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»ftalter zu sein. Die Verwaltung solle ein leben- ger Organismus sein, der sich noch dem Leben es Volkes richte und von dort her immer neue mpulse bekomme.

Ausbau des Begabtenabiturs.

> In Berlin traten die Vorsitzenden der Prüfungs- elle für die Zulassung zum Studium >hne Reifezeugnis (Begabtenabitur) zu ner Arbeitstagung zusammen. Die Dienstbespre-

i ung, die in Vertretung des Amtschefs Wissenschaft Reichserziehungsministerium durch den bevoll­mächtigten Vertreter des Reichsstudentenführers, ! eichsamtsleiter Dr. G m e l i n, geleitet wurde, Inente dem weiteren Ausbau der Begabtenprüfung, sie als Instrument der Begabtenförderung zusam­men mit den Maßnahmen des Langemarckstudiums ter Reichsstudentcnführung, des Reichsstudenten- cherkes und der Kriegsteilnehmerfürderung gerade fir die Soldaten von besonderer Bedeutung ist.

Keine Zweckentfremdung von Wohnungen.

Die durch den Krieg besonders verschärfte Woh- mmgsnot gebietet, der Erhaltung der vor- londenen Wohnungen größte Ausmerksarn- hit zuzuwenden. Daher hat Reichsmarschall Göring de Umwandlung von Wohnungen in Aäume anderer Art, z. B. in Büroräume, arundsätz- lich verboten. Wohnungen, die für Bürozwecke it Anspruch genommen worden sind, sollen g e - näu m t und ihrer eigentlichen Zweckbestimmung Wieder zu geführt werden. Hierfür kommen namentlich die von Behörden und äf- tkntlichen Dienststellen besetzten Woh- timgen in Frage, wenn eine andere Unter« ymgungsmöglichkeit für diese Stellen sichergestellt i. Hierzu kann auf nicht genügend ausge- rutzte Geschäftsräume zurückgegriffen wer- tzkn.

Kunst und Wissenschaft.

Line Lhodowiecki Ausstellung in Thorn.

Im Auftrage des Oberbürgermeisters von Thorn i ird eine Bildergalerie vorbereitet. Im Zusammen- cng damit soll eine Sammlung von Zeichnungeü, < Tichen und Radierungen von Daniel Chodowiecki or.gelegt werden. Es wurden bisher 1000 Hand- Zeichnungen, Radierungen und Titelkupfer Chodo- ä eckis erworben. Darüber hinaus wurde der Brief- N'chsel Chodowieckis mit der Gräfin Chiftiane von «olms-Laubach aus den Jahren 1780 bis 1195 für die Stadt Thorn sichergestellt.

J Neue tschechische Kulturpreise.

Anläßlich des Geburtstages des Staatspräsidenten ?. Hacha, hat der Minister für Volksaufklärung bk Protektoratsregierung, Emanuel Moraoec, zwei- udzwanzig tschechische Nationalpreise verliehen, lliter den Musikern wurden der auch im Reiche «kannte Geiger Vasa Prihoda, ferner Dr. Clestyn Rypl für das WerkSymphonia ruris" ud V.To j an für feine OperRingelspiel" aus- j zeichnet. Auch zwei Opernmitalieder des National- 1 »aters in Prag sowie Schauspieler, darunter der (-arakterdarsteller Vlasta Bu rian, erhielten ? eise. In den Filmpreis teilen sich drei Filmschau- t eler. Schließlich wurden auch drei Schriftleiter ! t Preisen bedacht.

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hochschulnachrichten.

Der Dozent Dr. phil. habil Hermann Gundert i Heidelberg ist zum ao. Professur an der Universi. t i Freiburg ernannt worden, unter Uebertragung tis Lehrstuhls für klassische Philologie. Gundert, der 1!'»9 in Tokio geboren wurde, wirkt sei 1939 an der 1] Universität Heidelberg. Der Ordinarius für Geo- " k^fie in der Landwirtschaftlichen Fakultät der Uni- «rsität Bann, Dr. Paul S a m e l, ist auf feilen Antrag von seinen amtlichen Verpflichtungen ent« heben worden. Samel wurde 1877 in Grablaugken Äftpr.) geboren. Er studierte Physik und Landwirt­staft in Bonn, habilitierte sich dort 1913, wurde 119 Ordinarius und war in den Studiensahven 1 2224 und 193334 Rektor der Landwirtschaf t- liren Hochschule in Bonn-Poppelsdorf. Professor H. meck. Otfried Ehrismann in Hamburg ist aht o. Professor in der Medizinischen Akademie zu Asseldorf unter Uebertragung des Lehrstuhls für Hygiene und Bakteriologie ernannt worden. Ehris- ntnn wurde 1898 in Heidelberg geboren. Er pro- n vierte 1924 in München. 1932 habilitierte er fii in Berlin. 1933 wurde er dort Oberassistent u d kam dann als a. o. Professor an das Hygienische 3 stitut der Universität Hamburg.

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Dr. Brüggers Patientin

Roman von Walter Klöpffer

42. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Was hätte ich denn tun sollen?" fragte der ^Hotelbesitzer kleinlaut.

, Das fragen Sie noch? Auf meine Seite hätten . Ei> sich stellen, die Kerle meinetwegen hinausfeuern silcn. Sie sind doch der Wirt. Was liegt mir denn \m denen!" .

' Anrainer war versucht, zu lächeln über so viel Naivität, aber er hütete sich wohl.Es sind doch uStummgäste, Alwine", sagte er begütigend,und gar so schlimm war es schließlich nicht."

«Nicht schlimm? Das ist Ansichtssache. Das ist eilte Angelegenheit des Ehrgefühls. Ein Gastwirt natürlich. Aber denen werde tch's einttänken, nein ich erst Herr im Hause bin."

In dieser Minute hatte Anrainer seinen lichten Dcment und machte tabula rasa. Der Mann An- rciier war viele Wochen in Hörigkeit verstrickt ge- jueieii, hatte nur Vorzüge und keine Mängel bei feirer Auserwählten gesehen, über jetzt, in dieser ÜÄiiute, als das WortHerr im Hause" fiel, löste sich eine Klappe in seinem betörten Gehirn, und e: nackte derb Alwines Arm. Er trat ganz nahe an sie heran und blickte ihr in das vom Zorn verun- slal ete Gesichts ... .

!Hören Sie mal", sagte er. ^,Sie sind letzt drei larc in meinem Hause, Alwine. Ich habe Sie her- ^imqeführt, habe Ihnen alles gezeigt und bin der Ms nuna, derGoldene Löwen" kann sich sehen iloisin. Aber was haben Sie getan? Sie haben nichts getan als kritisiert und genörgelt und große lör e geredet, und ihr zweites Wort hieß:Das imi) anders werden." Ich habe geschwiegen, als Eie die Vorhänge von meiner seligen Frau schlecht machten, ich hab's in mich hineingefressen, daß Sie btn armen Heinrich anfuhren, der schon zwanztg 8chre bei mir ist, und daß Sie die Köchin schika­nierten, bis sie kündigte. Ich habe meinen Mund Hdten, als sie unten die Doktorin angriffen, denn ich bin kein Freund von den Bruggerschen. Aber jetzt, bo Sie mich einen Feigling schelten und mir meine ilren Kunden vertreiben wollen, jetzt ist es genug unb ich mag nicht mehr. Sie sagen, ich hätte fern

Professor Karl Ritters FilmGPU".

Eine Produktion der Ufa im Gloria-Palast.

Dieser Film, dessen Drehbuch der Spielleiter Prof. Karl Ritter zusammen mit Felix Lützken darf und Andrews Engelmann (nach einer Idee von Engelmann) geschrieben hat, ist ein poli­tischer Film: er vereinigt in sich die anklägerische Wucht unwiderleglichen Tatsachenmaterials, die Stoßkraft des aktuell Dokumentarischen mit der rasanten Spannung des Kriminalfalles zuM er­regenden Erlebnis. In einer bestürzenden Bilder­flucht der Ereignisse, deren Schauplätze von Mos­kau nach Riga, von Kowno nach Göteborg, von Hel­sinki nach Paris und Rotterdam wechseln, ent­schleiert die mit heftiger dramatischer Steigerung aufgebaute Fabel die düsteren und blutbefleckten Geheimnisse, welche sich hinter den drei Buchstaben GPU verbergen. Es ist eine Welt der Erbarmungs­losigkeit und der Grauens, in die der Zuschauer hier hineingerissen wird. Eine raffiniert angelegte Or­ganisation skrupellosesten politischen Macht- und Vernichtungswillens zieht sich wie ein Spinnennetz über die Karte der europäischen Welt. Die Mittel der GPU, scheinbar unbegrenzt, haben nichts mit internationaler, völkerverbindender Diplomatie zu tun: es sind die Mittel eines weltzerstörenden, jeder Kultur feindlichen Verbrechertums. Wer der GPU in die Klauen fällt, ist verloren oder kann nur durch ein Wunder gerettet werden. Erpressung und Folter, Mord und Sabotage, Terror und Streik, Revolution und Krieg: das sind die Schreckens­bilder, die sich hinter den drei Buchstaben verbergen. Wer sie hört oder liest, denkt an entsetzliche, un­faßbare, grauenvoll zerstörerische Dinge, an das gnadenlose Wüten eines schwer durchschaubaren, un­angreifbar scheinenden Schreckensregimentes der bolschewistischen Weltrevolutionsutopie, ohne sich von den Hinteraründen, Verzweigungen, Möglichkeiten und Methoden der GPU eine richtige Vorstellung machen zu können.

*

Professor Ritte rs Film, weit davon entfernt, die diabolische Fülle des Stoffes etwa erschöpfen zu wollen, gibt einen kleinen Ausschnitt aus der Tätigkeit der GPU-Agenten außerhalb der Sowjet­union: Ritter selbst bemerkte, daß die menschliche Phantasie nicht ausreiche, sich die grausigen Taten jener Agenten nur einigermaßen vorzustellen, ab­gesehen von der Unmöglichkeit, die ganze Wirklich­keit filmisch zu erfassen: er gibt eine Reihe von Szenen, einen Handlungsablauf von erschrecken­der Kontinuierlichkeit der Zusammenhänge: das genügt vollauf. (Dabei haben die Gestalter des Films, wie man erfährt, noch vieles ge­

mildert, abgeschwächt oder verschleiert, um die Bilderfolge für normal empfindende Menschen er­träglich zu machen.) Der Umstand, daß die Hand­lung zeitlich von der Mitte des Jahres 1939 bis in den Westfeldzug von 1940 hineinführt, unter­streicht die Aktualität der Fabel, läßt begreifen, welche Rolle die Arbeit der GPU in der Vorge­schichte dieses Krieges gespielt hat und welchem Gegner das Reich heute an den Fronten im Osten gegenübersteht.

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Was Ritters Spielleitung auszeichnet, ist vor allem die Tatsache, daß er das Typische in der Dar- stellung etlicher Einzelfälle aufspürt und an ihnen die höllische Systematik einer uns im tiefsten Wesensgrunde fremden Welt erweist. Regie und Dar­steller waren spürbar von der hintergründigen, zwie­lichtigen Dramatik des erregenden Stoffes gefangen. Die Schauplätze haben die beklemmende atmo­sphärische Dichte wirklichen Lebens. Das Ganze wirkt mit seinen vielen schnellen Ueberblendungen, welche die verdecktes Verbindunaslinien ziehen und geahnte oder überraschende Zusammenhänge sinn­fällig verdeutlichen, ungemein filmisch: der Stoff konnte kaum mit anderen künstlerischen Mitteln so plastisch erfaßt und wiedergegeben werden, und der Kameramann Igor O b c r b e r g arbeitete mit außerordentlichem Instinkt für bildhaft einprägsame Wirkungen. Andrews Engelmann, den wir aus früheren deutschen Filmen kennen und zuletzt wohl in RittersKadetten" sahen, gibt den Agenten Bok- scha, eine Figur von katzenhafter Wendigkeit und lauernder Brutalität: der erschreckende Eindruck, seiner Erscheinung wird, namentlich zu Anfang, durch eine raffinierte Aufnahmetechnik vertieft. Karl Haubenreißer (Frunse) und Vladimir M a j e r (GPU-Chef) lassen in Physiognomie und Gesten ebenfalls keinen Zweifel daran, was in diesem Spiel auf Tod und Leben von ihnen zu halten ist. Die blonde Italienerin Laura Solari, voll kühler, beherrschter Energie, ist die aktivistische Gegenspiele­rin der Moskauer Zentrale, Will 2 u ad flieg (früher in Gießen) und Marina v. D i t m a r ihre unschuldig verstrickten, verzweifelt sich zur Wehr setzenden Opfer. Vom übrigen Ensemble seien Helene v. Schmithberg, Hans Stiebner und die (als Vorsitzende der Frauenliga) etwas übertrieben pointierende Maria Bard genannt. Lale Ander- 1 e n /inGPU" zum ersten Male vor der Film­kamera, streift als Tingeitanaelsängerin mit ihrem neuen Lied durch eine schwedische Hafenkneipe.

Hans Thyriot.

Aus der Stadl Gießen.

Unsere Tiere.

In diesen Wochen wird wieder der Reichtum dex Felder eingebracht. Viele fleißige Hände müssen sich regen, um der Erde abzugewinnen, was ein Volk zum Leben braucht, und es geht oft heiß her, wenn die Zeit drängt, weil ein Wetter am Himmel steht oder weil die nötigen Arbeitskräfte fehlen. Nie aber würde der Mensch soviel von seinem Acker ernten, wenn er allein auf feine Kraft angewiesen wäre und nicht ein allzeit bereiter, williger Helfer neben ihm stünde: das Tier.

In stiller Treue tun sie jetzt wieder ihren Dienst, wie sie ihn Jahrtausende, getan haben, und ziehen die schwankenden Wagen über die Felder, wie sie im Frühjahr den Pflug und die Egge über den Acker gezogen, ohne andere Anerkennung als das Futter, das sie zu neuem Dienst tüchtig macht. Wir können uns kaum vorstellen, was fein würde, wenn auf einmal im Sommer alle die Gespanne, die Pferde, die Ochsen, hie Kühe von Straße und Feld verschwände und der Bauer allein sich der Mühsal der Ernte gegenübersähe. Gewiß hat die Technik in manchem das Haustier ersetzt, aber völlig läßt sich fein Dienst nicht entbehren. Viel Großes hat der Mensch in der Welt vollbracht: er hat der Natur ihre Gesetze abgelauscht, er hat ferne Länder in feinen Besitz genommen, er hat dem Vogel das Vorrecht des Fluges abgetrotzt eine feiner größ­ten Eroberungen indes ist das Tier. Das ist doch das schöne Wunder des Alltags: daß der Hund, einst der Bruder und Gefährte des Wolfs, das ihn zausende Kind nicht zerreißt, sondern mit ihm spielt und es schützt: daß der Stier, im vollen Besitz seiner Kraft den Menschen nicht zertritt, sondern von ihm sich das Joch auflegen läßt: daß das Pferd, vielleicht die Erinnerung an die Weite der Steppe noch in sich tragend, nicht mit dem Wagen durch die Straßen braust, sondern dem Zügel gehorcht. Selbst in die größte Krise seines Daseins, in den Krieg, hat der Mensch seine Tiere einbezogep, und das Pferd, der Hund, die Taube sind ihm auch hier treue Gefährten und Helfer geworden, die klaglos ihren gefahrvollen und schweren Dienst tun.

So haben wir das Tier in unseren Lebenskreis eingeschlossen, nicht bloß das Haustier, das mit uns lebt und in vielem uns nützlich ist wir haben zum Tier überhaupt als einem Teile der Schöp­fung ein inneres Verhältnis.

Freilich spricht auch hier wieder die rassische Eigenart der Völker mit. Man hat schon mancherlei Dinge als Gradmesser für die Höhe einer Kultur aufgestellt, den Seifenverbrauch, die Verkehrsdichte, die Zahl der Rundfunkteilnehmer, lieber den inne­ren Wert eines Volkes gibt jedoch feine Stellung zum Tier einen besseren Aufschluß als all diese technischen Errungenschaften. Wenn man sagt, daß rohe unb gewalttätige Menschen in der Jugend meist Tierquäler waren, so kann man dieses Merk­mal auch auf die Völker übertragen: je höher die Gesittung, desto menschlicher die Haltung zu den andern Geschöpfen. Es ist eine auffallende Erschei­nung, daß der Mensch, vor allem der nordische, je weiter er sich von dem ursprünglichen Naturzustand entfernt, desto verstehender der Natur gegenüber« tritt und ein desto feineres Ohr für alles Leben­dige hat. Ein norwegischer Dichter schildert einmal, wie er nach dem Tod über sein Leben Rechenschaft ablegen soll und wie er da auf die Frage, ob er auf Erden ein guter Mensch gewesen, die Antwort gibt:Frag' meinen Hund, der kann es dir sagen!"

Gerade der germanische Mensch hat auch im Tier das Geheimnis des Lebens gespürt und sich dadurch mit ihm verbunden gefühlt. Wir wissen zwar um die letzte Fremdheit, die zwischen beiden steht, und lehnen jede falsche Sentimentalität ab, die die Grenze verwischt und über einem Lieblingstier den Volksgenossen übersieht, aber wir danken auch dem Tier seine guten Eigenschaften, die wir beim Men­schen rühmen. W. F.

Heiterer Abend

mit Ludwig Manfred Lommel.

Die NS.-GerneinschaftKraft durch Freude" hatte für gestern abend zum Gastspiel mit Ludwig Manfred Lommel im Gloria-Palast eingeladen. Das Haus war bis auf den letzten Platz ausverkauft; eine große Anhängerschaft wollte den durch den Rundfunk zu außerordentlicher Popularität gelang­ten Humoristen einmal persönlich erleben. Mit dem Schlachtruf:Achtung! Hier Runxendorf auf Welle 0,5!" bestritt Lommel, sogleich mit freudigem Applaus begrüßt, den weitaus größten Teil des

zweistündigen, auf unbeschwerte Heiterkeit und aus­gelassene Unterhaltung gestimmten Programms. Das meiste von dem, was er hier brachte, dürfte aus Rundfunksendungen bekannt fein, aber da es sich dabei nicht nur um Hörspiele, sondern um kleine Kabarettszenen handelte, kamen die Besucher auch als Zuschauer völlig auf ihre Kosten und aus dem Lachen nicht heraus. Ludwig Manfred Lommel war denn auch iy großer Fahtt und zeigte sich in allerlei Gestalten und Situationen: als Reisender, welcher Auskunft begehrt und Anschluß findet, als hilfsbereiter Passagier vor der Zollgrenze, als Kaffeehausbesucher die Reisebekanntschaft erneuernd, auf nahrhafte Landwirtschaft und fetten Gänse­braten spekulierend: er saß auch als Baron von Knullrich auf dem Polizeirevier und erschien, indes das Publikum vor Freude jauchzte, als Pauline Neugebauer abenteuerlich ausstaffiert in der Sprech­stunde, wo die Geschichte mit dem Blinddarm hane­büchene Pointen zutage förderte. Eine der hübsche­sten Szenen, die er. sich ausgedacht hat, ist die im Runxendorfer Aquarium mit dem Tintenfisch; auch wer sie schon kannte, wird sie gern nochmal genossen haben. Als Einlage gab es den SketschNeugebauer braucht Vorschuß" und zum Schluß dieakustischen Spielereien am Mikrophon": in allen diesen Szenen erzielte Lommel, der unter der Hand auch noch den Ansager machte, mit seinen trockenen Anmer­kungen, seiner begriffstutzigen Beharrlichkeit und seinen imitatorischen Fähigkeiten einen uneinge­schränkten Heiterkeitserfolg und großen Beifall. Anita Stenzel als Reisebekanntschaft und als Se­kretärin, Franz Lichtenauer als Bahnhofsvor­steher, als Arzt und als Chef im Schallplattenladen, brachten ihm gefällig und geduldig das Stichwort. Den musikalischen Teil des Programms bestritten der

Balalaikavirtuose Schumakoff (Wiegenlied von Schubert, Humoreske von Dvorak), der Akkordeon- virtuose Hans N ö h r i n g mit eigenen Kompositio­nen und beliebten Schlagern, Kammersänger Bern­hard Bötel mit dem Prolog ausBajazzo" rnh einigen Liebesliedern zum Schluß, und Annemarie Schramm als Begleiterin und wirkungssichere So­listin am Flügel: auch ihnen allen wurde lebhafter Beifall zuteil. Das Publikum unterhielt sich vor­züglich. Hans Thyriot.

Bezugscheinfteie Schuhwaren.

Die Reichsstelle für Lederwirtschaft hat die Anord­nung 100 (bezugscheinfreie Schuhwaren) geändert und in Neufassung herausgegeben. Ab 15. Septem­ber sind nicht bezugscheinpflichtig folgende Arten von Arbeitsschuhwerk: Holzpantinen (Holz­pantoffel mit Vorderblatt aus Leder oder aus ande­ren Materialien), Schuhe ganz aus Holz, auch solche mit Spannkissen aus Leder. Ferner Babyschuhe bis zur Größe 22 einschließlich, zu deren Oberteil kein Leder außer lederscheckfreiem Kanin- oder Fisch­leder oder Abfallstücken von Leder, und zu deren Sohlen weder Kautschuk noch Leder mit Ausnahme von Velourspalt- oder Oberlederabfällen verwendet worden ist. Diese Babyschuhe dürfen an Verbraucher nur bei Vorlegung der Säuglingskleiderkarte ab­gegeben werden, wobei diese mit dem Vermerk 1 Paar Babyschuhe abgegeben" mit Firmenstempel zu überstempeln ist. Während der Geltungsdauer der Säuglingskleiderkarte darf nicht mehr als ein Paar Babyschuhe abgegeben werden. Ferner ge­brauchtes Schuhwerk mit Ausnahme von solchem, das von Gewerbetreibenden im Umherziehen vei> kauft wird.

Ehrgefühl? Und ich sage Ihnen, Sie sind ein auf­geblasenes, herzloses Frauenzimmer, das meint, alle Gescheitheit mit dem Löffel gegessen zu haben. Ich war blind, als ich Ihnen nachlief, aber jetzt bin ich geheilt und sehe, daß Sie keine Frau für mich sind. Wenn das schon so angeht, wie soll es erst später werden? Ich nehme alles zurück, was ich gesagt habe, und mache Schluß. Wir sind fertig miteinander. Sie sind von jetzt an der Gast Nr. 14 für mich und damit basta. Ich habe die Ehre."

Anrainer tat ein paar erleichterte Schnaufer und fand, daß er alles hinlänglich und verständig von sich gegeben habe. Er ließ Alwines runden Arm fahren, als wäre er ihm ekelhaft, und dabei hatte gerade dieser Arm ihm einmal so viel Vergnügen gemacht. Dann ging er aus dem Zimmer und warf die Tür hinter sich zu.

Die Purgstaller, die heute von allen guten Gei­lstem verlassen war, dachte gar nicht daran, einzu- lenken, sondern rannte ihm nach und rief in den Korridor:Ja, gehen Sie nur. Solche wie Sie kann ich jeden Tag haben, Sie alter Esel?"

Anrainer, schon auf der ersten Treppenstufe, drehte sich noch einmal um und sagte:Damit mögen Sie recht haben. Denn die alten Esel werden nicht alle." Sprach's und verschwand. Am nächsten Tage beschwerte sich der Herr auf Nummer 15 über den Lärm, aber Anrainer lächelte nur.

Die Purgstaller aber blieb zurück, ein vernichte­tes, heulendes Bündel, das feine letzte Chance ver­spielt hatte. Was half es, daß sie ihre Hitzigkeit und Voreiligkeit bereute? Geschehen war geschehen. Am nächsten Morgen verlangte sie ihre Rechnung und dampfte in Richtung Heimat ab.

Drunten im 'Bierftüble aber debattierten unter­dessen die Herren. Und der Baurat stellte tieffmnig fest:Wenn unser Herrgott einen Narren haben will, läßt er einen alten Kracher eine Junge hei­raten. Wir werden es noch erleben. Die hat den Löwenwirt ja schön unter der Fuchtel."

Jaja", brummten die anderen und schlückelten ihr Bier.

Der Anrainer aber, der kurz nach diesem Aus­spruch das Lokal betrat, kam sich nicht im mindesten bedauernswert vor. Schon auf der Treppe hatte er das Gefühl gehabt, er habe seine Sache diesmal großartig gemacht und im letzten Augenblick die Finger aus einem gefährlichen Fangeisen gezogen.

Er schlenderte gemächlich zu seinem noch halbvollen Weinglas und kippte es hinunter. Und als der Sanitätsrat versöhnlich anfing:Na, so schlimm haben wir es vorhin nicht gemeint", erwiderte er .fast fröhlich:

Reden wir nimmer davon, reden mir nimmer davon. Ich war ein Kamel, das sehe ich jetzt ein. Aber die Geschichte ist gut ausgegangen, ich habe ihr den Laufpaß gegeben." Dann half er dem Bürger­meister in den Ueberzieher und begleitete ihn vors Haus.

Morgen wird's wieder schon!"

Möglich. Wenn.der Himmel so- klar ist und die Sterne so hell ah, schauen Sie mal dorthin! Ist das nicht der Wagen von Doktor Brügger? Natür­lich ist er's. Kommt der erst jetzt zurück?"

Ich weiß nicht. Wir wollen ihn mal anrufen", meinte der Bürgermeister und winkte mächtig mit dem Arm.

Da vorne will einer was", sagte Hingerl am Steuer. Er hielt die kalte Stummelpfeife zwischen den Zähnen und freute sich auf sein Bett.

Doktor Brügger schrak auf und blickte die Straße entlang. Unter dem Tor desGoldenen Löwen" standen zwei Männer. Einer von ihnen winkte. Ich glaube, es ist der Bürgermeister."

'n Abend, Herr Doktor. Kommen Sie von wei­ter her?"

Ja, aus Richtung Jungholz. Gibt es etwas?'

Hm, wie man's nimmt", erwiderte Bürger­meister Hammer.Das von Ihrer Frau wissen Sie doch schon?"

Von meiner Frau?"

Ach so. Sie waren .inzwischen noch nicht da­heim?"

Nein, ich war drei Tage weg und komme eben erst zurück. Was ist denn los? Spannen Sie mich doch nicht so auf die Folter? Ist etwas passiert?"

Ja. Der Blitz hat drüben auf dem Sonnenbühel in einen der Schuppen eingeschlagen. Aber es ist nicht viel geschehen, weil Ihre Frau mit ein paar Buben gleich das Benzin aus der Garage geräumt hat. Sie hat sich sehr tapfer benommen. Zum Schluß hat sie allerdings noch eine Kleinigkeit ab« gekriegt. Aber der Sanitätsrat meint, es handle sich nur um eine leichte Prellung und einige Brand­wunden. Sie brauchen nicht zu erschrecken. Es geht ihr besser."

Brügger war blaß geworden und schluckte.Und das erfahre ich erst jetzt?"

Vielleicht wollte Ihre Frau nicht, daß Sie gestört werden", vermutete der Bürgermeister.

So wird es fein", stimmte ihm Brügger auf­atmend bei.Vielen Dank für die Nachricht! Jetzt bin ich wenigstens nicht ganz unvorbereitet, wenn ich heimkomme. Hoffentlich hat meine arme Frau keine allzu' großen Schmerzen. Erzählen Sie mir, bitte, rasch, wie alles zugegangen ist."

Als der Bürgermeister seinen Bericht beendet hatte, gab ihm Brügger die Hand.Ich möchte jetzt heim. Sie werden bas verstehen."

Natürlich. Gute Nacht und gute Besserung für die Frau? Vermelden Sie ihr meine besondere Hochachtung. Sie haben eine Prachtfrau, lieber Doktor? Einen Augenblick noch, Anrainer will Ihnen etwas sagen."

Ja? Sie wünschen, Herr Anrainer?" fragte Brügger ein wenig ungeduldig.

Ich schließe mich den Worten des Herrn Bür­germeisters an. Und was die Hypothek betrifft, so habe ich es mir überlegt. Ich lasse sie stehen, wenn Sie wollen. Wollen Sie?" fragte der Hotelier un­sicher und trat an den Schlag.

Gern."

Dann können wir uns ja die Hand darauf geben. Nichts für ungut, Herr Doktor. Das Ganze war ein Mißverständnis. Gute Nacht und schöne Empfehlungen an die Frau Gemahlin!"

_ Der gelbe Wagen schoß in die Nacht. Seine Scheinwerfer spien -Helligkeit auf die Straße, Brüg­ger fror ein bißchen und rieb sich die Hände. Arme Anna? dachte er mit tiefem Gefühl. Alles fällt über dich her. Und du stehst und bist tapfer und trägst es.Los, Hingerl, daß wir heimkommen!"

40 mehr darf ich nicht fahren. Eine recht­schaffene Frau haben Sie da erwischt, Herr Dok­tor. Hätt's net gedacht!"

Und wer war am meisten dagegen?" lächelte Brügger.

No ja, es gibt halt Ausnahmen", brummte der alte Weiberfeind.

Ja, Hingerl ich habe eine -brave Frau. Eine, die viel zu gut ist für mich", meinte Brügger ver­sonnen.

(Schluß folgt)