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Panzerschlacht vor Stalingrad.

Von Kriegsberichter Erwin Rauch Haupt.

DNB. ... 14.Sept. (PK.) Bei einer Panzcrkom- papie auf dem^ Höhengelände nordwestlich Stalingrad. Sieben Kraftwagen stehen auf dem sanft gewölbten Hügel etwa 200 Meter im Hinter­hang, die Rohre nach Norden gerichtet. Dorn liegen, tief eingegraben, Pioniere in Stärke von einer Kom­panie, mit einem rein infanteristischen Sicherungs­auftrag hier eingesetzt, und zwei vorgeschobene Be­obachter der Artillerie.

Am Vormittag Haden die Bolschewisten zweimal angegriffen. Aber unsere Artillerie jat dazwischen gehalten. Die Pioniere haben einen Feuerregen von MG.-Garben auf den Feind geschüttet, und die sie­ben Kampfwagen Haden bei der Abwehr der zwei Angriffe allein 24 000 Schuß MG.-Munition ver­schossen. Das hat gewirkt, und ein drittes Mol baden sie es drüben nicht versucht. Jetzt, kurz nach Mittag, herrscht Ruhe an diesem Abschnitt. Wir sitzen neben den Panzern, unterhalten uns und ver­folgen die weit seitlich hinter uns liegenden Ein­schläge der sowjetischen Artillerie. Sie Haden es drüben, wie immer, auf die Vormarschstraßen ab­gesehen, die mitten durch den schmalen Stoßkeil füh­ren, den vor zwei Wochen die Panzer und eine motorisierte Infanterie-Division vom Don zur Wolga wenige Kilometer nördlich Stalingrad durch die feindlichen Linien getrieben haben.

Plötzlich kommt vorn Bewegung in die Pioniere. Alles springt in die Löcher. Äe Panzerschützen, die zur Beobachtung des Geländes zur 6-Stelle der Ar­tillerie vorgeschickt waren, kommen über den Hang geeilt.Panzer von rechts!" rufen sie den Kampf­wagenbesatzungen zu. Der Funker im Panzer des Kompaniechefs fängt den Funkspruch der Panzer- Eompanbex zwei Kilometer rechts von uns, auf: Einheit ist von mehreren T 34 umfangen, die sich nach Westen auf Einheit R. zu bewegen." Da schla­gen auch schon kurz hintereinander drei Kopfgra­naten peitschend etwa 50 Meter rechts von unserem Kampfwagen in das Erdreich.

Wir sitzen im Panzer, alle Luken sind dichtgemacht, gleich muß es losgehen. Atemberaubende Spannung! Nichts ist zu hören als das gleichmäßige, einförmige Surren der Funktransformatoren.Von rechts eine kleine Staubwolke über der Höhe", sagt der Kom­paniechef jm Turm. Der Richtschütze richtet die Ka­none darauf an, gleichzeitig drehen sich die Türme von drei, vier weiteren Panzern auf das erkannte Ziel. Langsam schiebt sich drüben ein Rohr über den Hang. Jetzt der Turm wumm fast gleichzeitig feuern vier Kampfwagenkanonen. Treffer, Treffer, Treffer! Da feuert er drüben noch einmal, ohne etwas zu treffen. Wieder Abschüsse bei uns, aber noch immer fahrt der Koloß! Treffer, Treffer, Tref­fer brennt! Lichterloh schlagen die Flammen aus dem Tuttn des sowjetischen T 34, die feindliche Kampfwagenbesatzung bootet aus, die Pioniere, die in ihren Löchern die Panzer an sich vorbeirollen ließen, springen auf und nehmen die vier Mann gefangen.

Sobald eine Staubwolke über der Höhe sichtbar

wird, drehen sich die Turme unserer Kampswagen, richten sich die Kanonen, und dann prasselt em Regen von Kopfgranaten auf die ftarke Panzerung der sowjetischen Riesenfahrzeuge. Nach -0 Minuten quellen aus sechs abgeschossenen feindlichen Patern dicke, schwarze Rauchwolken zum Himmels Zwei Stunden später sind es schon neun.

Unruhig verläuft die Nacht, m der an Schlaf nicht zu denken ist. Im Schutze des fahlen Dämmerlichts hat die sowjetische Infanterie noch einen Angriff gewagt, und unsere Pioniere haben ihre Stellungen auf die Höhe unserer Panzer zurucknehmen müssen. Rechts und links von uns m den offenen Flanken sickern schwache Teile des Feindes bis auf die Vor­marschstraße durch. Nur auf gefahrvollen Umwegen gelangt nachts der Wagen nut Betriebsstoff und Munition zu uns. Die Kradschützen, die zur Ver­stärkung in den Abschnitt der Pioniere geworfen werden sollen, kommen nicht durch, da sie m unserem Rücken auf feindliche Infanterie stoßen.

Erst am Morgen klärt sich die Lage, als eine weitere Panzerkompanie in die 2 Kilometer breite Lücke rechts von uns geschoben wird, ein starker Verband von Sturzkampfflugzeugen, Ju 88 und Zer­störern Me 110, zerschlägt mit dem Eisenhagel schwe­rer Bomben und dem Feuerregen der Bordwaffen weitere bolschewistische Bereitstellungen und den­noch ragen zu Mittag abermals die Türme von 14 abgeschossenen T 34 über die Höhe,, die das Kampf­geschehen von 24 Stunden in einen Panzerfriedhof verwandelt hat.

So wie diese 24 Stunden verlausen alle Tage an der Front nördlich Stalingrad seit dem 24. August, an dem der Durchbruch zur Wolga gelang. Damals hatten sich hinter uns zunächst die feindlichen Linien wieder geschlossen. Mühselig mußten die gewonne­nen Stellungen in einem Igel nach allen Seiten verteidigt werden. So klein war dieser Raum, daß er in seiner ganzen Ausdehnung überall ohne Schwierigkeiten im Feuerbereich der sowjetischen Ar­tillerie lag. Als dann die Dormarschstraße von den allmählich nachfolgenden Infanteriedivisionen frei= gekämpft war, hörten die ungestüm vorgetragenen sowjetischen Massenangriffe von Norden her nicht auf.

So rollt auch heute noch immer die bolschewistische Walze mit Hunderten von Panzern und Infanterie Tag für Tag gegen die deutschen Stellungen auf dem Höhengelände nördlich und nordwestlich Sta­lingrad heran. Die Zahl der abgeschossenen feind­lichen Kampfwagen geht in die Hunderte, in die Tausende die der gefallenen Bolschewisten, Truppe auf Truppe wird bei uns in diese Abwehrfront ge­worfen, Panzer, Infanterie, Pioniere, Panzer­grenadiere, Kradschützen, Panzerjäger, schwäre Flak, Flakartillerie und schwere Werfer, während die Front nach Süden, von der aus man die Nordvor- städte von Stalingrad greifbar -nahe vor sich lie­gen sieht, gehalten werden muß. Unerschütterlich Saite Entlastungsversuche des Feindes hält die hrfront nördlich Stalingrad.

Moskau auch in diesem Fall wieder als Sprachrohr bienen muß. Für die Kreml-Antwort auf Churchills Charakteristik Stalins, in der er ihn als einen Mann von Humor beschreibt. Nun, so humorig ist Stalin nicht, daß er einen Terrorangriff auf eine deutsche Stadt als Entgelt für Stalingrad ansieht.

©er Wehrmachtbericht.

DNB. AusbemFührerhauptquartier, 14. Sept Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Ostwärts Noworofsjfk wurde eine be- festigte Höhenstellung des Feindes genommen. Am Terek durchstießen deutsche Truppen weitere zäh verteidigte Stellungen und fügten dem Gegner hohe blutige Verluste zu.

3m Festungskampffeld von Stalingrad dran­gen die Angriffstruppen des Heeres gegen beson­ders harten, von starker Artillerie unterstützten Widerstand in die Befestigungen am Stadtrand ein und erstürmten beherrschende höhen nordwestlich des mittleren Stadtgebietes. Bei erfolglosen Gegen­angriffen verlor der Feind 29 Panzer. Starke Kräfte der Luftwaffe griffen in die Kämpfe ein und bekämpften neu herangeführte sowjetische Kräfte ostwärts der Wolga mit guter Wirkung. In der Macht wurden Flugplätze nördlich und ostwärts der Stadt bombardiert

An der Don-Front wurde von deutschen und ungarischen Verbänden ein Angriffsunkernchmen erfolgreich durchgeführt. Wiederholte Gegenangriffe des Feindes wurden in harten Kämpfen unter Mit­wirkung der Luftwaffe abgewiesen und 13 Panzer vernichtet.

3m Raum von Rschew brachen auch gestern von starker Artillerie und Panzern unterstützte feindliche Angriffe zusammen.

Südlich des Ladogasees scheiterten mehrere örtliche Angriffe des Feindes bei beiderseitiger leb­hafter Artillerie- und Lufttätigkeit.

3n der vergangenen Macht flogen sowjetische Flugzeuge in die Ostgebiete ein. Durch vereinzelte planlose Bombenabwürfe entstanden geringe Sach­schäden.

Mach wirkungslosen Tagesftörflügen über West­deutschland führten Verbände der britischen Luft- wafte in der Macht zum 14. September einen Terror­angrift vor allem gegen die Stadt Bremen. Die Zivilbevölkerung hatte Verluste. 3n den Wohn­vierteln der Stadt entstanden Brände, Sach- und Gebäudeschaden, u. a. wurden mehrere Kirchen, Krankenhäuser und Kulturdenkmäler getroffen. Mach bisherigen Meldungen wurden 14 der angreifenden Bomber zum Absturz gebracht.

3n der Macht vom 12. zum 13. September ver­suchte ein britischer Landungstrupp, bestehend aus fünf Offizieren, einem Feldwebel und einem Mann, , an der französischen Kanalküste ostwärts Cher­bourg Fuß zu fassen. Die Annäherung wurde von der Abwehr sofort erkannt, unter Feuer genommen und das Landungsboot durch Volltreffer versenkt. Cs wurden gefangengenomnwn drei englische Offi­ziere und ein gaullistischer Marineoffizier. Tot ge­borgen wurden ein Major, ein Feldwebel, ein Mann.

3m Abschnitt Tobruk versuchte der Feind heute nacht unter Einsatz von See- und Luftslreitkräflen an mehreren Stellen zu landen. Dieser Versuch ist durch das sofortige Eingreifen italienischer und deutscher Truppen gescheitert. Zwei feindliche Schifte wurden in Brand geschossen, eine größere Anzahl Gefangener eingebracht. Deutsche Jäger haben zwei Flugzeuge im Lufikampf abgeschossen, vier weitere Flugzeuge wurden von der Flakabwehr von Tobruk vernichtet.

©er Landungsversuch bei Tobruk.

Italienisches Lazarettschiff angegriffen.

Rom, 14. Sept. (DNB.) Der italienische Wehr­machtbericht vom Montag gibt bekannt: Nach einem längerem vorbereitenden, mit eine», starken Anzahl von Flugzeugen durchgeführten Luftangriff unter­nahm der Feind in der Nacht zum Montag unter

©er wahre Glaube.

Von Hans Franck.

Während eines jener einsamen Spaziergänge in den Straßen Potsdams, die er um seinem Dolk immer wieder so nahe wie irgend möglich zu kommen oft sehr weit ausdehnte, traf Fried­rich her Große einen jungen Menschen, welcher ihm durch ungewöhnlich gute Kleidung auffiel.

Der König trat vor den Jüngling hin, und nach seiner Gewohnheit, dem Zitternden durch gütige Worte Festigkeit zu geben, den Sicheren aber durch starke Worte unsicher zu machen, fragte er unver­mittelt:Welchen Glauben hat Er?"

Der Stutzer antwortete ohne Bedenken:Ich glaube, was mein Schneider glaubt."

Hm", antwortete Friedrich, der nicht er­kennen konnte, ob sich hinter dieser überraschenden Antwort Fröhlichkeit ober Frechheit verbarg,hm, und welchen Glauben hat Sein Schneider?"

Er glaubt felsenfest, baß die drei Taler, welche ich ihm -für diesen Anzug noch schuldig bin, niemals von mir bezahlt werden."

Sein Schneider ist ein Irrgläubiger!"

Inwiefern, Majestät?"

Da sind drei Taler", gab Friedrich zur Ant­wort.Und diese drei Taler wird Er unverzüglich dem Schneider bringen. Denn man soll sich unter keinen Umständen eine Gelegenheit entgehen lassen, jemanden, der Falsches glaubt, zum wahren Glau­ben zu bekehren."

Der wohlgekleidete junge Mann nahm ohne Widerrede die angebotene Summe, sagte gebühren­den Dank und ging schmunzelnd davon.

Auch Friedrich, der Meinung, daß er in zwei­facher Hinsicht dem Schneider und dem Schwätzer gegenüber ein gutes Werk getan, außerdem noch bei weglang wieder einmal in einem Witzwortstreit obgesiegt hatte, auch Friedrich jetzte seinen Men­schensuchgang durch die Straßen Potsdams lächelnd fort.* Nach vierzehn Tagen traf der König erneut den stutzerhaften JüngUug.

Nün?" fragte Friedrich.Hat Er feinen Schnei­der zum rechten Glauben bekehrt?"

Nein, Majestät", lautete die herausgequetschte Antwort.

Warum nicht?"

Einsatz von Fallschirmjägern mit leichten F l o tt e n e i n h ei t en im Gebiet von Tobruk Landungsversuche. Die Aktion wurde von fechs Kriegsschiffen, darunter Kreuzern und Tor­pedobootszerstörern unterstützt. Das sofortige Ein­greifen der itqlienisch-deutschen Verteidigung machte den gegnerischen Versuch zunichte. Zwei Kriegsschiffe wurden in Brand geschossen; das eine von ihnen ist später gesunken. Deutsche Jäger schossen im Luftkampf zwei Flugzeuge ab. Vier weitere Ma­schinen wurden durch die Bodenabwehr von Tobruk zerstört.

Das LazarettschiffA r n o" wurde in der Nacht zum 10. September von einem britischen Torpedoflugzeug angegriffen und 40 Meilen von Tobruk entfernt, wo es Verwundete aufnehmen sollte, versenkt. Das Lazaretffchiff fuhr mit vollem Licht und trug die ebenfalls stark er­leuchteten vorschriftsmäßigen Zeichen des Ro­ten Kreuzes. Der größte Teil des Personals, darunter alle Rot-Kreuz-Schwestern, konnte gerettet werben. Außer vier Matrosen fanden 23 Sanitäter in Erfüllung ihrer Pflicht den Tod.

Dieses Geschehen reiht sich einer Serie verab­scheuungswürdiger Akte an. So wurde im vergange­nen Jahr das LazarettschiffPo" im Hafen von Valona durch ein Flugzeug torpediert. In der Nacht zum 29. Juli wurde das Lazarettschiff

Ich hatte noch keine Gelegenheit, den erwünsch­ten Bekehrungsversuch vorzunehmen."

Er hat die drei Taler, welche ich Ihm zur Ab­deckung seiner Schuld geschenkt habe, dem irrgläu­bigen Schneider nicht gegeben?"

Nein.

Wie kommt Er dazu, gegen Meine ausdrückliche Weisung zu handeln? bricht der Unmut Fried­richs los.

Da tritt bbr Liederjan in der Ueberzeugung, daß ihn auch dieses Mal nur eine kecke Antwort aus der Klemme retten kann dicht an den Zür­nenden hinan und sagt verschmitzt:Ab^r Majestät können in vollem Ernst doch nicht erwartet haben, daß mein Schneider und ich unseren wohlgegrün­deten Glauben um drei Taler wechseln! Dafür ist der Glaube des Menschen ein viel zu kostbares Gut."

Allerdings", entgegnet der überraschenden Wendung des Schlaubergers, scheinbar zwangs­mäßig, folgend Friedrich.Und deswegen, nicht wahr, wird gerade Er volles Verständnis dafür haben, daß erst recht der König bei feinem altbe­währten Glauben bleiben muß?"

Natürlich!" pflichtet der Gefragte bei und, weil er der Meinung ist, der geschickt gelegten Schlinge durch größeres Geschick entgangen zu sein, dessen aber völlig sicher werden möchte, fährt er unver­froren fort:Welches ist dieser unumstößliche Königsglaube?"

Daß ein Lump ins Loch gehört!" zieht Fried­rich das Fanggarn mit einem Ruck zu, winkt zwei Gendarmen herbei und gibt Befehl, den zappeln­den Frechling in das Gefängnis abzuführen.

Dort mußte der Potsdamer Jüngling angetan mit einer schlotternden Kleidung, die der Staat ihm umsonst lieferte, solange Flachs hecheln, bis die drei Taler, welche er dem König durch seine spaßige Antwort abgeluchst hatte, und die drei Taler, welche er ttotz der Weisung des Königs dem Schneider noch immer schuldig war, von ihm dreißigmal zu- sammenverdient wurden. Aks er endlich in die Freiheit zurückkehren durfte, hatte der Müssig­gängerische sich einen neuen, unanfechtbaren Glau­ben errungen, der vor dem Glauben des großen Friedrich mit Ehren bestehen konnte; den näm­lich: Nicht auf Kosten anderer hat man sich fein Leben einzurichten, sondern auf Grund dessen, was man durch eigene Arbeit erwirbt

Citta di Trapani" nordöstlich von Derna bombardiert. Seenotf 1 ugzeuge, die gut sicht­bar die ungeschriebenen Zeichen trugen, wurden mehrfach bei Rettungsoperationen mit MG.-Feuer abgeschossen. Diese brutalen Attentate, die in der letzten Zeit immer mehr zunehmen drei inner­halb 42 Tagen können nicht als Irrtümer ober Initiative einzelner bezeichnet werden, sondern scheinen einem genauen Operationsplan zu entspre­chen. In jedem Falle sind sie bezeichnend für die Methoden der Kriegführung der angeblichen Pa­ladine der menschlichen Zivilisation.

Die LtGA-Rüstungs- Produktion enttäuscht.

Stockholm, 15. Sept. (Europapreß.) In einem Ueberblicf über den Stand der nordamerikanisch'en Rüstungsproduktion, der in einer Botschaft an den Kongreß enthalten ist, stellt Präsident Roosevelt fest, daß die Vereinigten Staaten kaum die Hälfte des Weges zu einer vollständigen Kriegs­anstrengung zurückgelegt hätten. Er erklärte, daß England und die Sowjetunion relattv viel mehr Waffen produzieren als die Vereinigten Staa­ken, obwohl diese Staaten unter der direkten Wit- kung des Krieges stehen. In den letzten eineinhalb

Vom Ltrlaut zum Sah.

Wie das Kind sprechen levvt.

Stets haben sich die Menschen darüber den Kopf zerbrochen, wie wohl die Sprache entstanden sei, und die mannigfachsten Theorien sind darüber ausge­stellt worden. Aber auf dem richtigsten Wege zur Ergründung dieses Problems war wohl der alte König, non bem Herobot erzählt, er habe zwei neu­geborene Kinber auf eine einsame Insel bringen unb m größter Abgeschiebenheit aufwachsen lassen, um auf diese Weise die ungestörte Entwicklung des toprad)triebes zu beobachten. Die moderne Psycho- wme hat erkannt, daß wir nur beim Kinde jenes Funder der Sprachbildung, wie es sich fa- den rZruhzetten der menschlichen Entwicklung vollzog' begreifen unb nacherleben können. Die moderne experimentelle Pädagogik hat vieles wertvolle Ma­terial darüber gewonnen, wie das Kind sprechen ernt, und sie neigt heute zu der Ansicht, daß der chopserische Sprachtrieb und die Nachahmung der Umgebung dabei zusammenwirken. Der erste Laut l-' lft der Schrei, aber nicht aus ihm ent­steht die Sprache, fonbern erst aus jenen , Ur- lauten , bie im dritten Monat mit bem Erwachen des Spieltnebes auftreten, unb biefe Lallversuche gehen mit den ersten Greifversuchen parallel, sinb in- [1^0 unter den Kindern aller Rassen gleich und bilden den Urkeim jener menschlichen Anlage, der wir die Sprache Derbanten. Nach etwa neun Mo- naten kann bas Kinb einfache Wärter die ihm vor gebrochen werden, -meist Verdoppelungen, wie Saba, Papa, Mama, nachsprechen, ohne sie zu ver- at.bcr -ßS Letzt noch am Ende des ersten Lebensjahres im Ausdruck seiner Gefühle nur wenig über den höheren Säugetieren, bie, wie der Hund bur^ fernJBetten, Kummer unb Freube, Angst unb Furcht mitteilen.

Erst '^Anfang bes zweiten Lebensjahres beginnt ^r/n^ldenbe Derbinbung zwischen Wort unb Vorstellungsmhalt. Der große Wenbepunkt ist ba der den Menschen erst zum Menschen macht. Wenn man bann bas Kinb fragt:Wo ist Mama?"Wo dann weiß es, was gemeint ift, und dlrckr freudig nach dem Genannten. Bis zum 14. Monat entwickelt sich normalerweise aus bem Nachsprechen bas selbsttätige Sprechen bes Kindes,

Fahren feien im Rahmen des Pacht' und Lechge- fetzes Lieferungen im Werte von 5,1 Milliarden Dollar an die Verbündeten gelangt. Die künftigen Lieferungen mußten noch erheblich darüber liegen. Außerdem müsse bie USA.-Rüstungsmbustrie die fteigenben Anforderungen der eigenen Wehr- macht befriebigen.

Nach amtlichen Berichten würben tm Januar 1942 für 462 Millionen Dollar unb bis bahin insgesamt für zwei Milliarben Dollar Lieferungen ausgefuhxt. Wenn wie Roosevelt heute oerfünbet, seitdem für weiteres 3,1 Milliarben Dollar Lieferungen hinaus- gegangen sinb, so entspricht dies einem monatlichen Durchschnitt von runb 443 Millionen Dollar. Je mehr bie USA. ihre eigene Wehrmacht erweitern, befto weniger Lieferungen werben baher an bie verschiebenen bem Pacht- unb Leihshstern an ge­schlossenen Länber gehen können.

Hungerdemonstrationen in Kairo.

Ankara, 15. Sept. (Europapreß.) Trotz des Monats Rarnaban, ber bei ben Muselmanen em , Monat bes heiligsten Fastens ist, fanben in Kairo riesige Demonstrationen vor dem Ministerpräsidium statt, bei denen die Bevölkerung ihren Unwillen über den Mangel an Brot unb bie schlechte Qualität bes Brotes zum Ausbruck brachte. Bäckereien wür­ben mit Steinen beworfen. Die Manifestanten rie­fen:Gebt uns Brot, wir haben Hunger. Alles haben uns bie Engländer genommen!" Die ägyptische Polizei war gezwungen, sich mit Stahlhelmen ausgerüstet vor ben Bäckereien zu postieren, um sie gegen bie Wut der Massen zu schützen. Der Wagen bes Ministerpräsidenten Nahas Pascha würbe von jungen Leuten angehalten, bie ihm zuriefen:Erfülle beine Aufgaben."

Kleine politische Nachrichten.

Am 17. September trifft in ber Türkei eine japa­nische Militärabordnung ein, an ihrer Spitze Vize­admiral Namura, der Vorsitzende ber Mannekom- mission ber Staaten bes Dreimächtepaktes.

*

Der argentinische Staatspräsibent Castillo, der sich auf einer Reise nach ber bolivianischen Grenze befinbet, hatte in ber norbargentinischen Stadt Formosa ein Zusammentreffen mit bem Außenmini­ster von Paraguay, Argana, an bem auch der argen­tinische Außenminister Ruiz Guinazu teilnahm.

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Die französische Regierung hat ein Gesetz über den Arbeitseinsatz erlassen, bas allen Männern vom 18. bis zum 50. unb allen Frauen vom 21. bis zum 35. Lebensjahr vorfchreibt, eine ben Interessen bes Canbes bienenbe Arbeit in einer bem größtmögliche" Nutzen entsprechenden Weise auszuüben.

Aus dem Reich.

Arbeitstagung des Hauptamtes für Volksgesundheit.

Praktische Fragen ber Rheuma dekämpfung,. ber Bekämpfung ber Kinderlo sigkeit unb ber Tuberkulös e ftanben im Mittelpunkt einer Ar- beitstagung bes Hauptamtes für Volksgesundheit ber NSDAP, in Bab Elster, bas Reichsgesunbheitsführer Dr. Conti zum Zentralpunkt der Rheumabekämp- funb erklärte. Er übertrug dem (Bauamt Sachsen für Volksgesundheit die Führung auf diesem Arbeits­gebiet. Dr. Conti forderte den höchsten Einsatz bes Gesunbheitsbienstes zur Erfüllung der erweiterten Aufgaben. Der Gesundheitszustand des deuffchen. Volkes gebe nach wie vor zu keinerlei Besorgnissen Anlaß, die vorbeugenden Maßnahmen hätten sich auf allen Gebieten als wirksam erwiesen.

Kriegsaufgaben des Beamten.

Auf einer Zusammenkunft der Behördenleitei? aller Zweige der Berliner Beamtenschaft erklärte der Reichsbeamtenführer, Hauptdienstleiter Neef, daß es darauf ankomme, von mancher liebgeworbe- tonen Gewohnheit, selbst wenn sie schon zur Trabi- tion geworden sei, Abschied zu nehmen, sofern sie auf dem Wege zum Sieg hinderlich sein könnte. Bloße Pflichterfüllung etwa von der Art eines durch- geführten, weil erteilten Befehls könne unter den heutigen Verhältnissen niemals ausreichen. Wenn der Beamte als Vorbild gelten wolle, so müsse er über bas Bewußtsein feiner im Rahmen bes Ver­langten erfüllten Pflicht die willensmäßige Bereit­schaft beweisen, aktiver Mitträger, helfender Mit- bei dem es meist Wünsche unb Begehrungen vor­bringt. Wenn esTuhl" sagt, so bebeutet bas nicht rnehv nur ein Erkennen biefes Gegenstandes, sonbern den Wunsch: ich will ben Stuhl haben. Der Wortschatz nimmt nun zu unb erweitert sich von einem halben Dutzend auf ein paar Dutzend, ja, sogar auf hundert Worte. Das Kind begreift all­mählich, daß jedes Ding feinen Namen hat, unb übt sich in ber Benennung ihm vertrauter Dinge.

Dieses Stadium dauert meistens bis zur Voll­endung bes zweiten Jahres. Es ist die Periode, die man die besEinwort-Satzes" genannt hat. Erst gegen Enbe bes zweiten Jahres spricht es plötzlich Zwei ober mehrere Wörter zusammenhängend aus, und nun tritt auch ber große Augenblick ein, bem man früher eine so geheimnisvolle Bedeutung beilegte, in dem das ,Zch" in feinem Wortschatz auftaucht. Man hat früher darin dieGeburt bes Jnbivibualismus" sehen wollen, jene große Er­kenntnis, burch bie ber Mensch sein Ich von ber Außenwelt unterscheibet. Aber es ist wohl wahr­scheinlicher, baß bas Kinb, bas bis dahin nur nach­sprach, sich selbst so bezeichnet, wie feine Umgebung cs nennt, die ja bas Kleine beim Namen ober mit irgendeiner liebkosenden Bezeichnung nennt.

Der große Fortschritt in ber Sprachentwicklung bes Kinbes ist izicht das Auftreten desIch", fon« bern bie Verknüpfung ber Motte, die zunächst ganz regellos aus großer Erregung heraus erfolgt. So agt bas Kind zum Beispiel:Fallen Tuhl Bein Anna Hans', bas heißt Hans ist ans Bein von Annas «tuhl gefallen. Es regen sich bie Anfänge tos grammatischen Denkens, wie sie sich in ber Syntax unb ber Unterscheibung der Wortarten zeigen. Das Kind erklimmt bie höchste Stufe ber Sprachentwicklung, die logisch-begriffliche, die in ber ioubung tor Flexionen gipfelt Zwischen bem be­ginn ber Brlbung von Sätzen aus mehreren Wör­tern und dem Einsetzen der Flexionsbildung liegt eme Zeitspanne von zwei bis sechs Monaten, und dann setzt in der Regel mit Ungestüm basFrage- alter ein, bei bem bas Kinb die Großen mit un- ermublichenWarum?" unbWie?" unbWas?" beffürmt. SRit bem vierten bis fünften Lebensjahr ift dann die sprachliche 'Entwicklung so wett fottge- 'chritten, daß bas Kind imftanbe ist, feinen Ge- tt'hlen unb Gebauten einen Ausdruck zu verleiben« der den Erwachsenen verständlich iffc,