhaupt zu berühren. Während auf allen Kriegsschauplätzen seine Spekulationen zu- fammengebrochen sind, setzt er die Macht des Dollar­imperialismus gegen Südamerika ein, um die südamerikanischen Staaten noch fester in seine Hand zu bekommen. Nach der Lehre, daß man gut tue, sich immer den Punkt des schwächsten Wider­standes auszusuchen, fahndet der Präsident in den verschiedenen füdamerikanischen Republiken nach willfährigen Ministern und Parlamentariern, die bereit sind, das Wohl ihrer Länder für Dollarsub- yentionen an Roosevelt zu verschachern. In Chile und in Argentinien hat man Roosevelt die kalte Schulter gezeigt, aber in Brasilien hat er seinen Mann in. dem Außenminister Aranha ge­funden. Dieses bestechliche Subjekt hat für die er­heblichen Schmiergelder, die es aus Washington be­zieht, alle in Brasilien lebenden Deutschen, Italiener und Japaner einkerkern lassen. Unter den dümmsten Verdächtigungen werden Haussuchungen bei Deutschen und Deutschbrasilianern und Verhaftungen unter ihnen durchgeführt. Bei den Verhören werden Moskauer Methoden angewandt. Die Zahl der Fest­genommenen beträgt allein in Rio de Janeiro über 200. Die brasilianische Regierung plant, diese Deut­schen auf eine wegen ihres ungesunden Klimas be­rüchtigte Insel zu verbannen, wo sie hinter Stachel­draht in einem Konzentrationslager leben sollen. Das würde ihren sicheren Tod bedeuten. Auch die Beschlagnahme deutschen Eigentums in Brasilien,

die Schließung deutscher Firmen und ihre Plün­derung durch den von Presse und Rundfunk auf­gehetzten Mob ist noch immer im Gange.

In anderen südamerikanischen Ländern, wie bei­spielsweise in Ecuador und Kolumbien, gibt es erfreulicherweise noch aufrechte Männer, die nicht ohne weiteres gewillt sind, die Aegyptisierung Südamerikas stillschweigend mitzumachen. Das weiß man auch im Weißen Hause und ist entschlossen, mit allen Mitteln diese Gegner mundtot zu machen, damit sie den Absichten fürderhin nicht Mehr hinoer- lich fein können. So hat die Regierung von Ecua­dor plötzlich einen Putschversuch entdeckt und als angebliche Urheber die nationalenKreise, die haupt­sächlich in der Konservativen Partei ihre politische Heimstatt haben, verhaften lassen. Die gleiche Taktik scheint man in Kolumbien anwenden zu wollen; hier heißt es, daß bereits Informationen vorlägen, die auch guf einen Aufstand hindeuteten. Die ge­fügigen Pmitiker werden sich auch hier dem Wink Roosevelts nicht entziehen und Has tun, was ihr Herr und Meister in Washington von ihnen ver­langt. . '

So benutzt Roosevelt seine Kreaturen aHenti)alben, um die südamerikanischen Staaten in eine Ab­hängigkeit von ihm zu verstricken, die nur mit der jenigen Aegyptens von England zu vergleichen ist. Wenn auch diejenigen Männer, die das Spiel Roose­velts durchschauen und sich ihm in den Weg zu stel­len versuchen, in die Gefängnisse wandern müssen, so wird es Herrn Roosevelt doch nicht möglich sein, auch den nationalen Geist, der diese Männer er­füllt, auszurotten. Vorerst haben die bezahlten Sub­jekte Roosevelts das Wort, je schlechter die Kriegs­lage sich für die USA. gestaltet, desto brutaler wer­den sie als die Schergen Washingtons auftreten. Aber ihr schändliches Gewerbe wird man nicht ver­gasen.

ifi der Nachschub das brennendste Problem. Die schweren Kampfe des Winters mit ihrem immer wieder vergeblichen Anrennen gegen die Ver­teidigungslinien der deutschen Dftfront haben ber Sowjetarmee so zugesetzt, daß sie sich offenbar nicht mehr stark genug fühlt, um einem deutschen Angriff zu begegnen. Stalin erwartet deshalb, wie Londoner Blätter offen zugeben, daß England und die Vereinigten Staaten im Frühsommer große Offensiven einleiten und zur Entlastung der Sow­jets endlich eine zweite Front errichten, statt sich mit bloßen Ablenkungsmanövern ihrer Luftwaffe zu begnügen. Da für eine solche Offensive die nordamerikanische Armee noch lange nicht bereit ist, sollen die Engländer daran glauben. Deshalb sind der nordamerikanische Generalstabschef Gene­ral Marshall und der vertraute Berater des Präsidenten Roosevelt, Harry Hopkins, in Lon­don, um, ber Forderung Moskaus nach einer bri­tischen Offensive den nötigen Nachdruck zu ver­schaffen, denn nach den peinlichen Erfahrungen, die England mit seinen Unternehmungen ähnlicher Art gemacht hat, scheint selbst bei Churchill die Lust nicht groß zu sein, ein solches Abenteuer zu wiederholen. Deshalb- möchte man wohl einen sol­chen Kriegsschauplatz aussuchen, der eine Beteilt- Mintz des nordamerikanischen Bundesgenossen ge­statten würde. Westafrika rückt damit wieder in den Mittelpunkt der strategischen Betrachtungen in Washington. Hier wird an der großen Verbindungs­linie vom Atlanttk zum Indischen Ozean, die den Nachschub für Nordafrika und den Mittleren Osten von den Gefahren des Seeweges um das Kap herum unabhängig machen soll, emsig gearbeitet. Aber um Tru^penmassen in ansehnlicher Stärke hierher zu bringen, bedarf es auch nach amerikanischen Schät­zungen einer Transvortflotte, die die Alliierten kaum werden bereitftellen können, ohne den Nach­schub ihrer anderen Fronten ernstlich zu vernach­lässigen. Gegenüber diesen nervösen Rufen nach Ent­lastung und den aufgeregten Debatten über die wirk­samste Art der Hilfe für die Verbündeten sind die Mächte des Dreierpaktes in der Lage, mit aller Ge­lassenheit das Plänesckmieden im Lager der Alli­ierten zu betrachten. Man ist in Berlin und Rom so gut wie in Tokio entschlossen, die Initiative fest in der Hand zu behalten. Daran werden auch alle Bemühungen um die Errichtung einer Zweiten Front nichts zu ändern vermögen.

Dr. Fr. W. Lange.

Churchill in Verlegenheit.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Man kann begreifen, daß die fortgesetzte Reihe von Mißerfolgen Herrn Churchill überhaupt nicht , mehr aus der Verlegenheit herauskommen läßt. Es find nicht allein die schweren Schläge, die auf England niederprasseln, sondern auch die Kritik in der Londoner Presse, die die Situation Churchills äußerst unbehaalich machen. Dazu kommt noch, daß auch das englische Unterhaus das Bedürfnis hat, von Churchill zu erfahren, wie er sich die Entwick­lung vorstellt. Dabei ist aber alles so ungeklärt, daß es Churchill nicht riskieren kann, sich festzulegen. Als daher dieser Tage das Unterhaus sich wieder dafür interessierte, wann es denn nun Churchill zu Horen bekäme, da mußte Eden eingestehen, daß keine absolute (Garantie dafür gegeben werden könne, daß der Premierminister seine Erklärungen über die Kriegslage an dem festgesetzten Tage ab­geben könne." Als Vorwand für dieses Ausweichen nahm Eden die wichtigen Besprechungen, die Chur­chill augenblicklich mit den beiden Abgesandten Roosevelts habe. Churchill scheut sich also offenbar, Farbe zu bekennen und verlegt sich, wie schon so oft, auf die Taktik des Hinauszögerns, um durch die Inszenierung irgendeines Bluffs das Inter­esse des Unterhauses von den schweren Niederlagen abzulenken.

Die wachsende Kritik der brittschen Oeffentlichkeit an Churchill und seiner Politik kommt recht unver­blümt zum Ausdruck. Mit beißendem Zynismus reibt sich derDaily Mirror" an Churchill. Das Blatt faßt dabei die im Unterhaus geäußerten Vor­würfe in folgenden Punkten zusammen:Der Ministerpräsident ist der einzige .notwendige' Mann, aber warum ist es nicht gelungen, Indien zu einem Waffenarsenal des Ostens zu organisieren? Der Ministerpräsident ist so groß wie der jüngere Pitt und ist ihm ziemlich ähnlich, aber warum verschlechtert sich die Lage unserer Schiffahrt ständig? Der Ministerpräsident ist der überlegene. Organisator des Sieges, aber warum ver­lieren mir fo viele Schlachten? Der Mi­nisterpräsident hat edelmütig die Verantwortung für alle Unsere Fehlschläge übernommen, aber warum hält er so hartnäckig an den falschen Män­nern an falschen Plätzen fest? Der Minister­präsident hat wieder einmal eine feiner großartigen Reden gehalten, aber warum hat er soviel verschwiegen? Kurz gesagt, der Ministerpräsi­dent ist vollkommen unersättlich, aber wir wünschten, er würde das meiste, was er tut, an­ders machen."

Opfer der britischen Hetze in Holland.

Prozeß gegen dieMörder desOberstMussert

Den Haag, 17.April. (Europapreß.) Dor dem Friedensgericht in Den Haag wurde gegen den ehe­maligen holländischen Hauptmann Born und Leut­nant K r u i t h o f verhandelt, die zur Zeit der Kämpfe in Holland den Oberst M u s s e r t, den Bruder des Leiters der niederländischen National- sozial'isten, erschossen haben. Mussen war Be» zirkskommandant von Dordrecht. In sechsstündiger Verhandlung wurde Krmthof des Mordes überführt. Der Antrag des Staatsanwaltes lautete bei Kruit- hof auf Todesstrafe, bei Born auf 20 Jahre Gefäng­nis. Zeugenaussagen zeigten, in welch hohem Aus­maß die Verhetzung der damaligen nieder ländischen Armee um sich gegriffen hatte und daß Oberst Mus­sert ein Opfer dieser von England geschürten Hetze geworden war.

Generalstaatsanwalt Prof. Dr. van Genech- t en erklärte, daß er ein Verfahren gegen den ehe­maligen niederländischen Ministerpräsidenten de Geer, der nach England geflüchtet war, später je­doch nach den Niederlanden zurückkehrte, anhängig machen werde. De Geer hatte sieh in einer Broschüre zu rechtfertigen versucht. InVolk en Vaderland* stellt der Leiter der NDB., Mussert, fest, daß de Geer nach England geflüchtet sei, als die Kämpfe am Grebbeberg noch im Gange waren. Die verant­wortlichen Männer hätten die Niederlande zu einem ertglischen Vorposten auf dem Festland gemacht. Un­ter Ministerpräsident de Geer habe der ehemalige Außenminister, van Kleffens feine verhängnis­volle Politik führen können. Er fei ferner dafür verantwortlich, daß vom 10. bis 14. Mai Tausende von anständigen Nationalsozialisten in tierischer Weise mißhandelt wurden. Unter Ministerpräsident de Geer sei auch in Ni ederländisch-Jndien die Gei­steshaltung hervorgerusen worden, die schließlich Tausende von Niederländern auf kleinen veralteten Schiften in den Tod trieben. Der Gerichtssaal sei ber einzige passende Ort für be (Seer.

Rücktritt

der französischen Negierung.

Darlan Oberbefehlshaber der französischen Wehrmacht.

Vichy, 17. April. (DNB.) Donnerstag abend wurde folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: Marschall P 6 t a i n empfing am Donnerstagvor­mittag Präsident Laval nach desien Rückkehr aus Paris. Am Nachmittag besprach sich der Marschall erneut mit Flottenadmiral Darlan und Präsident Laval. Sie hatten einen Meinungsaustausch über die politische Lage. Dor der Bildung der neuen Re­gierung wird der M i n i ft e r r a t am Freitag ein letztes Mal zusammentreten." In einem am Schluß dieses Ministerrates veröffentlichten Kom­munique heißt es, daß Dizeministerpräsident Dar- l a n dem Staatschef die Portefeuilles der Staats» fefretariate übergab, für die er die Verantwortung trug. Admiral Darlan willigte auf Veranlassung des Marschalls ein, unter seiner direkten Autorität die Funktion des Oberbefehlshabers der Land-, See- und Luftstreitkräfte zu übernehmen. Alle Minister und Staatssekretäre stellten dem Staatschef ihre Portefeuilles zur Ver­fügung. Marschall P6tain dankte Admiral Darlan, den Ministern und Staatssekretären für die ihm in den ernsten Zeiten, die das Land erlebt hat, er­wiesene Treue.

Das

Berlin, 17. April. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwafte das Ritterkreuz an Unteroffizier Wachowiak, der als Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader sich in über 160 Feindflügen durch rücksi-sttslosen Einsatz in zahlreichen harten 'Luftkämpfen auf dem Bcklkan und gegen die Bolschewisten bewährt und 40 feindliche Flugzeuge abgeschossen hat. Im Mittelmeerraum vernichtete er zwei britische Transporter, im Kampfe gegen die Bolschewisten zwei Panzer, fünf Loko­motiven und zahlreiche Lastkraftwagen und Schlitt tentolonnen.