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lidjung immer von neuem, so daß sich Beveridge genötigt sah, offen gegen diese Verzögerungstaktik $u protestieren. Ob es ihm freilich etwas helfen wird, ist mehr als ungewiß, denn bei der jcfolflen Zusom- menfetzung der Regierung kann von einer wirk- lichcn Bereitschaft zu irgendwelchen sozialen Refor- men keine Rede sein.

Als einen mehr oder weniger versteckten Versuch, allen diesen Planen überhaupt die Spitze abzu- brechen, mutz man eine Denkschrift von 120 der bedeutendsten Industriellen Englands betrachten, die unter dem TitelEine nationale Politik für die Industrie" herauskam. Diese Schrift empfiehlt die Bildung eines Zentralrates der Industrie, der von sich aus alle wirtschaftlichen und sozialen Fragen lösen soll. Dieselben Männer, die die Schuld an dem uralten sozialen Elend der englischen Arbeiter« schäft tragen, empfehlen sich also hier als die be­rufenen Gestalter einer neuen sozialen Wirtschafts- Ordnung. Selbst in England erkennt mau den Pferdefuß dieser Aktion und weist darauf hin, daß den Industriellen wohl einzig und allein die Mög­lichkeit der Beibehaltung der jetzigen Regelung von Arbeitseinsatzfragen und Lohn fragen als verlockend erscheint. Sie wollen alle diese Dinge aus eigener Machtvollkommenheit regeln und allo unter der Maske einer sozialen Reform die endgültige Ver­sklavung des englischen Arbeiters tarnen.

So sieht es heute mit den vielbeschriebenen sozia­len Reformen «in England aus. Die Plutokratie ist mächtiger denn je und schickt sich an, die Zügel wie­der scharfer anzuziehen, die man eine Zeitlang in­

folge deridealistischen Annäherung an den Bolsche­wismus" etwas lockerer lassen mutzte. Der Bolsche­wismus ist nach Ansicht dieser Plutokraten gut für Europa, aber nicht für England. In Europa ist er Churchill und Konsorten höchst willkommen, wie die kürzlich in Nordafrika gefundene Instruktion für englische Offiziere erkennen lätzt, denn ein in eine Vielzahl bolschewistischer Republiken ausaespaltenes Europa ist England viel weniger gefährlich als ein vom Nationalsozialismus geeintes.

Aehnliches gilt von den sozialen Plänen Roose­velts. Auch hier kann der Phrasendunst aus die Dauer die wahren Tatsachen nicht verschleiern. So erklärt sich die Frage einer amerikanischen Zeit- schrift, was bei der bisherigen rücksichtslosen Pro­duktionsausweitung einmal im Frieden werden soll, wenn England und die anderen Bezieher der Pacht­leihhilfe wieder auf eigene Versorgungsquellen zu­rückgreifen können. Dann mutz eine ungeheure Ar­beitslosigkeit für Amerika die Folge sein, die von der ZeitschriftColliers Magazine" auf rund 18 Millionen veranschlagt wird. Man wird nicht sagen können, daß diese Befürchtung unberechtigt sei. Sie ist im Gegenteil nur allzu begründet. Denn es ist ein Unding zu erwarten, daß die kriegsmäßigen Lieferbeziehunaen auch im Frieden weiterbestehen werden. So sieht mithin die Wirklichkeit auch in Amerika aus. Aus dem Papier herrliche soziale Ver­sprechungen, in Wirklichkeit aber ist Der großen Masse der Arbeiterschaft nicht einmal das primärste Recht gesichert, nämlich das Recht auf Arbeit.

Sowjetische Enisetzmgsversuche im Abschnitt Kalinin -Ämensee abgewiesen.

Der Wehrmachiberichi.

DRV. Aus dem F ü h r e r h a u p t q ua r t i e r, 14. Dez. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Hochgebirge des Kaukasus wurden mehrere feindliche Angriffe abgewiefen. An anderen leiten des südlichen Frontabschnittes dauern die zum leit sehr erbitterten Kämpfe mit starkem Gegner an. Eigene Panzerkräfte, die aus dem Raum f ü d w e st l i ch Stalingrad vorstie- tzen. zerschlugen starken Feind, bcffcii Gegenangriffe unter Verlust von über 20 Panzerkampswagen schei­terten. Lei einem in den letzten Tagen in der K a l - mückensteppe geführten Vorstoß in den Rücken des Feindes würden zahlreiche Gefangene einge­bracht und der Rachschub des Gegners empfindlich gestört. Italienische Truppen wehrten erneut ört­liche Angriffe der Äolfchewislen an der V o n f r o n t unter blutigen Verlusten für den Feind ab. 25 Soro- jelslugzeuge wurden bei vier eigenen Verlusten ab- gefchoffen.

Die Kämpfe im Abschnitt Kalinin Ilmen­see dauern an. Durchbruchs- und Entlastungsver- suche der Sowjets zur Entsetzung der eingeschlossenen feindliche,» Truppen wurden abgewiefen und wieder 31 Panzer vernichtet. Seit dem 25.Rovcmber »et- lor der Feind bei feinen vergeblichen Angriffen allein im Bereich einer Armee 1 568 Panzer- kompfwagen.

Bei Stohtruppunternehckungen deutfcher Truppen

am Wolchow und südlich des Ladogasees wurden zahlreiche Kampfslände des Feindes zerstört.

Kampfflugzeuge bombardierten in der ver­gangenen Rächt Stadt und Hafen Murmansk.

In der Lyrenaika weiterhin lebhafte Slufklä- rungo- und Artillerietätigkeit. Deutsche Kampfflieger führten starke Angriffe gegen den Hafenbetrieb in B e n g o f i.

In Tunesien vernichteten deutsche Schlacht­flieger mehrere feindliche Panzer. Das Hafengebiet von B o n e wurde von deutschen und italienischen Flugzeugen erneut schwer bombardiert. Es entstan­den Explosionen und Brände. In Luslkämpsen wur­den in Rorda frika 12 feindliche Flugzeuge ab- gcschossen. vordflak der deutschen Kriegsmarine schoß im Geleildicnst drei feindliche Flugzeuge ab.

In der Rächt zum 13. Dezember griffen Schnell­boote feindliche Geleite an der britischen Oft - küste an und torpedierten trotz stärkster Sicherung durch Zerstörer sechs Handelsschiffe. Drei Vamp- f e r von zufammen 9000 BRT. sanken sofort, eil» Tanker öoii 3000 BRT. geriet mit hoher Stich­flamme in Brand. Auch die beiden übrigen Dampfer find wahrscheinlich gesunken. Aus dem sich ent- »vickelnden heftigen Rachtgefecht mit den Zerstörern kehrten alle Boote unversehrt In ihre Stützpunkte zurück.

Marineartillerie, Vorpostenboote und Jagdflieger fchoffen über dem Kanal und an der Küste Nor­me g e n v vier britifche Flugzeuge ab.

Aus engem Raum zusammengedrängt.

Berlin, 14. Dez. (DNB.) Die im Raum süd­östlich Toropez eingeschlosfene bolschewistische Stotzgrnppe machte vergebliche A n s b r u ch s versuch e. Pommersche und Wiener Panzerabtei- lungen drängten gemeinsam mit Iirfanterieverbän- Den die abgeschnittenen Sowjets in fdjroeren Ge­fechten auf engen Raum zusammen. In harten Kämpfen um vorspringende Waldnasen und über­höhte Waldränder muPbe unter Mitwirkung von Sturmgeschützen der Widerstand flebrodjen und der Feind weiter in das Innere des Kessels zurückae- warfen. Trotz der schwieriaen Geländeverhältnisse gewann der deutsche Angriff weiter an Boden. Die Bolschewisten »mißten zahlreiche Schützenbataillane und Panzerabteilungen opfern, ohne es verbinden» zu können, datz mehrere zur Rundumverteidigung nusgebaute Dörfer an unsere stürmenden Truppen verlorengingen. Alle Gegenstöße bradjen unter hohen Verlusten für den Feind zusammen. Ebenso

scheiterten die E»rtsetzungsangri'sfe von Norden gegen den von niedersächsischen und thüringischen Panzerverbände»» geschaffenen Sperriegel.' Vergeb- Iid> setzten die Bolschewisten zur Zertrümmerung des Einsdilietzungsringes neben starken Infanterie- und Panzerkräfte»» eine ungewöhnlich große Zahl von Salvengeschützen und schwerer Granatwerfer ein. Die Angriffe wurden schon in der Entwicklung erkannt und so schwer mit Artilleriefeuer belegt, daß nur Teilkräfte bis zur Hauptkampflinie vorstohen konnten. Dort wurde», sie im Nahkampf vernichtet. Bei stacht versuchten die Bolschewisten, mit Trans­portflugzeugen ihre eingeschlossenen Kräfte zu ver- orgen. Flatfeuer vertrieb die Nugzeuge, noch bevor sie ihre Aufträge erfüllen konnten. Ein Flugzeug, das aus den, Kessel einen hoben bolschewistischen Kommandeur herausholen wollte, landete hinter unseren Linien.

Südlich Rschew setzten die Bolschewisten wie-

Tunis zwischen den Fronten.

Von Kriegsberichter

PK. Gebt man über den Boulevard Jules Ferry, die Hauptstraße des europäischen Tunis, alaubt man die ganze Stadt auf den Beinen. Zweifellos sind in diesen Tagen, wo deutsche Truppen, Lastwagen und Panzer diese Anslchiskartenstratze durchziehen, viele Neugierige unter den Promenierenden. Der Ruf, der unseren Soldaten nadi drei siegreichen Kriegsjahren vorausgeht, ist in ihren Blicken mit einem Ressentiment scheuer, ja neidooller Bewunde­rung zu lesen, auch wenn sie es zu verbergen ver­suchen. Deutlich unterscheidet sich in dem dichten Spalier der Italiener von dem Franzosen, und der Kellner im Restaurant ober der Strahenbahnschaff- ncr auf der Plattform gibt sich uns gern als Ita­liener zu erkennen. Aber auch der Franzose, den wir um Auskunft nach Weg und Straße bitten, ist nicht abweisend, wenn auch unsicher in seiner ganzen Haltung uns gegenüber. Er steht interessiert und zugleich befremdet vor den Plakatsäulen mit den Anschlägen des Kommandierenden deutschen Gene­rals, die neben dem des französischen Staatspräsi­denten und des zivilen Stadtoberhauptes hängen, und die die Bürgerschaft von Tunis zur Diszipli», und Aufrechterhaltung der Ordnung ausrufen. Die Polizei, deren Aufgebot hier wie in allen mittel­ländischen Hafenstädten groß ist, scheint durch fran- S Zivilisten, mit einer Armbinde mit dem

»ckPolice, verstärkt.

Die Plakate in Geschäften und an Häuserfronten mit ihrer Werbung für die Kolonialarmee, die län­geren Datums sind, haben bei aller Druckfrische etwas Vergilbtes, etwas von verfehlter Anstren- gung an sich. Neben ihnen hängen Bilder von Marschall Pötain, zu erhöhter Wirkung mehrfach nebeneinander geklebt, mit seinen beschwörenden Worten zu einer nationalen Erneuerung. Stiefel­putzer hocken unter ihnen, aber die sie bedienen, halten oas Tunis-Journal lesend in Händen, das über die erregenden jüngsten Ereignisse Auskunft zu geben versucht, und wenn ihr Blick die Häuser­fronten absucht, so gilt er nicht diesen Plakaten, sondern den Kino-Transparenten, die zur Zeit den FilmDas unsterbliche Herz" und La Jana als Stern von Rio" anpreisen.

Den Boulevard beschließt dem Stern kern zu die Porte de France, hinter der das arabische Tunis beginnt. Es ist ein Labyrinth von Ladenstraßen, un-

der starke Infanterieverbände und zahlreiche Panzer mit aufgesessener Kavallerie ein. Da dieser Angriff des Feindes erwartet wurde, nahmen die schweren Waffen den Kampf so frühzeitig auf, daß die bol­schewistischen Sturmabteilungen oft schon im Vor­feld zusammengeschossen wurden. Feindliche Kräfte, die bis in das Hauptkampffeld vordringen tonnten, wurden im Nahkampf aufgerieben oder zurückge­trieben. Südöstlich des Ilmensees konnten bei Dorstößen zur Verbesserung des Frontverlaufs 20 Kampfstände und Wohnbunker der Bolschewisten genommen und gesprengt werden.

Südwestlich Stalingrad stießen bei kla­rem Frostwetter deutsche Panzerverbände in stark ausgebaute Verteidigungsstellungen der Bolsche­wisten und schossen die als Rückgrat des feindlichen Widerstandes eingegrabenen Panzerkampfwagen zu­sammen. Die feindlichen Reserven versuchten ver- geblich, Gegenangriffe zu führen. Mehr als zwanzig Panzer blieben zerschossen oder brennend liegen. Sturzkampf- und Schlachtflugzeuge hämmerten mit Bomben und Bordwaffen auf die feindlichen Ar­tillerie- und Feldstellungen. Ein Treibstofflager, das erst vor wenigen Tagen angelegt worden war, flog in die Luft. Kampfstaffeln drangen bis tief in die feindliche Front vor und vernichteten dort Versor­gungsstützpunkte des Feindes. Auch im großen Donboaen wurden die Bolschewisten bei ihren erneuten Angriffsversuchen unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Ebenso vergeblich blieben die Vor­stöße, die der Feind in Stärke von drei bis vier Bataillonen an der Donsront gegen italienische Stellungen führte. Schulter an Schulter mit deut­schen Truppen wehrten die Italiener alle Singriffe ab. Ungarische Stoßtrupps sprengten 52 Bunker und Kampsanlagen, davon die meisten mit Besatzun­gen und Waffen.

Alliierte Senerale in Indien.

Bangkok, 14. Dez. (Europapreß.) Der britische Oberbefehlshaber in Indien, General Sir Archibald W a o e l l, von de»n man lange Helt nichts hörte, besuchte Ceylon. Während seines Aufenthaltes auf der Insel hatte Wavell Besprechungen mit den lei-

Helmut Heidelaus.

passierbar für jedes Fahrzeug, vollgestopft mit einet Durcheinanderflutenden orientalisch-bunten Volks» menge. Man überschaut es ohne jedoch feint Struktur erkennen zu können am besten von der erhöht liegenden Kasbah, einer ausgedehnten Ko» sernenanlage, die auch der Leibgarde des Bey oott Tunis dient. Moscheen mit ihren Minaretts heben sich aus einem Gewirr einstöckiger, weiß gekalkter Raufer, die vielfach von einer arabisch zugespltzte« Kuppel gekrönt sind. Milchig weiß betten sie sich bis an den Kranz von Bergen, der die Stadt nach brei Seiten umschließt, während die vierte bem Meer und der zackigen Kulisse europäischer Hoch, Häuser davor gehört. Deutsche und italienische Flug­zeuge kurven in dem tiefen Blau darüber. Stuko, uerbänbe kehren von ihrem Einsatz zurück.

So weit diese Stadt, die den verlorenen Krieg Frankreichs zunächst nur durch Rundfunk erfuhr, auck) vom Mutterland und vom europäischen Äon» tlnent entfernt liegt, so hat sie doch die Spuren, die der Krieg zeichnet, erfahren. Eine Teuerung der Ledens- und Verorauchsgüter ist teilweise bis zum Zehnfachen eingetreten. Auch Tunis kennt Lebens- mittelmarfen und Bezugscheine, wenn auch der Araber im Bazar noch feinen arabischen Kaffee trinkt, wozu er gern den deutschen Soldaten ein» lädt. Die in Garagen stillgelegten großen amerlto nischen Wagen verdeutlichen die Benzinknappheit. Omnibusse und Lastwagen sind auf Holzgas umae, stellt worden. Viele Geschäfte sind wegen lerer Re, aale geschlossen. Selbst die sonst bis in die Abend­stunden dicht umdrängten Bazare sind nur in beit Morgenstunden geöffnet.

Der Krieg hat nun auch dank der britisch-amen» konischen Jnuosion diese Stadt direkt erfaßt. Sie will es nicht wahr haben und sähe sich am liebsten in neutraler Absonderung. Es fällt ihr schwer, sich in ihr unerwartetes Schicksal au finden. Ein Zau* dem und Zögern, eine innere Unsicherheit lastet aut ihr, das auch die nächtlichen englischen Luftangriffe nicht löst. Wahrscheinlich bedarf es der kommenden Ereignisse, Der kriegerischen Klärung, die der Au» sammenstoß der englisch-amerikanischen Streitkräftz mit unseren im tunesischen Raum konzentrierten Verbänden mit sich bringen wird, um sie aus ihrer schlaffen Zurückhaltung heraustreten zu lassen.

tenden Offizieren der dort stationierten Truppen. Der Befehlshaber der USA.-Streitkräfte in Dftafien, General Stillwell, ist, von Tschungking kom» mend, in Neu-Delhi eingetroffen.

Aus dem Reich.

Fast 40 v H mehr als im Vorjahr.

Auch die dritte Reichs strahensamm- l u n g brachte eine weitere Steigerung des Sammel­ergebnisses. Während die Angehörigen der SA, ff, RSKK. und RSFK. bei der Reichssirahenfamiw lung des vorjährigen Kriegs-Wlnterhilfswerkes dar Ergebnis von 21 384 560,31 RRl. erzielten, haben sie bei der dritten Relchsstrahensammlung am 21./22. Rovembcr 1942 nach der vorläufigen Zäh- lung 29 843 647,67 RM. aufgebracht. Die Steige­rung beträgt 8 459 087,36 RIN., das find 39,56 v. h. Dieser glänzende Erfolg ist ein neuer Beweis der tatkräftigen Einsatzes der Heimat.

Sonntagsdienst der Behörden am 2. Januar.

Der Reichsminister des Innern hat bestimmt, daß zur (Einsparung von Kohle bei den staatlichen Be­hörden, Den Gemeinden, Gernelndeverbänden und sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts der Dienst am 2. Januar 1943 w ie an den Sonntagen zu regeln ift es sei denn, daß die Krlegsnotwendigkeiten eine andere Dienstregelung erfordern.

Ver antwortungsfreudiges Beamtentum.

Auf einem Apvell des Gauamtes für Beamte in Wien erklärte Reichsbeamtenführer Neef, Ziel jeder Verwaltungsform müsse es sein, mit mög­lich st wenig Menschen die größte Lei» st u n g zu erreichen. Dor allem müsse Verantwor­tungsfreudigkeit und Entschlußfreudigkeit der ört­lichen Behörden gefördert und ihnen Entscheidungen anvertraut werden. Da unsere jungen Beamten im

Der verzauberte Bückling.

Don Friedrich Lvilhelm Pirwitz.

Anna", sagte die Ha»ivfra»l am Vormittag zum Mädchen,wo ift der Bückling geblieben, bei» Id) gestern hier auf das Fensterbrett legte?" Anna staunte.Der Bückling? Ja, der lag doch heute morgen noch dort! Sollte ihn die Katze genommen haben?" Die Frau des Ha»ises sah zweifelnd auf den KaterHeiner".Unsere Tiere naschen nickt, und außerdem hat »Heiner' ein Alibi", meinte fie, er hat bis heute morgen Nachtschicht als Mäuse­wächter auf den» Boden gehabt."Ach", jagte Anna mitleidsvoll,und dabei hat er das Alibi bekom­men? Ist bas sehr schmerzhaft? Aber wer mag nur den Bückling genommen haben, vielleicht der Hund?" Der Hund, ein großer Jagdhund, kam näher, denn er wußte, datz er nutzerHarras" auch nod)Hund" hieß Er blinzelte ohne Argwohn. Seine gelben Augen fragten:Was wollt ihr von mir? Die Unfd)»ilh hat einen Siegerblick, der die Verleumdung mächtig niederblitzt." Das stimmt wohl, jedod) nicht immer bei HundenBeriechen Sie ihn, Anna, ob er nach Bückling riecht", sagte die Fran Anna tat es, Der Hund nahm das für einen Spatz und schnappte hn Scherz nach Annas Nase. Er rled)t nach Hund und nicht nach Bückling", sagte Anna.Dann gibt es anderes Wetter", sagte die Hausfrau,aber wo ist bloß der Bückling?"

Am Abend, als der Herr des Hauses und Tante Arnandc» erschienen, lag der Bückling zum Erstaunen seiner Besitzer wieder auf der Fensterbank. Sorg-, faltig in Papier eingepackt, wie am Abend zuvor. Wo hast du dich herumgetrieben?" fragte Anna, aber Fische sind stumm, und Bücklinge erst recht.

Am nächsten Margen war er wieder verschwun­den. Es half alles Starren auf das Fensterbrett nichts. Der Bückling lag mitnichten dort.Die Sache fängt an, unheimlich zu werden", sagte Tante A»nanba, Die eine Neigung zu Tischrücken und der­gleichen hatte. In jeder Erscheinung, die nicht für sie sofort erklärbar war, sah sie em Zeichen des Uebersinnlichen. Ihre Sinn« reichten eben nicht weit.

und so war das Gebiet des Uebcrfinnlidycn für fie recht ansehnlich.Wie kann ein Bückling zweimal verschwinden! Patzt auf, heute abend ist er wieder da: das geht nicht zu mit frommen, rechten Dingen!" hauchte sie mit gebeimnisschwangerer Stimme. Quatsch!" brummte der Herr des Hauses,wer weltz, wohin ihr ihn verbummelt habt."

Jedoch, Tante Amanda behielt recht. Am Abend lag der Bückling mit stoischem Fischgleichmut aber­mals am Fenster. Tante Amandas Mild; der from­men Denkart uegann zu gären, die Frau des Hauses schüttelte den Kopf, Anna glotzte, Der Herr lachte, und der Hund jchnupperte begehrlich beim Anblick des Fisches. Mit der Erscheinuna des Bücklings zusammen fiel das Auftauchen Onkel Theodors, des Kriminalisten. Onkel Theodor, über den seltsamen Fall unterrichtet, und von Tante Amanda über die Möglichkeit eines unheimlichen okkulten Phänomens belehrt, lachte.Das muß doch herauszubringen sein, wohin sich der reiselustige Bückling tagsüber begibt, um nachts auf dem Fensterbrett auszuruhen", meinte er.Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als eure Schulweisheit sich träumen läßt!" dozierte Tante Amanda mit flüsternder Stimme, in Anbetracht des Umstandes, datz Geister keinen Lärm lieben, wenigstens nicht solchen, den sie nicht selber machen, und als gelte es, den anwesenden Ge­spensterbückling nicht zu verärgern und zum vor­zeitigen Entnvichen zu veranlassen.

Wann pflegt denn der Bückling nad) Hause zu kommen und wann zu versd)winden?" fragte krimi­nalistisch Onkel Theodor.Abends acht Uhr ist er stets wieder da, und morgens sieben Uhr ist er fort", agte die Hausfrau.Des Fisches Lebenswandel er­scheint mir durchaus lobenswert, gegen seinen Leu­mund ist nichts einzuwenden", murmelte der Onkel, ich pflege nicht so pünktlich heimzukommen: ich wette, der brave Bückling ist tagsüber irgendwo dienstverpflichtet", sagte er, und dann ging er hin und beaugenscheinigte den Tatort des merkwürdigen Kriminalfalles. Er land keinerlei Verdachtsmomente. Am nächsten Morgen stand er indes zeitig auf. Der Fisch lag noch an seinem Platz. Anscheinend hatte er noch keinen Dienst. Da nahten Sdiritte. Es war Anna. Sollt» Anna sich einen dummen Scherz er­

lauben? dachte Onkel Theodor und verbarg feine füllige Gestalt hinter der Tür des Nebenzimmers. Aber Anna summte nur das Morgenlied eines guten Gewissens. Da ift ja Der Bückling noch, dachte sie und öffnete das Fenster. Plötzlich stieß sie einen schrillen Schrei aus. Auch Onkel Theodor sah Das Unfaßbare: Der Bückling war plötzlich wie weg­gezaubert.Guten Morgen!" sagte Onkel Theodor, trat hinzu und prüfte mit Untersuchungsrichter- blicken Den Fensterlims. Einige Fettflecke hatte Der Bückling hinterlassen, sonft nichts. Es schien die reine Zauberei. Mit einem Male lachte der Onkel laut auf.Wir Kamele!" rief er.Daß wir Darauf nicht gekommen sind!" und zu der verblüfften Anna ge­wandt:Ich sage euch, heute abend wird der Bück­ling wiederum erscheinen, und Dann werdet ihr Den Grund seines seltsamen Dersck)windens erkennen." Das sagte er mit komischem Ernst und erhobenem Zeigefinger im Ton eines Propheten, als gelte es, eine welterschütternde Wahrheit zu verkünden.

Am Abend versanunelte sich die Familie, durch Onkel Theodor auf das abermalige Erscheinen des gespenstischen Bücklings schonsam vorbereitet. Onkel Theodor kam mit Dem Siegerlächeln eines Detek­tivs, der einen betrügerischen Scharlatan entlarvt hat. Anna kam, ließ das Verdunkelungsrouleau herunter und schaltete das Licht ein. Kaum war das geschehen, sprang Onkel Theodor auf, machte eine einladende Handbewegung zum Fenster und sagte: Seht Da, unser Bückling!", so als stelle er einen guten alten Bekannten vor. In Der Tat! Dort lag wieder Der Bückling, wie allabendlich. Und durd; des Onkels Erklärung 'wurde nun auch offenbar, wohin er Des Morgens entschwand: das Verdunkelungs­rouleau raffte ihn allmorgendlich mit auf, entführte ihn in die Höhe und gab ihn des Abends wieder preis. Im Dämmerlicht der Frühe und des Abends hatte Anna, die ohnehin nicht sehr hellsichtig war, dies nicht bemerkt. So schivebte er tagsüber zwischen Himmel und Erde eingerollt und unsichtbar denen, die nack ihm lechzten: Tante Amandas Spruch be­stätigend, daß es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt als unsere Schulweisheit sich träumen läßt

Zeitschristen.

Im November-Dezember-Heft Der bebilderte» MonatsschriftFreude am Leden" (Verlafi Hugo Bermühler, Berlin-Lidsterfelde) berichtet u. a. Oberlandwirtschastsrat Dr. Helmut Koch über den inländischen Faserpflanzenanbau, der nicht nur für Die aegenroärtige Kriegslage wichtig ist, sondern wahrscheürlich auch zukünftig bedeutungsvoll sein wird. Außerordentlich interessant zu lese»» ist Der aus jahrelange Erfahrungen gegründete Beitrag voll Professor Dr. Rodenwaldt über Hygiene der Le­bensführung in Den Tropen. Die Ergebnisse feiner Forschungsarbeit über Die Stammesgeschichte der roten Blutzellen teilt Professor Dr. W. Krroll ttril Ebenso spannend wie lehrreiä) zu lesen ist ein mit fesselnden Naturaufnahmen illustrierter Beitrag voll Alfred Pedersen über Begegnungen mit Eisbären in Der Arktis. Professor Dr. Schwangart unterfudjt Die Wandlungen der Zeichnungsmuster südamerik» nifd>er Kleinkatzen. Der Ornithologe Dr. Wüst be- rid>tet über das Neuauftreten Der R ei Herente, wc§ eine erfreuliche Bereicherung Der heimischen Vogel- wett erwarten laßt. In Den stets interessanten Klei­nen '.Beiträgen" findet sich ein verblüffender, tie* psychologisch äußerst aufschlußreicher BerichtHunde können sich verstellen". Die Buchbesprechungen, die Liste Der Neuerscheinungen und Die Preisfrage oer* vollständigen Den Inhalt Des besonders gut gerate­nen Doppelheftes.

Die MonatsschriftK u n st d e m V o k k" (Ve» lag Heinrich Hoffmann, Wien) hat ein weiteres Heft ausschließlich Der Großen Deutschen Kunstausstellung München 1942 gewidmet. Durch eine stattliche An­zahl großenteils farbiger Reproduktionen erhält bei Kunstfreund, der die Ausstellung nicht besuchen konnte, einen Eindruck von Themen und StilweiseN der gegenwärtigen deutschen Malerei: die technischt Wiedergabe Der farbigen Blätter ist von bemerkens­werter Qualität. Daneben werden auch einige be­sonders charakteristische Werke der in München g<' zeigten Plastik und Graphik in guten, meist ganz- fettigen Revrodukttonen vorgestellt.

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