Einzelbild herunterladen

192. Jahrgang Nr. U3 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und feiertags

Beilagen:

Gietzener ^amilienblätter Heimat inrBildDieScholle

Bezugspreis: Monatlich.....RM.1.80

Zustellgebühr... -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Kernsvreckanschluß 2251 Drahtanschrift:Anzeiger" Postscheck 11686 Frankf./M.

Samstag, 16./Somttag, 17. Mai 1942

jflMy f * ▲W' d Samstag, 16.

Gietzener Anzeiger

Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer, bis 8*/i Uhr desVormittagS

Ameigen-Breise:

Anzeigenteil 7 Rvf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Textteil 50 Rvf. je mm bei 70 mm Zeilenbrerte

Nachlässe:

Wiederholung MalstaffeH AbschlüneMengenstaffelS Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/.mehr

vrühlsche UniverfitStrdruckerrl B. Lmrge General-Anzeiger für Oberhessen Stehen, Schulstrahe 7-9

Unmittelbar vor Kertsch.

Der Wehrmachibencht.

DAR. Aus dem Aührerhaupkquartier. 15. 2Hal Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Auf der Krim stehen die deutsch-rumänischen Verfolgungskolonnen unmittelbar vor Kertsch, nachdem sie feindlichen Widerstand auf den höhen vor dieser Stadt gebrochen haben'

Die Kämpfe im Abschnitt von Charkow dau­ern an. In ihrem Verlaufe wurden bisher 14 5 feindliche Panzer abgeschofsen. Starke

Kampf- und Sturzkampfverbände zerschlugen Pan­zeransammlungen, Artilleriestellungen und Nach­schubkolonnen der Sowjets.

Wtodfllawt

<31

%

/ ASOWSCHES MEER

larfofka0 JrofebchyM

'rylar »Usunlar Kaschichg - - Z- Iakyl

An der Wolchow-Front wurde eine Kräfte­gruppe des Feindes in mehrtägigen Kämpfen durch Verbände des Heeres und der Waffen-^ einge- fchloffen und vernichtet, hierbei verloren die Sow­jets 1 00 0 Gefangene, mehr als 3500 Tote, 6 Panzer, 119 Granatwerfer, 2 02 Wa- fchinengewehre und zahlreiches anderes Kriegsmaterial.

Deutsche und ungarische Truppen so­wie Polizeiverbände haben in den letzten

Tagen im rückwärtigen Gebiet mehrere stark be­waffnete bolfchewistifche Banden angegriffen und aufgerieben.

Eine an der L i s m e e r k ü st e gelandete sow- jetrufsische Marinebrigade wurde in mehrtägigen harten Kämpfen trotz starker Schneestürme zer­schlagen und zum Rückzug über das Meer gezwun­gen. Der Gegner Uetz über 2000 Tote und eine große Anzahl leichter und schwerer Waffen zurück.

An der O st f r o n t wurden gestern 6 5 feind­liche Flugzeuge vernichtet.

Auf Malta wurden Flugstützpunkte und andere militärische Ziele wirksam mit Bomben schweren Kalibers belegt Deutsche und italienische Jäger schossen über der Insel 8 britische Jagdflugzeuge ab.

Im Kampf gegen ein amerikanisches Ge- schwader hat die deutsche Luftwaffe gestern zwi­schen Nordkap und Spitzbergen einen Kreuzer derPensacola' -Klasse von 9100 Ton­nen, sowie einen Zerstörer versenkt Ferner wurden ein Eisbrecher von 3000 BRT. und ein Handelsschiff von 2000 BRT. vernichtet. Lin Frachter von 10 000 BRT. wurde so schwer getroffen, daß er vom Bug bis zum Heck brannte.

Außerdem vernichteten tieffliegenöe leichte deutsche Kampfflugzeuge in den gestrigen Abendstunden un­geachtet der Ballonsperren und des heftigen Flak­feuers in einem Hafen der englischen Süd- küfte vier Handelsschiffe mit zusammen 7500 BRT.

Die Sturmgeschühabteilung 2 4 4 hat bei den Kämpfen im 0 ft en am 14. Mai 3 6 feindliche Panzer vernichtet Von diesen Panzern hat der Oberfeldwebel Banse allein 13 abgeschossen.

In den gestrigen Luftkämpfen an der O st s r o n t errang Leutnant Graf feinen 98. bis 104., Leut­nant Dickfeld feinen 82. bis 90. Luftsieg.

Die Kämpfe bei Charkow und am Wolchow.

Stalin hat kürzlich In einer Vortragsreihe vor dem sowjetischen Oberkommando zu den kommenden Kampfhandlungen erklärt: Es wäre unverantwort­lich, wollte man die Stärke unterschätzen, die dem Gegner geblieben ist." Zu diesem Eingeständnis hat er sich veranlaßt gesehen angesichts der Erfahrungen, die die Sowjetarmee im nun abklingenden Winter- fekdzug machen mußte. Die deutsche Äbyiehrfront ist inzwischen sehr lebendig geworden. Auf der Krim sind die deutschen Truppen zum Angriff überge- < gangen und stehen jetzt, sechs Taae nach Angriffs­beginn, auf den höhen von Kertsch. Damit ist diese ganze Landenge bis zu rund 100 Kilometer Tiefe bis auf. einen schmalen Streifen vor der Ostküste der Halbinsel- den Sowjets entrissen und das in monate­langer Arbeit ausgebaute tiesgegliederte Stellungs­system zerschlagen. Wie das Oberkommando der Wehrmacht ergänzend mitteilt, haben die deutschen und rumänischen Truppen die Verfolgung des geschlagenen und auf die Stadt Kertsch zurück­weichenden Feindes ohne Unterbrechung fortgesetzt. Die an diesen Verfolgungskämpfen beteiligten Ver­bände melden weiterhin anwachsende Ge­fangenen- und Beutezahlen. Vergeblich versuchten die Bolschewisten, auf den der Stadt Kertsch vorgelagerten höhen eine neue Widerstands­linie aufzubauen. Wo es dem Gegner gelang, sich vorübergehend zu setzen, wurde jeder Widerstand in schnellem Zupacken gebrochen. Die Luftwaffe ver­folgte im Zusammenwirken mit den heeresverbän- den den weichenden Feind, der den pausenlos durch­geführten Tiefangriffen der deutschen Flieger nur noch geringen Widerstand entgegensetzte. Die ost­wärts von Kertsch in dichten Massen zusammenge­triebenen feindlichen Truppen erlitten durch wieder­holte Luftangriffe außerordentlich hohe Verluste. Die auf der überstürzten Flucht während der letzten Tage bis nach Kertsch gekommenen bolschewistischen Fahrzeugkolonnen wurden am Ostrand der Stadt gegenüber der Bucht von Tamanskaja zerschla­gen. Bei dem Versuch des Gegners, sich auf das jenseitige Ufer der Meerenge von Kertsch zu retten, erlitten die Bolschewisten durch die unermüdlichen Tiefangriffe deutscher Schlacht- und Kampfflieger­verbände äußerst schwere Verluste.

Aus dem deutschen Wehrmachtbericht geht weiter hervor, daß auch an den übrigen Teilen Der Ostfront verstärkte Kampftätigkeit herrscht,

wobei die deutschen Operationen große Erfolge zei­tigten. An der Wolchow-Front war es einer feindlichen Kampfgrupe gelungen, unter Ausnutzung des unübersichtlichen Geländes in die deutsche Stel­lung einzudringen. Diese Einbruchsstelle wurde im Zuge eines überaus kühnen, zäh vorgetragenen Ge­genangriffes geschlossen, die eingedrungenen feind­lichen.'Kräfte von ihren Verbindungen abgeschnit- ten und e i n g e f e f f e 11. Vergeblich versuchte der Feind, unterstützt durch Artillerie und Panzer, die umschlossene Kampfgruppe wieder zu entsetzen. In fast ununterbrochenen, vier Tage und Nächte dau­ernden schweren Kämpfen in versumpften Waldge­bieten wurden die sich mit äußerster Zähigkeit weh­renden Bolschewisten von Verbänden des Heeres und der Waffen-^ auf immer engeren Raum zusammengedrängt und schließlich vernichtet. Verbände der Luftwaffe unterstütz­ten die Angriffe des Heeres in unermüdlichem Ein­satz. Durch Sturzkampflugzeugangriffe entstand bei einer erstmalig in den Kampf tretenden bolschewi­stischen Schützendivision eine wilde Panik, wodurch sich die blutigen Verluste des Gegners noch weiter wesentlich erhöhten. Diese feindlichen Schüt­zendivisionen und die Masse zweier weiterer Kampf­verbände wurden in den Kämpfen aufgerieben. 3500 gefallene Bolschewisten bedeckten das Schlachtfeld. Rund 1000 Gefangene, ferner sechs Panzer, 119 Granatwerfer, 202 Maschinengewehre und zahlrei­ches weiteres Material wurden als Beute einge­bracht. Die auffallend hohe Zahl der erbeuteten schweren Infanteriewaffen weist nachdrücklich aus die Größe des errungenen Erfolges hin.

Die Sowjets haben vor allem im Raum östlich Charkow starke Kräste zu einem Angriff mit schwersten Waffen angesetzt. Die Vernichtung von 145 Feindpanzern durch die deutsche Abwehr lassen auf die Schwere des feindlichen Angriffs schließen. Ob es sich um eine Entlastungsoffensive für die Krim ober um Paralleloperationen handelt, die von sow­jetischer Seite zweifellos gemeinsam mit der bol­schewistischen Krimarmee durchgeführt werden soll­ten die inzwischen von den deutschen Angriffs­truppen zerschlagen wurde, ist noch nicht zu übersehen. Jedenfalls sind die Kämpfe im Osten in Form harter örtlicher Einzeloperationen aus der ganzen Linie neu entbrannt.

Der deutsche Lustsieg im Eismeer.

Der deutschen Luftwaffe hat der Frühling die Schwingen aus der winterlichen Erstarrung gelöst. Fast täglich meldete in den letzten Tagen der deutsche Wehrmachtbericht von rollenden Einsätzen gegen die feindlichen Stellungen und vor allem gegen wichtige Ziele hinter der östlichen Front. Einen besonderen Erfolg hatte sie abgesehen von ihrer Mitwirkung in der Durchbruchsschlacht von Kertsch am Don­nerstag im nördlichen Eismeer gegen ein amerb konisches Geschwader. Der Flottenverband war in den frühen Morgenstunden von deutschen Fernauf­klärern gesichtet worden. Als die deutschen Kampf­flugzeuge die feindlichen Kriegsschiffe gegen 19 Uhr angriffen, liefen diese mit hoher Fahrt auf west­lichen Kurs und versuchten die deuffchen Kampf­flugzeuge durch heftiges Feuer leichter und schwerer Bordflak abzuwehren. An den in mehreren Wellen durchgeführten Angriffen waren deutsche Kampf- flugzeug.e vom Muster Ju 88 und He 111 beteiligt. Trotz ungünstiger Witterung erhielt ein 11621.» Kreuzer derPensacol a"- Klasse gleich bei den ersten Bombenabwürfen Treffer dicht hinter dem Schornstein. Im Abflug herb-

achteten die Besatzungen der Ju 88, wie durch die Wucht der detonierenden Bomben Teile der Deckaufbauten durch die Luft geschleu­dert wurden. Eine Stunde nach diesem ersten An­griff trafen die He 111 den Kreuzer 300 Kilometer nördlich des Nordkaps bereits brennend an. Ein sofortiger erneuter Angriff führte zu der Ver­nichtung des bereits schwerbeschädigten Kriegs­schiffs. Nach abermaligen Treffern versank der bren­nende Kreuzer, um den sich die Zerstörer zu ersten Hilfeleistungen versammelt hatten. Die Ueberleben- ben bes Kreuzers waren in aller Eile von einem ber Zerstörer übernommen worben. Ein Zerstörer hatte ebenfalls von ben Ju 88 vernichtenbe Bomben­treffer erhalten, währenb ein anderer von einem Volltreffer auf das Heck getroffen worden war. Die übrigen Zerstörer flüchteten nach dem Untergang bes Kreuzers mit hoher Fahrt nach Westen.

Der starke Geleitzug deutet barauf hin, baß bie beutfche Luftwaffe hier wieber auf einen .wertvollen amerikanischen Geleitzug stieß, der von Moskau sehnsüchtig erwartete Waffen für bie Ostfront brin­gen sollte. Die Anwesenheit eines Eisbrechers

in den Gewässern zwischen Nordkap und Eismeer ist in der jetzigen Jahreszeit nichts Außergewöhn­liches, deutet aber auf die Schwierigkeiten hin, die auch von der Witterungsseite her den amerikani­schen Zuful)ren für die Sowjets engegenstehen. Vor wenigen Tagen verlor hier die britische Flotte einen 10 000-Tonnen-Kreuzer durch deutsche U-Boot-Tor- pedos. Außerdem wurden in diesem Seetreffen drei Handelsschiffe mit 18 500 BRT. durch leichte deutsche Seestreitkräfte versenkt, währenb brei andere Frach­ter mit zusammen 19 000 BRT. burch beutsche Kampfflugzeuge schwer beschäbigt mürben.

SEE

P°t

Moskau

Strategische Iemwirkmigen.

Von Erhard Weqeli, Oberstleutnant a. D.

Auf ungeheuren Räumen, getrennt durch Ozeane, vollzieht sich dieser größte aller Kriege, ber in seinen Ausmaßen den ersten Weltkrieg noch übertrifft Vorn Nordkap bis zur spanischen Grenze einerseits, bis zum Schwarzen Meer andererseits, auf beiden! Seiten des östlichen Mittelmeerbeckens stehen Deutsche land und seine europäischen Verbündeten teils im Kampf, teils in steter Kampfbereitschaft. Deutschs und italienische Seestreitkräfte durchpflügen das 'Nördliche Eismeer, bie Nordsee, den Atlantik irt seiner ganzen gewaltigen Breite und das Mittel-, tneer. Unser japanischer Verbündeter kämpft 5ul Lande in dem riesigen Raum Chinas, auf bert Philippinen, Neu-Guinea, ben Südsee-Jnseln und in Burma. Seine Seestreitkräfte streifen von' den Westküste der USA. über bie schier unermeßliche Wasserwüste des Pazifik bis tief in ben Indische» Ozean. Seine Luftstreitkräfte beherrschen das ganze riesige Operationsgebiet bis nach Australien hin» Es möchte auf ben ersten Blick scheinen, als ob es eine unlösbare Aufgabe sein müßte, bie Operationen ber Dreierpaktmächte in Zusammenhang zu bringen und ihre gemeinsame Einwirkung auf ben Verlauf bes Krieges zu erzielen. Das um so mehr, als zwi­schen dem Operationsgebiet der europäischen und ber ostasiatischen Verbündeten der ganze eurasische Kontinent liegt, jede Landoerbindung zwischen ihnen durch die russische Front, an bie sich nach ©üben x bie englische Front bis zum Persischen Meerbusen anschließt, unterbunben, ein gemeinsamer Oberbefehl über bie Gesamtstreitkräfte undenkbar ist, Nachricht ten und Abmachungen nur auf dem Funkwege möglich sind. Die ganzen Schwierigkeiten eines Koalitionskrieges, die sich schon im ersten Weltkriege in dem nicht immer reibungslosen Zusammenwirken ber beutschen, österreichischen, bulgarischen und tür­kischen Streitkräfte einerseits, noch mehr bei ben Entente-Streitkräften andererseits zeigten, müßten.

Neuorientierung der französischen Wirtschaft.

Von unserem Dr.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Paris, Mai 1942.

Die Wiederbetreuung Pierre Lavals mit ben Führung ber französischen Regierung bringt sicht­bar in Erscheinung, wie sich in Frankreich ber Ge­danke durchsetzt, baß eine wirkliche Wiederaufrich­tung des Landes nurimRahmendes neuen Europa sich vollziehen kann. Es gewinnt immer mehr Gestalt, was vor anderthalb Jahren in Mon- toire begonnen wurde. Nach Lavals eigenen Wor­ten fanden hier bie Besiegten einen Sieger, ber Frankreich einen seiner Vergangenheit roürbigen Platz in dem neuen Europa anbot. Daraus ergab sich in erster Linie eine Neuausrichtung der Politik bes von Marschall Pätain geleiteten Landes. Nicht minder aber auch eine Neuorientierung der Wirtschaft. Das neue Europa ist eine Schick? salsgemeinschaft, die auf ber Zusammenfassung aller Kräfte beruht. Deshalb hat in ihm keine Wirtschafts­form mehr Raum, die wie kaum eine zweite in der Welt sich ausschließlich auf bie liberalistifche Denk­weise gründet, bie man nach ben Ereignissen.des letzten Jahrzehnts als endgültig überwunden an­sehen kann. Frankreichs Wirtschaft kann nicht mehr fragen: welches Verfahren ist am vorteilhaftesten?, vielmehr steht sie unter dem kategorischen Impe­rativ der Pflicht: was muß geschehen?

Am einschneidendsten macht sich dieses Gebot in ber Landwirtschaft bemerkbar. Es geht ein­fach nicht mehr, nach Neigung und Geschmack an­zubauen: die Lebensnotwendigkeiten sind zu befrie- bigen. Wenn im vergangenen Jahr die Nahrungs- mittelbecke ungewöhnlich dürftig erschien, so rächte sich damit eine Mißwirtschaft, die schon seit Jahr­zehnten beziehen wurde. Nach einmütigem Urteil in- und ausländischer Sachverständiger gehört Frank­reich zu den von der Natur hinsichtlich Boben- gestalt und Klima am besten ausgestatteten Agrar­ländern. Es wäre in der Lage, ohne Schwierigkeiten den Brotgetreidebedarf für 62,3 Millionen Menschen zu erstellen. Tatsächlich braucht es aber nur für knapp 40 Millionen Franzosen zu sorgen. Und das sollte doch wirklich zu erreichen sein, wenn ber Wille aufgebracht wird, ein erheblich größeres Maß an Arbeit zu leisten. Denn darin gipfelt alles. I n - tenfioierung ber Landwirtschaft! ist daher die« Losung aller einsichtigen Franzosen für die kom­mende Zeit.

Es darf trotz größerer klimatischer Bevorzugung Frankreichs nicht so bleiben, baß Deutschland auf ber ganzen Linie erheblich bessere Hektarerträge aufweist. Und das sogar in Felbfrüchten, bie ihm von Natur wenig liegen! So beträgt das Spsn- nungsoerhältnis während ber letzten Friedensjcchre für Mais in Doppelzentnern zwischen beiden Län­dern 21,2 :14,9, für Weizen 21,6 :16,0 und für Gerste 20,0:14,7. Nur bei ber Zuckerrübe begegnen sich heibe zwischen 283 und 273 Doppelzentner. Wie schon aus bem Zusammenhang hervorgeht, bebeutet die erste Ziffer ben Hektarertrag in Deutschlanb.

Zur Intensivierung gehört in erster Linie auch bie Erweiterung ber Anbaufläche. Nach bem Weltkriege ist diese in erschreckender Weise zu­rückgegangen. Teils liegt das daran, daß von ben 1 363 000 Gefallenen nicht weniger als 637 700, also 50 v. H., Lanbwirte waren. Wenn man zu diesem absolüten Verlust noch etwa 400 000 bis 500 000 landwirtschaftliche Arbeitskräfte rechnet, bie infolge ihrer Verwundungen ihrem Beruf verloren gegangen sind, dann bedeutet der Ausfall von über einer Million Arbeitskräfte m ber Landwirtschaft einen recht empfindlichen Verlust. Allein die Not­wendigkeit verlangt, baß dieser durch Mehrarbeil wettgemacht wirb. Deshalb ist bereits vor länge­rer Zeit das Gesetz über bie landwirtschaftliche Dienstpflicht erlassen worden, die den Einsatz ber Arbeitskräfte regelt. Zubern hofft man noch, eine größere Zahl belgischer Wanderarbeiter zp gewin­

nen, die man dort einfetzen kann, wo die Arbeite» sich infolge des auch in Frankreich mit reichlicher Verspätung eingekehrten Frühlings allzu sehr zu­sammendrängen würden.

Zeigt sich schon bei diesen Maßnahmen ber len­kende Einfluß ber' Regierung, so erst recht bei der Zuteilung desSa'atgutes. Die Versorgung mit Saatgesreide, Oelsaaten und Zuckerrübensamen ist im allgemeinen sichergestellt, nur bie Beschaffung von Saatkartoffeln und Gemüsesamen bereitet noch Sorge. Letzteres ist besonders wichtig, da Frankreich bas klassische Land bes Gemüseanbaus ift Hauptsächlich liegt das an ber Gunst des milben und feuchten Klimas, dann aber auch an bem person» liehen Hang des Franzosen, ber sich zum Gärtner berufen fühlt. Deshalb sind die Ergebnisse im Gar­tenbau längst nkcht in bem Maße zurückgegangen wie in ber reinen Landwirtschaft. Trotzdem muß auch im Gartenbau auf Intensivierung gedrängt werden wie auf die Zurückstellung von Lieb­habereien in bezug auf Frühgemüse. Hier heißt es auf die Einfuhr von Algier ober Spanien zu ver­zichten unb mit bem Genuß des ersten Frühgemüses noch ein paar Wochen zu warten, bis es in Frank« reich selbst gereift ist. Im ganzen kann aber die Be* DÖlterung ihre Neigung für Gemüse durchaus bei* behalten, weil über diesen Weg die Ernährung Frankreichs am schnellsten und durchgreifendsten ge­sichert wird. Natürlich nicht ganz ohne Opfer auf anderen Gebieten!

Mit dem Nachlassen des Ackerbaus begann ein Ansteigen der Viehzucht, besonders der Schafzucht. Diese trug ben Kriegsverlusten an ßanb» arbeitern Rechnung und kam zugleich dem Rentner« gebauten entgegen, der ja schon seit langem bas sranzösische Volk wie eine fixe Jbee beherrscht. Be­merkenswert ist hier wieber der Vergleich mit Deutschland, Frankreich verfügte vor dem Kriege über 10 Millionen Schafe gegenüber nur 3,5 Mil­lionen im Reich. Klimatische Gründe liegen nur in den sommertrockenen Gebieten am Mittelmeer vor, sonst fft fast überall ber Ackerbau gewinn­bringender. Diese Schafweiden sind die große Re­serve zur Auffüllung der Bedürfnisse nach (Betreibe* und (Bartenlanb. Der Verlust an Wolle wirb ben Franzofen babei wenig stören, benn auf diese legte er nie großes Gewicht. Wohl aber schmerzt ihn, daß die Hammelkeulen nun seltener auf den Tisch kommen als früher. Aber er wirb sich mit ber Ge­nugtuung trösten, daß nunmehr durch bie Bestellung des früheren Weidelanbes feine Gemüseversorgung unb bamit feine Hauptoersorgung sichergestellt ist.

Mehr Sorge wird die Regierung noch mit bei Bannung der Jnbu st rieflucht von Frankreich nach Nord- unb Westafrik» haben. Schon seit dem ersten Weltkriege sind eine Anzahl Industriezweige in bie afrikanischen Kolo­nien gewandert, weil sie hier ihren Rohstoffen näher waren, und weil sie hier sich leichter Arbeitskräfte beschaffen konnten. Mit ber selben Begrünbung sind ihnen in letzter Zeit andere gefolgt, besonders aus ber französischen Oelmühlenindustrie. So haben sich bie Oelaussuhren Westafrikas von 12 000 auf 45 000 Tonnen allein im letzten Jahr vermehrt. Die Textil­industrie schickt sich an, denselben Weg zu gehen. Es erscheint nur auffällig, daß bloß ein geringer Teil ber afrikanischen Ausfuhr nach Frankreich geht. Hiernach müssen doch wohl politische Gründe für die Standortverlegung der Industrien mitbestim- mend gewesen sein, was niemals im Interesse bes französischen Wiederaufstiegs liegen kann. Das groß, zügige Verhalten des deutschen Verficherungsgewer- bes bei bem Wieberaufbau bes französischen sollte vielmehr allen noch zweifelnben Franzosen die Augen darüber öffnen, daß es klüger ist, sich einem verständnisvollen Partner anzuvertrauen als de» Lockungen einesFreundes von gestern" zu folgen* der nur an jemen eigenen Vorteil denkt.