knapp fünf Monaten Krieg einen solchen Umfang angenommen, daß, um ein anderes Beispiel zu nennen, die kubanischen Zuckerexporteure über die immer stärker werdende Aufstapelung von Zuckervorräten auf Kuba klagen. (Es fehlt der Schiffsraum, um die Zuckermengen nach den USA. schaffen zu können. So liegen Hunderttausende von Tonnen Zucker in den Lagerhäusern von Habanna, Matanzas und Santiago und warten auf Verschiffung, während in den USA. der Zucker knapp wird. Zahlungsfristen können wegen der immer stärker werdenden Verschiffungsschwierigkeiten nicht eingehalten werden, und die Pflanzer Kubas haben das Nach- sehen, weil man ihnen den Zucker wegen der UeberfüUung der zpr Verfügung stehenden Lagerhäuser nicht mehr abnimmt.
Alles das sind unmittelbare Folgen des U-Boot- Krieges der Achsenmächte, der mit steigendem Erfolg bis unmittelbar vor die amerikanischen Häfen herangetragen worden ist.
15500 Häuser auf Matta zerstört.
Genf, 14. Mai. (DNB.) „Diejenigen Engländer, die die am meisten bombardierten Teile Großbritanniens bewohnen, würden erschrecken, wenn sie die Schäden auf Malta sähen", stellt ein Sonderberichterstatter des Londoner „Observer", der Malta besuchte, fest. Es ist schwer, die Schäden zu beschreiben, da Worte allein nicht ausreichen. Nicht weniger als 15 500 Häuser sind völlig zerstört oder so schwer beschädigt, daß man sie, um sie wieder bewohnen zu können, neu aufbauen muß.
Die Kriegsbeute auf Corregidor.
Tokio, 14. Mai. (Europapreß.) Nach einer Verlautbarung des Kaiserlich japanischen Hauptquartiers stellte sich nach einer Aufstellung vom 1. Mai das Ergebnis der Kämpfe um Corregidor wie folgt dar: Don den 14 000 Mann feindlicher Truppen auf Corregidor verlor der Feind 700 Mann an Toten, 12 000 Mann wurden gefangen genommen, mehr als die Hälfte von ihnen find Nordamerikaner. Erbeutet wurden u. a. 174 Geschütze, 30 Flakgeschütze -und 42 Flak-MG., 330 schwere, 130 leichte Maschinengewehre, 4000 Gewehre, 12 000 Faustfeuerwaffen, 250 ' Kraftwagen, 8 Scheinwerferbatterien und große Mengen von Munition und Nahrungsmitteln.
Funker bei der Infanterie.
Roch liegt der Schnee auf den Wegen, und nur langsam kommen wir Funker vorwärts. Die Sonne ist längst am Horizont verschwundep, und die Nacht bricht über die unendliche Weite Sowjetrußlands herein. Die Kälte nimmt wieder zu, nachdem es tagsüber schon taute. Der Schnee knirscht unter den Fußen. Von fern hört man das scharfe Knallen der Gewehre, das Rattern der Maschinengewehre. Krachende Einschläge der Artillerie dröhnen dazwischen. Die Front kündigt sich an.
An uns vorüber ziehen Spähtrupps der Infanterie feindwärts. Die Infanteristen, durch ihre Achneehemden getarnt, sind kaum auszumachen; Gespenster auf Schneeschuhen. In den weißen lieber» Zügen fängt sich der Wind. Aber endlich sind wir am Ziel. Meldung beim Kommandeur, und dann wird die Funkstelle aufgebaut. Ja, wo? Kein Haus weit und breit. Doch da schimmert noch etwas Dunkles durch die Nacht. Eine Scheune.
Gespensterhaft huschen schmale Lichtstrahlen aus Taschenlampen durch den Raum. Doch schon heißt es: „Licht aus!" Sowjetische Flieger kreisen über der Stellung.
Dann hämmert die Taste den Anruf in den Aether hinaus. Gespannt horcht alles hin zu dem Funker am Gerät, der, in einem Erdloch hockend, die Hörer am Ohr, während ringsumher Einschläge feindlicher Artillerie und Granatwerfer krachen, auf die Antwort wartet. Hat die Gegenstelle uns schon gehört? Bange Sekunden folgen. „Der Funkverkehr ist unter allen Umständen sicherzustellen", hallt uns noch das Mahnwort des Chefs in den Ohren. Doch da ertönt hell und klar die Antwort in der Hörmuschel: „C 14 kommen."
Sprüche werden aufgenommen und durchgegeben. Die Decke über dem Kopf, damit kein Lichtstrahl nach außen dringt, so wird geschlüsselt und gefunkt. Obwohl Kälte und Wind sich jetzt wieder unangenehm bemerkbar machen, die Finger können manchmal nur mit Mühe den Bleistift halten, erfüllen doch die Funker ihre Pflicht, eingedenk dessen, daß von der Durchgabe der Befehle und Anordnungen das Schicksal und das Gelingen des Unternehmens der vorn eingesetzten Infanterie abhängt.
Es ist wieder ein wenig wärmer geworden, aber immer noch pfeift der Wind mit unverminderter Heftigkeit. Für wenige Augenblicke kommt gegen Morgen die Sonne zum Vorschein. Ein wunderbares Bild, wie die Schneekristalle leuchten und glitzern ... Unteroffizier Walter Conrad.
Aus der Stadt Gießen
Oie Russenzeit 1813 in unserer Heimat.
einem
Hilfswerk für
>en Ausbruch
wurde und erst, als die im
wegs schon von durstigen Kosaken wegaenommen
7, ‘ ' i Oberförsterhause ein-
für einige Tage diese Gärten, deren Frieden sonst nur durch die Kämpfe übermütiger Knaben gestört zu werden pflegte, den belebten Anblick lagernder Kosaken, Baschkiren und ähnlichen Volkes, und die verschütteten Blumen wurden von den Hufen der Steppenpferde niebergetreten ..."
Und dabei handelte es sich danials um „Freundes Wie sich diese vertierte Masse erst als Feind vera halten würde, bedarf für uns keiner Erläuterung.
x E. Prass.
Wem die kleine materielle Gabe wirklich ein „Opfer" sein sollte, der mag einmal durch die Straßen gehen und Umschau halten. „Vielleicht wird dir einer begegnen, der viel mehr für Deutschland geopfert hat", hat der Führer vor einiger Zeit gesagt. Daran wollen wir am kommenden Sonntag denken und durch unsere Spende gern und freudig dazu beitragen, die vielen Wunden unserer für uns" kämpfenden Front zu lindern.
Ein neuer Jahrgang tritt an.
NSG. Ein neuer Jahrgang tritt an! Während seit ein paar Wochen in unserem Gau die Arbeitsmaiden in die Lager beo weiblichen Reichsarbeitsdienstes eingezogen sind und nun den Bauern bei ihrer Arbeit helfen, beginnen bereits die Musterungen für den neuen Jahrgang.
Mag auch manches Mädel vielleicht mit ein wenig Bangen den Weg zum RAD.-Meldeamt gegangen
ordnung nur dann nicht, wenn sie im gegenseitigen Einverständnis zwischen Betriebsführer und dem Gefolgschaftmitglied erfolgt. In diesem Falle ist aber das ausgeschiebene Gefolgschastsmitglied verpflichtet, sich gemäß § 3 der Verordnung unverzüglich bei dem für seinen letzten Wohnort ober gewöhnlichen Aufenthaltsort zustänbigen Arbeitsamt persönlich ober schriftlich zu melden. Arbeitskräfte, die dieser Meldepflicht nicht nachkommen, machen sich strafbar«
Lebensmittelzulagen für Hilfskräfte in der Landwirtschaft.
Aus allen Kreisen des Volkes stellen sich in diesem Jahre Hilfskräfte für die Landwirtschaft zur Verfügung. Der Reichsernährungsminister hat für diese Kräfte besondere Lebensmittelzulagen bewilligt. Nach dem Erlaß können Betriebsführer landwirtschaftlicher Betriebe, die nicht in die Selbstversorgerge- meinschaft aufgenommene Arbeitskräfte vorübergehend beschäftigen und beköstigen, von der Karten* stelle zusätzliche Mengen an Lebensrnitteln zur Verpflegung dieser Arbeitskräfte, soweit sie nicht Selbstversorger sind, erhalten und zwar je Arbeitskraft und Tag 150 Gramm Mahlgetreide oder Brot, 50 Gramm Fleisch und 15 Gramm Fett. Für Lebensmittelmengen, die über diese Zusatzrationen hinaus- gehen, können die Betriebsführer von den eingesetzten Kräften entsprechende Lebensmittelmarken verlangen. Da die Beköstigung der Kräfte innerhalb der Betriebe nicht in allen Fällen möglich ist, können die Betriebsführer die zusätzlichen Lebensmittelmarken an die nichtständigen Arbeitskräfte als Ersatz für die nicht gewährte Beköstigung weitergeben.
«Sonnenstrahlen als Brandstifter.
Sonnensttahlenwärme kann bei Sammlung der Strahlen in Sammellinsen, wie sie die von Kindern gern benutzten Brenngläser darstellen, zur Entzündung führen. Alljährlich^ besonders im Frühjahr und Sommer, entstehen auf diese Weise durch un< vorsichtige Kinderhände zum Teil erhebliche Brandschäden. Elternhaus und Schule erwächst daher die Aufgabe, die Jugend auf die verderblichen Folgen des unbedachten Spielens mit Brenn gläsern eindringlich hinzu weisen, um durch Wecken des kind-
und während noch Lampe, Spiegel ynb Blumenvase, alle gleich gut getroffen, in Scherben umher- flogen, polterten die Russen mit gezogenen Säbeln in das finstere, raucherfüllte Zimmer, den Ausbruch von Feindseligkeiten wähnend, bis es gelang, ihnen den Vorfall begreiflich zu machen.
Ein Teil des russischen Kriegsvolks, das in Krofdorf selbst keinen Raum mehr fand, lagerte mit Pferden, Kamelen Und zahllosen Parkwagen in den Gärten inmitten von Stroh- und Heuhaufen, wie man solche dort zusammengeschleppt hatte. In ein förmliches Kriegslager verwandelt wurde damals durch die russischen Völker das Gelände auf der Nordseite des Dorfes, jenes Gewirre zahlreicher großer und kleiner Gärten, welches herkömmlicherweise „In den Dietzen Gärten" benannt wird. So boten denn
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Betreff: Allgemeine kostenlose Erfinderberatung, insbesondere über die erfinderische Mitarbeit der Gefolgschaft.
Sämtliche Volksgenossen, die sich in Sack>en einer Erfindung insbesondere über die erfinderische Mitarbeit der Gefolgschaft beraten lassen wollen, haben hierzu am Montag, dem 18. V. 42, vormittags zwischen 10 und 12 llhr, im Hause der DAF., Gießen, Schanzenstraße 18, kostenlos die Möglichkeit. Auskunft Zimmer 13. 1617D
Meldepflicht beim Arbeitsplatzwechsel.
Im Kriege muß der Arbeitseinsatz den Kriegs- erforberniffen entsprechend gelenkt werden. Die Verordnung über die Beschränkung des Arbeitsplatzwechsels vom 1. September 1939 gibt den Arbeitsämtern die dafür erforderliche Handhabe. Leider kommt es juxf) immer vor, daß Arbeitskräfte wegen Verstoßes dagegen strafbar werden, weil sie nicht beachten, daß nach § 1 der genannten Verordnung nur eine im Einverständnis mit dem zuständigen Arbeitsamt' ausgesprochene Kündigung rechtswir- kend ist. Der Zustimmung zur Lösung des Arbeitsverhältnisses bedarf es nach § 2 der genannten Ver
fem, heute ist auch dieses längst überwunden. Es erfolgt zunächst die Erfassung auf Grund der Personalpapiere, der Bescheinigung durch die Kreis- polizeibehörde und das Arbeitsamt und dann eine gründliche ärztliche Untersuchung, bei der die Tauglichkeit für den RAD. festgestellt wird. Führer und Führerinnen führen gemeinsam mit Aerzten die Musterung durch und sind außerdem gerne bereit, alle Fragen zu beantworten, die an sie gerichtet 'werden.
Und wenn das Wort „tauglich" ertönt, dann freut sich jedes Mädel auf die Zeit, wo es als Arbeitsmaid im blauen Kleid und roten Kopftuch mithelfen kann. Und wir wissen, daß sie alle ihre Arbeit frisch und fröhlich anpacken werden.
Am kommenden Sonntag werden wiederum die Sammler und Sammlerinnen von Haus zu Haus gehen, um von uns eine Spend? zu erbitten. Es wird ein Appell an unsere Herzen sein, der diesmal besonderen Zweck dient: Es gilt das Kriegs- . . erk für das Deutsche Rote Kreuz durch unsere Gabe zu unterstützen, und damit auch hier unter Beweis zu stellen, daß die Heimat die Front nie vergißt und alles tut, um durch ihr Handeln ihre stete Mithilfe tatkräftig unter Beweis zu stellen.
Es ist ja so wenig, was von uns verlangt wird, wenn die Sammler an uns heran treten. Was aber gibt die Front für uns? Ihr allein verdanken wir es, daß wir in der von ihr verteidigten und geschützten Heimat leben und arbeiten dürfen. Dafür geben jene Leben, Gesundheit und Jugend in täglicher entsagungsvoller und stillschweigender Selbstverständlichkeit dahin. Sollen wir uns von ihnen beschämen lassen?
Von den bunt wechselnden (Einquartierungen, durch welche 1812/13 die (Bleiberger Gegend bedrückt wurde, haben die Russen als eine der letzten und lästigsten noch lange von sich reden gemacht. Ungeheure Gefräßigkeit, welche nur durch große Quantitäten roh zubereiteter Speisen gestillt werden konnte, sowie maßlose Gier nach Branntwein waren die hervorstechendsten Eigenschaften dieser Einquartierung. Ihr Lieblingsessen bestand in Kohl (Ka- pufta), daher ihre stereotype Forderung an die Quartiergeber: „Mutter, Kapusta! Vater, Schnaps!" Die Kohlhäupter kochten sie unzerteilt in den großen Siedekesseln der Bauern, um dann mit einem Kreuzschnitt, in welchen reichlich Pfeffer gestreut wurde, aufgetragen zu werden, oft in großen Mulden ober ähnlichen Gefäßen, um die man sich beim Essen auf den Fußboden lagerte. Rasch war in den Dörfern durch den unersättlichen Durst dieser „Gäste" aller Branntweinvorrat ausgetrunken, und nun begannen diese in Ermangelung fertigen Branntweins den warmen „Vorlauf", wie er aus dem Brennapparat tarn, zu trinken.
Die Manneszucht wurde mit Hilfe der Knute notdürftig aufrechterhalten. UeberaU, wo sich der gemeine Soldat unbeobachtet wußte, gestattete er sich, einem Feinde gleich, alle möglichen Ausschreitungen gegen die Personen wie gegen das Eigentum. In sehr üblem Andenken steht auch die Unreinlichkeit dieser Naturmenschen,, durch welche die Wohnungen sehr bald das Aussehen der schmutzig- ten Ställe erhielten, ganz zu schweigen des wimmelnden Unrats, den sie ip ihren Pelzen mitbrachten. Kosaken, halbwilde Lanzenreiter, mit Pfeil und Bogen bewaffnete Baschkiren marschierten durch die Gegend. Die vorerwähnten Schußwaffen sollen sie zuweilen für Geld unb gute Worte an die deutsche Jugend verkauft haben, die sich damit belustigte.
Aus jener Zeit ist aus Krofdorf folgenber Be- richf überliefert: „Als kein Tropfen Feuerwasser Mehr in Krofdorf zu kaufen war und die russische (Einquartierung im Oberförsterhause desto stürmi- cher „Wotki" und „Vater Schnaps" schrie, schickte der Oberförster nach Gießen. Nie aber erreichte die neue Sendung Krofdorf, da dieselbe jedesmal unter-
Wunder der Blüte.
Die Hinterfront des Gebäudes ist nicht schön. Als das Gebäude errichtet wurde, putzte man die Fassade prunkhaft heraus, gab ihr Stuckverzierungen und pompöse Aufbauten. Das ist schon lange her, und ber Zahn der Zeit hat seine nagende Wirkung an dieser Pracht inzwischen erprobt. Mit der Hinterfront war allerdings schon damals kein Staat zu machen, sie wurde so lieblos hingehauen, daß sie heute geradezu erbarmungswürdig aussieht. Um die Nachbarhäuser steht es nicht besser, weshalb der schönheitsuchende/ Blick keinen Ruhepunkt zum Verweilen findet. UeberaU sieht er kahles, nüchternes Mauerwerk, das sich nach dem Hof zu in Schuppen und Quergebäuben fortsetzt.
Diese Eintönigkeik der Hinterfront wird indessen in jedem Frühjahr wie durch ein Wunder verwandelt. Es ist, als wenn durch einen-Gnadenakt der Schöpfung die Bewohner für ihr Ausharren in dieser Umgebung ein wenig entschädigt werden sollten. Auf einem ungepflasterten Fleck von wenigen Quadratmetern erhebt sich auf dem Hof ein Obstbaum, ein Apfelbaum, der offensichtlich schon manche Lenze gesehen hat. An Früchten wird er selten reich, da die Bienen vermutlich nicht häufig den Weg durch die steinerne Umwelt finden. Um so schöner ist gewöhnlich der Schmuck seiner Blüten. Wenn er feine ganze Pracht entfaltet, nimmt er sich aus wie ein Märchenbaum, der nach allen Seiten feine Schönheit verschwendet und selbst noch die traurige Hinterfront wie mit stillem Glanz verklärt.
Die Bewohner wissen dieses Glück zu schätzen. Bringt auch der Baum kaum einen materiellen Gewinn, so wird ihm doch die Pflege zuteil, die Ort und Umstände erlauben. Ein alter Mann aus dem Erdgeschoß, ein Mieter wie alle anderen, gräbt in jebem Frühjahr das Fleckchen (Erbe um, düngt es auch zuweilen und trägt in trockenen Sommerwochen manchen (Eimer Wasser dorthin. Würde man ihn fragen, ob er einen Auftrag ober einen besonderen Beweggrund für fein Tun habe, so bekäme man nur ein verwundertes Kopfschütteln zur Antwort. Die Psleae des Baumes ist ihm so selbstverständlich geworden wie dem Daum die ihm innewohnende Kraft, die jahraus jahrein die Blätter treibt unb die Blüten hervorbringt.
Es gibt gar manchen Baum, der in diesen Tagen wieder mit dem Wunder der Blüte überrascht unb stolz seine Schönheit zur Schau trägt. Vor der Stadt unb in unseren Gärten frohlockt die schneeige Blütenpracht, daß die Seele ganz davon erfüllt wirb. Einen rührenderen Anblick aber kann es kaum geben wie jenes zarte Rosenrot ber Apfelblüten, die einen Hymnus auf die Schöpfung fingen unb so betn stillen Milieu der Hinterfront für" kurze Zeit alle Trostlosigkeit nehmen. H. W. Sch.
Freudig geben!
Diesmal für unsere verwundeten Soldaten.
in ein Versteck gelegt wurde, um den' Inhalt in mäßigen Gaben allmählich austeilen zu können. Allein der zwölfjährige Oberförsterssohn, dem dieser haushälterische Sinn noch fehlte, beging den Schalkstreich, den Aufbewahrungsort des Fäßchens den lechzenden Kosaken zu verraten. Im Jubel trugen sie den lachenden Knaben auf den Schultern umher, setzten ihm liebkosend ihre Mützen auf unb behängten ihn mit ihren Pelzuniformen. Das Fäß» chen aber ward in einem Satze bis zum letzten Tropfen geleert ... Durch das beständige Umgehen mit Gewehren nur allzu furchtlos gemacht, versetzte der Oberförsterssohn seine Angehörigen eines Abends in schwere Verlegenheit. Wißbegierig, roeb cher Art die von den russischen Offizieren benützten Gewehre sein möchten, hatte er eine dieser Mus- keten aus einer Ecke des Zimmers herbeigeholtt Im Glauben, der Hahn des altmodischen Feuersteinschlosses stehe in ber „Ruhe", während derselbe aus Versehen noch völlig gespannt geblieben war, zielte er mit dem Gewehr nach der stiedlich brennenden Lampe unb drückte, als er das Licht recht scharf auf dem Korn hatte, ab — ein furchtbarer Knall! —
quartierten Offizier einen Soldaten zur Bedeckung mitgaben, gelangte das Branntweinfäßchen unge- I leert in den Keller des Oberförsters, wo dasselbe
Warnung aus Stendal
Roman von A. Lothar Philipp
30. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Lanos hat nicht gesagt, daß bas seine Braut sei?"
„Nie! Er hat sie auch nicht 'besonders gut behandelt. Manchmal hat er sie angeschnauzt, daß die Fetzen flogen. Lügenhaftes Frauenzimmer, erbärmliches Zigeunerschipfel, blöde Ziege, so hat er sie genannt, ich habe es genau gehört —"
„Zigeuner — wie war das?" wiederholte Wenig und warf Krähe einen Blick zu.
„Zigeunerschipfel. Weil sie so schwarz war und so ausländisch sprach, wissen Sie!" -
„Und wie war das am Mordtage?"
„Da habe ich mich nicht drum gekümmert. Ich war nachmittags weggegangen, um frische Schrippen zu holen. Mir war zwar so, als hör<e ich Schritte in seinem Zimmer, aber ich dachte, es wäre Herr Lanos. Aber dann kam er gegen 8 Uhr selber. Und dann ging ich weg. Wetter weiß ich nichts, so wahr mir Gott helfe! Amen."
„Na — na, wir sind ja hier nicht in der Kirche, Frau Hauckwitz/ Und warum haben Sie geschwin- beit, daß sich die Balken bogen?"
„Ich hatte doch Angst, daß Sie mir was anhaben könnten, Sie wissen schon, wegen Kuppelei und so —", sie schluchzte wieder etwas unb sah scheu zu ihm auf.
Der Kriminalrat hielt es nicht für diplomatisch, sie deswegen zu beruhigen, er glaubte vielmehr, daß es besser sei, sie wegen ihrer falschen Aussagen noch etwas unter Druck zu halten.
„Das wird Sache des Staatsanwalts fein, zu entscheiden, ob etwas gegen Sie vorliegt, Frau Hauckwiy. Krähe, haben Sie das Protokoll? Donn lesen Sie es Frau Hauckwitz vor, sie kann dann unterschreiben und dann nach Hause gehen."
Als sie das Protokoll unterschrieben hatte, ging sie, immer noch schluchzend, hinaus.
„So, Krähe", sagte der Kriminalrat frohgemut, „nun werden wir die Sache noch einmal ^durcharbei- ten und nach München telegraphieren. Fragen Sie an wegen der Zigeunerin Irene Norodna genannt Zirri. Denn ich wette, diese Frau ist eine Zigeunerin, umsonst sagt Lanos nicht zu ihr Zigeuner- schipsel. Außerdem hat sie eine falsche Aussage gemacht. Sie wissen doch, daß sie sagte, sie habe Lanos in den letzten vier Wochen nicht gesehen. Wir werden sie schon kriegen. Die hat die Finger mit in ber Sache, verlassen Sie sich drauf —"
„Meinen Sie, sie ist in der Mordsache beteiligt, Herr Kriminalrat?" fragte Krähe.
„Worauf Sie sich verlassen können. Sie weiß auch, wo Lanos ist, sie weiß, was damals in dem Zimmer vor sich ging unb warum Barthold getötet wurde, sie weiß alles. Und wir werden sie zum Sprechen bringen. Also lustig, lustig!"
8.
Die Antwort aus München kam am Samstagnachmittag.
„Sieh mal einer an", sagte Krähe und blickte zu Wenig hinüber", „sie-schreiben:
,Norobna, Irene, alias Kleberbach, Zirri, geb.
5.7.1916 in Deutsch-Krone, aus dem Stamme Holler, Artistin. Der Stamm Holler hält sich dem Vernehmen nach in der Altmark auf?"
„Teufel", rief ber Kriminalrat, „demnach ist sie ja aus dem gleichen Stamme wie dieser Anton Sumor. Dann müßten die beiden sich doch kennen, Krähe!"
„Wollen wtt sie mal gegenüberstellen?" fragte Krähe lächelnd. Er versprach sich sehr viel davon.
„Ja, wenn wir sie verhaftet haben. Und ob wir sie verhaften, das wird davon abhängen, was sie uns morgen sagen wird. Holler, Holler —", der Kriminalrat legte sich die Hand an die Stirn und blickte zum'Fenster hinaus, „Sumor sagte, wenn
ich mich recht erinnere — nein, er hat immer bestritten, Zigeuner zu fein. Aber die Leeids, sehen Sie doch mal die Protokolle über die Vernehmung der Franziska Leeds durch, ich glaube, sie erzählte etwas von einem Zigeuner Holler in Stendal — unb Stendal ist doch die frühere Altmark."
„Man müßte einen Kopf haben", brummte Krähe, „so groß wie ein Eimer." Dann blätterte er verbissen in dem dicken Aktenstück herum.
„Hier", sagte er endlich unb trat zu dem Kriminalrat, „da steht: »fuhr ich nach Stendal, wo Barthold eine - Stellung bei dem Wanderzirkus Holler innehatte. Ich fragte Herrn Holler —l“
und so weiter", unterbrach chn der Kriminal- rat, „das genügt. Ich glaube, Krähe, mir haben diesen geheimnisvollen Stamm Holler da vor uns. Wir wollen mal festhalten: Barthold war bei Holler beschäftigt, Sumor gehört zu dem Stamm und die Norodna auch. Sumor und die Norodna sind Zigeuner, Barthold nicht. Die Norodna war zur Zeit des Mordes mit Lanos zusammen in der Wohnung. Das wird ja immer netter. Ich bin gespannt, was wir nun morgen erleben werden."
„Ja", sagte Krähe langweilig, „allmählich kommen wir doch dahinter."
„Wir wissen noch nichts, und es ist ein Zeichen einer höheren Weisheit, wenn wir uns das eingestehen. Selbst die alten Griechen waren besonders weise, wenn sie wußten, daß siss nichts wußten —"
„Das müssen dann schöne Idioten gewesen fein", warf Krähe ein.
„Sagen Sie das nicht, das ist Selbsterkenntnis. Was wissen wir schon? Nichts. Barthold ist ermordet worden. Wir wissen nicht, von wem, wir wissen nicht wieso und warum, wir wissen nicht, was mit Lanos ist, und welche Rolle die Norodna und Sumor dabei spielten, wir wissen nicht, was Barthold in Lanos' Wohnung trieb unb warum er uns warnte, wir wissen nicht, woher er wußte, daß jemand Lanos ermorden wollte, wer ihn ermorden wollte und warum, wir wissen nichts und wir sind weise, denn wir wissen, daß wir nichts wissen —"
„Bisher habe ich immer angenommen", warf Krähe ein, „wenn einer nichts weiß, ist er ein Dussel —"
„Veraltet, Krähe, vollkommen veraltet, nur das Nichtwissen erhebt den Menschen zu den lichten Höhen der Erkenntnis, aber ich fürchte, das ist zu hoch für Sie —"
„Bestimmt, — pflichtete ihm Krähe bei, „denn je mehr Sie reden, um so dämlicher komme ich mir vor."
„Machen Sie sich nichts daraus, Krähe", tröstete ihn der Kriminalrat, ,chas geht vorüber wie ein Schnupfen. Am Sonntagabend werden Sie mehr wissen und bann zufrieden fein."
,Hch schließe mich Ihrem frommen Wunsche an", seufzte Krähe. —
9.
Die Direktion des Eispalast-Varietes hatte eine große Propagandaaktion für ihre Jubiläumsvorstellung eingeleitet. In allen Blättern standen große Inserate, der Rundfunk hatte einen Kurzbericht über die Proben gebracht, an allen Anschlagsäulen klebten die Plakate: am 10. September Jubiläumsvorstellung im Eispalast.
Und in allen diesen Inseraten und Plakaten, in den Berichten der Zeitungen und des Rundfunks war ein Name besonders hervorgehoben wordem Elisabeth Perling, der Universal-Star. Die schönste Artistin des Eispalastes, so hatte eine Zeitung sie genannt, nachdem der Berichterstatter ihren Proben beigewohnt hatte. Ihr Bild schmückte alle Plakate, und die illustrierten Zeitungen brachten einzelne Stücke aus ihrem Auftritt.
Gleichzeitig war vorangekündigt worden, daß Elisabeth Perling ab 1. Oktober täglich im Eispalast auftreten werde.
Zahlreiche Vertreter der Presse und der Behörden waren geladen worden, ebenso berühmte Künstler, welche die Logen füllten. Gegen 19 Uhr schon begann die Auffahrt und die Ankunft der Zuschauer.
^Fortsetzung folgt.)


