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(92. Jahrgang Nr. 90

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Samstag, i8 /Somtfaq, t9.Hpril 1942

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Eichener Anzeiger

BrüI)lf<6eUtiii>erfttäts6ru<f«tiB.£ange General-Anzeiger für Oberhessen $ «ießtnfschulftrah«7-4

Der Führer

NSG. Am 18. April dieses Jahres waren es 20 Jahre, daß im GasthausStorch" in Frank­furt a. 21L die Gründungsversammlung der NSDAP, für das Rhein-rNaln-Gebiet siall- gefunden hat. Die Idee Adolf Hitlers hatte damit bei einer Gruppe von Frontsoldaten, deren Aktivis- mus sich den Opfern des Weltkrieges verpflichtet fühlte, bereite Aufnahme gefunden. Seit dieser Zeit hat der Nationalsozialismus im Gau Hessen-Nassau zuerst mit wechselnden Erfolgen, dann aber seit dem Jahre 1924 unter der Führung des Gauleiters in steilem Anstieg im Herzen der Bevölkerung feinen unverrückbaren Platz erhalten. Die 20. Wiederkehr des Tages der Parteigründung im Rhein-Main- Gebiet begeht die Partei in den Vormittagsstunden des 19. April zusammen mit den Feiern aus Anlaß des Geburtstags des Führers mit würdigen 2HU- glieder-Appellen in sämtlichen Ortsgruppen des Gaues. Der S a n l e i t e r selbst wird aus einem

Appell der Alten Garde, soweit diese nicht an der Front steht, im Palmengarten die Bedeutung dieses Tages besonders würdigen. Im Anschluß an diese Veranstaltungen findet in allen Ortsgruppen die Aufnahme der Zehnjährigen in das Jungvolk statt. Die hoheitsträger werden dabei zur Jugend sprechen und sie im Gedenken an den Führer und den opfervollen aber sieghaften Weg der Be­wegung im Rhein-Main-Gebiet zu nationalsozialisti­scher Haltung verpflichten.

burtstag des Führers im Kriege. In diesem schick­salhaften Kampf um Leben und Zukunft der Nation sind alle unsere Gedanken, alle unsere Kräfte und Energien nur auf ein Ziel konzentriert: Aus den Sieg. Der Geburtstag des Führers aber ist für- das- deutsche Volk zugleich ein Tag der Besinnung, ein geistiger Ruhepunkt im rastlosen Strom des Geschehens, ein Meilenstein am Wege, um Ausschau und Rückschau zu halten auf die Kräfte, die unser Schicksal und unsere Zukunst bestimmen. G

durch den Führer lebendige Wirklichkeit ge­worben. Das Wort vom Marschallstab im Tornister, das vor hundert Jahren ausgesprochen wurde, hat heute im sozialen Volksstaat des Führers seine Er­füllung gesunden. Ein Sohn des arbeitenden Volkes steht heute am Steuer der Nation, um feinen Kame­raden das leichter werden zu lassen, was er selbst sich so unendlich hart und schwer erkämpfen mußte. Ein einfacher Soldat des Weltkrieges ist heute der Oberste Befehlshaber des Heeres und der deutschen Wehrmacht, um das Vermächtnis derer zu erfüllen, die für ein Reich der nationalen Größe und sozialen Gerechtigkeit ihr Leben gaben.

Dieses Reich hat der Führer dem deutschen Volke erbaut und, erkämpft. Zwanzig Jahre lang hat er im Innern um die Seele seines Volkes gerungen, hat es geeint und stark gemacht, um nun dieses Reich nach außen in' einem schicksalhaften Kampf gegen eine Welt des Hasses und der plutokratischen Reaktion zu verteidigen und für immer zu sichern.

Diesem Reich der schassenden Deutschen, dem Reich des sozialen Fortschritts und der nationalen Größe hat der Führer die Arbeit und den Kampf seines ganzen Lebens geopfert. Jeder Tag und jede Stunde, jeder Gedanke und jeder Herzschlag des Führers gehören ihm, und deshalb gehören dem Führer auch die Herzen und Hände aller, die teilhaben an diesem Werk. Dessen werden wir uns am Geburtstage des Führers besonders bewußt.

Fest ineinander gefügt stehen Führer und Volk im Ringen um\ Leben und Zukunft der Natton. Jrn Gleichklang ihrer Herzen liegt der Rhythmus unserer Kraft, und die Einheit ihres Willens trägt die Gewißheit unseres Sieges.

Feindlicher Lustangriff gegen Tokio und Yokohama abgeschlagen

zur Sache der Führer.

' Die Weisheit dieser Staatsform liegt in der tiefen Erkenntnis, daß die soziale Frage in Wahrheit ein Führerproblem und daß- die Führerfrage in Wirklichkeit ein soziales Problem der Menschen­auslese ist. Nur der Genius großer Persönlichkeiten kann dem schaffenden Volke gegen eine Welt von Widerständen den sozialen Aufstieg erkämpfen, aber ebenso vermag nur der unbehinderte Aufstieg der Besten aus dem unerschöpflichen Reservoir der Kräfte eines ganzen Volkes die höchstmögliche Qua­lität der Führung zu garantieren.Welch unendliche Kräfte", so schrieb Neithard! v. Gneisenau im Jahre 1807,schlafen im Schoße einer Nation un­entwickelt und unbenutzt! In der Brust von Tausend und aber Tausend Menschen wohnt ein großer Genius dessen aufstrebende Flügel seine Verhält­nisse lähmen. Währenddem ein Reich in seiner Schwäche und Schmach vergeht, folgt vielleicht in seinem elendesten Dorfe ein Cäsar dem Pfluge, und ein Epaminondas nährt sich karg von dem Ertrage der Arbeit feiner Hände."

Welches Meer von Irrungen mußte erst durch­schritte« und welche Berge von Vorurteilen mußten erst abgetragen werden, um zu der Erkenntnis vor­zudringen, daß im Zeitalter des Volkes der Geburts­adel der Führer nur ihre eigeneLeistüng ist und daß wahre Führer eines Volkes nur diejenigen sein können, die, aus seinem Schoße geboren, a l s Kämpfer feines sozialen Fortschritts das Banner seiner ewigen Erneuerung tragen.

Was Gneisenau als Traumbild vor sich sah, ist

Beflaggung am Geburtstage des Führers.

Berlin, 17. April. (DNB.) Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda fordert die Bevölkerung auf, aus Anlaß des Geburtstages des Führers am 2 0. April ihre Häuser und Woh­nungen bis Sonnenuntergang zu beflaggen.

20 Jahre Nationalsozialismus im Rhein-Main-Gebiet.

Wenn man in Abständen von den alljährlich viel tausendfachen Veranstaltungen der Volkshäuser liest, dann wird einem auch durch die Zahl, die in unserer Welt ja eine besondere Beweiskraft zu besitzen pflegt, die beherrschende Stellung dieser Institution im türkischen Staat vor Augen geführt. Noch mehr imponiert aber, wenn man in oiesem Lande lebt und das tägliche Leben beobachtet, die enge Ver­knüpfung dieser Einrichtung mit dem Leben und den Interessen des Volkes, eines sympathischen, bil­dungsdurstigen und eifrigen Volkes, das sich in allen Schichten die reichen Möglichkeiten der Volkshäuser zunutze macht. Ohne Zweifel ist es der Elan und die Initiative der Volkshäuser gewesen, die die be­wundernswerte geistige und kulturelle Entwicklung des türkischen Volkes während der letzten zwei Jahr­zehnte mit herbeigeführt haben.

9er Schrei »ach Entlastung.

Stafford Cripps kehrt mit leeren Händen nach London zurück. Seine Mission ist gescheitert an dem Mißtrauen, das Englands Politik von Versprechun­gen, die niemals erfüllt wurden, fast ein halbes Jahrhundert hindurch im Herzen des indischen Volkes aufgehäuft hat. Wieder wie einst im ersten Weltkrieg erinnerte man sich in London erst der Forderungen des indischen Volkes nach Selbst­bestimmung und Unabhängigkeit, als es in Stunden wachsender Bedrängnis den Engländern darauf an­kommen mußte, die Verteidigungskraft Indiens für die Sache des Empire einzuspannen. Aber anders als damals geht es heute um Indien selbst. Der Kern des britischen Empire ist unmittelbar bedroht, und England weiß nicht, wie es dem schon über Burma und den Golf von Bengalen heranziehenden Gewitter begegnen soll, wenn es der so oft miß­brauchten Loyalität des indischen Volkes nicht sicher ist. Daher die Eile, mit der man Cripps nach In­dien sandte mit dem Auftrag, nun in drei Wochen etwas zu bewerkstelligen, wozu man sich vorher weit mehr als dreißig Jahre Zeit gelassen hatte. Manchen Leuten in London wird es freilich auch diesmal, obwohl die Not England auf den Nägeln brennt wie nie zuvor, mit diesem Auftrag nicht ernst ge­wesen sein, und sie werden erleichtert aufgeatmet haben, als Cripps nach neunzehn Tagen emsiger Verhandlungen mit den indischen Parteiführern melden mußte, daß seine Mission gescheitert fei. Den Ultrakonservativen vom Schlage Churchills und Amerys ist es im Grunde ihres Herzens nur recht, wenn in Indien alles beim alten bleibt, auch auf die' Gefahr hin, daß bei dem japanischen Angriff, der seine Schatten schon vorausgeworfen hat, die Ver­teidigungskraft Indiens durch innere Schwierigkei­ten gelähmt wird. Bei den gemäßigten Konserva­tiven und auf der radikalen Linken ist dagegen die Enttäuschung über den Mißerfolg von Cripps un­verkennbar. Man hatte in eigentümlich britischer Selbstgerechtigkeit gemeint, den Indern mehr ge­boten zu haben als jemals vorher, und vermag nun nicht zu begreifen, daß das alte Rezept, nur Halb­heiten zuzugestehen und alles Wesentliche sich selber vorzubehalten, heute ebensowenig noch verfing wie die Praxis, die indischen Parteien gegeneinander auszuspielen. England hat sich wiederum als der ungeeignetste Mittler für eine Einigung Indiens erwiesen, weil niemand im indischen Volk mehr an eine ehrliche Maklerschaft Englands glaubt. 'Eng­lands Unaufrichtigkeit hat in Neu-Delhi das Spiel verloren.

Ubd das, obwohl- der Vorschlag des britischen .Kabinetts, den Cripps mitgebracht hat, die beiden

Die lürkischen Volkshäuser

Von unserem FD.-Korrespondenten.

diese Truppen nur in sehr ungenügendem Maß. Die Bucht von Bengalen sei sehr unsicher für die Schiffahrt geworden, so daß f a st k e i n G e - leitzug mehr durchkomme. Es wäre un- finnig, leugnen zu wollen, daß die militärische Lage in Burma angesichts des schnellen japanischen Vor­marsches mit jedem Tag ernster werde.

3lo auf Panay von den Japanern beseht.

T o k i o, 17. ApM. (DNB.) Auf der Insel Panay erzwang sich die Vorhut der japanischen Streit­kräfte den Eintritt in die Hauptstadt der Insel II o und besetzte sie nach Säuberung von den Resten dar feindlichen Truppen vollständig. Die japanischen Truppen hatten dabei keine Verluste. Die japa­nischen Landungsstreitkräfte haben ferner Kapiz, eine strategisch wichtige Stadt im Norden der In­sel Panay, vollständig besetzt.

USA.-Zngenieure statt Waffen für Tschunaking.

Schanghai, 17. April. (Europapreß.) Infolge der praktischen Unmöglichkeit der Tschungking-Re- gierung Waffen und Munition zu liefern, befindet sich Washington in nicht geringer Verlegenheit. Um wenigstens etwas zu tun, will die USA.-Regierung dem Marschall Tschiangkaischek Ingenieure zur Verfügung stellen. Sie sollen versuchen, die Krieg s- Produktion an Ort und Stelle zu orga­nisieren.

Tokio, 18.April. (DNB. Funkspruch.) Das Hauptquartier für den östlichen Berteidigungsab- schnitt gab am Samstagmittag bekannt, dah nach bisher vorliegende« Meldungen bei einem Angriff feindlicher Flugzeuge gegen das Gebiet von Tokio und Yokohama neun feindliche Flugzeuge abgefchoffen wurden. Ls war d e r e r st e feind­liche Luftangriff feit.Beginn des Krieges. Feindliche Flugzeuge flogen dabei etwa um 12.30 Uhr japa­nischer Zeit aus verschiedenen Richtungen ein, wor­auf sie sofort von der Jagd- und Bodenverteidigung abgewehrt wurden. Die durch diesen Luftangriff entstandenen Schäden sind gering.

Mit jedem Tag ernster".

Englands militärische Lage in Burma.

Genf, 18. April. (DNB. Funkspruch.) Zu den Kampfhandlungen in Burma schreibt der Militär­korrespondent desDaily Expreß", sowohl die Tschungking - Gruppen als auch Engländer seien gezwungen, sich mehr und mehr vor den im­mer weiter vorstoßenden Japanern zurückzu - ziehen. Die nvrd burmesischen Oelfel- d e r seien so gut wie verloren, und man müsse sie ganz abschreiben, gleichgültig, ob die Japaner sie heute oder morgen besäßen. Die Hauptschwierig­keiten für die General Alexander unterstehenden britischen Truppen liegen nach wie vor ir^ber Ver­sorgung. Verstärkungen und Material erreichten

Drei Garanten sind es, die uns über alle Prüfun­gen hinweg den Sieg verbürgen: Wir haben die besten Soldaten, wir besitzen die besteFüh- r u n g und wir verfügen über die bessereJdee. In der Sieghastigkeit dieser Idee liegt die tiefste Gewähr des Erfolges. Sie ist die Fahne, die sich über allem erhebt. Aus ihr erwächst der Geiste der unsere Soldaten beseelt. Sie prägt den Genius, aus dem unser Führertum sich gestaltet, und sie ist die unversiegbare Quelle jener großen moralischen Kräfte, die aus der Geburt einer neuen Zeit hervor- brechen und unser Volk zu unvergänglichen Lei­stungen befähigen.

Schöpfer und zugleich Symbol dieser Kräfte ist der Führer. Er hat die Wende der Zeit herbei­geführt. In ihm verkörpert sich daher auch ihre Große und ihr Charakter. In der Gestalt des Füh­rers sieht unser Volk sich s e l b ft. Der Füh­rer erscheint ihm wie der Brennpunkt im Spiegel­glas seiner Gedanken, in dem alle Sonne gesammelt chieder auf sein eigenes Leben zurückstrahlt.

Das Wort Führer ist dem Volk zum Wesensbe­griff unserer Zeit geworden.' Es' ist kein Titel, der verliehen wird, sondern eine Tatsache, die von ihrem Träger geschaffen wurde. Ehe der Führer Führer genannt wurde, w a r e r e 5. Dieser Führer­begriff stammt aus dem Ideengut unserer Zeit, er ist ureigenste Schöpfung des Nationalsozialismus und umfaßt alle Wesensmerkmale unserer Welt­anschauung.

Das Führertum Adolf Hitlers verbindet die höchste Form der Persönlichkeit mit der tiefsten Verwurzelung im Volke, deren sich jemals eine Staatsform rühmen konnte. Dieser V o l k s st a a t des Führers ist in seiner Verfassung und Organi­sation ein genialer Wurf. Er überwindet in beispiel­loser revolutionärer Kühnheit jene geschichtliche Problematik im staatlichen Zusammenleben der Menschen, die der Gegensatz von Statik und Dyna­mik zwischen Führung und Volk aufgerichtet hat. Alle Staatsführung strebt notwendigerweise zur Statik das Dasein des Volkes aber ist blutvolles Leben, ist unaufhörliche Dynamik. Deshalb gewähr­leistet diejenige Herrschaftsform am besten das Glück der Volker, die ihr Führertum aus der Dynamik des Volkes entwickelt, das Volk aber zur Statik der Führung erzieht.

Einen solchen Volksstaat hat der Führer geschaf­fen. In ihm ist jene einzigartige Synthese von Führung und Volk gelungen, .die in ihrer wechselwirkenden Kraft die Gegensätze aushebt und sie aus höherer Ebene zu schöpferischer Entfaltung

wo in Zusammenarbeit mit dem Lehrer des Dorfes ranz individuell und in jeder Landschaft verschieden Wissen, Aufklärung, Fortschritt verbreitet und Rück- tändigkeit bekämpft roirb. Auch der Sport ist ein wichtiges Gebiet, dessen sich die Volkshäuser angenommen haben. Das architektonisch besonders chöne und herrlich auf einem Hügel gelegene Volks­haus in Ankara verfügt über ein kleines, aber in Ausstattung und Technik vollendetes Theater, in dem oft die repräsentativsten Veranstaltungen der Hauptstadt stattsinden.

Ankara, im April 1942.

Eine bedeutsame Rolle im Leben des türkischen Staates, der Kultur und Volkswohlfahrt spielen die Volkshäuser, dieHalt eoleri". Sie feiern in die­sem Jahre ihr zehnjähriges Bestehen und, können beispiellose Erfolge in der Entwicklung des neuen türkischen Menschen und des kulturellen und sozialen Lebens des kemalistischen Staates für sich in An­spruch nehmen.

Es handelt sich bei dieser Einrichtung keineswegs um eine politische Organisation, sondern um eine i Art von Volkshochschulen, die das ganze Land, Stabt und Dorf durchdringen und die kulturellen und sozialen Kräfte des weithin. unberührten und jugendfrischen türkischen Volkes wecken und ent­wickeln. Die Volkshäuser sind mehr und mehr Sam­melpunkte der Intelligenz der Bevölkerung gewor­den, Stätten, an denen sich das Volk selbst befruch­tet und zu kultureller und sozialer Entwicklung zu bringen bemüht ist. Dazu überbrücken die Volks­häuser alte Vorurteile, die in einem Lande mit einer so besonderen geschichtlichen Vergangenheit und einer so rapiden und revolutionären Entwick­lung während der letzten beiden Jahrzehnte nur zu natürlich sind. Sie führen zu der gegenseitigen An­näherung aller Bevölkerungskreise, vor allem auch zwischen Intelligenz und Landbevölkerung.

Man vergegenwärtige sich die kulturelle und so­ziale Situation dieses Staates vor roenigen Jahr­zehnten: Von einer persönlicheren und örtlicheren Initiative in kulturellen, sozialen und volkserziehe- rischen Fragen konnte keine Rede sein unter den theatralischen und autokratischen Prinzipien des osmanischen Staates. Es die Entthronung des Sul­tans Abbulhamid im Jahre 1908 schuf einige Vor­aussetzungen für eine freiere Entfaltung des öffent­lichen Lebens; aber von diesem Jahre einer ersten Befreiung bis zum Jahre 1918 hatte das türkische Volk drei schwere Kriege zu bestehen und außerdem mit mannigfachen inneren Unruhen zu kämpfen, so daß für solche Entwicklung nicht viel Möglichkeit blieb. Die große anatolische Revolution Atatürks legte dann auch hier wie überall die große Bresche. Voraussetzung für den politischen Willen und die politische Ueberzeugung dieser Revolution die Grundsätze: republikanisch, nationalistisch, laizistisch, demokratisch, staatssozialistisch und revolutionär war die Forderung und Entwicklung des sozialen Zusammenlebens in weitestem Umfange. Hier setzte die Ausgabe der Volkshäuser und ihrer Vorgänger, der Türk Ocak, derTürkischen Heime" ein, die im Rahmen der Republikanischen Volkspartei gegründet tourben und die ihnen übertragenen Aufgaben in­zwischen in bewundernswerter Art gelöst und ent­wickelt haben.

Diese Aufgabe war gewiß nicht leicht. Standen sich doch hier aus geschichtlichen und geographischen Gründen fast alle Dinge feindlich gegenüber. Mor­genländische und abendländische Kultur standen nebeneinander und gegeneinander, scholastische Wis­senschaft stritt mit positiven Wissenserkenntnissen, die Vielfältigkeit der schonen Künste hatte sich hier und da entfaltet, während sie anderwärts völlig fehlte und fehlen mußte, da sie aus kultischen Gründen verrufen und verboten war; und vor allem standen sich Wohlstand und Armut kraß gegenüber und ver­mehrten b*n kulturellen Gegensatz noch um den sozialen. Alle diese Gegensätze zu beseitigen, war die Hauptaufgabe der Volkshäuser.

Jeder türkische Staatsbürger, ganz gleich, ob er der Partei angehört Ober nicht, kann hier un­entgeltlich arbeiten und ftubieren. Alle kulturellen Probleme kann und soll er kennenlernen und unge­zwungen erörtern. Durch eine Fülle von Veran­staltungen aller Art gewinnt er Einblick in-Kultur, Kunst, Wissenschaft und soziales Leben, nicht die Kultur eines Ausschnittes, des Orientalischen, son- lyrn in die Kultur der Menschheit, der Kultur vor allem des reichen Westeuropas, die hier so lange ausgeschlossen war. Dies geschieht durch Vorträge, Konzerte, Theateraufführungen, Filmdarbietungen, Diskussionen, bei denen jeder gleichzeitig Gebender und Nehmender sein kann.

Die Volkshäuser befinden sich in dieser vielseitigen Tätigkeit keineswegs unter der Oberaufsicht zen­traler ober örtlicher Behörden, sondern geben sich ihre Ziele weitgehend selbst. Man wählt aus freien Stücken einen Ausschuß, dessen Vorsitzender ein De­legierter der örtlichen Partei ist. In den Volks- häu^ern gibt es eine große Anzahl von Sektionen, so für Svrache, Geschichte und Literatur, in denen linguistische Rundfragen, Folklore-Studien, archä- oloaische S2lusgrtrbunaen usw. veranstaltet werden. Musik, Architektur. Theater, Film. Ausstellungs­wesen usw. sind andere Sektionen. Allen gemeinsam ist das immer intensivere Hineinführen in Denk­weise'und Arbeitsmethoden der westlichen Kultur, wobei allerdings das Eigene und Bodenständige in keiner Weife vernachlässigt wirb. Man denke nur an bas weite Gebiet, das die Erforschung und Ent­wicklung der türkischen Sprache darstellt, für das der ungewöhnlich svrachbegabte Türke ein besonde­res Interesse hat, ober das interessante Nebeneinan­der der westlichen und der östlichen Musik. Man denke an<+> an das uralte Kulturaut d"s Karaaöz, der türkischen Schattenspiele und Marionetten­theater, die ebenfalls in den Dolkshäusern gepflegt werden.

Daneben aber besitzen die sozialen Sektionen der Volkshäuser roeitaebenbe Bedeutung. In Zusammen­arbeit mit Wohltätigkeitsinstitutionen arbeitet man an der Einrichtung von Polikliniken, Kinderkrivpen, Kinderpflegekursen, Hausftauen- und Mütter- schuluna., Von großer Bedeutung ist der Bücher­und Bibliotheksbesih der Volkshäuier, durch den Aufklärung und Wissen in allen Schichten der Be­völkerung verbreitet wird. Das Moment der Auf­klärung spielt eine besondere Rolle bei den Volks- häusern in den Dörfern draußen, in denen in früherer Zeit in dieser Hinsicht fast gar nichts ge­schah. Heute hat fast jedes Dorf, auch das ent­legenste des östlichen Anatolien, fein Volkshaus,

NSK. Zum dritten Male begehen wir den Ge- s bringt. Hier wird der Aufstieg der Führer zur Sache '*"*------- Äx"'"' des Volkes und damit der soziale Aufstieg des Volkes

Ein Wort znm 20. April 1942

Von Reichspressechef Dr. Dietrich.